Postpartale Depression: Die Psychiatrie nach der Geburt rettete mich

Psychiatrie

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Ihr Lieben, manchmal ist es fatal, wenn psychische Probleme nicht ernt genug genommen werden. Genau das ist Laura nach der zweiten Geburt passiert. Sie wusste schon von der ersten Entbindung, dass es kritisch werden könnte. Aber so kritisch? Bis sie endlich Hilfe bekam, ging zu viel in ihr kaputt. Bis hin zu suizidalen Gedanken, weswegen wir hier eine Triggerwarnung aussprechen möchten. Lies den Text nur, wenn das für dich grad in Frage kommt. Solltest du selbst betroffen sein, kannst du dich zum Beispiel an die Telefonseelsorge Deutschland wenden unter 0800-1110111. Bei Laura gib am Ende zum Glück alles gut aus.

Liebe Laura, dir ging es nach der Geburt deines zweiten Babys nicht besonders gut. Wie äußerte sich das?

Ich habe mich bereits im Vorfeld an den psychosozialen Dienst der Klinik gewandt. Ich hatte nach der Geburt meiner großen Tochter Anflüge einer Depression (es war aber nach vier Wochen alles in Ordnung, als das Stillen klappte). Da ich das nicht nochmal wollte, war es mir wichtig, im Vorfeld Hilfe zu suchen.

Du hattest schon ein Kind, kanntest du das aus der Zeit nach der ersten Geburt schon oder was das neu?

Mir ging es nach der Geburt sehr gut. Ich war sehr glücklich und die kleine Maus trank sofort von der Brust. Da ich Diabetes hatte war ihr Zuckerwert wichtig. Dieser war aber im Normalbereich. Trotzdem hatte ich schon Kolostrum dabei, denn ich wollte vermeiden, dass sie die Flasche bekommt und es dadurch zu Problemen beim Stillen kommt.

Bei meiner großen Tochter war das nämlich ein großes Thema. Da sie mein letztes Baby ist, wollte ich alles tun, damit wir eine gute Zeit zusammen haben. Also war ich gut vorbereitet. Für die Psyche hatte ich mich bei den Experten gemeldet und schon Mal Bescheid gegeben. Und auch für das Physische hatte ich im Vorfeld alles getan, um den Start gut zu machen.

Doch dann kam alles anders?

Leider war am nächsten Tag der Zuckerwert schlecht und wurde bis mittags so schlecht, dass sie sie auf Station nehmen mussten. Zuerst war ich noch guter Dinge und ich sagte mir, dass ihr dort geholfen würde, dass das halt jetzt sein muss. Doch das war der Anfang vom Ende.

Auf der Neo-Station gab es keine Möglichkeit für mich als Vollstillende, mich auszuruhen. Ich musste ohne Schlaf, mit Naht, Wunde und blutend auf einem Hartplastik-Stuhl sitzen und mein Baby stillen. Die anderen Mütter hatten Babys, die lange schliefen, die die Flasche bekamen. Doch ich wollte das ja nicht. Also stillte ich 10 Stunden am Stück. Ich legte sie in ihr Bettchen, als sie endlich schlief. 20 Minuten später wurde ich angerufen, dass sie wieder wach ist. Das waren die Minuten, in denen ich sehr schnell aß und duschte. Schlaf, Ruhe, es sich bequem machen – unmöglich.

Wie lang ging das so?

So ging das zwei Tage. Dann sagte man mir, ich müsste mein Zimmer räumen. Klar, es kamen ja neue Mütter. Der Arzt meinte, ich solle nach Hause gehen und durchschlafen und hier würde man meiner Tochter einfach die Flasche geben. Ich weigerte mich. Ich sagte, ich werde im Treppenhaus schlafen. Ich wollte keine Saugverwirrung oder Stillprobleme riskieren. 

Nach langem Hin und Her bekam ich ein Zimmer in der Kinderklinik. Mein Baby war immer noch im Brutkasten, aber ich bekam eine Gartenliege. Es war unglaublich unbequem. Ich war körperlich am Ende und auch psychisch. Ich hatte einen wahnsinnig schmerzhaften Milcheinschuss aber niemanden, der mir helfen konnte. Sachen zum Kühlen usw. Mein Trinkwasser ging mir aus und Essen musste ich bestellen und abholen. Geschlafen habe ich in diesen vier Tagen höchstens fünf Stunden.

