Fehlgeburt: „Ich war allein in der Klinik als ich mein Kind verlor“

Mein Name ist Anna, ich bin Mama von zwei tollen Jungs, die meinen Mann und mich sehr glücklich machen. Und dennoch haben wir das Gefühl, dass unsere Familie noch nicht komplett ist.

Bei den Jungs bin ich problemlos schwanger geworden und auch die Schwangerschaften waren ohne Auffälligkeiten. Im September letzten Jahres haben wir beschlossen, dass wir aufhören zu verhüten. Ich war überrascht, dass es dieses Mal nicht sofort klappte. Im März hielt ich dann endlich einen positiven Test in der Hand.

Wir freuten uns riesig, allerdings war es genau der Tag, an dem Schulen und Kitas schlossen und die Pandemie so richtig Fahrt aufnahm. Ich hatte Angst, mich in der (Früh-)Schwangerschaft mit Corona anzustecken. Damals war das Virus ja noch total unbekannt und keiner wusste, was da auf einen zukommt.

Aufgrund dieser Bedenken habe ich zügig einen Termin bei meiner Gynäkologin ausgemacht, die zwar bestätigte, dass ich schwanger bin, aber auch sah, dass nicht alles optimal aussah. Ich hatte ein Hämatom hinter der Fruchthöhle, was bedeutete, dass ich mich schonen sollte.

Schonen – mit zwei Jungs zu Hause, die Schulen und Kitas dicht, der Mann weiterhin auf der Arbeit und ohne Kontakt zu den Großeltern wegen Kontaktbeschränkungen. Ihr könnt Euch vorstellen, wie schwer es war, sich zu schonen…

Meine Hebamme kontrollierte regelmäßig das HCG-Hormon, um zu sehen, ob sich die Schwangerschaft normal entwickelt, wir merkten aber, dass dies wohl nicht so war.

Am Karfreitag, ich war in der 9. Woche, bekam ich plötzlich Blutungen. Als sie stärker wurden, fuhr ich nachts ins Krankenhaus. Allein, weil mein Mann mich wegen Corona nicht begleiten durfte… Im Ultraschall im Krankenhaus konnte man dann keinen Herzschlag mehr finden.

Mir wurde gleich angeboten, eine Ausschabung zu machen. Ich war völlig überfordert und emotional durcheinander und wusste nicht, was ich tun sollte. Ich wurde in ein Krankenzimmer gebracht, dort gab es leider keinen Handyempfang. Also ging ich wieder in den Krankenhausflur und rief meinen Mann an, dem ich erst einmal sagen musste, dass wir unserer Baby verloren haben und er mit mir entscheiden solle, ob ich eine Ausschabung machen lassen solle oder auf den natürlichen Abgang warten soll. Mein Mann war auch überfordert und sagte, er würde mich bei allem unterstützen.

Nach einem kurzen Telefonat mit meiner Hebamme, war mir klar, dass ich nach Hause gehen möchte und es dort passieren lassen will. Ich bekam von einer Krankenschwester einen kleinen Teddybär mit einem Stern auf der Brust. Als Symbol für unser Baby, ein Sternenkind. Dieser Moment war wirklich hart – ich war ganz alleine und konnte kaum begreifen, was da gerade passiert.

Wieder zu Hause verbrachte ich den Tag im Bett, abends wurden die Blutungen und Schmerzen heftiger und um 19.30 Uhr war es vorbei. Ich war nun nicht mehr schwanger.

Der Verlust unseres Kindes trifft mich hart, aber ich habe auch immer noch mit der Tatsache zu kämpfen, dass ich im Krankenhaus so alleine war und niemand da war, der mich in den Arm genommen hat. Ich verstehe die Sicherheitsmaßnahmen im Krankenhaus, aber in Situationen wie meiner muss man vielleicht individuell entscheiden, welcher der richtige Weg ist…

Ich habe lange gebraucht, um wieder stabil zu sein. Jetzt möchten wir es nochmal versuchen, obwohl mir bewusst ist, dass die Zeit jetzt gerade nicht ideal ist. Drückt mir trotzdem die Daumen, dass alles gut ausgeht und wir bald zu fünft sind.



