Corona-Kontaktsperre: „Ich finde, wir sollten alle wütend sein dürfen über die Situation“

Ihr Lieben, mein Name ist Maria. Ich bin 41 Jahre alt, verheiratet und habe einen 4-jährigen Sohn.

Mein Kind geht in die Kita seit er 1,5 Jahre alt ist. Ich bin Personalreferentin im öffentlichen Dienst und liebe meinen Job. Ich war schon 5 Monate nach der Geburt wieder in Teilzeit tätig, mein Mann und ich haben uns die Babyzeit geteilt, was sehr schön war.

UND PLÖTZLICH KAM CORONA

Im Gegensatz zu manch anderen Frauen konnte ich mir ein Leben als „Vollzeit-Mama“ nie vorstellen, dafür habe ich zu lange studiert und mag das, was ich tue zu gerne. So kamen wir gut klar.

Mein Kind liebt seine Kita, seine Erzieher und seit diesem Kindergartenjahr hat er auch wirkliche Freundschaften geschlossen. Zum Glück konnte er noch vor Corona seinen 4. Geburtstag mit all seinen Freunden feiern.

Ich selbst kämpfe seit einem Herzinfarkt meines Mannes vor 2,5 Jahren gegen Depressionen und Angststörungen. Ich habe eine Reha besucht und befinde mich seit 2 Jahren in Therapie. Nach und nach wurden die Panikattacken weniger, das Vertrauen in den eigenen Körper wieder größer, mir ging es die meisten Tage gut. Dafür nötig waren auch bewusste Auszeiten, die ich für mich hatte.

Dann kam Corona mit voller Wucht. Von jetzt auf gleich wurde der Kindergarten geschlossen, die Erzieher konnten sich nicht mehr verabschieden, mein Kind sich auch nicht mehr von seinen Freunden, weil er am Tag, als die Meldung herauskam, krank war.

Zum Glück gestattete mein Arbeitgeber mir schnell, teilweise Home Office zu machen, 2 Tage die Woche gehe ich ins Büro, 3 Tage arbeite ich von zu Hause. Wer das mal mit einem 4jährigen Kleinkind versucht hat, weiß, dass das sehr anstrengend ist, wenn man das Kind nicht stundenlang vor dem Fernseher parken will.

Wut, Tränen und Verzweiflung in Zeiten von Corona

Mein Mann kümmert sich so gut es geht, aber unser Sohn hat durch die Ereignisse der letzten Wochen eine starke Mama-Phase entwickelt und wollte die ersten Wochen am liebsten auf mir wohnen. Es endete also oft mit Tränen und Wutanfällen des kleinen Mannes und mit Tränen bei mir vor Verzweiflung, wie das alles funktionieren soll.

Übrigens: Wer so tolle Vorschläge wie „sie können ja mit ihren Freunden sykpen“ macht, hat vermutlich keine Kleinkinder mehr. Die wollen ihren Freund nicht auf dem Bildschirm anschauen, sondern mit ihnen im Sandkasten buddeln, raufen, Playmobil spielen etc. wir haben es mit Videobotschaften versucht, mit dem Ergebnis, dass mein Sohn noch mehr geweint hat, weil er soooo gerne mit seinen Freunden spielen will.

Alles steht durch die Kontaktsperre plötzlich still

Meinen Mann plagen die beruflichen Sorgen. Er hat aufgrund von Personaleinsparmaßnahmen seines Arbeitgebers zum 31.03.2020 nach fast 25 Jahren seinen Job verloren. Er ist sehr spezialisiert, so dass der Markt ohnehin schon eng ist und mit den Coronasorgen der Unternehmen wird in seinem Bereich quasi niemand mehr gesucht.

Auch die geplante Fortbildung als Alternative wird auf absehbare Zeit nicht stattfinden können, ob es Online-Möglichkeiten gibt, ist noch nicht klar, aber er in Vollzeit-Fortbildung und ich im Teil-Home Office mit Kleinkind würde eh nicht funktionieren. Termine mit der Arbeitsagentur finden ebenfalls nicht mehr statt.