Dir ging es dann immer schlechter…

In der letzten Nacht habe ich geschrien und geheult, weil ich nicht mehr konnte. Ich wollte mich einfach nur ausruhen. Zusammen im Bett mit meinem Baby. Leute um mich, die nur Spitzwegerich und Kohlblätter besorgten. Ruhe. Der Kinderarzt versuchte, mich zu beruhigen… Ich biss die Zähne zusammen, aber ich bin mir mittlerweile sicher: Diese langhaltende Belastung hat massiv zur Depression beigetragen.

Ab wann hattest du Gefühl: Mist, ich komm hier selbst nicht mehr raus, ich brauch jetzt Hilfe?

Als ich zu Hause war, wurde es erstmal besser. Leider kam es wieder zu Stillproblemen. Die Kleine nahm nicht genug zu. Also musste ich Abpumpen… Zufüttern… Flasche geben. Genau das gleiche wie bei meiner großen Tochter. Und die Überforderung fing an. In den folgenden Tagen habe ich einen Termin in Psychiatrie ausgemacht. Ganze vier Wochen später hatte ich einen Termin. Viel zu spät, das war mir klar.

Der psychosoziale Dienst konnte mir nicht weiterhelfen. Ich habe am Telefon geheult und auch deutlich gemacht, dass ich Angst habe, dass ich mir etwas antun würde. Freitagnachmittag war da einfach keine Hilfe mehr zu holen war die Aussage. Einzige Möglichkeit wäre die Psychiatrie aber dann ohne Baby und nur mit dicken Medikamenten… Also kein Stillen. Für mich undenkbar.

Wie waren die Wochen darauf?

Ich hab mich die nächsten Wochen dahingeschleppt. Leider hatte ich sehr wenig Schlaf, sehr viel Überforderung und fühlte mich elend. Ich konnte nicht mehr essen. In den Wochen nahm ich 15kg ab. Als ich dann den Termin in der Psychiatrie hatte, dachte ich noch, alles ist okay. Es ist anstrengend, aber so ist das halt mit zwei Kindern und einem Säugling. Natürlich hat mir die Psychiaterin deswegen nichts verschrieben oder unternommen. 

Doch dann kamen immer öfter massive Einbrüche. Immer dann, wenn etwas Unvorhergesehenes kam. Zum Beispiel, wenn mein Mann zur Arbeit musste, statt im Homeoffice zu bleiben. Dann heulte ich stundenlang. Ich war einfach überfordert. Das Baby schlief nicht allein, es ließ sich nicht ablegen, egal wie oft ich es versuchte. Die Trage war mir physisch zu anstrengend. Andere Babys sah ich stundenlang im Kinderwagen schlafen. Ich war einfach gefangen mit dem Baby und hatte null Zeit mit meiner großen Tochter.

Wer war dir in dieser Zeit die größte Stütze?

Mein Mann unterstütze mich sehr. Als dann die wirklich schlimme Zeit kam, lag er nachts neben mir, nahm mich in den Arm, er war einfach da. Dann kam meine Schwester extra aus Norwegen geflogen. Sie konnte es mit ihrem Job vereinbaren und auch meine Mutter half.

Welche Gedanken flitzten in dieser schweren Zeit durch deinen Kopf?

Ich bekam Panikattacken. Das Gefühl fliehen zu müssen. Ich hatte einmal Halluzinationen von Teufelsfratzen, sodass ich extreme Angst bekam… Wir mussten öfter im Krisenintervention der Psychiatrie anrufen, weil es mir schlecht ging. Ich konnte nicht mehr spazieren gehen. Ich hatte keinen Appetit mehr. Ich war für alles zu schwach und freute mich auf gar nichts mehr. Meine Schwester nahm meine kleine Tochter. Ich war zu schwach. Lag nur noch im Bett und weinte.

