Gastbeiträge

10/12/2016 - 08:45

Land-Mama Lisa

Schlimme Geburt: "Bei mir wirkte die Narkose beim Kaiserschnitt nicht" - Gastbeitrag von Berenice

Ihr Lieben, wir lassen hier immer wieder Gast-Autoren zu Wort kommen, auch solche, die etwas ganz ganz Seltenes erlebt haben. Das ist bei diesem Beitrag der Fall. Bitte lasst euch nicht entmutigen, falls Ihr gerade schwanger seid. Ich hatte selbst Kaiserschnitte und alles lief gut. Es ist harter Lese-Stoff, das sei euch nur vorab gesagt. Hier erzählt Berenice vom Blog Phinabelle ihre Geschichte.

"Ich war in der 36. Woche schwanger mit meiner ersten Tochter, unserem Wunschkind. Es fühlte sich so unfassbar toll an. Die Schwangerschaft verlief ohne Probleme, sodass ich die Zeit absolut genießen konnte. An jenem Tag war ich wieder bei einem Vorsorge-Termin und merkte schnell, dass mein Arzt anders war. Nicht so freudig wie sonst. Nach dem Ultraschall erklärte er mir, dass das Köpfchen des Kindes noch immer über dem Becken liegt und es vielleicht auch so bleiben würde, weil mein Becken eventuell zu eng sein könnte. Alles sehr vage und vorsichtig formuliert.

"Und was bedeutet das jetzt!?"

"Wenn der Kopf in zwei Wochen nicht ins Becken gerutscht ist, rate ich Ihnen zu einem Kaiserschnitt. Machen Sie einen Termin im Krankenhaus, um das zu besprechen." Ein Kaiserschnitt? Eine Operation? Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, denn damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet. Ich wollte doch auf jeden Fall eine Wassergeburt.

In den nächsten 14 Tagen habe ich viel gelesen und recherchiert. Und das Krankenhaus bestätigte mir dann meine Meinung: bei vielen Schwangerschaften rutscht der Kopf des Kindes erst unter den Wehen ins Becken.

"Machen Sie sich nicht verrückt - das wird schon!"

Ein ungutes Gefühl blieb. Aber die Angst war weg. Das wird schon. Also wartete ich auf Wehen. Unfassbar enttäuscht saß ich am errechneten Termin im Bett - und wartete.
Vier lange Tage später ging es los: ich konnte nachts nicht mehr richtig schlafen, weil sich in mir etwas tat. Es waren keine Schmerzen, eher dieses typische Ziehen. Morgens konnte ich kaum was essen, ich fühlte mich unwohl. Das Ziehen entwickelte sich zu Schmerzen und wir machten uns auf den Weg ins Krankenhaus. Dort angekommen wurde eine halbe Stunde CTG geschrieben. Wehen vorhanden, Muttermund: 2 cm.

"Gehen Sie ausgiebig im Park spazieren, wir sind auf einem guten Weg."

Ausgiebig im Park spazieren!? Die machte wohl Witze. Erstens: es war Ende Juni, 35 Grad im Schatten. Zweitens: ich war schrecklich müde. Und drittens: mir war so schlecht! Immerhin bekam ich eine Spucktüte mit auf den Weg. Danke.

Als wir wieder in den Kreißsaal gegangen sind, war es bereits abends. Stand der Dinge: Muttermund bei 6-7 cm. Gut! Aber wir brauchten Wehen. Denn die waren dank PDA weg. Also bekam ich einen Wehentropf. Und es wurde wieder CTG geschrieben. Plötzlich kam die Hebamme ein wenig panisch zu uns:

"Die Herztöne ihres Kindes sind schlecht. Sie bekommen sofort Wehenhemmer!"

Das war der Moment, in dem ich zu weinen begann. Ich fühlte mich so erschöpft und jetzt hatte ich noch Angst um mein Baby. Erst brauchte ich Wehen, jetzt sollten sie aufhören. Ich war hilflos und verzweifelt. Eine zweite Hebamme kam und man entschied sich, die Wehen dann doch natürlich anzuregen. Es gab Globuli. Ernsthaft!? Diese Dinger sollen Wehen machen!? Fehlanzeige. Nun wollte man die Fruchtblase "sprengen".
Ich habe meinen Mann angeschaut, der mittlerweile noch hilfloser und verzweifelter war als ich.

"Nein. Ich will einen Kaiserschnitt!"

