Schulpflicht in Corona-Zeiten: Ich will für meine Kinder entscheiden, wo sie lernen

Liebe Steffi, wir und ganz ganz viele andere Eltern haben richtig Angst davor, dass Schulen und Kitas bald wieder schließen könnten. Für dich ist das keine Horrorvorstellung, denn du möchtest gar nicht, dass deine Kinder in die Schule gehen. Bitte erzähl uns mehr darüber.

Mir ist klar, dass – gerade wenn beide Elternteile berufstätig sind – das Homeschooling ein echter Spagat ist. Ich bin alleinerziehend, habe aber das große Glück, dass ich im Homeoffice arbeiten kann. Deswegen kann ich  meinen Kindern auch die Möglichkeit bieten, zu Hause zu bleiben.

Meine Kinder besuchen die erste und vierte Klasse einer Grundschule in Niedersachsen. Auch wenn wir keine Vorerkrankungen haben und nicht zu den Risikogruppen gehören, kann doch niemand garantieren, dass durch eine mögliche Coronaerkrankungen keine Spätfolgen entstehen. Und leider gibt es ja auch bei gesunden, jungen Menschen schwere Verläufe. Der Schutz der Gesundheit meiner Kinder ist für mich einfach die absolute Priorität und ich möchte sie keinen Risiken aussetzen, die ich vermeiden könnte.

Wie gut meinst du sind deutsche Schulen auf die kommenden Wochen vorbereitet?

Ich fürchte leider gar nicht gut. Unsere Grundschule hat – wie ich glaube alle Schulen in Niedersachsen- ein System, das iServ heisst. Das ist eine Plattform, die man entweder am PC, Tablet oder Smartphone nutzen kann. Man kann dort Dateien hoch/runterladen, es gibt einen Messenger, man kann innerhalb der angemeldeten User Emails schreiben, selbst ein Modul für Videokonferenzen ist gegeben – jetzt kommt das ABER: es wird nicht von allen Eltern und Lehrern genutzt.

Aktuell musste gerade heute ein Elternabend um eine Woche verschoben werden – weil sich immer noch nicht alle Eltern online angemeldet hatten. Die Info, dass man sich dort anmelden sollte, kam Anfang des Schuljahres. Es ist frustrierend, wenn nicht alle Familien mitziehen.

Ich selbst habe schon des Öfteren darum geben, dass mir die Hausaufgaben meiner Kinder digital zur Verfügung gestellt werden – leider wird das ignoriert und wir bekommen die Hausaufgaben immer in Papierform über Klassenkameraden – so wird das auf jeden Fall nichts mit dem „kontaktlos“.

Ganz generell sehe ich keine schlüssigen, funktionierenden Hygienesysteme für den Herbst und den Winter,

Speziell für Lisa war das Homeschooling sehr kräftezehrend. Wie hat das bei Euch geklappt?

Im ersten Lockdown hat es nicht so richtig gut geklappt. Das lag vor allem daran, dass wir einfach nur kopierte Zettelstapel bekommen haben und das schlicht und einfach langweilig war. Mittlerweile lernen meine Jungs sehr gerne mit der Anton-App und dem Sofatutor.

Wenn ich etwas nicht erklären kann, dann suchen wir im Internet nach kinngerechten Erklärvideos. Das klappt gut.

Momentan sind meine Kinder beide zu Hause. Wir stehen morgens ganz entspannt auf und frühstücken zusammen, dann bereitet jeder an unserem Esstisch seinen „Arbeitsplatz“ vor und dann geht´s los. Erst arbeiten die Kinder das von der Schule gelieferte Papiermaterial ab, wo ich dann mit Rat und Tat zur Seite stehe. Wenn Sie damit fertig sind, haben sie 30 Minuten Pause, in der ich sie gerne schonmal raus schicke, um sich ein bisschen zu bewegen – meistens spielen sie Basketball oder Fußball.

