Warum positive Gedanken so wichtig für uns Familien sind

Liebe Susanne, Du hast drei Kinder (Tochter 15, Jungs 7 und 8). Wie habt Ihr die letzten Monate und vorallem den ersten Lockdown erlebt?

Ehrlich gesagt konnten wir die Zeit ganz gut genießen. Ich fand es sogar super, mal gar keine Termine zu haben und auch nichts planen zu müssen. Wir wohnen mitten auf dem Land zwischen Feldern und umgeben von Landwirtschaft. Meine Jungs waren sehr viel auf dem Bauernhof nebenan und haben die Bauern unterstützt. Meine Tochter im Teenie-Alter hat schon unter dem “Social Distancing” etwas gelitten, aber die Jugendlichen heute sind ja virtuell sowieso immer miteinander verdrahtet, so ließ es sich für sie auch aushalten. 

Schwierig war für mich persönlich das Thema Homeschooling. Da bin ich auf einige Glaubenssätze gestossen (“Das Kind muss doch was tun”, “Wenn das die Vorgabe der Schule ist, muss das erledigt werden” etc.) Und da vor allem die Jungs oft wenig Lust hatten, war das ein sehr spannender Prozess, hier auch loszulassen und in der Situation lieber den Familienfrieden zu wahren, als auf die Erledigung des 20. Arbeitsblattes mit 1×1 Aufgaben zu pochen.

Ich muss aber auch sagen, dass unsere Schule einen wirklich tollen Job gemacht hat und auch für die Jungs relativ schnell mehrmals am Tag Videokonferenzen, auch in Kleingruppen, angeboten hat. Das hat schon viel gebracht.

Du hast uns gesagt, dass es dir wichtig ist, mit deinen Kindern positive und bewusste Gespräche zu führen. Warum ist dir das so wichtig und wie bindet Ihr das in Euren Alltag ein?

Ich beschäftige mich seit ein paar Jahren mit Persönlichkeitsentwicklung und positiver Psychologie. Mir ist einfach bewusst, wieviel unser Denken mit dem zu tun hat, wie unser Leben aussieht. Ganz platt: Wenn wir immer nur jammern und nörgeln und überall das Schlechte sehen, geht es uns schlecht. Wenn wir bewusst das Positive im Leben sehen und dankbar sind, ist unsere Grundstimmung eine ganz andere und das Leben ist leichter und viel gelassener. Das möchte ich meinen Kindern von klein auf mitgeben.

Im Alltag lebe ich es vor allem vor. Wenn etwas los ist, was mich z.B. ärgert, versuche ich sehr schnell, das Positive zu sehen und mir auch bewusst zu machen, was mir das jetzt “sagen soll”. Damit ich etwas daraus lerne und es verändern kann.  Das teile ich auch offen mit den Kindern. Und genau so helfe ich ihnen natürlich, bestimmte Situationen anders zu betrachten und den Blick auf die Möglichkeiten und Lösungen zu richten.

Das kann ich natürlich aus meiner Arbeit als Mama-Coach auch besonders gut. Lustig ist, dass meine Kinder das inzwischen oft schon für mich machen.. wenn ich gerade doch mal über etwas schimpfe, dann sagen sie “Hey Mama, denk doch mal positiv” 🙂 

Genau dafür hast du die Daily Cards entwickelt. Erzähl mal, was es damit genau auf sich hat. 

Ich wollte gern ein tägliches Ritual, was dieses Denken unterstützt, bei uns in der Familie etablieren. Ein Ritual, an dem die ganze Familie Spaß hat, das nicht langweilig und zu routiniert wird. In vielen Familien wird ja abends den Kindern die Frage gestellt: “Was war heute das Beste?”, damit sie mit positiven Gedanken einschlafen. Das wollte ich gern noch ausbauen, um es ein bisschen spannender zu machen und vor allem die ganze Familie zu involvieren.

Daher dachte ich schnell an ein Kartenset mit verschiedenen Fragen zum Tag. Kartenziehen macht den Kindern bekanntlich ja immer Spaß. Da ich nichts entsprechendes gefunden habe, habe ich selbst eins entwickelt. Es sind 50 Fragen, zu denen die ganze Familie antworten darf.

