Schwanger im Ausland: Nadine kämpfte für eine selbstbestimmte Geburt

Das ist hier aber nicht legal“, sagte meine Hebamme sanft.
„Wie? Dann dürfte ich mein Baby nicht zuhause auf die Welt bringen? Dann müsste ich ins Krankenhaus?!“ fragte ich geschockt.
Ihre Antwort ließ meine Augen noch größer werden. „Nicht nur das, auch im Krankenhaus ist die natürliche Geburt einer Beckenendlage nicht legal, sondern sofortiger Grund für einen Kaiserschnitt.


Da lag ich also. Auf einer winzigen Insel in einem großen Meer. Ich war in der 36. Schwangerschaftswoche, kugelrund und trotzdem platt. Was mache ich denn nur, wenn sich mein Baby nicht wieder zurückdreht, mit dem Kopf nach unten? Ein Kaiserschnitt kommt für mich nicht in Frage. Nicht ohne triftigen medizinischen Grund. 

Seit ein paar Monaten wohne ich zusammen mit meinem Mann Konstantin und meiner Tochter auf der kanarischen Insel La Palma. Noa habe ich vor 4 Jahren in unserem Wohnzimmer in München zur Welt gebracht. Eine schmerzfreie (nicht leise), selbstbestimmte Hausgeburt. Mehrere Monate hatte es gedauert um mein damaliges Bild von einer Geburt zu verändern. Weg von den dramatischen Szenen aus Hollywood hin zu friedlichen, kraftvollen Gebären. Ein Erlebnis, das der werdende Mutter zeigt wie stark sie ist und das sie ihr Leben lang positiv in Erinnerung behält. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich damals eine so wundervolle Geburt erleben durfte. Und jetzt? Ich fühle mich jeglicher Freiheit über mich und meinen Bauchzwerg zu entscheiden beraubt. Ich, die Mutter, die in der Regel intuitiv am besten weiß, welche Art der Geburt am besten für sie ist.

Eine selbstbestimmte Geburt – das wünsche ich mir

Dieses Gefühl der Freiheit, der Selbstbestimmung sowie das Selbstvertrauen in die eigene Intuition hatte ich vor meiner ersten Geburt für lange Zeit verloren. Erst als Mama auf Weltreise, die wir gestartet haben als Noa 1,5 Jahre alt war, habe ich wieder meine Kraft gefunden. Ich musste weit reisen, um wieder zu mir zurückzufinden. Um zu wissen, wie und wo ich eigentlich leben möchte, was mir gut tut und wie ich zusammen mit meiner Familie unser Leben gestalten möchte. Genau deshalb ist eine Sache für mich auch ganz klar: ich bringe auch mein zweites Baby defintiv nicht im Krankenhaus zur Welt. No way!

Konstantin und ich haben schon Mitte der Schwangerschaft ein Buch über Alleingeburten gelesen. Nur für den Fall, dass es vielleicht sehr schnell geht oder die Hebamme keine Zeit hat zu uns zu kommen. Mir war es wichtig gut vorbereitet zu sein. Auf La Palma gibt es nämlich nur eine ausgebildete Hebamme, die Hausgeburten betreut. Sie selbst hat aber auch Kinder und arbeitet hauptberuflich im Kreißsaal des einzigen Krankenhauses. Sie ist also nicht in der Lage 24/7 Zeit rufbereit zu sein. So ist das aber, wenn man auswandert. Andere Länder, andere Sitten, andere Gesetze. 

Ich beginne sofort verzweifelt nach Alternativen zu suchen. Angeblich gibt es auf Gran Canaria ein Geburtshaus, wo eine Geburt in Beckenendlage erlaubt ist. Aber könnten wir uns das leisten? Für ein paar Wochen auf eine andere Insel ziehen und trotzdem Miete auf La Palma bezahlen? Zurück nach Deutschland? Wir haben gerade erst den strengen Lockdown in Spanien hinter uns. Der steckt uns noch in den Knochen und eine Flugreise ist das Letzte, das ich gerade bewältigen könnte. Das sind alles keine realistischen Optionen und ich fühle mich auf der Insel wie gefangen. 

