Anerkennung für Mütter: Seid stolz auf das, was ihr täglich leistet

Anne Klesse

Ihr Lieben, Mut machen, eure Leistungen anerkennen, euch sehen, darum geht es hier bei uns im Blog. Und genau darum geht es auch in dem Buch „Du Wunder! Warum Mütter perfekt sind, wie sie sind“ von Anne Klesse. Anne kennen wir schon viele Jahre, sie hat im Jahrgang unter uns an der Journalistenschule volontiert und wir uns haben all die Jahre nicht aus den Augen verloren und verfolgt, was Anne treibt. Nun erscheint heute ihr wunderbares Buch, das wir euch sehr ans Herz legen. Wir haben mit ihr über die Mutterrolle und dem eigenen Perfektionsantrieb gesprochen.

Liebe Anne, warum sind Mütter perfekt so wie sie sind? 

Wir sollten davon ausgehen, dass jede Mutter ihr Bestes gibt. Deshalb sollten wir versuchen, andere Mütter nicht zu verurteilen, auch wenn sie irgendetwas vielleicht anders handhaben als wir selbst es für richtig erachten. Mütter werden ohnehin schon permanent von der Gesellschaft bewertet – arbeiten sie in den Augen anderer zu viel, sind sie Rabenmütter“, kümmern sie sich zu intensiv um ihre Kinder, sind sie „Helikoptermütter“ oder „Tigermoms“. Mütter – das geht schon bei Schwangeren los – sind angeblich zu dick, zu dünn, zu stark auf ihren Körper fixiert, oder aber zu nachlässig.

Wir sollten uns alle mal locker machen, tief durchatmen und anerkennen, was dieser Job bedeutet: Es ist ein lebenslanges Ehrenamt, der wunderschöne Erlebnisse, aber wenig Anerkennung mit sich bringt. Dabei ist die Mutterrolle die vielleicht größte Transformationsleistung im Leben einer Frau. Reden wir das nicht klein!

Warum fällt es gerade Müttern so schwer, mit sich selbst zufrieden zu sein? 

Frauen sind ohnehin oft kritischer mit sich selbst als Männer. Dazu wird uns suggeriert, es sei alles gleichzeitig möglich: Erfolg im Job, enge Beziehungen zu unseren Kindern, Leidenschaft in der Partnerschaft, abwechslungsreiche Freizeit, coole Reiseerfahrungen, kreative Selbstverwirklichung, ein fester Freundeskreis, ein sexy Body, immer tiptop sitzendes Haar.

In der Realität fühlen sich viele unzulänglich, wenn sie eben nicht auf allen Ebenen jederzeit so „performen“ wie sie gerne würden. Wir setzen uns selbst unter Druck, aber auch die Gesellschaft hat hohe Erwartungen an uns, die eigentlich nicht zu erfüllen sind.

Müssen wir als Mütter etwa immer Vorbilder sein? 

Eltern sind Vorbilder ihrer Kinder, Kinder lernen durch Nachahmung. Wie wir mit ihnen umgehen, was wir ihnen vorleben, prägt unsere Kinder. Das bedeutet aber im Umkehrschluss nicht, dass wir nicht auch Fehler machen dürfen. Im Gegenteil, wir zeigen damit, dass Menschen nunmal nicht perfekt sind: Auch Mütter sind mal schlecht gelaunt, sehen scheiße aus, streiten, trennen sich von ihren Partnern.

Ich glaube, es ist wichtig, offen zu kommunizieren und Probleme nicht vor Kindern zu verstecken, sondern sie auf dem Weg mitzunehmen. Kindern zu erklären, warum wir schlecht gelaunt sind, warum eine Liebe auch mal enden kann, macht uns zu guten Vorbildern. Denn Leben bedeutet auch, Hürden zu meistern.

Wie sieht es denn bei dir selbst aus: Wenn wir jetzt mal das Spotlight darauf richten, was dich außerhalb der Mutterschaft ausmacht, was sehen wir da? 