Ich dachte sehr oft an passiven Suizid, aber auch an aktiven. Ich wünschte mir, wir hätten einen Autounfall und es wäre alles vorbei. Ich stellte mir vor, ich springe mit Baby vors Auto oder in den Fluss. Im Gästezimmer meiner Mutter gab es einen Boxsack und ich fantasierte ständig, mich an der Halterung aufzuhängen. Nie mit einer reellen Absicht aber ständig vorhanden.

Wie ging es dann weiter?

Wir wurden dann in der Mutter-Kind-Psychiatrie vorstellig. Man verschrieb mir Sertralin. Und damit kam eine extreme Erst-Verschlimmerung. Nach einer Woche rief ich zusammen mit meiner Schwester in der Mutter-Kind-Psychiatrie an und bat völlig fertig um Hilfe… Die Psychiaterin meinte, es dauere zwei Wochen, bis es wirkt. Meine Schwester nahm dann das Telefon und sagte: „Diese Zeit haben wir nicht mehr. Wir haben Angst, dass sie sich etwas antut“.

Und plötzlich waren dort alle Hebel in Bewegung. Ich bekam sofort am nächsten Tag einen Notfallplatz und mir fiel ein Stein vom Herzen. Ich musste viel organisieren, aber ich überließ alles meinem Mann. Ein Taxi fuhr mich zur Klinik und zurück. Meine Tochter musste länger in den Kindergarten usw. ENDLICH wurde mir geholfen!!! Endlich nach zehn Wochen!

Du warst dann sieben Wochen stationär in einer Mutter-Kind-Psychiatrie…

Genau, wir hatten diese möglichkeit selbst schon ziemlich am Anfang recherchiert. Ich war dort teilstationär. Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr. Mein Baby war dabei.

Wie hast du die ersten Tage dort erlebt?

Leider wurde die Station einen Tag nach meiner Ankunft geschlossen, da es einen positiven Corona-Fall gab. Aber ich durfte als einzige, zusammen mit eine anderen Mutter, mit der ich aber keinen kontakt hatte, bleiben. Ich hatte das Gefühl, ein Netz zu haben. Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch schlimme Tiefs. Sehr schlimm. Aber es war jemand da, der mich auffing, mich heulen ließ. Ich wurde medikamentös eingestellt.

Ein paar der Frauen haben noch kurz mit mir gesprochen. Das hat am meisten geholfen. Sie meinten, ihnen ging es auch so schlecht, aber es würde bald besser. Erfahrung aus erster Hand also.

Was empfindest du, wenn du jetzt – ein Jahr später – an diese 7 Wochen zurückdenkst

Ich wäre manchmal gerne wieder dort. Im sicheren Hafen. Gesprächstherapie, Einzeltherapie, tolle Pfleger*innen. Es hat mir gut geholfen. Nach zwei Wochen ging es mir schon wieder sehr, sehr gut und ich empfand den Aufenthalt eher als Schullandheim-Ausflug. Die ersten Wochen war dieses Fangnetz extrem wichtig.

Hättest du gern vorab mehr über postpartale Depressionen gewusst?

Ich hätte gerne vorher gewusst, wie schwer es ist an akute Hilfe zu kommen.

Wie ging es deinem Partner in dieser Zeit?

Er war okay. Es hat ihn natürlich mitgenommen, aber er war sehr stark.

Hast du Schuldgefühle oder kannst du es als die Krankheit ansehen, die es ist?

Es tut mir sehr leid… meinen Töchtern gegenüber. Vor allem meinem Baby. Ich hätte die erste Zeit sehr gerne genossen. 

Was wünschst du dir für andere Betroffene?

Schnelle professionelle Hilfe.

Was würdest du deinem Vor-Geburts-Ich gern mit auf den Weg geben?

Es wird die schlimmste Zeit deines Lebens. Daran ist nichts Gutes zu sehen. Beiß dich durch. Ruf sofort in der MuKi-Klinik an und erzähl eindringlich von deinen Suizid-Gedanken. Etwas anderes hilft nicht.

Wie geht es euch heute?

Sehr, sehr gut! Wir sind rundum glücklich als Familie. Ich bin wieder voll belastbar und habe mein altes Leben zurück. 