„Mama, warum dürfen die anderen Kinder auf den Spielplatz?“

Zum Glück haben wir wenigstens einen kleinen Garten. Aber der bringt das nächste Problem. Direkt an unserem Gartentor beginnt der private Spielplatz der Wohnsiedlung auf dem jeden Tag bis zu 10 (!) Kinder gleichzeitig spielen. Jeden Tag erkläre ich meinem Sohn wieder, dass ich nicht möchte, dass er mitspielt und erhoffe von meinem 4jährigen, dass er das versteht. Gespräche mit Eltern der Kinder hatten das Ergebnis „Die Kinder müssen halt raus, wir können sie doch nicht einsperren.“

Mir ist klar, dass wir im Vergleich zu anderen privilegiert sind. Wir haben ein Haus und einen kleinen Garten. Zumindest ich habe im öffentlichen Dienst einen vergleichsweise sicheren Job. Dennoch habe ich Angst und bin wütend.

Warum ich wütend gerade bin!

Ich bin wütend, dass unser Leben sich von jetzt auf gleich so radikal geändert hat, obwohl ich natürlich weiß, dass wir „nur“ zu Hause bleiben sollen. Ich bin wütend, dass ich sehen muss, wie mein Sohn unter der Situation leidet, obwohl wir alles geben, um ihn abzulenken, aber wir sind nun mal keine gleichaltrigen Spielgefährten und ich muss und will trotzdem weiter arbeiten.

Ich bin wütend, wenn ich die anderen Kinder draußen spielen sehe und meinem Sohn wieder und wieder erkläre, wieso er nicht mitspielen darf, obwohl ich die anderen Eltern sooo gut verstehe und es so gerne genauso machen würde. Ich bin frustriert, dass er abends nicht mehr alleine einschlafen will und über Bauchschmerzen klagt, weil ich selber so erschöpft bin und doch weiß, dass er Mama und Papa gerade sehr braucht.

Ich bin wütend, wenn ich im Supermarkt Ü70-Mitmenschen in Grüppchen schnacken sehe und weiß doch, dass auch sie soziale Kontakte brauchen. Ich bin wütend, dass meine 92-jährige Oma, die sich nach Jahren der Isolation endlich(!) für ein Pflegeheim entschieden hat und unter den neuen sozialen Kontakten aufgeblüht ist, jetzt quasi in ihrem Zimmer eingesperrt ist, obwohl ich selbstverständlich auch nicht will, dass sie sich irgendwo ansteckt.

Alle Gefühle sind erlaubt! Jeder hat das Recht, wütend zu sein

Am meisten ärgert es mich, dass andere mir verbieten wollen, wütend zu sein. Sobald jemand irgendwo schreibt, dass er traurig ist, dass die Osterreise nicht stattfindet, dass das Kind keinen Geburtstag mit Freunden feiern darf oder dass es im HomeOffice echt anstrengend ist, wenn man zusätzlich Kleinkinder betreuen oder „Homeschooling“ betreiben muss, lese ich sofort reflexartig Kommentare, dass man sich nicht so anstellen soll, man muss ja „nur“ zu Hause bleiben.

Natürlich bin ich froh, dass ich nicht an einer Beatmungsmaschine hänge, ich bin auch froh, dass mein Mann seinen Herzinfarkt überlebt hat, dass mein Kind nach einer schwierigen Geburt trotzdem gesund ist, dass meine Mutter ihren Schilddrüsentumor bis jetzt überlebt hat und meine Schwester keinen Brustkrebs hatte.

Das heißt aber nicht, dass mich diese Situation jetzt nicht frustrieren, verzweifeln und aufregen darf. Jeder hat Dinge, auf die er sich jetzt gefreut hat und die nun nicht stattfinden. Den einen trifft es mehr, den anderen weniger hart. Aber jeder hat das Recht, seine Gefühle äußern zu dürfen. Ich würde mir mehr virtuelle Umarmungen als virtuelle Schläge wünschen!

Widerstreitende Gefühle toben in mir

Diese vielen widerstreitenden Gefühle in mir kann ich gerade nur schwer übereinbringen. Je mehr die Zeit voranschritt, desto mehr meldete sich auch mein Körper wieder.

Ich habe starke Kopfschmerzen, fühle mich erschöpft, schlafe schlecht, wache nachts wieder mit Angstattacken auf. Alles Sachen, die ich dachte, hinter mir zu haben. Mein Verstand sieht die Bilder aus Italien, Spanien, Nicaragua, New York etc. und versteht die Notwendigkeit der Maßnahmen.

Aber mein Herz sehnt sich nach Freiheit, Normalität, Auszeiten für mich selbst, sozialen Kontakten meines Sohnes, Grill- und Geburtstagspartys, Spielplatzbesuchen und Ponyreiten.

