Alleinerziehend: Die Sommerferien sind eine gigantische Organisationsaufgabe

Liebe Antonia, du bist alleinerziehende Mama von zwei Kindern und voll berufstätig. Beschreib mal in ein paar Sätzen, wie Ihr das Homeschooling-Jahr überstanden habt...

Das Kindergartenkind hat 2021 zu 100% die Notbetreuung in Anspruch genommen. Mir steckte die Erfahrung aus dem Vorjahr mit Kiga-Kind und Schulkind zuhause noch in den Knochen, als es wieder in den Lockdown ging. Uns war schnell klar, dass wir das so nicht nochmal schaffen. Der Kindergarten hatte ein tolles Hygiene-Konzept und ich hatte zu keinem Zeitpunkt Bedenken oder ein schlechtes Gewissen.

Mein Sohn (4. Klasse) war lange ganz zu Hause, dann gab es Wechselunterricht und zum Ende nochmal Präsenzunterricht. Zunächst halt die Maskenpflicht sowohl während der sechs Stunden Schule und in der Pause – das wollte ich ihm nicht zumuten. Als das dann etwas gelockert wurde, ist er wieder zum Unterricht.

Dass die Kinder dann wieder in die Schule und in die Kita konnten, war eine riesengroße Erleichterung. Mein Sohn hatte mehrmals zu mir gesagt: „Mama, du bist wirklich die schlechteste Lehrerin der Welt.“

Ich selbst war die ganze Zeit im Homeoffice, dank meines sehr flexiblen Arbeitgebers. Von den Kollegen gab es zunächst doch etwas Bedenken, denn ich bin die einzige Mutter im Team…

Generell lief für uns 2021 besser als 2020 – da gab es praktisch nonstop familiäre Anspannung, weil es einfach zu viel war: Homeschooling, Betreuung des Kitakindes, mein Vollzeitjob und das alles ohne Unterstützung des Vaters….

Nun habt ihr gerade Ferien – schon als Elternpaar kann man die Ferien der Kinder nicht durch die Urlaubstage abdecken, als Alleinerziehende ist es noch unmöglicher…. Wie managt du das und was habt ihr in den Ferien vor?

Ja ENDLICH sind die Sommerferien auch in Bayern da und diese ganzen Schulthemen haben erstmal ein bisschen Ruhe. Meine Kinder sind jetzt drei Tage im Fußballcamp, ich habe schon frei und genieße diese Zeit einfach mal für mich. Danach wollen wir noch ein paar Tage nach Österreich fahren.

Ferien bedeuten für Alleinerziehende immer einen riesigen Organisationsaufwand. Ich arbeite dann sehr früh morgen und sehr spät abends, tagsüber immer wieder mal, versuche aber auch, tagsüber mit den Kindern mal schwimmen zu gehen oder Freunde zu besuchen. Es fühlt sich schon sehr oft wie ein riesiger Spagat an….

Du hast dich vor 4,5 Jahren vom Vater deiner Kinder getrennt. Die Zeit war sehr schwer. Wo bist du an deine Grenzen geraten?

Das erste halbe Jahr war schon heftig. Jeden Abend überrollet mich eine Welle an Emotionen, Sorgen und Ängsten. Da dachte ich schon manchmal, dass ich das nicht schaffe. Die Kraft kam aber Schritt für Schritt zurück, Freunde und Familie haben mich auch toll unterstützt. Ich habe ja praktisch wieder bei 0 angefangen und dass ich mir ein neues Leben aufgebaut habe, macht mich heute sehr stolz.

Seit 3,5 Jahren gibt es einen neuen Mann in deinem Leben, was uns sehr freut. Hättest du damit gerechnet, dass du dich nochmal verlieben kannst?

Dass ich lieben kann, wusste ich. Woran ich fast nicht mehr geglaubt habe, ist, dass mich jemals (wieder) jemand lieben würde. Ich war so voller Selbstzweifel, dass ich da kaum Hoffnung mehr hatte. Mein jetziger Partner hatte sehr viel Geduld und hat mir gezeigt, dass ich gut so bin, wie ich bin. Er hat mir gezeigt, was echte Liebe ist.

Dein neuer Partner hat auch Kinder – Ihr seid jetzt also eine Patchwork-Familie. Was ist das Schönste daran?

Wenn am Esstisch alle sechs Plätze belegt sind und das Chaos seinen Einzug hält! Ich liebe es, wenn richtig Leben in der Bude ist. Drei der vier Kinder sind im selben Alter und alle vier verstehen sich sehr gut. Das ist ein großes Geschenk.

Und was ist das Schwerste?

Sechs Menschen: das sind 6 Seelen mit unterschiedlichsten Emotionen, Ängsten, Wünschen und Erwartungen. All dem immer gerecht zu werden bzw Kompromisse zu finden ist wahnsinnig anstrengend und schwer. 

Noch immer berichten uns viele Alleinerziehende, dass „Alleinerziehend“ oft mit Vorurteilen behaftet ist. Wann spürst du das?

Als wir vor auf Wohnungssuche waren. Mein vorheriger Vermieter wollte mir nach der Trennung den bestehenden Mietvertrag nicht alleine übertragen, daher brauchten wir eine neue Wohnung. Bei den Besichtigungen gab es viele hochgezogene Augenbrauen, dass ich ohne Mann einziehen möchte. Tatsächlich haben wir keine einzige Wohnung, die wir uns angesehen habe, bekommen. Trotz meiner Vollzeit-Stelle und gutem Gehalt. Unsere jetzige Wohnung haben wir über befreundete Kindergarten-Eltern bekommen, sonst hätte uns die Räumungsklage gedroht.

Im Alltag sehe das differenzierter. Manchmal frage ich mich: Sind die Vorurteile real oder denke ich nur, dass die Menschen mich anders ansehen. Wenn ich zum Beispiel neben all den Vätern am Fußballplatz sehe, meine ich mitleidige Blicke zu spüren. Wenn ich mich aber nicht zu sehr darauf versteife, kann ich sehen, dass da außer mir ja noch andere Mütter stehen und mir die mitleidigen Blicke vielleicht auch nur einbilde.

Ich glaube schon, dass die Gesellschaft noch immer Familienformen, die fern einer vermeintlichen Norm sind kritisch beäugt, aber ich möchte mich lieber darauf konzentrieren, die positiven Dinge zu sehen. Ich möchte – letztendlich auch mit meiner Präsenz auf Instagram – ein Stück dazu beitragen, dass sich das Bild der Alleinerziehenden verändert und Vorurteile abgebaut werden.

Was wünscht Du dir für das restliche 2021? 

Gesundheit! Meine Tochter war 2020 ziemlich krank, das war eine schlimme Zeit für uns alle.Diese Zeit hat mich sehr demütig gemacht. Wir machen uns viel zu oft wegen Kleinigkeiten verrückt, das ist mir in den letzten 1,5 Jahren sehr bewusst geworden. Und ich hoffe, dass ich den Alltag mit Corona, Kindern, Job und Partnerschaft, weiterhin gut meistere. Und ich hoffe, dass ich mit dem Einblick in mein Leben über meinen Instagram-Account inspiriere und Frauen in ähnlichen Situationen Mut machen kann.

Antonias Instagram-Kanal findet Ihr hier: https://www.instagram.com/alltag_als_alleinerziehende

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