Zweite Geburt: Alles lief gut, bis eine fiese Hebamme übernahm

Geburt

Foto: pixabay

Ihr Lieben, manchmal ist es der Ton, der die Musik macht und manchmal kann ein einzelner Mensch so negativ sein, dass er einen ganzen Geburtsverlauf beeinflussen kann – und zwar nicht zum Guten. Genau das ist unserer Leserin Joana passiert. Sie wurde nicht nur unfreundlich behandelt und nicht ernst genommen, sondern hatte auch noch das Gefühl, ihre betreuuende Hebamme lächeln zu sehen, als sie die größten Schmerzen hatte… Auch ein Fall für den Roses Revolution Day. Hier kommt ihr Geburtsbericht.

„Warum wird immer noch so wenig über die Missstände in der Geburtshilfe gesprochen? Um von der Geburt unseres zweiten Kindes zu erzählen, muss ich mit der Geburt unseres ersten Kindes beginnen.

Meine erste Geburtserfahrung war leider so gar nicht das, was man sich für seine Geburt erhofft. Sie begann mit einer Krankenwagenfahrt ins Krankenhaus, gipfelte in einem – durch den Wehentropf ausgelösten – Wehensturm und endete mit einer Saugglockengeburt. Nach der Geburt war ich körperlich, aber auch seelisch sehr angeschlagen und brauchte lange, um mich wieder zu fangen.

Mit der 2. Schwangerschaft die 1. Geburt verarbeiten

In der zweiten Schwangerschaft begann ich mittels Bachblüten, Akupunktur, Gesprächen und vielem mehr mit meinen zwei tollen Vorsorgehebammen die zurückliegende Geburt aufzuarbeiten. Er war ein Stück Arbeit, aber ich konnte tatsächlich Frieden mit dieser ersten Geburt schließen und ging sehr gestärkt und voller Vertrauen in die zweite Geburt – eben auch mit dem Wissen, was ich wollte oder was nicht.

Die regelmäßigen Wehen setzten gegen 18 Uhr ein. Mein Mann kam von der Arbeit, wir aßen gemeinsam und brachten das große Kind ins Bett. Mir ging es wirklich gut, das hatte ich nicht erwartet. Von der ersten Geburt kannte ich nur die „künstlichen“ Wehen, die für mich wirklich die Hölle waren, da ich zum Beispiel keine richtigen Wehenpausen hatte. Ich war wirklich guter Dinge.

„Der Beginn der 2. Geburt war wunderbar“

Gegen 21 Uhr fuhren wir in die Klinik – mit Wehen alle ein bis zwei Minuten. Angekommen war ich zunächst happy, da ich die diensthabende Hebamme bereits kannte und sehr mochte. Sie untersuchte mich und war sehr positiv, Muttermund zur Hälfte eröffnet. Mir ging es immer noch wunderbar, die Wehen bereiteten mir keine Probleme und die Hebamme war sehr zuversichtlich, dass das Kind noch vor Mitternacht käme. Ich war einfach glücklich, ich hatte ein wirklich gutes Gefühl zur Geburt.

Der Arzt schaute kurz vorbei, um sich nach dem aktuellen Stand zu erkundigen. Im Laufe des Gesprächs fragte er die Hebamme, wer zur Ablöse käme (ich hatte mir bis dato keine Gedanken gemacht, dass ja um 22 Uhr Schichtwechsel ist), sie nannte einen Namen und der Arzt verzog sein Gesicht. Die Hebamme sagte dann nur noch: „Naja, das Kind wird schon trotzdem kommen.“ Ich hielt das für einen Scherz und dachte mir nichts dabei.

Die neue Hebamme ist grob und unfreundlich

Die Ablöse kam gegen 22.15 Uhr das erste Mal in den Kreißsaal. Sie sagte mir nach kurzer Vorstellung, sie würde mich jetzt untersuchen. Keine Frage, eine Ansage. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch nicht mal eine Stunde in der Klinik. Ich fragte sie daher, ob das schon nötig sei, da die letzte Untersuchung ja erst gute 30 Minuten her sei. Sie sagte, sie wolle sich selbst ein Bild machen.

Die Untersuchung war extrem grob und schmerzhaft, was man mir wohl auch anmerkte. Sie fuhr mich an, ich solle mich nicht so anstellen, eine Geburt „müsse“ eben wehtun und sowieso hätte sie die Nase voll von Schwangeren, die in den Kreißsaal kämen und erwarteten, dass sie ihre Kinder einfach geschenkt bekämen.