Ich beneide diejenigen, die in dieser schwierigen Zeit Entscheidungen treffen müssen, wirklich nicht. Aber wenn es um das zentrale Thema Gesundheitsschutz geht, dann muss man auch an die mittelbaren Folgen denken. Frauen und Kinder aus sozial schwachen oder gar gewaltbereiten Familien, die kaum noch Fluchtmöglichkeiten haben und ganz sicher kein liebevolles Homeschooling genießen.

Was die Quarantäne-Zeit mit uns macht

Psychisch kranke Menschen, deren Erkrankungen durch den Verlust von sozialen Kontakten, Therapiemöglichkeiten, Rehas etc. befeuert werden. Seelische Schäden von Kindern, die die momentane Situation schlecht wegstecken. Soziale Isolation von älteren Menschen, gerade in Pflegeheimen, die wochenlang nur noch Pfleger mit Masken sehen und es z.B. mit Demenzerkrankungen nicht verstehen und Angstattacken entwickeln.

Menschen, deren mühsam aufgebaute Existenzen gerade zerstört werden, die sich vielleicht trotz Hilfsmittel nicht mehr erholen können oder die arbeitslos werden. All das in Einklang zu bringen scheint unmöglich.

Dennoch wünsche ich mir sehr, dass die Politik ausgewogene Entscheidungen trifft und das jeder einzelne von uns so gut wie möglich durch diese Zeit kommen kann! Bleibt alle gesund und unterstützt euch gegenseitig statt zu verurteilen!

Du magst vielleicht auch

15 Kommentare

  1. Ich denke jeder darf seine persönlichen Sorgen / Ängste, die er in dieser Situation hat, teilen. Doch auch hier finden sich welche, die auf andere Hacken, obwohl der Beitrag anregen soll das Gegenteil zu tun.
    Ja auch Singles dürfen sagen „Mir geht es Kacke, weil ich niemanden habe“ oder man darf sich auch aufregen, dass manche es nicht verstehen, warum die Isolation nötig ist.
    Vor allem letzteres hast du so schön angedeutet. Treffen sich in Gruppen, gefährden damit nicht nur sich selbst, sondern viele andere Mitmenschen und wimmeln das ganze ab mit „Ich lasse mir meine Freiheit nicht nehmen“.
    Das sie damit nicht nur eine Entscheidung für sich, sondern für andere mitgetragen haben, kommt ihnen nicht in den Sinn. Keine Rücksicht auf andere!
    Meine Nachbarn machen jeden Tag fett Party (laute Musik, sich extrem laut unterhalten, In Gruppen treffen), derweil ich versuche an meinem provisorisch eingereichten HomeOffice Platz (aka mein Küchentisch mit Hocker) zu arbeiten. Macht mich unheimlich wütend, aber ich kenne ihre Hintergründe nicht. Verstehen sie die Situation nicht oder fällt es ihnen einfach zu schwer sich nicht zu treffen?
    Also alle mal cool down, nicht auf andere rum hacken, selbst kurz Luft holen auf dem Balkon oder bei geöffnetem Fenster, damit wir weiter diese schwere Zeit gemeinsam überstehen 🙂

  2. Hallo, die Geschichte könnte meine sein! Es passt fast alles (herzinfarkt, Arbeit, Kinder, Angstzustände,) was für eine Reha hast du gemacht? Irgendwie komme ich mit dem Problem nicht weiter! Würde mich über eine Antwort freuen!

  3. Hallo, die Geschichte könnte meine sein! Es passt fast alles (herzinfarkt, Arbeit, Kinder, Angstzustände,) was für eine Reha hast du gemacht? Irgendwie komme ich mit dem Problem nicht weiter! Würde mich über eine Antwort freuen!

  4. Danke für den Text!
    Ich kann der aktuellen Situation auch nichts abgewinnen.
    Wer gern bäckt und bastelt, kann das doch auch ohne Kontaktsperre machen.
    Wir haben einen tollen Alltag mit Sport, Musik, Freunden. Wir arbeiten gern und die Kinder gehen gern zur Schule/Kita.
    Das alles fehlt uns.
    Damit dürfen wir hadern.
    Nicht ständig rumheulen, aber „genießen“ müssen wir das nicht!