Danach suche ich in den Onlineportalen passende Themen raus und mein Großer darf an meinen Rechner und der Kleine lernt mit dem Tablet. Wenn die beiden dann soweit durch sind, schaue ich mir die Ergebnisse an und wenn mal etwas zu schlecht gelaufen ist, wird auch schon mal ein Kapitel wiederholt – was die beiden aber gerne machen, da sie einfach Spaß am PC haben.

Dann ist auch mein Arbeitstag rum und wir essen gemeinsam eine Kleinigkeit zu Mittag. Mit ins „Homeschooling“ habe ich noch Themen wie „Kochen“ und „Haushalt“ eingebunden. Jeder macht etwas und nach Lust und Laune kommen dann noch Kunst und basteln dazu, Naturkunde und Sport, wenn wir im Wald geocachen gehen…

Wie fanden deine Kids das Homeschooling? Und vermissen sie den Schulalltag gar nicht?


Dazu frage ich mal die Kinder. Hier ihre Antworten:

Großes Kind: Den Schulalltag vermisse ich nicht, weil ich in der Schule, wenn ich mit meinen Aufgaben fertig bin, immer Zusatzaufgaben machen muss – hier Zuhause kann ich dann einfach zum nächsten Thema gehen.

Kleines Kind: Ich finde Zuhause gut, weil ich mich – wenn ich mit meinen Aufgaben fertig bin- bewegen kann! In der Schule muss ich immer nur stillsitzen. Aber ich vermisse auch meine Klassenkameraden ein bisschen. 

In Deutschland gibt es ja eine Schulpflicht. Mal abgesehen von Corona – fändest du es gut, diese auch in normalen Zeiten abzuschaffen?


Das sehe ich zwiegespalten. Einerseits fände ich es total gut, wenn Eltern ihren Kindern zuhause beibringen könnten, was man neben dem Lehrplan wirklich im Leben braucht, andererseits finde ich soziale Kontakte (ausserhalb von Pandemien) schon sehr wichtig für Kinder….


Was meinst du, kann man Kindern im Homeschooling besser beibringen als die Schule vor Ort?


Kinder lernen in der Schule sehr viele theoretische Dinge – dabei ist es egal, ob es sie interessiert oder nicht. Wenn sie dann irgendwann ins kalte Wasser geworfen werden und sich in der Welt behaupten müssen und alleine wohnen, gibt es viele junge Erwachsenen, die echt unselbständig sind bzw grundlegende Dinge dann einfach nicht mitbekommen haben.

Beim Homeschooling erleben Kinder den gesamten Tagesablauf mit und können und sollten auch eingebunden werden.  Wenn ich merke, dass einer meiner Jungs ein Thema besonders spannend findet, dann vertiefen wir das Thema einfach, mit dem Internet steht einem dabei ja die ganze Welt offen! Wir schaffen damit unser eigenes Lerntempo. Klar müssen Themen, die nicht so interessieren auch behandelt werden, aber eben vielleicht nicht an diesem Tag.

Wie wird es für Euch weitergehen?

Ich weiss es ehrlich gesagt nicht. Ich gebe meine Kinder nur mit absolut ungutem Gefühl in die Schule. Daher setze ich ziemlich viel Hoffnung in die von mir gestartete Petition –  ich bin dafür, dass alle Eltern in Deutschland selbst entscheiden können, ob sie ihre Kinder zuhause lernen lassen oder die Kinder in die Schule gehen sollen.

Wer sich Steffis Petition genauer ansehen möchte, kann das Hier: https://weact.campact.de/petitions/aufhebung-der-prasenzpflicht-in-allen-schulen-deutschlandweit

Foto: Pixabay



25 comments

  1. Ich hab manchmal das Gefühl, es gibt Eltern, besser Mütter, die denken, ihre Kinder gehören Ihnen, und sie können Sie von der Gesellschaft fern halten. Vielleicht brauchen sie das auch, um sich selbst sinnvoll zu fühlen, wollen damit eine eigene Leere füllen. Anders kann ich mir dieses gluckenhafte Verhalten nicht erklären.

