Frust einer Lehrerin: Kaum einer sieht, dass wir uns anstrengen

Ihr Lieben, die meisten von Euch haben schon wieder ein paar Tage Homeschooling hinter sich – und wir alle haben nach den Ferien noch einige Tage ohne normalen Schulbetrieb vor uns…Für uns Eltern ist das Homeschoolung oft sehr sehr anstrengend. Wie fühlen sich eigentlich die Lehrer in diesen verrückten Zeiten? Unsere Leserin Nora arbeitet an einer Grundschule und hat sich den Frust mal von der Seele geschrieben:

Ich bin erschöpft! 

Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich solche Dinge als Lehrerin nicht sagen darf. Mir ist absolut bewusst, dass wir zu einer privilegierten Berufsgruppe gehören, da wir uns in der Pandemie keine Sorgen um unseren Arbeitsplatz machen müssen. Und ich weiß auch, dass im ersten Lockdown viele Kolleginnen und Kollegen abgetaucht sind und unserem Berufsstand keine Ehre gemacht haben.

ABER ich habe so viele tolle Kolleginnen und Kollegen, die sich für die Kinder einsetzen und die sich bemühen, sich weiterzubilden gerade im Hinblick auf Digitalität. 

Denen das Herz geblutet hat, weil sie wussten, dass die Kinder keinerlei Unterstützung in den Familien bekommen oder die die Kinder einfach vermisst haben und mit dem Auto losgefahren sind, um den Kindern zuzuwinken. Natürlich konnte man den fehlenden Kontakt teilweise auffangen, aber eine Videokonferenz ersetzt das Scherzen im Unterricht nicht. 

Wir werden verantwortlich für die fehlende Digitalisierung gemacht und dafür, nicht genügend vorbereitet zu haben. Seit dem letzten Lockdown allerding bilden wir uns weiter und schreiben Konzepte für Schulschließungen und Distanzunterricht. Wir machen das alles mit unseren eigenen Geräten, denn die Lehrergeräte stehen immer noch aus. Dann kommt es immer auf den Schulträger an, ob er einen Server zur Verfügung stellt, damit überhaupt Onlineangebote möglich sind. Wir haben in den letzten Wochen so gut es ging versucht, die Kinder im Hinblick auf Medien, Server und Umgang mit diesen zu unterweisen. Jetzt könnte man sagen, dass hätte alles schon viel früher passieren müssen, aber viele Schulen haben erst seit Kurzem die Möglichkeit einen Server zu nutzen. Nebenher musste natürlich möglichst viel Stoff geschafft werden, da die Angst vor der Schulschließung umgeht und wir bei der letzten Schulschließung erfahren haben, dass die Kinder im Homeschooling weniger schaffen. Ich bin selbst Mutter von vier Kindern und kann das absolut nachvollziehen. Kinder im Homeschooling ist wirklich eine große Herausforderung.

In diesem Monat haben wir uns bemüht, den Kleinen mit allen Einschränkungen eine schöne Vorweihnachtszeit zu bereiten. Es ist schrecklich, wenn man das Mitsingen verbieten muss und nicht erlauben darf, dass selbstgebackene Kekse verteilt werden. Trotzdem haben wir uns über jeden Tag gefreut, an dem die Kinder kommen durften.

Dann kam der Freitag und wir erfuhren aus der Presse, dass die Präsenzpflicht für die letzte Woche ausgesetzt wurde (NRW). Von manchen Kinder konnte ich mich persönlich gar nicht verabschieden, da der Beschluss am Unterrichtsende noch nicht vorlag. Ich bin in dieser Woche eine Runde gefahren, um zumindest den Adventskalender an alle zu verteilen.

Da ich an einer Grundschule tätig bin, kommt nun noch dazu, dass wir auch die Kleinsten auf eventuelle Schulschließungen nach den Ferien vorbereiten müssen. Es ist traurig sich von den Kindern vor den Ferien zu verabschieden und nicht sagen zu könne, wann man sich live wiedersieht. 

Ich möchte hier wirklich kein Jammerposting schreiben, aber ich wünsche mir, dass gesehen wird, dass wir uns anstrengen.

Und wenn mein Nachbar sagt: „Wenn du Glück hast, hast du ja im Januar schon wieder Extraferien“, dann könnte ich manchmal einfach nur schreien.

Foto: Pixabay

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44 comments

  1. Ich kann diesen Beitrag 100 % nachempfinden. Ich bin auch Lehrerin und Mutter. Und es ist einfach unfassbar schwer zur Zeit.
    Ich habe den Eltern von meinen Schülern aus der Grundschule auch ein paar Tipps gegeben. Auch z.B Lernspiele zu kaufen, um Kindern beim Lernen zu helfen (https://www.hase-und-igel.de/lernspiele/logopaedische_spiele/c-169).
    Habe dafür auch schon positives Feedback bekommen 🙂
    Vielleicht hilft das ja auch dem ein oder anderem!

  2. Da muss ich doch mal widersprechen. Endlos diskutiert wird gar nicht im Lehrerzimmer. Ausgelaugt sind Lehrer grad aus anderen Gründen…
    Auch wenn ich Digitales Lernen wichtig finde und gern durchführe – solange nicht alle Schülerinnen und Schüler ein Endgerät zuhause haben, nützt die beste App etc. nichts.
    Und einige Eltern interessiert es überhaupt nicht, was ihre Kinder für die Schule machen müssen (das ist das andere Extrem). Zufriedenstellend ist die Situation für niemanden!

