Von traumatischen Geburten, einem Sternchen und meiner Lebensfreude

Ich heiße Dani, bin 36 Jahre alt und ich möchte Euch heute erzählen, wie ich trotz einiger traumatischer Erfahrungen meine Lebensfreude behalten habe.

Zu meiner Familie gehören meine beiden lebhaften Mädchen (5 und 1), mein lieber Mann Micha (36) und unser Schäferhund-Senior Jake (10). Micha ist meine erste große Liebe, wir sind mit 16 zusammen gekommen. Wir lernten uns im Internet kennen und hatten über 5 Jahre eine Fernbeziehung, mit 21 zogen wir zusammen und heirateten. Ich war mir immer sicher, dass wir für immer zusammen bleiben und wir mehrere Kinder haben wollten.

Die erste Schwangerschaft – Von Glück keine Spur

Mit 30 waren wir beide dann bereit, Nachwuchs zu bekommen, das war 2015. Ich setzte die Pille ab und wurde sofort schwanger – ein Traum! Leider konnte ich meine Schwangerschaft nie genießen. Elf Tage nach Bekanntwerden der Schwangerschaft, bekam mein lieber Schwiegervater eine heftige Krebsdiagnose mit einer sehr schlechten Prognose. Wir bangten die gesamte Schwangerschaft, ob der Opa sein Enkelkind jemals kennenlernen würde.

Dazu kamen heftigste Schwangerschaftsbeschwerden: Meine Wassereinlagerungen waren so stark, dass ich ein ausgeprägtes Karpaltunnelsyndrom in beiden Händen entwickelte. Ich konnte kaum noch einen Stift halten. Jede Nacht wachte ich vor Schmerzen auf und tunkte meine Hände in ein Glas mit kaltem Salzwasser -in der Hoffnung, das Salz würde das Wasser aus dem Gewebe ziehen. Ich war geplagt von Symphysenlockerung, Bandscheibenproblemen, vermeintlich erhöhtem Blutdruck – sodass meine verunsicherte Gynäkologin mich immer wieder ins Krankenhaus zur Kontrolle schickte und ich dort dann als Hypochonder weggeschickt wurde.

Die erste Geburt – Wehensturm und Erniedrigung

Eines Abends platzt die Fruchtblase, wir fuhren rasch ins Krankenhaus. Bereits nach kürzester Zeit erlitt ich einen Wehensturm, der mir mehrmals die Beine wegriss. Die gesamte Geburt war für mich traumatisch: Ich wurde auf dem Krankenhausflur liegen gelassen, weil die Hebammen gerade Schichtübergabe hatten. Ich wurde herablassend angesehen, weil ich vor Schmerzen keinen Urin abgeben konnte. Man legte einen Wehentropf, ohne mich darüber zu informieren. Ich litt tatsächlich Todesängste unter diesen gigantischen Schmerzen. Ich wurde in eine Geburtsposition gezwungen, die sich gar nicht gut anfühlte. Als mein Kind geboren wurde, war ich mir sicher, dass ich nie wieder ein Kind bekommen wollte…

Doch ich erholte mich und 2018 wurde ich wieder schwanger. In der 9. Woche starb das Baby in meinem Bauch. Ich wollte das Sternchen so gern von allein gehen lassen, aber es tat sich zwei Wochen lang nichts. Meine Ärztin drängte mich schließlich zur Ausschabung, also fuhr ich ins Krankenhaus und wurde operiert. Bei dem Kontrollultraschall sah man, dass etwas vergessen wurde. Ich musste also vier Wochen später wieder in Vollnarkose gelegt werden.. Weitere vier Wochen später zeigte der Ultraschall leider, dass immer noch ein Stück der Schwangerschaft da war. Ich wechselte die Klinik und dort schaffte man es in einer dritten Operation, diese Schwangerschaft endlich zu beenden. 

Die zweite Schwangerschaft

Ende 2018 wurde ich nach mehreren Versuchen wieder schwanger. Die Schwangerschaft war um einiges besser als die erste, ich wählte ein anderes Krankenhaus, wechselte die Gynäkologin und war guter Dinge. Die Geburt war allerdings wieder heftig. Mein Baby wog 4300 Gramm, ich erlebte wieder einen Wehensturm, Wehentropf, mehrfach falsch gesetzte PDA mit Lähmungserscheinungen, Betteln nach Kaiserschnitt, feststeckende Schulter, 15 Stunden Qualen.

Ich hätte mir sehr gewünscht, dass ich all das nicht durchmachen muss, aber mein Leben hat mir diese Aufgaben gegeben. Ich nehme sie an und mache das Beste daraus. Ich bin auch daran gewachsen, bin heute viel taffer als früher und habe mir meine Lebensfreude erhalten.

