Update von „Marlene“: Ein Baby nach langem Kinderwunsch – ein weiteres blieb uns verwehrt

Kinderwunsch

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Ihr Lieben, vor einiger Zeit teilten wir nochmal Marlenes Kinderwunsch-Geschichte mit euch. Sie hatte uns in ihrem ersten Beitrag hier erzählt, dass sie wohl trotz ihres großes Kinderwunsches nie Mama werden würde. Schließlich schrieb sie uns irgendwann die frohe Botschaft, dass es doch noch geklappt hatte und sie mittlerweile im siebten Monat schwanger sei. Doch wie ging es danach weiter? Wie war das Leben mit Kind dann, gab es noch einen Wunsch nach Geschwistern und wie lebt die Familie heute? Marlene hat sich noch einmal Zeit für uns genommen und erzählt uns hier davon.

Liebe Marlene, unsere gemeinsame Geschichte begann, als du dich zu unserer Serie „Wir lieben Elternsein“ meldetest und schriebst, dass dein Wunsch nach einem eigenen Kind wohl verwehrt bleibt. Wie denkst du heute an diese Zeit zurück?

Bevor ich wusste, dass ich auf natürlichem Wege nicht schwanger werden kann, hätte ich nicht gesagt, dass ich einen besonders großen Kinderwunsch habe. Ich bin – wie wahrscheinlich der Großteil derer, die hier mitlesen – ganz einfach davon ausgegangen, dass ich mal Kinder haben werde. Als dann klar wurde, dass das so definitiv nicht laufen wird, war das schon hart. Als ich mit euch im Kontakt war, war das gerade die Zeit, in der wirklich alle, alle um mich herum schwanger wurden und ich von Babyparty zu Babyparty gefahren bin, aber nie die Gastgeberin war. Meine beiden besten Freundinnen, mit denen ich lange zusammen gewohnt habe, sind damals im Abstand von zwei Wochen schwanger geworden, da war ich dann natürlich total raus, das war schon bitter. Ich kann ganz ehrlich sagen, dass ich mich – glücklicherweise – trotzdem für alle meine Freundinnen von ganzem Herzen freuen konnte, neidisch war ich immer nur auf fremde Frauen, schon schräg was das Hirn da so macht… Ich denke, ich habe damals das Beste draus gemacht, auch wenn ich oft traurig war. 

Du wurdest dann doch noch schwanger, konntest dein Glück lange nicht fassen und hast dich erst spät getraut, dich zu freuen, stimmt´s?

Ja, das stimmt. Mir ging es eigentlich sehr gut und ich hatte eine total problemlose Schwangerschaft, war aber unentspannt und ängstlich. Ich hab noch bis zwei Wochen vor der Geburt gearbeitet, einfach, weil ich nicht alleine mit meinem Gedanken zu Hause sitzen wollte. Das Thema war so vorbelastet, dass ich meinem Körper nicht mehr wirklich vertrauen konnte. Ich hatte eine unfassbar großartige Ärztin, die mich durch die Zeit begleitet hat, aber eigentlich konnte ich erst die letzten zwei Monate genießen, als dann klar wurde, dass das Risiko, dass jetzt noch etwas richtig Schlimmes passiert, immer geringer wurde. Kinderwagen und Wickelkommode habe ich erst vier Wochen vor der Geburt gekauft – vorher habe ich mich einfach nicht getraut. Leider habe ich auch nur ganz wenige Fotos mit dickem Bauch. Aber als meine Tochter dann auf der Welt war, war wirklich alles nur noch schön. Und glücklicherweise war dann jede Angst verschwunden und ich konnte von Anfang an sehr intuitiv und angstfrei mit meinem Baby umgehen. 

Nun ist deine Tochter schon fünf Jahre alt! Erzähl mal von ihr!

Wieviel Zeit habt ihr 🙂 ? Meine Tochter ist natürlich ganz großartig. Und dieses Alter ist ja auch der Wahnsinn – sie ist völlig unbedarft, offen, mutig und einfach so wahnsinnig authentisch. Sie hat eine irre Phantasie, ist total kreativ, bastelt ihre eigenen Puppen aus Papier und saugt jede Information auf, die sie kriegen kann, um mich dann beim Abendessen detailliert über Einhörner, Hexen oder Hunde auszufragen. Dazu redet sie ohne Unterlass, die anderen Kindergarteneltern sind immer ein wenig neidisch, weil ich jeden Nachmittag einen ausführlichen Bericht über die Geschehnisse des Tages bekomme. Während ich dir schreibe, ist sie gerade im Seepferdchenkurs und ich bin so irre stolz auf dieses kleine Mädchen, dass mit ihrem Meerjungfrauenbadeanzug in die Schwimmhalle marschiert und sich traut, mit vollem Karacho vom Beckenrand ins Wasser zu springen. 