  3. Liebe Lehrerin,
    dieser Bericht zeigt eins ganz deutlich: Lehrer sind gestresst und ausgelaugt gerade. Das wundert auch niemanden, denn ihr steckt eure Energie in die falschen Dinge, die gegenwärtig nicht relevant sind. Zum Beispiel Konzepte schreiben, stundenlang mit Kollegen diskutieren und nicht zu einem Ergebnis kommen. Wichtig wäre aber: einfach loslegen und machen! Sich nicht lähmen lassen von dem Wunsch, so weiterzumachen wie ohne Pandemie, das ist nicht der Moment. Eine andere Zeit ist angebrochen und ihr habt die Glocken nich gehört. Nicht im Frühling, nicht im Sommer, nicht im Herbst und jetzt im Winter die große Verzweiflung. Ehrlich: wacht endlich auf und hört auf, vom Gestern zu träumen, das wird nicht wiederkommen. Kauft euch ein Ipad, probiert es aus, schaut euch kostenlose Tutorials im Netz an und legt einfach mal los. Dafür braucht es keine Konzepte für die Schublade, den Schuldirektor, die Schulkonferenz. Das war gestern! Heute müsst ihr endlich begreifen, dass ein Weiter so nicht möglich ist, auch wenn ihr euch das so sehr wünscht. Ihr wollt Basteln, Singen und Spielen, geht aber nicht. Jetzt zeigt sich, welche Lehrere den Anschluss an das digitale Zeitalter gefunden haben und welche nicht. Leider die wenigsten. Digitales Lernen ist NICHT schlecht kopierte Arbeitsblätter planlos auf irgendwelche Plattformen hochzuladen und darauf zu warten, dass die Kinder sie ausdrucken, ausfüllen, zurückschicken, das ist es nicht, was gefrat ist. Setzt euch doch selbst mal mit dem digitalen Lernen auseindander, fragt euch, was ist sinnvoll und hört auf, das analaoge Lernen auf digitalem Support anzubieten, Das ist Blösdinn und frisst eure Energie und das der Eltern auch. Lernt erstmal selbt digital, probiert es aus und bekommt ein Gefühl für das, was ihr tut. Hört auf nur auf Weisungen von oben zu warten, auf den Direktor, das Oberschulamt, die KMK, das bringt euch doch kien bisschen weiter. Jetzt heisst es selber denken und handeln! Geredet wurde genug. Lehrer sind unglaublich privilegiert und sehen aber diese Privilegien gar nicht. Ihr könnt Neues lernen und ausprobieren, statt euch in endlosen Diskussionen darüber zu verlieren, wie schade es doch ist, dass die Kinder nicht in der Schule sind. Ja, ist es, nur das Virus interessiert euer Wunschdenken nicht. Und Eltern sind es langsam wiklich leid, immer nur zu hören, warum etwas nicht geht, sie wollen sehen, dass Dinge angepackt werden und auch mal was Unkonventionelles passiert statt das immer gleiche pädagogische Programm von vorgestern.

    1. „Digital native“ sollte eher Traumtänzer heißen. Wer glaubt, dass mit ein paar „i-Pads“ und ein bißchen Experimentieren alles in Butter wäre hat keine Ahnung von Schule und Schülern. Aber Empathie ist halt nicht jedermanns Sache (;

    2. Was du (und auch sonst keiner, der in dem Ding nicht drin ist) sieht: Wann soll ein Lehrer das machen? Das klingt alles so toll…neu denken und Innovation und mach mal…aber das läuft ja alles neben dem täglichen Normalbetrieb und den kriegt ein durchschnittlich engagierter Kollege (Vollzeit) gerade so auf die Reihe. Viel Luft ist da nicht- auch, wenn sich das keiner vorstellen kann.

      Mein Mann (BWLer im Personalmanagement) hat heute eine neue Software auf seinen Computer installiert bekommen, dann hat der IT-ler sie ihm erklärt und er hat angefangen, sich einzuarbeiten. Das tut er natürlich während seiner Arbeitszeit.
      Ein Lehrer muss das zusätzlich machen! Das machen viele auch gerne und interessiert, aber man muss es quasi in seiner Freizeit machen (ich z.B. meist am Wochenende).

      1. Ich denke auch dass es nicht so einfach ist wie es hier dargestellt wird.
        Zum einen kann nicht einfach jeder sein eigenes Süppchen kochen, zum anderen muss sich auch die Zeit hierfür finden.
        Ich war bis vor 2 Jahren auch der Meinung als Lehrer hat man ein lockeres Leben. Morgens recht, mittags frei, dazu wochenlang Ferien… Mein Mann ist inzwischen auch Lehrer, es ist eben nicht nur der Präsenzunterricht den wir Eltern sehen. Ich bekomme meinen Mann nachmittags kaum zu Gesicht. Und auch nicht in allen Ferien. Abends vorm TV korrigiert er Klausuren.

        Ich kann gut nachvollziehen dass Lehrer momentan am Limit sind. Zumal viele sich auch noch um eigene Kinder kümmern müssen, die u.U. im Homeschooling sind.
        In unserer Grundschule, die 3 meiner Kinder besuchen, haben die Lehrkräfte nicht mal in den Pausen 5 Minuten ohne Kinder, da die Klassen nur vom festen Klassenlehrer zu beaufsichtigen sind. Die Belastungen hat man den Lehrern angesehen bei den Elterngesprächen im Dezember. Die finden alles genauso blöd und nervig wie wir und sind teilweise halt auch hilflos und am Ende ihrer Kräfte.
        An unserer Schule wurde was in Sachen Digitalisierung gemacht, finde das aber persönlich gar nicht so toll, da meine Kinder alle kein digitales Endgerät besitzen und dann wieder ich als Mutter dauernd hinrennen muss wenn an meinem IPad irgendwas nicht tut. Für ältere Kinder mag das funktionieren, für Grundschüler naja… Fand das mit den Ausdrucken im Frühjahr praktikabler….

        Und den Kindern aus bildungsfernen Schichten mit häuslichen Problemen bringt das auch nix. Ich finde hier sind eher praktikable Präsenzkonzepte gefragt. Und das entscheidet nicht mal eben ein engagierter Lehrer im Alleingang.

        Ps: Der Lockdown im Frühjahr hat in unserer Familie 2 Erkenntnisse gebracht:
        1. es liegt nicht immer am Lehrer, auch wenn ich das gerne sagen würde
        2. verdammt, meine Kinder wissen jetzt wie dumm ihre Mama in Wirklichkeit ist (ich wusste auf ganz schön viele Fragen adhoc keine Antwort (trotz akademischen Abschluss 😉

    3. Es ist halt so arg nervig, dass alle wissen, was ein Lehrer tut und wie genau Lehrersein geht.
      Das geht mir immer nicht in den Kopf-ich würde mir nie anmaßen, über einen Beruf zu urteilen, den ich nicht ausübe! Bei Lehrern tun das alle und das nervt so. Warum gibt’s denn eigentlich keine Lehrer-Schwemme, wenn das alles so easy ist???

  4. Mein Kind ist erst im Kindergarten, aber ich hoffe, es bekommt so eine Lehrerin wie dich. 🙂 Ich kann alles im Artikel geschriebene gut nachvollziehen und verstehe definitiv, dass es eine sehr herausfordernde Zeit ist. Seitdem ich Kinder habe wünschte ich manchmal, ich hätte auch den Lehrerjob gewählt, weil es manches vereinfachen würde. Aber habe ich ja nicht! Auch aus guten Gründen 😉 und euch allen, die diesen Job gewählt habe, danke ich sehr, wenn Ihr euch so reinhängt und emotional engagiert seid wie die Autorin hier. Und ich gönne euch eure Rahmenbedingungen. Ihr seid fast täglich für unsere Kinder da und daher extrem wichtig für uns alle! Pädagogisches Personal, MA in der Pflege, Ärzte… Ihr seid alle für Menschen da und daher solltet Ihr einfach top Arbeitsbedingungen haben. Schade, dass das noch ein Weg dorthin ist. Und mein Job in der Wirtschaft ist es dadurch insgesamtja nicht weniger wichtig ;-).