Wie ich meine Lebensfreude pflege:

  • Ich sehe die kleinen Dinge im Alltag und erfreue mich an ihnen (ein Sonnenstrahl, der einen Regenbogenfleck an die Wand malt, ein heißer Tee mit Honig, das Geräusch von raschelndem Gras beim Spazieren gehen…).
  • Frische Luft! Allein in der Natur spazieren gehen, musikalisch empfehle ich monumentale Musik, die untermalt die Herrlichkeit der Natur passend und die Probleme können kleiner wahrgenommen werden.
  • Oft liegt man abends im Bett und das Gedankenkarussell dreht sich so schnell, dass man kaum hinterherkommt.
    In einem solchen Fall stehe ich auf und schreibe alles auf einem Notizblock nieder, was mich bewegt; Gefühle, Stichworte, Aufgaben, einfach alles, was gerade meinen Kopf vollmacht. Ist es auf dem Papier, ist es aus dem Kopf raus und man kann zur Ruhe kommen.
  • Ein weiterer Tipp beim Gedankenkarussell: Das, was einen bewegt, stellt man sich bildlich auf einem Tisch vor (Dinge die erledigt werden müssen, Lerninhalte aus dem Studium, Sorgen etc.). Nun hält man gedanklich eine große geöffnete Tasche an die eine Seite des Tisches. Der Tisch wird nun seitlich angehoben und alles rutscht hübsch in die Tasche. Diese wird geschlossen und mental aus dem Fenster geworfen. Diese Technik erfordert etwas Übung, wirkt aber wirklich Wunder!
  • Der SOS-Trübsaltrick geht so: Man klemmt sich einen Stift so zwischen die Zähne, dass die beiden Mundwinkel gedehnt werden (wie der Knochen im Maul eines Hundes). Nun hält man diese Position ein paar Sekunden. Die Aktivierung dieser Mundmuskulatur – die auch zum Lächeln verwendet wird – schüttet dabei Botenstoffe aus, die dem Körper ein Wohlgefühl schenken. Außerdem sieht es lustig aus!
  • Die Erkenntnis, dass nicht immer alles perfekt sein muss, hilft mir immer wieder: Hat das Kind mal einen Fleck auf dem Shirt – egal, Hauptsache es hatte Spaß! Auf dem Bücherregal ist eine Staubschicht – egal, jetzt trinke ich meinen Tee und lasse es mir gut gehen! Jetzt habe ich keine Zeit Dinkelvollkornlasagne mit Biopastinake zu kochen 😉 – egal, es reicht auch ein Toastbrot mit Honig!

    Und abschließend, weil jeder Mensch dies einmal tun sollte:
  • Man nimmt sich ein großes Blatt Papier und schreibt auf, was man bereits alles im Leben gerockt hat (Schulabschluss, Ausbildung, den Hund erzogen, Auto fahren gelernt und und und). Das baut ungemein auf, denn man sieht, was man bereits für ein großartiger Mensch ist!

Dies alles ersetzt natürlich keine professionelle Hilfe, wenn man diese benötigt. Aber das Pflänzchen „Lebensfreude“ lässt sich so hegen und pflegen. Und wenn man immer am Ball bleibt, wird ein stattlicher Baum daraus, der Früchte trägt, von denen man auch in schlechten Zeiten zehren kann.

Wer mehr über Dani erfahren will, kann dies über ihr Instagram-Profil: https://www.instagram.com/rockmamadani/

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1 comment

  1. Moin,
    auch wenn ich der Autorin gern Beifall klatschen möchte, zum Bewältigen dieser Lebensumstände und sich nicht unterkriegen lassen, so fehlt mir in den Schilderungen, die erst das Leid aufzählen und dann die ToDo-Liste zum trotzdem glücklich sein, meist ein für mich wesentlicher Anteil:
    der Teil, wo man die Dinge bewältigt. Sich auch mal hinsetzt und Rotz und Wasser heult. Eine Runde mit dem eigenen Schicksal hadert, es vielleicht auch zehnmal erzählen muss, um dann wieder aufzustehen und das nicht mehr zu wollen und es dadurch loslassen zu können. Nach dem Anschauen, nicht vorher, denn das wäre Vermeidung. Vielleicht gibt es Menschen, die das nicht brauchen, weil sie alles im Moment des Passieren annehmen und verarbeiten können. Vielleicht ist es aber auch der Teil der Geschichte, den es fast immer auch gibt, der aber kaum erzählt wird.
    LG Anne

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