Es geht um Positives, Erfolge und Spaß (“Welches Problem habe ich heute gelöst und wie?”). Aber auch um Fehler oder negative Erfahrungen und was daraus gelernt werden darf (“Was ist heute nicht so gut gelaufen?”). Auch der Bezug zu anderen Menschen wird thematisiert (“Was war meine schönste Begegnung heute?” oder “Wen habe ich heute zum Lachen gebracht?”). Wir ziehen immer eine Karte beim Abendessen und alle beantworten die Frage.

Die Kinder fordern das richtig ein und wir Eltern erfahren oft spannende Geschichten. Und die Kinder bekommen mit, dass auch wir Eltern einen Alltag haben, wenn sie in der Schule sind. 

Jetzt könnte man fragen: Wozu brauche ich diese Karten? Ich kann die Fragen doch auch so stellen. 

Ja, klar. Aber so bekommt dieser Austausch ein spielerisches Element und bleibt abwechslungsreich. Wer nimmt sich schon vor, sich jeden Abend eine Frage auszudenken? So ist weit entfernt von den durchaus noch üblichen “Wie war es heute” – “gut” – Frustgesprächen. Ich kenne viele Eltern, die beklagen, dass die Kinder so wenig erzählen. Auf diese Weise gibt es jeden Tag mindestens einen Moment, in dem alle im Austausch sind.

Übrigens liebt auch meine Teenie-Tochter die Karten und macht gern mit. Und die Kleinen kramen die tollsten Erlebnisse raus. Das ist wirklich großartig. Und genau das berichten auch andere Familien, die die Daily Cards schon nutzen. 

Aus deiner Feder gibt es auch noch die Morning-Cards. Was ist das und wie können sie den Start in den Tag verändern?

Nachdem ich wegen der Daily Cards so positive Rückmeldungen bekommen habe, war meine nächste Überlegung natürlich, nicht nur den Tag gut abzuschließen, sondern ihn auch gut zu beginnen. Die Morning Cards sind 50 positive Sätze, die den Fokus auf etwas Gutes für den Tag richten. Wir ziehen eine beim Frühstück. Es sind Sätze wie “Ich gehe mit Offenheit und Neugier durch die Welt” oder auch einfach “Ich geniesse”. Ich frage dann immer, für welche Situation am Tag das vielleicht besonders hilfreich oder einfach schön ist, diesen Gedanken im Kopf zu haben.

Und ich bin sicher, wenn die Situation kommt, ist dieser Satz noch im Unterbewusstsein und unterstützt. Außerdem ist das Kartenziehen und so ein schöner Gedanke in der hektischen Morgenphase einfach auch für einen Moment entspannend. 

Gerade in dieser Zeit ist es ja nicht ganz leicht, immer positiv zu bleiben. Was machst du, wenn du traurig oder deprimiert bist? 

Das ist eine gute Frage. Ich habe einige Strategien entwickelt, obwohl traurig und deprimiert eher selten vorkommt. Eine ist auf jeden Fall, das erstmal bewusst anzunehmen, dass es mir nicht so gut geht. Und dann alle Aktivitäten und Stress entsprechend runterzufahren. Als nächstes besinne ich mich auf Dankbarkeit. Wenn ich mir bewusst mache, was ich alles habe und wie dankbar ich dafür sein kann, relativieren sich die negativen Gedanken sehr schnell. Manchmal schreibe ich dann einfach eine Liste mit 10 Punkten, für die ich dankbar sein kann und fühl da rein. Das tut total gut.