So viele Abfälligkeiten der Dame: Was tun?

WOW, das waren ziemlich viele der Abfälligkeiten, die die Geburtshilfe für Frauen zu bieten hatte. In meinem Kopf ging ich alle möglichen Szenarien durch.

  • Andere Hebamme verlangen? Keine da!
  • Anderes Krankenhaus? Werden wir wohl nicht mehr schaffen!
  • Meinen Mann auf sie loslassen? Würde sie uns wohl doppelt und dreifach zurückgeben.
  • Man ist ja doch auch irgendwie abhängig!

Also antwortete ich ihr ruhig, dass ich durchaus schon eine sehr schmerzhafte Geburt hinter mir hätte und ich also wisse, was mich erwarte.

„So hat das alles keinen Sinn“

Nach der Untersuchung sagte sie mir sehr direkt, dass das so keinen Sinn habe, das sehe sie jetzt schon, ich bräuchte einen Wehentropf. (Mein absoluter Horror nach der ersten Geburt, das wollte ich auf jeden Fall vermeiden). Sie fügte noch sehr motivierend hinzu, dass ich das alleine sicher nicht schaffen würde.

Ich fühlte mich, wie im falschen Film, eine halbe Stunde vorher war der Befund super ok und jetzt sollte derselbe Befund nicht mehr ok sein? Ich fragte, was das Problem sei? Hat das Kind Stress oder geht es ihm nicht gut? Ihre Antwort: „Nein, alles bestens. Aber Sie schaffen das einfach nicht alleine.“

„Für mich ist der Wehentropf keine Option!“

Wie sie zu ihrer Annahme kam, konnte sie mit nicht sagen. Ich erklärte ihr, dass der Wehentropf aufgrund meiner ersten Geburtserfahrung keine Option für mich sei, es sei denn, er wäre medizinisch unbedingt nötig. Nachdem sie das Zimmer verlassen hatte, sagte ich meinem Mann, dass diese Frau auf keinen Fall bei der Geburt unseres Kindes dabei sein wird. Er wollte gerne Klartext mit ihr reden, aber ich bat ihn, nichts zu sagen, da ich Angst hatte, sie könnte noch gemeiner werden.

Bei der nächsten Untersuchung hatte ich keine Wehen mehr und mein Muttermund war rückläufig, verschloss sich also wieder. Ich hatte so dicht gemacht, dass auch meine Gebärmutter dicht machte. Daher durften wir vom Kreißsaal auf Station, um etwas zu schlafen.

„Ohne Wehentropf werden Sie das nicht schaffen“

Alle zwei Stunden holte sie mich zur Untersuchung und wurde nicht müde, mir immer wieder zu sagen, wie wichtig der Wehentropf wäre, da ich das nicht schaffen würde. Ich erklärte ihr jedes Mal, dass es dem Baby und mir hervorragend gehe und zudem die Wehen ja erst vor ein paar Stunden begonnen hätten, somit wäre ich mit dem Wehentropf nicht einverstanden.

Ich bekam keine Unterstützung während der ganzen Nacht, alle Fragen wurden genervt beantwortet und meine Bitten stets ohne Begründung abgelehnt (Ich fragte zum Beispiel, ob ich, wenn die Geburt weiter fortgeschritten sein, in die Badewanne könnte.)

Emotionale Erpressung: „Sie gefährden Ihr Kind“

Gegen halb 5 Uhr morgens, mein Mann döste gerade etwas, verlor ich relativ viel Blut und ging in den Kreißsaal, um mich untersuchen zu lassen. Der Muttermund sei bei circa 5,5cm, aber ich solle mir doch nun endlich den Wehentropf anhängen lassen, sonst würde ich das Leben unseres Kindes gefährden und sie würde die Verantwortung nicht mehr übernehmen.

Und auch wenn ich weiß, dass das emotionale Erpressung war, hatte sie all meine Gegenwehr damit kaltgestellt. Ich wollte unter keinen Umständen, dass unserem Kind etwas passiert. Also ging ich ins Zimmer und weckte meinen Mann.

„Jetzt wissen Sie endlich, wie sich eine Geburt anfühlen muss“

Wir gingen aber erst gegen 5.45 Uhr wieder in den Kreißsaal, ich wollte wirklich sicher gehen, dass diese Frau nicht bei der Geburt dabei ist. Sie untersuchte mich (aus dem Geburtsbericht erfuhr ich, dass mein Muttermund zu diesem Zeitpunkt bei 9,5cm war, also sich in nicht mal einer Stunde circa 4cm geöffnet hatte, was mir von Seiten der Hebamme verschwiegen wurde) und hängte mir den Wehentropf an.