  5. Hallo!
    Ja! Wir dürfen wütend sein!!! Und traurig und weinen! Zwischendurch verzweifeln, weil es weh tut und anstrengend ist und unsere Welt auf den Kopf stellt. Selbst wenn wir an einer Stelle privilegiert sind – trotzdem! Jeder hat gerade einen Verlust zu verklagen – jeder! Gemeinsam stehen wir das besser durch.

    Mir geht es mit der Angststörung und den Panikattacken ähnlich. Ich bin trotzdem froh, dass ich die Probleme vorher etwas im Griff hatte

  6. Endlich hat mal jemand anders auch Wut. Ich kann diesen Biedermeier-Kitsch langsam nicht mehr ertragen, dass uns suggeriert wir müssten die Krise als Chance sehen.

    Ja Chance, verflixt nochmal Du kannst mich mal. Ich will keine tollen Geschichten von, „ich mach jetzt eben Yoga zuhause und backe lauter Sauerteig“ mehr hören. Die Situation zu ertragen ist schwer genug. Wir müssen da irgendwie durch und es reicht einfach den Kopf über Wasser zuhalten.

    Und eben keinen Selbstoptimierungs-Wahn in Home-Office, Home-Schooling, Home-Cooking aufzubauen. Zu viert mit zwei Vorschulkindern in einer Stadtwohnung ohne Garten … muss ich mehr sagen? Natürlich verliert jeder mal die Nerven und WUT ein Faktor!

  7. Ja, genau richtig-man darf auch mal wütend sein! Klar haben wir es hier wirklich noch gut und sind dankbar dafür. Aber manchmal ist man wütend oder traurig- z.B. wenn mein 2jähriger Sohn nur am Fenster schauen darf, wie die Nachbarskinder auf der Straße spielen. Wenn er dann ruft „Hallo kinder, was macht ihr so?“tut das einfach weh. Ich wünsche uns allen, dass wir gut durch diese Zeit kommen und den Mut nicht verlieren und dass es trotz allem schöne Momente und Dinge gibt wie z.B. der freundliche ältere Herr am Ende der Straße, der meinem Sohn einfach einen Modelleisenbahn-Zug schenkt, „damit er sich nicht so langweilt „.Danke sehr für den Text und alles Gute!

    1. Ich kann Dich sehr gut verstehen. Und finde es unmöglich, dass nun ausgerechnet die Kleinsten noch viel länger zuhause bleiben sollen, deren Eltern sind doch am stärksten belastet, grad wenn sie auch noch berufstätig sind! Die psychische Gesundheit ist doch auch wichtig, nicht nur die physische, und mit der wird von der Politik gerade sehr leichtfertig umgegangen! Menschen vereinsamen, andere sind kurz vorm Burnout, weil sie neben Kinderbetreuung noch zuhause zu arbeiten versuchen, stehen wirtschaftliche Existenzängste durch, können keinen Sport zum Ausgleich machen und so weiter.

  8. Danke für diese Worte und deine Gedanken, auch zu der Situation der Familien und sozial Schwachen. Das trifft es so genau. Ich habe zwei Grundschulkinder und bin komplett im Home Office. Ich habe auch seit mehreren Wochen durchgehend Kopfschmerzen und werde hier einfach niemandem gerecht. Und ja mein Mann versucht alles, ist aber systemrelevant (nicht im medizinischen Bereich) und daher viel außer Haus, sein Urlaub wurde gestrichen. Und die Kommentare, die du nennst, höre ich leider auch.. Backen, basteln, neue Hobbys? Fehlanzeige, weil ich zur Zeit um 5 Uhr am Laptop sitze und vor spät abends nie auf dem Sofa bin. Arbeiten, Schulunterricht, Haushalt, kochen, einkaufen, Kinder betreuen… Eigentlich bin ich sehr stark aber nach 5 Wochen zuhause habe ich keine Kraft mehr und es gibt noch nicht mal eine Perspektive, wie lange das noch geht..

