Alleingeburt: Ich habe mein 3. Kind ohne Hebamme und Ärzte bekommen

Liebe Romina, du hattest im Oktober 2020 eine Alleingeburt. Deine zwei älteren Töchter hast du im Krankenhaus entbunden. Wie waren diese Geburten für dich?

Genau, meine Töchter kamen „standardmäßig“ im Krankenhaus zur Welt. Meine erste Geburt war sehr traumatisierend für mich. Viele Interventionen, die nicht hätten sein müssen, meine Wünsche wurden nicht beachtet und ich hatte auch nicht das Gefühl wirklich ernst genommen zu werden. Ich hatte schlimme Geburtsverletzungen, die langsam heilten. Zusammenfassend fühlte ich mich während und nach der Geburt sehr erniedrigt. Die 2. Geburt war besser, aber auch hier fühlte ich keine Selbstbestimmung.

Wie ist die 3. Schwangerschaft verlaufen, welche Vorsorgen hast du gemacht?

Meine Schwangerschaft unserem Sohn war traumhaft. Bis zur 20. Woche litt ich zwar unter Übelkeit, aber das war aushaltbar. Die Schwangerschaftsvorsorge hab ich auf ein Minimum beschränkt. Ich war zur Feststellung der Schwangerschaft bei meinem Gynäkologen, einmal auf Grund von einer einmaligen Sturzblutung und das letzte Mal in der 25.Woche zum Organscreening, was mir persönlich einfach wichtig war. CTG lehnte ich ab.

Wann hast du das erste Mal über eine Alleingeburt nachgedacht?

Tatsächlich schon in der 2. Schwangerschaft, weil ich die erste Geburt eben sehr traumatisierenden empfand. Den Gedanken habe ich aber wieder verworfen, weil die Schwester meines Partners vorübergehend bei uns einzog und so viel Trubel war.

Doch dann hast du dich für die dritte Geburt dazu entschieden. Was hat dein Partner und ein übrigens Umfeld dazu gesagt?

Mein Partner stand ab Sekunde eins hinter mir und meiner Entscheidung. Er hat mir da absolut vertraut. Bei meinem Umfeld waren die Reaktionen gemischt. Von „lass den Scheiß mit der Alleingeburt“, „Du wirst dein Kind umbringen“ bis hin zu: „Wahnsinn, ich wünschte, ich könnte das auch“ war alles dabei.

Wie und wo ist dein Baby dann zur Welt gekommen?

Die beiden Mädchen waren im Kindergarten und ich selbst fühlte mich wahnsinnig rastlos. Morgens kurz vor 9 Uhr platzte die Fruchtblase. Da ich noch keine Wehen hatte, legte ich mich ins Bett und schaute TV. Mein Partner war noch zu Hause, er vergewisserte immer sich, dass es mir gut geht. Da unsere Tochter am nächsten Tag Geburtstag hatte, schickte ich meinen Partner los, um noch die letzten Sachen dafür einzukaufen. Als er fuhr, war es 11.30 Uhr, da hatte ich alle 6 Minuten Wehen.

Um 12 Uhr kamen die Wehen alle 3 Minuten, sie waren plötzlich so stark, ich hatte Mühe sie zu veratmen. Ich kniete, saß auf dem Pezziball,stand im Türrahmen, lief durch die Wohnung. Zwischendurch rief immer wieder mein Partner an und vergewisserte sich, ob alles ok bei mir ist. Ich hielt die Telefonate so kurz wie möglich, wollte nicht, dass er Heim kommt. Ich wollte komplette Ruhe.

Um 13 Uhr waren die Schmerzen sehr heftig. Und dann kam dieses „Ich hab kein Bock mehr“ -Gefühl. Da wusste ich, dass es nicht mehr lange dauern kann. Um 14 Uhr fingen die Presswehen an, ich dachte, mein Becken würde brechen. Ich stellte mich hin und presste bei jeder Wehe mit, ich wollte, dass es vorbei ist, ich konnte nicht mehr. Ich mobilisierte meine letzte Kraft, da war das Köpfchen geboren, ich presste weiter und um 14:23Uhr wurde unser wunderschöner Sohn Junes geboren.
Der Papa kam 7 Minuten später nach Hause und war total überrascht, aber unendlich stolz auf mich und unsren Sohn. Wir ließen die Nabelschnur 20 Minuten auspulsieren, die Plazenta ließ 2 Stunden auf sich warten.