Die Lösung – eine Hausgeburt?

Nach ein paar Nächten voller Sorgen und einem aufmunternden Gespräch mit einer Freundin beschließe ich, mich auf das zu konzentrieren, was ich wirklich in der Hand habe. Ich spreche jeden Tag mit meinem Baby im Bauch. Erkläre ihm, warum es mir wichtig ist, dass es sich rechtzeitig dreht. Ich stelle mir jeden Tag unsere Hausgeburt auf La Palma vor und so langsam finde ich mein Selbstvertrauen wieder. Es dauert gar nicht so lange und ich erhalte die ersehnte Nachricht: ready to homebirth. Puh, was für eine Erleichterung. 

Es vergehen noch 3 Wochen gefüllt mit Geburtsvorbereitungen und den ersten Senkwehen. Um so näher die Geburt rückt, desto anstrengender empfinde ich die fremde Sprache und das mir unbekannte Gesundheitssystem, mit dem ich sowieso so wenig wie möglich in Kontakt sein möchte. Versteht mich nicht falsch, ich bin keine Gegnerin von Krankenhausgeburten und Kaiserschnitten. Ich bin eine Befürworterin für die Selbstbestimmung von Frauen. Jede Frau soll sich frei entscheiden dürfen. Unabhängig von den Meinungen, Aengsten und Vorgaben von anderen.

Unser Baby kommt im Geburtspool zur Welt

Am ET watschel ich mit einem Stück Kuchen über den Strand. Die Geburtstagsfeier meiner Freundin soll mein vorerst letzter Strandbesuch werden. Noch in der Nacht spüre ich sanfte Wehen. Geht es los? Hoffentlich. Am Nachmittag des nächsten Tages ist es glasklar. Die Hebamme wird gerufen und nach wenigen Stunden intensiver Wehen, diesmal leider nicht schmerzfrei, erblickt unser zweites Babymädchen im Geburtspool das Licht der Welt. Unsere kleine Palmerita wird lautstark und friedlich zugleich in meine Hände geboren. Ich finde keine Worte, dieses Gefühl zu beschreiben. Ich weiß nur eines. Ich wünsche jeder werden Mama aus tiefstem Herzen, dass auch sie es erleben darf. Ganz egal wo und wie.

Diese Geburt fühlt sich an wie der Abschluss eines ganz besonderen Lebensabschnitts für uns. Weltreise, Auswanderung und Hausgeburt. Mit unserem Film „Wild & Wundervoll“ möchten Konstantin und ich diesen feiern. Wir hoffen sehr, dass der Film nicht nur viele Zuschauer unterhält, sondern auch inspiriert ihre eigene, individuelle Freiheit zu suchen und zu leben. In Sachen Schwangerschaft, Geburt und mehr.   


Wer Nadines und Konstantins Filmprojekt unterstützen möchte, kann dies hier tun: https://www.startnext.com/wild-wundervoll

Hier gibt es viele Einblicke in das Leben der beiden: https://www.youtube.com/user/Bienlerich

Immer wieder kommt die Frage auf, warum Nadine und Konstantin das überhaupt machen und wie sie den Mut gefunden haben, das deutsche Sicherheitsnetz zu verlassen… ohne Millionäre zu sein. Dieser Beitrag ist die Antwort darauf: https://www.instagram.com/tv/CIiqJUoKlxZ/?utm_source=ig_web_copy_link

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15 comments

  1. Geburten sind so vielfältig und einzigartig wie jede Gebärende selber. Jede Frau hat ihre Lebensgeschichte, Charakter und Bedürfnisse. Und so unterschiedlich ist dann auch wie Geburt gelebt wird und was man sich (zu-)traut in unserer Geburtskultur.
    Lasst es doch jeden machen wie er es für sich als richtig erkannt hat.

