Trennung: Traut euch, wenn ihr unglücklich seid!

Trennung

Ihr Lieben, neulich haben wir auf unserer Facebook-Seite einen Trennungs-Artikel gepostet. Es ging darum, dass eine Frau sich eigentlich von ihrem Mann trennen wollte, sich aber aus finanzieller Sicht nicht getraut hat. Daraufhin hat sich unsere Leserin Marisa gemeldet, die sich gerade ganz frisch getrennt hat. Auch sie hatte große Existenzängste und hat die Trennung deshalb lange hinausgezögert. Seit Dezember ist sie nun getrennt und möchte anderen Frauen Mut machen.

„Mein Name ist Marisa und ich möchte euch heute meine Geschichte erzählen. Mein Mann und sich sind sehr frisch getrennt, er ist im Dezember 2022 ausgezogen. Wir waren 13 Jahre zusammen, 8 Jahre davon verheiratet.

Wir sind sozusagen aus einer Extremsituation entstanden. Meine damalige große Liebe ist 2009 tragisch ums Leben gekommen. Mein Mann Tom war ebenfalls gut mit ihm befreundet und die Trauer hat uns verbinden. Nach einigen Monaten kamen wir uns näher, aber eigentlich nur auf sexueller Basis. Ich lebte damals in einer anderen Welt, für mich stand die Welt still, da meine große Liebe von heute auf morgen weg war. Ich war innerlich zerbrochen, deshalb war die Verbindung mit Tom für mich wirklich anfangs nur körperlich. Für Tom war es damals schon mehr. 

Nach der Geburt der Kinder wurde Tom immer genervter

Embryonenspende
Foto: pixabay

Aus dem eigentlich „nur Sex“, entstand unser Sohn Elias (heute 12 Jahre), wir wuchsen als Familie zusammen und ich lernte Tom lieben. Wenige Monate nach Elias Geburt starb Toms Vater. Dies veränderte Tom, er hat den Tod seines Vaters bis heute nicht verkraftet. Fünf Jahre später, kam Leo (heute 7 Jahre) zur Welt, ein absolutes Wunschkind. Wir hatten etliche Jahre versucht noch ein 2. Kind zu bekommen und waren dann sehr glücklich. 1,5 Jahre später folgte unsere Tochter Rike (heute 5 Jahre)

Mit den Jahren veränderte sich Tom immer mehr, er wurde schnell aggressiv und laut in Stresssituation. Er konnte nicht zwei Dinge auf einmal kompensieren, geriet schnell in die Überforderung. Er verlangte manchmal, dass unsere Kinder wie wir Erwachsene zu funktionieren haben. Eigentlich war dies immer unser Hauptstreitthema: Wie geht man mit Kindern um.

Es wurde immer klarer, wie schnell er gereizt war. Er hat die Kinder nie geschlagen, aber hat es immer mal wieder angedeutet, in dem er die Hand erhoben hat. Oftmals hat er, wenn ihn etwas genervt hat, einfach etwas genommen und auf den Boden geschmissen. 2018 habe ich dann das erstmal die Reißleine gezogen, nach dem er wieder etwas zertrümmert hatte, und ihm ein Ultimatum gestellt: Entweder er begibt sich in Therapie oder ich trenne mich. Tom ging in Therapie, er ist bis heute in Therapie, aber es blieb ein ständiges Auf und Ab.

Die Pandemie wurde zur Belastungsprobe

Dann kam Corona, wieder eine starke Belastungsprobe für uns. Leo, unser Mittlerer, wurde immer verhaltensauffälliger, er war damals 4 Jahre. Er schrie viel rum, er versuchte zu provozieren, er stellte den Herd an und hat den Backhandschuh drauf gelegt, war sehr unruhig, kotete ein. Nach etlichen ärztlichen Besuchen, Therapien, Testungen, dann das Ergebnis ADHS, sowie visuelle und auditive Wahrnehmungsstörung. Für mich, für uns täglich eine Belastungsprobe.

Es wurde alles nicht besser, Tom immer aggressiver, war ständig am Meckern, wurde bei jedem bisschen gleich laut. Tom kam mit Leo gar nicht mehr klar, dazu der Stress auf der Arbeit, fehlende Impulssteuerung. Wir stritten uns täglich, oft im Beisein der Kinder.