Ich konnte es kurz selbst nicht glauben, dass ich das gesagt habe, aber ich habe so gefühlt. Ich hatte keine Kraft mehr und wollte nicht zum Versuchskaninchen werden. Zu viele Menschen hatten mich zu oft untersucht. Nein, das wollte ich nicht mehr.
Die Hebammen versuchten mich noch kurz zu überreden weiterzumachen, aber ich blieb dabei. Die PDA musste nur nachgespritzt werden und ein Arzt war auch zur Stelle.

Ok, dann war es jetzt so. Ich bekam einen Katheter und mein Mann ging sich umziehen.
So lag ich nachts um 0:10 Uhr im OP und hatte Angst.

"In 30 Minuten halten Sie ihr Kind im Arm. Ist das nicht schön?"

Ja, die Vorstellung war wunderschön. Ich wurde verkabelt und gelagert. Ich sollte sagen, ob es an meinem Bauch kalt oder warm ist. "Kalt." Nach zwei Minuten kam dieselbe Frage. Wieder kalt. Dann spürte ich, wie mir jemand in den Bauch kniff. Es folgte keine Frage und ich habe kurz überlegt, ob ich was sagen soll. Hallo, ich glaube die Narkose wirkt nicht, ich spüre noch etwas. Aber einerseits war ich viel zu müde und andererseits hatte ich eine Beatmungsmaske über meinem Mund.

Dann spürte ich Schmerzen. So höllische Schmerzen, wie ich sie noch nie zuvor gespürt habe. Ich schrie und schrie. Es kam mir vor wie in einem Alptraum. Der Arzt blickte mich schockiert an: "Spüren Sie etwas?" Ich konnte nur nicken.

Der Schmerz benebelte mich und ich war nicht mehr klar. Ich hörte Dinge wie "Der Mann muss raus!" und "Schnell, wir müssen das Kind holen!"

Ab diesem Zeitpunkt setzt meine Erinnerung aus. Wieder zu mir gekommen bin ich um 4:00 Uhr morgens. Meine Tochter kam um 0:48 Uhr auf die Welt. Ich fühlte mich schrecklich. Und begann wieder zu weinen. Erst dann sah ich meinen Mann mit unserem Baby im Arm und habe realisiert, was geschehen ist. Auch meinen Mann standen die Tränen in den Augen. Er habe gehört, wie ich anfing zu schreien und dann wurde er heraus geschickt. Er hatte solche Angst um uns! Und jetzt saß er hier mit unserem Kind im Arm, seit drei Stunden. Sie hat nur geschlafen. Und als ich wach wurde, begann auch sie sich zart zu bewegen. Ich habe sie direkt angelegt und gestillt.

Morgens kurz nach sechs wurde ich auf die Station verlegt. Es ging mir erstaunlich gut. Ich konnte alleine aufstehen und bin ohne Hilfe direkt duschen gegangen. Nach dem Gespräch mit der Ärztin wusste ich auch wieso: zuerst hat sie sich entschuldigt und gesagt, dass das alles nicht hätte passieren dürfen. Als ich anfing zu schreien musste alles sehr schnell gehen: Mann raus, Kind holen - denn erst nach der Geburt konnte man mir Schmerzmittel geben. Und das waren Mittel, die bei Unfällen und schwersten Verbrennungen eingesetzt werden. Daher hatte ich auch am Tag danach kaum Schmerzen.

Die Zeit danach

Am vierten Tag durften wir nach Hause gehen. Endlich! Ich wollte keinen Arzt mehr sehen, sofort kam mir der Gedanke an die Operation. Ich hatte mehrmals wöchentlich Alpträume und bin panisch aufgewacht. Es dauerte ein gutes halbes Jahr, bis das aufhörte. Dennoch hatte ich Angst, jemals wieder operiert zu werden.

Dann wurde ich erneut schwanger. Und ich wusste, dass es wieder ein Kaiserschnitt sein muss. Mein zweites Baby war nicht kleiner und die Ärzte rieten mir ausdrücklich von einer natürlichen Geburt ab. Einerseits hatte ich wieder diese furchtbare Angst, andererseits wollte ich diese Operation - um mich der Angst zu stellen. Dass ich sagen kann: es ist nur ein Mal passiert, es passiert nicht immer.
Aus medizinischen Gründen musste es eine Vollnarkose sein. Der zweite Kaiserschnitt verlief ohne Komplikationen und nach 40 Minuten war ich wieder bei vollem Bewusstsein.
Und ich begann wieder zu weinen: vor Glück, vor Freude. Aber vor allem, weil diese scheiß Angst weg war und alles gut gegangen ist.