  2. Ich hatte eine wunderbare Geburt im Krankenhaus. Ich fühlte mich sicher und falls eines Falles auch versorgt. Es gab keinen Druck, die Hebamme schaute nach und den Rest tat ich. Hätte sie mir nicht gesagt, wie weit der Muttermund geweitet war, hätte ich vieles falsch gemacht. Dieses ganze Gerede von selbstbestimmter Geburt hat teilweise auch was mit Profilierung zu tun, Selbstdarstellung. Da müsste die eine oder andere Mutter auch mal ehrlich sein.

    1. Liebe Sarah,
      ich bin da auch ganz bei dir.
      Ich hatte auch eine Klinikgeburt. Ich war auch froh dass ich in der Klinik war. Als Hausgeburt wäre das wahrscheinlich nicht gut ausgegangen. Und das hatte nix mit der der Klinik zu tun. Mein Mann und ich waren am Anfang unter uns. Wenn ich was brauchte kam sofort eine Hebamme. Niemand hat mir drein geredet. Leider war meine Maus 12 Tage über Termin und hat sich als sterngucker ins Becken gedreht. Zum Glück hatte ich eine erfahrene Hebamme und tolle Ärztin an meiner Seite. Dieses ganze ich will eine super tolle, selbstbestimmte und tolle Geburt Gedöns ist teilweise echt nicht mehr zu hören. Ich werde es bis heute nicht verstehen warum sich so viele Frauen über die Geburt ihrer Kinder definieren. Wahrscheinlich weil sie sonst nix anderes haben über was man sich definieren kann. Egal ob mit oder ohne pda.. Hauptsache das Kind ist gesund. Schaut euch mal an wie es um die Kinder und Müttersterblichkeit vor über 10p Jahren bestellt war. Liebe Grüße Steffi