Ich suchte abends täglich Zuflucht im Alkohol, sobald die Kinder im Bett waren. Auf dem Weg zur Arbeit dachte ich mir „fahr einfach gegen den Baum, dann ist alles vorbei „. Ich konnte einfach nicht mehr. Ich dachte natürlich an Trennung, doch immer war die Angst da, wie ich das mit 3 Kindern schaffen soll – auch wenn ich immer gearbeitet habe und mein eigenes Geld verdient habe, hatte ich Angst. Ich fürchtete einfach immer, dass ich es finanziell nicht stemmen kann…

Dann stand die Trennung für mich fest

Im November 2022 eskalierte es wieder und ich sah meine verängstigen Kinder. In diesem Moment habe ich den endgültigen Entschluss gefasst mich zu trennen. Tom war natürlich über den Entschluss sehr wütend und die folgenden 2 Wochen waren ziemlich anstrengend in unserer Kommunikation. Irgendwann hat er aber auch eingesehen, dass es so nicht weiter gehen kann….

Trennung

Sechs Wochen später ist er ausgezogen und ich bin mit den Kindern im Haus geblieben, da dies einfach die günstigere Variante für uns ist. Ich habe mich hingesetzt und einen Finanzplan aufgestellt, habe alles online ausgerechnet. Was bekomme ich an Unterhalt, wie sieht es mit Kinderzuschlag und Wohngeld aus?

Ich konnte wochenlang kaum schlafen vor Existenzangst, aber ich habe es geschafft. Ich habe 2 Jobs, ich arbeite als Sekretärin und im Kosmetikbereich. Klar, Urlaube sind erstmal nicht mehr drin, aber wir haben ein Dach über dem Kopf, ich habe ein Auto, wir können einkaufen gehen und ab und zu ist auch mal ein kleiner Ausflug möglich.

Trotz Existenzangst habe ich es geschafft

Ich lebe sparsam und kaufe sehr bewusst, was im Angebot ist. Kleidung kaufe ich außerhalb der Saison (zum Beispiel im Januar online die Sandalen oder die Winterjacke für kommende Winter im aktuellen Winterschlussverkauf), da spart man sehr viel. 

Wie es uns nun geht? Meinen Kindern geht es sehr gut, ich würde sogar sagen viel besser als früher. Und ich fühle mich auch gut.

Die Kinder sind immer Donnerstag auf Freitag und Samstag auf Sonntag bei ihrem Vater, da er samstags immer arbeitet und ich donnerstags meinen langen Arbeitstag habe. Nach den Sommerferien stellen wir es in das reguläre Modell um: jedes zweite Wochenende sind die Kinder von Freitag bis Sonntag bei ihm. Tom engagiert sich wieder mehr, er fährt unseren Großen und Mittleren zum Fußballtraining, ich übernehme dafür das Kinderturnen und die Logo-Therapie. Wir teilen uns die Kinder-Krank Tage auf und die Ferien. Wir funktionieren als Team wieder besser, aber es ist ganz klar, dass wir kein Paar mehr werden.

Ich möchte jeder Frau/jedem Mann sagen: Ihr habt das Recht darauf, glücklich zu sein. Schiebt eine Trennung nicht jahrelang auf, werft euer Leben nicht weg und findet euch mit dem Unglück ab. Es geht weiter, irgendwie geht es immer weiter. Man braucht Mut, aber man wird dann auch belohnt.

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4 comments

  1. Man sollte niemals direkt über eine Trennung nachdenken, nur weil es al paar Probleme gibt. Natürlich gibt es da paar Ausnahmen, wie bei einer Affäre. Da sollte man sofort einen Anwalt für Familienrecht suchen. Danke!

  2. Ich würde anderen Menschen nicht zur Trennung raten denn nicht jede Frau ist mit einem Haus gesegnet, noch, dass der andere Elternteil weiterhin präsent bleibt wie bei dir.

  3. tägliche Wut im Bauch zehrt sehr. Eine klare Trennung ist Anfangs schwierig und anstrengend. Danach hat jeder die Möglichkeit, sein Glück selbst in die Hand zu nehmen. Bei uns ist es zumindest so. Unserer Tochter geht es seit der Trennung ebenfalls besser. Wir bekommen auf sachlicher Ebene den Alltag gut organisiert.

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