Interviews

28/07/2017 - 07:15

Stadt-Mama Katharina

Postnatale Depression kann jede Frau treffen - und darf deshalb kein Tabuthema mehr sein

Ihr Lieben, Postnatale Depression ist immer noch ein Tabuthema - dabei ist Aufklärung so wichtig. Wir haben mit Andrea Borzatta, Co-Präsidentin Verein Postnatale Depression Schweiz, darüber gesprochen, wie häufig postnatale Depressionen auftreten und wo Betroffene Hilfe finden:

Fast bei allen Frauen fahren die Hormone nach der Geburt Achterbahn - wann spricht man von Babyblues und wann von Postnatalen Depressionen?

Der Baby Blues beschreibt leichte depressive Verstimmungen, eine deutliche Stimmungslabilität und häufiges Weinen sowie Erschöpfung in der ersten Woche nach der Geburt. Dieser postpartale Blues (früher „Heultage“ genannt) wird häufig als „normale“ Folge der hormonellen Umstellung verstanden. Diese Symptome klingen meist innerhalb von Tagen spontan ab (spätestens nach zwei Wochen) und kommen bei bis zu 80% der Mütter vor. Bei der postnatalen oder postpartalen Depression sind die depressiven Verstimmungen anhaltend. Dazu kommt ein Gefühl der inneren Leere, die Unmöglichkeit, sich über das Baby zu freuen, chronische Erschöpfung, Antriebslosigkeit, das Erleben von starker Überforderung, starke Gefühle der Angst, Schuld und Wertlosigkeit. Oft treten zusätzlich Beschwerden wie Appetit- und Schlafveränderungen, wie beispielsweise das wiederholte nächtliche Aufwachen obwohl das Kind gar nicht weint, auf.

Wie viele Frauen sind davon betroffen, gibt es "Risikogruppen" und wie lange nach der Geburt tritt sie meistens auf?

In der Schweiz wurden im Jahr 2016 85648 Kinder geboren. Rund 15% der Frauen – etwa 12847 pro Jahr – stürzt das sogenannt freudige Ereignis in die Krise: Sie erleiden eine postnatale (postpartale) Depression oder gar Psychose und: es kann jede Frau treffen! 

Aus Untersuchungen ist bis heute einzig gesichert, dass depressive Symptome in der Vorgeschichte der Mütter wie zum Beispiel starke Stimmungsschwankungen in der Pubertät, frühere depressive Krisen nach Beziehungsverlusten oder eine genetische Veranlagung (ein Elternteil oder ein Geschwister ist depressiv) ein erhöhtes Risiko darstellen, an einer postnatalen Depression zu erkranken.
Neben den körperlichen Faktoren kann es auch psychosoziale Faktoren geben: Zum Beispiel wenig bis keine Unterstützung aus dem eigenen familiären Umfeld, aber auch Paarkonflikte, Konflikte mit der Herkunftsfamilie oder eine soziale Isolation wie nach einem Umzug sind weitere Risikofaktoren.
Genügend Schlaf ist in der Zeit nach der Geburt besonders wichtig. Bei erschöpften Müttern wurden gemäss einer Untersuchung mehr depressive Symptome nachgewiesen, als bei jenen, die angaben, genügend zu schlafen.  Auch Not-Kaiserschnitte oder andere traumatisch erlebte Geburten können das Risiko für die Entwicklung einer postnatalen Depression erhöhen. 

Die Postpartale Depression tritt meist im ersten Jahr nach der Geburt auf, meist in den ersten Wochen, und kann Monate bis manchmal über ein Jahr dauern. Die Phasen des Babyblues und der postnatalen Depression können fliessend ineinander übergehen.

Wir hatten auch schon mal einen Gastbeitrag einer Frau, die davon erzählte, sie habe darüber nachgedacht, dem Baby etwas anzutun. Wie häufig kommen solche Gedanken vor und sind die der Grund, warum viele Frauen so viel Angst haben, sich Hilfe zu suchen?