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23 comments

  1. Ich bin sprachlos,dass so eine Geschichte publiziert wird!Als abschreckendes Beispiel?
    Ich gebe Tine völlig recht,nur ich gehe noch ein Stück weiter!Es ist nicht nur krass ,sondern völlig irre. IRRE, dass die Mutter das Wohlergehen ihrer erstgeborenen Tochter völlig aus dem Blick verliert!Irre,dass der gesunde , rationale Menschenverstand völlig fehlt( ihr Kind ist gesund und munter geboren worden ). IRRE, dass sie nicht an die armen Pfleger, Krankenschwestern oder Ärzte denkt,denen in dieser Situation sehr viel Arbeitskraft und Arbeitszeit geklaut wurde.
    Stillen über das leibliche Wohl aller Beteiligten (inklusive sich selbst)zu stellen ist völlig irre!Ich hoffe sehr,dass die Autorin mithilfe des Aufenthalts in der Klink gelernt hat,diese Kompromisslosigkeit und extreme Härte ( auch sich selbst gegenüber)abzulegen, ansonsten werden ihr solche Situationen immer wieder begegnen. Ein Hoch auf unser Hilfesystem,das im absoluten Notfall immer hilft!Wie im Krankensystem auch.Habe ich latente Schmerzen, bekomme ich mehrere Wochen später einen Facharzttermin!Geht es um Leib und Leben, wird unmittelbar reagiert/operiert.So ist es bei den psychischen Erkrankungen auch!
    UNMITTELBAR wird reagiert, wenn sehr konkrete Suizidgedanken offenbart werden. Also DANKE AN UNSER KRANKENSYSTEM und allen Beteiligten, die sich im stressigen Arbeitsalltag auch noch mit solch exzentrischen und egomanen Menschen aufreiben müssen.

    1. Hallo Janine,
      Sie kritisieren die angewandte extreme Härte und wenden sie selbst an mit der Wortwahl und dem Fettdruck.
      LG Anne

    2. Eine psychische Krankheit zeigt sich doch auch dadurch, dass „der gesunde Menschenverstand“ fehlt. Salopp gesagt: klar handelte die Frau „irre“, sie befand sich in einer psychischen Ausnahmesituation und war krank! Punkt. Depressionen kann man schlecht von außen nachvollziehen, nach dem Motto: lach doch mal, dir geht es doch gut. Die Frage ist doch, wie es so weit kommen konnte. Und anscheinend besteht eine Tendenz zur Depression, die sich ja auch beim ersten Kind gezeigt hat. Das System hätte besser und früher eingreifen müssen aber das Personal auf der Wöchnerinnen Station weiß doch nicht um die Vorgeschichte. Als mein Kind auf der Intensivstation lag hat man mir auch nichts zu essen oder zu trinken und ein Bett gebracht. Dort geht es um die körperliche Gesundheit des Säuglings und das Personal ist nicht geschult und hat auch keine Kapazitäten sich um die Mütter zu kümmern. Ich hatte ja Verpflegung und Bett auf der Station 200m weiter. Also bin ich im Rollstuhl so oft es ging auf die Intensiv zum Baby, hab es gekuschelt und die Flasche gegeben und bin zum Essen, Schlafen und Abpumpen wieder auf mein Zimmer. Natürlich war das Scheisse, natürlich hätte ich das Baby gerne 24/7 bei mir gehabt und es bei Bedarf völlig unkompliziert am Busen trinken lassen. Aber es ging halt nicht und ich konnte mich zum Glück mit der Situation arrangieren und darauf vertrauen dass Alle nur das Beste für mein Kind wollen, zumindest was die körperliche Gesundheit anbelangt. Leider ist in unserem System eine ganzheitliche Betrachtung von Körper und Seele nicht die Regel, auch wenn es nach meiner Ansicht dringend angebracht wäre.

