Lehrkräfte als Buhmänner der Nation? „Wir Lehrer sind doch auch überfordert“

Liebe Annette, vor ein paar Tagen hieß es, dass die Kultusminister nun anfangen, Konzepte zu erarbeiten, wie und wann der Schulbetri eb in den Grundschulen wieder aufgenommen werden kann. Ich frage jetzt mal provokativ: Warum wurde an so einem Konzept nicht seit dem ersten Tag der Schulschließung gearbeitet – es war doch klar, dass so ein Konzept irgendwann benötigt wird. 

Da gebe ich Dir Recht. Generell empfinde ich die Kultusministerien (hier gibt es übrigens eklatante Unterschiede! ) als sehr , sehr langsam. Ich kann es mir nur so erklären, dass es für alle eine neue Situation ist, in der sich speziell die Ministerien auch immer rechtlich absichern möchten. Das dauert eben. 

Außerdem ist meine Erfahrung, dass in den Ministerien oft keine Pädagogen sitzen und viele Dinge erst noch von den Schulämtern auf uns Schulen „runtergebrochen“ werden müssen, auch das kostet Zeit. Das ist für alle Beteiligten mehr als unbefriedigend. 

Wir Lehrer sitzen da oft zwischen allen Stühlen: ergreifen wir die Initiative, kommt immer mal wieder raus, dass bestimmte Dinge rein rechtlich gar nicht erlaubt gewesen wären (und wenn es nur um den leidigen Datenschutz geht) und alles sofort rückgängig gemacht werden muss.

Das wiederum macht die Kommunikation mit den Kollegen und Eltern nicht leichter. So wird man als Lehrer/Schulleitung natürlich auch vorsichtig und wartet erst mal ab, bis man verlässliche Erlasse hat.

Als Beispiel: Kanzlerin Merkel hat am Donnerstag verkündet, dass die Schulen geschlossen bleiben. Erst am Montag hatten wir die Information, dass die Notbetreuung erweitert wird. Da hatten wir aber schon zig Anfragen von Eltern und hatten diesen natürlich nach altem Erlass geantwortet.

Es ist einfach auf allen Seiten eine Riesen-Unsicherheit und ich kann Eltern nur empfehlen, die betreffende Seite ihres Bundeslandes gut zu beobachten und im Zweifel selbst zu recherchieren, ob sie z.B. Anspruch auf Notbetreuung haben.

Mit Sicherheit ist es von Schulen keine böse Absicht, wenn sie veraltete Informationen haben. Bei der Flut an Nachrichten ist es manchmal echt schwer, den Überblick zu behalten. 

Einige Lehrer sind sehr eifrig, haben viel Kontakt mit den Schülern, andere Lehrer scheinen komplett abgetaucht zu sein, wieder andere scheinen kein Gefühl dafür zu haben, wie schwer es für Eltern ist, Kinder zu Hause zu unterrichten und schicken unfassbar viele Aufgaben. Woran liegt es, dass es solche Unterschiede gibt? 

Das hat in meinen Augen mehrere Gründe, die ich hier mal kurz anreißen möchte. Zum einen sind wir alle ganz unterschiedliche Menschen. Wie in jedem anderen Beruf gibt es die Fleißigen und die Faulen, die Interessierten und die Pragmatischen, die Empathischen wie die, denen alles egal ist und die ihren Striemel durchziehen, ohne Rücksicht auf Verluste. 

Oft hat es auch was mit Erfahrung zu tun, was zu Hause und von den Kindern schaffbar ist. Junge Lehrer (ich darf das sagen, mir ist das auch passiert) schießen oft übers Ziel hinaus. Das ist nicht mal böse gemeint, sondern die möchten eben alle tollen Angebote, die ihnen einfallen auch geben und nutzen und und und. Dass sie damit oft viel zu viel machen und die Familien überfordern, das merken sie gar nicht.

Dann nehme ich im Netz aber auch ein wirkliches Wettrennen um die besten Ideen, die tollsten digitalen Angebote und vielfältigste Wochenpläne wahr. Das ist nicht schön, kommt aber auch aus der Ungewissheit heraus, wie man es jetzt am besten machen soll.

Es war und ist teilweise wirklich schwer, sich dem zu entziehen und nicht mitzumachen. Oft wirft man „den Lehrern“  vor, sie hätten ja nun Ferien, da wollten viele eben beweisen, was sie für tolle Ideen haben. Erst jetzt trauen sich immer mehr Stimmen zu Wort, die zu einem „Weniger ist mehr“ aufrufen. 