Wenn die Ängste deutlich übersteigert sind und Panikattacken, beispielsweise wenn man mit dem Kind alleine ist, auftreten, spricht man von einer postpartalen Angsterkrankung. Auch Zwangsgedanken können sehr belastend sein. Frauen haben ständig Angst, dem Kind oder dem Partner passiere etwas, das Kind falle vom Wickeltisch oder sie lasse den Kinderwagen auf der Strasse plötzlich los. Manchmal sind auch Gedanken, man könnte dem Kind etwas antun, allgegenwärtig. Selbstverständlich schämen sich die Frauen für diese Gedanken und warten deshalb oft zu lange, bis sie sich Hilfe suchen. Solche Gedanken haben nicht alle Frauen mit postpartaler Depression, aber wenn sie da sind, sollte fachliche Hilfe beansprucht werden.

Warum wird eigentlich so wenig über Postnatale Depressionen geredet?

Die Frau von heute soll vielen verschiedenen Rollen gleichzeitig gerecht werden: Sie soll nicht nur eine einfühlsame und kompetente Mutter sein, sie soll zudem eigenständig und belastbar, ihrem Partner eine gute Kollegin und Intim-Partnerin sein und möglichst bald wieder erfolgreich in den Beruf einsteigen. Nebenbei soll sie problemlos stillen können und den Haushalt perfekt führen. Schliesslich arbeitet sie nun ja nicht mehr und hat „nur“ ein Kind zu versorgen. Diese Mehrfachbelastungen und neuen Herausforderungen im Familienalltag können starken Erwartungsdruck – von innen und aussen – auslösen, sodass junge Mütter oft zu lange warten, bis sie sich Hilfe holen. In der heutigen Zeit der hochentwickelten medizinischen Möglichkeiten wie beispielsweise beim Thema Kinderwunsch, aber auch beim Geburtsverlauf, können bei den Frauen dazu führen, auch nach der Geburt zu denken, dass alles machbar und kontrollierbar sein muss. Auch der Wettbewerb unter Müttern bezüglich Durchschlafen, Sitzen, Krabbeln, Sprechen kann starken Druck und Unsicherheiten auslösen und die Einsamkeitsgefühle noch verstärken. Aus Angst als undankbar oder Versagerin angesehen zu werden, warten viele Mütter oft zu lange, bevor sie über ihre Situation sprechen und Hilfe suchen.

Wo bekomme ich als Betroffene Hilfe? Welche Schritte sollte ich zuerst gehen?

Als erster Schritt kann beispielsweise ein Selbsttest, die sogenannte Edinburgh-Postnatal-Depressions-Skala (EPDS) gemacht werden. Dies ist ein Fragebogen, der die Stimmungslage der letzten 7 Tage erhebt. Eine hohe Punktzahl deutet auf eine mögliche Depression hin. Der Fragebogen ersetzt keine Diagnose. Er gibt aber einen Hinweis darauf, ob die Betroffene eine Ärztin zur genaueren Abklärung aufsuchen sollte. Gerade Frauen, die das Gefühl haben, dass etwas nicht mit ihnen stimmt, können mit der EPDS eine erste Einschätzung ihrer Situation vornehmen.  http://www.postnatale-depression.ch/de/selbsttest.html

Auf unserer Website findet man zudem eine Auflistung von Fachpersonen nach Region der Schweiz oder die Möglichkeit, sich für die Zuweisung einer Patin (ehemals betroffene Frau), welche einem in der schwierigen Zeit zur Seite steht, anzumelden. Zudem gibt es einige Selbsthilfegruppen, in denen sich betroffene Frauen austauschen können – denn oft tut es in dieser schwierigen Zeit einfach gut zu merken, dass man nicht alleine ist und es Frauen gibt, die einen verstehen.  

Meist braucht es aber auf dem Weg zur Heilung erstmal den Punkt, an dem man sich eingesteht, dass man Hilfe braucht und dann auch bereit ist, diese anzunehmen. Deshalb ist es uns als Verein wichtig, über die Krankheit aufzuklären und das Tabu zu brechen, damit die Frauen schneller wissen, woran sie leiden und Hilfe suchen können und sich dann mit ihren Ängsten und Sorgen nicht als Aussenseiterin, sondern von ihrem Umfeld aufgefangen fühlen.

Wie kann man Postnatale Depressionen behandeln?