  3. Ich finde es sehr schade, dass hier anscheinend überwiegend Mamas kommentieren, die keine gute Hebamme an ihrer Seite hatten oder einen guten Frauenarzt der sich wirklich auskennt. Ja, auf dem Land beispielsweise leben viele Frauenärzte tatsächlich hinter dem Mond oder bilden sich nicht weiter.
    Deshalb habe ich meinen Frauenarzt in der Großstadt und fahre lieber 80 km, werde dadurch aber besser betreut und profitiere von seinem Wissen. Er weiß, dass man nicht unbedingt ins Krankenhaus zur Entbindung muss, dass ein Sauerstoffmangel mit einer intakten Nabelschnur und intakter Plazenta überhaupt nicht vorkommen kann. Dass man auch zum Beispiel mit über 40 kein bisschen zu alt ist um Kinder zu bekommen (was einem die Ärzte auf dem Land gerne verkaufen wollen). Er weiß auch, dass bei einer Beckenendlage nicht zwingend ein Kaiserschnitt gemacht werden muss und findet es sehr schade, dass bei uns in Deutschland dieses Wissen bei den Ärzten und oft in der Hebammenausbildung nicht mehr gelehrt wird. Und meine Hebamme mit ihren Jahrzehnten Erfahrung im Geburtshaus, Krankenhaus und als Hausgeburtshebamme weiß auch dass eine gut geplante Hausgeburt bei gesunder Mutter und gesundem Baby überhaupt kein Problem ist. Wirklich schade, dass so viele uninformierte Mütter hier posten und Angst schüren. Ihr solltet euch bitte erst mal bei den wirklichen Fachleuten, die richtig ausgebildet sind und die nötige Erfahrung mitbringen, informieren bevor hier Ängste und Halbwahrheiten verbreitet werden. Geburt ist ein natürlicher Vorgang und wenn alle gesund sind auch kein gefährlicher Vorgang!!! Ach ja, wer Statistiken lesen kann ist auch im Vorteil, denn die Gefahren von natürlichen, selbstbestimmten Geburten sind meist geringer als bei eingeleiteten oder Kaiserschnitten, obwohl auch hier der Prozentsatz so minimal ist, dass sich bitte keine werdende Mama Sorgen machen sollte. Jede Schwangere muss die Wahl haben dürfen, wie sie ihr Kind gebären möchte.
    Übrigens sind in den Niederlanden Hausgeburten normal und die Geburtshelfer dafür ausgebildet und daran gewöhnt. Dort ist die Hausgeburtsrate bei 30% und niemand führt sich deshalb so auf wie bei uns in Deutschland und es gibt auch weniger schwere Komplikationen nach der Geburt.
    Und was auch viele nicht wissen und aus welchen komischen Gründen davor Angst geschürt wird: Dass die Nabelschnur um den Hals des Babys liegt kommt sehr häufig vor und ist kein Grund für irgendeine Aufregung. Das Baby kann dadurch nicht stranguliert werden, es atmet noch nicht! Das Baby wird von der Plazenta mit Sauerstoff versorgt, so lange diese pulsiert. Sofern es keine vorzeitige Ablösung durch einen Unfall oder eine Infektion gibt ist alles safe. Das Kind sollte deshalb normal geboren werden und dann die Nabelschnur einfach abgewickelt werden, so wird das im Normalfall auch gemacht. Dass die Nabelschnur um den Hals war ist nur für den Bericht und die Statistik wichtig. Es gibt extrem selten so kurze Nabelschnüre, dass Babys deshalb nicht rauskommen könnten.
    Wir können uns allen eine selbstbestimmte Geburt zutrauen und wir haben alle die Kraft dafür und bräuchten bei guten Geburtshelfern und guter und angstfreier Vorbereitung auch keine Schmerzmittel, Wehenhemmer, Einleitungen oder Dammschnitte (diese sind übrigens inzwischen erwiesenermaßen medizinisch nicht notwenig). Es gibt natürlich immer Ausnahmen, es gibt Anomalien und Krankheiten aber die sind viel seltener als wir glauben zu wissen. Geburtsverletzungen entstehen meist weil man verkrampft ist, die falsche Position hat und falsch angeleitet wird. Ich hatte auch einen Schamlippenriss, weiß aber genau warum und versuche es bei der nächsten Geburt anders zu machen.
    Übrigens ist ein Kind, nur weil es nicht nach 40 Wochen kommt nicht automatisch übertragen. 40 Wochen ist die durchschnittliche Dauer und nicht die maximale Dauer einer Schwangerschaft. Manche Kinder sind früher „fertig“ und manche später. Es wird ab 40+1 nur besser überwacht, falls etwas nicht stimmen würde. Die Geburt wird einzig und allein vom Baby bestimmt, das hierfür Hormone ausschüttet und das macht es, wenn es bereit ist.

    1. Wer schürt hier denn Ängste? Wir (Ich) haben nur gesagt, dass dieser Perfektionswahn, was Kinder angeht schrecklich ist, und dass das auch die Geburt einschließt.
      Du fährst 80 km zu deinem Frauenarzt??? Krass! Das geht mich echt nix an, aber findest du das ein „natürliches“ Verhalten zum Thema Geburt? Ich wohn auch in ner Großstadt, hab n netten Frauenarzt um die Ecke, hab mir ein Krankenhaus ausgesucht und bin da hin und hab (zum Glück) unproblematisch da meine Kinder bekommen:) Nette Hebamme hatte ich zur Wochenbettbetreuung auch.
      Ohne esoterisches eine-Geburt-muss-geplant-und-wunderbar-sein-Gedöns.
      Hab oft an meine Uroma gedacht, die bei der Geburt meines Großonkels gestorben ist und war froh, dass wir es heute da echt besser haben!
      Aber ansonsten und grundsätzlich: Jeder, wie er will!