Ich musste mich sofort übergeben, konnte nicht mehr richtig reden, geschweige denn einen klaren Gedanken fassen und an Ausstehen war auch nicht mehr zu denken. Das war der Moment, als ich sie das erste Mal lächeln sah. Sie sagte mir, dass ich nun endlich wisse, wofür ich da sei und wie sich eine Geburt anfühlen müsse. Ich sah tatsächlich so etwas wie Genugtuung in ihrem Gesicht. Ich war aber wirklich zu schwach, um mich weiter mit ihr zu behängen.

„Das ist hier kein Wunschkonzert“

Sie lagerte mich auf die rechte Seite und ich sagte ihr wiederholt, dass es mir damit nicht gut ginge und, dass etwas nicht stimme. Sie nahm mich gar nicht ernst oder fragte, was denn genau wäre. Sie sagte immer nur, das sei hier kein Wunschkonzert.

Um 6.30 Uhr kam zum Glück die Ablöse. Sie betrat das Zimmer, stellte sofort den Wehentropf ab, den wir ihrer Aussage nach hier nicht bräuchten und drehte mich sofort auf die andere Seite, da ich völlig falsch gelagert sei.

Leider konnte sich das Baby trotz aller Bemühungen nicht mehr richtig ins Becken eindrehen und entschied sich, als Sterngucker auf die Welt zu kommen. Die Geburten von Sterngucker-Babys dauern meist länger, sind oft schmerzhafter und benötigen oft eine Saugglocke – so auch in unserem Fall.

„Ich kann meinen Frieden mit dieser Geburt nicht machen“

Ich bin wirklich dankbar, dass unser Kind sich körperlich relativ schnell davon erholt hat. Ich hatte und habe psychisch leider sehr mit dieser Geburt zu kämpfen und habe auch nicht das Gefühl, dass ich meinen Frieden mit ihr machen kann.

Denn im Gegensatz zur ersten Geburt, bei der es einfach Umstände waren, die keiner beeinflussen konnte, habe ich hier das Gefühl mir wurde etwas gestohlen. Mir wurde eine selbstbestimmte und würdevolle Geburt verwehrt, aus reiner Böswilligkeit.

Zu keinem Zeitpunkt waren Interventionen nötig

Das kann ich so bestimmt sagen, da ich den Geburtsbericht mit verschiedenen Hebammen (auch mit der leitenden Hebamme des Geburtskrankenhauses) durchgearbeitet habe und alle sich einig waren, dass zu keinem Zeitpunkt die Notwendigkeit einer Intervention oder gar eines Wehentropfs bestand.

Ich weiß, viele Frauen erleben Schreckliches während ihrer Geburten erfahren… physische und psychische Gewalt, Demütigung, Alleingelassen- oder Nicht-ernst-genommen-Werden. Dieses Thema muss mehr Gehör finden und nicht als Ausnahme abgetan werden. Denn nur wenn ein Bewusstsein geschaffen wird, dass es so etwas wie Gewalt unter der Geburt gibt, kann sich etwas ändern. Und das ist dringend notwendig.“

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22 comments

  1. Leider gibt es im Medizinsystem einfach keine vernünftige Art sich zu wehren. Wenn man gerade in einer Notlage ist, kann man sich kaum wehren. Man kann während einer Geburt kaum einfach in ein anderes Krankenhaus fahren oder eine andere Hebamme verlangen und auch mit Zeugen passiert nach so einer Geschichte meist nichts. Nicht einmal, wenn jemand zu Schaden kommt. Aber damit es überhaupt mal jemanden interessiert, muss schon mindestens jemand tot oder schwer behindert sein. Ansonsten können sich Hebammen meist ungestraft aufführen wie die reinsten Idiotinnen. Ärzte und Ärztinnen erst Recht. Solange das so ist, wird es diese Leute geben, die ihre Macht ausnutzen.

