Homeschooling: Wisst ihr eigentlich, was das für uns LehrerInnen bedeutet?

kids 1093758 1280 665x435 - Homeschooling: Wisst ihr eigentlich, was das für uns LehrerInnen bedeutet? - Ulrike ist Grundschullehrerin, sie rät uns Eltern: Entspannt Euch beim Thema Home-Schooling.

Mein Name ist Ulrike, ich bin Lehrerin und melde mich, weil ich eben den Artikel „Wutausbruch einer Dreifachmutter zum Thema Home-Schooling“ gelesen habe.

Seit der Schulschließungen fahre ich täglich in die Schule, um die Notfallbetreuung der angemeldeten Schülerinnen und Schüler in diesen Tagen und auch in den Osterferien zu übernehmen. Gemeinsam mit den wenigen Kolleginnen und Kollegen, die noch kommen können.

Lehrerin: „Wir arbeiten die Osterferien durch“

Kolleginnen, die ihre eigenen Kinder betreuen müssen, und diejenigen, die zu den Risikogruppen gehören, können uns nicht mehr unterstützen. Wir Übriggebliebenen haben halt Pech gehabt.

Ob es dafür irgendeine Form der Kompensation für unseren Einsatz in den Ferien geben wird, steht noch in den Sternen, aber das mal nur nebenbei. Dass eine Not-Betreuung mancher Kinder momentan zwingend notwendig ist, erschließt sich von selbst.

Kaum zu erfüllende Anforderungen des Ministeriums

Fast täglich trudeln neue Erlasse bzw. Ankündigungen vom Bildungsministerium bei uns ein. Was wir demnach alles (neben der Betreuung wohlgemerkt!) erledigen sollen, ist mit Sicherheit sinnvoll, dennoch drängt sich die Frage auf, ob das jetzt sein muss.

Wir sollen pädagogische Konzepte entwickeln, die Schulentwicklung vorantreiben. Aber eben auch Lernmaterialien zur Verfügung stellen für die zu Hause betreuten Schülerinnen und Schüler.

Die Materialien müssen so gestaltet sein, dass die Kinder sie selbständig bearbeiten können. Das variiert von Klassenstufe zu Klassenstufe, auch von Klasse zu Klasse. Darauf müssen wir Rücksicht nehmen und den Lernstand miteinbeziehen. Das alles kann man von Lehrkräften erwarten.

Na klar, digital lehren sollen wir auch!

Nebenbei sollen wir aber auch noch alle Möglichkeiten des digitalen Lernens ausschöpfen. Dabei spielt keine Rolle, wie die Voraussetzungen an den Schulen sind. Wir müssen umsetzen, was uns vorgeben wird. Es handelt sich also um ein MUSS, und kein KANN.

Den Eltern unserer Schülerinnen und Schüler haben wir klar kommuniziert, dass es sich um Lernangebote handelt. Und dass bitte jede Familie selbständig entscheidet, was in dieser Ausnahmesituation machbar ist, und was nicht.

Niemand von uns wird nach den Ferien (sollten die Schulen dann überhaupt wieder öffnen), Stress machen, weil eine Aufgabe nicht erledigt wurde. Ganz ehrlich: Was steckt da für eine merkwürdige Sichtweise auf uns Lehrkräfte dahinter, wenn Eltern das befürchten? Ist doch klar, dass zu Hause nicht so gelernt und geübt werden kann wie im Unterricht!

Liebe, Eltern bitte vertraut uns LehrerInnen!

Außerdem zählen momentan auch noch andere Dinge, die nichts mit Schule und Lernen zu tun haben. Also gehe ich als Grundschullehrerin (und Mensch!) damit entsprechend um. Umgekehrt wäre aber ein bisschen mehr Vertrauen in unsere Kompetenzen wirklich nett.

Aus der Bearbeitung von Lernmaterialien nun „Home-Schooling“ zu machen, finde ich gewagt. Wäre das so ohne Weiteres umsetzbar, wäre mein Beruf ja überflüssig. Gott sei Dank ist er das nicht! Das zeigen ja die Erfahrungen der selbst ernannten „Home-Schooler“. Ich kann nur raten, davon Abstand zu nehmen.

Mehr Gelassenheit für Eltern, LehrerInnen und Kinder

In Zeiten wie diesen wäre uns allen mit ein klein wenig mehr Gelassenheit gedient. Liebe Eltern, lasst es mit dem „Home-Schooling“ doch so halten: jede und jeder so, wie er oder sie kann!

