Transgender Jennifer: Angekommen im Leben als Frau

Liebe Jennifer, du bist männlich geboren, lebst aber heute als Frau. Erzähl uns mal, wie du dich selbst in deiner Kindheit erlebt hast.

Ich bin in der ehemaligen DDR aufgewachsen, meine Eltern hatten sichere Arbeitsplätze und ich würde meine Kindheit und Schulzeit als unbekümmert und sorglos bezeichnen. In und abseits der Schule hatte ich viele Freunde und da es damals noch keine Computer oder Spielekonsolen gab, waren wir viel in der Natur unterwegs oder machten Sport. Meine Eltern, bzw. meine ganze Familie kümmerten sich sehr um mich.

Nach dem Fall der Mauer hatten wir ja plötzlich die Möglichkeit, ganz viele Dinge zu entdecken. So lernte ich in meiner Kindheit schon einige Länder der Welt kennen oder verfiel der Programmvielfalt im Fernsehen. Filme und TV-Serien wurden zu einem meiner größten Hobbies, ein anderes Hobby von mir ist das Tanzen, speziell das Ballett.

Wann hast du das erste Mal deutlich gespürt, dass du als Frau leben möchtest?

So eine Entscheidung trifft man natürlich nicht einfach so über Nacht. Nach meiner Pubertät begann ich mich plötzlich für feminine Dinge zu interessieren. Es fing mit banalen Dingen an wie den Lippenstift von der Mama aufzutragen oder die Nägel zu lackieren. Man muß bedenken, daß es damals noch keine Googlesuche oder Foren gab, wo man sich hätte informieren können. Ich war ganz allein und hatte auch nicht den Mut darüber mit meinen Eltern zu sprechen.

Irgendwann fand ich in der damaligen Jugendzeitschrift „BRAVO“ einen Artikel über einen Jungen, der gerne ein Mädchen sein wollte, auch so lebte und sogar so die Schule besuchte! In gewissen Maßen zog ich Parallelen zu mir, nur sah ich mich nicht in Damenmode – wie könnte ich einen Rock, Kleid oder gar Strumpfhosen tragen?

Dennoch erwachte ein weibliches Gefühlsleben in mir und ich begann, mich mit Frauenliteratur auseinanderzusetzen. Wollte alles über Emanzipation, Feminismus und die Frauenbewegung wissen. Das zeigte mir, in welcher männerdominierten Welt wir leben, wobei ich dieses Ungleichgewicht einfach nur ungerecht empfand. Mich mit diesen Themen zu beschäftigen und unsere Gesellschaft in diesen Dingen zu hinterfragen, bestärkte meine feminine Seite. Daneben wollte ich aber auch mehr über die „persönliche“ Weiblichkeit erfahren. Bsw. wie man als Frau mit bestimmten Dingen und Ansichten umgeht oder körperbezogene Aspekte wie die Menstruation oder Menopause.

All das neue Wissen lies mich über meine Person nachdenken und plötzlich kam in mir die Frage auf, ob ich mich eigentlich noch als Mann identifizierten kann? Durch all die Frauenthemen mit denen ich mich beschäftigt hatte, änderte sich meine innerliche Gefühlswelt völlig. An einem Punkt sah ich mich selbst nicht mehr als Mann (oder eher Junge…), sondern spürte schlagartig den Wunsch mich auch äußerlich feminin zu zeigen.

Kannst du dich noch erinnern, wann du das erste Mal Frauenkleidung getragen hast?

Ja klar. Ich weiß noch genau, als ich das erste Mal klammheimlich einen Rock und Bluse von meiner Mama anzog. Dabei spürte ich ein gewisses Schamgefühl, aber dennoch wusste ich, daß ich so sein möchte! Mit der Zeit kaufte ich mir Damenmode und Styling-Produkte und immer wenn ich allein zu Hause war, kleidete ich mich dementsprechend. Ich hasste es, all das ganz heimlich tun zu müssen, aber wie konnte ich mich so meinen Eltern anvertrauen?

Erst Jahre später in meiner eigenen Wohnung, konnte ich es freier leben – so war es problemlos möglich den ganzen Tag als „Frau“ (ich setzte es mal noch in Anführungszeichen…) verbringen zu können oder sogar nach draußen in die Öffentlichkeit zu gehen. Diese ersten eigenen Schritte als „Frau“ zeigten mir, daß es für mich möglich ist offen in der Gesellschaft damit umzugehen. Da ich bis zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht in der Familie geoutet war, steckte ich immer noch in diesem „beengten Kreis“ fest.

Wichtig ist mir den Leser*innen zu vermitteln, daß meine neue Geschlechtsorientierung rein gar nichts mit einem Fetisch für Damenmode zu tun hat!!! So etwas wird immer ganz gern vermutet. Ich sehe das Tragen von Damenmode als „tollen Nebeneffekt“ den der Geschlechterwechsel mit sich bringt, aber er gab definitiv nicht den Ausschlag!

Im Jahr 2010 hast du dich schließlich geoutet. Gab es einen speziellen Grund dafür und wie waren die Reaktionen deiner Eltern und Freunde? Wie ging es dir danach?

Um diese Zeit ist mein Papa verstorben und ich lebte heimlich schon einige Jahre in meiner kleinen Welt als „Frau“. Ich wusste, daß ein Outing vor meinem Papa völlig unmöglich war – er hätte es nie akzeptiert. So schlimm der Tod meines Papas auch war, er gab mir die Möglichkeit mich endlich outen zu können, denn ich wollte dieses Versteckspiel einfach nicht mehr.

Eines Tages sagte ich zu meiner Mama „…wir müssen reden“. Ich fragte sie, ob sie weiß was ein Transgender sei und sie bejahte dies. Ich sagte „Mama ich bin seit Jahren ein Transgender…“ und zeigte ihr gleichzeitig Fotos von mir als „Frau“. Meine Mama war davon völlig überrascht. Ihre erste Frage an mich war „warum bist du nicht früher damit zu mir gekommen?“ Diese positive Reaktion hätte ich nie erwartet und im Anschluß wollte sie alles von mir wissen – ich glaube dieses Gespräch ging bis tief in die Nacht. Tags darauf wollte mich meine Mama gleich in meinem „Frauenmodus“ sehen, also hübsch gestylt und in weiblicher Kleidung.

Natürlich war es für die Familie und Freunde mehr als überraschend so etwas über mich zu erfahren. Die Resonanz war im Großen und Ganzen von Aufgeschlossenheit geprägt, obwohl es einige nicht verstanden. Ein Freund von mir akzeptierte es gar nicht und sagte zu mir, daß, wenn wir gemeinsam unterwegs wären, ich nur als „Mann“ mit ihm gehen könnte. Das machte mich traurig, da mir diese Freundschaft aber sehr viel bedeutet, akzeptierte ich seinen Wunsch.

Und wie war es im Job?

Ich musste auf meiner Arbeitsstelle klären, ob ich auch als Frau meine Arbeit erledigen könnte. Nach einigem hin und her durfte ich dies mit dem Zusatz „…wenn es die Arbeit und das Arbeitsklima nicht beeinträchtigt.“ Anfangs wurde es eher geduldet, als wirklich toleriert. Allerdings hat es nicht lange gedauert, bis mich meine Arbeitskollegen*innen in dieser neuen „Rolle“ akzeptierten und seit langem gibt es überhaupt keine „Berührungsängste“ mehr hatten…

Natürlich war dieses freie Umgehen mit meinem persönlichen Umfeld und der Gesellschaft im Allgemeinen, eine große Befreiung für mich. Ich konnte mich jedem als die Person zeigen, die ich heimlich schon jahrelang war.

Welche weiteren Schritte waren nach dem Outing die logische Konsequenz?

Vor allem mein Umfeld für meine Situation zu sensibilisieren, es folgten sehr viele persönliche Gespräche. Natürlich ist mit einem Geschlechterwechsel auch ein Namenswechsel verbunden. Als Transgender habe ich die Möglichkeit, frei einen Namen zu wählen, der aber amtlich nicht hinterlegt ist, was bedeutet, daß er bei Behördenschreiben nicht zur Anwendung kommt – da zählt weiterhin mein Geburtsname. Ich selbst habe mir den Namen Jennifer gegeben, weil mir dieser als Frauenname einfach super gefällt.

Eine weitere Konsequenz war, mich von meinen kompletten Männerklamotten zu trennen und mein Kleidungssortiment auf Damenmode umzustellen. Das fiel mir wirklich nicht schwer, geht aber auch an den Geldbeutel. Mein Modebestand hat deutlich zu genommen, genau wie mein Schuh-und Handtaschen-Sortiment. Aber auch an Styling-Produkten muß man vieles parat haben. Das gute daran ist, daß es mir Spaß macht, mich mit all dem auseinanderzusetzen.

