Fehlgeburt, Frühgeburt und jetzt wieder schwanger: Wie Eva den Mut nicht verliert

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Ihr Lieben, dies ist eine Mutmach-Geschichte. Nicht jede Schwangerschaft verläuft ohne Komplikationen, nicht jedes Baby kommt lebend zur Welt. Dass es sich trotzdem lohnt, positiv in die Zukunft zu schauen und den Mut nicht zu verlieren, beweist die Geschichte von Eva. Vielen Dank für dein Vertrauen und wir drücken fest die Daumen.

Liebe Eva, du hast eine Tochter, die 2019 geboren wurde. Zuvor hattest du eine Fehlgeburt. Kannst du uns darüber erzählen?

Ich wurde 2017 zum ersten Mal „schwanger“. Ich setzte den Begriff bewusst in Anführungsstriche, da ich nach heutigem Wissensstand noch gar nicht schwanger war. Ich bin nach dem positiven Test zur Vertretungsärztin, da meine Ärztin an dem Tag nicht da war und die Vertretungsärztin bestätigte mir die Schwangerschaft direkt mit dem Mutterpass in der gerade mal 5. SSW. Es war noch nicht mal ein Herzschlag vorhanden.

Die Woche drauf samstags bekam ich gegen Mittag plötzlich Blutungen. Meine beste Freundin beruhigte mich und meinte, dass das in der Frühschwangerschaft schon einmal vorkommen kann. Ich war natürlich trotzdem beunruhigt. Ich war an dem Tag alleine zu Hause, mein Mann war auf unserer Baustelle, da wir gerade dabei waren, unser neues Zuhause, das Haus meiner Großeltern, zu entkernen und anzubauen.

Am späten Abend, als mein Mann zu Hause war, hielt ich es nicht mehr aus und wir fuhren in die Notaufnahme. Dort wurde schnell festgestellt, dass ich eine Fehlgeburt hatte und ich musste über Nacht im Krankenhaus bleiben.

Wie ging es weiter?

Am nächsten Morgen erfuhr ich dann, dass ich eine Ausschabung machen lassen müsste. Wenn alles gut verlief, dürfte ich am Abend wieder nach Hause. Wieder ein Schock, da ich noch nie im Leben eine OP geschweige denn eine Vollnarkose hatte.

Nach der Ausschabung ging es mir körperlich und psychisch wirklich lange schlecht. Ich hatte die Narkose nicht gut vertragen und war einige Wochen nicht richtig bei mir. Letztendlich hat mich dann die Nachuntersuchung bei meiner richtigen Frauenärztin gerettet. Sie hat mir logisch erklärt, warum das alles passiert ist und plötzlich machte für mich alles Sinn.

Du hast dann auch einen guten Weg gefunden, damit wirklich abzuschließen…

Schlechte Dinge, die mir im Laufe des Jahres passieren, schreibe ich am Jahresende immer auf. So, wie auch dieses Erlebnis, das wirklich viel mit mir körperlich als auch psychisch gemacht hat. Den Zettel verbrenne ich dann, damit ich die Themen auch wirklich loslassen kann. Tatsächlich wurde ich im Juli dann auch wieder schwanger.

Die Schwangerschaft mit deiner Tochter war allerdings auch nicht ganz unbeschwert – sie wurde zu früh geboren….

Genau, der ET meiner Tochter war im März 2019. Schon früh (17. SSW) entdeckte meine Frauenärztin eine Art Tumor an meiner Plazenta, in der Fachsprache nennt man das „Chorangiom“. Mir wurde gesagt, dass einige Schwangere so etwas haben, jedoch wächst es nicht und kommt bei der Geburt des Kindes raus und somit ist alles gut. Bei mir jedoch wurde es größer und größer und auch schwerer.

An Heiligabend hatte ich ein ganz schlechtes Gefühl, da ich meine Tochter einige Tage schon nicht mehr spürte. Meine Hebamme machte ein CTG und alles war gut. Doch mein komisches Gefühl bliebt.

Ich wurde nun auch regelmäßiger untersucht, weil man beobachten wollte, wie dieses Ding in meinem Bauch wächst.

Mittwochs vor der Geburt meiner Tochter bekam ich die 1. Lungenreifespritze, am Tag darauf die 2. Da hing ich dann auch den ganzen Tag am CTG, sollte viel Kaffee trinken etc… nichts half. Meiner Tochter ging es zunehmend schlechter.

