Pubertäts-Zoff: Ab wann sollte man sich Hilfe holen?

Mein Name ist Steffi, ich habe zwei Kinder, einen Sohn, 9 Jahre alt und eine Tochter, 12 Jahre alt. Der Vater der Kinder lebt schon viele Jahre nicht mehr bei uns und hält sich auch sehr im Hintergrund….

Meine Tochter steht an der Schwelle der Pubertät und natürlich weiß ich, dass diese Zeit nicht einfach ist. Auch für sie nicht. Aber ich merke, dass wir gerade alle nicht glücklich miteinander sind.

Meine Tochter ist geradezu arrogant, wenn sie redet, kommen nur gemeine Dinge aus ihrem Mund. Sie behandelt mich, als sei ich ihre Dienerin, kein Bitte, kein Danke, nur Wollen und Nehmen.

Auch an ihrem Bruder lässt sie kein gutes Haar, sie macht ihn schlecht, er sei hässlich und blöd und überhaupt unnütz.

Natürlich habe ich in den vergangen Wochen versucht, immer wieder mit ihr zu sprechen, ihr zu sagen, dass mir ihr Verhalten weh tut. Ich habe versucht herauszufinden, wie es ihr geht, was sie beschäftigt, warum sie sich in manchen Situationen so gemein verhält. Aber diese Gespräche führen zu nichts. Sie verdreht die Augen und antwortet nicht oder sie explodiert, rennt in ihr Zimmer und knallt die Türen.

Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass wir in einer Sackgasse gelandet sind und die Kommunikation nicht mehr stattfindet. Daher überlege ich, ob ich mir Hilfe von außen hole. Ich glaube, es würde uns gut tun, wenn jemand Drittes vermitteln und das Gespräch führen würde.

Deshalb würde ich gerne von anderen Mamas wissen: Habt Ihr Euch auch schon mal Hilfe geholt? Und wenn ja – wo? Wo geht das schnell und ohne zu großen Kosten? Und wie sind Eure Erfahrungen damit? Hat das was gebracht? Ich freue mich auf Eure Tipps.

Foto: Pixabay



6 comments

  1. Mach Dir keine Sorgen. Es ist völlig normal, dass Kids in der Pubertät mal phasenweise gegenüber den Eltern schwer ausfällig werden.

    Ich erinnere mich selbst, dass ich meinen Eltern die härtesten Beleidigungen an den Kopf geworfen habe, die man sich überhaupt vorstellen kann (ja ich war wirklich schlimm). Ich fühlte mich von meiner Mutter unterdrückt und bevormundet, weil sie versuchte eine Art Ordnung in meinem zusehends chaotischen Leben aufrechtzuerhalten, die aber nicht mehr die meine war. Es war keine einfache Zeit für uns beide. Sie verstand nicht, dass ich ihre Einmischungen (egal wie gut gemeint) einfach nicht mehr dulden wollte und ich verteidigte meine neuen selbstgewählten Grenzen mit kompromissloser Militanz.

    Mittlerweile haben wir wieder ein absolut tolles Verhältnis. Und irgendwie habe ich es geschafft ein anständiger und beruflich erfolgreicher Mensch zu werden, obwohl ich in meiner Zeit als Jugendlicher so ziemlich jeden Mist gemacht habe, vor dem Eltern panische Angst haben.

    Meines Erachtens kannst Du diese Phase am besten einfach aussitzen, wenn Du Dich ein Bissel zurücknimmst und eher eine beobachtende Haltung einnimmst. Gleichzeitig solltest Du aber auch Deine eigenen Grenzen ihr gegenüber verteidigen. Wenn sie ohne Bitte und Danke einfach Dinge von Dir nimmt, dann würde ich diese Dinge halt künftig einschließen und ihr klipp und klar sagen, warum Du das tust. Außerdem solltest Du Deiner Tochter nicht signalisieren, dass Dich ihre Beleidigungen wirklich treffen, denn dann sieht sie Schwäche Deinerseits. Zumindest bei mir war es in dem Alter so: Wer damals mir gegenüber Schwäche zeigte, hatte von da an absolut verloren. Ich habe als Jugendlicher immer nachgetreten, wenn ich gemerkt habe, dass ich eine Autoritätsperson irgendwo treffen konnte.

    Fremde Hilfe kann bestimmt in manchen Fällen helfen. Ich habe das als Jugendlicher allerdings nicht akzeptiert. Für mich war damals klar, dass ich mit Therapeuten, Psychologen u.ä. nicht kommuniziere. Sie repräsentierten ja genau die Welt, gegen die ich rebellierte.

  2. Ich würde mich ans Family Lab wenden. Die haben in jeder Stadt Berater. Und die sind gut ausgebildet und arbeiten nach Jesper Juul. Bei „traditionellen“ Erziehungsberatungsstellen (Kommunen oder Kirchen als Träger) kannst du Pech haben und auf Berater „alter Schule“ treffen, die mit Bestrafungen arbeiten und dir raten, dass du „nur mal ordentlich durchgreifen“ sollst.

  3. Ich kenne deine Situation nur zu gut.

    Meine Nichte lebt bei mir und meinem Mann+Sohn. Mit Anfang der Pupertät wurde das Verhältnis zwischen meiner Schwester und meiner Nichte immer schlimmer, es war als ob sie zwei verschiedene Sprachen sprechen. Egal wie oder was meine Schwester sagte es führte immer häufiger dazu das meine Nichte ausrastete. So banal es klingen mag es gab/gibt keinen anderen Grund als die Pupertät. Um irgendwann wieder einen Weg zueinander zu finden haben wir uns gemeinsam für eine Veränderung der wohnsituation entschieden. Nun ist sie unter der Woche bei uns und am Wochenende gehts zu ihrer Mama und Schwester. Natürlich hat sie auch Unterstützung durch eine Psychologin. Aber das alles hat die Situation um 180 grad geändert und auch für meine Nichte fällt es nun leichter mit ihrer Mutter zu kommunizieren und auch ihre Sichtweise zu verstehen.
    Meine Schwester und ich sind übrigens beide in der Jugendhilfe tätig.

    Was ich eigentlich sagen will, ja trau dich dir Hilfe zu holen. Erziehungsberatungsstellen sind eine gute Anlaufstelle! Das Leben mit deiner Tochter ist noch sehr lang(mit noch vielen schönen gemeinsamen Momenten), lasst es euch nicht durch die Pupertät vergiften.

  4. In so gut wie jeder Stadt gibt es eine oder mehrere Familien- oder Erziehungsberatungsstellen. Man muss i.d.R. nicht lange warten (zuminfest wird es versucht) und es kostet nichts. Meiner Meinung nach kann man 5 Stunden Beratungen in Anspruch nehmen und aber sich ggf. Rat holen, wo mein weitere Unterstützung bekommt.

    Ihr schafft das! 💜

  5. Ich kann dir empfehlen einen Antrag auf Hilfe zur Erziehung zu stellen, dann bekommst du vom Jugendamt einen Familienhelfer vermittelt. Mein Freund hat in dem Bereich gearbeitet und häufig gesagt, er wäre als Jugendlicher froh gewesen so jemanden zum Reden zu haben 🙂

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