War euer Kinderwunsch nach ihrer Geburt abgeschlossen oder habt ihr es noch einmal versucht?

Wir haben nach der Geburt noch zwei Anläufe unternommen. Beim ersten Mal hatten wir noch Embryonen eingefroren, das ging ja relativ einfach. Danach haben wir noch einen sogenannten Frischversuch mit Eizellentnahme und dem ganzen Programm gemacht. Leider gab es dabei Komplikationen wegen eines Medikaments, so dass dieser Versuch mit dem Notarztwagen im Krankenhaus endete. Das war dann auch das letzte Mal, dass ich im Kinderwunschzentrum war. 

War danach klar, dass es wohl bei einem Kind bleiben wird?

Ja, eindeutig. Ich konnte nicht mehr, mein Körper konnte nicht mehr. Danach haben wir nichts mehr probiert, obwohl die Krankenkasse sogar noch zwei weitere Frischversuche bezuschusst hätte. Aber wir und vor allem ich hatte keine Kraft mehr, das ganze Procedere nochmal durchzuziehen. Mit Pausen waren wir fast fünf Jahre in der Kinderwunschklinik in Behandlung, es war dann einfach genug. 

Du sagst, du fühlst dich trotz des großen Glücks über eure Tochter irgendwie unvollständig, kannst du das näher beschreiben?

Ich habe mich immer mit einer großen Kinderschar gesehen, komme selbst aus einer Familie mit vielen Kindern und habe echt viele Nichten und Neffen. Ich habe schon das Gefühl, dass noch etwas fehlt. Viele Freunde von uns haben in die Geburtskarten von Kind Nummer 2 geschrieben, dass ihre Familie nun endlich komplett wäre. Dieses Gefühl hatte ich nie. Auch wenn ich sehr genau weiß, dass es auch anders hätte ausgehen können und wir unfassbares Glück hatten, dass es überhaupt geklappt hat, hätten wir gerne noch jemandem am Tisch sitzen. Meine Tochter ist auch gerade in dem Alter, in dem sie Babys ganz spannend findet und regelmäßig fragt, ob ich ganz sicher wäre, dass wirklich niemand in meinem Bauch ist. Ich will wirklich nicht undankbar sein, aber ganz tief in mir drinnen fühle ich das so. 

Wie hast du gelernt, damit zu leben?

Naja, ich bin jetzt 42 und werde definitiv nie mehr wieder schwanger sein. Vor knapp zwei Jahren habe ich innerhalb einer Woche alle Babyklamotten und den Kinderwagen verschenkt oder verkauft. Auch wenn ich danach erstmal ordentlich geheult habe, hat es gut getan und war wichtig für mich um abzuschließen. Mittlerweile habe ich es akzeptiert und kann die Vorteile, die das Leben mit einem Einzelkind hat, genießen. 

Was hat das mit euch als Paar gemacht?

Ich würde jetzt gerne schreiben, wir sind stärker als je zuvor, was man halt so schreibt. Für uns passt glaube ich: Wir haben es geschafft, trotzdem ein Paar zu bleiben, das ist ja nicht bei allen Kinderwunschpaaren so. Wir kennen uns durch diese Zeit extrem gut, mit allem drum und dran und können uns nichts vormachen. Wir waren ja zwischendrin auch sehr unterschiedlicher Meinung, wie unser Kinderwunschweg weitergeht und haben dabei auf die harte Tour gelernt, wie wichtig absolute Ehrlichkeit ist, auch wenn es echt weh tut und man ganz genau weiß, dass der andere eigentlich was anderes hören will.  

Wo steckst du die viele Liebe, die du für viele eigene Kinder gehabt hättest nun rein?

Mit der Liebe wird einzig meine Tochter überschüttet, das arme Ding 😉 Aber die Zeitfenster, die jetzt auf wieder einmal da sind, wo meine Tochter anfängt, alleine auf Kindergeburtstage zu gehen oder auch mal ein Wochenende bei den Großeltern verbringt, kann ich auf jeden Fall gut füllen. Ich mache viel Sport und habe vor einiger Zeit eine relativ zeitaufwändige berufliche Weiterbildung angefangen, das würde mit einem zweiten Kind so definitiv nicht gehen. Wir haben auch oft Spielbesuch bei uns zu Hause, auch das ist ein Vorteil am Einzelkind-Dasein, meine Freundinnen sind dankbar, wenn sie mal ein Kind bei uns „abladen“ können. 

