Leben in Dubai: Wie Catherine die Krise erlebt und was in Dubai ganz anders läuft als in Deutschland

Dubai 665x435 - Leben in Dubai: Wie Catherine die Krise erlebt und was in Dubai ganz anders läuft als in Deutschland - Catherine lebt mit ihrer Familie in Dubai. Wie sie dort mit der Corona-Krise umgeht und ob sie Angst um ihre Familie in Deutschland hat:

Liebe Catherine, Du lebst mit zwei Kindern und deinem Mann in Dubai. Wie ist dort gerade die Lage?

In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ist die Lage im Vergleich zu Europa und vielen asiatischen Ländern noch relativ entspannt, zumindest was die offiziellen Fallzahlen betrifft. So haben sich Stand 27.3.2020 insgesamt 333 Personen mit dem Corona Virus infiziert. Gestorben sind laut offiziellen Angaben bis dato 2 Personen (Quelle John Hopkins University). Genesen sind bereits 52 Personen, wir sprechen also von ca. 280 akut Infizierten.

Trotzdem wurden bereits sehr früh, bei nur ca. 20 Fällen, drastische Maßnahmen ergriffen. In der ersten Märzwoche wurden bereits die Nachmittagsaktivitäten der Kinder an Schulen gestrichen. Seit Sonntag 8. März (hier ist das Wochenende am Freitag und Samstag) sind alle Schulen zu. 

Ab dann wurde nach und nach immer mehr geschlossen, erst die Spielplätze, Community Pools und Freizeitparks, dann diese Woche auch der Strand, die Malls und alle Läden außer Supermärkten, Apotheken etc. Für dieses Wochenende wurde von Donnerstag Abend bis Sonntag Früh eine Ausgangssperre verhängt. In dieser Zeit findet eine landesweite Desinfektionskampagne statt, d.h. es werden alle öffentlichen Plätze, Gebäude, Straßen etc. gereinigt und desinfiziert.

Wie erlebst Du die Menschen in Dubai?

Wie überall auf der Welt gibt es auch hier Menschen, die in Panik verfallen und sich entsprechend verhalten. Aber zumindest in meinem Umkreis habe ich das Gefühl, dass es die meisten Menschen relativ entspannt angehen. Man ist es hier gewohnt, dass die Regierung Entscheidungen fällt, die von einem Tag auf den anderen umgesetzt werden. Es ist wie es ist und daran kann man nicht viel ändern, sondern nur das Beste daraus machen.

Bis vor kurzem waren die Strände noch geöffnet und anscheinend auch gut besucht. Vielleicht liegt es an den (noch) angenehmen Temperaturen und dem Sonnenschein, dass es den Menschen schwer fällt, sich im Haus aufzuhalten. Und mit entsprechendem Abstand zu anderen ist frische Luft und Bewegung ja definitiv nicht verkehrt.

Hamsterkäufe wie in Europa gab es scheinbar Berichten zufolge mal an einem Abend. Als aber am nächsten Tag alles wieder aufgefüllt war, hat sich auch das wieder entspannt. Die Straßen sind im Vergleich zu vorher sehr leer, dafür sieht man jetzt mehr Menschen mal spazieren gehen oder Fahrrad fahren. In einem Land, wo normalerweise alles mit dem Auto erledigt wird fällt das schon auf.

Wie läuft es bei Euch mit dem Thema Homeschooling?

Wie erwähnt, wurden hier die Schulen sehr kurzfristig geschlossen. Mittwochs wurde uns mitgeteilt, dass am Donnerstag der letzte Schultag ist und die Kinder alle Schulmaterialien mit nach Hause nehmen sollen. Im gleichen Zuge wurde von der Regierung angeordnet, dass unsere Frühlingsferien, die eigentlich von Ende März bis Mitte April sein sollten, auf ab sofort vorgezogen werden. Somit erhalten die Schulen zwei Wochen Zeit, sich auf „Distance Learning“ vorzubereiten. Zusätzlich gab es die Vorgabe, dass jeder Schüler sich  am 21. März wieder in den VAE aufzuhalten hat, weil ab 22. März das Homeschooling beginnt. Wie viele hatten wir natürlich für die Frühlingsferien einen Urlaub gebucht und waren erst mal geschockt.

Daher haben wir die erste Woche auch erst mal wirklich Urlaub gemacht und dann langsam mit den Wochenplänen bekommen, die mein Sohn mit nach Hause bekommen hat. Er geht in die 2. Klasse der Deutschen Schule und (zum Glück) wird hier, analog zu Deutschland, mit verschiedenen Themenheften für Mathe und Deutsch gearbeitet und noch nicht über digitale Medien. Aktuell stehen zum Beispiel das 1×1 und die Uhr lernen an und da bin ich ehrlich gesagt ganz froh, dass wir das in Ruhe durchgehen und üben können. 

Die Klassenlehrerin schickt jeden Tag noch per Email eine Forscherfrage des Tages und liest eine Sequenz aus einem Buch vor. Ab Sonntag wird es eine kurze tägliche Live-Session geben. Wir können ihr bereits bearbeitete Seiten aus den Heften scannen und schicken, und sie schreibt den Kindern dann ein kleines Feedback zurück.

