Abtreibungsgesetz in Polen: „Wir verhelfen Frauen in Berlin zu einem sicheren Schwangerschaftsabbruch“

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Ihr Lieben, ihr habt ja bestimmt die vielen Proteste von Frauen in Polen mitbekommen. Das Abtreibungsrecht in unserem Nachbarland gilt als eines der strengsten in Europa. Ein Schwangerschaftsabbruch ist seit 1993 eh schon nur legal, wenn die Gesundheit der Mutter in Gefahr ist, wenn sie vergewaltigt wurde oder wenn das Kind schwere Fehlbildungen diagnostiziert bekam. Das soll sich aber jetzt ändern.

Fehlbildungen oder geistige Behinderungen sollen als Grund für einen Abbruch nicht mehr gelten. Nur noch Straftaten oder Lebensgefahr sollen als Begründung akzeptiert werden. Dabei ist es wohl ohnehin und bereits jetzt schwierig, selbst bei einer medizinischen Indikation, einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen.

Viele Polinnen sehen sich darum gezwungen, für den Abbruch ins Ausland zu reisen. Die Berliner Organisation Ciocia Basia hilft ihnen dabei, sicher und straffrei abzutreiben. Eine der ehrenamtlichen Helferinnen, Gosia, hat uns mehr zu ihrem Engagement erzählt.

Liebe Gosia, ihr nennt euch Ciocia Basia, das heißt auf Deutsch „Tante Barbara“. Wer seid ihr, wie viele seid ihr, wie kamt ihr auf euren Namen und seit wann gibt es euchals Aktivistinnen-Gruppe?

CB: Ciocia Basia ist eine Gruppe von Freiwilligen, die sich zusammengetan haben, um polnischen Frauen einen sicheren Zugang zum Schwangerschaftsabbruch zu ermöglichen. Die Anzahl der aktiven Mitglieder variiert ein wenig, liegt aber ca. bei 15 Personen. Und es sind sowohl Personen aus Polen als auch aus Deutschland, aus Dänemark – wer Lust hat, Teil der Gruppe zu sein, soll es auch dürfen. Ciocia Basia gibt es seit den ersten Schwarzen Protesten in Polen in 2015 und der Name leitet sich ab von Aunty Jane.

Welche Motivation steckt hinter eurem Engagement? Frauen helfen Frauen? Oder gibt es eine persönliche Geschichte hinter eurer Gründung damals?

CB: Der Auslöser für die Gründung von Ciocia Basia war die Empörung über die polnische Regierung und der Wunsch, endlich mal etwas dagegen zu machen bzw. dafür, also etwas für die Menschen in Polen zu machen. Die Nähe zur polnischen Grenze brachte die Gründerinnen auf die Idee, das
was den Menschen in Polen verwehrt wird, doch im Nachbarland anzubieten.

Nun gehen in Polen die Frauen gerade auf die Straße, weil das Abtreibungsgesetz noch einmal verschärft wurde. Wie habt ihr auf die geplanten Neuerungen reagiert?

CB: Wir haben die Beratungen des Verfassungsgerichts online verfolgt und waren nach der Verkündung des Urteils ziemlich erschüttert. Manche von uns – die Desillusionierten 😉 – hatten zwar schon damit gerechtet, ich persönlich – die Naive – war aber sehr überrascht. Ich traue der Regierung
zwar viel zu, aber darauf, dass das Verfassungsgericht der Klage zustimmen würde, war ich nicht vorbereitet. Die erste Reaktion war also ein kurzer Schock und natürlich viel Wut. Die Zweite: Wir sind da, wir machen weiter, es wird viel Arbeit auf uns zukommen, wir stehen bereit.

Was hat sich verändert seither?

Es folgte eine großartige Welle von Solidarität und ein tolles Gefühl der Gemeinsamkeit und Schwesternschaft 🙂 Da wir damit rechnen mussten und müssen, dass uns nun noch einmal mehr Schwangerschaften mit medizinischer Indikation nach der 14. SSW erreichen würden, haben wir uns natürlich intensiver mit diesen Abbrüchen beschäftigt. Was müssen wir über die Verfahren wissen, welche Unterstützung brauchen diese Personen, welche Praxen, welche Ärzte müssen wir evtl. kontaktieren, was können wir vorbereiten?

