Umzug, neuer Job, neue Kita: Weil mein Sohn unglücklich war, änderten wir nochmal alles

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Liebe Tine, Du hast uns geschrieben, weil Dein Kind Probleme in der Kita hatte. Erzähl mal ein bisschen was über deinen Sohn….

Mein Sohn ist 5,5 Jahre und ein aufgewecktes Kind. Er redet viel, aber nicht gern über sich und sein Gefühlsleben. Er macht viele Sachen mit sich selbst aus. Paw Patrol ist seine große Leidenschaft. Außerdem liebt er Schwimmen, Radfahren und Dinos. Wir wohnen seit Mitte August in Kiel in einer schönen Wohnung mit großen Gemeinschaftsgarten und Blick auf einen See.  Davor haben wir in Hamburg gelebt. Seit vier Jahren gehen wir als Zweier-Team durchs Leben. 

Welche Probleme gab es in der Kita?

Mein Sohn wurde leider gemobbt. Ein anderer Junge hat die Kinder angestiftet, die Gruppe hat Quatsch gemacht, Regeln gebrochen – und am Schluss wurde mein Sohn als der Schuldige hingestellt. Natürlich war mein Sohn nicht immer unschuldig, aber es war auffallend, dass er als Einziger bestraft wurde und ich eigentlich jeden Tag Gespräche mit Erziehern hatte, was mein Sohn wieder alles angestellt haben soll. Er war einfach der Buhmann. 

Wir hat sich dein Sohn durch die Situation verändert?

Er wurde immer ruhiger, spielte immer mehr alleine, war in sich gekehrt. Dann eskalierte die Situation, denn aus dem morgendlichen "Ich will nicht in die Kita" wurde ein richtiger Weinkrämpf, der über eine halbe Stunde andauerte. Irgendwann sagte er: "Mama, wir müssen umziehen. Ich will andere Freunde." Als ich sagte, er habe doch Freunde in der Kita, antwortete er: "Nein, in der Kita bin ich immer nur an allem schuld. Die anderen sind gemein zu mir." 

Das hat mir echt wehgetan und wir haben lange gesprochen, wie was in der Kita abgeht und wie er sich fühlt. 

Hast du Hilfe bei den Erziehern gesucht? Wie haben die sich verhalten?

Ja klar. Ich habe den Erziehern erzählt, wie mein Sohn die Situationen erlebt hat und durch diese Schilderungen sahen die Erzieher nun einiges mit anderen Augen. Durch das Gespräch wurde darauf geachtet, dass mein Sohn und der andere Junge öfter mal getrennt wurden, damit sie sich nicht anstacheln können. Früher war es oft so gewesen, dass mein Sohn als Strafe nicht mit raus in den Garten durfte – jetzt wurden beide Jungs in die Verantwortung genommen. Das hatte sofort einen Effekt. Mein Sohn ging wieder lieber in die Kita – doch sein Wunsch nach einem Umzug blieb. 

Wie bist du mit diesem Wunsch umgegangen?

In den Zeiten, in denen mein Sohn gar nicht mehr in die Kita gehen wollte, hätte ich ihn am liebsten sofort raus genommen und in eine andere Kita gegeben. Doch das ist natürlich nicht so leicht. Nach der Besserung der Situation habe ich erstmal gehofft, dass der Umzug sich von selbst erledigt. Aber nachdem das Thema immer wieder aufkam, dachte ich mir: Ich könnte mich ja mal in der Nähe meiner Eltern auf eine Stelle bewerben. In der Nähe der Großeltern zu leben ist ja immer toll. Als dann die Firma, in der ich gearbeitet habe, zum Verkauf stand, habe ich das zum Anlass genommen, mich richtig intensiv nach anderen Stellen umzugucken. 

Ihr seid dann tatsächlich umgezogen…

Genau. Wir sind von Hamburg nach Kiel gezogen und ich habe wirklich durch riesiges Glück eine Wohnung im Haus neben meinen Eltern gefunden. Ich habe einen neuen Job und tatsächlich bekam mein Sohn in Kiel schnell auch einen Kitaplatz. In der neuen Kita hat er schnell Anschluss gefunden. Er ist richtig aufgeblüht. Es waren zwar echt viele Veränderungen, aber mein Gefühl sagt, dass er daran gewachsen ist. Er hat auch gespürt, dass ich ihn ernst nehme und dass er auch mitentscheiden kann, wie und wo wir leben. Ich habe auch gemerkt, dass ich meinem Sohn nach diesen ganzen Vorfällen nun viel genauer zuhöre, Dinge hinterfrage und ihm Mut mache, über seine Gefühle zu sprechen. Mein Sohn ist nun definitiv viel glücklicher. 

Umzug, neuer Job in Vollzeit. Das ist aber auch echt viel gewesen für Dich. 

Absolut. Ich merke jetzt, wie die letzten Monate an mir gezehrt haben. Mein neuer Job ist auch echt herausfordernd und gerade am Anfang muss man sich ja beweisen. Aber mein Chef unterstützt mich gut und die Firma scheint darauf Wert zu legen, dass Job und Familie vereinbar sind. Ich bin zudem sehr froh, dass meine Eltern nun in der Nähe sind. Sie entlasten mich definitiv. 

Nichtsdestotrotz gibt es auch Momente, in denen ich mich allein fühle. Wir haben in Hamburg auch viele Freunde zurück gelassen und müssen uns hier alles neu aufbauen. 

Wie haben denn die Hamburger Freunde auf Euren Umzug reagiert? 

Viele hatten Respekt vor so einer großen Entscheidung, nochmal wo anders neu anzufangen. Ich hoffe, dass einige Freundschaften halten werden. Eigentlich sind es ja nur 100 Kilometer zwischen Hamburg und Kiel – das heißt, man könnte defintiv die Verbindung halten. Wobei ich schon ehrlich sagen muss, dass ich damit rechne, dass einige Freundschaften nicht halten werden. 

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Für meinen Sohn wünsche ich mir, dass er nie wieder in so eine blöde Situation kommt. Und wenn doch, weiß er nun, dass ich immer für ihn da sein werde und mit ihm jede Situation meistere. Ich hoffe, dass wir gut in Kiel ankommen und neue Freundschaften schließen. Ich wünsche mir etwas mehr Ruhe nach diesen anstrengenden Monaten. Ich bin ein grundlegend positiver Mensch und es wird alles gut werden. Mein Sohn und ich haben Vieles gemeinsam gemeistert und das alles macht uns nur stärker. Der Spruch, der mich seit der Trennung vom Vater meines Sohnes begleitet, ist: "Am Ende wird alles gut und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende. “

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2 Kommentare

  1. Alles Gute!
    Liebe Tine,
    ich finde, du bist eine total tolle Mutter, dass du für deinen Sohn dein Zuhause aufgegeben hast. Wir haben das große Glück, dass die Großeltern in der Nähe wohnen und wir von ihnen unterstützt werden. Ich wünsche dir, dass ihr das auch so erleben werdet und du zu den Freunden in Hamburg in Kiel auch neue Freunde finden wirst. Alles Gute für euch beide
    Maria

  2. Alles Gute!
    Liebe Tine,
    ich finde, du bist eine total tolle Mutter, dass du für deinen Sohn dein Zuhause aufgegeben hast. Wir haben das große Glück, dass die Großeltern in der Nähe wohnen und wir von ihnen unterstützt werden. Ich wünsche dir, dass ihr das auch so erleben werdet und du zu den Freunden in Hamburg in Kiel auch neue Freunde finden wirst. Alles Gute für euch beide
    Maria

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