Von Köln an die Ostsee – so ist unser neues Leben

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Ihr Lieben, wir lieben Updates – genau wie ihr. Was ist aus den Familien geworden, die wir interviewt haben, wie ging das Leben für die Frauen weiter, die uns ihre Geschichten erzählt haben? Vor drei Jahren gab es ein Interview mit Katharina (HIER zum Nachlesen), die kurz vor einem großen Umzug stand. Heute erzählt sie uns, ob der Neuanfang geglückt ist.

Liebe Katharina, vor drei Jahren haben wir ein Interview mit Euch geführt, damals stand der Umzug von Köln an die Ostsee an. Gründe waren zum einen, dass in Köln bezahlbarer Wohnraum knapp war, zum anderen wolltet Ihr, dass Euer Kind nicht in der Stadt groß wird. Erzähl doch mal, wie war der Abschied dann damals?

Es war ein richtiges Gefühlschaos. Jede Menge Vorfreude und Aufregung, aber auch ein bißchen Wehmut. Wir haben im Sommer 2019 in unserer kleinen , warmen Dachgeschosswohnung unsere Sachen gepackt, da war die Aussicht auf eine kühle Brise sehr verlockend.

Wir wussten ja schon, dass viel Arbeit und Neues auf uns zukommen würde, aber wir hatten richtig Lust darauf. Auf der anderen Seite haben wir Familie, so viele gute Freund*innen, unsere alten Jobs und die gewohnte Umgebung zurückgelassen, das war natürlich auch schwer.

Und wie war das Ankommen dann damals ?

Aufregend beschreibt es ganz gut. Wir hatten all unsere Sachen, einige Familienmitglieder und Freund*innen zur Unterstützung dabei, worüber wir sehr dankbar sind. In den ersten Monaten haben wir sehr viel im und am Haus gearbeitet und sind nach fast 3 Jahren immer noch dabei. Gleichzeitig haben wir uns um unsere neuen Jobs und die Kindergarteneingewöhnung gekümmert. Das war schon viel und erst nach ungefähr einem halben Jahr hat sich so was wie Alltag eingestellt. 

Wie lange hat es gedauert, bis du realisiert hast, dass das kein Urlaub ist, sondern Ihr jetzt da lebt?

Das war direkt klar, wir hatten ja alles, was unser Zuhause ausmacht, dabei. So richtig deutlich war es immer, wenn wir am Meer waren und uns klar wurde, dass wir es jederzeit wiedersehen können. Das Gefühl war schon sehr toll und ist es auch immer noch.

Habt Ihr schnell Freunde gefunden? Und wie hat sich Eure Jobsituation verändert?

Die Menschen hier in Ostholstein waren von Anfang an ziemlich freundlich und hilfsbereit. Unser großes Kind fühlt sich im Kindergarten total wohl und hat da viele Freund*innen gefunden. Für uns Große war es aufgrund von Corona trotzdem schwierig, neue Freundschaften aufzubauen. Zum Glück haben wir jeweils tolle Arbeitskolleg*innen und eine nette Nachbarschaft.

Ich bin momentan mit  unserem zweiten Kind in Elternzeit und habe Glück, dass nun wieder Babytreffs, Sport usw. stattfinden, wo ich nette Menschen kennengelernt habe. Die typischen Spielplatzbekanntschaften gibt es hier ja eher nicht, da alle einen eigenen Garten haben und dort abhängen.  

Vor meiner Elternzeit habe ich im Sozialdienst einer Klinik gearbeitet. Daneben kümmere ich mich um unsere Ferienwohnungen, was ganz neu für mich ist, aber viel Spaß macht. Mein Mann hat glücklicherweise ebenfalls eine tolle Stelle in einem Museum in Hamburg gefunden. Tatsächlich sind wir mit unseren jetzigen Jobs wesentlich zufriedener als in Köln, da hatten wir einfach Glück!

Was glaubst du, wie wäre die Corona- Zeit für Euch in Köln gewesen? Und wie habt ihr sie auf dem Land erlebt?

Wir sind unglaublich dankbar, dass wir vor Corona umgezogen sind. Ein Garten, das Meer um die Ecke und so viel Platz sind unfassbare Privilegien. Trotzdem war die Zeit der Lockdowns kräftezehrend, einsam, frustrierend und hat uns oft an unsere Grenzen gebracht. Ich weiß nicht, wie wir die Zeit in Köln überstanden hätten und habe großen Respekt vor allen Familien, die die letzten 2 Jahre unter wesentlich ungünstigeren Umständen verbracht haben..

