Schule in Corona-Zeiten: Es geht also doch! Dieses Gymnasium bietet digitalen Unterricht nach Lehrplan an

Schülerin am Computer

Ihr Lieben, während viele Mütter und Väter derzeit im Homeschooling-Wahnsinn fast untergehen und kaum noch Zeit haben, selbst zu arbeiten, gibt es doch immer wieder Positivbeispiele, die zeigen, wie es eben auch laufen kann.

Wir haben dazu bereits die Schulleiterin der web-individualschule interviewt, die auch in Nicht-Corona-Zeiten auf digitalen Unterricht setzt. Heute stellen wir euch aber ein Städtisches Gymnasium vor, an dem ganz regulär Unterricht stattfindet. Nach Lehrplan. Zu Hause.

Schulleiterinnen Beate Nordmann und Verena Verspohl

Liebe Frau Nordmann, Sie sind Schulleiterin am Städtischen Gymnasium Laurentianum in Arnsberg und der Unterricht für Ihre SchülerInnen läuft derzeit komplett digital und nach Stundenplan ab. Stimmt das?

Beate Nordmann: Ja, das stimmt. Wir hatten uns im letzten Schuljahr dafür entschieden, eine SchulApp mit deutschem Server einzukaufen, die hilft, die riesigen Mengen an Papier mit Elterninformationen etc., die letztendlich oft in den Taschen der Kinder verschwanden, zu minimieren.

Ebenso war ich die ständigen Whatsapp-Probleme leid und die Oberstufe wünschte sich, den Vertretungsplan für die erste Stunde nicht erst in der Schule ansehen zu müssen. Das alles bietet die App und das kommt uns jetzt zugute.

Außerdem bin ich schon lange ein Fan von Webinaren, und habe zusammen mit Frau Verena Verspohl, meiner Stellvertreterin, im Februar überlegt, dass wir uns in eine Plattform (mit deutschem Server) einkaufen, um Konferenzen oder Fortbildungen besonders auch für unsere Mütter und Väter im Kollegium besser handhabbar zu machen und eben Unterricht digital mit persönlichem Kontakt möglich zu machen, falls die Schulen schließen sollten.

Wichtig ist für uns zur Zeit, die Kinder und Eltern dadurch zu unterstützen, dass die Schule eine gewohnte Struktur bietet, es eine verlässliche Konstante gibt, den Unterricht. Dies ist gerade auch für die Q2 so kurz vor dem Abitur ganz wichtig.

Was machen Sie anders als andere Schulen, warum funktioniert das bei Ihnen (waren Sie schon früher digitaler aufgestellt als andere?)?

Nein, wir sind digital (Ausstattung mit Endgeräten für SuS) nicht herausragend aufgestellt, es gibt keine Tabletklassen etc. Das ist generell nicht unsere Ausrichtung. Der Umgang mit diesen Medien, die sinnvolle Nutzung, das steht bei uns im Vordergrund und darin schulen wir die Kinder.

Ich glaube, wir haben einfach früh weit gedacht. Da G9 die digitale Bildung groß schreibt, machen wir seit dem letzten Jahr schon Fortbildungen für das Kollegium in diesem Bereich.

Wie funktioniert das technisch? Hatten LehrerInnen und SchülerInnen Schulungen?

Schüler*innen und Eltern waren im Umgang mit der SchulApp schon trainiert, sie ist sehr einfach zu nutzen. Wie das mit den Webinaren funktioniert, haben die Kinder ruckzuck herausgefunden. Das Kollegium haben wir zwei Wochen lang nachmittags geschult.

Was ist mit SchülerInnen, die keinen eigenen Computer haben?

Grundsätzlich funktioniert beides über das Handy. Wir haben aber das Glück, dass die Familien einen PC o.ä. zuhause haben.
Wir haben aber von Anfang an auch Projekte mit einfließen lassen, wo in den Stunden die Fachlehrer*innen für Fragen zur Verfügung stehen, aber dies kein Muss ist. So entlasten wir die häusliche Computermehrfachnutzung.