    2. Ich finde es erschreckend, wie leichtfertig der Wunsch nach Selbstbestimmtheit hier abgeurteilt wird. Von Frauen, die selbst das Glück hatten, selbstbestimmt im Krankenhaus zu gebären! Selbstbestimmtheit ist nicht gleich esoterisch und nicht selbstbestimmt bedeutet unter Zwang, körperlicher oder selischer Gewalt. Nicht umsonst gibt es den Roses Revolution Day…
      Ich habe 2 Kinder und die erste KH Geburt lief weder selbstbestimmt noch gewaltfrei ab. Alle, die Berufe ausüben, in denen ihnen Schutzbefohlene ausgeliefert sind sollten sich immer wieder reflektieren, egal Ob Ärzte, Hebammen, Lehrerinnen etc. Für die Geburt meines 2. Kindes konnte ich zum Glück eine Beleghebamme ergattern.mit ihr habe ich während der Schwangerschaft die erste negative Geburtserfahrung aufgearbeitet und konnte mich auf die 2. einlassen. Ich wünsche allen Frauen, die Möglichkeit, gewaltfrei und selbstbestimmt gebären zu können! Das ist leider, auch in Europa, weniger selbstverständlich, als häufig angenommen wird 🙁
      Für die erste Geburt hatte ich übrigens auch schon eine Beleghebamme gesucht, war aber
      Durch ET in den Sommerferien hoffnungslos.. .

  4. Nächstes Thema:

    Eine Geburt im Krankenhaus stellt die Autorin dar wie ein Drama, das es unbedingt zu vermeiden gilt.

    Etwa 98% der Kinder kommen hierzulande im Krankenhaus zur Welt. Es gibt – sicher – Fälle, in denen bei der Geburt zuviel interveniert wird, in der sich die Mutter vermeintlichen Übergriffen ausgesetzt sieht. Nicht schön. Aber auch eine Frage der Perspektive.

    Wenn ich einen Geburtsbericht schreiben sollte, läse sich der wie ein Horrorszenario. Erst stundenlang verkabelt alleingelassen, angemault, als ich auf die Toilette musste (und mir die Kontakte eigenmächtig abgemacht habe), 22h Wehen, Kristellergriff, abfallende Herztöne, Nabelschnur um den Hals, nicht angekündigter Dammschnitt, Dammriss 3. Grad ergänzend…

    Es war eine schöne Geburt, ein Erlebnis, das ich nicht missen will. War aber auch mental vorbereitet dahingehend, dass ich da eben NICHT entscheiden kann, sondern mich der Situation und den Erfordernissen überlassen muss.

    1. Ich stimme euch beiden zu. Klar möchte ich (nicht nur während des Gebärens, aber da besonders) respektvoll und freundlich behandelt werden. Aber dieses Getue um eine selbstbestimmte Geburt finde ich dekadent und „unnatürlich“!
      Erzähl das mal einer Mutter von vor 100 Jahren oder einer in einem Entwicklungsland- was die für unsere Möglichkeit gegeben hätten!

    2. Mit der Perspektive hast du total recht! Mein erster Geburtsbericht kann auch übel klingen…Blasensprung, 24h keine Wehen, daher in Vorwehenzimmer, Einleitung, dann alles superschnell, abfallende Herztöne, Saugglocke, Dammriss…
      Aber dank witzigem Arzt und energischer Hebamme und gesundem Baby und coolem Mann ein Erlebnis, an das ich mich sehr gern erinnere. Ich hatte aber auch keine Vorstellungen von Selbstbestimmung, Schmerzfreiheit und rosa Glückseligkeit…


  5. Schmerzfreie Geburt.

    Ja, das glaube ich auch. Ich beobachte seit mehreren Jahren die „Szene“ in der Geburten zu „selbstbestimmten“ „Erlebnissen“ verklärt werden. Wenn man die einschlägigen Hebammenblogs liest, hat man fast den Eindruck, als sei es völlig normal, sein Kind im Geburtshaus, im Wohnzimmer oder der heimischen Badewanne zu gebären.

    Ist es aber nicht.

    Auch wenn die Mutter in einem solchen Setting (die Regeln für eine Hausgeburt sind ja auch in Deutschland streng, zB kein Übertragen etc.) die Geburt mit guten Chancen übersteht, trägt sie doch auch Verantwortung für ihr Kind.