9 comments

  1. Liebe Anna,
    es tut mir sehr leid, was du erlebt hast. Ich selbst kenne die Erfahrung einer Fehlgeburt nicht, kann aber sehr gut nachfühlen, was du darüber schreibst, dich in einer schwierigen Situation sehr alleine gefühlt zu haben.
    Mir ging es nach der sehr schwierigen Entbindung von meinem Sohn vermutlich ähnlich. Ich fand mich nach der Geburt auf einer Wochenstation wieder, auf der wir entgegen vorheriger Beteuerungen dann doch kein Familienzimmer bekamen und wo die Betreuung einfach nur unter aller Kanone war: planlos, hektisch und vor allem lieblos und anonym. Wie wichtig wäre es in dieser für mich körperlich ausgelaugten und psychisch verletzlichen Phase gewesen, dass sich mal jemand ein paar Minuten Zeit nimmt und mich fragt, wie es mir geht.
    Die Entbindung ist schon über ein Jahr her und ich knabbere immer noch daran, wie hilflos und allein gelassen ich mich auf dieser Station gefühlt habe.
    Alles Liebe für dich!
    Mona

  2. Liebe Anna,
    es ist sehr traurig zu lesen dass Du eine Fehlgeburt hattest.
    Das ist absolut schlimm und ich kann das absolut nachvollziehen wie es Dir geht.
    Was mich allerdings schon etwas schockiert sind teils die Kommentare hier.
    Für die Traurigkeit dass sich Anna allein gefühlt hat Egoismus vorzuwerfen find ich absolut fehl am Platz.
    Jeder Mensch geht anders mit den unterschiedlichsten Situationen um. Für mich ist es genau so, dass in der 9. SSW ein kleiner Mensch in mir wächst und die Trauer ist groß wenn man eine Fehlgeburt hat.
    Die Zeit ist momentan allgemein sehr schlimm. Für alle Senioren in den Heimen die allein sind oder auch kranke Menschen in den Kliniken. Es geht aber jeder anders mit psychisch belastenden Situationen um. Aber bitte nicht egoistisches verhalten vorwerfen. Das ist absolut daneben.
    LG Steffi

    1. Nein, Steffi, dann hast du mich missverstanden! Ich will um Gottes Willen keine Fehlgeburt kleinreden! Gar nicht!
      Aber Annas Wunsch nach einer Ausnahme aufgrund ihrer individuellen Lage ist schwierig (vielleicht ist egoistisch zu hart). Es gibt Tausende von Patienten in Krankenhäusern, für die es mehr als belastend, traurig und schrecklich ist, dort momentan alleine zu sein! Wenn Anna eine Ausnahmegenehmigung bekommt, ihren Mann mitzunehmen-warum ich nicht bei einer OP, bei der es letztlich um Leben oder Tod ging? Warum nicht meine Schwiegeroma mit 95, die gestürzt ist, leicht dement ist und große Angst vor dem Krankenhaus hat? Nur das meine ich. Jeder hat absolut gute Gründe, jemanden dabei haben zu wollen! Da ist nicht der eine Schmerz größer als der andere!

