Geburt in Corona-Zeiten: Wenn die Hebamme kommt, muss Papa raus

Tanja - Geburt in Corona-Zeiten: Wenn die Hebamme kommt, muss Papa raus - Tanja hat gerade ihr drittes Kind bekommen. Wie die Geburt war und wie es sich anfühlt, wenn die Hebamme mit Mundschutz kommt:

Liebe Tanja, du hast vor wenigen Tagen deinen dritten Sohn bekommen, herzlichen Glückwunsch! Kannst du uns von der Geburt erzählen?

Ja gerne. Ich hatte mir nach zwei Kaiserschnitten eigentlich eine Spontangeburt gewünscht und hatte auch von der Klinik dafür grünes Licht bekommen. Leider hat es dann doch nicht geklappt. Nach 12 Stunden Wehen mussten wir wegen pathologischem CTG und Geburtsstillstand abbrechen. Und so habe ich mein drittes Kind ebenfalls per Kaiserschnitt entbunden.

Viele Schwangere befürchten, dass die Väter bald nicht mehr in den Kreißsaal mit dürfen. Wie war das bei dir?

Ich kenne eine Hebamme, die in der Klinik arbeitet, in der ich entbunden habe. Ich habe sie ein paar Tage vor ET angerufen und gefragt. ob Väter noch in den Kreißsaal dürfen. Zum Glück war es möglich. Wenn das Krankenhaus das nicht erlaubt hätte, wäre ich in eine andere Klinik. Es ist für mich unvorstellbar, eine Geburt ohne meinen Mann zu machen.

Wie war die Stimmung und die Sicherheitslage im Krankenhaus?

Nach der Geburt war ich sechs Stunden zur Beobachtung im Kreißsaal, dort ging eigentlich alles recht normal zu. Die Hebammen und Ärzte haben sich wirklich rührend um ich gekümmert. Im Kreißsaal wurde mir auch gesagt, dass die Geschwister einmal am Tag auf die Wochenbettstation kommen dürfen.

Als ich auf der Wochenbettstation ankam und nochmal danach fragte, hieß es, dass das auf keinen Fall möglich sei. Zu groß sei die Gefahr, dass das Virus so ins Krankenhaus käme. Da flossen dann schon die Tränen. Ich habe zwei große Jungs (7 und 3,5 Jahre) und die hatten sich schon so gefreut, ihren kleinen Bruder im Krankenhaus zu besuchen…

Im Eingangsbereich des Krankenhauses gab es Security, die aufgeschrieben hat, wer ins Krankenhaus rein ging und wer raus. Die Männer waren auch komplett mit Kittel und Mundschutz vermummt. Die Sitzbereiche waren zum Teil abgesperrt, um den Abstand zu bewahren. Es war ruhig überall, was in einem großen Uniklinikum schon gespenstisch wirkt.

Ärzte hab ich auf der Wochenbettstation relativ wenig gesehen, aber das Pflegepersonal hat sich echt lieb um uns gekümmert und war sehr engagiert.

Wir haben uns für den horrenden Preis von 150 € pro Tag ein Familienzimmer geleistet, sonst hätte mein Mann uns nur einmal pro Tag eine Stunde besuchen dürfen. Ich wollte einfach nicht den ganzen Tag alleine sein….

Wie hast du dich in dieser Zeit gefühlt?

Zerrissen. Glücklich über meinen neugeborenen Sohn. Traurig, weil ich meine großen Jungs nicht sehen konnte. Ängstlich, weil mein Sohn in so eine Ausnahmesituation hineingeboren wurde.

Wann bist du nach Hause und wie ist deine Hebammen-Betreuung zu Hause?

Der Kaiserschnitt war am Freitag und ich bin Montag nach Hause. So schnell bin ich nach den anderen beiden Kaiserschnitten nicht nach Hause. Ich wäre gerne länger geblieben, um mich zu schonen. Aber ich hatte auch echt Sehnsucht nach den beiden großen Jungs.

Meine Hebamme kam am Dienstag das erste Mal und bat vorab darum, nur mich und das Baby zu sehen. Mein Mann und die Jungs mussten in der oberen Etage warten.

Die Hebamme hatte auch Mundschutz und Handschuhe an , diese Maßnahmen verstehe ich natürlich, aber es hinterlässt trotzdem ein komisches Gefühl.

Die ersten Wochen nach der Geburt sind ja immer eine Achterbahnfahrt. Jetzt sicher noch viel mehr. Wie geht es dir körperlich und seelisch?

Mir geht’s körperlich ganz gut im Vergleich zum letzten Kaiserschnitt. Aber mir fehlen die sozialen Kontakte, die Familie und auch meine engsten Freundinnen.. Wir schreiben zwar viel WhatsApp, schicken Bilder und Videos, aber es ist schon etwas anderes..