Wie ist die Situation in Polen grad? Ist es überhaupt noch möglich, Abtreibungen durchführen zu lassen?

CB: Um rechtskräftig zu werden, muss das Urteil im Gesetzblatt veröffentlicht werden. Erst dann ist es ein Gesetz. Bis dahin dürfte sich eigentlich nichts an der geltenden Regelung ändern. Das ist aber leider nur
die Theorie. Es war bisher schon schwer, eine Klinik zu finden, die einen Schwangerschaftsabbruch vornahm – die offiziellen Stellen sprechen von ca. 1000 Fällen im Jahr – nun wird es kaum ein Arzt mehr riskieren, sich mit den Veranlassern der Klage „anzulegen“.

Es ist heute schon üblich, Personen öffentlich – und unbestraft! – anzuprangern, z.B. mittels großer fahrender Plakat-Anhänger. Theoretisch wäre es noch möglich, aber wir wissen von Frauen, die uns bereits besucht haben, dass die Ärzte versuchen, Zeit zu gewinnen (bzw. zu verlieren) indem sie weitere Tests und Untersuchungen mit langer Wartezeit verordnen.

Was erzählen euch die Frauen, wie ÄrztInnen in Polen auf ihre ungewollte Schwangerschaft reagieren? Oder gehen viele schon gar nicht mehr in eine Arztpraxis?

CB: Die meisten Frauen trauen sich gar nicht, der Ärztin/dem Arzt von ihrem „Vorhaben“ zu erzählen. Viele gehen tatsächlich gar nicht erst dorthin, damit es keinen Eintrag über eine Schwangerschaft in
der Patientenakte gibt! Die Stigmatisierung und die Angst vor Konsequenzen ist riesig.

Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, den Frauen erstmal klar zu machen, dass sie keine rechtlichen Konsequenzen zu befürchten haben. Es ist nicht nur völlig straffrei, einen Abbruch in Deutschland vorzunehmen, es ist auch straffrei, den Abbruch mit Medikamenten – so wie es in Deutschland in der Praxis gemacht wird – zu Hause durchzuführen.

Angeblich finden in Polen nur knapp über 1000 Abtreibungen pro Jahr statt, wie hoch, glaubt ihr, ist die Dunkelziffer?

CB: Das Gesundheitsministerium berichtet von 1110 Abtreibungen im Jahr 2019, 1074 davon waren Abbrüche auf Grund der medizinischen Indikation der Föten, 33 waren indiziert durch die Gefährdung des Lebens der Frau und drei durch ein Gewaltdelikt. Das bedeutet, dass es bald fast keine Schwangerschaftsabbrüche mehr in Polen geben wird. Die Zahl umfasst natürlich nur Abbrüche, die im Krankenhaus stattgefunden haben. Die tatsächliche Anzahl vorgenommener Abtreibungen ist schwer ermittelbar. Es sind viele.

Wenn wir die Zahlen betrachten, die uns die beiden großen Organisationen Women Help Women und Women on Web zuspielen und natürlich auf unsere eigenen Erfahrungen schauen und die aus unserem Netzwerk, würden wir vorsichtig schätzen, dass die Zahl 2019 bei ca. 120.000 bis 150.000 lag.

Habt ihr auch schon Frauen betreut, die in ihrer Verzweiflung versucht haben, die Schwangerschaft selbst zu beenden?

CB: Hier muss ich kurz mit dir klären, was genau gemeint ist. Der medikamentöse Abbruch kann bis zur 12. SSW tatsächlich sehr gut und sicher selbst zu Hause durchgeführt werden und hat nichts mit diesen schrecklichen Geschichten zu tun, von denen wir alle schon gehört haben. Ich hoffe sehr, dass diese Geschichten längst der Vergangenheit angehören!

Wir hatten also bisher keine Frauen, die mittels Stricknadel oder Kleiderbügel versucht haben, die Schwangerschaft zu beenden. Aber wir hatten schon einige Frauen hier, die auf Betrüger aus dem Internet reingefallen sind, die ihnen falsche oder gar keine Pillen geschickt haben. Oder sogar, die nach einer solchen Erfahrung bei einem Arzt (in keiner Praxis, sondern einem Privathaus) gewesen sind, der für ein Heidengeld einen „Abbruch“ vorgenommen hat. Ich brauche wahrscheinlich nicht zu sagen, dass es kein Abbruch war. Die Frau war dann ziemlich am Ende mit den Nerven, als sie endlich bei uns landete.