Nachmittags wurde ich dann stationär aufgenommen und abends als ich ab 20 Uhr weiterhin nur noch am CTG hing, sollte ich meinen Mann anrufen, dass er kommen soll. Zudem wurde ich dann in den Kreißsaal verlegt und mein Mann dazu, damit ich überwacht werden konnte. Ich hatte dann so ein kabelloses CTG um den Bauch. Mein Mann und ich hatten gerade alle Lichter ausgeschaltet und wollten versuchen, ein bisschen zu schlafen, da kam die Hebamme mit einer Ärztin und sagte, sie müssen nochmal einen Ultraschall machen.

Und dann ging alles recht schnell.

Ich wurde nochmal von der Chefärztin untersucht und ich sah selbst, was los war. Ich kannte ja meinen ungebetenen Gast von zig Untersuchungen und sah, dass er plötzlich eine seltsame Form angenommen hatte: Es hatte in den Bauchraum geblutet, die Herztöne meiner Tochter fielen rasant ab und es musste sofort eine Not-OP gemacht werden.

Ich wurde ausgezogen, rein ins OP-Hemd, wir rannten nach nebenan in den OP, da standen schon 10 Leute bereit und zack war ich unter Vollnarkose. Meine Tochter wurde in der 32. SSW geboren.

Wie ging es deiner Tochter nach der Geburt?

Meine Tochter bekam nach der Geburt eine Bluttransfusion, da sie viel Blut verloren hatte. Sie musste zum Glück nur (Dank der Lungenreife) zwölf Stunden beatmet werden. Durch das Chorangiom hatte sie einen vergrößerten Herzmuskel, da sie permanent gegen dieses riesige Ding ankämpfen musste. Zum Schluss hatte dieser Tumor ein Gewicht von 1200g.

Meine Tochter wog bei der Geburt 1850g und war 42cm groß, sie lag zwei Wochen auf der Intensivstation und wir durften Tag und Nacht zu ihr. Allerdings durften wir sie erst nach vier Tagen auf den Arm nehmen, was für uns wirklich schlimm war.

Wie lange musste sie noch in der Klinik bleiben und wie habt ihr diese Zeit gemeistert?

Insgesamt waren es 33 Tage und diese Tage war hart. Ich habe panische Angst vor Krankenhäusern und konnte daher nicht über Nacht bleiben. Ich bin also jeden Tag 70 km (Hin u Zurück) zu ihr gefahren, um sie zu waschen, wickeln, sondieren, mit ihr zu kuscheln. Und jedes Mal, wenn ich nach Hause fuhr, überkam mich das schlechte Gewissen. Das habe ich auch bis heute noch.

Es gibt Mamas, die rund um die Uhr auf der Intensivstation sitzen. Doch ich konnte einfach nicht. Mich hatte das psychisch total fertig gemacht.

Ich muss dazu sagen, dass mein Kopf/mein Geist ein sehr zartes Pflänzchen ist und ich vor ein paar Jahren erst eine Depression überstanden hatte. Die Frühgeburt meiner Tochter führte erneut zur Depression und mir wurde ein Geburtstrauma diagnostiziert.

Welche Folgen hatte dieses Trauma?

Ich konnte nicht stillen und keine Gefühle zu meiner Tochter aufbauen, ich funktionierte einfach nur.

Mein Mann musste weiterhin arbeiten, kam so gut es ging vor oder nach der Arbeit zu unserer Tochter ins Krankenhaus. Dazwischen musste er noch unseren Umzug koordinieren, der bereits ewig feststand und die Helfer waren ebenfalls organisiert.

Meine Eltern wohnen zum Glück bei uns im Ort und haben uns viel geholfen. Meine Mum hat für uns gekocht, sie hat mir immer zugehört, mich getröstet. Ich habe die ersten 6 Wochen jeden Tag nur geweint. Ohne meine Eltern hätten wir das nicht geschafft.

Was hat diese Zeit mit euch als Paar gemacht?

Das ist ganz schwer zu beantworten. Ich habe meinem Mann lange Vorwürfe gemacht, nicht genug da gewesen zu sein. Im Nachhinein weiß ich, dass das nicht richtig war. Aber in dieser Situation damals, als ich voller Trauer und Verzweiflung und Angst war, konnte ich nicht anders.

In dieser Zeit waren wir, jeder für sich, ziemlich alleine. Er mit dem Hausbau, Umzug, Arbeit und dann noch die Besuche im Krankenhaus. Und ich im Krankenhaus und mit meinem Geburtstrauma.

Er hat mich einfach ausgehalten und ertragen, weil er mich liebt. Und weil er wusste, dass irgendwo ja doch noch das fröhliche Mädchen ist, das er geheiratet hat.