Generell muss man sagen, dass auch die Lehrer überfordert waren, bzw. sind. Ich finde es hier ganz wichtig, dass man Kontakt zu „seinem“ Lehrer und der Schule sucht und rückmeldet, dass der letzte Plan / Aufgabe nicht zu schaffen war. Aber nicht immer gleich draufhauen, sondern Kommunikation wäre schön. 

Du unterrichtest eine zweite und dritte Klasse – wie hast du das die letzten Wochen gemacht?

Ich lebe in einem Bundesland, das zwei Wochen nach Coronaschließung Osterferien hatte. In diesen zwei Wochen hatten wir Lehrer die Auflage zu „wiederholen und vertiefen, keine Neueinführungen“.

Wir haben uns an unserer Schule verständigt, dass jeder Klassenlehrer seine Klasse versorgt und die Informationen der Fachlehrer mit in den Wochenplan mitaufnimmt. So wollten wir verhindern, dass die Pläne sich überschneiden oder es auch einfach zu viele Aufgaben gibt. 

Insofern habe ich meine Schüler per Wochenplan versorgt, der viel Wiederholung enthielt und somit komplett selbständig bearbeitet werden konnte. Das Pensum habe ich relativ frei gehalten, um keinen Druck aufzubauen, denn alle waren erst mal mit der neuen Situation überfordert.

In der Woche vor Ostern habe ich mit jeder Familie aktiv Kontakt gesucht, davor hatte ich einfach angeboten, dass man mich auf den verschiedenen Kanälen (Email, Telefon) erreichen kann und ich jederzeit gerne helfe, wenn gewünscht.

Mein Gedanke dabei war, dass ein zu häufiges Nachfragen der Eltern ja auch unter Druck setzen kann. Also anbieten, aber nicht in die Enge treiben. Das macht übrigens gut deutlich, was für ein Eiertanz das manchmal ist – und trotzdem kann ich es 20 Familien mit ihren 20 Ansichten nicht immer recht machen.

Nachfragen ergaben aber, dass es bei allen recht gut läuft (von den Umständen mal abgesehen) und dass viele sogar in den Ferien die Pläne weiter bearbeitet haben, weil die Struktur des Tages den Kindern geholfen hat. 

Nun sind die Ferien um. Ich habe jeden meiner Schüler besucht, das bearbeitete Material abgeholt und neues gebracht. Mir gibt es ein gutes Gefühl, dass ich wirklich jedes Kind gesehen und gesprochen habe, auch mit den Eltern konnte ich kurz reden und weiß so, wie es bei jedem zu Hause läuft.

Das Material aus der vergangenen Zeit sichte ich, werde es aber nicht detailliert korrigieren. Es dient mir dazu, zu sehen wo jedes Kind steht und ggf. individuelle Pläne zu geben, wenn es hakt. Die Wochenpläne werde ich nun wöchentlich erneuern und in Zukunft werden die Materialien einmal in der Woche ausgetauscht. Allerdings holen die Eltern sie ab, ich fahre nicht jede Woche herum. Die neuen Wochenpläne werden auch korrigiert und im Zweifel muss auch mal nachgebessert werden.

Ich orientiere mich bei der Menge an den Hausaufgaben, die ich geben würde – plus 10% dazu. Dazu gibt es freiwillige Forderaufgaben. Die Wochenpläne zeigen dem Schüler, wie viel ich an jedem einzelnen Tag erwarte und reichen von Montag bis Freitag. Samstag und Sonntag sind Jokertage: Hat man gut gearbeitet, hat man frei – ansonsten kann man hier noch etwas aufholen. 

Ich habe selbst ein schulunwilliges Grundschulkind zu Hause und weiß, wie wichtig es ist, Puffer zu haben. Wenn mal nichts geht, kann der Druck raus, dann wird eben Dienstag nichts gemacht, dafür dann aber am Samstag.       

Hast du das Gefühl gehabt, dass Ihr Lehrer gut durch die Kultusminister informiert /betreut wurdet?

Da muss ich leider sagen: Nein. Allerdings glaube ich, dass es auch sehr schwer ist, wenn man nicht Lehrer/Erzieher ist, die alltäglichen Fragen zu bedenken. Es wird sich soviel um Rechtliches gekümmert, dass unser Alltag vergessen wird.

Oft habe ich das Gefühl, dass speziell über die Grundschule oft gedacht wird „Ach, das sind ja nur die Kleinen, das kann ja jeder so“. Das mag vom Stoff her vielleicht sogar stimmen. Aber es steckt in meinem Beruf viel Pädagogik, die auch viel Erfahrung und Mitdenken erfordert. Bei den Maßgaben aus dem Ministerium fehlen ganz oft die Praxismöglichkeiten und man merkt, dass das Leute geschrieben haben, die nicht mit Kindern arbeiten. 