  5. Liebe Lehrer,

    statt zu jammern, solltet ihr euer Haupt in Demut beugen: Eure Jobs sind sicher, und eure Einkommen auch. Seid versichert, das gilt nicht für alle Berufsgruppen – deren Vertreter übrigens seit einem Dreivierteljahr ebenfalls am Randes Abgrunds navigieren, mit (erzwungenem) Homeoffice, Homeschooling, Quarantäne, Schulverbot etc. Immer mit der Aussicht darauf, gefeuert oder mit einer Gehaltskürzung konfrontiert zu werden.

    Wahnsinn, wie ihr euch hier aufspielt. Ist doch eine Selbstverständlichkeit, dass man in einer Ausnahmesituation freiwillig über die eigenen Grenzen geht und unbekanntes Terrain betritt. Ganz egal, ob der Arbeitgeber einem im Schulgebäude eine Breitbandverbindung oder das nötige Equipment garantieren kann. Nil satis nisi optimum.

    Gott sei Dank seid ihr nicht in der freien Wirtschaft gelandet – ihr wärt verloren.

    1. „Der Journalist“ traut sich nicht mal seinen Namen mitzuteilen aber kennt sich so richtig aus (; Eigentlich ist dein Kommentar zu unterirdisch, um darauf zu antworten, aber deine „lieben Lehrer“ schlagen sich genauso mit all den erwähnte Dingen rum wie Quarantäne, Homeschooling, blabla wie alle anderen. „Haupt in Demut beugen“ wegen was? Weil man einen riesigen Gesundheitsrisiko ausgesetzt wird weil die Schule ja angeblich so sicher ist? Und was i h nir auch immer denke: wenn der Job so sicher, überbezahlt und mit unendlich viel Urlaub gesegnet ist, wiefo finden sich dann zu weni8, die ihn machen wollen?

      1. Sorry, aber welches „riesige Gesundheitsrisiko“? An den Schulen meiner Kinder hat sich maximal eine Handvoll Menschen mit Corona infiziert, niemand schwerer; gestreut hat es auch nicht. Sogar die Lehrerin eines meiner Kinder hatte sich infiziert: Beeinträchtigungen? Fehlanzeige! Ganz zu schweigen davon, dass nicht nur Lehrer, sondern auch andere Menschen von Berufs wegen unter Leute müssen – Corona hin oder her.
        Ich persönlich hätte mir den Lehrerjob nicht zugetraut, dafür bin ich viel zu perfektionistisch. Aber wenn ich mich zu diesem Beruf bekannt hätte, würde ich auch 100% Vollgas geben, ob gerade Pandemie ist oder nicht. Das hat für dich vielleicht nur anekdotische Relevanz, aber unter all den Lehrern, die ich bisher mit meinen Kindern kennenlernen durfte, hat maximal eine Handvoll diesen Spirit an den Tag gelegt, manche Lehrer haben mich mit ihrem Engagement wirklich beeindruckt – aber viele haben halt nur ihren Stiefel runtergespielt.
        Und falls du das Lehrer-Bashing ungerecht findest: Als Journalist, der seinen Job ernst nimmt und den Reichen und Mächtigen auf die Finger schaut und ab zu auch mal draufklopft, wird man auch nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst, ganz im Gegenteil. Stichwort: Fake News, Drohbriefe, Drohanrufe von Anwälten. Investment und Return stehen dabei in einem kläglichen Verhältnis. Aber schon klar, ihr Lehrer habt den härtesten Job der Welt.

        1. Niemand hat hier behauptet, Lehrer hätten den härtesten Job der Welt! Gar nicht! Wir wollen nur nicht, dass uns immer jeder erzählt, wie easy unser Job wäre und dass wir ja nur Ferien hätten und vor allem, dass jeder Journalist oder Ingenieur genau weiß, wie Lehrersein eigentlich geht und wie man es ganz einfach ganz toll machen könnte!

          Journalisten trinken eine Menge Kaffee, hauen dann was in ihren Computer (ob es stimmt oder nicht ist bei denen immer zweitrangig). Mein Nachbar ist Redakteur bei einer Tageszeitung-der arbeitet ständig mittags im Garten und vor 9 Uhr geht da morgens kein Rollladen hoch…
          Das wäre ungefähr dein Niveau, oder?

        2. Ich muss nicht den Pokal gewinnen für den „härtesten Job der Welt“. Aber ein respektvoller und wertschätzender Umgang wäre trotzdem schön. Was mich so ärgert: es ist ja gar nicht zu sehen für die meisten Leute, was Lehrer so alles machen. Und nur weil sich die Lehrerin beim eigenen Kind zu selten gemeldet hat, meint man, sie als faul herunterwürdigen zu können. Was für eine egozentrische Sichtweise. In jeder Klasse sitzen 20-30 Kinder, jeder Lehrer hat 5-10 Klassen… Und ich gehöre auch zu denen, die sich in der Schule mit Corona infiziert haben. Ich denke, nur Ärzte und medizinisches Personal und Pflegekräfte haben ein ähnlich hohes Risiko.

    2. Wie oben schon gesagt, es haben immer noch nicht alle Schülerinnen und Schüler Endgeräte. Und „einfach“ ist es auch nicht, für alle Schülerinnen und Schüler Computer oder Ähnliches zu erhalten – für Grundschulkinder fände ich es auch zu früh (abgesehen vielleicht von Klasse 4).
      Berufe miteinander zu vergleichen ist albern (wie Äpfel und Birnen zu vergleichen). Viele aus der freien Wirtschaft würden als Lehrer gnadenlos versagen. Da ich selbst Quereinsteigerin bin, kenne ich beide Seiten…

      1. Hallo Franzi,
        ich erwarte nicht, dass sich jede Woche jeder Fachlehrer bei meinen Kindern meldet. Was ich aber erwarte, ist, dass sich die Klassenleitung meldet und da sie in der Regel nur eine Klasse hat, wäre das sicher zu schaffen….Leider passiert jedoch auch das nicht. Bei beiden Kindern.

  6. Liebe Nora,

    ich weiß nicht, ob du da etwas in den falschen Hals bekommen hast oder ob die Stimmung in eurer Gegend anders ist als hier bei uns. Ich wohne in einer sehr ländlichen Gegend im Süden Deutschlands. Digitalisierung ist hier eher nicht der Fall. Das lasten wir aber auch nicht unseren wundervollen (ja wirklich!) Lehrkräften an sondern den Politikern, speziell den unmotivierten Kultusministern. Sie haben dieses Thema verschlafen und behalten dieses Verhalten auch beim Thema Corona bei.
    Das einzige, was mich diese Jahr nervt, wenn ich das Wort „Lehrer“ höre, ist euer Verband. Keine andere Gruppe wird so sehr als „Jammerlappen“ dargestellt wie ihr Lehrer. Dagegen würde ich mich wehren. Von unseren Lehrerfreunden weiß ich nämlich, dass die Lehrer, die so übertrieben ängstlich sind, wie der Verband es darstellt, in der absoluten Minderheit sind. Viele sind froh, wenn sie zwischendrin arbeiten dürfen. Der Verband stellt es so dar als ob die Lehrer das gar nicht wollen würden. Das macht natürlich kein gutes Bild in der Öffentlichkeit.
    Persönlich kann ich folgendes sagen: Mein Kind liebt seine Lehrerin und wir Eltern haben uns selbstverständlich mit einem kleinen Geschenk zu Weihnachten bedankt. Der Kontakt ist herzlich und ich habe den Eindruck, dass sie wahnsinnig engagiert und motiviert ist.