Eine zeitlang hatte ich das Gefühl, ich selbst – oder zumindest alles, was mich vor meiner Mutterschaft ausgemacht hat – war wie vernebelt und durch den herausfordernden Alltag mit Kind in den Hintergrund getreten. Ich habe eine Art Identitätskrise durchgemacht, weil ich mich erst inklusive der neuen Rolle (als Mutter) neu entdecken musste. Jetzt bin ich eine andere Anne als vorher, die aber natürlich alles, was in ihrem Leben bisher passiert ist, in einem großen Rucksack mit sich herumträgt. Das ist keine schwere Last, ab und zu öffne ich den Rucksack und schaue mir an, was da so alles drin ist.

Ich bin gerade sehr zufrieden mit meinem Leben, ich habe eine tolle Familie und Freund*innen, die mich eng begleiten, ich habe einen Job, der mir immer noch wahnsinnig Spaß macht. Freizeit könnte natürlich ein bisschen mehr da sein – aber hey, Ziele zu haben ist ja immer gut. Ich bin ein glücklicher, fröhlicher Mensch, der hungrig darauf ist, was das Leben alles noch für mich bereithält.

Da steckt noch so viel mehr in uns als dieses Mutterding, das zeigst ja schon du mit deiner Geschichte. Wie nimmst du das bei anderen Müttern wahr, sehen die meisten, was da noch ist? Wie kriegen sie die Decke der Mutterschaft so abgelegt, das sichtbar wird, was noch dadrunter schlummert?

Ich glaube, in den ersten Jahren mit Kleinkind ist das mitunter schwierig. Das kommt natürlich auch immer darauf an, wie engagiert der Partner oder die Partnerin ist. Vielleicht spielt außerdem eine Rolle, wie man selbst in der eigenen Kindheit Familie und Mutterschaft erlebt hat. Zumindest in Westdeutschland waren ja viele Mütter in den 1970er und 1980er Jahren nicht oder nur kaum berufstätig.

Ich bin mit einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen, die phasenweise einfach nur „funktioniert“ hat. Da war kaum Zeit für Selbstreflektion. Dabei ist es wichtig, sich selbst immer wieder zu fragen: Bin ich glücklich? Und falls ich das nicht bin: Wie ändere ich das? Doch dafür braucht es Raum. Eine Freundin – Mutter von drei Kindern – sagte neulich, sie wolle dieses eine Leben so gut wie möglich nutzen, um viele coole Sachen zu erleben.

Ihre eigenen Wünsche mit denen ihres Partners und der Kinder auszuhandeln, bedeutet aber natürlich, Kompromisse schließen zu müssen. Bei vielen Frauen um die 40 in meinem Umfeld beobachte ich, dass sie sich nach Jahren, die sie vor allem in Job, Partnerschaft und eventuell Kinder „investiert“ haben, nun auf sich besinnen und sich fragen: Was wünsche ich mir noch für mein Leben? Diese Fragen zu stellen, sie zu beantworten und nicht zu unterdrücken ist ein erster Schritt. Niemand wünscht sich, dass auf dem eigenen Grabstein später steht „Sie hat stets die Brotdose ihrer Kinder perfekt gefüllt“.

Hast du das Gefühl, Männer können mit weniger schlechtem Gewissen Vater sein als Frauen das als Mütter können? Und falls ja: Wie machen sie das nur?  

Das Gefühl habe ich schon. Es gibt zwar Studien, die zeigen, dass Väter ebenso unsicher sind und an Selbstzweifeln leiden. Und in Umfragen sagen heterosexuelle Elternpaare überwiegend, dass sie sich partnerschaftliche Lösungen der kindbezogenen Aufgabenverteilung wünschen. Doch die Realität sieht anders aus: Väter arbeiten mehr Stunden als Mütter, sogar mehr als ihre kinderlosen Geschlechtsgenossen. Das hat viele Gründe, zum Beispiel tradierte Rollenvorstellungen, ungleiche Bezahlung und Aufstiegschancen, Steuervorteile.