Außerdem nähen zur Zeit viele Masken für die Arnsberger Sozialstation, dann meldet man sich eben vom Unterricht ab. Es geht jetzt nicht darum, den Unterricht, bis auf die Q2, eins zu eins umzusetzen, sondern zu wiederholen, Projekte anzubieten, die Kinder Projektideen selbst entwickeln zu lassen.

Wie läuft so ein typischer digitaler Schultag bei Ihnen ab?

Das Unterrichtsangebot beginnt um 7.40 Uhr, Pausenzeiten bleiben und es geht dann bis 16.00 Uhr. Es ist eine Mischung aus SchulApp-Begleitung, Webinaren und Projektarbeit.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen, wo die größten Chancen im digitalen Schulalltag?

Die größte Herausforderung ist, die Lust am Lernen bei den Kindern aufrechtzuerhalten, die größte Chance ist die Erfahrung von Selbstständigkeit, Freiheit in der Auswahl des Lernstoffes und das eigene Lerntempo haben zu dürfen.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie aus dem Kollegium, aus der Schülerschaft und aus der Elternschaft?

Dem Kollegium verlangen wir gerade viel ab, da dort ja auch Mütter und Väter sind und einigen diese neue Art des Zugangs noch nicht vertraut ist. Eltern und Schüler*innen sind begeistert.

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7 Kommentare

  1. Hallo, unser Sohn Benno besucht diese Schule und wir können nur bestätigen, dass es prima funktioniert. Ich muss aber meiner Vorrednerin widersprechen. Man benötigt weder Tablet noch PC, alles ist auch nit Handy möglich und das hat nun wirklich jede Familie zuhause, auch die Kinder aus sog. bildungsfernen Schichten haben ein Handy!

  2. Aus der Ferne zu lernen ist eine super Idee, um diese temporäre Zeit zu überbrücken. Allerdings muss man danach gucken, wie alle wieder auf einen Stand gebracht werden können. So ganz ohne Übung im Lernen über Webkonferenzen oder in Eigenregie wird der Lernstand ziemlich sicher noch weiter auseinander gehen, als er ohnehin schon in einer Klasse ist.
    Aber trotzdem eine sehr gute Idee. Da sollte auch nach der Krise weitergemacht werden 🙂

  3. Hallo,
    Ich bin selbst Lehrerin und habe jetzt drei Wochen von zuhause aus gearbeitet, immer mit dabei meine beiden Kids (19 Monate und 3,5 Jahre). Ich habe vor allem Wochenpläne erarbeitet und anschließend Lösungen bzw. die Korrektur versandt.
    Ich unterrichte in einer Kleinstadt nördlich von München und ich bin doch überrascht wie viele meiner Schüler weder über einen PC noch über einen Drucker verfügen. Die Idee aus dem Beitrag klingt für Eltern, die selbst täglich mit der Software arbeiten und die Hardware für jedes Kind bereitstellen können toll. Viele Kinder aus sog. bildungsfernen Schichten benachteiligt das aber erheblich!

  4. Großartig!! Mich würde es wahnsinnig interessieren, wie die App heißt!
    Danke – mal wieder für eure großartigen Beiträge. Immer am Puls der Zeit. Immer Vielseitig. Er schenkt immer wieder neue Blickwinkel und Möglichkeiten.

  5. Hallo! Ich wohne seit vier Jahren mit meiner kleinen Familie in Norwegen. Unser Großer wurde im August letztes Jahr eingeschult und hat (zum Glück, wie ich finde) seinen Schul-Laptop Ende Februar bekommen. Seit 13.03. sind bei uns die Schulen und Kitas geschlossen. Wir kriegen die Aufgaben jeden Morgen per Mail zugeschickt, bearbeiten sie und senden sie zurück. Ich finde es prima. Trotzdem bin ich froh, wenn „der Spuk“ vorbei ist. Ich bin nicht geeignet als Lehrerin.
    Liebe Grüße aus Sandnes,
    Sabrina

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