Wir haben bisher Erlasse immer hinterher erhalten. Also es gab Neuigkeiten in der Politik und erst Tage später wurde da etwas schriftlich verfasst. Möglichst schwammig, damit man niemandem was auslegen kann. Wir an den Schulen sind komplett allein gelassen. Angefangen beim Formular für die Notbetreuung, bei den Hygienemaßnahmen oder dem Eigenschutz der Lehrer.

Am schlimmsten finde ich, dass jedes Bundesland doch wieder sein eigenes Süppchen kocht. Was im einen Bundesland problemlos erlaubt ist, ist im anderen untersagt. Ob das nun die Digitalisierung oder die Bedingungen der Notbetreuung betrifft, man muss ganz genau lesen und jedes Bundesland muss so das Rad immer wieder neu erfinden. Das kostet Zeit. 

In dieser Krise sollten Notbetreuungsbedingungen, Hygienestandard und Regeln für den digitalen Unterricht für alle gleich sein. Das würde Klarheit für die Lehrer und die Eltern schaffen und dann können wir viel schneller reagieren.

Wie stehst du dazu, die Schulen bald wieder für alle Kinder zu öffnen?

Der Wunsch nach Entlastung und damit nach Öffnung ist groß, das merkt man. Ich habe selbst zwei Kinder, davon ein Kleinkind, mein Mann ist im Homeoffice – ich wäre selig, wenn wir zur Normalität zurück kämen. 

Aber – wäre das richtig? Für wen machen wir das hier? Für Alte, Schwache und Kranke. Und das finde ich gut und richtig. Dafür isoliere ich meine Kinder, dafür arbeite ich nachts an Vorbereitungen, weil mein Kleiner mich tagsüber nicht läßt, es geht mir genauso wie allen anderen Eltern. 

Trotzdem habe ich wirklich große Sorgen, wenn ich an die Schulöffnungen denke. Wie sollen wir Lehrer die Hygienemaßnahmen umsetzen? Welcher Abstand im Klassenraum? Maske immer auf oder nur im Stuhlkreis? Was mache ich, wenn Kinder keine Masken tragen wollen? Wenn Kinder miteinander spielen, wenn sie es einfach nicht verstehen, dass sie nicht andere anfassen dürfen? Was tue ich, wenn ein Kind in meiner Klasse doch infiziert ist und das erst nach Tagen bemerkt wird? Wie gehe ich mit Eltern und ihrer Sorge um ihr Kind um? Wie schütze ich mich – gerade Grundschüler kuscheln miteinander genauso, wie mit ihren Lehrern…

Ich kann sie doch nicht von mir fernhalten. Das will ich auch gar nicht. Wenn es Kindern schlecht geht, suchen sie natürlich meine Nähe. Man glaubt gar nicht, wie oft mir schon ins Gesicht geniest oder vor die Füße gekotzt wurde. Wie geht man damit um? Gibt es genug Seife? Waschbecken haben wir in jedem Klassenraum. Aber es gibt Schulen, da gibt es nur die Schultoiletten.

Ich habe das Gefühl, dass nur über die Entlastung nachgedacht wird, aber nicht über die Praxis. Die Eltern, die jetzt am meisten nach Öffnung schreien, werden die sein, die als erstes nach Hygiene und Vorsicht rufen, sich aber nicht überlegen, wie ich ein Kind wochenlang auf dem Schulhof zum Abstandhalten bewegen soll. Toilettenbesuche sind in der Regel unbegleitet. Sollen wir nun Toilettenaufsichten führen? Für die Handhygiene sicherlich gut, aber für das Schamgefühl?

Wenn nun über die Schäden der kindlichen Seele während der Isolation gesprochen wird, was passiert mit dieser Seele, wenn ich nicht mehr kuscheln will? Wenn Kinder auf der Toilette nicht allein sind? Wenn es ständig Regeln und Ermahnungen hagelt, weil die Maske nicht sitzt oder man sich zu nahe kommt? Das Ganze monatelang!

Es gibt noch in keinem Bundesland neue Hygienevorschriften. Wir sind in den Schulen mit diesen Fragen komplett allein gelassen. Wenn sich die Kultusminister am 30.4.2020 treffen, sollen wir am 4.5.2020 aufmachen für die 4. Klassen. Wie soll das gehen?  

Mir erscheint die häusliche Isolation das kleinere Übel. Ich wünsche mir hier andere Lösungen. Zum Beispiel, dass feste Sozialgruppen erlaubt sind. Also ein fester Spielpartner, den man treffen darf. Weitere berufliche Entlastung der Eltern. Zum Beispiel eine Verkürzung der Wochenstundenzahl bei voller Bezahlung.    