Rückblickend: Wie hast du die Geburt erlebt? Was war das Schönste für dich?

Die Geburt empfand ich als sehr kraftvoll. Es war einfach sehr stimmig für mich, ich war total klar, und ganz bei mir und dem Baby. Ich kann nicht genau sagen, was der schönste Moment war – es war von Anfang bis Ende nämlich genau so, wie ich mir das gewünscht und die ganze Schwangerschaft über visualisiert habe. Was ich aber noch gut im Kopf habe war die super Kommunikation zwischen meinem Kind und mir.

Wann kam dann eine Hebamme oder ein Arzt/Ärztin dazu?

Gar nicht. Ich hatte keine Hebamme und ein Arzt war ebenfalls nicht nötig. Die Plazenta kam vollständig, ich hatte keinen nennenswerten Blutverlust und auch keine Geburtsverletzungen. Wir sind lediglich am 3.Lebenstag zur Kinderärztin für die U2.

Nun ist die Alleingeburt umstritten, weil man sich ja bewusst einem Risiko aussetzt. Denn wenn es unter der Geburt zu Komplikationen kommt, dann ist keine medizinische Hilfe da. Warst du dir dessen bewusst?

Ich war mir bewusst, dass ich für alles die Verantwortung trage.

Viele sehen deshalb die Alleingeburt als unverantwortlich an. Was sagst du dazu?

Da muss ich immer schmunzeln, weil ich das komplett anders sehen. Wenn man eine Alleingeburt plant, beschäftigt man sich viel mehr mit dem Thema Geburt und möglichen Komplikationen als bei einer Klinikgeburt. Ich glaube, viele denken da eher: „Im Krankenhaus ist Fachpersonal, die sagen mir schon, was ich zu tun habe.“ Dieser Satz ist natürlich etwas überspitzt, aber viele Frauen sagen, dass sie gefühlt die Verantwortung für sich und das Baby an der Kliniktür abgeben. Das wollte ich für mich und uns nicht.

Würdest du dich also wieder für eine Alleingeburt entscheiden?

Ich würde nie wieder anders gebären wollen. Es ist eine wundervolle Erfahrung zu spüren, dass der Körper sehr genau mitteilt, was man tun oder lassen sollte.

Wir sollten viel mehr auf uns und unseren Körper vertrauen und hören, statt uns sagen zu lassen, wie man sich nun hinlegen soll, oder wann man pressen muss/darf oder nicht. Unsere Körper sind dafür gemacht zu gehören. Vielleicht braucht es etwas Mut und Arbeit an sich selbst, um eine Alleingeburt zu wagen. Aber für mich hat sich das gelohnt, ich bin seit der Geburt von Junes unglaublich gewachsen.


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30 comments

  1. Es geht immer nur um die Frau – die „Gebärende“. Warum geht es nicht einmal um das Kind? Oft genug hört man von Hausgeburten, die plötzlich ins Krankenhaus verlegt werden mussten. Meist mit gutem Ausgang, aber leider nicht immer.
    Es ist mir ein Rätsel, wie man seine eigenen Bedürfnisse so über die Sicherheit des Kindes stellen kann. Und hier geht es nicht darum, dass ich eine Klinikverfächterin wäre (ja, die bin ich – mein Sicherheitsbedürfnis ist da wohl recht hoch) sondern darum, dass diese Frau sich nichtmal jemanden zur Seite geholt hat. Wenn keine Hebamme, dann wäre doch der Mann oder eine Freundin das Mindeste – halt IRGENDJEMAND der im Notfall reagieren kann, denn im wirklichen Notfall ist man eben handlungsunfähig.
    Frauen gebären seit Jahrhunderten, wenn nicht länger im Beisein anderer, erfahrener Frauen.
    Ein Glück für das Baby, das nichts passiert ist.
    Man kann für die Kinder nur hoffen, dass sich die Einstellung der Mutter nicht über die ganze Erziehungszeit zieht.

