Lehrkräftemangel: Fällt bei euren Kindern auch so viel Unterricht aus?

Lehrkräftemangel

Ihr Lieben, ich weiß nicht, wie es an den Schulen eurer Kinder läuft, aber wenn ich mir anschaue, wie viel Unterricht bei unseren Dreien allein im Dezember ausfiel – hui. Da war an einem Tag sogar nur noch Homeschooling drin, weil einfach der Krankenstand bei den Lehrkräften so hoch war. Es kann sein, dass das eine Ausnahme war, es kann aber auch sein, dass solche Engpässe einfach durch Lehrkräftemängel entstehen.

Wusstet ihr, dass 62 Prozent der Mütter und Väter das Gefühl haben, an der Schule ihrer Kinder gäbe es nicht genug Lehrkräfte? Unter Eltern von Kindern ab der 5. Klasse sind es sogar beinahe drei Viertel. Das ergab jetzt eine Umfrage von forsa im Auftrag des Studienkreises.

Lehrkräftemangel

Vor allem die Auswirkungen des Lehrkräftemangels betonen die über 1000 befragten Eltern: Fast alle, also 86 Prozent von ihnen, haben das Gefühl, dass die Qualität des Unterrichts unter der personellen Unterbesetzung leidet. Viele haben auch Sorge, dass die Chancengleichheit abhandenkommt, weil sich die Schere zwischen den Schülern und Schülerinnen, die zu Hause Hilfe bekommen und denen, die auf diese Hilfen nicht zurückgreifen können, immer größer wird.

Lehrkräftemangel: Weniger Unterricht und Hausaufgabenbetreuung

Oft finden auch einfach die Hausaufgabenbetreuung an den Schulen, das Ganztagesangebot oder die Förderungen aufgrund der Personalengpässe nicht mehr statt. Und das gerade nach den Lockdownzeiten! Unsere Kinder brauchen doch Verlässlichkeit. Das Gefühl, nicht alleingelassen zu werden.

Lehrkräftemangel

Was kann also getan werden? Welche Maßnahmen wären denkbar?

  • Die Möglichkeit des Quereinstiegs: Dabei treten fachlich qualifizierte Personen ohne vollständige Lehramtsausbildung in den Schuldienst ein
  • Digitale Lernangebote: damit sich die Schülerinnen und Schüler mehr Inhalte selbst erarbeiten können. Förderangebote streichen: eine Maßnahme, um wenigstens den Kernunterricht zu gewährleisten
  • Größere Klassen: Die stehen zumindest in der Diskussion
  • Streichung von Lerninhalten: Auch da gehen die Meinungen weit auseinander

Was die Eltern in der Umfrage davon halten: Die deutlichste Zustimmung der Eltern erhält der Quereinstieg. Drei Viertel der befragten Mütter und Väter halten den für eine gute Maßnahme, um zeitnah gegen den Lehrkräftemangel vorzugehen. Gut vier von zehn Befragten fanden eine stärkere Nutzung digitaler Selbstlernangebote sinnvoll (da gehöre ich persönlich übrigens nach all der Homeschooling-Plackerei nicht dazu, ich finde den persönlichen Kontakt zur lehrenden Person essentiell wichtig).

Lehrkräftemangel

Nur jeder Fünfte hingegen hält es für eine gute Idee, Lern- und Prüfungsinhalte zu reduzieren (das wiederum könnte ich mir in Notzeiten durchaus vorstellen). Größere Klassen kommen für die meisten Eltern nicht infrage (für mich auch nicht): Nur drei Prozent der Befragten glauben, dass sich die Auswirkungen des Lehrkräftemangels bekämpfen lassen, indem Klassen mit beispielsweise 40 Kindern eingerichtet werden.

Unterrichtsentfall und ausgefallene Stunden sollten Ausnahmen bleiben

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Max Kade, pädagogischer Leiter des Nachhilfe-Instituts Studienkreis, sitzt am Tisch. Foto: Studienkreis

Um es trotzdem nochmal zu betonen: Natürlich freuen sich die Kinder mal über Entfall und ausgefallene Stunden oder Vertretungsunterricht – aber eben nur, wenn das Ausnahmen bleiben. Unsere Kinder wohnen nicht in Schulnähe, sodass sie in Freistunden auch nicht einfach nach Hause können. Und wenn meine Oberstufenschülerin dann an einem Tag zehn Stunden hat (ja, hat sie! Bis 17.20 Uhr) und zwischendurch immer wieder Stunden des Leerlaufs, dann geht ihr einfach auch die Puste aus und die Motivation sinkt.

„Schule ist viel mehr als ein Ort für Wissensvermittlung“, erklärt Max Kade, Pädagogischer Leiter des Studienkreises. „Ein strukturierter Schulalltag, gute Beziehungen zu den Lehrkräften, Kontinuität und Verlässlichkeit – all diese Dinge tragen zu einem Klima bei, in dem Kinder und Jugendliche motiviert lernen können. Häufige Ausfälle, wechselnde Lehrkräfte sowie die Angst vor schlechten Noten und unaufholbaren Lernrückständen bewirken das Gegenteil“, erklärt Kade.

Nachhilfe kann flankierend helfen, aber keinen Unterricht ersetzen

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Nachhilfe könne zwar dabei helfen, solche Ängste zu lindern und Lücken aufzuarbeiten, aber eben nicht wochenlange Unterrichtsausfälle ausgleichen. „Wir verstehen uns nicht als Ersatz, sondern als Partner und Begleiter der Schulen“, betont Kade. „Wenn ein Kind in der Schule etwas nicht verstanden hat oder mehr Übung benötigt, dann bieten wir eine individuelle Förderung an. Gleichzeitig hoffe ich im Interesse der Schülerinnen und Schüler sehr, dass Bund und Länder schnell wirksame Maßnahmen ergreifen, um dem Lehrkräftemangel entgegenzuwirken.“

Wie sieht es denn bei euch an den Schulen aus? Habt ihr auch das Gefühl, da müssten dringend mehr Menschen arbeiten? Habt ihr auch so viel mit Unterrichtsaufall zu tun? Und wie steht ihr zu den aufgelisteten Maßnahmen?

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