  2. Das macht mich so traurig und wütend zugleich so etwas lesen zu müssen. Solche Personen haben in solchen Berufen nichts zu suchen. Ich hatte bei der Vorbereitung zu meinen Kaiserschnitt auch eine ganz unverschämte Hebamme. Die meinte allen Ernstes zu mir das eine natürliche Geburt bei einer schweren Schwangerschaftsvergiftung und Querlage eines 4,5 Kilo Babys am Besten wäre. Meine Ärztin die die Entbindung leitete, hat sie dann rausgeschmissen mit den Worten das sie keinerlei Mitsprache an einer ärztlichen Entscheidung hat. Diese Frau hat unsere Leben gerettet, da ich kurz vorm Kollaborieren war.

  3. Ich fühle mit dir und kann ebenfalls nicht verstehen, wie es zu solch schlechten Betreuungen kommen kann. Bei meiner zweiten Geburt ging es nachmittags mit einem Blasensprung los. Ich habe nach einer kurzen Untersuchung in der Klinik die Nacht zu Hause verbracht, mit Meditation, Wehen alle 5-10 Minuten intensiv aber schmerzfrei und kraftvoll. Ich war morgens wach, kraftvoll und guter Dinge. Um 6 Uhr in der Klinik war der Muttermund zwar noch nicht geöffnet, aber es war alles gut, weiterhin regelmäßige Wehen, bei denen zwar die Herztöne jedes Mal runter gingen, aber die Hebamme sagte mir, es sei alles gut mit dem Kind. Ich habe weitere 5 Stunden meditiert und Wehen gehabt, die mein Mann mir nicht angesehen hat, weil ich so in Trance war. Es ging mir weiterhin gut, ich hatte keine Schmerzen. Dann kam eine andere Hebamme. Das CTG sei nicht gut, ich solle mich auf die Seite legen. Das tat mir weh, wollte ich nicht. Dann eben knien. Aber nicht anlehnen, weil sie dann das CTG nicht sauber schreiben kann. Wenige Minuten später, das CTG sei auch aus Sicht des Arztes nicht so gut. Ich sollte laufen. Stehen. Liegen und knien. Muttermund getastet, erst bei knapp 2 cm. Also weiter. Mittlerweile war ich völlig raus aus der Meditation und kam nicht mehr rein, die Wehen kamen heftig und schnell, die Herztöne fielen ab, die Geburt stockte. Der Arzt kam zweimal rein, sagte es sei aber alles gut, das Kind hätte keinen Stress. Das konnte ich nicht mehr glauben nach dem ganzen hin und her. Ich hatte nur noch Panik, dass meinem Baby etwas passiert. Am Ende wurde es ein Kaiserschnitt anstelle der selbstbestimmten Wassergeburt, die ich mir so sehr gewünscht hatte.
    Ich war trotzdem glücklich, weil ich am Ende selbst bestimmt habe, dass mein Kind JETZT sofort geholt wird und die erste Geburt war bereits ein Kaiserschnitt, daher konnte ich ohne Angst in den OP und es war eine wundervolle Geburt trotz allem, aber ich bin sicher, dass es hätte anders laufen können, wenn ich nicht so verunsichert worden wäre. Denn es ging ja voran und es ging mir nach fast 24 Stunden Wehen noch ganz großartig,ich hatte Kraft und Vertrauen…
    So schade…

  4. Liebe Mama, ich bin furchtbar schockiert und entsetzt, dass du sowas durchmachen musstest und so allein gelassen wurdest. Da ich selbst eine traumatische Geburt hinter mir habe, weiß ich, wie groß der seelische Schmerz ist und wie er unser Leben als Mama und Frau bestimmen kann.
    Heutzutage gibt es in jedem Krankenhaus die Möglichkeit, die Geburt im Nachgang zu besprechen. In deinem Fall würde ich dir das ans Herz legen. Und ich würde auch eine Beschwerde einlegen, auch das ist in jedem Krankenhaus möglich (wird nur nicht offiziell verkündet). Tu es für dich und all die anderen Frauen, denn niemand sollte so ein Leid ertragen.
    Fühl dich umarmt, du bist nicht allein, leider. Ich kenne deinen Schmerz, diese Ohnmacht, die grenzenlose Wut, die zermürbenden Selbstvorwürfe, die tiefe Traurigkeit und Hilflosigkeit. Du bist unfassbar stark, auch, dass du damit in die Öffentlichkeit gehst. Ich wünsche dir nur das Beste für die Zukunft und dass deine beiden Kinder und dein Mann dir über den Schmerz hinweg helfen können.