Es stand ja auch schon mal im Raum, die Sommerferien zu verkürzen – was meinst du dazu?

Meine Schüler arbeiten alle. Die freuen sich auf die Sommerferien und wären wirklich enttäuscht, wenn es weniger Wochen wären. Auch die Familien haben mir gesagt, dass sie die Erholung trotzdem brauchen. Mal keine Wochenpläne, kein Hintergedanke an den Schulstoff – und das verstehe ich absolut. 

Natürlich wäre es eine Lösung. Aber bringt das was? Ich denke nicht. Da sollte man größer denken. Ein Bundesland, was es schafft, ein ganzes Schuljahr wegzukomprimieren – nämlich G9 auf G8 – ohne schlechtes Gefühl, dass es Lücken hinterlässt, sollte doch in der Lage sein, auch diese Situation zu überstehen, ohne die Familien und die Kinder „zu bestrafen“. So empfinden sie das nämlich. 

Wenn der Gedanke daher rührt, dass ja die Lehrer zu wenig arbeiten möchte ich mal erwähnen, dass alle Lehrer eigentlich drei Wochen frei und drei Wochen „unterrichtsfreie Zeit“ haben, die zur Vorbereitung des neuen Schuljahres dient. 

Eine Möglichkeit, die mir ganz gut gefällt, wäre zum Beispiel das Angebot, dass Schüler, die zu Hause nicht gut arbeiten konnten, freiwillig drei Wochen Sommerkurse besuchen könnten. Wir werden sowieso Notbetreuung anbieten müssen, da viele Eltern ihren Urlaub aufgebraucht haben, da könnte man auch Intensivkurse parallel anbieten. 

Jetzt wird sichtbar, dass wir in Deutschland mit der Digitalisierung des Unterrichts absolut nicht gut aufgestellt sind. Wie wichtig findest du, dass das jetzt voran getrieben wird?

Ich habe oben ja schon von dem Wettlauf der Lehrer um die besten Ideen gesprochen. Bei der Digitalisierung ist das ähnlich. Natürlich bieten sich hier tolle Möglichkeiten. Es kommt ganz klar auf die Schulstufe und auch auf die Ausstattungsmöglichkeiten an. 

Ein Beispiel: An meiner Schule gibt es seit fünf Jahren in einigen Klassen Smartboards. Wir waren hoch motiviert. Wie sich gezeigt hat, haben diese digitalen Tafeln aber auch große Nachteile. Die müssen nämlich ordentlich gewartet werden, was nicht gemacht wird. Also ist eine Tafel dauerhaft unscharf, bei der anderen spinnen die Stifte. Wir sind in vielen Bereichen also wieder bei der normalen Tafel gelandet.  

Jetzt müssen wir alle neue Wege gehen. Einen Schüler an der weiterführenden Schule kann ich mir gut vor einem PC vorstellen und in einer Videokonferenz. Meine Grundschüler brauchen dazu ihre Eltern. Und deren PC. Und eine Anleitung. Das sind bei einigen unüberwindliche Hindernisse. 

Dazu kommt, dass die Bildschirmzeit zum Beispiel im Fach Deutsch nicht die Zeit des Schreibenlernens mit einem realen Stift ersetzt. Ich bin da ganz „oldschool“ mit meinen Wochenplänen zufrieden. Angebote mache ich digital, zum Beispiel per Padlet, die sind aber freiwillig. Das reicht in meinen Augen für die Grundschule völlig aus.

Im Übrigen gibt es mehr und mehr Untersuchungen die belegen, dass die universelle Erreichbarkeit durch alle Medien die Kinder restlos überfordert. Für die Kinder ist es wichtig, ein Buch anzufassen und umzublättern, einen Stift zu halten und zu schreiben und auf ein Blatt zu schauen – nicht in den Bildschirm.

Hört sich jetzt an, als würde ich die Digitalisierung ablehnen. Tue ich aber gar nicht. Nur würde ich mir mehr Augenmaß wünschen.

Wir merken, dass Lehrer jetzt für viele Eltern die Buhmänner sind. Nach dem Motto: „Die bekommen schön weiter ihr Gehalt und wir Eltern machen deren Job“. Hast du auch schon so was in die Richtung gehört und was möchtest Du dazu sagen? 