  9. Liebe Maria, du hast das so wunderbar geschrieben. In vielem sehe ich, wie es mir selbst gerade geht und wie ich fühle.
    Ich versuche mich inzwischen von einigen Menschen abzugrenzen, die mir gerade nicht gut tun und dass in der eigenen Familie. 😔
    Ich lebe mit meinem Partner und meinen/unseren Kindern und seinen Eltern und Brüder auf seinem Einsiedlerhof.
    Jetzt sollte man meinen Paradies auf Erden. Draußen ja, das stimmt. Wir können uns viel und unbeschwert draußen bewegen, aber die Menschen um mich herum, die ziehen mich mit ihrer Einstellung so runter, dass ich psychisch darunter sehr leide.
    Mir fehlen meine Familie und meine Freunde und zuhause ernte ich dafür nur ein Kopfschütteln und Unterstellungen, dass ich sie heimlich treffe.
    Fühl dich gedrückt und umarmt. Diese Wochen sind eine große Herausforderung für viele und wir schaffen das!
    Liebe Grüße Nadine

      1. Du schreibst: dennoch wünsche ich mir sehr, dass die Politik ausgewogene Entscheidungen trifft und das jeder einzelne von uns so gut wie möglich durch diese Zeit kommen kann!
        Da stimme ich überein. Das möchte ich als Mama auch. Dennoch war es wichtig politisch schnell und krass zu reagieren, damit man Luft hat, jetzt die Lage neu auszuloten. Ich bin froh dass mein Brustkrebs diese Woche operiert werden kann, weil mein CovidAbstrich negativ war nach 4 Wochen selbstauferlegter Familien Quarantäne mit Zwillingen 6 Jahre alt. Das verdanke ich auch wirklich gestressten Eltern, die bis jetzt mitgemacht haben. Ich wünsche auch in Zukunft anderen Notfällen, dass sie zeitgerecht behandelt werden können, weil weiter klug vorgegangen wird. Überlegt und klug ist nicht immer gerecht oder gefühlt ,,ausgewogen genug,,. Ja, das Spielen der Kinder miteinander ist wichtig und soll bald wieder sein. Doch ohne den gewonnenen Vorsprung zu gefährden.

      2. Danke Maria, deine Worte tun so gut!!

        Ich habe gerade gelernt, wir gehören zur „Home Office Elite und haben uns nicht zu beschweren…
        Ich kann auch die Kommentare der Single-Freunde (“ Du hast deine Familie um dich, ich bin nur alleine „) oder der anderen Eltern (“ ihr habt nur ein Kind und die ist schon 10, das ist doch gar kein Problem“) nicht mehr hören…

        Aber unser Südafrika Urlaub mit meiner 82j. Schwiegermutter im Sommer ist geplatzt, etliche Tausend Euro Schaden.
        Und nein, einfach nachholen geht auch nicht nächstes Jahr (wieder so übliche Kommentare…), wir müssen erst wieder lange sparen, niemand weiß, wie Corona in Afrika wüten wird, meine Schwiegermutter wird das Risiko nicht eingehen und übrigens lebt meine Schwester in Kapstadt und ich bete, dass sie nicht krank wird…

        Genau wie ich selbst, Risikopatientin. Ich habe Arbeit ohne Ende (ITler), darüber bin ich natürlich dankbar, aber trotzdem nicht bereit, 12h zu arbeiten, weil ich doch eh zuhause bin. Da mein Mann von Arbeitslosigkeit bedroht ist, tue ich es häufig doch…und kämpfe auch seit Wochen mit Kopfschmerzen und Alpträumen…

        Meine Tochter muss im Eiltempo lernen, jetzt stundenlang für die Schule online am PC zu arbeiten, nachdem wir jahrelang darum gekämpft haben, dass sie nicht ständig am ipad hockt…

        Du hast so recht, Maria. Auch wenn es uns vergleichsweise gut geht, ist unsere Trauer, unsere Wut und unsere Angst berechtigt. Und es erleichtert sehr, es zumindest zugeben zu können. Ich schicke dir eine virtuelle Umarmung!

  10. Du sprichst mir sowas von aus der Seele!!!! Genauso geht es mit auch. Ich bin eigentlich ein starker Mensch, der sofort Pläne entwickelt wie er mit der Situation klar kommt. Dieses Jahr habe ich meine beste Freundin mit 37 an Krebs verloren und meinen Opa im gesegneten Alter von 91. Ich bin im 8. Monat schwanger und hatte so gehofft, vor der Geburt durchatmen zu können. Meine kleine Tochter ist knapp 3 und vermisst ihre Freunde. Ich kiebe meinen Job und mache wie nein Mann 40h im Homeoffice in einer 2 Zimmer Wohnung. Trotzdem alles Klagen auf hohem Niveau und ich bin froh dass wir gesund sind aber andererseits auch so wütend und hilflos, so kenne ich mich selber gar nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*