  5. Wow ich bin entsetzt. vor allem über die Kollegen. Das Verhalten der Hebamme ist ja offensichtlich bekannt. Und trotzdem lässt man sie die Mütter vorsätzlich quälen?! In anderen Berufen wäre es schon längst zur Kúndigung und Berufsverbot gekommen.

  6. Liebe Joana,
    ich möchte dir nur sagen, wie leid mir tut, was dir passiert ist. Das ist echt heftig. Ich hoffe es kommt irgendwann der richtige Zeitpunkt, vielleicht auch mit Hilfe einer einfühlsamen Psychotherapie, diese Erfahrung abzuschließen.
    Ich hatte bei meinen zwei Geburten, beide auch mit Wehentropf und dadurch sehr heftigen Wehen ohne Pausen, dass Glück sehr gut begleitet zu werden. Ich weiß, dass ist keine Selbstverständlichkeit.
    Ich wünsche dir nur das Beste.

  7. Liebe Joana,
    es tut mir sehr leid, dass du so eine negative Erfahrung unter der Geburt machen musstest. Ich wünsche dir sehr, dass du dieses schlimme Erlebnis des Ausgeliefertseins dennoch in deine Lebensbiographie integrieren kannst ohne daran zu verbittern.

    ich arbeite selbst als Hebamme im Kreißsaal und versuche wirklich zu jeder Frau, die ich betreue herzlich zu sein, sie dort abzuholen wo sie steht und so zu unterstützen, dass sie und das Kind in bester Gesundheit -physisch wie psychisch – durch die Geburt kommen.

    Nebenbei bemerkt ist das nicht immer möglich. Manchmal betrete ich einen Kreißsaal und weiß egal was ich mache, es wird eine schwere Geburt werden. Und oft genug finde ich keinen Fehler, den ich einer einzelnen Person zuordnen könnte. Hier dann die Frau gut aufzufangen und durch die Geburt zu bringen, ist oft ein Balanceakt, der meine ganze Kraft kostet. Geburt ist manchmal ganz schön hart und weit weg von Romantik, auch für uns Hebammen. Geburt ist wie das Leben, mal wunderschön und mal schwer und traurig.

    Immer wieder sagen für Frauen irgendwann erstaunt: „Ihr seid hier ja alle ganz nett“. Ich weiß dann nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Ich habe mehrmals nachgefragt und so erfahren, dass viele Frauen tatsächlich Angst vor den Klinikhebammen haben. Durch das Internet! Durch Horrorgeschichten, von denen sie gelesen haben. Deshalb reagiere ich auch mittlerweile etwas empfindlich auf jede Art des Hebammenbashings im Internet. Auch wenn die Einzelfälle berechtigt sein mögen.

    Ich habe zwei Freundinnen, die Kindergärtnerin, bzw. Lehrerin sind. Denen habe ich mal mein leid geklagt… dass die Mamibubble im Internet so schlecht über Klinikhebammen denkt. Beide lachten und meinten ihnen ginge es genauso. Die Eltern seien regelmäßig erstaunt, dass die Kinder im kiga bedürfnisorientiert betreut werden und in der Schule Freude am Lernen haben, ohne dass die Schule zu Montessori oder Waldorf gehört. Es geht also mehreren Berufsgruppen so, das tröstet mich etwas.

    Das wollte ich gern mal los werden. Die meisten Menschen wollen andere gut behandeln und sind hilfsbereit. Zumindest sehe ich das so.

    Liebe Grüße
    Lilu

    1. Hallo Lilu,
      Ich kann verstehen, was du damit sagen willst. Möchte aber gerne klarstellen mit geht es in keinster Weise darum Hebammen generell an den Pranger zu stellen. Ich hatte im Bericht bereits erwähnt, dass ich auch wirklich tolle Hebammen hatte.
      Ich wurde aber trotzdem von dieser Frau gedemütigt und in keinster Weise mit Respekt behandelt.
      Sollte nicht immer ein respektvoller Umgang die Grundlage sein? Ich weiß, dass nicht jede Geburt traumhaft verläuft und ich weiß, dass Schwangere auch nicht selten eine genaue Vorstellung von ihrer Geburt haben, was es häufig schwierig macht. Vorallem, wenn evtl Komplikationen auftreten.
      Meine erste Geburt war auch wirklich schwer und so gar nicht das, was ich mir erhofft hatte, aber die Hebamme hat mich immer mit Respekt behandelt und das macht den Unterschied.
      Ich bin übrigens Erzieherin und kenne also beide Seiten, also auch den Punkt das Erzieher oft schlecht gemacht werden. Das ist natürlich nicht gut, dennoch würde ich es nie als Angriff auf meine Berufsgruppe verstehen, wenn konkrete Missstände oder gar Gewalterfahrungen angesprochen werden. Diese Geschichten müssen gehört werden, damit sich etwas ändert.