Ich lebe in dem gleichen Ort wie meine Schüler. Ich bin lustig gemeinte Sprüche gewohnt („Sie haben ja 6 Wochen Ferien!“) und reagiere da je nach Tagesform. In dieser Krise habe ich diese Sprüche („Sie könnten doch auch im Krankenhaus helfen?“) teilweise nicht mehr lustig gefunden. Mein Mann macht auch Homeoffice. Keiner ist bisher auf die Idee gekommen, ihm sein Gehalt zu kürzen.

Ich arbeite jetzt teilweise mehr als vor der Schließung. Da ich neue Wege gehen muss, um meinen Schülern etwas zu erklären. Mich digital fortbilde. Wochenpläne korrigiere, Lernfortschritte für jedes Kind dokumentiere. Eltern am Telefon zuhöre und Emails beantworte. Mit Kollegen überlege, wie es weitergeht. Konzepte zur Umsetzung erarbeite. Zum Teil in 3 Versionen, weil ja nichts vom Kultusministerium kommt, wir aber gern vorbereitet sein wollen. Die Notbetreuung in der Schule muss auch übernommen werden.

Das Ganze mit zwei Kindern zu Hause. Es geht mir wie allen anderen Eltern auch und ich frage mich, warum da so viel Neid herrscht in Bezug auf den Beruf Lehrer. 

Vielleicht weil alle mal in der Schule waren und denken, sie haben Ahnung? Oder weil man das Feindbild von einem Lehrer aus der Vergangenheit mit sich rum trägt, das man auf seine Kinder überträgt? Das finde ich wirklich ehrlich schade. 

Ich kenne in meinem Umfeld keinen Lehrer, der sich nicht um seine Schüler sorgt, arbeitet und nach Lösungen sucht. Sicherlich nicht alle auf die gleiche Weise, aber Einsatz zeigen alle.



20 comments

  1. Ein schöner Artikel und wie es scheint, eine versierte Lehrerin. Mir geht es ähnlich. Ich habe auch zwei Kinder, ein Kleinkind und ein Kindergartenkind. Ich arbeite auch in dem Bereich, allerdings im Berufsschulwesen. Ich arbeite jetzt mehr als vorher. Ich muss alles neu vorbereiten, weil es nicht für die Bedingungen passt. Ich halte Videokonferenzen, während meine Kinder plärren. Mein Partner sitzt in meinem Arbeitszimmer und hat auch Videokonferenzen & Telkos. Dazu Gespräche mit Kollegen, weil wir die Abschlussprüfungen neu planen müssen. Da wir uns für alle Prüfungentermine (wir haben hier die verschiedensten Schularten und Anschlüsse) keine privaten in die Zeiten legen dürfen, sind freue Zeiten ausgeplant. Wir haben einen hohen Anteil an Personen der Risikogruppen. Daher ist ein einspringen zu erwarten. Einzelne Prüfungsfächer wurden auf mehrere Termine verteilt. Korrekturfrei hatte ich noch nie. Also auch noch nebenbei und meine Kinder hassen mittlerweile die Situation.
    Leider denkt auch niemand an die Azubis. Die müssen oftmals entgegen unserer Bitte auch an ihren Schultagen arbeiten und bekommen keine Lernzeit. Wir haben darüber auch viele ältere Schüler, die schon selbst Eltern sind. Das ist furchtbar und es ist kein Ende in Sicht. Das ist das zermürbende. Also bleibt stark und wenn etwas nicht geschafft wird, macht euren Kindern nicht so viel Stress. Das bringt nix.

  2. Danke für den differenzierten Artikel. Ich habe zwei Kinder in zwei verschiedenen Schulen und daher zwei Varianten: Grundschule (Viertklässler) – willkürlich zusammengestellte PDFs ohne Anleitung mit Anschreiben: Hier kommen die Aufgaben für diese Woche, viel Spaß beim Bearbeiten.Hier mutiere ich zur Hilfslehrerin.
    Kein Feedback, keine Lösungsblätter, keine Telefonate, nicht mal das Angebot eines E-Mail-Kontaktes. Null.
    Kind 2 in der Sekundarschule (Prüfungskandidatin): detaillierte Wochenpläne für jedes Fach mit persönlichem Brief jedes einzelnen Fachlehrers, Lehrer-Mailliste zum Kontaktaufnehmen. Mailrückfragen der Klassenlehrerin als Feedback. Zeitnahe Rückmeldungen.Hier werde ich evtl. in Einzelfällen mal gefragt, bevor die Lehrer kontaktiert werden.
    Grundschule ist staatlich, Sekundarschule hat einen freien Träger, von daher sind die LehrerInnen dort – so mein Eindruck – zwar leider schlechter bezahlt, aber motivierter bei der Sache.
    Insgesamt lernt mein Grundschüler jedoch im Moment zu Hause mehr als in der Schule.