  2. Liebe Steffi,

    nach einigen skeptischen Kommentaren:
    Ich bin ganz bei dir und teile die Sicht meiner Vorschreiberinnen nicht. Das Argument der fehlenden sozialen Kontakte finde ich lahm. Gerade in der Familie lernt man, dass es darauf ankommt, sich aufeinander verlassen zu können. Ich muss Rücksicht auf das Geschwister und die arbeitende Mutter nehmen. Ich kann meinem jüngeren Geschwister bei den Aufgaben helfen, das jüngere kann mich vielleicht Vokabeln abhören oder schon anfallende Haushaltsdinge übernehmen.
    Woher die negative Sicht auf Schule kommt? Weil sie zwar für die breite Masse konzipiert ist, dabei aber die einzelnen Schüler nicht passend abholt, wo sie stehen. In Mathe schon voraus? Top, wir vertiefen das Ganze oder können mit großen Schritten weitergehen. Die Rechtschreibung hängt noch? Anstatt nachmittags nach dem langen Schultag irgendwelche Lerntherapien zu absolvieren, kann gezielt daran gearbeitet werden. Für diese individuelle Beschulung fehlt es im normalen Schulalltag doch an allen Ecken und Enden.
    Auch wir haben im März eingeführt, dass beim Kochen, Wäsche sortieren und anderen Haushaltsarbeiten die Kinder mehr übernehmen. Auch dazu fehlt im normalen Alltag viel zu oft die Zeit und wir Eltern machen es um des lieben Friedens willen selber schnell oder wenn alle schon/noch schlafen.

    Meine Erfahrung der letzten Jahre: Die Kinder sollen für die Schule da sein. Schule als Selbstzweck, daher auch dieses verbissene Festhalten an der Schulpflicht, obwohl der Nutzen für die breite Masse gar nicht immer so spektakulär ist.
    Dabei müsste es doch anderesherum sein: Die Schule ist für die Kinder da.
    Und da sie das viel zu oft eben NICHT ist, kann ich Steffi gut verstehen.

    Was ohne Schule fehlen würde? Klassenfahrten, Aufführungen, Sportfeste usw. Aber die sind aktuell ja eh verboten

    1. Bei sozialen Kontakten in der Schule geht es nicht darum, dass man lernt, wie man sich in einer biologisch gewachsenen Familiengemeinschaft aufeinander verlassen kann. Dies muss man, wenn man in einer intakten Familie lebt, im Übrigen nicht „lernen“, sondern es sollte als Grundvoraussetzung bereits da sein (Stichwort: Urvertrauen).

      Die sozialen Kontakte in der Schule sind wichtig dafür, dass ein Kind den Umgang mit Menschen lernt, die anders sind als die eigene Familie. Natürlich kann man auch beim Homeschooling den Kindern soziale Kontakte ermöglichen, jedoch tun die meisten Eltern dies nur innerhalb ihrer eigenen sozialen Schicht. Da spielen dann die Kinder gutsituierter weißer Akademikerinnen miteinander und essen gemeinsam selbstgebackene Dinkelplätzchen. Klar… man kennt sich ja auch vom PEKIP-Kurs, teilt die gleichen Einstellungen, findet Attachment-Parenting toll und legt Wert auf eine wertschätzende Umgebung.

      Was in dieser Konstellation jedoch nicht vorkommt, sind Kinder die anders sind: Arbeiterkinder, dunkelhäutige Kinder, muslimische Kinder und überhaupt Kinder mit gänzlich anderen Weltanschauungen und Erfahrungshorizonten.
      Die Kinder antiautoritärer grüner Ökoveganer müssen sich in der Regelschule mit den Kindern konkurrenzbetonter fleischessender FDP-Wähler auseinandersetzen und umgekehrt. Genau bei dieser Art der Auseinandersetzung werden Sozialkompetenz, Toleranz und eine demokratische Debattenkultur gelernt.