Jeder fünfte Vater behauptet, gern in Elternzeit gehen zu wollen, macht es dann aber nicht. Die meisten Paare, die ich kenne, bei denen der Mann einen Teil der Elternzeit genommen hat, haben die Zeit gemeinsam in einem langen Urlaub verbracht. Das hat natürlich nichts mit Gleichberechtigung zu tun. Aber viele Männer verspüren offenbar Druck, die Familie finanziell versorgen zu müssen. Wenn sie das tun, kompensieren sie vielleicht ihr schlechtes Gewissen in Bezug darauf, nicht genug Zeit mit dem Nachwuchs zu verbringen.

Unsere Kinder leben im Jetzt, was können wir uns von ihnen abschauen? 

Genau das: Weniger in der Vergangenheit hängen, weniger für die Zukunft planen – sondern stattdessen das Hier und Jetzt genießen! Leichtigkeit, Unbeschwertheit, Lebensfreude, Genügsamkeit. Ich finde es schön, wie vorurteilsfrei sich Kinder begegnen, wie sehr sie auf ihr Bauchgefühl vertrauen, wie schnell sie verzeihen. Sie essen, wenn sie hungrig sind, umarmen, wenn sie Nähe brauchen – sie sorgen für sich.

Wenn wir Loslassen von Ansprüchen von außen und von innerem Perfektionsantrieb – was bringt uns das? 

Zufriedenheit. Es befreit uns. Die Rückbesinnung darauf, was wir alles haben, lässt vieles, was uns ärgert, enttäuscht oder nervt, in den Hintergrund treten. Wie großartig ist es, ein Kind aufwachsen zu sehen? Diese unendliche Liebe, überhaupt Muttergefühle empfinden zu können? Für die Mutterschaft gibt es keine Ausbildung, jeder Tag ist anders, wir machen viele neue Erfahrungen, es ist ein ständiges Trial and Error. Das zu akzeptieren, kann befreien.

Was möchtest du Müttern allgemein gern mit auf ihren Weg geben? 

Jede Mama ist die beste für ihr Kind! Klingt kitschig, aber am Ende ist wichtig, dass einfach jemand da ist. Hört auf eure Intuition, vertraut auf euer Gefühl. Seid stolz auf das, was ihr täglich leistet! Seid stolz auf eure Körper – jede Narbe, jeder Schwangerschaftsstreifen ist Beweis dafür, was ihr alles schon erlebt habt. Wir sollten dankbarer sein für unsere Mütterkörper – und achtsamer uns selbst gegenüber.

Für die Bewältigung des Alltags ist es hilfreich, sich ein liebevolles Umfeld zu schaffen. Früher wuchsen Kinder im Schutz der Großfamilie auf. Das entlastete auch die Mütter, weil sich viele Menschen kümmerten und verantwortlich fühlten. Es hilft, sich seinen eigenen Clan zum sogenannten attachment parenting zu schaffen. Nicht zuletzt wünschte ich, dass Mutterschaft mehr im gesellschaftlichen Alltag vorkommt, dass sie in allen Bereichen mitgedacht und wertgeschätzt wird. Wir können alle dazu beitragen, bessere Strukturen zu schaffen.

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Du Wunder! Warum Mütter perfekt sind, wie sie sind von Anne Kresse

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1 comment

  1. Liebe Anne, du bist einer der großartigsten Menschen, die ich in meinem Leben habe, schon seit fast 30 Jahren. Oh mein Gott sind wir alt🤣 Und doch irgendwie jung, es liegt noch so viel Zeit vor uns und die Zeit, die hinter uns liegt, macht uns zu den Menschen, die wir heute sind. Weiterentwicklung und immer wieder die Sichtweise anpassen, das ist es, was uns ausmacht. Stillstand war noch nie unser Ding. Ich bin stolz suf dich❣

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