  3. Danke für den Artikel. Ich vermute, wir arbeiten im gleichen Bundesland. Ich kann es mit den „faulen Lehrern“ auch nicht mehr hören…in jedem Beruf gibt es solche und solche. Ich arbeite übrigens Teilzeit und habe nach 2 Tagen meine eigentliche Arbeitszeit erfüllt und dann aber immer noch nicht alle Schüler meiner Klasse erreicht und andere Aufgaben abgearbeitet. Alle sind mit ihren Kindern zuhause und alle müssen Rücksicht nehmen. Ständig diese Vorurteile.

  4. Mich nervt in der ganzen Debatte jedes Mal, das immer beschrieben und argumentiert wird, warum etwas nicht geht, anstatt die Sachen einfach anzugehen und auszuprobieren, nur so lernen wir doch miteinander und voneinander.
    Wir sind irgendwie schon Erfolgsverweigerer.

  5. Wir sind einfach noch nicht so weit. Es gibt noch keine Regelungen und keine Richtung, keine vernüpftige Software. Viele Browser funktionieren nicht richtig. Unterschiedliche Betriessysteme. Eltern und Lehrer die mit moderner Technik nicht umgehen können. Alte Technik in den Schulen und Zuhause kommt hinzu. Eine Internetleitung von 2 MB / Sekunde, wo die Kinder ein Lernyoutube Video gucken, und der Vater wahrscheinlich mit der Arbeit Videochatet reich nicht aus. Wir sind definitiv noch nicht soweit.

    1. Danke an alle Lehrer auch in dieser Zeit, ODER GERADE in dieser Zeit.
      Nun unterrichte ich drei Kinder und weiß mehr denn je, was Sie leisten.
      Herzliche Grüße aus dem Homeschooling meets Homeoffice
      Daniela

  6. Danke für den Beitrag, ich finde es sehr differenziert.
    Und den Kommentar von Flo unmöglich. Es gibt in jedem Beruf engagierte Personen oder Faule, das ist doch nicht nur bei Lehrern so. Aber diese stehen immer in der Kritik.
    Wer der Job doch so easy ist und man für nix tun angeblich so viel Geld bekommt, warum haben die ganzen Besserwisser nicht den Beruf ergriffen???? Dann hätten wir auch nicht den großen Lehrermangel…

    Und warum schimpft niemand auf die ErzieherInnen? Wir haben seit über 5 Wochen nix von unserem Kindergarten gehört… Die sitzen doch auch zuhause und verdienen Geld fürs nixtun (sag ich jetzt mal so, wie es über Lehrer gesagt wird)?!?!! Und die schicken noch nicht mal Arbeitsblätter rum!!! Geht ja auch nicht, aber trotzdem wird da nix gesagt.
    Julia

  7. Oh man … wir sitzen doch im selben Boot…warum müssen wir uns immer gegenseitig mit Keulen schlagen. Jede*r hat gerade sein Tun mit der Situation. Jeder nimmt diese Situationen anders an und geht anders damit um. Jede* einzelne*r hat andere Voraussetzungen und Umstände. Wir sollten uns selbst und gegenseitig mal auf die Schulter klopfen was jede und jeder gerade leistet und nicht immer schauen was die und der andere nicht macht und wieviel mehr ich leiste und leide als andere.
    Danke an die Kinder, danke für die Eltern, danke für die Lehrer, danke für alle und ihr tun!
    Eine Portion Wertschätzung, Kraft, Geduld und Zuversicht für alle.

    1. Sehen sie und bei uns ist es anders herum! Seit 5 Wochen jeden Morgen zur gleichen Zeit kommt ein Angebot vom Kindergarten per App…zum mitmachen wer mag!
      Von der Lehrerin nichts 🤷🏻‍♀️!
      Dafür gibt es doch oft genug auch hier im Blog bei Beiträgen in den Kommentaren zu hören „Eure Kinder, Eure Entscheidung, Euer Problem“ oder auch gerne genommen „jetzt sehen sie mal wie ihre Kinder (in Wirklichkeit) sind“ oder „wie schwer es ist die zu unterrichten“. Jede Seite pauschalisiert und kann sich davon auch nicht freisprechen! Wenn ich hätte Lehrerin werden wollen wäre ich es geworden, aber dann eine ziemlich schlechte… Liegt nicht jedem Wissen zu vermitteln und doch muss ich das jetzt ganz neben bei mal machen…

  8. Also ich kann den Satz: „andere machen auch Homeoffice und werden nicht kritisiert“ von Lehrerseite nicht mehr hören.

    Ja… andere Leute machen Homeoffice und müssen ihre Arbeit dabei in vollem Umfang weitermachen! Viele Lehrer hingegen machen genau das nicht. Außer ein paar Aufgabenblätter herumzuschicken und diese anhand der vorgefertigten Lösungen kontrollieren, kommt da eben nicht viel von manchen. Aber die Damen und Herren müssen ja so viel „konzipieren“, sich „digital fortbilden“ und ganz viel mit Kollegen zusammen „überlegen wie es weitergeht“ da bleibt für die Schüler halt keine Zeit mehr. Sorry… wenn meine Frau im Homeoffice ihrem Chef mit derartigen Ausreden um die Ecke käme, hätte sie am nächsten Tag eine saftige Abmahnung.