  2. Liebe Romina, super Leistung! Ich find das hast du echt toll gemacht.

    Habe selber drei Kinder und weiß das man letzendlich, egal wieviel Fachpersonal um einen herum ist, das Baby mit seinem eigenen Körper auf die Welt bringen muss/darf. Da kann noch so viele Ärzte an einem rum ziehen – letzendlich macht der Körper das „alleine“. Herzlichen Glückwunsch dir und deiner Familie!

    1. Natürlich muss man das Kind mit seinem eigenen Körper zur Welt bringen. Würde auch kein Fachpersonal behaupten, dass sie dir das abnehmen können.
      Was hat diese Tatsache aber denn damit zu tun, dass hier eine Frau sich und ihr Kind mit voller Absicht einem vermeidbarem Risiko aussetzt?
      Das kommt meiner Meinung nach (auch) von dieser Verherrlichung und Glorifizierung von Müttern und Gebären! Da geht es immer um „Leistung “ und dass eine Geburt ein „wundervolles“ und „selbstbestimmtes“ Erlebnis sein muss. Und dann sind Frauen „traumatisiert“, weil es kein rosarotes Zuckerwatte-Ereignis ist.
      Sondern eine Geburt! Mit Blut und Schmerzen und Emotionen und Geschrei und allem! Und einem Baby!!! Hoffentlich gesund, genau wie die Mutter!

      1. nika, natürlich muss eine geburt nicht glorifiziert werden. aber menschen es zu sagen ob sie traumatisierte sind oder nicht geht nicht. wir wissen doch gar nicht was passiert ist! also würde mir einer sagen meine erste geburt wäre nicht traumatisch, für den habe ich keine netten worte….. und das nicht weil es keine „zuvkerwatte-geburt“ war hohe schmerzen oder blut… und eine geburt sollte immer selbst bestimmt sein, die allermeisten frauen spüren was sie brauchen oder was ihnen nicht gut tut. warum soll das jemand anderes sagen?! und wie viele frauen die vor mehr als 30 jahren genährt haben haben mit allesamt erzählt das sie nicht selbst bestimmt gebären durften. und sie wollten definitiv keine zuckerwatte… dem einzigen was ich zustimme ist, das ich geplante alleingeburten auch nicht gut finde. eine kompetente hebamme ist das mindeste was man braucht. keiner kann vorhersehen was kommt.

  3. Meine Freundin ist Kinderärztin und muss regelmäßig rausfahren um Babys nach Geburt zu reanimieren oder Kranke Neugeborene aus anderen Krankenhäusern holen, die keine Kinderabteilung haben.
    Leider wirklich keine Ausnahmefälle. Es ist so so traurig und schlimm was die Familien erleben müssen. Daher kam für mich nur eine Entbindung an einer Klinik mit angeschlossener Kinderklinik in Frage.

    1. Dankeschön Nika, du sprichst mir aus der Seele. Bei einer Geburt sollten in erster Linie die Gesundheit von Mutter und Kind im Vordergrund stehen. Durch den Geburtsprozess muss man halt einfach durch wenn man sich dafür entscheidet Mutter zu werden. Und wenn dann die rosa Wolke vom verherrlichten Geburtserlebnis platzt – so what, Augen zu und durch. Hauptsache alle gesund. Es sind für uns vielleicht ein paar unangenehme Stunden durch die wir durchmüssen , aber wenn etwas schiefläuft muss das Kind das ganze Leben die Konsequenzen tragen.

