Roses Revolution Day: „Unter der Geburt so schlecht behandelt“

Roses Revolution Day

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Ihr Lieben, heute ist der 25. November, der Roses Revolution Day, an dem die Aufmerksamkeit ganz dem Thema „Gewalt unter der Geburt“ gilt. Weltweit legen Frauen an diesem Tag Rosen vor Kreißsälen und Krankenhäusern ab, in denen sie während der Entbindung ihrer Kinder Gewalt erfahren haben.

Und längst beteiligen sich nicht mehr nur Betroffene, sondern auch Angehörige, Doulas, Hebammenschülerinnen und Fachpersonal, die ein Zeichen setzen, weil sie Gewalt unter der Geburt miterlebt haben. Unsere Leserin Julia hat sich nach unserem Aufruf bereit erklärt, uns mehr zu ihren Erfahrungen zu erzählen…

Positiv! „Meine Schwangerschaft verlief unkompliziert“

„Meine ältere Tochter kam im August 2019 zur Welt. Die Schwangerschaft verlief recht unkompliziert, bis auf ein paar übliche Beschwerden. Als der Test „positiv“ anzeigte, machte ich mich direkt auf die Suche nach einer Hebamme, ich wusste durch Freundinnen, dass man damit nicht lange warten durfte.

Wir waren zu dem Zeitpunkt gerade frisch von der Großstadt aufs Land gezogen. Eine der ersten Hebammen, die ich anrief, arbeitete im Geburtshaus zehn Minuten von uns entfernt und fragte mich direkt, ob wir uns schon Gedanken zu einer klinischen oder außerklinischen Geburt gemacht hatten. Sie bot uns an, den ersten Kennenlerntermin im Geburtshaus zu machen und uns etwas zu dem Konzept zu
erzählen.

„Willst du wirklich im Geburtshaus entbinden?“

Ich stand dem Ganzen sehr offen gegenüber, war noch nie ein großer Fan von Krankenhausstrukturen und wirklich neugierig, das Geburtshaus kennenzulernen. Mein Mann tat sich sichtlich schwer, seine Eltern standen dem Ganzen völlig abneigend gegenüber und äußerten dies auch immer wieder.

Die Wochen verstrichen und die Schwangerschaft verlief gut. Wir schauten uns das Geburtshaus an und ich war sehr begeistert. Mein Mann machte sich Sorgen über die Versorgung, falls es zu Komplikationen kommen würde und konnte dem Geburtszimmer im Ikea-Stil wenig abgewinnen. Zudem setzten ihn seine Eltern immer wieder unter Druck. Dies führte zu Streit. Ich setzte mich zunächst durch, meldete mich zur Geburt im Geburtshaus an und das Thema wurde in den nächsten Wochen von uns beiden recht wenig beachtet.

Doch ein paar Kliniken anschauen für die Geburt?

Ich ging zur Vorsorge abwechselnd alle vier Wochen zu meiner Frauenärztin und ins Geburtshaus. Ich tat mich schwer, mit der Hebamme im Geburtshaus warm zu werden und wurde zunehmend unsicherer. Der fehlende Support meines Mannes und die Skepsis, die der größte Teil meines Umfeldes äußerte, verstärkte dies nur.

Etwa im 6./7. Monat belastete mich der Gedanke an die Geburt immer mehr und ich sprach mit meiner Frauenärztin und mit Freundinnen darüber. Sie rieten mir, auf mein Gefühl zu hören und mir doch ein paar Krankenhäuser anzuschauen. Zu Beginn der Schwangerschaft hatten wir uns schon ein großes Klinikum in der Nähe samt Kinderklinik angeschaut, was für mich gar keine Option dargestellt hatte.

Kleine Klinik als Alternative zum Geburtshaus

Durch meine Tätigkeit als Vormündin hatte ich genau zu dieser Zeit nun mit einer kleineren Klinik in der Nähe zu tun, in der ich die Geburt eines meiner Mündels begleitete. Ich lernte das Personal im Kreißsaal und auf der Wochenbettstation kennen und fühlte mich wohl.