    Doch natürlich gibt es auch positive Ausnahmen unter den Lehrern, die das digitale Lernen wirklich vorantreiben und dabei noch mit den Eltern und Schülern in ständigem Kontakt stehen. Diese Lehrer verdienen großes Lob und Anerkennung!

    Leider gibt es viel zu wenige von der positiven Sorte. Die Sorte, die bloß irgendwelche Aufgaben herumschickt, scheint deutlich in der Überzahl zu sein (daher auch die massive öffentliche Kritik) und diese haben sich den öffentlichen Unmut selbst zuzuschreiben. Traurigerweise bekommen das dann auch die wenigen positiven Ausnahmen in der Lehrerschaft zu spüren.

    Die Kandidatin hier scheint leider auch eher von der negativen Sorte zu sein:
    „Ein paar Wochenpläne, Blatt und Stift reichen für die lieben Kleinen ja vollkommen aus. Sonst sind die bestimmt überfordert.“ Fragt sich, wer da überfordert ist bzw. Überforderung vorschiebt.

    1. Flo ehrlich, Du weißt Bescheid, dass in allen anderen Berufen immer 100 Prozent Leistung abgerufen wird, schätze ich. Das wird ja auch immer kontrolliert, dass in jedem Bürojob nicht mal mit Kollegen über Privates geschnackt wird, die Mittagspause vielleicht mal etwas länger ausfällt, mal für den Urlaub recherchiert wird, wenn nix zu tun ist. Neeiin, das gibt es natürlich nie. Aber über Lehrer und deren Effektivität maßt sich alle Welt ein Urteil an. Bist Du vielleicht unzufrieden mit Deinem eigenen Job, dass Du so viel motzen musst?! Hey, werd dich Lehrer, da werden engagierte, sozial kompetente und freundliche Leute wie Du gebraucht. Bei viel Geld für wenig Arbeit, na los!

    2. Du bist wenig reflektiert und sehr einseitig begrenzt. Deine Wut gilt eher dir selbst, als all den Lehrern und LeherInnen und Lehrern. Schade, dass es viele von dir gibt. Mit solchen Worten wird der Bildung die Glaubwürdigkeit genommen und der wirklich wichtige Lehrberuf degradiert. Eine Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet, weil Menschen die mit Bildung nur zu tun hatten, als sie vom „bösen Lehrer“ bestraft wurden meinen, dass sie nun Bescheid wüssten über alle Facetten des Berufs.
      Ich würde mir einfach wünschen, dass ihr euch wirklich interessiert und vor allem informiert, was ein Lehrer täglich machen muss. Leider ist aber die Beschwerde viel schneller gemacht und auch wesentlich unkomplizierter.
      Ich wünsche vor allem dir, dass sich eines deiner Kinder für den Beruf des Lehrers entscheiden wird, damit du über 5 Jahre Studium, 2 Jahre Ref und die täglichen Challenges informiert wirst.
      Ich bin dann gespannt, wie du deiner Tochter oder deinem Sohn erklären würdest, dass ein Lehrer eigentlich “ nur Arbeitsblätter herumschickt“.
      Aber was rede ich: Du weißt bestimmt viel besser über alles Bescheid dann.

      In diesem Sinne.

    3. Ganz ganz tolles Interview.. Besonders der Teil, wo es um die seelischen Schäden der Isolation geht und das niemand darüber nach zu denken scheint, welche seelischen Folgen Abstandsregeln zu beachten und keine Eltern greifbar zu haben für die Kleinen bedeuten würde.