Und versucht, ein kleines bisschen Verständnis für uns LehrerInnen und unseren Job in diesen Zeiten zu entwickeln!

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22 Kommentare

  1. Hi, ich bin alleinerziehende Mutter einer 11Jährigen Tochter in Berlin.

    Ich muss weiterhin arbeiten und sie muss deshalb ihre Aufgaben komplett alleine machen.
    Ich bin mega stolz auf sie, denn sie hält ihre Zeiten ein (3x 45 Min pro Tag), liest Abends ihr Buch (Buchpräsentation) und macht 60 Minuten in der Anton App ihre Aufgaben und das ohne viel Aufstand.
    Ich habe ihr gesagt, sie soll es so gut wie möglich machen und so viel wie sie schafft.

    Man muss vertrauen haben, dass die Situation so gut wie möglich von allen Seiten betrachtet wird, um den Kinder den Druck zu nehmen.
    Sie tun ihr Bestes jedes Kind auf Ihre Art und mehr geht nicht.

    Lobt eure Kinder, dass stärkt sie und läßt sie gut durch diese Zeit gehen. 😊

  2. Jeder so wie er kann?
    Gut, das die bearbeiteten Hausarbeiten meines Älteren Sohnes (5. Klasse) sogar benotet werden. Diese Dinge müssen auch alle fertig sein! Vielleicht ist es auf der Grundschule noch anders, keine Ahnung.
    Unterstützen mache ich und muss ich definitiv auch tun, arbeiten gerne dann Nachts
    Schlaf wird überbewertet!

    1. Als angehender Fachlehrer und Beamter auf Zeit musste ich auch „dienen bis zur Infektion“ Nein habe keine😂aber dafür auch jede Menge Aufgaben mit zeitlicher Abgabepflicht. Und auch für mich ist es utopisch alles zu machen, da wir im Schweinsgalopp durch den Ausnildungsstoff geprügelt werden. Und ich als einer der ältern habe echt Probleme dieses Lerntempo mitzugehen. Bei mir in der Ausbildung wird auch nicht differenziert und so langsam glaube ich auch nicht mehr an die Umsetzung des Inklusionsmärchens das uns da aus dem Elfenbeinturm im Kultusministerium herunterdekrretiert wird. Ich komme eigentlich aus der Industrie, bin Kfz-Mechaniker, Sport-und Gymnastiklehrer, Sporttherapeut und Physiotherapeut (halb nur 3. Semester wg. Krankheit). Und ich sehe so viele Defizite kann aber meine Therapeutischen Fähigkeiten nicht einsetzen, weil der Bimdungsplan und das System mir nicht die Freiheit dazu gibt. Sagen darf ich als Beamter ja auch nichts. Und ganz ehrlich dieses System bereitet die Kinder auch null auf die Welt von Morgen vor. Digitalisierung ist schön und gut, aber wir brauchen nicht noch mehr Programmier-Inder-Kinder, wir brauchen Handwerker. Aber aus den Kindern werden nicht Leistungs- und Willensfähige Frührentner für die Arbeitswelt, denn die Gesellschaft differenziert leider nicht in Niveaus und in Deutschland bist du nur mit dem Stempel auf dem Stück Klopapier etwas wert, nicjt mit einem Lernstandsbericht. Für den ich mir als Fachlehrer noch eine Sekretärin einstellen muss, weil ich gar keine Zeit habe. Daher ein Lob an die Kollegen die jetzt versuchen das zu stemmen. Ich muss mir sehr stark überlegen, ob ich diesen Beruf bis zum Burn-out unter diesen Bedingungen wirklich ausüben möchte…

  3. „Aus der Bearbeitung von Lernmaterialien nun „Home-Schooling“ zu machen, finde ich gewagt. Wäre das so ohne Weiteres umsetzbar, wäre mein Beruf ja überflüssig. Gott sei Dank ist er das nicht! Das zeigen ja die Erfahrungen der selbst ernannten „Home-Schooler“. Ich kann nur raten, davon Abstand zu nehmen“

    Nein – überflüssig würde der Lehrerberuf durch Home-Schooling sicher nicht! Schließlich gibt es genügend Eltern, die Schulen und Lehrer brauchen und wünschen. Aber natürlich können auch Eltern Lehrer ihrer Kinder sein! Ich interessiere mich sehr für verschiedene Lern- und Lehrphilosophien, Pädagogik und Bildung. Dass ich all das nun plötzlich anwenden kann, freut mich total! Und ich sehe wie meine Grundschülerin davon profitiert. Sie schreibt ordentlicher, ich kann auf Fehler direkt eingehen und ihr Dinge erklären, ich kann sie genau da abholen wo sie wissenstechnisch steht.