Ich sprach mit meinem Mann viel darüber und er äußerte erneut seine Bedenken gegenüber dem Geburtshaus. Ich suchte daraufhin das Gespräch mit meiner Hebamme, die natürlich nicht begeistert war, weil der Platz ja bis dato für mich geblockt war. Sie bot dennoch an, die Wochenbettbetreuung zu übernehmen.

Geht die Geburt jetzt los? Lieber mal abchecken

Ich meldete mich in dem kleinen Krankenhaus an und war zunächst beruhigt. Gegen Ende der Schwangerschaft, kurz vor Beginn des Mutterschutzes hatte ich viel Stress auf der Arbeit. Ich bekam vorzeitige Wehen und litt immer wieder unter sehr starken Bauch- und Magenkrämpfen, die vermutlich einfach eine Reaktion auf die Arbeitsbelastung und mein Pensum von weiterhin zum Teil zehn Stunden Arbeit am Tag waren.

Eines Abends wurden die Schmerzen so stark, dass wir uns entschieden, mich im Krankenhaus durchchecken zu lassen. Dort trafen wir leider auf einen sehr unfreundlichen Arzt, der mich ziemlich niedermachte und deutlich sagte, dass ich seine Zeit und die Kapazitäten des Krankenhauses verschwendete. Ich brach in Tränen aus und war ein nervliches Wrack.

Abgewatscht: Als Erstgebärende eher belächelt worden

Ich spürte einen enormen Widerstand gegen dieses Krankenhaus, das ich ja nun bewusst ausgesucht hatte und war völlig verzweifelt. Gleichzeitig war ich so wütend und wollte das nicht auf mir sitzen lassen. Als auch noch Erstgebärende so behandelt zu werden ging gegen meine Überzeugung und Würde.

Ich beschwerte mich in der Klinik über den Arzt und bat um ein Gespräch mit dem leitenden Chefarzt. Das klappte erstaunlicherweise sehr gut. Er meldete sich telefonisch bei mir und bot mir an, mich erneut zu untersuchen. Dies lehnte ich ab, da ich bereits bei meiner Frauenärztin gewesen war, die mir rein körperlich schon Entwarnung gegeben hatte.

Weiter Zweifel an der Klinikgeburt

Die Restzweifel am Krankenhaus blieben. Mein gutes Gefühl schwand. Da ich jedoch kurz vor Ende der Schwangerschaft stand, versuchte ich mich darauf zu konzentrieren und mir und meinem Körpergefühl zu vertrauen.

Am errechneten Termin setzten die Wehen ein, ich war an dem Nachmittag noch zu der letzten Untersuchung bei meiner Frauenärztin, die mir versicherte, dass der Muttermund noch komplett zu war und es sicher noch dauern würde. Über den Abend wurden die Wehen regelmäßiger und ich war total aufgeregt, voller Vorfreude, dass unser Baby wohl bald da sein würde.

„Wenn Sie so weitermachen, wird das nichts mehr“

Gegen 1 Uhr nachts waren die Wehen regelmäßig und wir fuhren ins Krankenhaus. Dort wurden wir von einer sehr mürrischen Hebamme begrüßt. Der Kreißsaal mit der Badewanne war zu dem Zeitpunkt gerade belegt und mit uns waren dann drei Geburten im Gange. Der Muttermund war bei etwa 4cm und wir wurden aufgenommen. Ich fühlte mich überhaupt nicht wohl, die Hebamme war einfach nur unfreundlich und erklärte mir direkt, dass, wenn ich so weitermachen würde, das nichts werden würde.

Ich diskutierte immer wieder darüber, dass ich mich für das CTG nicht hinlegen wollte, weil ich die Wehen einfach so nicht aushalten konnte. Dies wurde immer wieder ignoriert. Die Nacht schritt voran und gefühlt alle paar Stunden auch ein Zentimeter des Muttermundes. Ich wurde immer müder und die Wehen forderten mich. Ich hatte recht schnell das Gefühl, mein Körper presst, aber es war einfach noch überhaupt nicht der Zeitpunkt dafür.