      1. Da stellen sich gleich einige Fragen. zb warum der Mann nicht bei den Ärzten interveniert hat- der Arzt hat die Letztverantwortung und ich hätte mich sofort beschwert, wenn jemand so mit einem Familienmitglied umgeht.

        Und leider ja, so etwas kommt vor und ich habe von der ersten Hebamme, die Schicht hatte, ähnliches erlebt. Ich glaube es ist nicht so selten. Es ist ein Knochenjob, den man nur machen sollte, wenn man ihn wirklich einfühlsam machen will und kann.

    2. Ich kann nur immer wieder meine beiden Beleghebammen ( Schichtwechsel) und dennoch auch die Klibikhebamme ( betreute allein 3 Kreissääle) loben. Es geht halt nur was machbar ist und wir alle sind nur Menschen! Auch wenn wir im Dienst sind. Geburt ist anstrengend, blutig und das ungeschützte Leben. Da sind die unrealistischen Vorstellungen der Mamas und die falschen Socialmedia- Bilder leider nicht hilfreich. Wenn man vorher darauf hinweist heißt es nur Angstmache und wird verdrängt.

    3. Antwort auf Lilu!
      Du hast sooo Recht. Ich bin auch immer hin und her gerissen, auf der einen Seite muss offen über Missstände geredet werden auf der anderen Seite, haben negative Erfahrungen einen viel größeren Platz in den Medien als Positive, so dass es zu einer echten Verzerrung der Wahrnehmung kommt. Ich habe dreimal im Klinikum Großhadern in München entbunden und bin jeweils an großartige Hebammen und Ärzte geraten, die ich alle davor nicht kannte. Ich habe mich immer ernstgenommen gefühlt, meine Gefühle wurden nie übergangen, die erste Geburt war sehr schwer mit vielen Komplikationen. Meine 3 Kinder waren alle ab dem 1.Lebensjahr in einem Kinderhaus der Pfenningperade. Mit dem ersten hat sich am Anfang die Erzieherin immer auf den Pezi-Ball gesetzt, bis es eingeschlafen ist und ins Nestchen gelegt werden konnte. Auch das zweite hat sich mit dem Mittagsschlaf schwer getan. Die Erzieherin packte es einfach kurz ins Tragesystem, zum Einschlafen. Alle Kinder und Eltern;-) wurden bedürfnisorientiert begleitet, alle Kinder haben nach kurzer Zeit gelernt alleine in ihrem Bettchen einzuschlafen. Beim dritten Kind hat tatsächlich 2 Jahre eine Erzieherin zum Einschlafen den Rücken gestreichelt… Aussage war: Mich stört es nicht und das Kind braucht es halt. In der Einrichtung war immer eine entspannte ,ruhige Atmosphäre. Wenn ein Kind mal geweint hat, war es immer auf irgendeinem Schoss und wurde liebevoll getröstet.Tränen beim Abgeben waren wirklich selten. Wir haben unsere Kinder jetzt auf die Sprengel Grundschule geschickt und wenn ich ehrlich bin, war ich am Anfang besorgt, wegen dem sehr heteterogenen Bild der Klasse. Drei Kinder konnten kein Wort deutsch, viele andere sprachen wirklich schlecht deutsch, mit den Eltern konnte man sich teilweise kaum verständigen. Aber die Lehrer auf dieser ganz normalen städtischen Schule sind einfach großartig. Meine Kinder gehen gerne in die Schule, haben tolle Freunde gefunden und inzwischen sprechen tatsächlich alle ganz solide deutsch. Ich weiß, dass ich Glück hatte, aber sehr viele Menschen machen solch positive Erfahrungen.Einige Menschen haben Pech und sie erleben schlimme Dinge und das sollte natürlich nicht passieren und dann ist es gut,dass darüber gesprochen wird, damit Missstände behoben werden können. Trotzdem sollte man die Gewichtung nicht aus den Augen verlieren. So viele Hebammen, Ärzte, Erzieher und Lehrer machen einen großartigen Job!