Das ist auch, was uns wirklich sehr, sehr leid tut, dass die Menschen in ihrer Verzweiflung noch ausgenutzt werden. Deshalb freuen wir uns – oh, Ironie des Schicksals – dass die Namen und Telefonnummern der Hilfsgruppen überall im Land bekannt wurden.

Wie helft ihr den Frauen ganz konkret? Wie können sie euch kontaktieren und von wo bis wo reicht eure Begleitung?

CB: Wir helfen überall dort, wo unsere Hilfe im Zusammenhang mit der Organisation des Abbruch-Termins benötigt wird. Wir informieren die Frauen zunächst über den Vorgang, über die gesetzlichen Regelungen. Dann helfen wir, einen Termin bei der Schwangerschaftskonfliktberatung zu vereinbaren. Da haben wir großartige Beraterinnen an der Seite, die uns unterstützen.

Weiter haben wir Praxen, die uns gut kennen und uns sehr entgegenkommen und zum Beispiel sehr kurzfristig Termine ermöglichen oder die Unterlagen ins Polnische übersetzt haben. Die Terminvereinbarung übernehmen wir also auch. Und ebenfalls die Betreuung vor Ort, es ist immer eine von uns auch in der Praxis dabei und übersetzt.

Da der operative Eingriff eine Übernachtung erfordert, helfen wir auch, wenn gewünscht, eine Unterkunft zu finden. Entweder helfen wir bei der Hotelbuchung oder fragen in unserem Netzwerk, ob jemand gerade ein freies Zimmer oder Bett hat und dieses zur Verfügung stellen kann. Das Abholen vom Bahnhof oder Flughafen kommt eher selten vor, aber auch das ist schon vorgekommen und natürlich, wenn es jemand braucht, machen wir das auch.

Welche Frauen kommen zu euch? Und wie geht es ihnen?

CB: Es kommen zu uns wirklich sehr unterschiedliche Menschen. Es sind Teenager, es sind 40-jährige, es sind Singles und Eheleute, Kinderlose und Paare mit Babys. Manche sind sehr entschlossen, sehr selbstsicher, manche sind zögerlich, kommen mit der Situation nicht so gut klar. Es ist so unterschiedlich, wie wir Menschen auch unterschiedlich sind. Wir versuchen, für jede Person ein Ohr zu haben und zuzuhören. Manchmal reicht das schon, damit sie sich besser fühlen.

Und wie sieht es nach dem Eingriff aus?

Wenn alles vorbei ist, hören wir von vielen, welche Last von ihnen gefallen ist und wie befreit sie sich fühlen. Manche aber – häufig sind es Personen, die unbedingt und sofort einen Termin haben wollten – kommen nach Berlin und stellen hier fest, dass sie doch keinen Abbruch wollen. Und das ist total ok für uns.

Ich denke manchmal, dass sie erst in dem Moment, in dem ihnen die Wahl gegeben wird, frei entscheiden können und das auch tun. Auch von ihnen haben wir schon häufig gehört, dass sie uns für die Möglichkeit der Wahl danken.

Wie lang betreut ihr die Frauen, bleibt ihr teils über Jahre mit ihnen im Kontakt?

CB: Im Schnitt dauert so ein Kontakt zehn Tage – so lange, wie wir zur Organisierung des Besuchs brauchen. Aber wir haben tatsächlich auch langanhaltende Kontakte. Ich persönlich bin mit einer Frau befreundet, die zu uns kommen wollte, aber dann doch nicht gekommen ist 😉 und wir haben zum Besipiel auch eine Frau, die bei uns war und die uns danach in Berlin auch ihre Wohnung als Unterkunft angeboten hat.

Bekommen die Frauen auch psychosoziale Begleitung?

CB: Wir haben guten Kontakt zu den Zentren für sexuelle Gesundheit und Familienplanung und zur pro familia oder dem Humanistischen Verband, sodass wir natürlich auch hier Hilfe anbieten können, wenn wir sehen oder hören, dass diese benötigt wird.

Habt ihr selbst irgendwelche psychologischen Schulungen oder Hilfen für die Begleitung der Frauen und ihrer Schicksale?