„Ich fühlte mich alleingelassen und ausgeliefert“

Ich schickte meinen Mann immer wieder zur Hebamme, die für mich nicht präsent war und meine Sorge alleingelassen zu werden bestätigte sich. Meine Unsicherheit wuchs und die Schmerzen der Wehen auch. Ich wurde ungehalten und legte mich mit den wechselnden Hebammen immer wieder an (insgesamt waren es inkl. Schwesternschülerin etwa vier im Verlauf der Geburt).

Die anderen Geburten in den Kreißsälen nebenan schritten voran und das demotivierte mich zusätzlich. Mein Körper zitterte immer wieder, weil ich bei jeder Wehe gegen den Pressdrang ankämpfte. Die Hebamme bot mir immer wieder eine PDA an. Dies verweigerte ich vehement. Ich willigte einem Schmerztropf ein. Davon wurde mir so schlecht, dass ich mich mehrfach übergeben musste. Danach durfte ich auch nicht mehr in den freigewordenen Kreißsaal mit der Wanne wechseln. Das Risiko von Kreislaufproblemen sei nun zu groß.

Interventionen und Eingriffe unter der Geburt

Schließlich wirkte das Schmerzmittel und die Wehen wurden weniger. Die Geburt geriet ins Stocken, ich war schon am Ende meiner Kräfte und verzweifelt, weil die Stunden vergingen und sich nichts bzw. so wenig tat. Der Muttermund war immer noch nicht vollständig geöffnet. Die Herztöne meiner Tochter waren die ganze Zeit einwandfrei. Daraufhin wurde mir ein Wehentropf angehangen.

Die Wehen kamen mit so einer Heftigkeit, dass ich mich überhaupt nicht mehr hinlegen konnte und der Pressdrang wurde unerträglich. Die Fruchtblase war noch nicht geplatzt, der Muttermund mittlerweile am späten Vormittag bei 8cm. Die nun diensthabende Hebamme, die immerhin etwas freundlicher war, schlug eine Darmspülung vor. Vielleicht würde der Pressdrang davon zurückgehen und die Fruchtblase platzen.

Wann kommt endlich mein Baby?

Ich willigte ein, mittlerweile war mir alles egal. Die Spülung zeigt keine Wirkung. Die Zeit schritt voran und auch ein Arzt schaute ab und an herein. Es kam Unruhe auf, weil mittags Visite anstand und ich nun schon so lange den Kreißsaal blockierte. Eine PDA verweigerte ich weiterhin. Ich bettelte die Hebammen an, mir zu sagen, was ich noch tun könnte, um weiterzukommen und ließ mich auf ein zeitweises Liegen und Veratmen der Wehen ein, um unsere Tochter weiter nach unten zu befördern.

Dies zeigte Wirkung, doch der Kopf rutschte immer wieder nach oben. Die Hebamme schlug vor, die Fruchtblase zu öffnen und holte sich das Okay vom Arzt. Also ließ ich auch dies geschehen. Gegen 14 Uhr wurde es auf einmal hektisch. Ein Arzt kam hinzu und untersuchte mich, ich lag mittlerweile auf dem Rücken auf dem Bett (die Position, die ich unter allen Umständen vermeiden wollte) und sollte aktiv pressen und mitschieben.

Dammschnitt, Wehen, Schmerzen, Kontrollverlust

Der Arzt redete auf mich ein, dass er einen Dammschnitt machen wolle, damit der Kopf des Kindes endlich herauskommen konnte. Ich wollte das nicht und weinte völlig hysterisch. Bei jeder Wehe schrie ich vor Schmerzen. Der Arzt fragte meinen Mann, ob er in den Dammschnitt einwilligte, er war auch völlig überfordert. Letztendlich führte er den Schnitt unter einer Wehe durch und ich schrie vor Schmerzen und Entsetzen darüber.

Der Kopf rutschte hindurch und ich sollte bis zur nächsten Wehe warten. Der Arzt zog auf einmal ein Tuch mit der Hebamme unter mir durch und erklärte mir, dass sie bei der nächste Wehe Druck auf meinen Bauch ausüben würden, um dem Kind auf die Welt zu helfen. Ich wurde völlig panisch und rief immer wieder ‚Nein ich will das nicht!’.

