Gastbeitrag von Nina: Unsere Tochter wog bei ihrer Geburt 534 Gramm

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Ich heiße Nina, bin 26 Jahre alt und es fällt mir sehr schwer, über das Thema Frühchen zu schreiben. Ich nahm es mir schon vor Monaten vor, aber irgendetwas hinderte mich daran, einfach loszuschreiben.
Es war eine Zeit geprägt von Trauer, Schmerz, Verzweiflung und doch auch voller Liebe, Glück und Hoffnung.

Wir wünschten uns ein Kind und wurden sehr zügig schwanger. Mir ging es während der ganzen Schwangerschaft nicht gut und ab der 20. SSW bekam ich Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und mein Gesicht wurde immer aufgequollener. Meine Frauenärztin verwies mich, trotz eines hohen Blutdrucks, zum Orthopäden, die Beschwerden kämen von einer durchgelegenen Matratze.

Ich ging alle 2 Tage zur Behandlung zum Orthopäden, jede Woche. Dann wurden in einer Nacht zum Sonntag die Schmerzen so unaushaltbar, dass mein Mann mich winselnd ins Krankenhaus brachte. Ich konnte weder liegen noch sitzen noch stehen. Eine junge Assistenzärztin bestand auf eine gründliche Untersuchung, bevor es Schmerzmittel geben würde. Das rettete mein Leben!

Meine Leberwerte waren viel zu hoch, meine Blutgerinnung fast nicht mehr vorhanden. Ich hatte ein HELLP Syndrom. Da ging alles ganz schnell. Ich bekam eine Spritze für die Lungenreifung meiner Tochter, wurde für den OP fertig gemacht und in Vollnarkose gelegt. Ich war in der 24+4 Schwangerschaftswoche.

Als ich aufwachte, lag ich auf der Intensivstation. Mein Bauch war leer. Ich war alleine. Einige Zeit kam eine Schwester, die ich fragte: "Wo mein Kind ist? Lebt meine Tochter?"
Die Krankenschwester konnte es mir nicht beantworten und ich rechnete mit dem Schlimmsten. Dann kam mein Mann zu mir und er berichtete, dass wir eine klitzekleine Tochter haben – 534g. Sie lebte!

Ich bestand darauf zu ihr zu können, setzte mich auf die Bettkante und bettelte, dass man mich zu ihr bringen soll. Mein Mann schob mich im Rollstuhl zu ihr.

nina1 2Da lag sie, winzig klein, eine Hand voll Leben, größer war sie nicht. So verloren im Inkubator. Ich verstand nicht, dass da nun meine Tochter liegt. Nach 2 Tagen durfte ich sie das erste Mal berühren, ganz sacht die Hand auf sie legen. Da entstanden meine Muttergefühle.

4 Tage nach ihrer Geburt bekam sie eine Lungenblutung. Ich wartete 3 Stunden bis der Oberarzt zu mir kam mit den Worten: "Wir können Ihnen nicht versprechen, dass sie es schafft."

Ich brach zusammen. Ich verbrachte den Tag an ihrem Inkubator. Diese kleine Maus, verkabelt, beatmet, kaum erkennbar unter all diesen Schläuchen. Doch sie überstand die Nacht und sie kämpfte!

Es ging bergauf. Sie wurde bald nicht mehr beatmet und bekam eine Sauerstoffmaske zur Unterstützung.  Nach ein paar weiteren Tagen nahm sie in winzigen Schritten zu. Es gab noch viele schlechte Tage, in denen uns nichts versprochen werden konnte. Doch unsere Heldin kämpfte.

Ich blieb 4 Wochen bei ihr, in einem Elternzimmer, im Krankenhaus. Dann ging es mir körperlich nicht mehr gut und mein Mann entschied, dass ich mit nach Hause kommen muss, damit ich mich auch etwas erholen kann. Daraufhin fuhr ich jeden Tag um 8 Uhr ins Krankenhaus und fuhr abends wieder nach Hause zum Schlafen. Weinend, denn es fühlte sich so unerträglich falsch an, mein Kind zurück zu lassen. 

Während unserer Zeit im Krankenhaus gab es viele kleine Erfolge, die mir immer wieder die Kraft gegeben haben, weiter zu funktionieren, zu fühlen. Das erste Känguruhen (mit 460g), das erreichen der ersten 1000g, der Umzug in ein anderes Zimmer, der Auszug aus dem Inkubator in ein Wärmebettchen, die ersten 2ml, die sie selbst aus der Flasche trank, das erste Bad und sie liebte eine gute Fußmassage von Mami.

Nach 16 langen Wochen durften wir unsere kleine Maus endlich mit nach Hause nehmen. Es folgten noch einige therapeutische Maßnahmen, die die Freude etwas trübten, aber wir waren endlich zuhause. Da gehörte unser Kind hin. 

Heute ist unsere Marlena Hulda 2 Jahre und 8 Monate alt. Sie hat ihren schweren Start sehr gut gemeistert und wir erfreuen uns jeden Tag an unserer liebenswerten, intelligenten, starken Tochter. Unsere Geschichte hat mir gezeigt, wie wichtig es ist gesund zu sein, die Zeit zu genießen und die Momente zu spüren. 

Das ist unsere Geschichte. Und sie ging weiter. Marlena ist heute eine große Schwester. Im Dezember kam Dana Marie zur Welt und ich bin eine 2fache, sehr dankbare Mama.nina3 0

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2 comments

  1. Großen Respekt für so viel Tapferkeit!
    Liebe Nina,
    Ich bin selbst seit 3 Monaten Mama & habe beim Lesen von deinem Beitrag viele Tränen vergossen!
    Ich will nicht behaupten ich wüsste was ihr durchgemacht habt, aber ich hatte bei meiner ersten Schwangerschaft eine Fehlgeburt & weiß was für eine Last von mir abgefallen ist, als ich meinen kleinen Sohn gesund mit nach Haus nehmen durfte.
    Ich freue mich für euch, dass ihr diese schwere Zeit hinter euch gelassen habt & euer Leben als Familie genießen könnt!
    Alles Liebe für dich & deine Familie.
    Du bist eine tolle Mama & eine sehr starke Frau!

  2. Liebe Nina, vielen Dank, dass
    Liebe Nina, vielen Dank, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. Ich freue mich mit euch, dass Marlena es geschafft und den schwierigen Start so gut gemeistert hat! Alles Gute für dich und deine Familie!