Nimmst du Hormone und denkst du an eine Geschlechtsanpassung?

Kurz und knapp – beides kann ich verneinen. Meine Mama stellte mir auch diese Frage, aber ich war mir immer klar, daß ich keine transsexuelle Person bin. Ich muß meinen Körper nicht ändern, um das zu fühlen, was ich auch als Transgender fühle.

Du lebst mit deinem Mann zusammen. Wann und wie habt ihr euch kennen gelernt?

Für eine bessere Erklärung muß ich noch mal zurück in meine Kindheit. Wenn es um die Erziehung meiner sexuellen Orientierung ging, verhielten sich meine Eltern wie gegenseitige Pole. Meine Mama sagte mir immer, daß es völlig egal sei, ob ich später mal einen Mann oder eine Frau lieben würde. „Homosexuell oder Heterosexuell – wem interessiert´s“, war immer ihre Einstellung. Natürlich sah mein Papa das völlig anders. Zu meiner Schulzeit suchten einige Mädels eine Beziehung mit mir, aber ich hatte nie den Wunsch das zu erwidern. Heute würde ich sagen, daß ich ein „sexueller Spätzünder“ war, aber mich dennoch schon immer irgendwie homosexuell fühlte.

Meinen jetzigen ersten richtigen Freund habe ich vor gut 3 Monaten auf einer Party kennengelernt. Wir hatten einige Dates wo wir viel über uns sprachen und irgendwann ist der Funke zwischen uns übergesprungen. Mein Schatz heißt Thomas und ist 12 Jahre älter als ich. Unter der Woche reist er als Vertreter durch ganz Deutschland, so können wir uns nur übers Wochenende sehen. Meiner Mama und meinem Stiefpapa habe ich Thomas bereits vorgestellt – meine Mama meinte nur „…gute Wahl!!!“

Was würdest du dir in Bezug auf Transgender wünschen?

Vergleiche ich die damalige Zeit (also gute 20 Jahre zurück…) mit der heutigen, dann stelle ich durchaus einen positiven Wandel in der Gesellschaft fest. Großen Einfluss diesbezüglich hat das Internet, wo man sich problemlos mit anderen Transgendern austauschen kann. Solche Foren sind wahre Anlaufquellen und haben definitiv dazu beigetragen heute offener mit dem Thema umzugehen. Wenn man in den Forenthreads liest wie manche den Sprung in die Öffentlichkeit geschafft haben, dann färbt das auf Andere ab die plötzlich selbst diesen Mut aufbringen und in die Öffentlichkeit gehen, meist sogar verbunden mit einem Outing. Diesen erfreulichen Prozess verfolge ich nun schon über Jahre hinweg. So wird die „Thematik“ Transgender auch in der Öffentlichkeit immer mehr salonfähig, was die Toleranz und Akzeptanz stärkt. Ich bin zwar nicht Politikaffin, dennoch sehe ich eine vielversprechende Entwicklung – bsw. zeigen „Die Grünen“ in ihrer Politikagenda Unterstützung für Homosexuelle, Trans*- und Intersexuelle Menschen – hier nachzulesen https://www.gruene-bundestag.de/themen/lesben-schwule – was mich als Betroffene sehr glücklich macht!

So sehr ich den Einsatz der Politik auch schätze, bedeutet das noch lange nicht, daß die Bevölkerung dafür Interesse zeigt. Ich selbst bin der Meinung, daß Aufklärungsarbeit sehr wichtig ist, da es noch zu viel Unwissenheit gibt was zu Ignoranz führt.

Eine Sichtweise ist mir besonders wichtig und diese versuche ich den Menschen auch immer zu vermitteln: bitte vergleicht uns nicht mit „Promi-Größen“ wie Olivia Jones oder Conchita Wurst. Beide sind reine Kunstfiguren und fallen in erster Linie durch auffällige Stylings und Kostüme auf – mit dem Alltag eines Transgenders hat das nichts gemein. Dennoch schätze ich Olivia Jones´ politisches und soziales Engagement für Gleichstellung und Vielfalt!

Bei so viel Enthusiasmus, bleiben denn da noch Wünsche offen? Abschließend würde ich mich womöglich in erster Linie gar nicht an die Gesellschaft wenden, sondern anderen Transgendern Mut machen den Schritt in die Öffentlichkeit zu wagen. Je mehr Präsenz gezeigt wird, desto weniger werden wir als „Paradiesvögel“ wahrgenommen. Meiner Meinung nach, ist die Aufgeschlossenheit heutzutage auf einem sehr guten Level, somit gibt es für EUCH keinen Grund mehr sich zu verstecken! Gestaltet mit mir zusammen unsere Welt einfach ein bißchen B-U-N-T-E-R!!! Es würde ihr nicht schaden…!!!

Aus deiner heutigen Sicht als Frau, was sind/waren für dich die größten Unterschiede zu deiner Zeit als Mann?

Auf den Punkt gebracht – Körperbewußtsein! Alles beginnt mit einer psychischen Umstellung. Als ich begann mich mit Frauenliteratur auseinanderzusetzen, um so mehr über das kulturelle und gesellschaftliche Frauenbild zu erfahren, wandelte sich gleichzeitig meine innere Persönlichkeit immer weiter Richtig Feminität.

Dieser Reifezyklus war anfangs eine Last für mich, da ich mich mit Stylingprodukten oder Damenmode eigentlich nie auseinandersetzen wollte – ich begriff aber schnell, daß zu meiner neuen Identität auch ein entsprechendes Äußeres dazugehört. Sich mit diesen materiellen Dingen zu beschäftigen und einen eigen Stil zu finden, war sehr schwierig für mich, sowie nur begrenzt von Erfolg gekrönt. Schaue ich mir heute Bilder von meinen ersten Schritten als Frau gekleidet und gestylt an, dann finde ich diese zum Teil richtig peinlich. Mir fehlte eine Bezugsperson die mich an die Hand nahm und sagte „…so wird´s gemacht!“.

Im Laufe der Jahre fand Jennifer immer mehr ihren Stil

Ich scheiterte lange Zeit an meinem eigenen Unverständnis mir in jedweder Form ein feminines Aussehen zu kreieren. Mit der Zeit fokussierte ich mich immer mehr auf mein Äußeres, wobei ich langsam aber sicher einen Instinkt für ein passendes Erscheinungsbild entwickelte. Dieser positive Fortschritt gab mir Selbstbewusstsein. Ich wurde mutiger und plötzlich gefiel ich mir auch im Spiegel – dennoch fand ich es „schräg“, ab sofort einen BH tragen zu müssen! Trotzdem war das nur ein (kleiner) Teil des gesamten Puzzles, hinzu kommt, daß Frauen gerne hoch hinaus wollen – in Form von High Heels 🙂 Auf dünnen Absätzen „stöckeln“ zu lernen, war mehr als kurios!!!

Soviel steckt in dem einen Wort „Körperbewußtsein“, wobei ich noch nicht einmal über Diversität, Emotionen, Gefühle, Liebes/Lustempfinden, soziale Kompetenz, Hormonhaushalt, Kunst- und Kulturaffinität, Körperpflege gesprochen habe. Als Mann wird man dabei mit einer völlig neuen Welt konfrontiert, die einen anfangs überfordert.

Sich mit diesen Unterschieden über Jahre hinweg zu beschäftigten und zu lernen wie differenziert die Geschlechter sein können, finde ich einfach nur faszinierend.

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42 comments

  1. Vor einiger Zeit hat mich der wundervolle Film „Mein Sohn Helen“ zum Nachdenken angeregt, wie ich als Mutter mit einem transidenten Kind umgehen würde. Eine Antwort bin ich mir immer noch schuldig.
    Dein Bericht liebe Jennifer hat mich tief berührt, ich habe so viel Respekt vor deiner Mutter die dich scheinbar so liebevoll unterstützt, aber auch vor dir. Denn einfach mal so das eigene Leben umzukrempeln gehört einiges dazu.
    Ich hoffe, dass du mit deinem Thomas die Liebe gefunden hast und wünsche euch eine wunderschöne gemeinsame Zukunft.

    Alles Liebe Stefanie

    1. Liebe Stefanie,

      danke für deine lieben Zeilen! Auf die Unterstützung meiner Mama kann ich zum Glück jederzeit setzen, sonst wäre ich sicher heute auch nicht die Person, die ich bin. Rückhalt in der Familie zu haben ist unheimlich wichtig.

      Ja, mit meinem Thomas schwebe ich in Liebesdingen gerade auf Wolke 7 🙂 Gerade habe ich eine sehr schöne Nachricht, von einer befreundeten Transfrau erhalten. Ihre Partnerin hat bei ihr um ihre Hand angehalten und sie hat JA gesagt – ist das nicht traumhaft süß!!! Der Grund warum ich das hier schreibe ist, daß die beiden gerade mal 3 Monate zusammen sind, also die gleiche Zeit wie ich mit meinem Thomas in einer Beziehung bin. Ich denke noch nicht mal über eine Hochzeit nach und die beiden feiern bald eine – ich freue mich so für sie!!!