„Ich dachte, ich verliere das Bewusstsein“

Bei der nächsten Wehe drückte er sich auf meinen Bauch und ich hatte das Gefühl, ich verliere das Bewusstsein. Ich hatte das Gefühl ich würde einfach nur zerissen. Daraufhin wurde meine Tochter geboren. Sie schrie und wurde mir die auf die Brust gelegt. Ich weinte hemmungslos, ich war völlig fertig und konnte nicht fassen, was da gerade passiert war.

Ich verdrängte sofort und konzentrierte mich auf mein Baby. Doch das Gefühl der Übergriffigkeit, des Ausgeliefertseins brannte sich ein und setzte sich fort. Auf der Wochenbettstation klappte das Stillen nicht. Ich fragte immer wieder nach Hilfe und jede Schwester erklärte es anders. Ich wurde immer wieder angepampt und mein Gefühl von völliger Überforderung gepaart mit der totalen Erschöpfung und des Schlafmangels überforderte mich.

Roses Revolution Day: Die Verarbeitung der Geburt

Die Fragen nach der Geburt wurden von einem großen Teil meines Umfeldes sofort im Keim erstickt, wenn ich berichtete, wie schlimm sie gewesen war. Nicht wenige wollten darüber nichts hören, verharmlosten das Verhalten der Hebammen im Kreißsaal, des Arztes und der Schwestern auf der Wochenbettstation.

Mein Mann gab mir Halt, er sagte immer wieder, wie schlimm die Situation auch für ihn gewesen sei und dass er das Gefühl gehabt hatte, ich wäre behandelt worden wie auf der ‚Schlachtbank’. Meine Schreie seien für ihn kaum aushaltbar gewesen. Wir entließen uns nach zwei Nächten und zu Hause klappte es dann viel besser. Ich kam zur Ruhe und die Geburt holte mich ein.

„Beim nächsten Kind machen wir das anders“

Es hat lange gebraucht und immer wiederkehrendes Darüberreden, bis ich davon berichten konnte, ohne in Tränen auszubrechen. Bei dem Satz ‚aber Hauptsache ist doch, dass es dir und dem Kind gutgeht’ könnte ich heute noch Schreikrämpfe bekommen. Es ging uns beiden nicht gut. Auch meine Tochter hat eine ganze Zeit gebraucht, um anzukommen und bei den Osteopathie-Terminen, die wir mit ihr wahrnahmen waren auch noch Auswirkungen des Kristellergriffes festzustellen.

Meinem Mann und mir war klar, dass wir ein weiteres Kind nicht klinisch entbinden wollen (wenn dies nicht medizinisch notwendig wäre). Bei unserer zweiten Tochter, die im Mai 2021 zur Welt kam, meldeten wir uns direkt im Geburtshaus an, in der Stadt, in der wir vorher gewohnt hatten. Die Fahrtstrecke war ein Stück, aber machbar. Ich thematisierte dort meine Ängste von Anfang an und wir fühlten uns gut aufgehoben.

„Ich hätte Aufmerksamkeit und Zuspruch gebraucht“

Im Laufe der zweiten Schwangerschaft forderte ich den Geburtsbericht im Krankenhaus an und mein Gefühl bestätigte sich erneut: Die Interventionen und Eingriffe hatten zu dem katastrophalen Geburtsverlauf geführt. Aufmerksamkeit und Zuspruch hätten meiner Meinung nach den Verlauf komplett verändern können.

Die Geburt unseres zweiten Kindes im Geburtshaus hat die Narben der ersten Geburt verblassen lassen. Ich konnte ein Stück heilen. Was mich daneben am meisten berührt und schockiert hat, waren jedoch die Reaktionen der vorwiegend weiblichen Personen (zum größten Teil sogar mit eigenen Kindern) aus meinem Umfeld.

Gewalt in der Geburtshilfe: Nicht auf uns sitzen lassen

Das Thema Gewalt in der Geburtshilfe ist auch heute in unserer, wie ich dachte, aufgeklärten Generation scheinbar immer noch mit einem großen Tabu behaftet. Auch, dass ich diese Geburt mit dem Begriff Gewalt tituliere erscheint vielen weiterhin anmaßend. Aber genau das war sie.