 

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Kommentare

Anita — Sa, 12/10/2016 - 10:25

Liebe Berenice, vielen Dank für diesen Bericht. Bei unserem zweiten Kind hatte ich auch einen Kaiserschnitt und auch bei mir hat die Narkose nicht gewirkt. Ich war danach auch traumatisiert und finde es immer noch schrecklich, dass der Kaiserschnitt überhaupt nötig war. Zum Glück hatte ich als Ausgleich bei Baby Nummer 3 eine Traumgeburt, sodass ich auch mit dem Kaiserschnitt mittlerweile versöhnt bin. Viele Grüße Anita

Berenice — Sa, 12/10/2016 - 20:03

Liebe Anita, ich bin auch froh, dass beim zweiten KS alles geklappt hat. Wie Du sagst, man kommt dann besser mit der Erfahrung klar... Liebe Grüße

Nina — Sa, 12/10/2016 - 11:25

Auch bei mir hat unter der Geburt unseres zweiten Kindes die Spinalanästhesie nicht gewirkt und die Ärzte schritten erst ein als ich beim reißen der Gebärmutter fast vom OP-Tisch gesprungen wäre. Eine Entschuldigung danach? Fehlanzeige. Sie spritzen mir ein Mittel welches Alpträume auslöst, so dass ich dachte ich würde sterben. Ich hoffe auf eine bessere Erfahrung bei Kind Nr. 3 und wünsche allen Frauen die schwanger sind, dass alles ohne Komplikationen verläuft!

Gast — Sa, 12/10/2016 - 20:04

Wie furchtbar ! Ich bin froh, dass die Ärzte ihren Fehler eingesehen haben ! Alles Gute <3

Jenny — Sa, 12/10/2016 - 11:47

Das ist ja schrecklich! Nicht nur solche Schmerzen erleben zu müssen, sondern auch sich so hin und her geschoben zu fühlen. Man ist im Krankenhaus komplett abhängig von Schwestern und Ärzten, wenn die dann ihren Job nicht richtig machen oder ernst nehmen... Aber schön für dich, dass du sich deiner Angst stellen konntest und sie besiegt hast?! Liebe Grüße, Jenny

Berenice — Sa, 12/10/2016 - 20:06

Ich weiß jetzt, dass es auch gut gehen kann. Aber ein ungutes Gefühl wird immer bleiben, wenn es um eine Narkose geht. Alles Liebe, Berenice

Pippa Pumkin — Sa, 12/10/2016 - 12:11

Liebe Berenice, ich möchte nicht sagen, dass es mich tröstet, zu lesen, dass es anderen auch so erging, aber es tut gut zu wissen, dass es Leidensgenossinnen gibt, die eben nicht rosarotes-himmelblaues Babyglück hatten. Die Geburt meines Sohnes vor 10 Jahren war ziemlich genauso; ein 36stündiger Alptraum, der mit Notkaiserschnitt unter nicht wirkender PDA endete. Und oh Wunder, danach folgte monatelanger Babyblues... Die Ärzte sagten danach, ich könne nicht mehr schwanger werden - um so grösser der Schock als 6 Jahre später meine Tochter in mich eingezogen war. Die Schwangerschaft habe ich vor lauter Geburts-Angst regelrecht ausgeblendet, jedoch 2 Monate vorher doch noch eine Therapie gemacht. Es war klar, dass auch die Kleine per KS kommen müsste, jedoch kam sie 3 Wochen früher und wählte ihren Geburtstag dadurch selbst. Und was soll ich sagen: diese Geburt hat mich mit der Ersten ins Reine gebracht. Liebe Mamis da draußen: ihr seid nicht allein; holt Euch Hilfe! Ich hatte eine tolle Therapie z.T. mit Hypnose. Ich hätte es viel früher machen sollen; ich hätte mir - und meiner Familie viel Leid erspart.

Berenice — Sa, 12/10/2016 - 20:08

Liebe Pippa, genau deswegen habe ich darüber geschrieben: weil es eben nicht nur immer rosa-rot ist - und um aufzuklären. Leider passiert so etwas viel zu oft ! Alles Liebe, Berenice