      Den Film kenne ich nur zu gut, fast schon auswendig da ich ihn so oft gesehen habe 🙂 Auch wenn er an einigen Stellen sehr klischeehaft erzählt wird, spricht er doch damit auch sehr gut die Erfahrungen an, die man im wahren Leben als Transgender erlebt. Ok, daß Helen solch einen direkten Weg bei ihrem Outing ging, finde ich schon recht „speziell“ – quasi dem Motto „Hallo, da bin ich…“, das hat den Papa (H. Ferch) dann ganz schön umgehauen. Einerseits bewundere ich Helens Mut und Selbstverständlichkeit so aus dem Flieger zu steigen, andererseits trifft man so die Eltern eben auch völlig unvorbereitet. Daß der Film in einem Happy End endet ist auch nicht verwunderlich – natürlich ist es süß zu sehen, wie Helen von allen akzeptiert wird und nun als Frau aufblüht – leider ist das so nicht immer und bei jedem*r der Fall…:-(
      Dennoch ist „Mein Sohn Helen“ ein wunderbarer Familienfilm mit Transidentem Hintergrund. Wenn ich meine Mama besuche (wir beide wohnen nicht in der selben Stadt…!) kommt es schon vor, daß sie sagt „komm, laß uns noch mal die Helen anschauen“ – ich finde das immer ganz entzückend und irgendwie ist das auch einer ihrer Lieblingsfilme.

  2. Liebe Jennifer dein Artikel hat mich gerade richtig gefesselt. Ich liebe es neue Menschen und Perspektiven kennenzulernen und das Leben von dir ist definitiv eine Thematik mit der ich mich bisher nicht befasst habe. Dein Artikel ist in meinen Augen lebensbejahend-kontrastreich geschrieben. Es begeistert mich so viel Gutes über deinen Lebenswechsel zu erfahren. Allerdings finde ich das Kontrast jeweils zwei Seiten hat, über deine positiven Lebenspunkte hast du ausführlich geschrieben. Aber wie verhält es sich mit den negativen?

    Ich frage mich, wie es für diich wäre, wenn dein Outing (bei deiner Mama) anders verlaufen wäre? Welchen schwierigen Herausforderungen standest du bei deiner „Transformation“ gegenüber? Gab es Rückschläge für dich oder kam sogar irgendwann einmal der Punkt wo du selbst an dir gezweifelt hast?

    Du schreibst über deine „Sonnenseiten“, leider fehlt mir ein wenig der Gegenpol, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass du immer nur erfreuliche Erfahrungen um dich herum erlebt hast.

    Aylin
    P.S.: ich stelle mir vor, wie befreiend dein Outing für dich war. Nur wie hast du davor gelebt, wenn du schreibst, dass du da auch schon als Frau in der Öffentlichkeit warst. Wo ist dann der Unterschied zu der Zeit nach dem Outing?

    1. Liebe Aylin,

      danke für dein Interesse. Stimmt, in meinem Bericht führe ich meinen Lebensweg verbunden mit vielen positiven Erfahrungen und Momenten an. Natürlich haben mich über die vielen Jahre (auch vor dem Outing…) einige negative Erlebnisse getroffen – das bleibt nicht aus. Deine Frage bezüglich einem anderen Verlauf bei meinem Outing, musste ich zum Glück nie nachdenken und ganz ehrlich, ich wüsste nicht wie ich weitergemacht hätte, wenn meine Mama mich so nicht akzeptiert hätte.

      Deine folgenden Fragen versuche ich gerne zu beantworten:

      „Welchen schwierigen Herausforderungen standest du bei deiner „Transformation“ gegenüber? Gab es Rückschläge für dich oder kam sogar irgendwann einmal der Punkt wo du selbst an dir gezweifelt hast?“

      Eine Herausforderung für mich war ganz sicher zu Beginn (also noch vor dem Outing) mit anderen Menschen zu kommunizieren, also direkt und persönlich. Mein Passing war noch nicht wirklich gut und man sah mir den Mann noch deutlich an. So machte ich mir Gedanken, was mein Gegenüber wohl gerade von mir denkt – so ein gutes Selbstbewußtsein aufzubauen war sehr schwierig. Weitere Herausforderungen waren von emotionaler Seite geprägt, quasi, mache ich „dies“ und „das“ richtig? Sollte ich mich anders verhalten? Bin ich noch zu männlich?

      In „Liebesdingen“ musste ich auch in den Männer-Modus wechseln, damals traute ich mich überhaupt NICHT, als Frau andere Jungs anzusprechen, aber wenigstens habe ich auf diese Weise einige süße Jungs kennengelernt!

      Selbstzweifel hatte ich natürlich auch und fragte mich nicht nur einmal, ob ich das richtige tue. Die Frage nach Akzeptanz, offen als Frau zu leben, beschäftigte mich eine sehr lange Zeit. Da spielen sich die verschiedensten Szenarien im Kopf ab und gerade wenn man an Intoleranz oder Ablehnung denkt, zwängt einen das mental vollkommen ein – viele tränenreiche Tempo-Taschentücher können das bezeugen…:-(

      Nun noch zu deiner Frage aus dem PS:

      „Nur wie hast du davor gelebt, wenn du schreibst, dass du da auch schon als Frau in der Öffentlichkeit warst. Wo ist dann der Unterschied zu der Zeit nach dem Outing?“

      Den Unterschied empfinde ich persönlich als riesengroß! Vor dem Outing war ich auch schon als Frau in der Öffentlichkeit (Theaterbesuch, Museum, Veranstaltungen, Restaurant, Shoppen, etc…) unterwegs, aber immer mit der Angst doch von jemanden erkannt zu werden. Das schränkt die „Bequemlichkeit“ doch enorm ein – ich fühlte mich einfach nicht frei, sondern ständig unter Beobachtung. Zudem ging ich da noch als Mann meiner Arbeit nach und konnte es jedes Mal kaum abwarten den Arbeitstag hinter mich zu bringen, um mich danach wieder „verwandeln“ zu können. Ich bezeichne diese Zeit auch gerne als „Leben im Wechsel“ – und das war so anstrengend!

      Ich hoffe diese Zeilen reichen dir als „Gegenpol“…:-)

  3. Die Transgenderwelt ist mir völlig neu, was diesen Artikel für mich auch so wertvoll macht liebe Jennifer.
    Dein Lebenslauf liest sich für mich wie die Neugeburt eines Menschen, wobei der Blogtitel schon so viel über dich aussagt. Ich kann leider nicht beurteilen, geschweige denn mir vorstellen, wie man sich fühlt, wenn man so einen Geschlechterwechsel wie du auf sich nimmt. Einen Grund dafür nennst du, weil du dich mit Frauenliteratur beschäftig hast. Aus meiner Sicht kann ich das fast nicht glauben, das dies so einen Einfluss hat einen Menschen dahingehend zu beeinflußen, das man über seine Geschlechtsidentität nachdenkt. Ist das nicht eher eine Ausrede, wobei du dir vielleicht nicht eingestehen möchtest, das du schon immer weiblich vom deiner Seele her warst?
    Positiv überrascht mich, dass du im Job und Familie ohne weiteres akzeptiert wurdest. Ist das denn sonst üblich so? Wenn ich unsere Gesellschaft betrachte, erkenne ich einiges an Intoleranz, schon was ganz simple Dinge angeht.
    Von Facebook kenne ich den „Es ist kompliziert“ Beziehungsstatus, deine Beziehung zu Thomas macht es für mich super interessant. Wie verliebt sich denn ein Transgender, ooops Frau in einen Mann oder umgedreht? Liebe auf den ersten Blick? Was war denn der Funke der eure Liebe entfacht hat?
    Wenn ich lese, das du zum Schluß die Begriffe „Diversität, Emotionen, Gefühle, Liebes/Lustempfinden, soziale Kompetenz…“ aufführst, kann ich mir vorstellen, das du noch so viel zu schreiben hättest, aber auch dieses tolle Interview hat schon so viel über dich verraten.
    Ich wünsche dir für dein weiteres Leben alles Gute und danke dir, dass du mit diesem Bericht meinen geistigen Horizont deutlich erweitert hast!

    Grüße Sabrina

    1. Liebe Sabrina,

      „Neugeburt“ wie du es schreibst trifft es eigentlich zu 100%. Sicher ist es schwierig allein durch Worte (m)einen Geschlechterwechsel zu erläutern, weil so viele Emotionen und Gefühle dabei eine Rolle spielen, die sich in Worten kaum ausdrücken lassen.

