Stadtleben

10/03/2017 - 07:15

Stadt-Mama Katharina

Die Geschichte einer Trennung - Interview mit Steffi, deren Mann keine Lust auf Familie hatte

Ihr Lieben, neulich haben wir auf Facebook nochmal den Gastbeitrag von Nadine gepostet, in dem sie beschreibt, dass ihrem Mann seine Freiheit wichtiger ist als die Familie. Daraufhin hat sich Steffi bei uns gemeldet. Auch ihr Mann wollte sich nicht auf die Familie einlassen, nach einem Jahr trennte sich Steffi. Uns hat sie ihre ganze Geschichte erzählt. Lieben Dank für Dein Vertrauen, Steffi!

Liebe Steffi, auch Du hast lange Jahre mit einem Mann zusammen gelebt, der sich nicht auf die Familie einlassen wollte. Erzähl doch mal, wie er sich im Alltag so verhalten hat.

Es begann eigentlich schon während der Schwangerschaft. Das kam für mich überraschend, denn er wollte auch eine Familie gründen. Doch als ich schwanger wurde, begann sein merkwürdiges Verhalten. Er flüchtete. Er war oft unterwegs, machte viel Sport, war Rad fahren oder im Fitness-Studio, besuchte seine Freunde. Er hatte auch keinen Spaß daran, Babysachen zu besorgen. Er hielt sich einfach komplett raus, auch finanziell. Er tat einfach so, als müsse man keine Vorbereitungen für ein Baby treffen.

Am Tag, an dem ich mit dem Baby aus dem Krankenhaus entlassen wurde, holte er uns zwar ab,  aber verbrachte dann den restlichen Nachmittag im Fitness-Center. Ich fand das befremdlich und wenig liebevoll. Ich hatte mir den ersten Tag zu Hause als Familie anders vorgestellt. Aber ich dachte noch, ich wäre wohl zu empfindlich...Vier Wochen lang hatte ich die Hoffnung, dass es gut wird.

Manchmal kümmerte er sich um seinen Sohn, zu mir hielt er aber Abstand. Manchmal malte er unsere Zukunft in den rosigsten Farben aus, versprach dies und jenes - und machte doch nichts. Generell machte er einfach weiter, auf was er Lust hatte, ohne auf mich oder das Kind Rücksicht zu nehmen. Er lebte eigentlich ein Single-Leben und ich war eben jetzt Mutter. 

Hast Du ihn auf sein Verhalten angesprochen und wie war seine Reaktion?

Ich sprach ihn irgendwann ganz direkt darauf an, ob er das alles überhaupt wirklich will. Ich habe ihm die Wahl gelassen und gesagt, dass ich es auch alleine schaffen würde. Er meinte, dass ich da wohl was falsch wahrnehmen bzw. falsch interpretieren würde. Er müsste sich eben erstmal an die neue Situation gewöhnen. Im ersten Jahr nach der Geburt habe ich immer wieder das Gespräch gesucht, aber immer nur wage Antworten bekommen. 

Es hat sich für mich immer angefühlt als ob er das Leben mit uns nur "spielen" würde, wenn es gerade gut ankommt z. B. in öffentlichen Situationen. Seine echtes, authentisches, wahrhaftiges Leben fand aber ohne uns statt. 

Gab es eine oder mehrere Situationen, in denen es Dir besonders aufgefallen ist, dass er keine Lust auf Familie hatte? 

Ja. Immer wieder. Die erste Situation war, als er uns vom Krankenhaus abgeholt hat und gleich weiter zum Fitness ging. Auch in unserem "Familien" Urlaub, in dem er kaum Zeit mit uns verbringen wollte. Und ansonsten in zahlreichen kleinen Aktionen, in denen er einfach sein Ding gemacht hat, ohne auch nur einen Gedanken darüber zu verschwenden, was mit mir und unserem Sohn und unseren Bedürfnissen ist. 

Wann hast Du das erste Mal über Trennung nachgedacht?

Eigentlich schon in der Schwangerschaft.

Und wann und wie lief die Trennung dann ab?

Kurz vor dem ersten Geburtstag meines Sohnes war mir klar, dass ich mich trennen möchte. Ich hatte ein wirklich schreckliches Jahr hinter mir, voller Depressionen und Enttäuschungen und verlorenen Hoffnungen. Dank einer Therapie fühlte ich mich aber recht stabil und wusste inzwischen, dass ich nicht hypersensibel bin, sondern dass mein Ex sich einfach nicht gut verhält. Hinzu kam, dass ich wusste, dass er wieder Kontakt mit seiner Exfreundin hatte. 

Eines Abends saß er dann auf der Couch und jammerte wieder über sein furchtbar schreckliches Leben. Da war das Maß voll und ich sagte,  er solle endlich das Leben leben, das er wirklich leben will: ein Leben ohne uns. Ich sagte, dass er aufhören sollte mir was vorzuspielen. 

Und dann gab er tatächlich zu, dass er nur noch aus Pflichtgefühl bei mir wäre. Das traf mich hart. Ich möchte nicht, dass jemand nur aus Pflichtgefühl bei mir bleibt. Das ist weder mir noch meinem Sohn gegenüber fair. Also sagte ich, er solle ausziehen. Drei Monate später war es dann soweit. 