  4. Ich finde es gefährlich solche Interviews völlig unkommentiert zu veröffentlichen. Natürlich ist es absolut schrecklich, wenn eine Frau bei ihrer Geburt in einer Klinik so traumatisiert wurde, dass sie nicht mehr mit Hilfe entbinden möchte. Aber eine Alleingeburt als mögliche Alternative darzustellen ist fahrlässig. Wenn kein Profi dabei ist, also keine Hebamme, dann ist einfach niemand dabei, der erkennt wenn es Mutter und Kind nicht mehr gut geht. Und ja, zum Glück geht fast immer alles gut, aber wenn nicht, dann bedeutete es, dass die Mutter und das Kind eben auch sterben können oder schwer beeinträchtigt sind für den Rest des Lebens. In diesem Fall hinterlässt die Mutter dann auch noch Halbwaisen. Warum haben wir denn in Deutschland so eine niedrige Mutter- und Kindersterblichkeit. Weil wir die Frauen nicht alleine lassen. Was sich ändern muss, ist das auch in Kliniken eine selbstbestimmte Geburt möglich ist. Ich finde es schade, dass ihr mit eurem Blog, der so eine Reichweite hat, dazu beitragen, dass eine Frau sich am Ende für eine gefährliche Alleingeburt entscheidet.

  5. So ein Alleingang ist für mich nicht nachvollziehbar, vor allem wenn man schon 2 Kinder hat, die auf einen angewiesen sind.
    Hätte irgendetwas nicht funktioniert, dann hätte der Notarzt angefordert werden müssen, der dann im Zweifel nicht an anderer Stelle hätte helfen können. Für mich eine komplett riskante Kamikaze-Aktion, die für die Desells haft einfach unfair ist.
    Ich verstehe es, wenn man auf Grund von schlechten Erfahrungen Vorbehalte ggü. einer Klinik hat. Aber komplett ohne Hilfe (sogar der Partner wurde „weggelockt“…), das ist verantwortungslos.
    Bitte glorifiziert das nicht in einem solchen Interview.

  6. ich hatte zwei geburten-die erste war am ende nicht selbst bestimmt und übergriffig. die zweite war absolut selbst bestimmt im krankenhaus. ich war vorbereitet und hätte mich zu nix mehr drängen lassen, außer die hebamme hätte mir kurz erklärt warum ein eingreifen ihrerseits wichtig wäre. ich glaube das hat sie auch gespürt. ich war die ganze zeit herrin der lage. dieses erlebnis war für mich nach der ersten geburt sehr sehr wichtig.
    für mich wäre aber nie infrage gekommen geplant alleine zu gebären, es können einfach immer spontan komplikationen auftreten. nach dieser zweiten geburt im krankenhaus wäre für mich nun auch eine geburt zuhause vorstellbar ( da mein erstes kind nach der geburt auf die intensiv station musste, habe ich beim zweiten die sicherheit des krankenhauses gebraucht, mir aber ein gutes ausgesucht in das wir auch weiter fahren mussten). ich weiß nicht ob ich jemals noch ein drittes kind bekommen würde, aber wenn in der schwangerschaft alles ok wäre würde ich eine hausgeburt bevorzugen. aber mir wäre sehr wichtig das ich eine mir sympathische hebamme dabei hätte. ich bin schon so, das ich meine ruhe und einkehr benötige, aber mann und hebamme können sich zuhause wunderbar zurück ziehen und nicht neben mir stehen, wären aber im notfall sofort da. natürlich passieren geburten auch mal ungeplant alleine, aber das wäre mir viel zu riskant so auch zu planen, denn wie gesagt, es kann doch ungeplant immer komplikationen geben.

  7. Es freut mich sehr dass diese Alleingeburt gut gegangen ist. Aber dennoch finde ich es bedenklich wenn solche positiven Berichte immer mal wieder auf verschiedenen Formaten veröffentlicht werden. Wenn man das liest klingt das nämlich alles ganz easy peasy, ein paar Bücher lesen, positiv denken und schon hat man (wenn niemand stört) eine traumhafte Geburt. Ich glaube schon dass das einige inspiriert und das die Risiken absolut nicht klar genug benannt und dargestellt werden. Ich persönlich hoffe sehr dass Frauen sich in keinem Fall für eine Alleingeburt entscheiden sondern immer eine erfahrene Geburtshelfer/in an ihrer Seite haben.

