Gastbeitrag von Jasmin: Wie ich mich als alleinerziehende Studentin durchkämpfte

Ich war mit dem Vater meines Kindes vier Jahre zusammen, als ich bemerkte, dass ich schwanger bin. Wir waren noch Studenten und es war defintiv nicht der beste Zeitpunkt für ein Kind. Trotzdem war für mich schnell klar, dass ich das Kind behalte. Eine Abtreibung kam für mich nicht in Frage. 

Mein Freund allerdings drehte komplett durch. Er wollte nicht Vater werden, sprach ständig von Abtreibung und drohte sogar, er würde einen Abbruch auf gerichtlichem Wege einklagen wollen (was natürlich Schwachsinn ist…)

Ich war tief gekränkt und traurig, fühlte mich alleine und suchte mir Hilfe. Bei der Schwangerenkonfliktberatungsstelle informierte mich eine nette Frau über meine Möglichkeiten und klärte mich auch über finanzielle Hilfe auf. Wir sprachen auch über den Abbruch, aber ich sagte ihr, dass ich keinen möchte. Sie antwortete, ich solle mir noch Zeit nehmen und gründlich darüber nachdenken. Für den Fall, dass ich meine Meinung ändern würde, stellte sie mir den notwendigen Beratungsschein für einen Abbruch aus. Ich wagte es kaum, dieses Stück Papier entgegen zu nehmen. Dann beruhigte Sie mich und sagte: „Es gibt Hoffnung, dass ihr Partner sich doch noch auf das Kind freuen wird. Manchmal brauchen die Väter erstmal eine Weile, um sich an den Gedanken zu gewöhnen."

Tatsächlich hatte ich die Hoffnung darauf auch noch nicht komplett aufgegeben. Die Schwangerschaft aber war dann alles andere als einfach und mein Partner nahm mir mit jedem Tag mehr die Hoffnung, dass er sich jemals auf unser Kind freuen würde.

Endgültig starb die Hoffnung, als er nach der Geburt unseres Kindes zu mir sagte: „Die Welt ist so ungerecht! Wir, die eigentlich kein Kind wollten, halten ein gesundes Kind in den Armen. Und andere, die sich so sehr ein gesundes Kind wünschen, haben ein krankes Kind oder verlieren es. Ich wünschte, unser Kind wäre gestorben, anstelle eines gewollten Kindes“.

In mir zerbrach alles und ich wusste, dass ich mit diesem Mann kein Kind großziehen kann. Ich wusste, dass ich das alleine packen muss. Also trennte ich mich. 

Doch dann begannen die Schwierigkeiten. Ich musste mir eine neue Wohnung suchen – also alleinerziehende Studentin ist das die Hölle. Niemand traute mir zu, dass ich Miete bezahlen könnte. Als ich Mutter wurde, wurde damals die Hartz 4 Reform eingeführt und ich bekam anteilig für mein Kind Hartz 4. Dieses Geld plus das geld meines Studentenjobs (20 Stunden/Woche) hielten uns über Wasser. Aber es war auch oft hart. Manchmal musste ich mir von Freunden Geld für Windeln leihen. Ich habe viel geweint in dieser Zeit…

Ich bekam oft zu hören, ich könnte doch mit dem Studium aufhören und komplett vom Amt leben – ich sei doch jetzt Mutter. Aber ich wollte mein Studium nicht wegen des Kindes aufgeben. Ich hatte Angst, dass ich das dem Kind irgendwann vorwerfen würde, es dafür verantwortlich machen würde. Und das wollte ich nicht. 

Also stemmte ich alles irgendwie. Ich kümmerte mich um mein Kind, pendelte zwischen FH und Studentenjob, abends schmiss ich den Haushalt und lernte bis spät in die Nacht hinein. Dazwischen bekam ich noch postpartale Depressionen. Mein Arzt meinte zu mir: „Also. dass Sie an diesem Punkt postpartale Depressionen bekommen haben, ist irgendwie natürlich.“  Und ja – das war es. Ich war Mitte Zwanzig, hatte mir mein Leben völlig anders vorgestellt – stattdessen arbeitete ich nun bis zur Erschöpfung für mich und mein Kind.

Mein Kind besuchte mit knapp 3 seine erste Vorlesung, weil die KiTa bestreikt wurde. Zum Glück gab es an der FH inzwischen Familienräume und in der Pause gingen wir dort spielen oder ein Buch lesen. Ich hatte oft Schuldgefühle, mein Kind mit in die Uni zu schleppen. War ich doch zu egoistisch, weil ich mein Studium beenden wollte?

Doch eines tages nahm mich die Tagesmutter zu Seite. Sie erzählte mir, dass die Kinder alle zusammen gesessen hätten und darüber gesprochen hätten, welche Berufe ihre Eltern habe. Mein Kind sei aufgestanden und hatte mit stolzer Brust gesagt:  „Meine Mami geht zur Uni!“ Ich musste weinen, das ich das hörte. Und es erleichterte mich – anscheinend litt mein Kind nicht unter meinem Studium, sondern fand es gut! 