Ich denke, letztendlich waren wir beide "froh", dass das ein Ende hatte. Das schwierigste war, eine gute Umgangsregelung zu finden. Ich wollte, dass unser Sohn seinen Vater oft und regelmäßig sieht. Unser Sohn war grade mal ein Jahr und ich hatte Angst, dass die beiden keine Bindung zueinander haben, wenn sie sich nicht häufig sehen.

Mein Ex jedoch meinte, er brauche erstmal vier Wochen Ruhe und dann würde er lieber immer spoontan vorbei kommen, so wie er eben Lust hat. Er war unzuverlässig und wollte unverbindlich bleiben. 

Nach langen nervenaufreibenden Phasen hatte sich das eingependelt. Mein Ex hat sich all die Jahre nur im Minimum eingebracht, hat zb. keinen einzigen Geburtstag mitgefeiert oder irgendeine Pflicht übernommen. Bis heute stehen seine Bedürfnisse an erster Stelle. 

Mein Sohn hat das natürlich gespürt und darunter gelitten. Ich habe diese Zeit emotional als wirklich sehr schwer empfunden. Ich wollte beiden nicht im Wege stehen und habe viel dafür getan, dass die beiden zueinander finden. Ich habe Beratungsstellen aufgesucht (ohne ihn, weil er nicht wollte), nach Lösungen gesucht und mir viel vom Vater gefallen lassen, nur damit mein Kind seinen Vater hat. Ich hab ihm alle Türen zu seinem Kind aufgehalten und er hat es letztendlich nicht wirklich gewollt.

Wie ist das Verhältnis heute?

Unser Verhältnis ist heute recht "neutral". Ich hab schon lange mit ihm abgeschlossen und mich interessiert nur, wie es zwischen unserem Sohn und ihm läuft. Unser Sohn hat schon ein paar Mal in den letzten Jahren den Kontakt verweigert. Vor 1,5 Jahren hat er nach etlichen Enttäuschungen den Kontakt Jahren abgebrochen.

Der Vater versteht es nicht und will auch nicht hören, woran es liegen könnte. Das tut mir sehr leid für meinen Sohn. Ich habe es mir anders für ihn gewünscht. Allerdings sehe ich auch, dass es meinem Sohn seit dem Kontaktabbruch besser geht. Ich sehe meine Rolle nur noch darin, dass ich den Vater über wichtige Sachen informiere und schicke ab und zu Bilder. 

Hattest Du zwischendurch mal Zweifel, ob es der richtige Schritt war?

Nein! Keine Sekunde. Sein weiteres Leben und Verhalten nach der Beziehung hat mir nur immer wieder bestätigt, dass es genau der richtige Weg war.

Wie war die erste Zeit alleine ohne deinen Freund?

Die erste Zeit nach der Trennung war hart und befreiend zugleich. Im Vordergrund standen Gefühle wie Wut, Trauer, Enttäuschung und natürlich auch Angst vor dem, was kommt und ob ich das alles schaffen würde. Ich musste mein Leben neu ordnen, finanziell überstehen, wieder anfangen zu arbeiten, mir eine andere Wohnung suchen und neu anfangen. Es war wahnsinnig viel auf einmal und es hat mich enorm viel Energie und Kraft gekostet, aber es war trotzdem GENAU RICHTIG und authentisch. Kein gespieltes Leben mit falschen Hoffnungen mehr.

Warum glaubst Du, bleiben manche Frauen bei dieser Art von Männern, obwohl sie sich so verhalten?

Ich denke, dass Frauen aus vielen Gründen in Beziehungen bleiben die ihnen nicht gut tun. Sie hoffen, so wie ich das getan habe, dass sich etwas ändert, dass der Partner sich ändert oder sie suchen nach Fehlern bei sich selbst. Sie zweifeln an ihrer Wahrnehmung oder lassen sich einreden, Ihre Gefühle und Wahrnehmungen wären falsch. Das war auch bei mir Thema. 

Natürlich ist es auch schwer, wenn der Traum von Familie im herkömmlichen Sinne platzt und das Kind und der Vater nicht zusammen in einem Haushalt leben werden. Es dauert, bis man sich von diesen Vorstellungen lösen kann . Dann ist da sicherlich auch die Angst, dass das Kind durch die Trennung Schaden nehmen könnte. 
Der finanzielle Aspekt ist auch nicht zu unterschätzen, und auch eine sehr reale Sorge. Viele Väter zählen keinen oder nicht die volle Höhe des Unterhalts. Und Hartz IV ist kein Spaß und sehr belastend. Armut bei Alleinerziehenden ist sehr häufig. Auch Arbeit und Kinder unter einen Hut zu bringen ist als Alleinerziehende noch schwieriger. 

Was möchtest Du allen Frauen, die noch nicht wissen, ob sie sich trennen sollen oder nicht, sagen?