  8. Aber ich muss an einem Punkt entschieden widersprechen: dass die Risiken allein getragen werden. Wenn es nicht gut gegangen wäre, wenn es im schlimmsten Fall zu schweren Verletzungen bzw bleibenden Behinderungen gekommen wäre, wäre keine Familie in der Lage, die daraus entstehenden Kosten, die leicht in die Hunderttausende gehen, allein zu tragen. Natürlich trövt dann die Gemeinschaft die Kosten.. Das denke ich zum Beispiel auch bei Impfgegnern: sollten sie mal an den Kosten der Intensivbehandljng beteiligen. Und hier geht es ja nicht nur um die Verantwortung für einen mündigen Erwachsenen, sondern auch um ein Baby. Ich finde es relativ verantwortungslos.

    1. Naja, diesen Gedankengang könnten wir dann aber auch noch ewig weiter spinnen:
      Raucher oder allgemein Suchtkranke,
      Motorradunfälle,
      Autounfälle (wenn das Auto für einen Weg benutzt wurde, den man theoretisch auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigen hätte können),
      Unfälle nach Extremsport,
      Übergewichtige und die daraus folgenden Erkrankungen,
      allgemein ungesunder Lebenswandel (viel Fast Food, kein Sport,…) und daraus resultierende Erkrankungen,

      Himmel, die Liste hört ja gar nicht mehr auf.

      1. In all den genannten Beispielen kommt die Verantwortung für das Baby nicht vor. Du willst doch nicht im Ernst Motorrad oder Auto fahren mit dem Außerachtlassen absoluter Basisregulative bei einer Geburt vergleichen (besonders toll auch: kein CTG!?)? Für mich ein unglaublicher Fall von Selbstüberhöhung und-überschätzung. Die Kinder werden es mal nicht leicht haben mit der Mama, die alles besser weiß und kann als alle anderen, der Partner übrigens auch nicht (musste brav einkaufen und wurde bewusst außen gelassen, während sein Kind vollkommen vermeidbaren Risiken einer extremistischen Kopf-durch-die-Wand-Entscheidung ausgesetzt war).

        1. Meine Antwort bezog sich auf die Aussage, dass die Kosten für eine selbstverschuldete Krankheit oder Folgen eines Unfalls selbst zu tragen sind und war kein direkter Vergleich zwischen Motorradfahren und Alleingeburt. (Obwohl ich Motorradfahren für gefährlich halte und es nie im Leben machen würde). Und ganz ehrlich: Ohne Hebamme gebären muss man nicht und Motorradfahren muss man auch nicht, in beiden Fällen könnte man theoretisch sagen „selbst schuld, wenn was passiert“.
          Und ja, natürlich trägt man als Verkehrsteilnehmer auch Verantwortung für andere. Für die eigenen Kinder und für die der Fremden, die sich im Straßenverkehr aufhalten.

      2. ja das ist mir natürlich bewusst. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass die Aussage, die Verantwortung für die Entscheidung allein zu tragen, so nicht stimmt. Natürlich stimmt sie auch für Raucher, Alkoholiker, Ungeimpfte usw. nicht. Ich finde es noch zusätzlich in dem Punkt heikel, weil das Ungeborene nicht gefragt werden kann, ob es diese Entscheidung seiner Mutter okay findet. Und die eventuellen Folgen tragen möchte. Oder zweifelt jemand ernsthaft an, dass die Risiken einer solchen „Alleingeburt“ höher sind als bei einer überwachten?

      3. Ja! Lasst uns das doch ruhig weiter spinnen! Warum sollen die Menschen NICHT die Konsequenzen ihrer Entscheidungen selbst tragen? Vielleicht wäre manch eine*r dann umsichtiger.

        Es ist total schön dass diese Frau endlich eine selbst bestimmte Geburt erleben durfte. Wir sollten aber nicht darüber reden ob das jetzt verantwortungslos oder heldenhaft war. Sondern darüber warum sie solch ein Wagnis eingehen wollte! Wir sollten uns als Mütter nicht gegenseitig in die Pfanne hauen, sondern mal überlegen wie wir einander unterstützen können, denn diese Situation, diese Angst vor einer erneut traumatischen Geburt, die kennen doch viele von uns! Und auch wenn es nicht mein Weg gewesen wäre das Kind alleine zu bekommen, müssen wir anerkennen dass die Frau ihre Gründe, ihre Ängste hatte und wenn es jemandem in unserem Umfeld genauso geht, müssen wir doch fragen was wir gegen diese Ängste tun können, anstatt sie zu verurteilen… Und dann wären da natürlich noch all die Dinge, die schief laufen in der Geburtshilfe, die man mal anprangern sollte und die letztlich der Grund sind warum so viele Frauen traumatische Geburten erleben.