      Ich jedenfalls finde es wichtig, dass meine Kinder auch mit Kindern in Kontakt kommen, die die Werte meiner eigenen Familie ausdrücklich nicht teilen. Deshalb bin ich froh, dass meine Kinder in einem urbanen und multikulturellen Ballungsgebiet aufwachsen und nicht in irgendeinem idyllischen Bullerbü.
      Und natürlich gehen sie auf eine Regelschule bzw. in eine städtische Kita, obwohl meine Frau und ich uns eine Privatschule evtl. sogar leisten könnten.

      Die Abschaffung der Schulpflicht würde nichts Anderes als eine weitere Verstärkung der sozialen Segregation, Zunahme der Fremdenangst und Entsolidarisierung bewirken.
      Deshalb bin ich 100 Prozent pro Schulpflicht (ich würde sogar für eine weitestgehende Abschaffung von Privatschulen plädieren), auch wenn ich das gegenwärtige Schulsystem absolut nicht für ideal halte.

      1. Auch wenn ich dem Grundtenor des Beitrags zustimme, dass Kinder Schule brauchen, war ich doch über die Beispiele wie Dinkelkekse und Akademiker verwundert (die hoffentlich nicht ernst gemeint waren – ansonsten ist da nicht viel Toleranz, sondern es sind viele Vorurteile vorhanden…)

      2. Top! Das hätten meine Worte sein können! Wie sonst sollen die Kids sich denn später mal in der Welt zurecht finden, wenn sie in einer Blase aufwachsen? Wo sonst soll ein Korrektiv zur elterlichen Lebensweise entstehen… ich habe nicht den Anspruch, dass ich alles 100 Prozent richtig mache. Bzw. auch das normative Korrektiv gebildet werden? Wenn ich z. B. meinen Kindern beibringe, dass Lügen nicht gut sind, werde ich sie nie belügen, daher werden sie auch nicht erfahren, warum sie nicht gut sind. Aber sie werden es spüren, wenn sie zum ersten Mal den flunkernden Klassenkameraden enttarnen. Sie werden dabei auch lernen, dass dieser mehr als seine Flunkereien ist, dass es sogar Gründe oder im besten Fall Missverständnisse gibt, warum er das macht. Dadurch lernen sie so viel fürs Leben! Das Leben in immer der gleichen vorbestimmten Blase gleicht doch sonst auch der Trueman- Show…

  3. Welchen Beruf bitte führt diese Dame aus, wenn sie nebenher noch zwei Kindern mit „Rat und Tat“ zur Seite steht? Tippt sie einfach nur Dinge irgendwo ab? Dann mag das möglicherweise gehen. Aber jeder der sich bei seinem Job konzentrieren muss weiß, dass das von der Autorin beschriebene Szenario so nur schwer möglich sein sollte. Und Mittags hat sie ihre Arbeit beendet, alle sind fröhlich und es läuft so harmonisch. Irgendwie schwer vorstellbar. Ich finde eine grundsätzliche Schulpflicht gut – nicht nur der Schule wegen, sondern auch damit die Kinder kennenlernen, was es außer dem vorgelebten Leben im Elternhaus noch gibt und welche Alternativen sie später haben…
    Und noch etwas – wenn sie die Kinder nicht zur Schule schickt, gibt es vermutlich auch keinen Kontakt zu Freunden? Das heißt, die drei leben quasi die nächsten Monate in einer Blase?
    Ich könnte all das gut verstehen, wenn es dazu einen konkreten Anlass gäbe – eine Vorerkrankung, die 90 jährige pflegebedürftige Omi mit im Haushalt oder was weiß ich. Aber aus einer diffusen Angst heraus seine Kinder so aus dem Leben zu nehmen … warum greift da keine Behörde ein? Lässt man sie den gesamten Winter über einfach so gewähren?