Ich, wir, waren ausgeliefert und hilflos. Meine Würde wurde nicht nur unter der Geburt, sondern auch auf der Wochenbettstation so oft mit Füßen getreten und missachtet und ich habe all dies geschehen lassen, aus Sorge um mein Kind. Mit dem Ziel eine gute Mutter zu sein. Die kann ich aber nur sein, wenn es auch mir gut geht und das möchte ich allen werdenden Müttern mitgeben, das möchte ich eines Tages meinen Töchtern mitgeben. Hört auf euer Bauchgefühl und vor allem auf eure Grenzen.“

Julia K.

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15 comments

  1. Gewalt bei der Geburt darf es nicht geben!
    Wann endlich nutzen wir alle Menschen (werdende Mütter, Frauen, Ehepartner/ Partner, Mütter, Ärzte, Hebammen, Psychologinnen, Politiker*innen ) unsere Kraft und Macht, für die 1:1 Betreuung unter der Geburt einzustehen?!
    Das wäre ein großer Schritt zur Reduzierung von Gewalt, hin zur emotional gut begleiteten Geburt.

  2. Bei mir war es umgekehrt.
    Ich wollte ins Krankenhaus, wollte Schmerzmittel, eine PDA, ein Dauer-CTG, ich wollte Ärzte. So viele wie möglich. Badewanne etc war für mich ausgeschlossen. Dies machte ich bei der Anmeldung auch sehr deutlich.
    Als es dann soweit war wurden mir Schmerzmittel verweigert. Die Anästhesie wurde mehrfach nicht gerufen, obwohl ich um eine PDA bettelte. Ich hatte Wehen aus dem Rücken, die meine Wirbel knacken ließen. Man versuchte mehrfach mich zu zwingen zu laufen oder auf alle viere zu gehen, was ich vehement verweigerte. Ich wollte auf dem Rücken liegen, neben neinrm Mann, nur so fühlte ich mich halbwegs sicher, geborgen. Dafür wurde ich beschimpft. Ich weinte die ganze Zeit. Man sagte mir, wenn ich nicht aufhöre zu weinen würde mein Kind sterben. Irgendwann kam endlich die PDA mit einem klasse Ärzteteam, danach war die restliche Geburt einfach und ereignislos.
    4 Monate später bin ich überzeugt man wollte mich quälen und bestrafen, weil ich kein Interesse an einer „natürlichen“ Geburt hatte. Sollten wir je ein zweites Kind wollen, werde ich einen geplanten Kaiserschnitt in der großen Uniklinik vornehmen lassen. Nie wieder werde ich mich einer Hebamme ausliefern. Nicht nur Ärzte sind Täter.

    1. Als Geburtshelferin macht es mich traurig, diese Berichte zu lesen. Und ich sehe eine große Ursache für die Gewalt, die Frauen empfinden, im Personalmangel. Es gibt z.B. ein Anästhesie Team fürs ganze Klinikum (also Kinderklinik, HNO-Klinik und Frauenklinik), wenn das zB bei einer Not-OP ist, kann keine PDA gelegt werden. Und es gibt zu wenig Hebammen, dass keine 1:1 Betreuung möglich ist, die Ärztin muss gleichzeitig die Notaufnahme mit versorgen usw. Das alles rechtfertigt natürlich niemals!!! Gewalt. Ich glaube aber, dass all diese Geburtshelfer so unter Stress sind, dass sie dann so handeln, wie hier beschrieben. Von Ausnahmen, die es einfach wirklich nicht besser wissen, abgesehen. Und die Geburtshelferinnen nehmen sich dann auch nicht die Zeit (ich habe es immer versucht, wenn ich das Gefühl hatte, bei einer Geburt ist etwas nicht so gelaufen, wie die werdenden Eltern es wollten), nach einer Geburt nochmal zu besprechen, was passiert ist. (Wie zB ein Dammschnitt, Saugglocke, Not-Kaiserschnitt oder keine PDA möglich).
      Ich wünsche allen Frauen, die Gewalt unter Geburt erfahren haben, dass sie es aufarbeiten können.