    3. Liebe Katharina, danke für deinen Bericht. Ich finde, du bringst es mit deinem Report gut auf den Punkt, man muss gewisse Erfahrungen erstmal machen. Ein Baby auf der Intensivstation ist einen Ausnahmezustand. Ich habe großen Respekt. Schon ein „normales“ Wochenbett (was auch immer normal ist), empfinde ich als eine besonders sensible Phase. Ich ziehe wirklich meinen Hut vor euch. Ich mag auch Sarahs Satz sehr: Eine Gesellschaft kann erst eine gute sein, wenn sie wirkliche Hilfe bietet und niemanden erniedrigt.
      Auch an Laura von mir einen herzlichen Dank für den ehrlichen Bericht aus einer schweren Zeit!

  2. Ich selbst bin und war Stillmama, das auch ohne Probleme (und Sprüche kommen auch so). Trotz dessen kann ich nicht verstehen, wie Menschen – speziell Frauen – anderen Druck machen bezüglich des Stillens. Was soll diese Überheblichkeit bewirken? Überall wird von Toleranz geredet, warum nicht auch bei diesem Thema? Hauptsache, dass Baby erfährt Nähe und Zuneigung, wird gut gehegt und gepflegt.

    Auf der anderen Seite sieht man, dass die moderne Frau, so wie es die Gesellschaft gerne verklärt, doch sehr schnell totale Selbstzweifel inne hat und sich von äußeren Meinungen zermürben lässt. Innerlich zerbrechen auch wir, egal wie tough wir nach außen wirken wollen. Eine Gesellschaft kann erst eine gute sein, wenn sie wirkliche Hilfe bietet und niemanden erniedrigt, nur weil er bzw sie nicht dem Standard entspricht.

  3. Ich bin erschrocken, wie wenig das Krankenhaus auf eine Wöchnerin achten kann! Dass dir niemand Essen und Trinken bringt, du keinen ruhigen Ort hattest und kein sicheres, gutes Bett fürs Bonding- mir tut das wahnsinnig leid. Du hättest mindestens all das verdient! Hängt das nur mit Personalmangel, Betten Mangel zusammen oder auch mit Unwissenheit? Eine Sensibilisierung für die Thematik fände ich toll…

    1. stephanie ich kann nur von der erfahrung berichten die wir nach der geburt meines ersten kindes vor 6 jahren gemacht haben: er kam zu früh und musste nach einem tag auf die intensiv station. wir hatten ein familien zimmer beantragt und konnten dort 5 tage bleiben. dann musste mein mann ausziehen ( ich war so froh das er mit mir dort war!) und ich in ein 2 bett zimmer verlegt als begleit person für mein baby ( da bei mir keine sonstigen komplikationen auftragen wurde ich nach fünf tagen entlassen). ich habe als begleitperson weiterhin essen bekommen, musste dafür aber immer auf station zu meinem zimmer gehen. auf der neugeborenen intensivstation gab es nur ungemütliche plastikstühle und nicht genügend stillkissen. wir durften auch nicht bei den babys bleiben im sinne von auch bei hieben schlafen. das hieß ich habe 13 tage lang kaum geschlafen und mit damm schnitt und als wöchnerin die ersten 14 tage nach der geburt laufend oder sitzend auf plastik stuhl verbracht.
      aber die krankenschwestern waren alle top und sehr bemüht und haben alles was sie konnten möglich gemacht.
      es lag dort also an den räumlichen oder gegebenheiten die „von oben“ vorgegeben waren und nicht den mitarbeitern dort.
      und ich bin ihnen dankbar das sie alles versucht haben das ich stillen konnte.
      mein sohn war am anfang zu müde um selbst zu trinken ( egal ob brust oder flasche) und wurde mit einer magensonde ernährt. dann habe ich mich mit stillen drei monate durch gebissen bis es endlich klappte. flasche hat er aber auch nicht genommen. und er hat oft so viel geschrieben und doug außer von mir von keinem beruhigen lassen. somit musste ich immer ran. ich hätte aber auch mich nicht erholen können wenn ich wusste er hat hunger / durst / braucht mich und ich komme nicht. da hat mir aber auch keiner druck gemacht sondern ich hätte mich nicht anderst handeln können.
      heute mit mehr erfahrung und zwei kindern ( beim zweiten lief alles wie am schnürchen ohne probleme) würde ich auch manches anderst machen aber die erfahrung hab ich halt erst danach…..
      wer mir aber nicht geholfen hat war meine hebamme. ich hatte da aber auch ein problem mit selbst jemanden anderen zu suchen.
      und aus meiner eigenen erfahrung, für die anderen hier, finde ich es auch nicht nett die schreiberin so anzugehen! manchmal kann man in so situationen nicht anderst handeln! es sind nicht alle so toll schon wie ihr ….