      Mit…

      „Einen Grund dafür nennst du, weil du dich mit Frauenliteratur beschäftig hast. Aus meiner Sicht kann ich das fast nicht glauben, das dies so einen Einfluss hat einen Menschen dahingehend zu beeinflußen, das man über seine Geschlechtsidentität nachdenkt. Ist das nicht eher eine Ausrede, wobei du dir vielleicht nicht eingestehen möchtest, das du schon immer weiblich vom deiner Seele her warst?“

      …stellst du eine wundervolle Frage Sabrina. Wenn du es „Seele“ nennen möchtest, dann gebe ich dir sicher recht, daß ein Teil in mir schon immer weiblich „getickt“ hat, es hat eben nur einen Auslöser gebraucht, die Feminisierung letztendlich in Gang zu bringen. Großen Einfluß dazu hat wirklich die Frauenliteratur beigetragen, weil ich auf diesem Wege mit vielen verschiedenen Themen rundum die Weiblichkeit konfrontiert wurde. Über einen längeren Zeitraum wurde ein Prozess gestartet der immer weiter voranschritt, während ich mich zunehmend femininer entwickelte – „gesteuert“ durch äußere Einflüsse, aber auch durch sehr viel Eigeninitiative. Von daher würde ich „Ausrede“ als falsche Herangehensweise benennen.

      Akzeptanz auf Arbeit, unter Freunden und in der Familie macht jeder Trans* andere Erfahrungen. Ich stehe mit sehr vielen anderen Trans*Personen (per Internet) in Kontakt und da habe ich schon die unterschiedlichsten Reaktionen vernommen – viele Positive, aber auch einige Negative. „Üblich“ sind somit positive Reaktionen leider nicht immer…

      Deinen folgenden Satz fand ich super-süß und er hat mich zum Schmunzeln gebracht:

      „Wie verliebt sich denn ein Transgender, ooops Frau in einen Mann oder umgedreht?“

      Auch nicht anders als ein Mann sich in eine Bio-Frau, oder eine Frau in eine andere Frau verliebt oder ein Mann in einen anderen. Das ist nicht kompliziert, wo die Liebe eben hinfliegt…:-) Du darfst dich dabei nicht so sehr auf das „Transgender“ fokussieren. Lässt du das außer Acht, dann schaue ich mich wie andere Frauen auch, nach hübschen Jungs um 🙂

      Weitere Fragen von dir waren:

      „Liebe auf den ersten Blick? Was war denn der Funke der eure Liebe entfacht hat?“

      Gibt es wirklich so etwas wie Liebe auf den ersten Blick? Ich bezweifle das… Als „Funke“ würde gleiche Interessen aufführen und natürlich hat mich Thomas auch optisch angesprochen. Ja, da habe ich schon meine Vorstellungen welche „optischen Merkmale“ mein Partner haben sollte…

      Und was…

      „Wenn ich lese, das du zum Schluß die Begriffe „Diversität, Emotionen, Gefühle, Liebes/Lustempfinden, soziale Kompetenz…“ aufführst…“

      …betrifft, gibt es natürlich immer was zu erzählen 🙂

      1. Großartige Antwort liebe Jennifer, dankeschön! Hm mit deinen Antworten hast du mich doch wieder durstig nach mehr Fragen gemacht. Was wären denn die äußerlichen Merkmale die DEIN Partner haben sollte oder eben nicht? Wahrscheinlich erübrigt sich die Frage, da du bereits gebunden bist.
        Mit deiner letzten Antwort lässt du mich ganz schön in der Luft hängen oder hattest du keine Lust über Diversität, Emotionen, Gefühle, Liebes/Lustempfinden, soziale Kompetenz zu schreiben?

        Grüße Sabrina

        1. Liebe Sabrina,

          dieser „Durst“ soll natürlich gelöscht werden…:-)

          Auch wenn ich gerade in einer Beziehung lebe, kann ich dir deine Frage…

          „Was wären denn die äußerlichen Merkmale die DEIN Partner haben sollte oder eben nicht?“

          …beantworten. No Gos die mich bei einem Mann abtörnen sind: wenn er Raucher wäre, Tätowierungen/Piercings hätte, Körperbehaarung jeglicher Art (bis auf die auf dem Kopf…:-) ), Bierbauch, muskulös a lá Kraftprotz – bin ich eine der wenigen Frauen die nichts mit einem Sixpack bei einem Mann anfangen kann?, intensiver Alkoholkonsum geht für mich auch gar nicht.

          Ich mag Jungs mit normaler-solider Figur, tja, eben meinen Thomas…-)

  4. Hoppla ganz vergessen, ich hatte da doch was von Ballett gelesen. Wie bist du dazu gekommen? Wann hast du damit angefangen, schon als Junge oder hast du erst als Frau die Lust am Ballett kennengelernt? Ich tanze bereits seit über 20 Jahren Ballett, habe schon früh in meiner Kindheit angefangen. Es fesselt mich auch heute noch im Ballettsaal zu sein, leider sind Boys in den Ballettkursen meist Mangelware. Zudem hat Corona in den letzten Monaten für reichlich Trainingsausfall gesorgt, so bad!!!

    1. Ach ja das Ballett 🙂 Schön jemand zu treffen der sich genau wie ich dafür begeistert!

      Toll zu lesen, daß du schon über 20 Jahre Ballett tanzt, das klingt schon nach einer Liebe 🙂
      Das mit dem Trainingsausfall in der letzten Zeit kann ich auch nur bestätigen und hat mich auch super geärgert. Naja, wenigstens konnte man zu Hause trainieren, wenn auch nur die Grundelemente – aber besser als nichts 🙂
      Vielleicht hast du es ja ähnlich gemacht???

      Zum Ballett bin ich durch Interesse gekommen und dazu hat meine Mama schon Ballett getanzt, von daher schien es mir vorgegeben zu sein. Angefangen habe ich als jugendlicher Bursche 🙂 , habe ein paar Jahre getanzt, bis der Ballett-Kurs gestrichen wurde. Daher musste ich einige Jahre Pause machen, bis ich dann (inzwischen als Frau…) wieder ins Ballett eingestiegen bin – was als Trans* anfangs in der Schule nicht einfach war…

      Heute ist es schön, auf der der „anderen“ Seite den Pas de deux tanzen zu können 🙂 Ich bin noch voller Begeisterung dabei und liebe jede Sekunde wenn ich tanzen kann.

      1. Grüß dich Jennifer. Hometraining habe ich auch gemacht, sogar ab und zu über Skype in Gemeinschaft, war richtig schön, ersetzt jedoch nicht das Training während einer Ballettstunde. Home zu trainieren geht bei mir richtig gut. Ich habe eine Barre an der Wand montiert, da kann ich ganz gut im Training bleiben. Da seit ihr eine Ballettfamilie, ich finde das süß! Da hast du ganz bestimmt einiges an Unterstützung durch deine Mom bekommen, richtig?
        Hast du auch an Aufführungen teilgenommen?
        Vor welchen Schwierigkeiten standest du, als du wieder mit Ballett als >Frau< angefangen hast, wieso war der Einsteig nicht leicht? Das tanzen solltest du wohl nicht verlernt haben?!?

        1. Lieber Michael,

          eine Ballett-Barre zu Hause ist natürlich sehr hilfreich! Ich habe leider keine Wand frei, wo ich so ein Teil anbringen könnte – da beneide ich dich wirklich! Aber bei Thomas in der Wohnung wäre Platz – da sollte ich mal mit meinem Schatz reden…:-)

          Ballettfamilie, wirklich toll ausgedrückt. Meine Mama tanzt auch heute noch Ballett, zwar nicht mehr „Vollzeit“ aber ab und zu findet sie die Zeit in meine Tanzgruppe zu kommen – das finde ich immer ganz toll zusammen mit meiner Mama im Kurs zu tanzen.

          Ja, an Anführungen habe ich teilgenommen, aber damals noch als Junge. Bisher hat sich nichts ergeben, als Frau aufzutreten.

          Abschließend beantworte ich noch deine Frage:

          „Vor welchen Schwierigkeiten standest du, als du wieder mit Ballett als >Frau< angefangen hast, wieso war der Einsteig nicht leicht? Das tanzen solltest du wohl nicht verlernt haben?!?"

          Stimmt, das Tanzen hatte ich nicht verlernt, gemeint habe ich eher "organisatorische" Schwierigkeiten. Quasi das Umziehen, Duschen, Toilettenbenutzung – da möchte ich ja nicht zu den Jungs gesteckt werden – als FRAU!!! Das musste erst mit alle Beteiligten abgeklärt werden, nicht jede war davon begeistert, daß ein Transgender alles gemeinsam mit den Bio-Frauen "erledigt". Inzwischen ist das "Schnee von gestern"…:-) Dennoch wird man hierbei immer daran erinnert, daß man jemand "anders" ist – manches Mal ist das ein furchtbares Gefühl.