  4. Ich verstehe jede Mutter, die im Moment gestresst ist mit dem Home Schooling zuhause. Ich bin Lehrerin, mache mit meiner Tochter ihren Wochenplan durch und versorge gleichzeitig meine Schüler mit Material und korrigiere Übungsaufsätze, die mir von den Schülern zugeschickt werden. Natürlich ist das weniger Arbeit als würde ich den Vormittag zusätzlich in der Schule sein. Aber ich verstehe nicht, warum manche Mütter hier uns Lehrern vorwerfen, wienviel sie mit ihren Kindern machen müssen. Meinen Sie nicht, wie würden gerne ohne Auslandbeschränkung leben und einfach unseren Job in der Schule machen? Meinen Sie nicht, Sie würden genauso meckern, wenn wir KEINE Aufgaben stellen würden? Wir haben uns ja die momentane Situation nicht ausgedacht und sicher nicht gewünscht!

  5. Hmmmmmm…. Ja ich verstehe die Gedanken der Lehrerin, auch als Mama zuhause. Eine Mama dir den Spagat macht mit Zwillingen in der 2ten Klasse und einer 4jährigen Maus, die echt hinten ansteht momentan. Und dieser Spagat ist vormittags, wenn wir fleißig für die Schule sind wirklich unfassbar anstrengend. Aber wenn ich lese, dass Frau Lehrerin sich Gedanken macht darüber, dass sie für die Arbeit in den Ferien kompensiert werden muss….. Das platzt mir der Kragen! Echt jetzt? Das hat nix mit solidiarisch sein zu tun! Ich übernehme die Arbeit der Erzieherin und betreue meine Maus selbst. Ich übernehme die Arbeit der Lehrer meiner Kinder und beschule meine Zwillinge. Ich beschwöre alle RisikoPersonen meiner Familie zuhause zu bleiben. Ebenso die älteren Nachbarn. Ich übernehme für alle diese Personen in meiner Umgebung die Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten und so weiter. Was natürlich nur geht, wenn mein Mann abends mit Home Office fertig ist( eben ohne die Kinder). Die Tage sind unfassbar lang und anstrengend. Ich versuche es trotzdem mit einem Lächeln. WEIL:
    ich trotzdem privilegiert bin
    mein Mann hat seinen Job noch sicher
    ich bin nicht an vorderster Front im Krankenhaus
    es mir natürlich wehtut, dass ich das Geld für unsere Flüge in den Ferien nicht wieder bekomme, aber viele bei der Airline werden ihren Job verlieren
    und so weiter…..

    Wie kann man da so unfassbar egoistisch sein und darüber nachdenken, mehr Geld zu wollen….. sie haben doch auch weniger Stress, wenn sie über Wochen nur 5 bis 10 Kinder betreuen müssen statt ordentlichen Unterricht zu geben….. UNFASSBAR!

    1. ich denke nicht dass mit Kompensieren Geld gemeint ist – sondern Überstunden! Die Ferien sind unterrichtsfreie Zeit, in denen viele Lehrer Stunden vor- und nachbereiten, Förderpläne schreiben, Noten geben usw., was dann „nebenbei“ erledigt werden muss.

      Den 2. Teil verstehe ich nicht: wieso 5 bis 10 Kinder??? Sie betreut ja trotzdem noch ihre normalen SchülerInnen!

      Ich finde es übrigens hier und in dem anderen Artikel interessant, dass einige Schreiberinnen schon mit 2 oder 3 Kindern an ihre Grenzen kommen, aber dann behaupten, dass der Beruf Lehrer und das Unterrichten von SchülerInnen ja so easy sei…