  4. Ich weiß, ich werde jetzt wahrscheinlich ziemlich angegangen – aber ich muss das jetzt einfach schreiben, weil meine Schwester eine ganz ähnliche Geschichte erlebt hat. Für mich liest sich das hier so (ob es so war, weiß ich nicht) als wäre diese Depression zu 99% auf diesen Stillzwang zurückzuführen.
    Und so war es bei meiner Schwester auch – sie war richtig depressiv, hat von passivem Suizid gesprochen, es ging ihr durch Brustentzündungen auch körperlich mehr als sch…sie hat kaum eine Beziehung zu ihrem Baby aufbauen können, hat nur geweint – hat aber jede(!) Hilfe abgelehnt, wenn dies bedeutet hätte, dass sie nicht hätte (oder auch nur nicht Voll-) stillen können. Für mich (und auch ihren Mann) war das aber auch schon Teil ihres Krankheitsbildes. Erst als ihr Baby (intelligentes Kind!) sich mit 6 Wochen selbst abgestillt hat, hat sie sich auf eine spezielle Klinik eingelassen und dort Hilfe bekommen, so dass es ihr heute auch wieder sehr gut geht. Wenn das Baby die Sache nicht selbst in die Hand genommen hätte, hätte dann aber auch ihr Mann eingegriffen, um seine Frau und sein Baby vor dem völligen Untergang (das ist nicht übertrieben) zu retten.

    Am Freitagnachmittag mit Suizidgedanken (!) nicht in die Psychiatrie zu gehen, wegen des Stillens – das ist krass. Sich schon in den ersten Tagen nach der Geburt körperlich so fertigzumachen wegen des Stillens – das ist krass.
    Für mich mit inzwischen etwas älteren Kindern ist Stillen im Nachgang einfach wurscht. Man kann es machen, kann es aber auch lassen – für das Kind und seinen weiteren Lebensweg ist der Stillvorgang an sich total (!) wurscht. Da kommen so so viele Ereignisse, Meilensteine etc., die die Beziehung zu deinem Kind und sein Leben nachhaltig beeinflussen. Da ist es irgndwann sowas von egal, wo genau das Baby im 1. Lebensjahr seine Milch rausgenuckelt hat 🙂

      1. Klar ist das krass, wie viel die Autorin auf sich genommen hat, um zu stillen. Aber noch viel krasser finde ich, wie wenig die Klinik dafür getan hat, dass Mutter und Kind gemeinsam einen guten Start haben.

        1. Ähm was um Gottes Willen hätte die Klinik tun sollen? Wer ein Kind auf der Neo im Brutkasten hat, sollte das (partielle? temporär begrenzte?) Zufüttern halt nicht zu 100% verweigern. Bitte den Text genau lesen! Es waren offenbar auch „andere Mütter“ zugegen, die scheinbar kein Problem hatten. Es hat sie auch sicher keiner dazu gezwunden, ihr Kind 10 (!!!!!) Stunden lang anzulegen. Die Dame tut ja so als wäre reines Gift im Flascherl gewesen. Was denkt man denn was bei so einer Extremposition rauskommt? Als nächstes werden irgendwelche Zeugen Jehovas bemitleidet, wenn sie Strapazen nach Verweigerung von Bluttransfusionen hatten. So leid es mir tut, Posterin Janine oben hat recht.

    1. Tine, ein super Kommentar. Sehe ich genauso. Und habe ich so erlebt. Erstes Kind gefühlter Stillzwang, zweites Kind genug Selbstbewusstsein, um die Flasche zu geben.