Was sind deine Gefühle, wenn du an die nächste Zeit denkst?

Auch sehr gemischt. Mein Mann und ich sind beide selbstständig, wir wollten uns die Elternzeit teilen. Jetzt dürfen wir beide nicht arbeiten. Da kriegt man schon Angst. Ich musste jetzt schon zum Ende der Schwangerschaft aus gesundheitlichen Gründen beruflich aussetzen, ich bekomme kein Mutterschaftsgeld. Dass mein Mann gerade auch nicht arbeiten kann, ist schon finanziell belastend.

Andererseits ist es schön, dass wir alle gerade viel Zeit zusammen haben und der morgendliche Stress mit Fertigmachen für Kita und Schule wegfällt. Wir haben tatsächlich gerade null Termine, keinen Stress, keinen Blick auf die Uhr…

Was gibt dir Kraft?

Meine Familie. Meine Freundinnen „da draußen“. Unser Leben auf dem Land in unserem Häuschen mit Garten. Und die Hoffnung, dass „alles wieder normal“ wird… Irgendwann.

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4 Kommentare

  1. Liebe Tanja, liebe werdende Mütter und liebe gerade neu gewordenen Mütter,
    ich gratuliere euch zunächst einmal recht herzlich bzw. wünsche ich euch nur das Beste zur Geburt! Keine einfache Zeit weder für Mütter noch wenn gerade die Geburt, eigentlich der schönste Moment den man mit Mann, Familie und engsten Freunden teilen möchte, bevor steht und man ihn genauso isoliert verbringen muss wie die restliche Bevölkerung! Ich wünsche euch daher viel Kraft in dieser Zeit, genießt dennoch die Momente die ihr mit eurem Baby erfahren dürft. Ich hoffe sehr, dass die Kleinen von den Ängsten und Unsicherheiten da draußen nichts mitbekommen. Ihr seid Powerfrauen- haltet durch und bleibt gesund!

  2. Wir warten auch grad auf unser zweites Kind, Termin war vor 4 Tagen. Mir geht es genau so. Bin froh, dass mein Mann wenigstens bei der Geburt dabei sein darf, auf die Station darf er nicht mit. Unser 3jähriger darf auch nicht rein, darum werde ich, wenn es irgendwie geht, nach 1 Nacht heim gehen. Meine Hebamme macht Nachsorge nur per Videoanruf, ihr Mann ist Krebspatient…
    Ich bin froh, dass es nicht mein erstes Kind ist, da hätte ich sicher mehr Ängste.
    Ich versuche, das Positive daran zu sehen. Wir können zu Hause als Familie zusammen wachsen und haben nicht den Besuchsrummel wie beim ersten Kind.

    1. Hallo,
      Ich habe mein 2. Kind vor einer Woche leider ohne Begleitung meines Mannes bekommen. Laut Internetseite der Klinik durften gebärende Frauen zwar in Begleitung kommen. Aber die Klinik Definition von Gebärende hatte uns dann doch überrascht. Ein vorzeitiger Blasensprung macht eine Schwangere noch nicht zur Gebärende. Erst wenn die Geburt voranschreitet und man in den eigentlichen Kreißsaal wechselt, hätte der Mann dazu kommen können.
      Naja, irgendwann ließen die anfänglichen Wehen nach und 13 Stunden nach Blasensprung wurde dann eingeleitet. Nach der 2. Dosis und CTG in Abwesenheit der Hebamme ging die Geburt dann so rasant, dass mein Sohn im Vorwehenzimmer ohne meinen Mann zur Welt kam. Ich habe es immerhin noch geschafft zu klingeln, sodass die Hebamme da war. Mein Mann war dann bei der Nachgeburt im Kreißsaal dabei ;). Uns ging es zum Glück gut, sodass wir 5 Stunden später nach Hause konnten. Jetzt genießen wir das Wochenbett so gut wie möglich in dieser verrückten Zeit.
      Also liebe Schwangeren, ich hoffe eure Kliniken haben bessere Regelungen. Fragt am besten vorher ganz genau nach, wie die Begleitung geregelt ist. Letzte Woche hatte sich das gefühlt noch täglich geändert.

    2. Habe vor 7 Tagen auch unser 2. Kinder ambulant entbunden. Wir sind sogar 5h nach Geburt heim und es ging wirklich gut! (Mein Mann und großer Sohn hätten auch nicht mit auf Station dürfen). Auch das Wochenbett war bis jetzt wirklich gut, ich denke auch gerade weil kein Besuch kam konnten wir 4 uns gut finden. Für unseren Grossen war es glaube ich wirklich toll dass er unsere Aufmerksamkeit nicht teilen musste. Falls wir ein drittes Kind bekommen sollten würde ich das wieder so machen. Wünsche dir eine gute Geburt!

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