  7. Ja, es gibt glücklicherweise engagierte Lehrer*innen. Die scheinen mir aber die absolute Minderheit.
    Das Argument mit der fehlenden digitalen Kompetenz kann ich nicht nachvollziehen. Ich arbeite an einer Universität. Hier werden die Lehrenden weder in Pädagogik noch in Technik ausgebildet/geschult. Und wir bekommen es trotzdem hin. Und unsere Studierenden und Bibliotheken auch.
    Dann die Sache mit dem WLAN an Schulen. Was bitte hat das WLAN in der Schule mit dem Fernunterricht zu tun? Weder die Schüler*innen noch die Lehrer*innen sind doch in der Schule, wenn die zu ist. Nochmal die Analogie zur Uni: uns zahlt/richtet auch niemand eine Internetverbindung zuhause ein. Wir haben sogar Lehrbeauftragte, die nichtmal ordentlich dafür bezahlt werden zu unterrichten, egal ob in Präsenz oder digital.
    Wir haben das in der Krise an den meisten Universitäten prima hinbekommen.
    Mein Sohn (jetzt 2. Klasse) hat im November einen Zettel zu evlt. anstehendem Fernunterricht bekommen. Darauf wurden uns die schon für die Schüler*innen angelegten Accounts mitgeteilt. Im Dezember gab’s dann einen weiteren Zettel: ähm, die Eltern hätten dem erst zustimmen müssen und überhaupt ginge das nur, wenn Klassen geschlossen teilnehmen würden. Das leuchtet mir durchaus ein, aber wieso haben sie nicht erst gefragt und dann angelegt. Und wieso erst so spät und nicht nach den Oster- oder spätestens Sommerferien. Wo doch angeblich alle im Sommer so hart daran gearbeitet, vorbereitet auf Schließungen zu sein.
    Auch die generellen Versäumnisse, ja das Ignorieren, von Datenschutz an Schulen finde ich bedenklich. Ich dachte, der öffentliche Dienst müsste sich an Gesetze halten?!
    Die Klassenlehrerin, die mein Sohn in der 1. Klasse (!!!) hatte, hat sich während der Schließung im Frühjahr nicht einmal nach dem Wohlergehen der Kinder erkundigt und nichtmal die abgearbeiteten Aufgaben auch nur angesehen, geschweige denn irgendeine Rückmeldung dazu gegeben. Wie kann es sein, dass sie mit Pädagogik-Studium nicht weiß, was das bei den Kindern anrichtet? Wieso gab es keine Mindeststandards von der Schule oder Schulbehörde? Und wieso gibt es die jetzt immer noch nicht? Was macht ihr die ganze Zeit? Ihr sagt immer, ihr seid so beschäftigt, aber davon merkt man gar nichts.

    1. Hallo A,
      woher willst Du wissen, dass engagierte Lehrerinnen in der Minderheit sind, hast Du eine repräsentative Umfrage gestartet? Vielmehr kommt es mir so vor, als ob Du Deine schlechte Erfahrung mit einer (!) Lehrerin Deines Sohnes verallgemeinerst. Da würde ich mir von einer Wissenschaftlerin mehr Reflexionsvermögen wünschen. Du arbeitest an der Uni, mit Studenten, das heißt relativ vernünftigen, erwachsenen Menschen. Und brüstet Dich, das gut hinzubekommen, das macht mich echt sauer und ich denke mir: komm mal von Deinem hohen Ross runter (oder aus dem Elfenbeinturm raus). Meines Wissens findet an den Unis kaum noch was im Präsenzmodus statt. Klar werden die Studenten vernünftig mitarbeiten. Aber das ist doch nicht mit den Schulen vergleichbar! Wo wir Spagat schaffen müssen zwischen homeschooling und Präsenzunterricht. Wahnsinnig viel mit Eltern kommunizieren. Und wo viele Schüler einfach nichts tun und keinerlei Unterstützung im Elternhaus haben. Was nützen die tollsten digitalen Bildungsangebote, wenn die Schüler sie nicht nutzen? Meine Erfahrung: ein Drittel der Schüler arbeitet gut, ein Drittel muss ich ständig motivieren und hinterherlaufen, ein Drittel taucht ab und ist nicht mehr erreichbar. Ich arbeite aber auch nicht mit schlauen Studenten sondern mit schwachen Schülern. Vielleicht solltest Du lieber dankbar sein für Deine privilegierte Situation , als andere, von deren Arbeit Du nicht viel weißt, verallgemeinernd abzuwerten.

    2. Was mich da immer interessiert ist, ob die Lehrerin angerufen wurde – das hätte ich nach spätestens 2 Wochen gemacht. Keine Rückmeldung zu erhalten finde ich aber auch seltsam.

      Ich habe als Lehrerin häufig erlebt bzw. erlebe es auch jetzt wieder, dass sich einige (viele) Schüler und ihre Eltern nicht dafür interessieren, welche Aufgaben erledigt werden sollen. Es handelt sich hier aber um SEK 1. Eine persönliche Rückmeldung hat jede/r Schüler/in von mir erhalten, auch wenn es pro Klasse mindestens 30 min dauert.

      Uni mit Schule zu vergleichen ist etwas schwierig. Die „Schüler“ sind deutlich älter und auch in der Lage, digitale Vorlesungen zu hören. Zumal die Datenschutzbestimmungen an der Uni ganz anders sind.

  8. @Nele:
    Was meinst Du, wann Lehrer ihren Unterricht vorbereiten, v.a. aber die zahlreichen Klassenarbeiten korrigieren? Schon einmal darüber nachgedacht, warum so viele Arbeiten zum Leid der Schüler unmittelbar vor den Ferien geschrieben werden?
    Mir ist sehr bewusst, dass wir Lehrer in vielen Dingen privilegiert sind, allein dadurch, dass unsere Arbeitsplätze i.d.R. sicher sind. Tatsächlich arbeiten viele von uns die Ferien durch. Dass das nicht gesehen wird, geschenkt, aber warum meinst Du, beurteilen zu können, wie viel oder wenig wir arbeiten? Ich ziehe den Hut vor allen, die sich um Kranke und Pflegebedürftige kümmern, meine aber auch, dass meine Tätigkeit Respekt verdient.