Bei mittelschweren bis schweren Formen der Postpartalen Depression werden in der Regel Antidepressiva verschrieben. Deren Wirkung tritt jedoch meist erst nach drei bis vier Wochen ein. Es gibt heutzutage auch Medikamente, welche in der Schwangerschaft und während des Stillens eingenommen werden können, ohne das Baby zu schädigen. Gewisse Medikamente wirken eher schlaffördernd, andere vermehrt gegen die heftigen Ängste oder die innere Unruhe sowie bei starken depressiven Zuständen.
Ob eine Heilung ohne Medikamente möglich ist, hängt vom Ausprägungsgrad der Depression ab und kann nur eine Fachperson beurteilen. Bei leichten bis mittelschweren Ausprägungen der Depression können psychotherapeutische Interventionen wie konkrete Besprechungen von Hilfsmöglichkeiten im Alltag, Entspannung bei der Schlafproblematik oder die Herstellung von Kontakten z.B. zu anderen Betroffenen wirksam sein.

Wie kann ich als Außenstehender meine Freundin/Meine Frau unterstützen?

Das Wichtigste ist, der Frau keine Vorwürfe zu machen, denn diese macht sie sich selbst schon genug. Oft hilft es einfach da zu sein, sie mal in den Arm zu nehmen und ihr Raum für ihre Traurigkeit zu geben. Zudem ist eine Frau mit postnataler Depression sicherlich dankbar, wenn ihr Dinge, welche organsiert werden müssen, abgenommen werden, da ihr dazu meist die Kraft fehlt. Und das können kleine Dinge sein: einkaufen, Wäsche machen, ein warmes Essen kochen, Arzttermine organisieren, die Küche putzen, ein Spaziergang mit dem Kind etc. 

Wenn ich nach dem ersten Kind Depressionen hatte und nun wieder schwanger bin - bekomme ich dann automatisch wieder Depressionen?

Das Rückfallrisiko ist hoch, insbesondere bei einer weiteren Geburt, aber nicht nur. Eine Studie stellte auch eine Rückfallrate von 80% bei Frauen fest, die nach der PND keine weiteren Kinder hatten. Meist fällt es Frauen, welche nach einer weiteren Geburt erneut depressive Gefühle erleben, leichter sich Hilfe zu suchen und über ihre Situation zu sprechen. Hilfreich ist es, wenn man basierend auf den Erfahrungen der ersten Depression versucht, möglichst viel schon vor der Geburt zu organisieren: Psychiater/in, Psychologe/in, Mann zuhause, Hilfe im Haushalt, Essendienst, Betreuung für das erste Kind, etc. und so möglichst viel Hilfe und Unterstützung schon im Vorfeld auf Abruf zur Hand hat.

Gibt es Dinge, die ich tun kann, um einer Postnatalen Depression vorzubeugen?

Sich emotional oder psychisch vorzubereiten auf die Zeit nach der Geburt ist schwierig, denn die Geburt eines Kindes stellt einfach alles auf den Kopf – dessen sollte man sich schon mal bewusst sein. Aber es hilft sicherlich sich vorzunehmen, nicht perfekt sein zu wollen, sondern einfach sein Bestes zu geben – und das ist mal mehr und mal weniger. Aber eins ist klar: das Kind braucht seine Mutter, es hat nur eine Mutter, deshalb muss sie sich auch Sorge tragen, denn nur wenn es ihr gut geht, geht es langfristig auch dem Kind und der gesamten Familie, in der es lebt, gut. Aber der Weg dahin muss keine Frau, die nach der Geburt in eine Krise gerät, alleine schaffen. Es gibt Hilfe und sie hat ein Recht darauf diese zu erhalten – denn sie ist nicht einfach schwach oder unfähig, sie ist krank und braucht eine passende Therapie, um wieder gesund zu werden. Und dafür sollte sich niemand schämen müssen.

Weitere Informationen unter: www.postnatale-depression.ch oder www.facebook.ch/PostnataleDepressionSchweiz

 

Tags: postnatale Depression, Geburt, Kind, Mutter, Gefühle, Überforderung, Wochenbett

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Kommentare

Gast — Fr, 07/28/2017 - 23:12

Ich finde es klasse, dass ihr dieses Thema aufgreift. Es ist immer aktuell! Ich habe zwei Kinder und bin gesund, aber meine Mutter hat sich vor 33 Jahren das Leben genommen aufgrund dieser Erkrankung. Danke für die Aufklärung!