Der Vater meines Kindes interessierte sich nach der Trennung überhaupt nicht für sein Kind. Unterhalt musste ich einklagen, auch davor drückte er sich. Ich habe mehrmals versucht, ihm eine Bindung zu seinem Kind zu ermöglichen. Manchmal kam er dann eine Weile, dann blieb er plötzlich wieder weg. Es war schrecklich – besonders für mein Kind. Wie soll das ein Kind verstehen? 

Leider kam es dann auch so – mein Kind veränderte sich. Es wurde aggressiv und ich kam nicht mehr an es ran. Ich suchte die Schuld bei mir, bis mir ein Psychologe, den ich um Hilfe bat, sagte, dass mein Kind wütend und traurig auf seinen Vater sei, der einfach so verschwunden ist. Und dass ich nun mal die Person sei, zu der mein Kind eine stabile Bindung hat. Und es daher seine negativen Gefühle bei mir rauslassen kann. 

Wir waren zwei Jahre gemeinsam in der Therapie, dann hatte ich das Gefühl, der Verlust des Vaters sei aufgearbeitet. 

Ich finde es auch heute noch verdammt hart, alleine zu sein. Ich wünschte mir sehnlichst, ich könnte mit jemand sprechen, wenn ich nicht mehr weiter weiß in Erziehungsfragen. Ich wünschte, da wäre jemand, der mir ein wenig Verantwortung abnehmen würde. Doch da ist niemand.

Wenn man alleinerziehend ist und mal krank ist, steht man trotzdem morgend auf und macht das Kind schulfertig. Man muss trotzdem den Einkauf machen und dem Kind ein warmes Essen kochen. Einmal traf ich eine andere Mutter beim Einkaufen, während ich krank war. Sie schaute mich bestürzt an und sagte: „Oh mein Gott, Du gehörst ins Bett. Du siehst ja furchtbar aus!“ Ich sagte nur: „Und wer gibt meinem Kind dann was zu essen?“. Sie sagte: „Ich glaube, ich habe keine Ahnung, was es bedeutet völlig alleine für ein Kind zu sorgen….“ Dann half sie mir die Sachen nach Hause zu bringen und sagte: „Schick mir dein Kind nachher rüber, ich habe genügend Essen da.“ Ich weinte fast und legte mich dankbar schlafen.

Ich habe mein Studium beendet und ich bin eine gut ausgebildete, qualifizierte Frau. Wenn ich jedoch wenn ich mich irgendwo vorstelle, bekomme ich stets die Frage: „Hmm… was machen Sie eigentlich, wenn Ihr Kind krank ist?“ oder ich höre: "Als Alleinerziehende können Sie ja nicht mal spontan weg auf Dienstreise." 

Das mag teilweilse stimmen – aber meine 13 Jahre als Alleinerziehende haben mich auch geprägt. Ich arbeite sehr effektiv, kann sehr gut organisieren. Ich kann gut mit Druck umgehen und hänge mich immer rein. 

Und ja, ich hätte mein Kind auch lieber mit einem Partner großgezogen. Aber ich finde auch, dass mein Kind und ich uns bisher ziemlich gut schlagen. 

 



6 comments

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  2. Respekt und sehr ermutigend
    Liebe Autorin,
    du sprichst mir aus der Seele. Auch ich wurde Mitte 20 schwanger mitten im Studium.
    Mein Partner hat ähnlich wie deiner reagiert. Er sagte zu mir „gib das Ding doch zur Adoption frei, ich hab kein Bock mein Leben lang zu blechen“. Leider änderte der Vater dann dahin gehend seine Meinung, dass er sein Kind entführte als es 1.5 Jahre alt war. Nach zwei Tagen wurde es an einem Badesee im Restaurant sitzend allein gelasen gefunden. Der Vater war wahrscheinlich schon für Stunden nicht mehr da.
    Bis heute leiden wir unter den Nachstellungen und Beschimpfungen des Vaters.
    Mein Studium habe ich beendet und bin jetzt auf Jobsuche. Die guten Neuigkeiten, ich habe mich neu verliebt!

  3. Ich hoffe für das Kind sehr,
    Ich hoffe für das Kind sehr, dass der Name und das Foto nicht stimmen und seine Privatsphäre geschützt wird. Wenn es irgendwann mal diese schlimmen Worte des Vaters liest, wird es sich sicher sehr schlecht fühlen. Mag sein, dass es der Mutter hilft, darüber zu reden, aber der Rahmen ist wirklich ungeeignet. Immerhin wurden hier zwei Menschen verlassen, nicht nur einer.

  4. RESPEKT!
    Ganz großen Respekt für deine Leistung. Ich ziehe den Hut!

    Was mich wirklich traurig macht in den Erzählungen von vielen Alleinerziehenden ist die Neigung mancher Väter nur gelegentlich in Erscheinung zu treten. Für ein Kind muss es die Hölle sein, wenn der Vater irgendwann einfach nicht mehr auftaucht. Und die Mutter muss den Schlamassel ausbaden. Toll, wie ihr das hinbekommen habt!

  5. Hut ab
    Ich ziehe meinen Hut! Was für eine tolle, starke Frau. Sich Hilfe holen und weiter machen. Es ist so wirklich schön zu lesen, dass sich das Durchkämpfen lohnt. Alles Gute!!!