    2. Hallo Tine, also ich gehe dich nicht an, sondern bedanke mich für den Beitrag. Ich teile zu 100% dein Unbehagen und dein Fazit. Ich hoffe die Autorin fühlt sich davon nicht angegriffen, aber die beschriebenen, für mich absolut extremen körperlichen Qualen in den ersten, so emotional-empfindlichen Tagen hätte man sich wohl mit einer weniger kompromisslosen Einstellung ersparen können und selbstverständlich hast du auch hier recht, das Baby hätte davon keinerlei Schaden davongetragen. Es ist mM auch falsch zu sagen, die Autorin hätte keine Hilfe bekommen, sie war bloß auch hier nicht bereit Kompromisse einzugehen. Tragischerweise kam es ja trotz dieser anfänglichen Tortur zu Stillproblemen, die man so gerne vermieden hätte und die vermutlich dann umso mehr als Niederlage empfunden wurden. Verstehe diesen Zwang zum Vollstillen nicht, der hier als völlig gottgegeben dargestellt wird (und das sage ich als jemand der 3 Kinder gerne und lange gestillt hat). Gott sein Dank ist alles wieder gut, alles Gute der Familie.

    3. Hallo Tina, so hab ich das beim Lesen auch empfunden. Ich glaub dass gerade so in den 50er-70er Jahren sehr schnell bei Stillschwierigkeiten oder „Anlaufproblemen“ das Stillen aufgegeben und auf die Flasche zurück gegriffen wurde und jetzt gibt es den totalen Umkehrtrend. In jedem Geburtsvorbereitungskurs, in jedem Ratgeber und gefühlt ganz Instagram dreht sich darum wie toll Stillen ist und warum man ja alles daran setzen sollte „es zu schaffen“. Ich hatte auch mit schlechtem Gewissen und dem typischen „ich kann ja nicht mal mein Kind ernähren“ zu kämpfen. Noch dazu nach einem Kaiserschnitt, wo ich es auch nicht geschafft hatte mein Kind „normal“ zu gebären. Ich finde hier sollte viel mehr die goldene Mitte gesucht werden um diesen Druck raus zu nehmen. Allerdings wissen wir nicht welche Schwierigkeiten sie beim ersten Kind hatte, vielleicht wurde das auch nicht richtig aufgearbeitet. Jedenfalls alles sehr traurig.

    4. Genau das waren auch meine Gedanken zu dem Text, allerdings aus erster Hand. Ich war bei meinen ersten Kind genauso. Ich hatte einen Plan, so sollte es laufen. Es wird gestillt, sonst nichts. Es hat die ersten 5 Wochen nicht geklappt und ich rutschte ziemlich schnell in eine kleine, gott sei Dank kurze, Wochenbettdepression. Diese war definitiv hervorgerufen durch meinen eigenen Perfektionismus. Ich wurde wahnsinnig, weil das Stillen nicht lief wie geplant. Das Baby auf mir schlafen wollte, ich dann aber nichts im Haushalt erledigen konnte. Wenn es mal im Bett, auf dem Sofa oder sonst wo geschlafen hat, hab ich jede Minute genutzt die beste Hausfrau der Welt rauszuholen. Erschöpfend ohne Ende. Also hab ich irgendwann nur Rund um die Uhr geweint und fantasiert mein Kind abzugeben.
      Als der Stillknoten nach 5 Wochen geplatzt ist, waren alle Probleme wie weggeblasen!

      Beim zweiten Kind hatte ich auch Angst vor einer erneuten Wochenbettdepression. Aber diesmal war ich entspannter. Hab mir keinen Druck gemacht. Hab direkt in der Schwangerschaft meinen Mann darauf eingeschworen, dass diesmal zugefüttert wird, sollte es wieder hapern. So einen Stress wollte ich mir nicht noch einmal machen. Was soll ich sagen, ich konnte das Wochenbett richtig genießen. Hab es geliebt, wenn das Baby auf mir geschlafen hat. Stillen lief von Anfang an wie im Bilderbuch und den Haushalt und die große Tochter hab ich schön an Mann und Großeltern abgegeben. Ich wurde öfter angesprochen, dass ich ja soviel entspannter sei diesmal und auch das Baby so entspannt dadurch sei. Es war herrlich. Beim nächsten Mal werde ich wieder meinen Perfektionismus verdrängen müssen, aber jetzt weiß ich ja, dass ich das kann und es so viel angenehmer ist 5e Gerade sein zu lassen.