    2. Meine kleine Tochter hat voriges Jahr mit Ballett angefangen. Sie ist so eine süße Tanzmaus und liebt geradezu das Tanzen. Dieses Weihnachten sollte sie mit ihrer Ballettgruppe ihre erste Kiddie-Aufführung bei einem Weihnachtsfest haben, was aber wegen Corona nicht stattfinden wird. Meine Kleine ist deswegen ziemlich down ;(
      Apropos Jungs beim Ballett. Von Mangelware kann in ihrer Tanzgruppe keine Rede sein, sind immerhin drei kleine Jungs dabei. Ich finde es so süß den kleinen Tanzmäusen bei ihrem Training zuzuschauen. Ist schön, wenn sich Kiddies so sehr für etwas begeistern können!
      Toll, dass du und Jennifer auch die Liebe fürs Ballett habt.

      1. Liebe Aylin,

        da bin ich ganz bei dir, ich liebe es auch, wenn sich Kinder fürs Tanzen begeistern. Wir haben in unserer Tanzschule auch eine „Ballett-Krabbelgruppe“ (jedenfalls bezeichne ich die Kleinen so…) und es ist so zuckersüß den Kleinen beim Lernen der Tanzschritte zuzuschauen.

        Daß mit deiner Tochter tut mir super Leid! Ich kann mir gut vorstellen, wie es sich für deine Tochter anfühlt, erst die Vorfreude auf die Aufführung zu haben und dann mit so einer Enttäuschung leben zu müssen.
        Toll, daß sich bei euch auch Jungs für Ballett interessieren – kann nie schaden, denn sonst stimmt das Gleichgewicht ja nicht, wenn es nur Ballerinas gibt…:-)

  5. Tolle Lebensgeschichte Jennifer! Ich bin Gay was deinen Absatz bezüglich dich und deinen Freund für mich sehr interessant machte. Du schreibst über dich, das du homosexuell bist, dich jedoch als Frau identifizierst, aber gleichzeitig einen Mann liebst. Solltest du dann nicht hetero sein? Ich sehe darin eine Frau-zu-Mann-Liebe. Auf der anderen Seite wie verhält es sich da mit deinem Freund? Ist er hetero, weil du eine Frau für ihn bist und er sich so in dich verliebt hat? Oder ist er gay? Vor allem, warum bezeichnest du Thomas als deinen ersten richtigen Freund? Ich kann mir kaum vorstellen, das du in all den Jahren keine andere Beziehung hattest, oder wenigstens den ein oder anderen Jungen kennengelernt hast. Da wären ein paar mehr Infos sehr nützlich gewesen.
    Als Gay muß man Erfahrungen machen, ich freue mich für dich, das du gerade verliebt bist, aber kannst du die Liebe richtig beurteilen, wenn du sie gerade erst jetzt zum ersten Mal erlebst? Ich hatte viele Beziehungen mit verschiedenen Jungs und möchte keine davon missen. Jeder meiner Gay-Boys war anders und ich lernte dabei so viel. Das Verständnis deiner Mom bei deinem Outing fand ich großartig. Sich als Gay zu outen ist schon schwierig, aber sich dazu noch als Transgender zu outen ist noch eine ganz andere Hausnummer. In meiner Gay-Community kenne ich einige Crossdresser, die zumeist aber nur TZF sind. Ich finde es jedesmal faszinierend, das man sich von der Persönlichkeit her vollkommen >geschlechtlich< in einen anderen Menschen verwandeln kann und quasi nochmal von Punkt Null beginnt. Jennifer, der Titel lautet, das du im Leben als Frau angekommen bist, aber entwickelt sich das Leben und die eigene Persönlichkeit nicht immer weiter? Es hat mich gefreut dich hier kennenlernen zu dürfen! Es wäre super noch mehr über dich zu erfahren.

    1. Lieber Michael,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar und die Fragen 🙂

      Ich möchte versuchen deine folgenden Sätze zu beantworten:

      „Du schreibst über dich, das du homosexuell bist, dich jedoch als Frau identifizierst, aber gleichzeitig einen Mann liebst. Solltest du dann nicht hetero sein? Ich sehe darin eine Frau-zu-Mann-Liebe. “

      Tatsächlich scheint es von der „Konstellation“ ziemlich schwer verständlich zu sein. Schon vor meinem Genderwechsel war ich homosexuell, was schlicht bedeutet, daß ich mich zu Jungs/Männern körperlich hingezogen fühle – daran hat sich auch nach meinem Genderwechsel nichts geändert. Ich identifiziere mich als Frau, aber da ich körperlich weiterhin männlich „gebaut“ bin, sehe ich mich weiterhin homosexuell.
      Thomas ist gleichfalls homosexuell – mag mich somit vom körperlichen her, aber auch für meine Weiblichkeit hat er ein Faible.

      Ich bezeichne Thomas als meinen „ersten richtigen Freund“ weil er das ist. Vorher hat sich in Beziehungen für mich nicht wirklich was ergeben und so „festigte“ sich mein Singleleben. Das heißt aber nicht, daß ich keine Jungs / Männer kennengelernt und keine Erfahrungen gemacht hätte.
      Grundsätzlich stellst du gute und interessante Fragen die ich hier nur in Kurzform beantworten kann, was ich aber schade finde.

      Genau wie diesen Satz…

      „Als Gay muß man Erfahrungen machen, ich freue mich für dich, das du gerade verliebt bist, aber kannst du die Liebe richtig beurteilen, wenn du sie gerade erst jetzt zum ersten Mal erlebst?“

      …zu beantworten benötigt mehr als nur eine paar Wörter.

      Vielleicht gibt es über Katharina nochmal die Möglichkeit dieses Thema in einem anderen Bericht aufzugreifen – schreiben würde ich darüber liebend gern!

      Du schreibst, daß du homosexuell bist und dabei schon viele „Gay-Boys“ hattest. Darf ich fragen, wie viele „richtige“ Beziehungen du hattest, bzw. warst du schon mal richtig verliebt?

      Abschließend möchte dir deine Frage…

      „Jennifer, der Titel lautet, das du im Leben als Frau angekommen bist, aber entwickelt sich das Leben und die eigene Persönlichkeit nicht immer weiter?“

      …noch gerne beantworten. Ich setze „angekommen“ nicht gleich mit „Stagnation“. Sicherlich habe ich über die Jahre meine tägliche Routine gefunden, aber dennoch entwickelt man sich persönlich und geistig weiter. Ein gutes Beispiel dafür ist meine jetzige Beziehung zu Thomas. Ich führte jahrelang einen Singelhaushalt und plötzlich lebe ich mit einem Mann zusammen – das brauchte auch erst mal eine Eingewöhnungsphase, denn schließlich kann man nicht mehr alles allein entscheiden, sondern muß auch auf den Partner eingehen.
      Des Weiteren habe ich noch immer Träume und Ziele die ich gerne erfüllen würde.

      Somit würde ich sagen, daß „Stillstand“ ein Fremdwort für mich ist 🙂

      1. Liebe Jennifer, verliebt war ich schon einige Male, was jetzt recht heftig klingen mag. Zumeist liegt es an mir, das ich mich in einen Boy Hals über Kopf verliebe, aber umgedreht dies nicht erwidert wird, so sad! Ich vertraue mich zu oft zu schnell den Jungs an und erwarte dasselbe von ihnen, was meist nicht gut geht. Tja, die Vorstellungen sind eben anders. Kannst dir sicher meine Enttäuschung jedesmal vorstellen. Stillstand sehe auch ich als etwas negatives an, desto mehr freut es mich, das du immer noch Ziele und Träume hast, die du aber hier nicht verraten wirst, oder?
        Danke das du versucht hast in Kurzform mit deiner Antwort noch etwas über dich und Thomas zu schreiben. Ich würde es sehr begrüßen noch mehr darüber zu erfahren, gerade weil mich das als GAY so total interessiert. Vielleicht ist ja doch noch ein weiterer Artikel hier auf dem Blog möglich?

        1. Hallo Michael,

          🙂 richtig, über meine Ziele und Träume schreibe ich hier nicht, sonst gehen sie nicht in Erfüllung. Vielleicht eine abergläubige Denkweise, aber ich glaube daran.

    2. Ich bin eine totale Romantikerin 😉 Ich liebe die Liebe, ich liebe Lovestories, ich liebe Romanzen und „höre“ liebend gern in andere Beziehungen rein. Bezaubernd Jennifer, dass du die Liebe erfährst. Gerade die erste Liebe ist so spannend, da bekommt jeder Schmetterlinge im Bauch 😉 Deine Liaison mit Thomas liest sich so romantisch, total süß!!! Trotzdem sind die paar Zeilen wohl nur ein kleiner Einblick auf deine Beziehung. Sie haben mich neugierig gemacht und ich würde so gern mehr über euch beiden verliebten Turteltauben erfahren.
      Im Übrigen, wer sich heutzutage noch an homosexuellen Stereotypen stört, der sollte sich schämen! Die Liebe ist einfach zu schön, um nicht all ihre Vielseitigkeit erfahren zu können.