CB: Irgendwann im Laufe der Zeit haben wir tatsächlich darüber nachgedacht und haben auh bereits ein Webinar zum Thema gehabt. Demnächst werden wir einen weiteren Workshop dazu haben, speziell für den Umgang mit gewollt Schwangeren nach einer Diagnose.

Welche Geschichte ging dir persönlich so nah, dass du sie nicht vergessen kannst?

CB: Ich glaube, dass es meine erste Begleitung eines Paares mit einer Schwangerschaft in der 24. SSW war. Sie haben bereits um die 17. SSW erfahren, dass etwas nicht stimmt, der Arzt wollte aber nicht ins Detail gehen, beruhigte sie und sagte, sie mögen in zwei Wochen wiederkommen.

Dann bestätigte sich sein Verdacht, er schickte sie zur genetischen Untersuchung, die Ergebnisse lagen dann Ende der 22. SSW vor und sagten klar, dass das Kind sehr schwere Hirnschäden hat und sehr wenig Chancen auf ein Überleben hat. Auf ein einigermaßen normales oder erträgliches Leben gab es keine Hoffnung.

Die Ärzte in Polen konnten nun jedoch nicht mehr helfen – sobald das Kind nach der Geburt lebensfähig ist (und das ist es so um die 23. SSW) ist in Polen kein Abbruch mehr möglich. Sie suchten dann bei uns Hilfe, wir fanden ein Krankenhaus im Westen Deutschlands, welches ihnen schnell einen Termin gab. Sie fuhren dorthin, bekamen eine genaue Untersuchung durch den Chefarzt, der die Diagnose auch bestätigte, den Eingriff jedoch nicht durchführen konnte (oder wollte, durfte…).

Sie kamen dann nach Berlin und hier konnten wir ihnen endlich richtig helfen. Ich habe die beiden die ganze Zeit über betreut und sah, wie schlecht es ihnen ging. In Polen wartete die kleine Tochter auf die Eltern, die derzeit quer durch Europa reisten… Ich begleitete die Mutter später auch zur Beerdigung hier in Berlin und fand damit auch meinen Frieden mit der Situation.

Das war für mich das erste Mal, dass ich an einer Zeremonie für die Sternenkinder teilgenommen habe und es war sehr, sehr emotional, auch für mich, obwohl es mich eigentlich gar nicht betraf und ich damals noch kein Kind hatte.

Ihr helft nicht nur bei Schwangerschaftsabbrüchen, stimmt´s?

CB: Ja, wir helfen, wo wir können 🙂 Natürlich erreichen uns vor allem Anfragen im Zusammenhang mit ungewollten Schwangerschaften, aber wir helfen auch zum Besipiel dabei, „Pillen danach“ zu sammeln, um sie einem Kollektiv in Polen zu übergeben oder beantworten auch Fragen zu Sterilisierung, denn auch die ist in Polen verboten. Und wir bzw. unsere Tante in Wien – Tante Wienia unterstützen auch Frauen, die die Schwangerschaft austragen wollen (oder müssen) und das Kind zur Adoption freigeben wollen. Auch in den späteren Wochen der Schwangerschaft stehen wir ihnen bei.

Ihr gehört auch zum europäischen Netzwerk „Abortion Without Borders“, warum genau?

CB: Weil es ein großartiges Netzwerk ist 🙂 Und natürlich, weil es uns die Hilfe für Personen viel leichter macht, die uns ansprechen. Wir lernen so viel voneinander, wissen was wo möglich ist, können uns schnell austauschen, ggf. entlasten und viel effizienter arbeiten. Es ist z.B. manchmal einfacher (und günstiger), eine Peron mit medizinischer Indikation in der 17. SSW nicht den gesamten Prozess in Deutschland durchlaufen zu lassen, sondern sie nach Holland zu schicken oder nach Spanien.

Hat Corona etwas an eurer Arbeit verändert?

CB: Corona hat in erster Linie für viel Aufregung und Unsicherheit gesorgt. Viele, die uns kontaktiert haben waren noch ungeduldiger und hatten Angst, dass die Grenzen geschlossen werden. Aber ansonsten hat sich nicht viel verändert, außer, dass wir mehr Anfragen hatten.

Habt ihr auch durch die Verschärfung der polnischen Gesetze deutlich mehr Anfragen?