  4. generell fände ich eine bildungspflicht besser als schulpflicht in deutschland. auch ohne das ich meine kinder zuhause unterrichten könnte oder wollte. und ich hätte gerne das in den schulen auch mehr der fokus auf kreativen und künstlerischen läge und nicht nur darauf wie gut ein kind die vokabeln auswendig gelernt hat ( was sie dann meistens nach der prüfung eh nicht mehr wissen). ich finde in diesem fall das für die kinder auch sehr wichtig wäre soziale kontakte zu haben, das kommt jetzt nicht so raus ob sie zumindest nachmittags wenigstens 1-2 freunde sehen können?! auf so lange zeit nur mit geschwister und mutter zuhause bzw unterwegs zu sein sehe ich sehr kritisch. natürlich sollten wir in dieser zeit große menschenmengen meiden etc. aber für unsere gesundheit ist auch das zusammensein und auseinandersetzten mit anderen menschen enorm wichtig. ich frage mich auch wie steffi neben der betreuung der kinder noch ihre erwerbsarbeit unter bringt, wann macht sie das? zwischen erklärungen für den kleinen und zuhören beim großen? …

  5. Also hier in Baden Württemberg gilt dieses Jahr die Schulpflicht wie immer. Allerdings ist die Präsenzpflicht aufgehoben. Somit können Eltern entscheiden, ob sie das Kind zur Schule schicken, oder nicht. Ich denke, das wird bei dieser Mutter der Fall sein.
    Mehr möchte ich hier allerdings nicht kommentieren….

  6. Wie kann es sein, dass die Kinder von Steffi derzeit zu Hause sind? Ist die Schule der beiden aufgrund von Corona-Fällen geschlossen?

    Klar, hier geht es primär um Corona, aber diese zunehmend beobachtbare Haltung von vielen Eltern, dass die Schule eher ein Ort ist, der den eigenen Kindern nicht gut tut oder sogar schadet, finde ich sehr problematisch.

  7. Abgesehen von den fehlenden Sozialkontakten scheint das ja gut zu klappen.
    Was ich nicht leisten könnte sind 5h Erwerbsarbeit plus Kinder Beschulen an einem Vormittag. Da hätte ich gerne gewusst welcher Beruf da ausgeübt wird, in dem das parallel möglich ist…

    1. Anmerkung: Die volle Zustimmung bezieht sich auf den Beitrag von Nina, den ich eigentlich kommentieren wollte. Nicht auf die Position dieser Steffi aus dem Artikel.

  8. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann haben Steffis Kinder im Moment nur direkten Kontakt zu Steffi und dem jeweils anderen Geschwisterkind. Das sehe ich sehr kritisch. Schule ist ja mehr als die Vermittlung von Wissen. Den Kindern fehlt die soziale Interaktion mit anderen Menschen; sie lernen im Moment nicht sich in Gruppen einzufügen, Konflikte mit anderen Menschen auszutragen,…..
    Diese Erfahrungen werden ihnen genommen; gehören aber meiner Meinung auch da zu sich in der Gesellschaft zurecht zu finden.

  9. Hallo,
    wie schön, dass der Alltag bei der Autorin so harmonisch abläuft.
    Bei uns ist leider keine Zeit für ein entspanntes tägliches Frühstück, zwischendurch nochmal Aufgaben kontrollieren, dann in Online Portalen suchen…. und dann ist der Arbeitstag vorbei und sie machen Mittag und genießen den Nachmittag. Sorry, aber mein Verständnis von Arbeit ist ein anderes und damit bleibt nur Schule und Betreuung für die Kids…. zumal ich es wie meine Vorredner sehe, ein Blick nach draußen, Freunde und ein soziales Netzwerk sind wichtig für die Kinder. Viele Grüße.