  9. Ich glaube, bei den Lehrern ist es wie mit allen Menschen. Es gibt ganz tolle und engagierte Lehrer und Lehrerinnen, aber eben auch welche, die nur das nötigste tun. Wir haben auch das Glück, eine super tolle, engagierte und liebevolle Lehrerin zu haben. Wir wurden bereits am Sonntag Abend mit einer ganz liebevollen Mail über die nächsten Tage informiert. Aber von Freunden weiß ich eben auch, dass es an der gleichen Schule auch andere Lehrerinnen gibt. Die sich zum Beispiel für die letzten drei Tage überhaupt keine Mühe mehr gegeben haben und auch die Kinder nicht ordentlich verabschiedet haben. Um nur zwei Beispiele zu nennen. Aber immer wieder schön, auch von positiven Beispielen zu lesen. Allen – Eltern, Lehrer, Kinder – für die nächsten Tage, Wochen und Monate viel Kraft. Frohe Weihnachten!

  10. Ich verstehe dich so gut. Bin selbst auch Lehrerin. Es ist einfach ein Spagat. Einige Schüler sind in der Schule, andere muss man aus der Ferne beschulen. Zum eigentlichen Kerngeschäft, dem Unterricht, kommt man wegen dem vielen Drumherum kaum noch. Und ich habe doch auch eigene Kinder im homeschooling zuhause!!Und das Schlimmste für mich persönlich: ich bin selbst in der Schule mit Corona infiziert worden, hatte keine anderen Kontakte. Das müssen sich die Leute, die Schule und Kita geöffnet wollen, auch mal bewusst machen, welcher Gefahr Lehrer ausgesetzt sind. Ich selbst war da eher unängstlich, aber nach 4 Wochen bin ich immer noch nicht komplett wieder hergestellt, das macht natürlich Angst dass Langzeitfolgen bleiben. Über aber steht heute in der Zeitung, dass ein junger Lehrer an Corona gestorben ist, der sich wahrscheinlich in der Schule angesteckt hat.

      1. Hi, leider gibt es gar keine repräsentativen Umfrageergebnisse. Weder dazu, wieviel Lehrer in ihrer Homeoffice-Zeit tatsächlich arbeiten, noch dazu wie engagiert, motiviert oder qualifiziert sie sind. Die Verlierer der derzeitigen Krise sind die Kinder und Jugendlichen, von denen erwartet wird, den Stoff auch ohne pädagogische Vermittlung drauf zu haben. Und das wird für sehr viele sicher nicht machbar sein…..

  11. Liebe Nora,
    es ist schön zu lesen, dass du dich anstrengst und ich habe eine Freundin, die ist ebenfalls aktive Grundschullehrerin und ich freue mich für deren Schüler, denn auch sie gibt alles. Solche Lehrer gibt es, auf jeden Fall. Zum Glück gibt es sie.
    Aber es gibt eben leider auch andere Lehrer. Leider auch nicht gerade wenige. Und wenn ich schaue, was an der weiterführenden Schule meines Kindes los ist, muss ich leider sagen… es gibt zumindest dort fast nur Lehrer, die sich nicht anstrengen. Mein Kind ist gesundheitsbedingt seit Ende Oktober im Homeschooling und von der Schule kam bisher nichts als Aufgaben, Abgabetermine und Forderungen. Keine Nachfrage, wie das Kind mit dem Stoff klar kommt, den es sich ja selbst erarbeiten muss, was es ohne meine Hilfe nie könnte. Zu den Klassenarbeitsterminen kommt das Kind in die Schule, schreibt gute bis ordentliche Arbeiten, das ist anscheinend normal. Da gibt es auch kein Lob, nicht mal für eine 1.
    Keine Nachfrage, wie es dem Kind so isoliert geht, beim Wichteln wurde es automatisch ausgeschlossen, denn „die Kinder möchten ja sehen, wie das beschenkte Kind reagiert“, also kann das kranke Kind nicht mitmachen, so die Antwort der Klassenleitung als ich anmerkte, dass mein Kind traurig ist, dass es nichts Schönes mehr mit der Schule hat, sondern nur Aufgaben und Klassenarbeiten.
    Ich würde so sagen: Es gibt tolle Lehrer, die sich bemühen und sicher auch viele Menschen, die das würdigen. Und es gibt faule Lehrer, die sich überhaupt nicht bemühen, das sehen Eltern natürlich auch. Es gibt nicht nur faule Lehrer und nicht nur undankbare Eltern und Schüler, zum Glück nicht! Hör nicht auf, dich für deine Schüler zu engagieren ,sie sind dir mit Sicherheit dankbar!

  12. Danke für den Text! So ist es. Ich bin zwar Gym-LK und nur in Teilzeit – aber ich sehe, wie sich Alle bemühen. An unsere Schule gibt es allerdings noch nicht einmal WLAN, ich kann also gar nicht von dort einen ordentlichen „digitalen Distanzunterricht“ oder wie man es auch immer bezeichnet, machen. Traurig! Aber die LuL sind größtenteils an jeder Schulform bemüht, das Beste für die SuS zu machen. Alles Liebe an alle Kolleginnen und Kollegen! Bene eveniat!

    1. Ich schließe mich als Grundschullehrerin und Mutter an. Dieser Doppeldruck ist hart. Ohne Mucken werden wir in die Notbetreuung gesetzt. Was mit unseren eigenen Kindern ist, scheint egal. Notbetreuung steht mir nur zu, wenn ich selbst notbetreue. Da hatte ich mitunter die Situation, dass ich genauso viele Kinder notbetreue, wie ich selbst an anderen Stellen in die Notbetreuungen geben musste. Eltern werden rücksichtslos eingesetzt.
      Während wir hingegen kein Recht auf Notbetreuung haben, während wir Fernunterricht, möglichst bitte digital mit eigener Ausstattung, vorbereiten und abhalten. Und während dessen sollen wir natürlich permanent für die Schulleitung erreichbar sein. Von der Ansteckungsgefahr, der wir ausgesetzt werden, fange ich gar nicht erst an.

      Liebes deutsches Bildungs- und Gesundheitssystem, wie war das mit dem LehrerInnenmangel? Knapp 30 Dienstjahre stehen vor mir. Ich bin hochqualifiziert und berufserfahren und liebe meinen Beruf (eigentlich). Wenn ich in mein Kollegium und Freundeskreis schaue, bin ich damit eine von vielen. Vielleicht lohnt es sich für die Mütter und Väter in dieser mindestens doppelten Druck- und Belastungssituation schon mal die richtigen Reha-Konzepte zu entwickeln, damit wir wieder zu Kräften kommen können? Oder gibt es andere Vorschläge? Ich warte gespannt.