      Alles Gute euch weiterhin!

  5. Eine sehr erschreckende Leidensgeschichte. Wenn man nicht betroffen ist meint man gerne, dass man in Deutschland Hilfe bekommt, wenn man welche braucht. Schließlich ist jeder krankenversichert und über postpartale Depressionen ist man informiert. Unfassbar welches Risiko der Mutter und den Kindern gegenüber eingegangen wird weil diese Hilfe nicht schnell genug angeboten wurde. Mein Kind war nach einem eiligen KS auch auf der Neonanotologie, ich bekam eine Milchpumpe und es wurde zugefüttert. Rückblickend gesehen bin ich da vielleicht zu blauäugig ran gegangen und die Milchpumpe begleitete mich 6 Monate lang aber ich habe versucht mir keinen Stress bzgl Stillen zu machen. Mein Kind hat ein halbes Jahr lang MuMi erhalten und mehr konnte ich einfach nicht tun. Meine Hebamme meinte mit mehr Engagement (power Stillen, nur noch Couch und ständig anlegen) hätten wir den Weg zum Vollstillen geschafft aber wenn ich diese Geschichte lese bin ich froh dass ich für mich erkannt habe dass es mir zu viel Druck und zu viel Stress bedeutet hätte. Ich hätte gerne unkompliziert gestillt, mir das Sterilisieren und Pulver anrühren gespart, mal ganz vom Aufwand bei Ausflügen abgesehen. Natürlich ist die Depression nicht allein auf die Stillprobleme zurück zu führen aber ich hatte schon das Gefühl dass es einen großen Druck gibt, ja Stillen zu können und zu wollen. Ich wünsche der Familie alles Gute und viel Gesundheit!

    1. Tine ich bin bei Dir! Stillen ist gut und schön, aber wenn es wegen den Umständen nicht geht, gibt es zum Glück Ersatz. Ich habe auch 2 Kinder, recht lange gestillt, leider hat der Große trotzdem das Asthma unserer Familie geerbt. Also Stillen verhindert auch nicht alles… schade, dass wir Mütter uns schon in den frühesten Lebenstagen unserer Kinder so einen Druck machen. Da kommt noch so viel mehr im Leben.

      1. Was ich nicht verstehe: Wieso hat ihr nicht gleich, nachdem sie nach Hause kam, ihre Hausärztin Sertralin verschrieben? Wieso hat sie das erst in der Psychiatrie bekommen? So wäre ihr viel Leid erspart worden, denn anscheinend ging es ihr ja, sobald das Medikament nach zwei Wochen wirkte, sofort viel besser.

  6. Schön, daß es gut ausging! Gut, das Du Dir rechtzeitig psychologische Unterstützung gesucht hast und den Hilfebedarf erkannt hast und ehrlich eingestehen konntest. Für viele ist gerade das Thema Depression immer noch peinlich und schambehaftet. Auch wenn es jetzt zu spät dafür ist, eine Beleghebamme hätte dir, in der Vorbegleitung, Klinik und danach zu Hause, sicher geholfen. Und auch beim Teil-stillen oder Flasche geben hat man ganz viel Nähe zum Kind!(bitte kein Stillzwang/-Stress, da machen wir uns unnötig Druck) Natürlich will man alles richtig und gut machen, Über- Perfektion führt aber selten zum Ziel, führt nur zu Druck.

    1. silvia, das kann man so pauschal nicht sagen. meine hebamme beim ersten kind hat mir null! geholfen. sie hat es nur schlimmer gemacht und ich hatte keine kraft mir eine neue zu suchen. mein umfeld oder mann hat aber auch nicht aktiv mir hilfe gesucht.
      und mein baby hat die flasche nicht gekommen ! der wäre verdurstet bevor er daraus trinkt…. manchen mögen die tips helfen aber wenn man nicht alle details weiß ist es von außen immer einfach hinterher tips zu geben.

  7. Ich hatte nach meinem ersten Kind den Babyblues, nicht zu vergleichen mit dem was Laura/Linda durch machen musste, aber empfand das schon echt sehr schlimm.

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