  10. Ich bin ehrlich gesagt schwer beeindruckt, wie neben dem entspannten Aufstehen und gemeinsamen Frühstück und dem mit Rat und Tat zur Seite stehen bei den Schulaufgaben noch vor dem Mittagessen seinen gesamten Arbeitstag untergebracht bekommt. Allein daran ist das bei mir im ersten Lockdown gescheitert: Die Unterstützung meiner Kinder (damals 2.,5. und 7. Klasse) hat so viel Zeit in Anspruch genommen, dass ich die versäumte Arbeitszeit nachmittags und am Abend nachholen musste. Und ich arbeitete auch „nur“ Teilzeit und meine kinder sind alle gute Schüler und haben zudem viel selbständig gearbeitet. Aber auch wenn dieser Punkt besser geklappt hätte – meine Kinder haben ihre Freunde einfach zu sehr vermisst. Also, wie gesagt: beeindruckend wie stressfrei und harmonisch das alles in diesem Beispiel klappt. Für mich (und sicher viele andere Familien auch) ist dauerhaftes Homeschooling keine Alternative.

  11. Und wenn ich das lese,“Sachen, die man wirklich im Leben braucht“… verstehe ich auch, warum der Kulturbetrieb sang-und klanglos gerade untergeht. Und ich weiß wieder, warum Kinder Schule brauchen: Um eine (in diesem Fall kulturelle) Welt außerhalb der Erfahrungen ihrer Eltern kennenzulernen!

  12. Ich sehe das komplett anders als Steffi!
    Die Kinder dürfen sich dann ja auch nachmittags nicht mit ihren Freunden treffen, oder? Wie lange will sie das denn so durchziehen? Da scheinen mir die Spätfolgen gravierender als bei einer nicht so wahrscheinlichen Corona-Erkrankung?!
    Und:Wenn junge Erwachsene sich nicht in der Welt behaupten können, weil sie „grundlegende Dinge nicht mitbekommen haben“, dann liegt das an der Schule? Ich würde sagen, dann haben die Eltern dieser Menschen was verpasst!
    Wir Lehrerinnen sind ständig entsetzt über Grundschüler, die ihren Nachnamen nicht kennen oder nicht schreiben können, die keine Schuhe binden können, die sich nicht allein die Sportsachen anziehen können…da gibt’s viiiele Sachen, „die man wirklich im Leben braucht“die Eltern beibringen könnten…

    1. Dem kann ich mich nur anschließen. Mein erster Gedanke war: die armen Kinder, die monatelang keine gleichaltrigen Kontakte haben. Welche Spätfolgen gibt es da denn?
      Ich kann die Mutter in einem gewissen Rahmen ja verstehen, aber Schule (und auch Kindergarten) leistet doch noch viel mehr, das hat man doch im Frühjahr gesehen. Und Sachen, die man im Leben braucht, kann man den Kindern doch auch nachmittags zeigen; oder? Was mich außerdem aufhorchen läßt: Der große Sohn darf ihren PC nutzen, der kleine das Tablet und nach den Aufgaben ist sie auch mit ihrer Arbeit durch. Wie geht das denn? Das würde bei uns nicht funktionieren…

  13. Guten Morgen,
    eine Hintergrundinformation, die der Autorin vielleicht fehlt: Während des Lockdowns im März haben fast alle Schulbuchverlage ihre Materialien zur digitalen Verbreitung freigegeben. Das war begrenzt bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Schule wieder mit Präsenzunterricht startete (in NRW Anfang Mai). Seitdem dürfen Arbeitsblätter und andere Materialien, die von einem Schulbuchverlag erstellt wurden, aus datenschutzrechlichen Gründen nicht mehr online weitergegeben werden. Heißt im Klartext: Die Schule ignoriert die Bitte um „kontaktlose Zustellung“ nicht einfach, sie kann das nicht leisten. An Grundschulen macht eine Vollzeitlehrkraft wöchentlich 28 Stunden Unterricht (plus Pausenaufsichten, Absprachen mit Kollegen, Elterngespräche, Korrekturen, etc.), da bleibt von der Arbeitszeit gerade noch so viel über, dass man seinen Unterricht halbwegs gescheit planen kann, aber ganz sicher nicht dafür, sämtliche Arbeitsmaterialien komplett selbst zu erarbeiten.

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