  3. Ich war als Erstgebärende völlig ahnungslos und musste mich logischerweise auf die Erfahrung und Unterstützung der Hebamme, Schwestern und Ärzte verlassen. Ich wollte mich nicht verrückt machen und hab mich deshalb vorher nicht „über-infomiert“. Die Geburt meines ersten Kindes war lang, mit 3 Hebammen, es wurde dann ein Kaiserschnitt. Das Stillen hat nicht geklappt und mir fehlte im Klinikalltag auch die Ruhe und Unterstützung.
    Beim zweiten Kind hatte ich per Zufall eine tolle Hebamme, aber auch diese Geburt war ein Kaiserschnitt. Zumindest wusste ich besser, was ich will oder auch nicht. Alles nicht so einfach.

  4. Ich habe meine erste Geburt im Krankenhaus auch sehr negativ in Erinnerung. Sätze wie ein genervtes: „Da brauchen Sie doch nicht weinen“ „Es kann nicht sein, dass sie Wehen haben, beim CTG ist nichts zu sehen“ oder „Tja eine Geburt, Stillen und alles was dazu gehört tut halt weh“. Es war ein krasser Sprung von der umsorgten Schwangeren für die jeder ein Lächeln auf den Lippen hatte und der Mutter, die sich doch bitte nicht so anstellen soll und die eben lernen muss dass Mutterschaft anstrengend und schmerzhaft ist. Ich hätte unter der Geburt und im Wochenbett viel Verständnis und nette Worte gebraucht. Stattdessen fühlte ich mich als junge Mutter auf einmal nicht mehr wie ein Mensch behandelt. Meine Bedürfnisse schienen von Heute auf Morgen nicht mehr wichtig.

  5. Oje, das hört sich so sehr nach meiner 1. Geburt an. Und es braucht so viel Zeit, dass alles zu verarbeiten. Die 2. Geburt lief viel besser, aber auch da haben die Ärzte einiges vermasselt. Bei der dritten Geburt zu Hause lief dann alles traumhaft bis das Baby ins Krankenhaus musste wegen einer Mekoniumaspiration. Nun schließe ich meinen Frieden mit Geburten und genieße meine Kinder.

  6. Oh Mensch, das tut mir sehr leid zu lesen. Ich glaube, dass die Autorin von Anfang an mehr auf sich hören müsste, es ist ja ihr Körper und ihre Verantwortung, wo sie gebärt. Schwierig, wenn dann noch Unstimmigkeiten mit dem Mann da sind.

    1. Heute vor 16 Jahren wurde ich von meiner Großen entbunden. Wann immer ich etwas anderes wollte, kam man mir mit „Vorschrift“ (Spritze, Einlauf, raus aus der Wanne, Dauer-CTG, Bewegungsverbot…) Die Geburt endete mit Dammschnitt (doppelter Blutverlust wie normal), Zange und auf mir rum drücken wie verrückt.
      Das später angeforderte Geburtsprotokoll bescheinigte uns beiden jederzeit beste Werte, also kein Grund für Intervention.
      Nie wieder KH! Kind 2 und 3 kamen im Geburtshaus.
      Sohnemann hab ich selbstbestimmt mit viel Hebammenunterstützung geboren, die Jüngste hab ich komplett selbst geboren, im eigenen Tempo, die Hebamme hat wirklich nur aufgefangen. Und ich hab die Kraft meiner Gebärmutter sooo deutlich gespürt, das war total faszinierend.
      Käme ein viertes (was wohl nicht der Fall ist) würde ich zu Hause entbinden wollen.
      Zuspruch und das Gefühl respektiert zu werden sind sehr wichtig bei der Geburt. Meine Geburtshaushebammen haben mein Vertrauen in meinen Körper gestärkt. Diese Möglichkeit sollten alle Frauen haben und die Chance auf eine 1:1-Betreuung.
      LG von TAC

  7. … mein Mitgefühl für diese Mama und ihre Familie. Viel zu viele gewaltsame Geschichten – die leicht zu verhindern wären. #rosrev Zum Anfordern des Geburtsberichts hier ein Musteranschreiben: https://www.gerechte-geburt.de/wege/ungerechte-geburt/geburtsbericht-anfordern/ Es wichtig, die komplette Geburtsakte anzufordern – sonst gibt es evtl. nur einen Kurzbericht von 1 Din4-Seite.
    Die neue Rechtsprechung für Betroffene erleichtert das Ganze: Kosten müssen nicht mehr übernommen werden! (Siehe Link)

  8. Wie kann man denn den geburtsbericht anfordern? telefonisch im Kreißsaal? Per Mail?MUSS die Klinik mir diesen geben oder ist sie nicht verpflichtet?