  8. Liebe Joana,
    wenn du Frieden mit der Geburt schließen willst, könnte es ein Weg sein zu erahnen welch Grausamkeiten der Hebamme widerfahren sein müsse, um so zu handeln (nicht statt sondern neben dem Leid, was sie dir gebracht hat).
    Ich wünsch dir alles Gute.
    Anne

  9. Es gibt leider überall solche und solche Menschen mit denen wir täglich klarkommen müssen als erwachsene Menschen. Es tut mir leid, dass es bei Dir gerade in so einer verletzlichen Lage passiert ist. Aber Du hattest ja Beistand und warst dem nicht allein ausgeliefert. Ich wünsche Dir, dass Du das verarbeiten kannst und natürlich müssen Missstände angesprochen werden ( hast Du in der Klinik nochmal mit Arzt und Hebamme gesprochen? ) aber bitte eben da wo sie hingehören und zeitnah. Bitte nicht das ganze Leben an diesen Erfahrungen kleben bleiben. Das Leben besteht nie nur aus Gutem und wenn Dinge geklärt sind bitte auch loslassen.

  10. Das geht ja mal gar nicht. Da fragt man sich warum die überhaupt Hebamme geworden ist. Ich hoffe die gute Frau wird mal zur Rechenschaft gezogen. Wirklich unmöglich.

    Nur nebenbei- die Geburten meiner beiden Mäuse waren absolute Traumgeburten in der Wanne, auch in einer Klinik. Es geht also auch anders.

    Ich wünsche sehr, dass die Autorin mit der Zeit ihren Frieden mit der Geburt macht. ALLES GUTE!

  11. Ich kann nur raten: Beschwerdebrief an die Klinik mit namentlicher Nennung der Hebamme. Zwar scheint dort ja schon bekannt zu sein, dass diese Hebamme ein Problem ist, aber ich denke nur wenn mehrere Mütter sich beschweren, kann man erreichen, dass sie aus ihrem Beruf entfernt wird.

    Außerdem würde ich Strafanzeige wegen Körperverletzung und Nötigung erstatten. Da kommt zwar wahrscheinlich nicht viel bei rum, aber trotzdem ist es für sie erst mal ein gehöriger Schuss vor den Bug, wenn sie Post vom Staatsanwalt bekommt und sich äußern muss. Und falls doch was bei rumkommt fände ich es auch außerordentlich wichtig, wenn ein solches Gebaren einer Hebamme mal vor einem Gericht verhandelt würde.

    Dazu würde ich eine Beratung bei einem spezialisierten Fachanwalt für Medizinrecht in Anspruch nehmen, um zu schauen, ob man da evtl. auch zivilrechtlich Schmerzensgeld rausbekommen kann. Immerhin scheint ihr inkompetentes und grobes Handeln ja für Dich zu einer deutlichen Erschwerung der Geburt mit Schmerzen etc. geführt zu haben.

    Sich zu wehren und dabei alle Register zu ziehen, kann Dir auch helfen über die Sache hinwegzukommen. Zumindest geht es mir so: Wenn ich ungerecht behandelt wurde und ich es der Person ordentlich heimgezahlt habe, geht es mir viel besser. Würde da alle Register ziehen, die das Recht hergibt. Selbst wenn ich dabei juristisch verlieren würde und am Ende Kosten hätte, wäre der Weg diese Frau durch sämtliche Instanzen zu zerren hier für mich schon das Ziel.

    1. Das ist auch meine Meinung.

      Bitte unternehme was, damit nicht viele weitere Frauen und Kinder hier schaden erleiden.

      Wir haben gute Erfahrung mit Belegarzt und Beleghebammen gemacht. Man kann dich bereits Wochen vorher kennenlernen, sind gutes Team und kommen extra zur Geburt zu jeder Zeit in die Klinik.

      1. Ich bin sehr dafür, dass man sich beschwert, wenn man ungerecht behandelt wurde und dass Menschen zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie andere gefährden oder ihnen schaden. Aber wenn es dir Freude macht, wenn du es ihnen ordentlich heimgezahlt hast, dann handelst du doch genauso schlecht wie die Person, von der du dich schlecht behandelt fühlst. Hast du schon einmal von der „Goldenen Regel“ gehört? Was du nicht willst, dass man dir tut, das füge auch niemand Anderem zu.

        1. Ich finde nichts falsch daran, persönliche Genugtuung dafür zu empfinden, wenn die Ungerechten bestraft werden.

          Eine gewisse Bösartigkeit halte ich in manchen Situationen durchaus für angebracht, da einem erst diese den nötigen Biss gibt, sich wirklich mit der gebotenen vehementen Rücksichtslosigkeit zu wehren.