      1. Hallo Aylin,

        ich denke, daß auch ich mich als Romantikerin bezeichnen könnte. Gerade jetzt wo ich verliebt bin ist alles rosarot 🙂 und liebe jede Minute die ich mit Thomas verbringen kann. Meine „abenteuerliche“ Singlezeit (mit viel Experimentieren…) liegt hinter mir und ich lerne es erst jetzt kennen, was es bedeutet einen Menschen in sein Leben zu lassen, ihm zu Vertrauen zu schenken und das eigene Leben mit ihm zu teilen.

        Ja, die paar Zeilen waren wirklich nur ein kurzer Einblick auf meine Beziehung, dennoch bin ich froh, daß ich überhaupt darüber schreiben konnte. Natürlich stünde ich einem „Beziehungs-Artikel“ sehr offen gegenüber, aber das habe nicht ich in der Hand…:-)

        Dein letzter Satz in deinem Kommentar trifft den Nagel auf den Kopf!

  6. Liebe Jennifer,
    schön, dass du hier mitdiskutierst!
    Ich glaube, was mich so stört, ist die Verallgemeinerung. „Frauen wollen hoch hinaus“, Frauen sind sozialkompetent und kulturaffin… . Ist das so? Ich käme nie auf die Idee, allen Geschlechtsgenossinnen solche Zuschreibungen zu machen. Viele davon sind mir total fremd in ihrem Gefühlsempfinden.

    Und was die Kleidung angeht: Dies ist ja ein Mütterblog. Ich finde es furchtbar, dass schon bei Kleinkindern die Unterhosen für Mädchen enger und unbequemer geschnitten sind als die für Jungen. Viele von uns wollen doch, dass unsere Kinder mit weniger Rollendruck und Rollenklischees aufwachsen. Gerade da finde ich es wenig hilfreich, das Frausein so korsettartig darzustellen.

    1. Hallo Julia,

      es freut mich hier auf eure Kommentare antworten zu können und somit diskutiere ich liebend gerne mit 🙂

      Für deinen Satz…:

      „Viele von uns wollen doch, dass unsere Kinder mit weniger Rollendruck und Rollenklischees aufwachsen.“

      …bin ich dir super-dankbar! Auch ich mag es nicht schon Kinder in Rollenklischees zu zwängen – warum sollen Jungs nicht auch mit Puppen spielen dürfen? Ok, das war ein simples Beispiel, aber vielleicht auch ziemlich passend – denn welcher Papa drückt seinem Jungen nicht lieber ein Spielzeugauto in die Hand .-)
      Man könnte das jetzt noch in vielen Dingen weiterführen, letztendlich zählt nur die Offenheit oder Unvoreingenommenheit der Eltern ihre Kinder in kein Geschlechterrollen-Korsett zu zwängen.

      Da wäre es super interessant zu erfahren, wie andere Mütter (und Väter!!!) das sehen.

  7. Hallo Zusammen, mich macht es einfach nur happy Jennifers Bericht zu lesen! Auf mich wirkt er so positiv und ermutigend, trotz sicher vieler Hürden auf dem Weg dahin (ein paar hast du ja auch angesprochen). Es macht mich glücklich, dass Du auf Deinem Weg anscheinend auch viele gute Erfahrungen gemacht und das ist so extrem wichtig! Alles Gute für dich weiterhin und danke für den Einblick in dein Leben! Liebe Grüße

    1. Liebe Berit,

      danke für deine lieben Zeilen! Mein Bericht ist natürlich nur eine Kurzfassung meines (Trans)Lebens und alles ging einfach nicht in diesen Bericht zu packen 🙂 Natürlich gab es nicht nur Sonnenseiten, auch negative Erfahrungen habe ich mit der Zeit gemacht – woran ich aber auch gewachsen bin!
      Es gibt noch so viel mehr zu schreiben, vielleicht habe ich noch einmal die Gelegenheit dazu.

  8. @Julia, der Aspekt hat mich auch irritiert. Das Verständnis von Weiblichkeit, das hier transportiert wird, ist so ein Abziehbild von vorgestern. Als würden alle Frauen den ganzen Tag in Stilettos und im engen Röckchen und Push-up-BH umherstöckeln, mit wallender Mähne und dramatischem Makeup. Ich habe nicht den Eindruck, dass Jennifer wirklich verstanden hat, was Frausein bedeutet. Aber sie sieht sich ja selbst offenbar nicht direkt als Frau, sondern bezeichnet sich ausdrücklich als Transgender und hat mit ihrem männlichen Körper auch kein Problem.
    Was ich traurig finde, ist, dass Jennifer meint, man könne sich nicht mehr als Mann identifizieren, wenn man sich intensiv mit “Frauenthemen” beschäftigt und eine gewisse Empathie für Frauen entwickelt hat. Ein sehr bedenkliches Männerbild, finde ich. Insgesamt scheint sie stark in überkommenen Rollenklischees zu denken. Vielleicht lässt das dann nur den Wechsel zum weiblichen Stereotyp zu, wenn man dem männlichen Stereotyp nicht entspricht. Solange sie damit glücklich ist, ist es natürlich im Prinzip gut. Ich finde die Sichtweise trotzdem sehr einengend und habe bei einigen Dingen den Eindruck, sie meint, sie müsse das jetzt machen, weil es nun einmal dazu gehört, obwohl sie es eigentlich doof oder unbequem findet (BHs, High Heels).

    1. Hallo Monika,

      danke für die ehrlichen Ansichten! Leider sehe ich hier deutlich, daß man sich im Prinzip mit Transgendern wenig auskennt und alles in meinem Bericht auf die Mode reduziert, bzw. die von FRAUEN hier besonders kritisiert wird.

      Ich spreche so viele andere Dinge an (Liebe, positives Outing, persönliche Entwicklung, etc.) und dennoch wird wieder nur die „Sache“ mit der Mode herausgepickt. Fühlt ihr euch angegriffen oder gar „bedroht“, wenn man als (ehemaliger) Mann eine andere Sicht auf Mode und Styling hat? Aber wieso anders??? Da ist nichts anderes daran! Bio-Frauen sind damit aufgewachsen, als Transgender muß man erst damit lernen umzugehen – und warum sollte ich mich „schämen“, wenn ich es mag mich toll zu kleiden?

      Zu deinem Satz:

      „Aber sie sieht sich ja selbst offenbar nicht direkt als Frau, sondern bezeichnet sich ausdrücklich als Transgender und hat mit ihrem männlichen Körper auch kein Problem.“

      NATÜRLICH sehe ich mich als Frau, lebe so schon über 10 Jahre. Dennoch muß ich (besonders in solchen Artikeln) immer noch den Begriff „Transgender“ anführen. Mögen tue ich das auch nicht, aber es dient der Sache des besseren Verständnisses.

      Ich sehe schon, daß das Hintergrundwissen bezüglich Trans*Personen immer noch sehr schwach vertreten ist und deshalb eher Kritik, als Verständnis kommt. Dennoch finde ich es gut, wenn hier so offen geschrieben wird und nicht geheuchelt – a la „hach, das ist aber toll…!“

      Trotzdem sehr schade, daß meine Zeilen im Artikel wohl eher missverstanden werden. Was mir aber zeigt, woran ich noch arbeiten müsste…

      LG
      Jennifer

      1. Liebe Jennifer,
        danke für Deine Antwort und bitte entschuldige, dass ich Dich missverstanden habe. Mir ging es so wie Michael, dass aus meiner Sicht eine Frau, die auf Männer steht, heterosexuell ist. Da Du geschrieben hast, dass Du homosexuell und mit einem Mann zusammen bist und Dich auch nicht als im falschen Körper empfindest, habe ich geschlussfolgert, dass Du Dich nicht direkt als Frau siehst, auch wenn Du Deine weibliche Seite durch die Wahl des Vornamens und Dein Styling in den Vordergrund stellst.
        Aber das zeigt ja eigentlich nur, wie schwierig es ist, Menschen in Schubladen zu stecken, weil es selten eine wirklich gut passende Schublade gibt.
        Die Kritik an Deinem Interview beruht genau darauf. Wir wollen nicht alle in dieselbe Schublade “So sind Frauen” gesteckt und primär über Äußerlichkeiten oder stereotype Charaktereigenschaften usw. definiert werden. Insbesondere wollen wir das auch nicht für unsere Töchter. Daher kommt dann auch die zugegeben heftige Reaktion meinerseits.
        @Michael: Gegen Jennifers Stil habe ich überhaupt nichts. Ich finde sie auf dem aktuellen Foto sehr hübsch zurechtgemacht, meinem eigenen Stil übrigens gar nicht so unähnlich. Ich habe nur etwas dagegen, wenn jemand suggeriert, Frauen würden oder müssten alle auf eine bestimmte Art aussehen oder sich verhalten. Wer das tut und welcher Identität sich die betreffende Person zugehörig fühlt, ist unerheblich; ich kritisiere das genauso bei cis-Männern und -Frauen. Unabhängig davon stimme ich mit Dir überein, dass ein Outing leider auch heute noch viel Mut und Kraft erfordert – gerade auch wegen der Geschlechter- und Rollenklischees, über die ich mich aufrege. Sowohl für Frauen als auch für Männer würde ich mir einfach eine größere akzeptierte Variationsbreite wünschen.