    Stichwort „Sauerstoffmangel“: da reichen 2-3 Minuten für eine nicht reversible Gehirnschädigung. Und das geht zT verdammt plötzlich.

    Bei einer Geburt kann man als Gebärende m.E. verlangen, zu jedem Zeitpunkt respektvoll behandelt zu werden. Mehr nicht. Denn wie die Geburt verläuft hat man nicht in der Hand. Und ich unterstelle mal, dass es auch den Zuhausegebärenden nicht egal ist, wenn ihr Kind Schäden erleidet. Selbstbestimmt ist eine Geburt NIE, es läuft wie es läuft.

    Ich halte diese Selbstbeweihräucherung (SO natürlich, natürlich schmerzfrei, SO selbstbestimmt…) für gefährlich, da falsche Erwartungen geweckt werden.

    Komischerweise veröffentlichen die Eltern der Kinder, die bei „selbstbestimmten“ Hausgeburten Schäden davon getragen haben keine Lifestyle-Artikel. Vielleicht deshalb, weil sie mit Pflege befasst sind.

  6. Ja, man kann sich alles schön reden… Dass die erste Geburt angeblich schmerzfrei war, liegt wahrscheinlich daran, dass man die Schmerzen der Geburt nach einiger Zeit vergisst.
    Und dass das Baby sich bloß durchs gute Zureden noch in die richtige Position gedreht hat, kann man sich natürlich auch einbilden… Wie sollte man je das Gegenteil beweisen können?
    Aber ganz schlimm aufgestoßen ist mir der Satz „Ich, die Mutter, die in der Regel intuitiv am besten weiß, welche Art der Geburt am besten für sie ist.“ Diese Arroganz macht mich fassungslos. Das heißt also, wenn die Geburt nicht so abläuft wie erhofft, ist die Mutter wohl selbst Schuld, weil sie nicht auf ihre Intuition gehört hat oder wie?!? Ich empfehle der Autorin sich einmal mit dem Thema Mütter- und Kindersterblichkeit unter der Geburt in Ländern mit schlechter medizinischer Versorgung zu befassen – vielleicht hilft ihr das, von ihrem hohen esoterischen Ross zu steigen. Die Geburt ist ein natürlicher körperlicher Prozess, der nicht automatisch für alle Beteiligten gut ausgeht, auch wenn man es sich noch so schön redet. Und dass er hierzulande doch viel häufiger, als die Natur es sonst zulassen würde, gut ausgeht, liegt wohl woran???

    1. Mir fällt es auch schwer, hier empathisch zu sein. Einstellungen wie die, dass man „mit dem Gesundheitssystem so wenig wie möglich zu tun haben möchte“, finde ich problematisch. Jeder kann jederzeit – ob schwanger oder nicht – in eine medizinische Notlage geraten, und dann möchte man sicher nicht auf eine adäquate Versorgung durch „das Gesundheitssystem“ verzichten. Zumal die Hebamme in diesem Text ja auch Teil des Gesundheitssystems war.
      Ich finde es auch sehr naiv, (hoch-) schwanger irgendwo hinzuziehen, ohne sich vorher über die Gegebenheiten und Regelungen in Bezug auf Geburten informiert zu haben.

  7. Ein toller Artikel mit tollen Erfahrungswerten. Auf die eigenen Gefühle hören und den eigenen Willen in die Tag umsetzen.
    Es ist einfach wundervoll, dass ein Kind das Licht der Welt erblickt, aber es ist noch schöner, wenn es genau so auf die Welt kommt, wie es sich die Eltern vorgestellt und auch ausgesucht haben. Sie wollten nur das Beste für die Kleine. Dies zeigt, dass man eine Geburt nicht vorherbestimmt übernehmen soll. Wenn es die Gesundheit zulässt, dann gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten, mit denen man das Kind mit Selbstvertrauen auf die Welt begleiten kann. Danke für deinen Einblick

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