  9. Die Pathologisierung von Schwangerschaft und Geburt ist wirklich ein Problem, das vielen Frauen die Selbstsicherheit und das Vertrauen in sich selbst und in den ganzen Prozess einschließlich Geburt zunichte macht.

    Es tut mir leid für die Frau, dass sie so eine traumatische erste Geburt erleben musste und es ist ein großes Glück für sie, dass ihr Erlebnis sie gestärkt und versöhnt hat.

    Habe trotzdem kein Verständnis dafür, dass sie diesen Weg so unreflektiert und unkritisch betrachtet (jedenfalls kommt das in dem Interview so rüber). Das Gegenüberstellen von „fremdbestimmter Klinikgeburt“ und Alleingeburt spricht in meinen Augen auf eine Schwarz-Weiß-Gedankenwelt, die bei dem Thema unangebracht ist. Ich kann nicht verstehen, welcher vernünftige Mensch sich freiwillig gegen die Betreuung durch eine Hebamme entscheiden kann. Hier liegt aber natürlich das wahre Problem und das Versagen unseres maroden, menschenfeindlichen Gesundheitssystems, denn nicht jede Frau hat die Möglichkeit, eine Hebamme für die ausserklinische Geburt oder eine Beleghebamme zu bekommen.
    Aber Alleingeburt ist nicht die richtige Antwort auf dieses Missstand!

  10. Romina, ich kann dich und deine Gedanken absolut verstehen. Toll, dass du so mutig bist, hier einen Bericht über euch veröffentlichen zu lassen! Ich hatte im Januar diesen Jahres auch eine geplante Alleingeburt und es war die beste Entscheidung, die wir für uns treffen konnten. Jede Familie hier darf zum Glück selbst entscheiden, wie und wo sie ihr Kind gebären möchte.

  11. Hallo zusammen,
    Es ist immer schön, wenn bei Geburten alles gut geht und Frauen so positiv bestärkt aus der Geburt gehen können, wie Romina. Das freut mich sehr für dich!
    Allerdings ist das halt einfach nicht zwangsläufig gegeben, es ist für die Schwangere selbst nicht erkennbar. Es ist auch unmöglich, während einer Komplikation zu reagieren.
    Die Alleingeburt darf nicht die Lösung für die Krisen unseres Gesundheitssystems werden! Das unendlich Tragische ist, dass Frauen die Unterstützung und Hilfe von Fachpersonen aus Angst vor den Interventionen eben dieses Personals nicht mehr in Anspruch nehmen. Darüber müssen und sollen wir sprechen! Unser System muss (wieder) sicherer werden und das wird es nur mit einer Verbesserung der Hebammenleistungen! Im Zuge dessen möchte ich den Hebammenstreik in Berlin erwähnen und darauf aufmerksam machen, dass in eben diesen Momenten junge Kolleginnen dafür kämpfen, dass die Bedingungen wieder Frauenfreundlicher und sicherer werden, damit Frauen keine Angst mehr haben müssen mit Hilfe von Fachpersonenen zu gebären!
    Liebe Grüße Isabelle (Hebamme)

    1. Liebe Isabelle, liebe Alle!
      Es ist eine Frage der Geburtskultur und es ist eine politische Frage. Wenn Hebammen immer mal wieder streiken wird es zu wenig sein. Wir müssen uns gesamtgesellschaftlich der Frage kulturell, wissenschaftlich und politisch annehmen. Bis sich da was tut dauert es halt seine Zeit, dazwischen sucht jeder individuell seinen Weg durch.
      Ich bin für fachkundig begleitete Geburten…aber wenn eine Frau
      mit allen Konsequenzen für sich entscheidet allein zu gebären, dann ok! Man (die Alleingebärende oder sonst wer) kann sich dann halt bei unerwünschtem Verlauf nicht erwarten, jemand anderer hätte diese Frau/Kind/Familie davor bewahren müssen ( auf welche Art und Weise auch immer ).
      Liebe Grüße Ina (Hebamme)

  12. Ich freue mich von Herzen für Romina und ihre Familie, dass alles gut gegangen ist!

    Trotzdem finde ich es sehr gefährlich, das hier auch nur irgendwie als nachahmenswert oder stark hinzustellen.

