Sommerferien in Corona-Zeiten: Die Ruhe nach dem Sturm

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Ihr Lieben, geht es euch auch so? Irgendwie fühlt sich das Leben gerade an wie in Zeitlupe. Die große Corona-Aufregung und -Unsicherheit hat sich gelegt, niemand hängt mehr am Liveticker, um zu schauen, wie sich die Lage verändert, auf die anfängliche gesamtgesellschaftliche Hysterie hat sich ein Normalitäts-Schleier gelegt. Unsere neue Realität.

Überall im Haus und im Auto und in Hand- und Hosentasche haben wir Masken herumfliegen, um jederzeit eine griffbereit zu haben. Fast normal geworden.

Wenn wir Bekannte oder Freunde treffen, umarmen wir sie nicht mehr intuitiv, wir winken vielleicht oder machen den Corona-Ellbogen-Check oder schauen uns fragend an, ob wir uns vielleicht doch drücken könnten. Dieser Checkerblick bei Begegnungen. Fast normal geworden.

Wenn wir Halskratzen oder Husten bei uns oder einem der Kinder bemerken, rattert sofort das Gehirn, was jetzt als Nächstes zu tun sein könnte, ist es möglicherweise das Virus oder einfach nur ein kleiner Infekt? Diese Aufmerksamkeit, diese Fragezeichen. Fast normal geworden.

Handdesinfektionen an öffentlichen Stellen, Menschen mit Helmen und Ladentheken hinter Plexiglas. Fast normal geworden.

Wir Menschen sind Gewohnheitstiere, aber wir können uns eben auch an Neues gewöhnen. Viele sind gerade im Urlaub, der Sommer bringt ein bisschen Ruhe in den aufgebrachten Wespenschwarm, in den Corona mit voller Wucht geschlagen hat, um alle wild herumfliegen und -wirbeln zu lassen. Ja, dabei gab es auch ein paar wütende Stiche.

Die Kulrurbetriebe und Künstler ächzen nach wie vor unter der Krise, die ersten im Verwandtschafts-, Freunde- und Bekanntenkreis bekommen Kündigungen, es ist nicht klar, wie es weitergeht. Aber erstmal jetzt: der Sommer.

Viele urlauben einfach in Deutschland, entdecken ihr eigenes Land neu, schicken Fotos von Badeseen durch die Timelines ihrer Freunde. Da ist eine neue Akzeptanz. Es ist halt jetzt so, wie es ist.

Es fühlt sich gerade an wie die große Ruhe nach dem Sturm. Selbst die Kinder kommen runter, da ist grad kein Homeschooling mehr, kein Druck, da sind keine so großen Sorgenfalten mehr auf der Mama- und Papastirn mehr, weniger Überforderung, mehr Zeit, mehr Annehmen.

Da ist ein Ein-igeln, ein Durchatmen, dass es unser Land nicht allzu schlimm getroffen hat durch all die Maßnahmen, aber da ist auch weiter Vorsicht. Wir haben uns fast gewöhnt, nur noch wenige Leute zu treffen, nicht mehr richtig auszugehen, mit weniger auszukommen. Entschleunigung. Fast normal geworden.

Das Hamsterrad dreht sich gerade langsamer und zumindest an mir selbst merke ich gerade, dass ich auch derzeit gar nicht schneller will, keinen Anschwung bruache. Jeder Vorstoß von außen, mein Rad wieder schneller laufen zu lassen, wird abgefedert. Nach dem großen Rennen brauchen wir jetzt auch einfach mal wieder ein bisschen Pause und Zeit, einfach nur aus dem Fenster zu schauen. Verarbeiten, was passiert ist. Den großen Stress der letzten Monate wegdenken, Revue passieren lassen, durchatmen. Manchmal wird da sogar schon ein Einkauf im Supermarkt zu viel…

Bermekt ihr sie auch, diese größere Ruhe, dieses Ankommen in der neuen Realität, dieses Akzeptieren der Dinge, die nicht zu ändern sind?

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2 comments

  1. Man wird stärker wenn man muss…
    Ich bin fasziniert davon wieviel man schaffen kann (auch mental), was man nie für möglich gehalten hätte, einfach weil man keine Wahl hat.
    Hätte mir jemand Anfang 2020 gesagt, dass wir monatelang Jobs (wir hatten „leider“ keine Kurzarbeit, im Gegenteil), Homeschooling, Kindergartenkind, Haushalt, etc. wuppen müssen, ich hätte nie geglaubt, dass es irgendwie geht.
    Doch es ging… Aber wir merken nun diese Grunderschöpfung, die sich hoffentlich mit den Ferien irgendwann bessern wird (BaWü hst die letzten Schultage noch vor sich), wenn man nicht mehr andauernd auf Sicht mit Autopilot improvisiert.
    Hoffen wir, dass es Entspannung gibt!

  2. Toller Beitrag, der so ziemlich die letzten Monate und unseren Alltag sehr gut beschreibt. Für mich und meine Familie war es zum Glück eine sehr intensive Zeit, da mein Mann mit Kurzarbeit viel zuhause war und unsere Kinder noch klein sind… deswegen hatten wir zum Glück kein Homeschooling Stress. Respekt an all die Eltern die es machen mussten.

    Bei uns im Bekanntenkreis trifft es mittlerweile auch schon einige mit Jobverlust… da ist jedem geholfen seine Finanzen nochmal genauer zu checken und zu prüfen, dass man etwas Geld auf Reserve hat.

    Gruß Sani

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