Horch in dich hinein und hör auf dein Herz. Eine Trennung ist sicher schwer und niemand trennt sich leichtfertig , die Unsicherheit und Angst vor der Zukunft ist vielleicht groß und dennoch lohnt es sich, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen! Wenn sich dein Leben falsch anfühlt, dann ändere etwas! Warte nicht, bis du krank wirst. 

Ich bin seit 8 Jahren alleinerziehend. Es ist sicher nicht leicht, aber es fühlt sich RICHTIG an.  
Hol Dir Hilfe von Anfang an. Es gibt tolle Beratungsstellen! Vernetze dich mit anderen Frauen, bau dir ein soziales Netz auf. Nutze und konzentriere deine Kraft und Energie auf dich und deine Kinder. 

-----ZUM WEITERLESEN

- Gehen oder bleiben: Will ich diese Ehe noch?

-Ich erlebte Gewalt in der Ehe

- Wie mein Mann und ich wieder zueinander fanden

 

Tags: Trennung, Familie, Ehe, Kind, Scheidung

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Kommentare

Sabrina Beck — Fr, 03/10/2017 - 17:36

Genau richtig gemacht! Auch ich war in einer (fast) gleichen Situation. Nur mit dem Unterschied, das sich mein Exmann erst nach fast 3 Jahren sich von uns distanziert hat. Das gleiche in grün. Fitnessstudio, lange auf der Arbeit gewesen, mit Freunden getroffen, Urlaub alleine gemacht und sogar nachts als nicht nach hause gekommen... Am den Tag als ich ihn raus geschmissen habe, kam raus, das er ein halbes Jahr zuvor ein halbes Jahr ein Doppelleben führte. Er hatte eine Freundin... Es war auch Angst und Befreiung zugleich. Hut ab Steffi! Hast du gut gemacht!

Katha — So, 03/19/2017 - 20:08

Ich kann mich Sabrina nur anschließen. Es klingt als hättest du alles richtig gemacht! So ein Schritt fällt mit Sicherheit Niemandem leicht aber zeigt, dass es manchmal besser ist alleine für ein Kind einzustehen als einen Schein zu wahren. Und es klingt, als hättest du Alles für ein gutes Vater-Kind-Verhältnis getan, was dir möglich war. Am Ende liegt es an den Vätern und wenn diese nicht wollen und nichts dafür tuen, dann ist es leider so. Da muss sich keine Mama schuldig fühlen.

Desiree — Sa, 04/22/2017 - 00:33

Danke, danke, danke. Diese Woche erst zu den 30er Frauen gekommen und einen Tag später die Scheidung. Ich bin erleichtert, denn mir ging es ähnlich wie Steffi. Nun tut es mur gut, zu lesen, dass ich nicht allein bin. Mit kommt es vor, als wäre die Scheidung nur einer von vielen Meilenbrocken. Mein Ex hat sich wirklich nicht gut bekommen und so langsam scheint es, als hätte er nicht nur narzistische-, sondern auch stark manipulative Züge. Auf der einen Seite sagt er, er möchte sich mehr um unsere Tochter (2) kümmern, auf der anderen Seite stellt er sich vor unserer Beratungsstelle, seinen Freunden und dem Gericht als Opfer dar. Er ist ein guter Schauspieler. Seit meiner Schwangerschaft warte ich vergeblich darauf, dass er sich wirklich ändert. Das wird er wohl nicht mehr. Und bis das die Behörden glauben, muss ich mich noch einige Jahre geduldig zeigen....

elle — So, 01/07/2018 - 22:06

auch ich habe mehrere jahre gehofft und versucht zu redem,ihm den weg frei gegeben zu gehen, da er ja eigtl eh nicht wirklich bei uns war, sondern in seiner parallelwelt. dann kam raus, dass zwischen kind 1&2 der werte mann sich eine neue an bord geholt hat, mit der er sich 3,5 jahre (!!!) lang ein anderes leben aufgebaut hat. schlussendlich ist er nun allein. wohnt 2 min entfernt und sieht die kinder alle 2-3 wochen für 5-9 std. mehr ist ihm zuviel.

Ramona — So, 01/07/2018 - 22:47

Es liest sich wie meine eigene Geschichte, in der jemand Kleinigkeiten abgeändert hat, damit man mich nicht damit in Verbindung bringt. Danke! Ich habe mich getrennt als unsere Tochter 8 Monate alt war. Jetzt ist sie 5. Es blieb eh alles an mir hängen und nach der Trennung war es dann auch so. Mit dem entscheidenden Vorteil, dass ich mich nicht ständig ärgern und streiten musste und dass das Weinen aufhörte. Die Zeit mit meiner Tochter nahm deutlich an Qualität zu ohne die Trauer um eine Familie die keine 'richtige' war. Ausser zu Showzwecken für andere Menschen. Egal wie hart besonders die erste Zeit war: ich habe diese Trennung an keinem Tag bereut. Sein Verhalten hat mich nur bestätigt. Ich liebe meine Tochter von ganzen Herzen und ich bin sicher, sie wäre nicht so ein wunderbarer kleiner Mensch, wenn ich an dieser Beziehung festgehalten hätte. Wie kann ein Kind glücklich sein, wenn es den ganzen Tag mit einem unglücklichen Menschen verbringen muss?

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