      1. Liebe Yvonne,
        leider ist auch ein Geburtshaus kein Garant für eine selbstbestimmte Geburt und respektvollen Umgang. Bei meiner ersten Geburt war ich „erst“ 23 und hatte mich bewusst für ein Geburtshaus entschieden. Nachdem meine Tochter sich dann erst 15 Tage nach dem errechneten Geburtstermin auf den Weg machte, lagen bei mir die Nerven schon blank. Die Geburt zog sich, die Hebamme war genervt, der Muttermund wurde ständig ertastet, obwohl ich wegen der Schmerzen bettelte, dass dies nicht so häufig gemacht wird. In die Badewanne durfte ich nicht wegen des Kreislaufs. Schließlich wurde ich mit Blaulicht in die Klinik gefahren. Meine Bitte an die Hebamme, mir etwas überziehen zu dürfen wurde mit dem Satz „Nein, das geht nicht und denkst du, die Sanitäter haben noch nie eine nackte Frau gesehen?“ abgeschmettert. Der Sanitäter war allerdings wesentlich emphatischer und hat mir während der ganzen Fahrt die Hand gehalten.
        Im Krankenhaus wurde ich gut betreut, zwar wurde der Damm geschnitten und meine Tochter wurde mit dem Kristellergriff rausgedrückt (habe eben erst gelesen, dass das gar nicht mehr gemacht wird), aber letztendlich ist alles gut gegangen. Übrigens musste mich die Geburtshaushebamme noch wegen einer Brustentzündung am Wochenende besuchen (oh, nein!) Kommentar: „DESWEGEN muss ich jetzt extra hierherfahren!“. Heute kann ich (fast) darüber lachen. Meine 2. Tochter habe ich sehr entspannt und schön in einem anderen Geburtshaus bekommen. Heute ärgere ich mich sehr darüber, mich nicht gewehrt oder wenigstens hinterher beschwert zu haben.
        LG, Kathrin

    1. Jede Frau darf ihren Geburtsbericht einfordern. Ich hab das auch nach der ersten Geburt gemacht. Es gibt dann vonseiten der Klinik möglicherweise Nachfragen, weil sie Klagen fürchten, ich konnte dann beruhigen und sagen, ich bräuchte den Bericht für die persönliche Verarbeitung (das stimmte bei mir auch so).

    2. Hallo Ich,
      Du musst das Geburtenpathogramm anfordern. Der Geburtsbericht ist nur eine grobe Zusammenfassung von der Geburt an sich.
      Wir sind als Geburtshelfer dazu verpflichtet alle Unterlagen bezüglich einer Geburt 30 Jahre aufzubewahren. Die Klinik muss die dir aushändigen und wird dir eventuell die Kosten für die Kopien und das Porto berechnen.

      Falls du noch oder wieder von einer Hebamme begleitet wirst, kann sie es mir dir gemeinsam durchgehen und besprechen.

      Zumindest arbeite ich so mit meinen Frauen.

      Alles Gute!

    3. Als ich ihn anforderte, bekam ich auch nur die DIN A 4 Seite wie mein Gyn. Dabei wollte ich gerne einfach ein bisschen mehr Material für die Erinnerungskiste meines Kindes. Als ich nachhakte, erhielt ich einen Termin mit dem Oberarzt, wo er den Bericht mit mir in Auszügen durchging. Ich hatte den Eindruck, dass er befürchtete, ich plane aus welchen Gründen auch immer, rechtliche Schritte gegen die Klinik. Den Bericht bekam ich nicht ausgehändigt. Begründung: er müsse sonst alle, die dort geschrieben haben, also auch jede beteiligte Hebamme, zunächst nach ihrem Einverständnis fragen oder alternativ die Stellen schwärzen, an denen sie etwas geschrieben haben. Auch über 10 Jahre später finde ich das noch komisch und unbefriedigend.

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