Es hat fast ein Jahr gedauert, bis ich emotional wieder stabil war. In dieser Zeit habe ich mit vielen Menschen darüber gesprochen und reden hilft mir nun mal am besten. So konnte ich das Erlebte ganz gut verarbeiten.

Nun bist du wieder schwanger. Wie erlebst du diese Schwangerschaft?

Anfangs war ich wieder ziemlich ängstlich, aber es wird besser. Natürlich machte ich mir auch Sorgen, es könnte sich wieder ein Chorangiom gebildet haben. Doch meine Ärztin hat mir immer gut zugesprochen und ist sich ganz sicher, dass dieses Mal alles gut geht. Zur Sicherheit hatte sie mich erneut zu der Spezialistin geschickt, die mich auch in der SS mit meiner Tochter untersucht hatte. Auch sie konnte keine Anomalie feststellen. Tatsächlich ist dieses Mal mit dem Baby einfach alles in Ordnung und ich versuche, darauf zu vertrauen, dass alles gut wird.

Ich habe ein bisschen Angst vor der Geburt, weil ich gar nicht weiß, wie sich Wehen anfühlen. Es fühlt sich an als wäre ich zum ersten Mal schwanger, weil ich einfach keine Ahnung habe.

Mit wem kannst du dich gut austauschen, wenn deine Ängste zu groß werden?

Also, wie schon gesagt, reden mein Mann und ich viel miteinander und ich kann ihm einfach alles sagen. Wenn es dann aber zu extrem wird und ich mich in etwas hineinsteigere, dann habe ich das Glück, dass ich noch mit meiner ehemaligen Therapeutin (bei ihr war ich damals wegen der Depression) in Kontakt bin. Sie kennt mich sehr gut und weiß, was mir in welcher Situation hilft. Dann habe ich Podcasts mit Meditationen, die mir auch sehr gut helfen.

Was wünschst du dir für die kommenden Wochen?

Für mich und das Baby wünsche ich mir eine stressfreie Zeit, d.h. konkret: Negative Menschen meiden, auf meine Bedürfnisse hören, mich auch mal ausruhen, viel Zeit mit meiner Tochter und meinem Mann verbringen und versuchen, positiv zu bleiben.

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4 comments

  1. Liebe Julia,

    Ganz lieben Dank für deine Worte <3
    Das ist ziemlich verrückt, dass du fast die gleiche Geschichte erlebt hast und gleichzeitig bin ich froh, dass ich nicht alleine bin mit sowas.
    Ich wünsche dir auch alles alles Liebe!

  2. Bei mir war es auch ganz genauso. Erst eine Fehlgeburt in der 12. SSW, dann eine Frühgeburt (per Kaiserschnitt) in der 32. SSW und mittlerweile habe ich noch eine Tochter, die auf natürlichem Weg ganz pünktlich zu ihrem ET kam.

    Alles Gute für die weitere Schwangerschaft und die Geburt! Ich hoffe du kannst die spannende Zeit trotz Sorgen auch genießen!

  3. Verrückt, ich habe an ganz vielen Stellen deiner Geschichte meine eigene wiedererkannt! Auch ich habe nach einer vorangegangenen Fehlgeburt ein März-Baby 2019 erwartet, das dann aber nach einer komplikationsreichen Schwangerschaft ebenfalls 8 Wochen früher zur Welt kam. Schön zu lesen, wie du aus all dem Kraft schöpfen und nun sogar den Mut finden konntest, erneut schwanger zu werden. Du glaubst nicht, wie gut ich die Anführungszeichen um dein „schwanger sein“ in beiden zuvor von dir erlebten Fällen nachempfinden kann. Nun wünsche ich dir nur noch Ausrufezeichen, um dein Glück in die Welt hinauszurufen! Unbekannterweise alles Liebe <3

  4. Wunderbar, dass bei Deiner Tochter alles gut geworden ist, Du dich so gut kennst und gut und schnell für dich selbst sorgst ( sorgen kannst)! Genieße die 2. Schwangerschaft und vertrau darauf, dass Du und Dein Körper auch Wehen und vaginale Geburt hinkriegen werden. Du musst Dir dieses “ selbstverständliche“ Hochgefühl der Schwangerschaft leider erarbeiten wegen der schon sehr negativen Vorereignisse. Die Unbefangenheit ( aus Unkenntnis) ist Dir genommen. Alles Liebe für Euch und seid ( ganz wörtlich gemeint) guter Hoffnung!!!

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