Gast — Sa, 07/29/2017 - 13:30

Ja, es ist gut, dass ihr darauf aufmerksam macht! Ich war auch betroffen. Den Peak hatte ich so 5 Monate nach der Geburt. Ich war am Ende. Hatte keine Kraft mehr und litt unter Schlaflosigkeit. Teilweise habe ich gar nicht geschlafen. Gott sei Dank hatte ich nie die Gedanken, meinem Kind etwas anzutun. Aber ich konnte kaum Glück verspüren und hatte eine große innere Leere, gepaart mit totaler Erschöpfung. Auch ich hatte einen Notkaiserschnitt und ein sehr forderndes Kind, Am meisten hat mir jedoch dieses große Maß an Verantwortung zugesetzt. Dieses Gefühl "du musst da sein, du kannst nicht ausfallen". Mein Mann hat das nicht ernst genommen. Immer wenn ich ihm sagte, dass ich nicht mehr könne, hat er gesagt "du schaffst das". Ich habe es nicht mehr geschafft. Da ich selbst therapeutisch arbeite, fiel es mir leicht, es zu akzeptieren und mir Hilfe zu holen. Meine Hebamme und meine Frauenärztin haben mich gut unterstützt. Sie rieten mir zu einer Haushaltshilfe, die aber vielmehr mir mal das Kind abnehmen sollte, als mich im Haushalt zu unterstützen. Die Krankenkasse hat dies nicht genehmigt. Trotz meiner onkologischen Vorerkrankung und deutlicher Vehemenz meiner Frauenärztin. Ich war entsetzt. Nach dem 6./7. Monat hatten mein Mann und ich 4 Monate gemeinsame Elternzeit und dann wurde es schnell besser. Sehe ich nun Bilder aus dieser Zeit, von meinem Kind, werde ich ganz wehmütig, da mein Kind so süß und beschützenswert war und ich dies gar nicht wertschätzen konnte, vor lauter Depression. Jetzt erzähle ich so oft und offen wie möglich davon. In der Hoffnung, andere Betroffene merken, dass sie nicht alleine damit sind. Denn meist wird einem nur das scheinbar übliche Glück und der besondere Zauber nach der Geburt suggeriert. Ich habe nur daran geglaubt und war überzeugt, dass es bei mir auch so sein wird. Von dem habe ich leider sehr wenig gespürt...

Christina — Sa, 07/29/2017 - 14:36

In Deutschland gibt es den Verein "Schatten und Licht", der bundesweit mit Berater- und Selbsthilfegruppen vertreten ist. Auf der Internetseite www.Schatten-und-Licht.de findet man viel Hintergrundinformationen und auch ein Forum, in dem sich Betroffene, Angehörige und Freunde austauschen können (auch anonym). Mir hat auch das Buch "Ich bin eine gute Mutter" von Corinna Hauffe sehr geholfen. An alle, die zweifeln und kein Glück empfinden können: ihr seid nicht allein, es gibt Tausende Mütter, die so empfinden. Holt Euch Hilfe, Ihr müsst das nicht allein aushalten. Und redet, redet, redet... mit einem Therapeuten, Eurer Hebamme, Eurem Partner und der Familie. Jedem, dem Ihr vertraut und der Euch so nimmt wie Ihr seid. Ihr seid eine gute Mutter und Ihr werdet geliebt!

Johanna — Sa, 03/17/2018 - 21:37

Ich habe ein traumatisches Geburtserlebnis gehabt, mein Sohn kam unerwartet schwer krank zur Welt und wurde sofort von mir getrennt. Da ich bereits vorher psychische Probleme hatte, kam die Depression nach der Geburt mit voller Wucht. Schon in den ersten Tagen war dies abzusehen. Ich habe in einer großen Klinik entbunden mit Level-1-Versorgung (dementsprechend gab es viele Frühchenmamas, komplizierte Geburten etc.). Dass es nicht einmal in solchen Kliniken entsprechende Angebote und Begleitung gibt, zeigte mir deutlich, dass das Krankheitsbild nicht anerkannt wird. Der Verweis auf die Notfallambulanz oder der frühste Termin in 3 Monaten reichen da einfach nicht.