      1. Liebe Frau Bee,
        der von dir angesprochene Doppeldruck gilt aber für alle Arbeitnehmer mit Kindern, das ist kein Alleinstellungsmerkmal der Lehrer.
        Notbetreuung steht meines Wissens nur dem zu, der systemrelevant arbeitet, außer Haus, also wenn du in der Notbetreuung eingesetzt bist .Wer im Homeoffice ist, egal in welchem Beruf, hat kein Recht auf Notbetreuung.
        Natürlich ist das paradox, weil man nicht arbeiten und Kinder betreuen gleichzeitig kann, aber das gilt für alle, egal ob Sacharbeiter, Lehrer, Ingenineur usw.

      2. Oh ja, ich schließe mich an: Bitte vergrößert schon mal die Kapazitäten in Mutter- Kind- Kurheimen, sobald ich und die Kinder geimpft sind, werde ich eine Mutter- Kind- Kur beantragen, ich hoffe nur, ich halte so lange noch durch!

    2. Aus deiner eigenen subjektiven Sicht mag das traurig sein. Nur ist dein Kind nicht das einzige Kind, welches derzeit Zuhause bleibt. Gleichzeitig läuft der „normale“ Schulbetrieb weiter. Es müssen ständig neue Konzepte überlegt werden und neue Erlasse des Schulministeriums auf die Schnelle umgesetzt werden sowie erkrankte Kollegen vertreten werden. Wann also sollte denn die persönliche Betreuung für dein Kind durch die Lehrer stattfinden? Richtig, ginge nur nach der Arbeit, ab 16 Uhr wo Unterricht vorbereitet wird, Klassenarbeiten korrigiert werden und, wer hätte es gedacht, die eigenen Kinder vielleicht ja auch noch da sind.
      Ich finde übrigens Nora hat es sogar noch recht harmlos beschrieben. Die Zustände der technischen Ausstattung und deren Bereitstellung wäre in keinem wirtschaftlichen Betrieb auch nur annähernd denkbar. Lehrer benutzen ihre privaten Geräte, wenn sie irgendetwas digital machen möchten. Gleichzeitig dürfen keine schülerrelevanten Daten darauf sein, der Dienstherr (Land) fordert Lehrer dazu auf, private Rechner mit Virenschutzprogrammen und Passwörtern auszustatten und es muss sichergestellt werden, dass keiner diesen Rechner benutzt. Private Rechner, keine vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten. Die Digitalisierung an Schulen ist reine Glückssache. Man muss das Glück haben, Kollegen in der Schule zu haben, die in ihrer Freizeit Konzepte erstellen und als Medienansprechpartner fungieren. Man muss Glück haben, einen Schulträger zu haben, der diese Konzepte mitträgt und die Schulen unterstützt. Man muss Glück haben, dass es beim Schulträger fähiges und ausreichendes Personal für die Betreuung der digitalen Infrastruktur gibt. Man muss Glück haben, dass es ein vorhandenes, leistungsfähiges Breitband gibt. Und man muss das Glück haben, dass sowohl Lehrer als auch Schüler mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden.
      Meist sieht es aber so aus: keiner der Lehrer weiß, wie digitaler Unterricht geht, ist nämlich nicht Bestandteil der Ausbildung gewesen und Fortbildungen gibt es wenige dazu bzw. das Fortbildungsbudget der Schulen ist lächerlich gering. Der Schulträger hat weder fähige noch ausreichende Leute für den Support, Schulen dürfen nichts selber machen. Den Schulträger interessiert das eingereichte Konzept meist nicht besonders und es wird etwas anderes angeschafft als das von den Schulen gewünscht. Und es dauert… von der Nachricht „ihr bekommt WLAN“ bis zu einem funktionierenden WLAN sind bei uns 1,5 Jahre vergangen.
      Es ist leicht den Lehrern immer die Schuld zu geben, jeder meint Experte zu sein und genau zu wissen wie Schule so geht. Es war ja schließlich jeder mal Schüler… aber die Wahrheit ist etwas komplexer und nicht ganz so einfach wie es Eltern manchmal gerne hätten. Aber Schule ist kein autonom handelnder Betrieb und kann selber entscheiden. Natürlich gibt es auch Lehrer, die nicht unbedingt an ihrer Leistungsgrenze arbeiten, so wie in jedem anderen Beruf auch.

      1. Liebe Don Schlau,
        ganz zufällig bin ich selbst Lehrerin und habe zudem sehr lange in der Lehrerbildung gearbeitet, ich denke, ich kann die Komplexität der Materie ganz gut erfassen, obwohl ich Mutter bin.
        Theoretisch wäre die Schule verpflichtet, dem Kind online-Unterricht zu ermöglichen, denn man kann nicht erwarten, dass jedes Kind in der Unterstufe sich den Stoff über Monate in allen Fächern selbst erarbeitet. Mein Kind wäre hoffnungslos verloren, wenn ich ihm nicht helfen könnte, denn online-Unterricht findet aus Kapazitätsgründen nicht statt. Ein anderes Mädchen ist ebenfalls zu Hause, da können die Eltern nicht persönlich helfen und engagieren Nachhilfe für viel Geld, weil das Kind alleine nicht klar kommt.

        Aber davon sprach ich noch nicht mal. Ich dachte an eine Mail ab und zu, einmal im Monat mit einem „wie geht es dir?“ oder „deine Aufgaben waren gut (oder vielleicht auch nicht)“. Oder ein Anruf, einmal im Monat von der Klassenlehrerin. Ich dachte an Rückmeldungen zu den Aufgaben, die man nicht einfach Tag für Tag in eine große schweigende Leere hochlädt. Ich weiß, dass die Aufgaben gut sind, ich kontrolliere sie, es kommt aber keine Rückmeldung. Und wenn das die Hauptfachlehrer einmal im Monat machen würden, wäre das nun wirklich keine Überforderung und das Kind wäre nicht ganz so vom Schulleben abgeschnitten. Und doch, das könnte man bei allen Anforderungen an die Lehrer schon leisten, denn auf der anderen Seite sitzt ein ihnen anvertrauerter Schüler, ein isolierter, junger Mensch, der sich über jede Nachricht freuen würde.

      2. Was ist so schlimm daran, private Geräte für den Job zu nutzen? Das mache ich auch schon lange, ob Smartphone oder Rechner.

        Und was die digitalen Kompetenzen angeht: Mir hat auch niemand beigebracht, wie digitales Arbeiten geht (weder in der Ausbildung noch hinterher im Job) – so was bringt man sich en passant halt selbst bei. Oder man ist falsch in seinem Beruf.

        Und das mit den Überstunden: Nach dem ersten Lockdown habe ich mich unverhofft in zusätzlichen Abendschichten und Wochenddiensten wiedergefunden. Und warum der ganze Aufriss? Ach ja, stimmt: Weil ich einen Beitrag dazu leisten wollte, die Existenz der Firma, für die ich arbeite, zu sichern – und meinen eigenen Job bei dieser Gelegenheit auch.