    4. Lieber Flo,

      ist dir mal in den Sinn gekommen, dass auch bei den Familien nicht immer die Voraussetzungen für digitales Lernen gegeben sind? Außerdem ist die Unterrichtsrealität der meisten Schüler mangels Ausstattung an den Schulen genau so analog, wie du es grad anprangerst. Es ist ja wohl kaum Fehler der Lehrer, die diesen Zustand seit Jahren bemängeln! Da hinkt Deutschland mächtig hinterher! Wichtig ist doch wohl, dass die Schüler überhaupt Lernangebote bekommen und dass die Lehrkräfte da sind! Diejenigen, die digital arbeiten (können), sind in den überwiegenden Fällen Lehrer, bei denen es zum Glück auch an den Schulen „schon“ so praktiziert wird. Lehrer haben aktuell einen ganz Arbeitseinsatz, weil ein einfaches Feedback und gemeinsames Erarbeiten der Unterrichtsinhalte grad nicht möglich ist. Glaubst du irgendwer ist darauf vorbereitet gewesen bzw. hat super Lösungen für diese Situation? Mal ganz zu schweigen davon, dass es furchtbar unbefriedigend für alle Beteiligten ist?

      Und sorry; es entzieht sich absolut deiner Beurteilung, was die (pädagogische) Arbeit eines Lehrers ausmacht und welches Ausmaß sie hat. Das ist weitaus mehr als guten (oder digitalen) Unterricht zu machen. Viele meinen, weil sie selber in der Schule waren wüssten sie Bescheid. Du kritisierst die Lehrerin auf vermessene Art und Weise, obwohl du null Ahnung von Lese- und Schreiblernprozessen hast; wie wichtig beispielsweise die Förderung der taktilen, visuomotorischen, fein- und grobmotorischen Kompetenzen usw. ist. Für mich hört sich das alles nach einer erfahrenen, versierten und engagierten Lehrkraft an. Eine, bei der die Arbeit am und mit dem Kind im Vordergrund steht und die ihre Schüler kennt.
      Ist dir mal in den Sinn gekommen, dass Stift, Papier und Wochenpläne in dieser total außergewöhnlichen Zeit auch Sicherheit und Routine für jüngere Schüler bedeutet? Ich denke das ist eben der pädagogische Anteil, der den Unterschied zur reinen mechanischen Wissensvermittlung macht.

      Ich gebe dir Recht, dass viel mehr digital möglich sein müsste. Aber dazu benötigen alle Seiten ganz andere Voraussetzungen. Und es ist nicht die Aufgabe einzelner Lehrer die Kohlen aus dem Feuer zu holen und die Versäumnisse eines ganzen Landes auszugleichen.

      Ich denke in den meisten Fällen geben sich alle viel Mühe die Situation so gut es geht zu überstehen. Schön ist das für keine Seite. Etwas mehr Verständnis für alle Beteiligten wäre sehr wünschenswert!

      Freundliche Grüße,
      Britta

      P.S: ich finde das Interview sehr differenziert und es zeigt sehr deutlich die Schwächen unseres Systems auf aber eben auch wie wertvoll pädagogische Arbeit ist!

  9. Die seelischen Belastungen Zuhause sind anders als das, was dann zurück in der Schule an Kontrolle, Zurechtweisung und Druck, besonders auf die kleinsten zukommen wird. Auf Distanz Schulleben funktioniert entweder nicht, oder wird hart. Es wird oft betont wie emotional belastend es Zuhause ist. Dann werden wir reden darüber wie belastend und nicht durchführbar die geforderten Maßnahmen an den Schulen vor Ort sind.

    1. Und was ist mit den ErzieherInnen? Wir haben seit über 5 Wochen nix von Kindergarten gehört! Die bekommen auch ihr Geld und bringen ihren Garten in Ordnung… Die müssen noch nicht mal „Arbeitsblätter“ vorbereiten 🙄
      Da beschwert sich auch niemand drüber, aber mein vorschulkind, das darf ich selbst bespaßen und auf die Schule vorbereiten…

      1. Sprech eure Erzieher an. Wir werden regelmäßig angerufen, einfach zum Austausch oder eventuelle Fragen.
        Vorschul-Arbeitsblätter kamen per Mail. Der Kindergarten ist jederzeit per Mail oder telefonisch erreichbar.
        Frag nach, ist bei euch bestimmte ähnlich…

    1. Danke, ich schließe mich an. Der Artikel beleuchtet viele Aspekte, die ich ebenfalls so empfinde. Ich bin diese negative Stimmungsmache mancher Kommentare hier in der letzten Zeit auch echt leid! Ich habe noch keinen einzigen Kommentar gelesen, in dem die Eltern die Lehrer direkt mal auch zuviel Pensum oder zu schwere Aufgaben angesprochen!!! Hier meckern ist einfach, viel einfacher wäre es allerdings, die entsprechenden Lehrer selbst anzusprechen! Viele Lehrer können die ständige Bitte an die Eltern, ihnen Rückmeldung zu geben, nur wiederholen! Traut euch!

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