CB: In der ersten Woche wurden wir förmlich überschwemmt mit Anfragen. Viele haben uns gar nicht gebraucht, wollten sich aber absichern, dass es uns gibt und dass sie ggf. auf uns zählen können. Und ja, es gab auch ein paar Anfragen von Personen mit medizinischer Indikation zur
Beendigung der Schwangerschaft.

Wie finanziert ihr euch?

CB: Die Gruppe selbst arbeitet ehrenamtlich, hat kein Büro, also ist das schon mal kostenfrei. Aber natürlich brauchen wir Geld, um die Personen, die uns besuchen ggf. unterstützen zu können. Ein Abbruch ist nicht billig und nicht jede von ihnen kann sich diesen leisten.

Wir haben vor dem Lockdown öfter Soli-Partys organisiert, bekommen aber oft sehr überraschend Spenden von anderen Gruppen, die ebenfalls Partys, Kochabende und andere tolle Sachen ins Leben rufen, um Geld für uns zu sammeln. Und natürlich gibt es noch die Online-Spendenaktionen, die wir derzeit auch nutzen. Darüber erfahren wir viel Zuspruch und natürlich auch finanzielle Unterstützung.

Welchen Wunsch hast du für die Frauen in Polen, aber auch für Frauen generell und weltweit?

CB: Ich würde generell allen Menschen wünschen, dass sie ein freies und selbstbestimmtes Leben führen können. Und speziell den Frauen, dass sie nicht mehr bevormundet werden, dass sie über sich selbst entscheiden können und dass sie auch die Kraft finden, sich dieses Recht zu holen, wenn es ihnen nicht gegeben wird.

Ihr könnt die Organisation Ciocia Basia durch Spenden unterstützen: https://de.gofundme.com/f/support-ciocia-basia, erreichbar sind sie unter der Emailadresse: ciocia.basia@riseup.net und unter der polnischen Telefonnummer: +48 22 39 70 500

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3 comments

  1. Die Veränderungen (nicht nur) in Polen, die Frauen das Recht darauf nehmen, selber zu entscheiden, ob sie ein Kind bekommen möchten oder nicht, ist mehr als beunruhigend. Umso wichtiger die Arbeit von Orgnaisationen, die dabei helfen. Es geht hier ja, so wie ich das beobachte, vor allem auch um ungeplante bzw. gewollte Frühschwangerschaften, die in Deutschland bis zur 12. Woche ohne Angaben von Gründen, nach einem Beratungsgespräch und Bedenkzeit, straffrei beendet werden dürfen und ohne Angabe von Gründen.
    Was aber inhaltlich nicht richtig ist, ist dass man die Tabletten (Mifegyne) einfach mit nach Hause nehmen kann. Bzw. kommt es darauf an, welches Medikament verwendet wird, aber lege artis sollen die Tabletten unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden, um einen Missbrauch zu verhindern. Zudem sollten die Frauen ja einen Ansprechpartner haben, wenn zB die Blutung einsetzt.
    Außerdem darf in Deutschland nie wegen einer Erkrankung des ungeborenen Kindes abgetrieben werden. Es muss immer die Schwangere sein, die sich nicht vorstellen kann, dass sie die Schwangerschaft fortführt. (Dass das dann in der fortgeschrittenen Schwangerschaft so gut wie immer an einer Erkrankung des Kindes liegt, ist natürlich ein bisschen Augenwischerei).
    Dies aber nur als Anmerkung zum Text. Ich finde es unglaublich, dass die Frauen in Polen (und zB auch in Malta und den USA) mit ihren Sorgen alleine gelassen werden und keine Hilfe im eigenen Land erwarten können. (Übrigens gibt es auch in Deutschland Regionen, in denen die Frauen lange Wege auf sich nehmen müssen)

  2. Die veränderte Rechtslage in Polen hat mich fassungslos gemacht. Ich bin schwer beeindruckt von euch und dankbar, dass ihr Frauen unterstützt über ihre Körper und Leben selbst zu entscheiden. Von ganzem Herzen danke für euer Engagement! Spenden wir!

  3. Ich finde das „Recht“ darauf behindertes Leben zu beenden generell schwierig. Wer entscheidet denn welches Leben lebenswert ist? Und auch angeblich gesunde Kinder können im Laufe ihrer Kindheit oder auch schon der Geburt eine Behinderung erwerben. Ich finde diese endgültige Bewertung, welches Leben „mehr“ Wert ist als andere falsch.

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