        Sorry, aber mit Ihren Ausführungen haben Sie das vorherrschende Bild vom saturierten Lehrer nicht gerade widerlegt. Meine Erfahrungen als Elternsprecher auf dem Gymnasium und Vater dreier schulpflichtiger Kinder sprechen da leider auch keine andere Sprache. Klar, es gibt solche und solche. Aber die meisten Lehrer, auf die ich in all den Jahren getroffen bin, machen maximal Dienst nach Vorschrift. Sie behaupten natürlich stets das Gegenteil – doch wenn Lehrer an ihren Leistungen gemessen werden, geben sie keine gute Figur ab.

        1. Falls der Kommentar an mich gerichtet war: Weil Lehrern nicht erlaubt ist, private Geräte zu nutzen (oder man beantragt die Nutzung, geht aber nicht in jedem Bundesland).

          Sicherlich muss sich jede/r selbst fortbilden. Nützt aber alles nichts, wenn manche Schüler weder Internet noch PC haben (das müsste schnellstmöglich geändert werden). Informatik-Unterricht für alle Schulformen wäre auch hilfreich. Es nützt der am besten ausgebildete/ fortgebildete Lehrer und das beste Tool nichts, wenn Schüler nicht mal wissen, wie ein PC funktioniert. Und damit meine ich Jugendliche! Die Folge: ich übe in meinen Fächern zumindest einige Grundlagen. Und klar haben viele Schüler ein Smartphone (aber kaum Guthaben).
          Wie Schüler mit Computern umgehen können, hängt natürlich auch wieder von der Schulform und dem Bundesland ab bzw. ob es genügend PCs an den Schulen gibt (falls es Zuhause für sie keine Möglichkeiten gibt). Eine einheitliche Plattform für ganz Deutschland wäre auch wünschenswert.

          Na ja, es gibt wohl überall solche und solche Mitarbeiter. Vielleicht denken einige, die Dienst nach Vorschrift machen, auch mehr an ihre Gesundheit?

          1. Hallo Fanny,

            ich kenne kein einziges Kind, das „weder Internet noch PC“ hat – ganz im Gegenteil: Kinder aus bildungsfernen Familien sind meist am besten mit Endgeräten jedweder Couleur ausgestattet. In meinen Kreisen verfügt auch jedes (Grundschul-)Kind über mindestens ein internetfähiges Endgerät. Plus PC, Laptop, Tablet, Smartphones etc. der Eltern. Und den Umgang mit dem PC et al. muss man Digital und Mobile Natives meistens auch nicht mehr groß beibringen. Mal ganz abgesehen davon, dass die Nutzung von Teams und so nun wirklich keine Raketenwissenschaft ist.

            Was die Nutzung privater Geräte zu Unterrichtszwecken angeht: Wo steht denn geschrieben, dass das Lehrern verboten ist? Und wenn es irgendwo geschrieben stünde: Wer wollte kontrollieren, ob du dich an dieses Verbot hältst? Ganz zu schweigen davon, dass ich meinen eigenen Rechner automatisch benutzen würde, wenn es sonst keine Möglichkeit gäbe, meinen Job (gut) zu machen.

            Das ist ein Punkt, den ich generell nicht kapiere: Lehrer und Schulleiter sind ganz groß darin, einem wortreich tausend Gründe aufzuzählen, warum digitaler Unterricht leider noch nicht funktionieren kann. Und das tun sie jetzt schon seit einem Dreivierteljahr. Nur um tragfähige Lösungen sind sie leider meist verlegen. Sie haben ja ihr Möglichstes getan und ihr Soll erfüllt. Ist ja nicht ihr Problem, wenn de facto ausgefallener Unterricht am Ende den Schülern und deren Eltern auf die Füße fällt.

            In meiner Welt denkt man in (möglichen) Lösungen. In deiner fuchteln Lehrer immerzu mit Scheinargumenten herum, warum sie lieber auf Zeit spielen (aber bitte wegen der ach-so-großen Gesundheitsgefahr bis auf Weiteres nicht mehr in die Schule beordert werden wollen): keine anständige WLAN-Verbindung und ausreichend Hardware im Schulgebäude und in den Kinderzimmern der Schülern, Datenschutz, keine Ausbildung in puncto digitaler Unterricht… So langsam bin ich die Ausreden leid.

        2. Lieber Journalist,
          ich hoffe, du argumentierst in deinen Texten für deine Zeitung (oder was auch immer) besser, informierter und generell intelligenter. Sonst gibst du nämlich – wenn Journalisten an ihren Leistungen gemessen werden- keine gute Figur ab.
          Weißt du, wie lange es dauert, einen Antrag auf LRS- Förderung für das Landratsamt für EINEN Schüler zu schreiben? Weißt du, wie lange es dauert für einen Kinderpsychologen, ein Gutachten zu schreiben bzw. deren Fragebögen auszufüllen? Wusstest du, dass man ohne Schwierigkeiten mal am Nachmittag 30-45 Minuten Telefonate mit der zuständigen Familienhilfe, Psychologin, Dolmetscherin, Lerntherapeutin etc. hat (für EINEN Schüler). Oder einen Runden Tisch mit Jugendamt, Schulleiter, Eltern etc. ? Und ich bin nicht mal an einer Brennpunktschule…Oder, dass man zwei neue Schränke für’s Klassenzimmer bekommt und die selber zusammenbauen muss? Oder wie viel Zeit es in Anspruch nimmt, ein (Grundschul-)klassenzimmer aufzubereiten und einigermaßen organisiert zu halten?
          Das ist einfach Teil des Berufs, den kriegt man von außen gar nicht mit. Macht auch nix! Aber deshalb wirft man nicht mit peinlichen „Ich -kenn-mich-aus-,weil-ich-hab-drei-Schulkinder“_-Argumenten um sich.
          Ich bin supergerne Lehrerin. Es ist ein toller Beruf, der Vor-und Nachteile hat. WIE ALLE BERUFE! Auch der des Journalisten.

          1. 1. Ich möchte nicht geduzt werden.
            2. Mag sein dass es in der Wirtschaft etc schneller geht, aber an Schulen gibt es Vorgaben/ Richtlinien, an die sich Lehrer nun mal halten müssen.
            3. Ideen haben Lehrer auch, es muss aber nun mal von „oben“ abgesegnet werden.
            4.?Eigentlich wundert es mich, wie „gut“ informiert manche Schreiber in den Foren sind. An meiner Schule haben bei weitem nicht alle Schüler*innen einen PC oder Internet. Kann natürlich auch regional sehr unterschiedlich sein.
            5. Und noch erstaunlicher finde ich es, wenn völlig fadenscheinige Rückschlüsse gezogen werden.
            6. Manchmal hilft es, im Internet zu bestimmten Dingen zu recherchieren (Datenschutz in Schulen, Benutzung von bestimmten Tools in Schulen, fehlende Ausstattung der Schüler usw.). Da gibt es einige sehr gute Seiten.
            7. In meinem Bundesland darf ich meine privaten PCs auf Antrag für die Schule benutzen. Was ich selbstverständlich mache.
            8. Auf Zeit spiele ich sicherlich nicht. Dazu sind mir meine Schüler*innen zu wichtig. Ich sehe sie auch lieber persönlich (Risiko hin oder her), als sie digital betreuen zu müssen.
            9. Mein Kind (Grundschule) würde ich z.B. gar nicht digital unterrichten lassen (weil ich es viel zu früh finde).
            10. Mein Kommentar bezieht sich auf „Der Journalist“. Ich stimme Katja aber in allen Punkten zu! Ein Praktikum würde ich ihm vielleicht noch empfehlen. Dann sind die Berichte aus 1. Hand!

