Happy Birthday, Kleinste! Ein Rückblick auf die letzten vier Jahre

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24.11.2016 – ein Donnerstag. Schon in der Nacht wache ich mit Schmerzen auf, ich weiß, was diese Schmerzen bedeuten. Ich bin unruhig, laufe Runde um Runde um den Esstisch. Alles ist dunkel, es ist still. Zwischendurch lege ich mich immer wieder aufs Sofa. Noch zwei Tage bis zum errechneten Geburtstermin. Vorgestern sagte die Hebamme noch, dass es wohl noch etwas dauern wird. Ich bin mir sicher: Unser drittes Kind wird bald auf der Welt sein.

Gegen halb acht erwacht der Rest der Familie. Mein Mann frühstückt mit den Großen, bringt sie in die Kita. Ich ziehe mir die Schuhe an und will spazieren gehen. Alleine. Ich brauche Ruhe und will mich voll und ganz auf mich konzentrieren. Draußen hat es 15 Grad. Die Vögel zwitschern und die Sonne scheint. Ich bin so dankbar für dieses Wetter. Ich laufe und laufe durch die Natur, halte mein Gesicht in die Sonne und spreche mit meinem Baby.

Um 14 Uhr werden die Schmerzen so stark, dass wir ins Krankenhaus fahren. Ich kann nicht einschätzen, wie weit die Geburt schon fortgeschritten ist. Diese Geburt ist anders, als ich sie mit vorgestellt hatte. Von so vielen Seiten hatte ich gehört, dass die dritten Kinder praktisch „rausfallen.“ Dem kann ich nicht zustimmen. Im Krankenhaus dann eine leichte Enttäuschung. Muttermund bei 4 cm. Die Hebammen winken mich sofort in den Kreissaal durch. Drittes Kind, das sollte ja jetzt schnell gehen.

Tut es aber nicht. Die Schmerzen sind heftig, manchmal katapultieren sie mich irgendwo in eine Zwischenwelt. Aber dann gibt es wieder lange Pausen. Zu lange, das weiß ich. Ich werde weinerlich. Mir steckt die unruhige Nacht in den Knochen. Die Kraft geht aus. Ich will, dass es jetzt vorbei geht.

Um kurz vor 19 Uhr kommt unser drittes Kind auf die Welt. Unsere Tochter ist ganz blau, denn sie hat die Nabelschnur zwei mal um den Hals. Die Hebamme reagiert sofort, wir warten auf den ersten Schrei. Als er kommt, falle ich in mich zusammen. Vor Erschöpfung und Erleichterung.

Das erste Jahr war hammerhart. Unsere Kleinste war ein dünnes, ständig krankes Kind. Norovirus, mehrmals Hand-Mund-Fuß, stundenlanges Geschrei, Pseudo-Krupp-Anfälle So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Hieß es nicht, dass dritte Kind läuft einfach so nebenbei mit?! Mehrmals ist unsere Kleinste so krank, dass wir ins Krankenhaus müssen oder kurz vor der Einweisung stehen. Wir leiden alle mit.

Weil unsere Tochter so zart ist, entscheiden wir uns, sie nicht in die große Kita zu geben, sondern in eine kleine Tagesmutter-Gruppe. Die beste Entscheidung, die wir treffen konnten. Und ein Wendepunkt. Das erste Jahr haben wir geschafft, unsere Kleine wird stabiler, wir auch. Als Baby fremdelte sie viel, guckte nur skeptisch in die Welt – nun wird ihr Wesen weicher, sonniger.

Dann nochmal ein Rückschlag, plötzlich hinkt unsere Tochter. Die Ärzte stellen sie auf den Kopf, finden aber nichts. Das Hinken schränkt sie so ein, dass sie irgendwann nicht mehr laufen will. Wir machen uns über Wochen große Sorgen, keine leichte Zeit. So plötzlich wie das Hinken anfing, so plötzlich ist es auch wieder weg. Bis heute für alle ein Rätsel.

Im Jahr 2020 ist unsere Kleinste ein strohblonder Wirbelwind. Frech, schlau, verkuschelt, Mark-Forster-Fan. Sie kann Radfahren, darf alles viel früher als ihre Geschwister, von denen sie eh unglaublich profitiert. Neulich nahm sie einen Stift und schrieb einfach ihren Namen. Hä, woher kannst du das denn? „Ich fürchte, ich bin die Schlauste hier“, sagt sie cool. Der Rest der Familie bricht in schallendes Gelächter aus.

Sie ist und bleibt mein Baby, auch wenn sie längst keins mehr ist. Sie darf so viel bei uns im Bett schlafen, wie kein Kind zuvor. Wenn ich sie morgens aus dem Bett hebe und sie sich noch ganz warm an mich kuschelt, ist sie noch so winzig. Und das genieße ich. Dieses Mädchen hat mich viel weicher gemacht, dafür werde ich ihr immer dankbar sein.

Gestern morgen war sie zu müde zum frühstücken. Da sagte sie: „Mama, kannst du mich füttern?“ Und ich: „Bist du dafür nicht schon ein bisschen zu groß?“ Da sagte sie: „Wir könnten ausmachen: Du fütterst mich jetzt. Und ich füttere dich, wenn du alt bist.“

Du schlaues, tolles Mädchen. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Vier Jahre Du. Dich hat es in unserer Familie noch so gebraucht. Du bist wirklich der Kracher und wir alle lieben dich wie verrückt. Happy Birthday!

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schanger
Foto: Lina Grün

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7 comments

  1. Herzliche Glückwünsche , ganz viel Gesundheit , Freude und Glück für das neue Lebensjahr!

    Auch unsere Tochter wurde heute 4 Jahre alt ….. ( allerdings ist sie unser erstes Kind und hat sich insgesamt lange 27 Stunden Zeit gelassen , bis sie morgens um 3 Uhr 12 in meinem Arm lag ….. )

    Liebe Grüsse aus dem Schwarzwald
    Simone

    PS: Vielen Dank für euren tollen Blog, lese sehr gerne mit !

  2. Happy Birthday, an eure Jüngste. „Und ich füttere dich, wenn du alt bist.“ Made my day. Sie hat doch soooo recht!). Danke für die immer wieder tollen und ehrlichen Einblicke! Habt einen wunderbaren gemeinsamen Tag. LG Jasmina

  3. Danke für diese Einblicke und deine schönen Worte. Euch als Familie weiterhin alles Liebe und danke für deine wertvolle Arbeit😊 Herzlichen Glückwunsch deiner Tochter zum 3. Geburtstag. Mein lesen überkam eine leichte Gänsehaut, da ich einige Lebensabschnitte auch von meiner Tochter kenne. Meine Tochter wird auch bald 4.Jahre und ich fühle mich so verbunden mit ihr als ob ich sie schon eine Ewigkeit kenne. 💙 Liebe Grüße Susanne

  4. Danke! Wie jedes Jahr lese ich deine Glückwünsche für ein Baby mit Tränen in den Augen. Mein Großer wird übermorgen vier Jahre alt.

    Herzlichen Glückwunsch wunderbares tolles Mädchen

  5. Ui… ich erwarte auch gerade mein drittes Kind und die Schwangerschaft läuft schon irgendwie anders, alles ist beschwerlicher und ständig ist was anderes. Das hatte ich mir auch anders vorgestellt. Ich hoffe noch auf eine komplikationslose Geburt, gerade in diesen nervigen Pandemiezeiten. Schön, dass sich Katharinas Tochter so gut entwickelt hat. Alles Liebe zum Geburtstag und liebe Grüße.

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