    2. Liebe Frau Renat,
      dass wir alle unter den aktuellen Umständen angespannt und gestresst sind, steht wohl ausser Frage. Das geht Ihnen so, den Lehrern aber genauso! Das sind auch Menschen mit Stress angesichts der veränderten Situation. Sie, Frau Renat, scheinen den Lehrkräften durchweg Vorteile oder Egoismus zu unterstellen. Dabei würde jeder Lehrer sicher genau wie Sie, mit Freude zum gewohnten Alltag zurückkehren. Dass Sie behaupten Lehrer hätten nun „weniger Stress“, ist nämlich schlichtweg falsch und im Artikel auch erläutert worden. „Ordentlichen Unterricht zu geben“ wie Sie es latent abwertend formulieren, wäre den meisten Lehrkräften mit Sicherheit lieber und weniger anstrengend, als nun lauter neue Wege der Stoffvermittlung und Betreuung schaffen zu müssen. Und das neben all den zusätzlichen Vorgaben und der ebenfalls vorhandenen privaten Anspannung, die Lehrer genauso wie Sie verspüren, wenn sie „Risikogruppen beschwören“ zuhause zu bleiben und sich einfach Sorgen machen. Dass Ihnen die Situation unbequem ist, kann sicher nachvollzogen werden. Dass sie aber auch für Lehrkräfte unbequem und ganz sicher nicht entspannter ist, sollten Sie umgekehrt auch nachvollziehen können, wenn Sie sich einmal wirklich in deren Lage hineinversetzen.
      Viele Grüße

    3. Also ich bin auch Lehrerin und muss auch mein kleines Kind betreuen, also quasi die Aufgaben einer Erzieherin übernehmen und ich finde Ihren Ton wirklich unfassbar! Schon mal daran gedacht, dass es leichter ist in einem Unterrichtsgespräch die Aufgaben auszuwerten, als jedem eine einzelne Rückmeldung zu geben?! Pro Klasse handelt es sich dabei so rund um 27 Schüler, also von Entspannung ist hier wohl auch keine Rede. Sicher ist normaler Unterricht viel besser, aber es nervt so unglaublich, dass es so häufig dargestellt wird, dass die Lehrer nichts tun würden und es uns egal sei, was aus den Schülern wird und wir nur die Eltern damit bestrafen wollen. Ich weiß, eigentlich bringt es nichts gegen so ein Gerede anzugehen, aber nun hat es mich doch mal in den Fingern gejuckt. Einfach eine Frechheit!

  6. Hallo!
    Ich habe Verständnis, dass alle verunsichert und vielleicht auch überfordert sind mit der Situation. Dennoch bitte ich Sie, auch wenn Sie vielleicht schlechte Erfahrungen gemacht haben, nicht schlecht über alle Homeschooler zu reden. Ich bin schon seit sieben Jahren glüchliche Homeschool-Mama mit glüchlichen Homeschool-Kindern, die nicht nur den Lehrstoff drauf haben, sondern auch darüber hinaus eigenständig Projekte gestalten und ihre Talente entwickeln.
    Ich denke, gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig positiv zu bleiben und nicht gegeneinander sondern endlich miteinander zu arbeiten.
    Ich biete gerne Unterstützung an, wenn jemand auf meine langjährige Homeschoolerfahrung zurückgreifen möchte.
    In diesem Sinne, lasst uns GEMEINSAM den besten Weg gehen.
    Alles Liebe!!!

    1. Hallo für mich besteht der Unterschied zwischen Bearbeitung von Lernmaterial und Homeschooling darin, dass das Erste Übungen sind zu bereits gelernten Stoff und das Zweite neuer Stoff. Und so ist es bei uns. Jeden Tag ein neues Mathethema. Kinder sollen sich selbst beibringen Winkel zu messen. Jeden zweiten Tag neue Grammatik in Englisch…simple past etc. Und das wird ganz sicher nicht in der Schule wiederholt. Das müssen die Kinder können nach der Zeit. Die Schuld dafür haben nicht die Lehrer, das ist eben die Situation. Und das Eltern, die beide arbeiten und danach noch neuen Lernstoff vermitteln müssen, jetzt an ihre Grenzen kommen ist doch auch klar. Ich denke auch, man kann eine Grundschule hier nicht mit einer Realschule oder Gymnasium vergleichen. Es hilft also nur: zusammen halten und da müssen wir jetzt durch ( auch wenn es mich auch nervt).

      1. Ich sehe es genauso wie Angelika, Home-Schooling heißt für mich, neuen Stoff beibringen. Alles andere wäre vertiefen, wiederholen, üben mit bereitgestellten Aufgaben.