    Ich selber hatte zwei Hausgeburten und war dankbar für meine erfahrene Hebamme (sie hatte schon über 1500 Geburten begleitet). Eine gute Hebamme hält sich im Hintergrund, kann aber durch aufmerksames Beobachten rechtzeitig erkennen, ob irgendeine Art der Unterstützung oder Hilfe nötig ist.

    Geburt ist immer ein Grat zwischen Leben und Tod. Eine plötzliche starke Blutung oder auch nur ein Kreislaufzusammenbruch lässt einen als Mutter mit einem Schlag handlungsunfähig werden. Man BRAUCHT jemanden an seiner Seite.

    Wer bei der Geburtsarbeit Ruhe benötigt, kann das kommunizieren. Der Partner und die Hebamme können sich sehr zurückhalten, vielleicht auch in einem Nebenraum präsent sein.

    Ich brauchte für die Geburt auch Ruhe und Konzentration. Eine gute Hebamme wird genau das erkennen und unterstützen.

    Wenn Romina diesen riskanten Weg gegangen ist, liegt das in der Verantwortung ihrer Familie. Aber Stärke und Selbstwirksamkeit bei einer Geburt kann man auch erfahren, wenn man ein Sicherheitsnetz hat.

  13. Liebe Romina,
    Ein ganz wundervoller Bericht von dir und der Geburt deines Kindes.
    Panik machen ist bei einer Geburt fehl am Platz. Und das passiert häufig in der Klinik. Keine Ruhe, keine Zeit, keine gewohnte Umgebung und zack hängt man in der Interventionsspirale.
    Auch wenn ich der Meinung bin Alleingeburt jain, eine zurückhaltende Hebamme bei einer Hausgeburt ja.
    Aber zu Corona Zeiten kann ich eine Geburt ohne Fachpersonal absolut nachvollziehen!
    Alles Gute für euch!

  14. Geht in 99% der Fälle gut, aber in einem halt nicht. Viel besser wäre es doch, wenn Frauen Räume in oder nahe bei Kranken- und Geburtshäusern bekämen, in denen sie allein sein können. Kuschelige, gemütliche Höhlen, in die sie sich zurück ziehen können, aber halt mit Alarmknopf für Notfälle. Dass Frauen die Alleingeburt als einzige Möglichkeit selbstbestimmter Geburt empfinden, ist die Schuld eines Systems aus Sparmaßnahmen, Personalmangel, Fallpauschalen und ungerecht verteilten Versicherungspflichten. Ein Armutszeugnis für das reiche Deutschland. Es ginge auch anders.

  15. Leider reicht das „Beschäftigen mit Komplikationen “ nicht aus, um während der Geburt lebensrettend darauf reagieren zu können.
    Ich bin selten so unverschämt, aber hier muss ich sagen:
    Ein dümmeres Geschwätz als das von Romina habe ich selten gehört bzw. gelesen!

    1. Kann mich dir nur anschließen. Ehrlich gesagt, verstehe ich auch nicht, warum so etwas hier überhaupt veröffentlicht wird und quasi Werbung gemacht wird für freiwillige Alleingeburt. Dieses Russische-Roulette-Spiel als Stärke zu präsentieren finde ich gefährlich.
      Okay, sie wollte das unbedingt und es ist zum Glück alles gut gegangen, aber genau das war es eben: Glück. Keine Vorbereitung der Welt hätte ihr oder ihrem Kind im Ernstfall helfen können. Selbst wenn sie die beste Gynäkologin oder Neonatologin der Welt wäre, hätte ihr das im Ernstfall nicht helfen können.

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