          Klar ist: Das was diese Hebamme getan hat, ist kein einmaliger Ausrutscher. Ihr Verhalten zeugt von einer grundlegend negativen Einstellung gegenüber gebärenden Frauen. Daher sollte sie diesen Job nicht machen.

          Durch ihr Verhalten kam es zu Komplikationen bei der Geburt. Hierdurch hätten Mutter und Kind schwersten Schaden erleiden können. Und jetzt denke daran, dass diese Hebamme noch tausende Geburten betreuen wird, wenn es nicht gelingt, sie aus dem Verkehr zu ziehen. Wie viele Frauen wird sie traumatisieren? Wird sie vielleicht gar den Tod einer Mutter oder eines Babys durch schlechte und inkompetente Behandlung verursachen?

          Sorry. Aber hier ist gerechter Zorn angebracht und nicht Mitgefühl mit einer Person, die offenkundig selbst kein Mitgefühl kennt.

          1. Ich hatte geschrieben, dass Menschen zur Verantwortung gezogen werden sollen, wenn sie andere gefährden oder ihnen schaden. Dadurch wollte ich ausdrücken, dass ich es nicht gut finde, wie die Hebamme gehandelt hat. Es ging mir nicht um Mitleid, wie du es sagst. Du sagst, die Hebamme hätte eine grundlegend negative und falsche Einstellung. Das sehe ich auch so.Sie handelt respektlos und schadet anderen Menschen. Aber wenn man selbst Genugtuung darin findet, solchen Menschen zu schaden, dann ist man selbst doch nicht besser.Willst du nicht ein besserer Mensch sein, als diese Hebamme? Sinnvoller ist es, andere schützen zu wollen und deswegen Beschwerde einzulegen oder rechtliche Schritte einzuleiten und nicht nur aus persönlicher Genugtuung.

  12. Oh nein, da fühle ich beim lesen ja richtig mit! Konntest Du Dich disziplinarisch über diese Hebamme beschweren? Frohe Weihnachten wünsche ich Dir und Deiner Familie!

  13. Liebe Joana!
    es tut mir unendlich leid, was Sie erlebt haben!
    für mich steht fest: ich gebäre nur mit einer Hebamme, die ich gut in der Schwangerschaft kennengelernt habe.
    (alles andere ist mir zu mutig)
    und wenn sie im Team ist, dann lerne ich alle kennen!
    das bedeutet Konsequenterweise, dass nur eine Geburt im Geburtshaus oder Hausgeburt möglich ist. Da ich bei meiner ersten Geburt einen Kaiserschnitt hatte, bin ich mehr als froh, dass meine Hebamme trotzdem eine Hausgeburt mit mir machen würde. Sie kennt mein Risiko genau.
    Natürlich ist es eine geteilte Verantwortung: sie für ihre berufliche Qualifikation und Kompetenz!
    Und ich wage das Risiko einer Krankenhausgeburt gegen eine Hausgeburt ab, entscheide mich für die Hausgeburt und werde bei etwaigen Komplikationen, nicht einfach nur eine Schuldige suchen, sondern zu meiner Verantwortung, die ich im Leben habe , auch für diese Geburt! , annehmen. und trage die restlichen Prozent Risiko wie auch! Verantwortung!
    ich schätze das Risiko für irgendwelche Komplikationen im Krankenhaus höher ein, als bei der Hausgeburt. Wer anderer Meinung ist: ich kann es verstehen. Aber ich bin nicht so mutig, mich in andere Hände, als einer Hebamme zu begeben, zu der ich schon seit der ersten Geburt ein super Verhältnis habe aufbauen können.

    liebe Joana, leider ist deine Geschichte sehr schrecklich. jeder würde sie gerne ungeschehen für dich machen.
    was lernen Frauen aus deiner Geschichte?
    das Frage ich mich! welche Konsequenzen ziehen sie?
    leider war ich auch schon bei Ärzten, die es nicht qualifiziert bzw gut an mir gemacht haben. was aber was lernt man für sich daraus?

    1. Grundsätzlich: Schlechte Ärzte sofort wechseln, die meisten sind tolle Menschen, die helfen wollen

      Geburten:
      Belegarzt + Beleghebamme buchen
      Auf Empfehlung von Freundinnen hören
      Monate vorher sich um beide kümmern
      Monate vorher beide kennen lernen

      Alles Gute !

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