          2. 11. Hm wenn alle Kinder angeblich so gut im Umgang mit Medien und PCs sind, dann frage ich mich, warum meine Schüler das nicht können? Ach ja. Stimmt, sie haben ja keinen PC zuhause! Ich kann wie gesagt auch programmieren… Ein sicherer Umgang der Schüler*innen mit den gängigsten Programmen würde mir schon reichen.

          3. Hallo Journalist,

            nur weil man „in seinen Kreisen“ ein paar Kinder kennt, heißt das nicht, dass man sich auskennt. Nur weil ich ein paar Leute kenne, die Krebs haben darf ich mich noch lange nicht Onkologe nennen. Es scheint auch nicht so, als ob Dich interessiert, was die Leute, die hier schreiben und Ahnung haben sagen. Du greifst Dir Punkte raus und verbeißt Dich darein, bloß um zu dissen. Ich kann dazu nur sagen, ich mache digitalen Unterricht, ich stelle Angebote für die Schüler bereit, ich tue was ich kann. Aber die meisten Schüler arbeiten einfach nicht ohne direkte Instruktionen. sprich allein zuhause, sie tun einfach nichts oder sehr wenig. Eine Video-Konferenz nutzt auch nichts, wenn sich die Mehrheit nicht zuschaltet. Und ich habe keine Handhabe, weil ich Noten für den Distanzunterricht nicht geben darf. Und was ist jetzt Deine schlaue Lösung für mich?

  13. Vielen Dank für deinen Text, du klingt nach einer tollen, engagierten Lehrerin. Mein Sohn hat das Glück auch eine wunderbare Lehrerin zu haben, der man den Kummer die Kinder nicht mehr in der Präsenz zu haben deutlich ansah. Mein Mann ist auch Lehrer und ich weiß wieviel von Lehrern im Moment verlangt wird und wie wenig sie dabei vom Staat unterstützt werden. Die Kritik von außen kommt noch dazu (Eltern, Presse, Politik). Genieß die wohlverdienten (!) Ferien!

    1. Die besten Erholungschancen haben generell Lehrer, ich rechne mal grob zusammen: 6 Wochen im Sommer, 2 Wochen Weihnachtsferien, 2 Wochen Osterferien, min. 3 weitere Wochen auf Herbst- und Winterferien verteilt. Wochenenden sind natürlich auch immer frei, und Schichtarbeit gibt es auch nicht, insgesamt also viel freie Zeit zum Erholen. Ja euer Job ist stressig, unsere aber auch. Ich bin um 7 aus der 4. Nachtschicht gekommen und habe die halbe Zeit in Schutzausrüstung bei Covid-Patienten verbracht.
      Das die Digitalisierung verschlafen/ ignoriert wurde liegt an Politik und den Behörden der einzelnen Länder, dafür können Lehrer nichts. Aber das Gejammer das sie so ein großes Ansteckungsrisiko und so viel extra Stress haben nervt tierisch!

      1. Hallo Nele, die einen gegen die anderen ausspielen bringt nicht weiter. Ich fange jetzt nicht damit an, dass unterrichtsfreie Zeit nicht dasselbe wie Ferien sind und Lehrer auch am Wochenende arbeiten (oder was meinst Du, wann Korrekturen und Vorbereitungen gemacht werden). Aber diese Art: ich hab auch Stress, sollen die anderen mal die Klappe halten, ist so destruktiv und wenig wertschätzend. Finde ich echt schade.

        1. Mmmh, Nele… du machst es dir zu einfach bzw. scheinst keinen wirklichen Einblick in den Arbeitsalltag eines Lehrers zu Hahnemann. Ich lade dich gerne mal ein, einige Zeit hier in meiner Familie zu verbringen: hier stapeln sich für die Weihnachtsferien noch 4 klassensätze Klassenarbeiten- darunter Oberstufe. Osterferien- fast jedes Jahr dazu da die mündlichen Abiturprüfungen vorzubereiten. Freie Wochenenden- ich lache mal ganz laut…. gab es in den letzten Monaten selten… Vorbereitungen/Korrekturen etc.
          Natürlich gibt es auch Berufe die durch Schichtarbeit etc. körperlich anstrengender sind! Aber diese Verallgemeinerung bezüglich der freien Zeit von Lehrern finde ich unangemessen- insbesondere ohne einen wirklichen Einblick zu haben.

      2. Da machst du es dir aber leicht! Mal zum selber rechnen: 5 Korrekturen (5 verschiedene Klassen in einem Hauptfach) mal jeweils 4-6 Klassenarbeiten im Schuljahr (abhängig der Jahrgangsstufen mit unterschiedlichem Umfang) macht schon mal 20 – 30 Klassenarbeiten a 28 Stück. Pro Klassenarbeit (in Abhängigkeit von Jahrgang und Fach) etwa 20 Minuten Korrektur. Viel Spaß beim rechnen. Soviel zu unseren freien Wochenenden und 12 Wochen Urlaub. Dazu kommen Unterrichtsvorbereitung, Bürokratie, Konferenzen, Elternabende und -sprechtage, Fortbildungen usw. alles nach Schulschluss, der in meinem Fall um 15:30 ist. Ach ja und dann gibt es da noch Eltern, die meinen Lehrer kann man auch abends noch anrufen und persönliche Beratung bekommen.
        Ich glaube übrigens kaum dass es derzeit viele Berufe gibt, in denen man 6 x am Tag mit jeweils 30 Menschen in einem Raum ist. Es würde mir allerdings auch nicht einfallen über andere Berufe zu urteilen, wenn ich mich nicht wirklich auskennen würde… Schutzmasken bekommen wir übrigens nicht vom Arbeitgeber, Stichwort „Arbeitsschutzgesetz“.

  14. Liebe Nora,

    ich bin auch Lehrerin und kann dir nur zustimmen. Es ist aktuell frustrierend! Halte durch! Es gibt auch irgendwann wieder eine Schule ohne Corona, dafür mit ergänzenden Lernplattformen und guter technischer Ausstattung in den Schulen. Corona ist vielleicht auch eine Chance für die Bildung in Deutschland, wer weiß…

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