  3. Liebe Anna, deine Geschichte kommt mir bekannt vor. Ich habe ähnliches in meiner 1. Schwangerschaft erlebt. Trotzdem hadere ich schon lange nicht mehr damit, denn ich hatte das Glück, trotzdem noch Mama zu werden. Ich wünsche dir, dass es dir auch nochmal so geht! Bei meiner Fehlgeburt war es so, dass man nie mehr als eine leere Fruchthöhle gesehen hat. Der Embryo hatte anscheinend schon sehr früh aufgehört zu wachsen und ich bekam Blutungen in der 8. Woche. Ich weiß, dass es unterschiedliche Meinungen zum Beginn des Lebens gibt, aber für mich war es eben noch nicht mein Kind. Ich habe nie einen Herzschlag gesehen, geschweige denn das Geschlecht erfahren. Das hat es langfristig – trotz der großen Traurigkeit am Anfang – leichter gemacht für mich. Ich denke jetzt, nach über 10 Jahren, eigentlich nur noch selten daran. Zumal ich sonst meine älteste Tochter nicht hätte, die fast genau 1 Jahr nach meiner Fehlgeburt geboren wurde. Inzwischen weiß ich, wie viele Frauen eine Fehlgeburt erleben und dass es nichts Unnormales ist. Damals dachte ich, ich sei die Einzige und mit mir stimme irgendwas nicht. Aber es gehört zum Leben dazu! Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft und dass nach der Zeit der großen Traurigkeit wieder die Sonne für euch scheint, so wie es bei uns auch passiert ist.

  4. Ein Kind zu verlieren ist hart. Und ich kann auch verstehen, dass Du Dich allein gefühlt hast. Aber meinst Du nicht, dass so ziemlich jeder im Krankenhaus sagen würde, dass seine Situation besonders ist und er/sie deshalb besondere Unterstützung braucht? Ihr wusstest auch, dass etwas nicht in Ordnung ist. Es war also nicht gänzlich überraschend wie bei vielen anderen. Und immerhin gibt es auch Mütter, die ihre Kinder ohne Begleitung zur Welt bringen müssen. Ich finde Deine Haltung sehr egoistisch, auch wenn ich prinzipiell verstehen kann, was Du meinst. Nur dann, kann eben jeder einen Grund anbringen, warum er begleitet werden muss.

    1. Liebe Stephanie, ich finde, du hast das sehr schön geschrieben mit dem Egoismus.
      Ich hatte im Juli eine (Krebs-) Operation ganz „alleine“ und ich fand es auch ganz, ganz furchtbar! Aber mir ist eben klar, dass man da keine „individuellen“ Ausnahmen machen kann, weil eben jeder seinen ganz eigenen und wirklich guten Gründe hat, weshalb er eine individuelle Ausnahme braucht.
      Und in all meinem Unglück und Schmerz über meine ScheißSituation will ich dann gerade deswegen nicht auch noch dafür verantwortlich sein, dass meine Begleitung vielleicht irgendwen im Krankenhaus ansteckt.

  5. Liebe Anna, das sollte keiner erleben müssen. Ich frage mich oft in diesen Coronamonaten, ob wir eigentlich noch ganz klar im Kopf sind, da wir alles dem Infektionsgeschehen unterordnen und Menschen alleine sterben lassen, alleine gebären und alleine ihr Kind verlieren lassen. Das ist von einer Unmenschlichkeit, die meine Vorstellungskraft übersteigt. Ich wünsche dir und euch, dass ihr bald zu fünft sein könnt und dass du diese schreckliche Erfahrung irgendwann verarbeiten kannst!

  6. Leider müssen das viele Frauen durchmachen. Es tut immer weh ein Sternenkind zu verlieren. Ganz vergessen wird und soll man nie. Ich hatte es zweimal zwischen meinen beiden Kids. Beim 2. mal war ich auch im KH allein, da ich es mit mir selbst ausmachen musste. Mein Mann musste arbeiten und konnte kurzfristig nicht weg. Das Personal dort war toll und sehr verständnisvoll. Mittlerweile kann ich auch darüber sprechen. Zeit heilt wirklich Wunden, da ist was dran. Es wird besser, Anna! Und es klappt bestimmt noch. War bei uns auch so. Verlier den Mut nicht, die Natur hat es eher gut mit euch gemeint! Viel Glück und alles Gute

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