        Bei uns herrscht gerade, zumindest für die Tochter (2. Klasse) Homeschooling, denn ich habe die ehrenvolle Aufgabe, ihr die Multiplikation beizubringen. Und ja, zum Teil fühle ich mich damit überfordert.. Multiplikation ist nicht schwer, nein, aber scheinbar habe ich noch nicht wirklich den richtigen Weg gefunden, ihr dies verständlich zu erklären.. Ich habe schon verschiedenes probiert. Aber daneben möchte der große Bruder (6. Klasse) seine Aufgaben kontrolliert haben und das Homeoffice, sowie Haushalt und Alltag sind ja auch noch da. Papa ist im Schichtdienst arbeiten.. Ich denke, da darf man sich auch als Mutter von nur 2 Kindern überfordert fühlen…

  7. Hallo. Ist ja alles schön und gut. Und wir geben unser Bestes mit den Kindern den Schulstoff zu erledigen. Ich kann für mich sagen, dass ich da sehr gewissenhaft bin, aber was ist mit den Kindern, deren Eltern das nicht so umsetzen können/wollen? Und dann bekommt man von der Lehrerin meiner Jüngsten in der Email mit den Aufgaben noch abschließend gesagt, dass vielleicht die Versetzung in die 3. klasse gefährdet sein könnte, wenn man die Aufgaben nicht erledigt und nicht genügend lernt (das ging an alle Eltern).
    Als ob man nicht schon genug Ängste und Sorgen hätte.
    Liebe Grüße

    1. Ich bin selber Grundschullehrerin und bin absolut dafür, dass die Kinder zuhause was üben. Ich hab auch kein Verständnis für Eltern, die es nicht schaffen, mit einem Erstklässler lesen zu üben!
      Aber alles andere ist totaler Quatsch und ich hab wenig Verständnis für die Kolleginnen-falls die das tatsächlich einfach so wie hier zu lesen geschrieben haben! Natürlich muss sich kein Schüler das simple past selber beibringen?! Aber aus Erfahrung hab ich da immer so meine Zweifel, ob das wirklich so ist, wie die Eltern hier schreiben…

  8. Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich glaube die wenigsten führen sich die Situation an Schulen vor Augen, was zum Beispiel die Ausstattung anbelangt. Bis vor ein paar Jahren haben wir noch mit OHPs gearbeitet. Inzwischen stehen im Lehrerzimmer für fast 100 Kolleg*innen 3 Computerarbeitsplätze zur Verfügung. Wir (Staat, Parteien, Wähler*innen) müssen uns hin und wieder mal fragen, was für ein Bildungssystem und vor allem was für ein Gesundheitssystem wollen wir uns leisten.

    1. Vielleicht ist das auch eher als Motivation gedacht, weil einige Eltern tatsächlich nicht mit den Kindern üben. Das gibt es leider öfter als gedacht (und ich glaube nicht, dass dazu die LeserInnen dieses Blogs gehören! Das kann man ja gut an den Diskussionen im 1. Beitrag sehen).

      Ich finde auch, dass die 3 Wochen Unterrichtsausfall eben nicht so einfach kompensiert werden können und daher die Eltern zumindest versuchen sollten, ihre Kindern in dieser Zeit zu unterstützen. Wiederholen müssen die LehrerInnen den Stoff doch so oder so nochmal, oder zumindest Fragen beantworten.

      1. Ich denke leider wird die Entscheidung Motivation oder Pflicht doch sehr unterschiedlich gehandhabt. Ich glaube da liegt das Problem für uns als Eltern!

        Ich bin selbst Dozenzt, arbeite aber aktuell mit Erwachsenen. Ich stelle meinen Schülern online Material zur Verfügung und bin da bei Fragen oder Problemen. Ich arbeite auf Honorrorbasis, keine Ahnung ob es hinterher Geld gibt, aber dafür können meine Schüler nichts, also arbeite ich mit ihnen zusammen so gut uns das eben aktuell möglich ist.

        Einen Ausgleich für die Notbetreuung wird es am Ende sicher in irgendeiner Form geben … dies aber schon zu fordern finde ich persönlich mehr als unsolidarisch und traurig. Es ist eine Notzeit, wie es ja so schön heißt. Wenigstens hier sollte man doch auch mal etwas tun ohne nur an das zu denken, was für einen selbst dabei rausspringt!

        In nicht Notzeiten, stehe ich als Trainer für 2 Sportvereine jede Woche von Montag bis Donnerstag in der Turnhalle und mache Sport mit Kindern von 3 bis 15 … um die 120 Kinder sehe ich so jede Woche und freue mich mit ihnen, ohne Geld für mich, ihre Freizeit zu gestalten.
        Es muss also nicht immer etwas rausspringen!