Julia — So, 03/18/2018 - 04:39

Vielen lieben Dank für diesen ehrlichen Bericht. Beim lesen habe ich wieder an meine Anfangszeit als Neumutti denken müssen. Es war die absolute Überforderung! Ich war so hilflos und hatte ständig Angst was falsch zu machen. Ich hatte auch einen Notkaiserschnitt und konnte wochenlang kein Mutterglück spüren. Mein Baby war sehr geduldig mit mir aber hatte viel mit Bauchschmezen zu kämpfen. Die Schlaflosigkeit und das ewige Rumtragen, die Rückenschmerzen und das Alleinsein mit Baby brachten mich völlig aus der Bahn. Die Umstellung war für mich damals so verdammt hart, dass ich tagelang nur geheult hab. Meine Familie und mein Freund waren zwar alle sehr verständnisvoll aber meinten auch „du schaffst das schon!“ und „es wird besser!“ oder „halte durch!“ es wäre so viel einfacher für mich gewesen sich mit anderen Muttis auszutauschen denen es genau geht, statt dessen waren alle Muttis im Rückbildungskurs oder bei der Baby Massage sehr glücklich und hatte alle Babys die alles mitmachten. Ich wollte den Anschluss nicht verlieren und meldete mich auch in einigen Kursen an. Nur blöd, dass mein Baby dazu kein Bock hatte, ich war dadurch noch frustrierter und trauriger, dachte ich steh allein da und kapselte mich ein. Auch ein Spaziergang mit Kinderwagen oder eine entspannte Autofahrt im Maxi Cosi machte mein Baby nicht so gern mit und brüllte, dadurch hatte ich Dauerstress und war innerlich verkrampft und angespannt. Schrecklich, ich nahm in den ersten Wochen nach der Geburt 15 Kilo ab, alle machten mir Komplimente, meine Antwort, dass ich nicht zum Essen kommen würde bzw mein Baby mir die ganze Energie nimmt, sahen viele wohl als übertrieben. Jeder erwartet von einer frisch gebackenen Mutter sie solle glücklich sein und alles im Griff haben. Aber keiner kann dich darauf vorbereiten, natürlich ist schnell gesagt „stell dich nicht so an! Andere schaffen das auch und die haben zB ein Schreibaby!“ aber jeder kommt mit Extremsituationen eben anders zurecht, und ich habe gemerkt, dass ich ein sehr dünnes Nervenkostüm habe und kaum belastbar bin. Mittlerweile ist mein Baby 5 Monate alt und ist zwar immer noch sensibler als andere aber ich bin sicherer und meine Heultage sind weniger geworden. Ich versuche mich nicht mehr mit anderen zu vergleichen aber ertappe mich trotzdem hin und wieder bei dem Gedanken „wieso klappt es bei ihr so gut und bei mir nicht?“ jedes Baby ist anders und dies zu akzeptieren und für sich und sein Baby den richtigen Weg zu finden nicht immer einfach.

Julia — So, 03/18/2018 - 11:18

Ganz wichtig war bei mir meine Hebamme!Sie hat erkannt, dass der Babyblues länger als zwei Wochen dauerte und mich den Test machen lassen. Verbunden mit der Telefonnummer einer spezialisierten Therapeutin war ich innerhalb eines Monats nach Entbindung in Therapie. Wenn ich hier andere Geschichten lese, merke ich erst, was das für ein Glücksfall war! Und es erfordert keine gesonderte Ausbildubg der Hebamme, ich denke, jede Hebamme kennt die Heultage und deren Ende und ist in der Lage, einen Zettel zu drucken, wenn diese nicht enden wollen, die eigentliche Diagnose stellt ja der Psychotherapeut. Und ja: es kann jede treffen, ich hatte keine Vorbelastung, keinen familiären oder sonstwie Hintergrund, fest im Job, vermutlich war alles zu gut und dadurch der Fall zu tief, nur noch Milchbar zu sein, wer weiß? Jetzt ist mein Zweiter zwei Tage alt und ich genieße das Gefühl, ihn bei mir haben zu wollen und nicht darüber nachzudenken, ob es wohl auffällt, wenn ich ihn auf den Flur schiebe und gehe... Gedanken gegenüber meiner Großen, von denen ich nicht weiß ob ich sie mir je verzeihen kann.

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