Zwischenruf aus der letzten Ferienwoche: Ich freu mich auf die Schule

So2

Ihr Lieben, in Berlin befinden wir uns auf der Zielgeraden – nächste Woche startet die Schule wieder. Im Gegensatz zu meinen beiden Schulkindern (jetzt dann 3. und 6. Klasse) freue ich mich darauf.

Wir hatten schöne Sommerferien. Die erste Woche war mein Sohn im Hort, die Kleinste noch in der Kita, die Große chillte zu Hause. Dann folgten ein paar Tage, an denen alle drei Kinder zu Hause waren. Mitte Juli ging´s für zwei Wochen in den gemeinsamen Familienurlaub nach Mallorca. Wir hatten erst eine Agritourismo-Ferienwohnung, nach einer Woche sind wir umgezogen in eine kleine Finca mit Pool. Das war großartig, denn auf Mallorca war es so heiß, dass es nur am Pool oder am Meer auszuhalten war.

Es waren zwei schöne Wochen ohne großes Programm (es war für alles einfach zu heiß). Die Kinder waren viel schnorcheln, die Geschwisterstreit-Quote war ok, ich habe drei Bücher gelesen und wir alle kamen braungebrannt zurück nach Deutschland.

Die vierte Ferienwoche musste mein Mann wieder ins Büro, die drei Kinder waren alle zu Hause und es war ein wilder Mix aus „Ich muss aber ein bisschen arbeiten“ und „Maaaamaaaaa, was machen wir heute?“. In Woche fünf ging der Sohn ins Fußball-Camp, für die Kleine machte die Kita wieder auf und die Große ging jeden Tag für drei Stunden in einen Nähkurs. Alle Kids mega happy, für mich bedeutete das vor allem Fahrerei.

Jetzt in der sechsten Woche ist der Sohn nochmal im Trainings-Camp, die Kleine bis mittags in der Kita und die Große trifft ihre Freundinnen, sie basteln zusammen oder gehen ins Freibad.

Gestern sagte mein Sohn, es seien total tolle Ferien und wenn es nach ihm ginge, müsste die Schule nie wieder los gehen. Das sehe ich anders. Ich freue mich wieder auf Alltag, auf Struktur, auf verlässliche Arbeitszeiten, auf diese herrliche Ruhe, wenn alle aus dem Haus sind.

Zu viel Leerlauf sorgt bei uns für Zoff

Ich weiß, dass viele von euch es genießen, wenn in den Ferien alle Termine wegfallen, wenn man einfach so in den Tag hineinleben kann, wenn die Kinder morgens nicht aufstehen müssen. Unsere Familie tickt da ein bisschen anders. Frühes Aufstehen macht hier keinem was aus, unsere Schule beginnt aber auch erst um 8.30 Uhr, das ist natürlich sehr komfortabel. Meine Kinder sind am ausgeglichensten, wenn ihr Alltag mit Routinen gefüllt ist. Ich meine hier nicht minutengenaue Abfolgen, aber einfach Struktur, Alltag, feste Zeiten für Hobbys, Sport. Sie brauchen ihre Freunde, andere Kinder. Zu viel „Leerlauf“ und zu viel Zeit ausschließlich mit der Familie sorgt bei uns für Zoff und schwache Nerven meinerseits.

Lange Zeit habe ich damit gehadert, war sogar traurig und beschämt, wenn ich von anderen Familien gehört habe, die gar nicht genug voneinander bekommen können. Deren Kinder friedlich wochenlang gemeinsam spielen, die keine anderen Kinder brauchen, sondern am liebsten mit ihren Geschwistern zusammen sind. Deren Tage mit einem späten Frühstück um 11 Uhr beginnt, weil alle bis dahin im Schlafanzug den Morgen genossen haben.

Es gibt nicht DIE Art, wie Familie sein muss

Doch glücklicherweise lernt man mit den Jahren der Elternschaft, dass jede Familie unterschiedlich ist. Dass alle unterschiedliche Bedürfnisse haben, andere Voraussetzungen, andere Dinge brauchen, um glücklich zu sein. Und so kann ich völlig zufrieden auf sechs Wochen Sommerferien schauen, die absolut nicht perfekt, aber schön waren. In denen wir viel erlebt haben, aber uns auch gelangweilt haben. In denen es wunderschöne Familienmomente gab, aber auch heftigen Streit.

Ich kann mich über diese Ferien freuen und gleichzeitig froh sein, dass die Schule wieder losgeht. Ich kann sagen: „Ich liebe die Zeit mit den Kindern“ und gleichzeitig denken: „Wie gut, wenn ich endlich mal wieder ganz alleine bin“. Weil es eben nicht nur Schwarz und Weiß gibt, sondern viele, viele Grau-Töne. Es gibt nicht diese eine Art, wie Familie sein muss.

Wenn man das einmal verstanden hat, wird das Herz viel leichter. Oder?

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3 comments

  1. Liebe Katharina,
    ich würde es genau so unterschreiben! Jeder Deiner Sätze trifft auch hier zu So schön die Ferien immer sind, so froh bin ich aber auch immer, wenn der Alltag wieder einzieht!
    LG Katharina

  2. Für mich ist der Alltag der pure Stress.
    Wir haben auch drei (1,4,7) und wir sind wohl diese Familie, die die endlosen Ferien genießt und trotzdem jeden Tag gegen acht am Frühstückstisch sitzt 😂, wir sind die Familie, die sich 2022 den Luxus leisten konnte, allen fünf Familienmitgliedern 6 Wochen „frei zu geben“ (Elternzeit)
    Vielleicht liegt es daran, dass wir da leben wo wir nur 12 Minuten zum Strand brauchen und wir es liebe. ab 9.00 Uhr am Strand zu liegen und erst 17 Uhr sandig und müde nach Hause zu kommen.
    Alltag ist bei uns Zeitdruck, Terminstress und viel Streit. Ständiges Antreiben, Gehetze und Geheule.
    Für mich dürfen Sommerferien gerne länger dauern, diese Außenwelt gerne länger fernbleiben.

    Auch wenn es nur dieser einer Sommer war, der anders und gleichzeitig so besonders für uns war…
    Der nächste sieht sicherlich anders aus und natürlich viel näher dran an unserer Realität und wer weiß- vielleicht freue ich mich dann auch wieder auf die Schule ☺️

  3. Meine große Tochter ist letzte Woche in NRW eingeschult worden. Vorher war sie sechs Wochen zu Hause. In den ersten beiden Ferienwochen waren wir auf Sylt, danach noch eine Woche gemeinsam zu Hause. Anschließend ging mein Mann wieder arbeiten und die Kleine in den Kindergarten. Unsere gemeinsamen Ferien waren wirklich toll, aber ich liebe auch den Alltag. Hier ist es auch so, dass die Mädchen deutlich friedlicher zusammen spielen, wenn sie nicht 24/7 zusammen sind. Jetzt merke ich das erst richtig stark, wo die Große in die Schule geht. Vorher waren die beiden in derselben Gruppe im Kindergarten. Jetzt können sich beide viel besser auf Kontakte außerhalb der Familie einlassen, denn auch im Kindergarten waren die beiden Hanni und Nanni und haben viel nur zu zweit gespielt.
    Hach, ich sage immer gerne, dass alles seine Zeit hat. Ob es darum geht, dass aus den Kindern jetzt ganz langsam Leute werden oder um den Wechsel zwischen Ferien und Alltag. Die Mischung macht’s!

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