        Zum Abarbeiten der Schulsachen zu Hause …. wir streiten in der Presse, in solchen Kommentaren, bei Insta und Co jetzt so oft … ist es Homeschooling… ist es Abarbeiten …. offensichtlich haben einige noch zu wenig Sorgen, um über solche Begriffe streiten zu können.

        Das Hauptproblem sehe ich darin, was die Schule vorgibt und ja ich bin mir bewusst, dass das auch für die Lehrer neu ist!
        Bei uns und ich habe 3 läuft alles noch sehr klassisch … es wurden Arbeitsblätter zur Verfügung gestellt. Wir leben auf dem Land und moderne Technik ist für die Schulen hier oft noch mehr als ein Fremdwort, nicht zu letzt aber weil es ihnen technisch einfach gar nicht zur Verfügung steht! Schnelles Internet ist hier gleich noch mehr Fremdwort … selbst mein Internet zu Hause ist eine Stückelung aus DSL und LTE und auch dann komme ich nicht auf die Hälfte der Leistung meiner Eltern in der Großstadt.
        Ausschließlich Arbeitsblätter und Anweisungen für Lehrbücher sind also in so weit okay, dass wir jetzt nicht auch noch zu viel mit der Technik kämpfen müssen.

        Dennoch würde ich mir wünschen Schule hätte mehr Verständnis nicht nur für uns Eltern, sondern vorallem für die Kinder!

        Auch für die Kinder ist es eine unwirkliche Zeit …. Sie wurden von Heute auf Morgen ihren meisten sozialen Kontakten beraubt ( ja Whats App Videoabrufe mit den besten Freunden sind geblieben), ihrem Alltag, ihrem Sport, ihren Hobbys …. Sie machen sich Sorgen um Großeltern, Urgroßeltern und Mitmenschen.
        Eines unserer Kinder fällt in die Risikogruppe, auch das macht uns Sorgen. Es gibt Freunde der Kinder, die von ihren Eltern lernen, dass hier ist alles Quatsch und nervige Panikmache. Sie haben Freund verloren, der tödlich verunglückt und durften sich nicht mal auf seiner Beerdigung verabschieden, geschuldet den aktuellen Sicherheitauflagen.
        So oder so ähnlich geht es doch allen Kindern und da geht es meinen noch gut. Sie sind nicht allein Zuhause eingesperrt, ich bin da. Sie verstehen die Situation so gut als möglich, ich erkläre es immer wieder, wir schauen Logo oder auch normale Nachrichten. Sie können dazu Fragen stellen, die sie so gut als möglich beantwortet bekommen.
        Ich kann meinen Kindern bei ihren Aufgaben helfen, zum Glück problemlos bis zur Abschlussklasse.
        Für ganz extrem fachspezifische Fragen, in die sich Mama auch erst einlesen müsste, haben sie Papa und Großeltern. ABER so gut haben es doch nicht alle Kinder … es gibt Eltern, die wollen nicht helfen, es gibt Eltern die können nicht helfen, sei es weil sie noch mehr arbeiten als Vorher und ihren einfach die Zeit fehlt oder aber weil sie fachlich, dabei mehr als an ihre Grenzen stoßen!
        Ich mache mir große Sorgen um die Kinder, welche zu Hause jetzt noch mehr Vernachlässigung und Gewalt ausgesetzt.

        ALL diese Kinder aber sollen zu Hause fleißig lernen.
        Das ist einfach nicht möglich!

        Bei meinen Kindern, ist eines bei, was jetzt schon so viele Aufgaben zur Verfügung gestellt bekommen hat, dass der aktuelle Lockdown nicht annähernd reicht. Ein anderes Kind hat Berge von Aufgaben, die es in freier Natur erledigen soll, z.B. das Gestalten eines Herbariums (klar, da habe jetzt alle Nerven, Zeit und die Vorrausetzungen für 😐). Außerdem ist bei allen Kindern auf verschiedenen Arbeitsblätter Druck aufgebaut … das geht in die Note ein … das wird einzeln benotet … das wird direkt nach den Ferien als Test / als Klassenarbeit abgefragt … ein Kind soll sogar eine Woche ein Tagebuch schreiben, welche bewertet werden soll.

        Bitte entschuldigt, aber da fehlt mir persönlich leider jedes Verständnis für Schule!
        Schule ist wichtig, ohne Zweifel, aber in der aktuellen Zeit sollte sie sich mehr als zurück nehmen und lediglich als Angebot dienen!

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