„Ich bin alleinerziehend und am Ende meiner Kräfte“ – Gastbeitrag von Barbara

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Ferienzeit – den Bildern auf Facebook nach sonnen sich viele Freunde und Bekannte in Portugal, Italien oder Griechenland. Ich liege währendessen – jetzt die dritte Woche – mit einer Lungenentzündung auf der Nase. Nein, im Bett. Absolute Bettruhe – während es draußen 36 Grad im Schatten hat. Es ist die einzige Woche in diesem Jahr, die ich komplett kinderfrei habe und ich habe schon damit geliebäugelt ein paar Tage wegzufahren. Einfach mal raus hier und wenn es nur zwei Stunden Fahrt sind irgendwo ins Nirgendwo, einfach mal raus…

Im letzten Jahr hat es mich gegen Ende der Sommerferien mit einer mehrmonatigen Schilddrüsenentzündung gebeutelt. Wie immer haben es alle kommen sehen. "Kein Wunder", sagen sie, "alleinerziehend mit fünf Kindern und dann noch selbstständig – das kann ja nicht gut gehen."  Jetzt liege ich heulend im Bett und mein Optimismus der letzten Jahre, dieses Leben mit meinen Kindern irgendwie lebenswert hinzubekommen, schwindet von Minute zu Minute.

Während meine Tochter mit der Lebensgefährtin meines ehemaligen Mannes morgens dem Sonnenaufgang im Meer entgegenschwimmen will, während sich meine Jungs zwei Wochen im Pfadfinderlager dem Abenteuer stellen und meine Jüngsten mit ihrem Vater genüsslich im Schwimmbad aalen, kuriere ich mich von den Strapazen der letzten Wochen aus. Wenigstens die anderen können meinen Kindern was bieten. Ich kann mir all das nicht leisten. Zeitlich nicht und finanziell schon gar nicht. 

Warum muß die Zeit vor den Sommer- und Winterferien immer so unglaublich stressig sein? Einer meiner Söhne mußte das Gymnasium verlassen, aber jetzt mitten in den Sommerferien sind alle Schulen voll und wir wissen überhaupt nicht, wo das Kind zu Schulbeginn zur Schule gehen kann. Meine Tochter hatte vor mir die Lungenentzündung und mein Großer hat endlich seinen Realschulabschluß geschafft!

Für die Kleinsten habe ich endlich einen Krippen- und Kindergartenplatz in einer Einrichtung, aber lange war nicht klar, wovon ich die Aufnahmegebühren zahlen soll. Im Moment lebe ich von Hartz IV. Geht nicht anders – fünf Kinder und ein Alleinverdiener in der Bedarfsgemeinschaft. So viel Geld werde ich nie im Leben verdienen, als das ich die Kinder alleine durchbringen kann.

Und vor den Ferien ein Termin nach dem anderen in den Kindergärten und Schulen. Drei Schulfeste an einem Nachmittag. Haushalt, meine Selbstständigkeit, Termine, Termine… ach ja, meinen Geburtstag habe ich dieses Jahr mal endlich gefeiert. Und danach lag ich das erste Mal auf der Nase pünktlich zu Ferienbeginn. Richtig auskuriert habe ich das Ganze nicht und zehn Tage später ist sie wieder da, die Lungenentzündung. 

Ich liebe meine Kinder. Es sind fünf wunderbare Prachtexemplare und ich habe sie alle gewollt. Sie alleine zu erziehen habe ich aber nicht gewollt. Da habe ich leider einen Fehler gemacht, der mir nie verziehen wird. Und den ich mir nicht verzeihen kann. So ist es nun einmal. 

Jetzt muß ich mich erst einmal von der Lungenentzündung erholen. Und jetzt schon wieder darüber nachdenken, wie die nächsten Wochen geplant werden. Ob ich meine Selbstständigkeit aufgeben soll, frage ich mich in dieser Zeit immer wieder. Abgesehen davon – wer nimmt schon eine alleinerziehende fünffache Mutter… . Und dann fehlen mir die Qualifikationen.

Wenn ich die Artikel über die Gleichberechtigung der Frau lese, daß viele Frauen genauso viel arbeiten wollen wie Männer, dann muß ich lachen. Wie soll das gehen? So sehr ich mich auch anstrenge, Kinder und Beruf mal eben zu wuppen, das zehrt an den Nerven. Ja, die Väter sind irgendwie da, aber haben ihre Vollzeitberufe, die aber noch nicht einmal den vollen Unterhalt abwerfen. Dann wäre ein finanzieller Ballast weniger vorhanden. Wenn es Probleme gibt oder ich krank bin, dann sind sie so gut es geht da. Darüber mag ich mich nicht beschweren. Aber die Sorgen des Alltags, die kleinen und großen Bedürfnisse, die Wutausbrüche und Zickenattacken, die Erziehungsfragen und die Standfestigkeit, das alles bleibt an mir hängen. 

Ich wünsche mir einfach mal mehr freudige und leichte Momente mit den Kindern. Zeit und Luft zum Durchatmen. Kinder sind so etwas Wunderbares und die Zeit mit ihnen ist begrenzt. Das kann die nächsten Jahre nicht so weiter gehen. Noch habe ich keine Lösung dafür. Aber es ist auch irgendwie mein Leben und ich darf doch auch mal wieder ein kleines bißchen glücklich sein. Ich würde meinen Kindern so gerne mehr Leichtigkeit bieten und nicht nur Sorgen. Mein Sohn sagte einmal: „Du stehst immer wieder auf, Mama. Du läßt Dich nicht unter kriegen.“ Ein schönes Kompliment. Hoffentlich behält er recht.

Foto: Pixabay

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3 comments

  1. Wie gehts dir jetzt?
    Hallo,

    ich bewundere dich dafür und hoffe das alle läuft.

    Wie hast du dich entschieden? Bist du selbstständig geblieben oder hast du einen Arbeitgeber gefunden?

    LG Claudia

  2. Du schaffst das
    Liebe Barbara, ich war nur ein Jahr alleinerziehend und in dieser Zeit am Rande eines Burnouts. So lange und mit den finanziellen Sorgen, da kann ich dich nur bewundern! Du wirst das schaffen und es wird leichtere Zeiten geben. Für mich war der Weg hinaus aus dem totalen Streß und der Dauerbelastung einmal meine neue Liebe (und die kann man natürlich leider nicht herbei zaubern) und eine komplette Neuausrichtung. Ich habe mich selbstständig gemacht und helfe nun vor allem gestressten Müttern aus der Stressfalle. Ich habe Seminare im Kloster und Waldbaden oder auch online Angebote und würde dir sehr gerne helfen. Melde dich gerne bei mir per Kontaktformular (www.ruhewerk.de) und wir schauen mal ob ich die eine (kostenlose) Freude und Hilfestellung anbieten kann. Giving is Living. Viel Kraft und Mut weiterhin. Herzliche Grüße Ines

  3. Viele Grüße ! Gute Besserung!
    Viele Grüße ! Gute Besserung!
    Bin alleinerziehend mit 2 Kindern, die diese Woche endlich bei Opa sind. Ich habe kinderfrei und liege mit Erkältung im Bett. Super!
    Habe nachgesehen: Wer viel Stress hat und dann plötzlich Ruhe, bei dem sinkt der Adrenalinspiegel und dann ist das Immunsystem schwach und man wird krank.
    Habe beschlossen, das Beste draus zu machen. Liege im Bett und gucke TV ungestört und was ich mag 🙂 kann ja auch nett sein.
    Gute Besserung an Dich!