mon — Sa, 12/10/2016 - 13:20

Ich hatte einen eiligen KS, nach dem es nicht mehr weiter ging habe ich bewusst dafür entschieden. Mir war es wichtig, egal wie mein Kind zu Welt kommt. Ich möchte selbst bestimmt sein. Also der KS lief gut und ohne Problem. Das Team war klasse. Also hatte ich nicht zu klagen, oder?! Ich hatte nach der OP immer wieder Flashbacks. Hab Sternchen gesehen, die ganz anderes aussahen. Es waren blaue LED Lichter. Immer wenn ich die Augen zugemacht habe. Zuckte ich zusammen..hatte das Gefühl das ich falle..die Kontrolle verliere. Ich kanne die ersten zwei Nächte deshalb nicht schlafen. Ich hab es den Oberarzt erzählt der auch den KS gemacht hat. Er hat die Problematik sofort verstanden. Hat angeboten, das ein Psychologin kommen kann. 2h später war sie an meinem Bett und wir hatten 45 Minuten ein wunderbares Gespräch. Was hab ich geheult. Ich hab mich versbschiedet von der Anspannung, den Wünschen und meinen Träumen zum Theam Geburt. Zum Schluß haben wir nur noch gelacht. Mein Kind war übrings zu beginn des Gespäches sehr angespannt, vorallem als geweint habe. Als meine Antwort gefunden habe und wie ich mit alledem umgehen kann. HAt mein Kind alle viere von sich gestreckt und hat soooo selig geschlafen. Wir haben da wieder ein bisschen zueinander gefunden. Das tat so gut. Alles Symtome waren und konnte endlich schlafen. Natürlich geht das nicht immer so schnell. Was mir klar geworden ist. Man sollte jeder Frau egal wie die Geburt war ein Gespräch mit einer ausgebildetet Kraft anbieten. Man muß es ja nicht annehmen..aber anbieten sollte man es. Ich glaube es tut nicht der Mutter gut, sondern kommt dem Kind aus zugute. Ach und noch was.. Im Krankenhaus hat man dafür nähmlich noch Zeit. Zuhause hat man andere Dinge im Kopf und muß funktionieren.

Berenice — Sa, 12/10/2016 - 20:10

Das hätte ich wohl auch im Anspruch nehmen sollen... Wobei ich das Angebot gar nicht hatte. Nochmals darüber zu schreiben nach langer Zeit tat auch gut ! Danke für Deine Erfahrung und alles Liebe <3

Mehdi Sahbi Basly — Sa, 12/16/2017 - 18:41

bei meiner Frau hat die örtliche Betäubung nicht gewirkt. Der Artz hat die OP fortgesetzt als ob es nichts gäbe. Wir haben geklagt. Verhandlung findet am 05.03.2018 um 10 Uhr stattfinden. Sitzungsaal 501, 5. Stock, Lenbachplatz 7. Kommt zahlreich.

M.Ber — So, 03/17/2019 - 20:42

Lieber Mehdi, Was kam bei Eurer Klage heraus? Ich habe das gleiche erlebt und nach der Sectio Dipidolor erhalten , um nichts mehr zu spüren, ich schrie während des Kaiserschnitts, das ich alles merkte , sogar wie mein Herz nach oben geschoben wurde von innen sowie die Lunge. Die Ärzte machten einfach weiter und sagten,es wäre nur der Druck , den ich spürte. Im Mutterpass steht bei der Entbinung „Ohne Narkose“. Das war ein Alptraum. Nach dem Kaiserschnitt lag ich in einer kleinen Abstellkammer mit meinem Baby auf dem Bauch und konnte mich nicht rühren. Selbst am Morgen danach war das Bett noch voll Blut, bis mal jemand mir half. Ich habe keine Erinnerung mehr, wie ich die Nacht mit dem Baby überlebt habe.

Walter — Sa, 06/22/2019 - 17:48

Ich recherchiere gerade nach "Aufwachen unter einer OP ", weil mir das selbet vor einer Woche widerfahren ist und ich jetzt unter einer Angststörung leide.Zum Glück spürte ich dabei keinen Schmerz , sondern " nur " das werkeln an mir . Mein Schmerzempfinden war ausgeschaltet, doch mein Kopf war hellwach , das allein reicht um mich seelisch zu belasten. Das was Ihnen widerfahren ist , ist einfach nur noch furchtbar!!!! Gehen sie gerichtlich dagegen vor .Der Schmerz unter der OP und der Alptraum den sie auch noch danach erfahren mussten , kann später zu ernsthaften psychischen Problemen führen. Lassen Sie auf jeden Fall das was sie erlebten festhalten , um evtl. auch später noch dagegen vorgehen zu können.Reden Sie mit ihren Frauenarzt , berichten Sie von ihren postoperativen Beschwerden ( seelisch Probleme dadurch ?) Und lassen sie von ihren Frauenarzt den Geburtsbericht anforden. Mfg. S. Walter

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