Meine Tochter ist im Kindergarten der Deutschen Schule und wurde ebenfalls am letzten Tag mit Vorschulblättern versorgt. Diese Woche gab es zum ersten Mal eine „Videokonferenz“ mit ihren Erzieherinnen und anderen Kindern aus ihrer Gruppe. Es war sehr süß zu beobachten wie alle sich freuten, sich einmal wieder zu sehen.

Wie gehen die Kinder mit der neuen Situation um?

Irgendwie verdammt gut! Ich bin selbst überrascht und auch sehr dankbar darüber. Mein Mann ist ebenfalls seit zwei Wochen im Homeoffice, verschanzt sich den ganzen Tag im Arbeitszimmer und kommt nur zu den Mahlzeiten heraus.

Da ich hier aktuell nicht arbeite, kann ich mich also komplett um die Kinder  und Haushalt kümmern. Wir versuchen morgens gleich nach dem Frühstück die Schulthemen durchzuarbeiten und ab dann ist frei. 2. Klasse Stoff ist da ja glücklicherweise recht übersichtlich und der Sohnemann (noch) relativ motiviert. Auch wenn ich mir natürlich auch schon anhören musste, dass ich die doofste Lehrerin von allen bin und Stifte durchs Zimmer flogen.

Und dann, zu unseren allergrößten Glück, gibt es ein paar Häuser weiter eine andere tolle deutsche Familie mit ebenfalls zwei Kindern. Seit hier der Ausnahmezustand herrscht und wir uns in unserer „Blase“ innerhalb des Wohngebiets aufhalten, haben wir diesen letzten sozialen Kontakt gehalten. Eine erweiterte Kernfamilie sozusagen, in der nur wir Erwachsenen hin und wieder zum Einkaufen gehen und somit Kontakt nach Außen haben. Die Kinder können auf ihren Rollern zwischen den Häusern hin und her flitzen, spielen mal hier und mal dort und haben daher nicht das Gefühl eingesperrt zu sein. Und das ist so viel wert! Wir vertrauen uns, was alle weiteren Vorsichtsmaßnahmen anbelangt und hoffen sehr, dass wir so die nächsten Wochen weiter machen können.

Deine Eltern und Dein Bruder leben in Deutschland. Wie ist Dein Blick von außen auf Deutschland in diesen Tagen?

Puh, das ist schwer in Worte zu fassen. Es ist absolut erschreckend, wie schnell die Fallzahlen in den letzten Wochen in die Höhe geschnellt sind. Und trotzdem die Menschen teilweise fröhlich prostend auf Plätzen oder Hütten zusammen waren. Fürchterlich fand ich die Berichte und Bilder von leergeräumten Regalen und Menschen, die sich völlig egoistisch und asozial verhalten. Umso schöner sind dann die Geschichten von Lehrerinnen, die Briefe in die Briefkästen der Kinder werfen und Menschen, die für ältere Personen einkaufen gehen oder den Hund Gassi führen. Ein Multikulti-Expat Land wie die VAE zeichnet sich durch große Hilfsbereitschaft aus, weil irgendwie alle im selben Boot sitzen. Davon wünsche ich mir mehr für Deutschland in diesen Tagen. 

Ist es ein komisches Gefühl zu wissen, dass Du im Notfall nicht einfach so heimfliegen könntest?

Seit 24. März sind tatsächlich sämtliche Flüge nach Deutschland gestrichen. Dass es so eine Situation an einem der wichtigsten Drehkreuze weltweit jemals geben wird, hätte ich mir nie vorstellen können. Das Auswärtige Amt hält uns bei Änderungen auf dem Laufenden und irgendwie sagt mir mein Optimismus, dass es im Notfall irgendwie gehen wird. Ich hoffe, ich werde nicht eines Besseren belehrt!

Sorgen um meine Liebsten mache ich mir aktuell ehrlich gesagt nicht. Zwar gehören meine Eltern und Schwiegereltern vom Alter her definitiv zur Risikogruppe. Glücklicherweise sind aber alle bei bester Gesundheit und leben eher ländlich, halten sich an die Vorgaben und waren auch in den letzten Wochen nicht exponiert. Insbesondere in meiner Familie herrscht ein fast stoischer Pragmatismus und keine Tendenz zur Panikmache. Das beruhigt ungemein!

Was wünscht Du Dir für die nächsten Wochen?

Natürlich wünsche ich mir wie alle, dass sich möglichst wenig Menschen infizieren, „Stayathome“ funktioniert und der Spuk so schnell wie möglich vorbei ist. Was mich derzeit sehr beschäftigt sind die Auswirkungen auf einzelne Schicksale, die diese Situation gerade mit sich bringt. Ich habe viele selbständige Freunde, die das alles im Moment sehr hart trifft. Der alte Schulfreund mit der tollen Cocktailbar, die jetzt natürlich geschlossen ist. Meine liebe Reitlehrerin in Deutschland, die so viel in ihre Reitschule investiert hat und nun kaum Einnahmen hat und trotzdem viele Tiere unterhalten muss. Meine Freundin hier in Dubai mit Shops für Beach-Accessoires, der nun der Umsatz weg bricht. Für sie alle wünsche ich mir so sehr, dass sie mit ein paar blauen Flecken davon kommen und nicht durch einen Virus ihrer Existenzgrundlage beraubt werden.

Und für meine Familie wünsche ich mir, dass wir so toll weiter machen wie bisher und gestärkt aus dieser besonderen Zeit heraus gehen.

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