Habt Ihr manchmal Heimweh nach Köln? Was vermisst du?

Klar haben wir manchmal Heimweh nach Köln und unseren Freund*innen! Während der Coronahöchstphasen war es ein allgemeines Menschen- und Aktivitätenweh.

Und im Alltag fehlt mir tatsächlich mehr Infrastruktur. Ich komme ja aus dem Dorf und kenne es, aufs Auto angewiesen zu sein. Mit zwei kleinen Kindern ist es jedoch wirklich nochmal was anderes…

Vor allem im Winter habe ich mich einige Male in die Stadt geträumt- da gibt es ja schon ein breiteres Angebot an Allem und es ist auch schön, die Kinder nicht immer komplett ins Auto verfrachten zu müssen, sondern mal eben zu Fuß gehen zu können. Bei uns im Dorf gibt es nur einen Briefkasten…

Wie es wird, wenn unsere Kinder älter sind, bleibt abzuwarten. Außerdem warten wir sehnsüchtig auf das letzte Stück Fahrradweg, das unser Kaff mit dem nächsten verbinden wird. Momentan müssen wir über die Landstraße, zusammen mit jeder Menge Autos, die schnell in den Urlaub wollen . Das ist mir für die alltäglichen Fahrten zu riskant. 

Und dann gibt es noch ein paar ganz konkreten Dinge, die mit fehlen. Ich liebe z.B. indisches Essen, müsste dafür aber bis nach Lübeck fahren. Weil das aber natürlich Quatsch und Jammern auf sehr hohem Niveau ist, koche ich eben selbst und genieße den nächsten Besuch in der Stadt. 

Und was ist jetzt so viel besser als früher?

Ich liebe Vieles am Landleben. Unseren Garten, das Meer, die Tiere um uns herum, unser altes Haus, das wiegt schon viel auf! Der Gemüsegarten z.B. macht zwar echt viel Arbeit (Hallo, Nacktschnecken!), aber mich auch sehr glücklich! Und was für eine Freunde, wenn die Kinder von früh bis spät draußen spielen und abends matschig und müde sind. Natürlich kann man in der Stadt auch viel draußen sein, für uns passt es hier aber besser. 

Es ist toll, dass unsere Freund*innen und Familien wie erhofft bei uns Urlaub machen können. Und auch die anderen Gäst*innen bringen viel Abwechslung ins Haus. 

Was ich als Nachteil aufgezählt habe, die mangelnde Infrastruktur, bringt gleichzeitig auch Vorteile mit sich. Wir planen z.B. unsere Woche einfach besser und kaufen nur einmal in der Woche ein. Und wir genießen es auch, nicht permanent von Menschen und dem Stadtleben umgeben zu sein. 

Abgesehen vom täglichen Familienalltagswahnsinn ist das Leben also wirklich etwas entschleunigt. Das hört sich aber wahrscheinlich idyllischer an als es ist. Und wenn ich doch mal Stadtsehnsucht habe, fahre ich eben in die Stadt- bin aber meistens froh, wenn ich wieder zu Hause bin.

Würdet Ihr den Schritt wieder so gehen?

Wahrscheinlich schon – aber definitiv besser geplant. Wir sind aus finanziellen Gründen in ein unrenoviertes Haus gezogen und haben dann gleichzeitig renoviert und hier gelebt. Das würde ich nach Möglichkeit vermeiden, weil es so viel erschwert hat und immer noch viele Dinge liegengeblieben sind. 

Wenn du nochmal umziehen müsstest – wo würdest du gerne leben?

Oh, das ist eine schwierige Frage…Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich wohl unser Haus mit allem drum und dran direkt ans Meer versetzen und dann auch gleich unsere Familien und Freund*innen in die Nachbarschaft mitnehmen. Und eine Schule nebenan bauen, damit die Kinder zu Fuß gehen können. Ach, eigentlich sind wir ziemlich zufrieden hier- wer weiß, was die Zukunft bringt. 

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Katharina und Familie
btf

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1 comment

  1. Es ist schön zu lesen, dass Euer Traum sich erfüllt hat.
    Und dass der Artikel sich m.E. ausgewogen mit den Vor- und Nachteilen beschäftigt.
    Ich wünsche Euch weiterhin alles Gute.

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