Von Köln an die Ostsee – warum eine Familie der Großstadt Bye Bye sagt

foto stadt land mama

Liebe Katharina, noch wohnt Ihr in der Innenstadt von Köln – doch bald zieht Ihr an die Ostsee um. Erzähl mal, wie Ihr bisher lebt. 

Wir leben in einer Dachgeschosswohnung mit 3 Zimmern auf 60 qm mitten in Köln Deutz. Eigentlich ist es hier ganz nett. Fast schon dörflich, man kennt sich, wenn man sich auf dem Markt oder am Spielplatz trifft. Gerade im Sommer ist es aber oft voll und laut, da der Rhein nur einen Katzensprung entfernt ist und gefühlt halb Köln zu den Rheintreppen pilgert.

Die Bahnstation, die mehrspurige Straße und die ganzen Veranstaltungsorte (Messe, Kölnarena) tragen auch nicht unbedingt dazu bei, dass es ruhiger wird. Vor der Geburt unserer Tochter hat uns das alles weniger gestört, aber mit Kleinkind kommt es uns hier immer weniger lebenswert und kindgerecht vor.

Warum kam es für Euch nicht in Frage, in Köln eine andere Wohnung zu suchen?

Mit der Geburt unserer Tochter begannen wir nach einer größeren Wohnung mit Balkon oder Garten in Köln zu suchen. Und außer uns noch tausende andere Menschen… Wir arbeiten beide in Teilzeit, unser Budget ist also überschaubar. Schnell waren wir genervt und frustriert von dem Mietwahnsinn und begannen nach Alternativen zu suchen.

Ihr zieht nun an die Ostsee – das ist ja nicht gerade um die Ecke. Wie kam es dazu?

Die Idee kam im letzten Sommer auf. Wir hatten gerade einen Familienurlaub auf Fehmarn hinter uns und träumten uns aus dem knallheißen Köln auf einen alten Resthof am Meer. Und irgendwie wurde daraus ein konkreter Plan. Mit Unterstützung der Familie haben wir dann nach einem geeigneten Haus gesucht. Uns wurde schnell klar, dass wir dort nicht nur wohnen und arbeiten, sondern auch Ferienwohnungen vermieten wollen. So, unser Plan, hätten wir neben einer neuen Aufgabe auch immer eine gemütliche Bleibe für Freund*innen und Familie.

Wie sieht es mit Euren Jobs aus? Was macht Ihr beruflich?

Ich habe Ergotherapie und Gerontologie studiert und arbeite zurzeit mit psychisch kranken Menschen. Meine Jobchancen sind an unserem neuen Wohnort recht gut. Für meinen Freund ist es schwieriger, dort eine adäquate Stelle zu finden. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Kunst und Design. Seine freiberuflichen Projekte kann er von dort aus jedoch ebenfalls verfolgen. Außerdem möchten wir langfristig ein Atelier und einen Werkraum einrichten, um dort selber zu arbeiten und Workshops anzubieten.

Wie haben Freunde und Bekannte auf Eure Plane reagiert? 

Die allermeisten Reaktionen waren positiv – wenn auch anfangs etwas überrascht. Vor allem unsere Familien und engen Freund*innen finden den Plan aber toll und – noch wichtiger – sie finden, dass es genau das Richtige für uns ist. Das gibt uns viel Sicherheit. Ein paar doofe Kommentare gab es aber auch, weil diejenigen die unsere Entscheidung partout nicht verstehen können. 

Auf was freust Du dich am meisten an der Ostsee?

Auf das Meer und das entschleunigte Landleben mit unmittelbarem Zugang zur Natur.  Auf das schöne alte Haus mit Garten und auf die neuen Aufgaben. Und auf mehr Raum und Ruhe für uns und unsere Besucher*innen.

Und was wirst du in Köln am meisten vermissen?

Unsere Freund*innen und dass wir ohne Auto auskommen. Wahrscheinlich wird uns auch die kulturelle Dichte fehlen, das Kioskbier und vielleicht ein bißchen die Vielfalt der Großstadt.

Hat deine Tochter manchmal Bammel vor dem Umzug?

Unsere Tochter kennt das Haus schon und freut sich wahnsinnig auf die Hofkatzen, die dazugehören. Außerdem ist sie ein absolutes Draußenkind, sodass wir relativ sicher sind, dass sie sich dort wohlfühlen wird. Vor der Umgewöhnung haben wir aber trotzdem Bammel, das geht uns Großen ja genauso.

Was erhoffst du dir ganz generell von eurem neuen Wohnort?

Ich bin selber auf dem Land aufgewachsen und kenne auch die Schattenseiten. Trotzdem können wir uns die Rückkehr aufs Land schon lange vorstellen und erhoffen uns ein bißchen unser eigenes Bullerbü: mit dem Lastenrad an den Strand fahren, das eigene Gemüse ernten und den Garten voller Kinder und Freund*innen haben.
Drückt uns die Daumen, dass es so oder so ähnlich wird.

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2 comments

  1. Realität
    Die neuen Ziele klingen fast zu schön um wahr zu sein. Idyllisches Landleben in der Nähe vom Meer statt Großstadtwahnsinn. Gut nachvollziehen kann ich das, wohnen wir doch selber ländlich ohne Durchgangsverkehr dafür mit viel Raum zum Spielen, Fahrradfahren usw.

    Was ich aber schwierig finden:
    Wenn beide Teilzeit arbeiten, muss man eben finanziell auch Abstriche machen und kann die frustrierende Situation nicht einfach auf den Mietwahnsinn schieben. Alles geht nun mal nicht.
    Schön, wenn man eine Familie im Hintergrund hat, die so ein Leben unterstützt.

    Alles Gute bei der Verwirklichung eurer Pläne!
    (Das ist vollkommen aufrichtig gemeint)

  2. Hut ab – mutig!
    Liebe Katharina, wow, ich find das so cool, einen Traum zu haben, sich zu erlauben ihn zu träumen und ihn dann auch in die Tat umzusetzen. Das Leben an der Ostsee wird bestimmt aufregend und nur im Winter vielleicht mal besinnlich einsam. Oder auch nicht!
    Ich drück euch von Herzen die Daumen. Was gibt es besseres für ein Draußenkind auf den Bauernhof zu ziehen? Genau, nix!
    An die Autorin: tolles Interview. Würde mich über ein Follow-Up in ein paar Monaten freuen.
    LG Henni

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