        1. Liebe Monika,

          danke, daß du dich hier noch mal meldest – so können wir Missverständnisse sehr gut ausräumen 🙂

          Du schreibst selbst wie schwer ist es bestimmte Dinge zu verstehen, mit denen man nicht täglich konfrontiert wird. Ich sehe es immer wieder, daß Menschen die noch nie in Kontakt mit Trans*Personen kamen immer ein wenig Probleme haben den richtigen Umgang zu finden. Ich nehme das den Leuten nicht übel, aber meist ist das auch der Grund für Missverständnisse – umso mehr halte ich Aufklärung und Transparenz hierbei besonders wichtig. Deshalb bin ich Katharina auch so dankbar, daß ich hier auf dem Blog einen Artikel über mich schreiben konnte!

          Du sprichst „Schubladen“ an, ich verbinde das gerne mit Vorurteilen die die Menschen zeigen, wenn sie unsicher sind. Schubladen(denken) gesehen auf Geschlechterrollen habe ihre Tradition in unserer Gesellschaft – so unterscheiden die meisten nur zwischen weiblich und männlich. Ich bin aber der Meinung, daß die Geschlechtergrenzen immer weiter verschwimmen und auf eine gewisse Art vor einer „Modernisierung“ stehen. Das kann man gut erkennen, da sich heute mehr Trans*Personen outen, als es noch vor Jahren war. Heute haben wir durch das Internet, Kampagnen, Veranstaltungen oder durch Eigeninitiative die Möglichkeit auf uns aufmerksam zu machen. Diese Freiheit und Präsenz dringt auch immer weiter in unsere Gesellschaft vor, was wiederum Toleranz und Aufgeschlossenheit zufolge hat. Deshalb blicke ich hoffnungsvoll in die Zukunft, was ein besseres MITEINANDER betrifft.

          Nun möchte ich noch kurz auf deinen folgenden Satz eingehen:

          „Ich habe nur etwas dagegen, wenn jemand suggeriert, Frauen würden oder müssten alle auf eine bestimmte Art aussehen oder sich verhalten.“

          Sollte mein Bericht das so rübergebracht haben, dann bitte ich um Verzeihung!!! Vielleicht habe ich mich doch falsch ausgedrückt. Ich möchte natürlich NICHT ein besonderes Bild vermitteln, wie Frauen auszusehen haben! Wer gibt mir auch das Recht dafür??? Eigentlich sollte mein Bericht aufzeigen, wie desinteressiert ich zu meiner (frühen) Anfangszeit an Damenmode war – wieso sollte die mich als Mann auch interessieren? „Modisch orientiert“ habe ich mich erst nach meinem Outing, da ich ja in jedem Lebensbereich feminin unterwegs war. Stetig wuchs mein Sortiment an Kleidung, Schuhen, etc. und jetzt nach über 10 Jahren in Damenmode mag ich es durchaus mich meinem Modegeschmack entsprechend zu kleiden – sei es ein Kleid und Heels dazu oder ´ne simple Leggings plus Sneakers. Alles hat doch irgendwie seine Berechtigung 🙂

          Bezüglich deiner Zeilen zu homo- oder heterosexuell werde ich oben bei Michaels Kommentar darauf eingehen – ich bitte dich, daß du meine Antwort daraus liest. Danke.

          Sollte noch etwas Unklar sein, dann bitte melden dich!!!

    2. Stereotype helfen glaube ich bei einer solchen Transformation erst einmal. Man muss sich ja komplett bei erfinden und das dauert eine ganze Zeit. Da bedient man sich vielleicht auch bei einem „Vorbild“, das heute nicht mehr gilt. Ich glaube das kennen wir alle aus der Pubertät, da haben wir doch auch alle ausprobiert was für ein Mann/was für eine Frau, was für ein Mensch wir sein wollen.
      Jennifer ist eine Transperson, der feminine Kleidung und ein femininer Style gefällt! Und natürlich ist dabei das Wort „feminin“ schon irreführend und natürlich hat sie sich vielleicht etwas unglücklich ausgedrückt als sie das so verallgemeinert hat, natürlich sind Mode und Make-up nicht für alle Frauen ein Thema, aber für manche Männer dann schon wieder…! Das alles gehört in die Diskussion was denn nun einen Mann oder eine Frau ausmacht und zeigt eigentlich doch nur auf, wie beschränkend diese beiden Kategorien sind. Grade deshalb danke ich Dir Jennifer für Deine Geschichte, die mal wieder zeigt dass wir Menschen sind, nicht Geschlechter.

      1. Liebe Astrid,

        ich würde dein Wort „Stereotype“, vielleicht durch „Vorstellungen“ ersetzen. Wechselt man das Geschlecht steht man definitiv vor einigen Hürden, was die eigene Psyche angeht, aber auch auf neue Äußerlichkeiten muß man sich einstellen. Einem bestimmten Vorbild habe ich nicht nachgeeifert, vielmehr habe ich mich Schritt für Schritt orientiert.

        Ich möchte gerne deinen folgenden Satz aufgreifen:

        „Jennifer ist eine Transperson, der feminine Kleidung und ein femininer Style gefällt!“

        Nicht nur gefällt, sondern dazu gehört. Daß ich mich weiblich kleide ist das Resultat meiner neuen Persönlichkeit. Was aber nicht mit einem Fetisch zu verwechseln ist!!! Manche Männer haben die Vorliebe (Begriff FETISCH) Damenmode aus purem Lustempfinden zu tragen, mit dem ich aber bitte nicht auf eine Linie gesetzt werden möchte!

    3. Sorry, solche Kommentare (@Monika) sind es die mich auf die Palme bringen. Das ist keine objektive Kritik, stattdessen wird hier ein Mensch kritisiert nur weil er anders ist. Zumindest in den Köpfen anderer. Mit dieser Intoleranz schlage ich mich als Gay schon mein ganzen Leben lang herum. Als Gay, Crossdresser oder Diverser hat man weitestgehend immer noch keine Lobby in diesem Land, sondern wird behandelt wie ein Aussätziger. Im Jahr 2021 sollte die Toleranz der Menschen doch auf einem annehmbaren Akzeptanzlevel liegen, so das wir alle glücklich miteinander leben können. Ich lese hier keine Spur von Mitgefühl, nur Missbilligung weil Jennifer eine andere Auffassung von Styling hat. Nur warum wird das hier infrage gestellt? Sollte man nicht glücklich darüber sein, das Jennifer auf ihre Art die Weiblichkeit entdeckt hat? Sollte das nicht anerkannt werden? Enttäuschend ist zudem, das das Outing scheinbar überhaupt kein Rolle spielt. Kannst du dir überhaupt vorstellen, was ein Outing bedeutet? Wie viel Mut es braucht sich damit seinen Eltern, Familie oder Freunden zu offenbaren? Ich war 17 als ich mich meinen Eltern gegenüber als Gay outete, denkst du das war easy?
      Hier wird Jennifer vorgeworfen nur auf Äußerlichkeiten zu achten, wobei ich mich frage, warum du in dem Bericht nur das herausgelesen hast und alle anderen Fakten nicht mal zur Sprache bringst oder würdigst? Aber das was du Jennifer vorwirfst, kann genauso auch dir verworfen werden, denn du beurteilst einen Menschen nach dessen Modegeschmack und wenn dieser nicht deinem gleichkommt, hagelt es Kritik.

  9. Liebe Julia,

    daß „Kleidung und Schminke ein zentraler Aspekt des Frauseins“ ist, sollten meine Zeilen nicht ausdrücken und die damit verbundene „Oberflächlichkeit“ auf Äußerliches (wie du es angeführt hast), wollte ich auch keinesfalls ausdrücken. Dennoch wollte ich es (zumindest…) andeuten, daß zur Mann-Frau-„Verwandlung“ einfach eine modische Vielfalt dazugehört – sowie Stylingprodukte. Ich sehe darin auch keine negative Seite, sondern ganz einfach einen Teil meiner heutigen femininen Persönlichkeit.