Wenn du heut auf dein Leben schaust, denkst du dann manchmal auch: Wow, was für ne Soap Opera mit all den Höhen und Tiefen?

Soap Opera auf keinen Fall. Kinderwunsch ist etwas so Tiefes und gleichzeitig etwas, was – glücklicherweise – für die meisten Menschen relativ schnell realisiert wird. Wie schmerzhaft es ist, wenn das nicht so läuft, ist für Außenstehend anscheinend wirklich schwer nachvollziehbar. Eine Freundin, die mich in dieser Zeit begleitet hat und mir eine große Stütze war, hatte kürzlich eine Fehlgeburt und hat danach gesagt, dass sie erst jetzt versteht, wie es mir all die Jahre ging. Wenn man sich etwas so sehr wünscht und man absolut nichts tun kann. Ich bin weit davon entfernt, verbittert zu sein, aber diese Zeit hat schon Narben bei mir hinterlassen. 

Was es mir all die Jahre echt noch zusätzlich schwer gemacht hat, ist die Tatsache, dass unerfüllter Kinderwunsch in unserer Gesellschaft immer noch so ein wahnsinnig schwieriges Thema ist. Auf der einen Seite ein totales Tabu – ich habe unzählige Male von Menschen, die ich kaum kenne, zu hören bekommen, dass es doch bei uns auch endlich Zeit für ein Kind wird, dass es doch Zeit fürs zweite Kind wird, oder ob ich wirklich NUR ein Kind habe, das Kinderkriegen das natürlichste der Welt ist und so weiter. Anscheinend ganz „normaler“ Party-Smalltalk. Wenn ich dann aber offen angesprochen habe, wie die Situation bei uns ist, waren die Gegenüber absolut hilflos und haben gar nichts mehr gesagt. Und gleichzeitig haben viele so ein falsches Bild von unerfülltem Kinderwunsch. Dass das nur die Karrierefrauen über 40, Übergewichtige oder Raucherinnen betrifft.

Ich war 30, als ich meine Verhütung abgesetzt habe, war mein ganzes Leben lang gesund und schlank und komme, wie gesagt, aus einer Familie mit vielen Kindern, war also genetisch nicht vorbelastet. Ich hatte einfach großes Pech. Und ganz ehrlich – bei Aussagen, dass man sich nur mal entspannen oder schön in den Urlaub fahren müsse, werde ich mittlerweile echt wütend. Man steht in dieser Zeit sowieso schon so unter Druck und ist so belastet, da muss man nicht noch das Gefühl vermittelt zu können, man wäre selber schuld oder hätte irgendeinen Einfluss darauf, schwanger zu werden. Aber ich will gar nicht so negativ klingen. Wenn ich im Garten sitze und meiner Tochter beim Trampolin hüpfen zuschaue, weiß ich, dass sich jede einzelne Spritze gelohnt hat. 

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2 comments

  1. Du bist SO eine tolle Frau!
    Ich verstehe die Gefühle, die Du beschreibst sehr gut, und kenne sie auch selbst.
    Lieben Gruß und danke Dir für Dein Update. Alles Gute für Deine wunderbare Familie!

  2. Danke für diesen großartigen Beitrag! Ich habe mich beim Lesen sehr verstanden und weniger allein gefühlt. Mein Sohn ist auch 5 Jahre alt, ich bin 40 und ringe noch mit mir, ob ich noch eine weitere Fehlgeburt ertragen könnte, wenn wir es weiter versuchen würden. Natürlich bin ich unendlich dankbar für unseren wundervollen Sohn, aber dennoch fehlt uns allen das Geschwisterkind in unserer Familie. Ich selbst habe 4 Geschwister und es hilft auch durchaus sich die Vorteile der ‚Mini-Familie‘ vor Augen zu rufen. Aber es bleibt einfach ein Fakt, dass ich es mir anders gewünscht hätte. Der gesellschaftliche Rechtfertigungsdruck macht es nicht leichter. Oft sind es ja gut gemeinte Tipps und Kommentare, aber sie verletzen trotz guter Absicht.

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