    Ich finde es eher schade, daß dir gerade dies aus meinem Artikel ins Auge stieß, denn gerade diese „Aufmerksamkeit“ wollte ich damit nicht erreichen und keinesfalls wollte ich UNS Frauen darauf reduzieren!

    1. @Michael
      Wohoo,
      man muss doch nicht gleich die ganz große Keule auspacken. Auch für mich hat dieser Artikel viele Fragen aufgeworfen. Fragen, die ich mir immer stelle, wenn es um Transgender-Dasein geht oder auch spezielle Befindlichkeiten oder Fragen zu dem Artikel, den Jennifer geschrieben hat. Auch wenn jemand ungeschickt formuliert, muss es auch nicht immer heißen, dass es nicht-akzeptierend gemeint ist. Ich dachte, es geht auch darum, in einen Dialog zu kommen. Das geht doch am besten über Fragen. Wobei Deine Fragen, Michael, finde ich teilweise echt aufdringlich.
      Monika hätte das vielleicht eher tun sollen, statt alles als Vermutung zu schreiben. Aber meistens schreiben hier ja Autor*innen nicht in den Kommentaren mit. Nicht jeder Kommentar, der nicht die heile Freude über anderer Leute Lebensentscheidungen enthält, ist automatisch eine Abwertung. Ich z. B. empfinde Gratulationen irgendwie herablassend zu einem solchen Beitrag, denn wer bin ich, dass ich ein „gut gemacht“ so als Bewertung hinschreibe?Ob sie es gut gemacht hat oder es ein Weg ist, der für sie erfolgreich ist, kann nur Jennifer ür sich entscheiden.

      1. Hallo RM,

        danke für dein Interesse an meinem Bericht. Wenn du schreibst…:

        „Auch für mich hat dieser Artikel viele Fragen aufgeworfen. Fragen, die ich mir immer stelle, wenn es um Transgender-Dasein geht oder auch spezielle Befindlichkeiten oder Fragen zu dem Artikel, den Jennifer geschrieben hat.“

        …dann stelle mir diese Fragen ruhig. Auch ich suche den DIALOG und liebe es Auskunft zu geben.
        Habe also kein Scheu und frage mich…:-)

      2. Ok, RM hat schon recht, rückblickend habe ich etwas zu heftig mit meinem Kommentar reagiert, Sorry Monika! Im Übrigen hast du es mit deinem neuen Kommentar bezüglich Jennifer ja toll geschrieben. Wörter können manches mal leider missverstanden werden. Das war gerade so ein Fall.

  10. Es ist schön, dass Jennifer den Weg zu einem glücklichen Leben gefunden hat! Trotzdem stört mich eines an dem Artikel. Es klingt, als ob Kleidung und Schminke ein zentraler Aspekt des Frauseins seien. Für mich reduziert das uns Frauen (und Jennifer schließe ich gerne mit ein) auf Äußerliches. Niemand muss auf Highheels gehen können, um Frau zu sein.

    1. Liebe Julia,

      daß „Kleidung und Schminke ein zentraler Aspekt des Frauseins“ ist, sollten meine Zeilen nicht ausdrücken und die damit verbundene „Oberflächlichkeit“ auf Äußerliches (wie du es angeführt hast), wollte ich auch keinesfalls ausdrücken. Dennoch wollte ich es (zumindest…) andeuten, daß zur Mann-Frau-„Verwandlung“ einfach eine modische Vielfalt dazugehört – sowie Stylingprodukte. Ich sehe darin auch keine negative Seite, sondern ganz einfach einen Teil meiner heutigen femininen Persönlichkeit.

      Ich finde es eher schade, daß dir gerade dies aus meinem Artikel ins Auge stieß, denn gerade diese „Aufmerksamkeit“ wollte ich damit nicht erreichen und keinesfalls wollte ich UNS Frauen darauf reduzieren!

      1. Es ist irgendwie gemein, Jennifer das „klischeehaft weibliche“ Styling jetzt zum Vorwurf zu machen. Da sie sich ja gegen OP und Hormontherapie entschieden hat (was ich total verstehe), wie soll sie ihre Identität denn sonst nach außen tragen? Biologisch als Frau geborene Frauen können natürlich easy ungeschminkt, mit kurzen Haaren und Hoodie rumlaufen und werden in den meisten Fällen trotzdem als Frauen identifiziert. Wenn Jennifer das machen würde, würde sie doch fast immer für einen Mann gehalten werden. Sie wird ja wahrscheinlich auch eine tiefere Stimme haben als biologisch als Frauen geborene Frauen. Dann könnte sie ihr richtiges Geschlecht nur im Innern leben und gar nicht nach außen. Irgendwie verständlich, dass ihr das nicht reicht.

        1. Liebe Elli,

          grundsätzlich bist du mit deinen Zeilen auf einen guten Weg der Ausführung. Wenn man als Mann geboren wird hat man eben auch eben diese männlichen Züge in den Genen, was sich speziell in männlichen Gesichtskonturen zeigt. Diese zu „verstecken“ ist nicht immer leicht. Deshalb bin ich auch ein wenig neidisch auf die Jungs die feinere, weichere oder gar zarte Gesichtsstrukturen von Geburt an haben 🙂 Den maskulinen Look den ich habe, kann ich leider nur mit Make Up übertünchen, was aber zu einem ansprechenden Ergebnis führt. Für den Alltag reicht ein normales Tages Make Up – ein wenig Rouge um den Bartschatten zu kaschieren, plus Lippenstift und fertig. Habe morgens vor der Arbeit ja nicht stundenlang Zeit um ein „komplett Make Up“ aufzutragen 🙂

          Auch was du bezüglich der Stimme geschrieben hast stimmt. Sollte man mich nicht an meinem Aussehen als männlich identifizieren, dann spätestens an meiner typischen Männerstimme, wenn ich den Mund aufmache. In dem Falle würden auch keine Hormone nützen. Was Hormone beeinflußen kann man sehr gut hier nachlesen:
          https://www.transx.at/Pub/Hormone.php

          Einfach auf der Seite unten den Punkt „Auswirkungen der Hormonbehandlung – Bei Transfrauen“ suchen, den Artikel lesen und in die Tabelle schauen. Da kann man gut nachlesen, was passieren würde, wenn ich die Homontabletten Estradiol nehmen würde. Aus all den aufgeführten Punkten würde ich nur zweien positiv gegenüber stehen – das wären:

          1. Brustwachstum

          2. Verdünnung und langsameres Wachstum von Gesichts-und Körperbehaarung

          Alle anderen Punkte sprechen für mich gegen eine Hormontherapie, sonst hätte ich mich sicherlich dafür entschieden.

          1. Einen maskulinen Look erkenne ich auf deinen Bildern nicht Jennifer, das sieht doch hübsch aus! Ist wohl jahrelanges Üben 😉 Als was bezeichnest du ein Komplettes Makeup und wann trägst du es auf?
            Die Stimme ist ein guter Einwand, daran habe ich überhaupt nicht gedacht. Stört denn eine tiefere Männerstimme überhaupt?
            Der Link zur Hormonbehandlungsseite hat mir die Augen geöffnet, welche Einwirkungen dies auf den Körper nimmt. Ziemlich endgültig.

            Grüße Sabrina

          2. Liebe Sabrina,

            daß du meine maskulinen Gesichtskonturen auf den Bildern nicht erkennst liegt daran, daß ich inzwischen alle Tricks kenne und beherrsche diese per Make Up zu verdecken.

            Als „komplettes Make Up“ bezeichne ich meinen Stil, den man bsw. auf dem rechten Vergleichsbild sehen kann. Neben Rouge und Lippenstift, trage ich eine Foundation auf, betone die Augen mit Lidschatten, Mascara und Konturstift – im besten Falle kommen dabei Smokey Eyes heraus. Die Wangen akzentuiere ich mit einem farblich passenden Rouge – in DEZENTEN (!!!) Pinselstrichen das es gerade so auffällt. Das Lackieren der Nägel muß wohl nicht extra erwähnt werden – wobei ich lackierte Nägel auch im Alltag trage, die halten ja immer für ein paar Tage.
            Die Lippen zu konturieren machen ich auch ab und zu, aber meistens reicht mir die Farbe des Lippenstifts oder Lipgloss.

            So ein Komplett-Make Up trage für Feierlichkeiten oder Partys auf – es ist sehr zeitintensiv und dauert gut 45 – 60 min, man muß ja nicht hetzen 🙂 Ich mag es, mich so für einen besonderen Anlaß zu stylen, aber wenn ich nur zu Hause bin, dann freue ich mich auch, wenn ich ganz in natura (also ohne jegliches Make Up!!!) bin.

            Was eine tiefe Männerstimme angeht, so finde ich sie schon störend, aber ändern kann man es nicht…

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