Dann gönne ich mir etwas Schönes und vor allem Zeit. Eine heiße Badewanne bei schöner Musik und Kerzenschein wirkt bei mir immer Wunder. Oder eine Playlist mit ruhiger, aber optimistischer Musik – oder eine, auf die ich richtig abtanzen kann. :-). Seit kurzem habe ich angefangen zu joggen, das ist auch eine Wunderwaffe, schon weil ich dann immer so stolz bin, dass ich wieder losgelaufen bin. Wie gesagt, wichtig ist, dass ich die Gefühle erstmal annehme, dann aber auch bewusst entscheide, da nicht drin stecken zu bleiben. Die Morningcards helfen da übrigens auch … 

Und weil wir Susannes Karten so toll finden, verlosen wir zwei Kartensets an Euch – schreibt uns einfach dazu in die Kommentare, was Euch gerade dankbar macht. Das Los entscheidet dann. Viel Glück!

MEHR INFOS ZU DEN KARTEN UND SUSANNE FINDET IHR HIER: https://www.happylittlesouls.de



65 comments

  1. Hallo Ihr Lieben! Dankbar bin ich, dass uns der neuerliche Lockdown nicht allzu sehr trifft. Ich liiiebe solche Kartendecks! Und nehme sie gerne in verschiedenen Lebenslagen her. Fragen und Gedanken und Fragen zum Abend und Morgen habe ich noch nicht. Daher würde ich mich total darüber freuen! 🙂 Lilly

    1. Ich bin dankbar dafür, dass meine Kinder gesund zu Oma und Opa konnten und mehrere Tage bei ihnen verbringen durften, bevor nun Schule und Einschränkungen wieder losgehen.

  2. Positive Gedanken beeinflussen den Körper(und den Geist). Ich bin Dankbar das die Ausbildung zur Krankenschwester machen darf und nächstes Jahr mit Sicherheit einen tollen Job bekommen werde. Das Leben ist einfach super… Ich habe alles wofür ich echt jede Sekunde Dankbar sein kann. Liebe Grüße, Jenny

  3. Ich bin dankbar, dass ich 3 gesunde Kinder habe und wir uns keine Sorgen, um unser Einkommen machen müssen. Gerade in Corona Zeiten fällt es schwer das Positive zu sehen, wie mehr Zeit als Familie, weniger Termindruck und soziale Erwartungen. Die Karten fände ich toll, um mit den Kindern spielerisch ins Gespräch zu kommen.

  4. Wieder ein sehr schöner Artikel! Ich bin dankbar für meine Töchter und jedes Baby,was momentan in meinem Freundeskreis unterwegs ist und die Welt ein ganzes Stück leichter macht 😊.

  5. Ich bin dankbar, dass wir als Familie ein Zuhause haben, gut versorgt sind und in einem Land leben, wo auch von staatlicher Seite gewissen Gelder und Unterstützung gewährleistet sind. Da wir lange Zeit im Ausland gelebt haben wissen wir, dass vieles was für uns ganz normal ist keinesfalls selbstverständlich ist.

  6. Ich bin dankbar für meine Familie und dass wir alle gesund sind. Diese Krise lässt ganz demütig werden und so kann ich die einfachen Dinge wieder zu schätzen wissen.

  7. Das ist eine wunderbare Idee und gerade jetzt wäre es genau das Richtige für uns vier, denn irgendwie hängen wir gerade durch und brauchen positive Impulse 🙏
    Dankbar bin ich dafür, mit liebenden Menschen durch das Leben gehen zu dürfen und dafür, ein Zuhause zu haben, in dem ich mich geschützt und geborgen fühle.

  8. Ich bin dankbat dass wir Freunde haben mit denen wir auch in der eingeschränkten Zeit was erleben oder einfach nur reden können. Dass wenigstens bei meinem Mann der Job sicher scheint. Und dass die Schule weiter offen ist.

  9. Ich bin dankbar dafür, dass wir in dieser schwierigen Zeit gesund sind, dass wir einander haben, dass es gerade in unserer kleinen Familie recht harmonisch läuft (auch wenn wir uns natürlich manchmal streiten).

  10. Obwohl ich gehörlos bin und auf Hindernisse stoßen muss(te), bin ich dennoch dankbar für mein Leben. Und auch für die Gesundheit meiner Familie (Hörbehinderung ist ein Teil von mir und ich sehe es nicht als Krankheit/Behinderung 😉 )

  11. Ich bin dankbar für einen tollen Mann, zwei wundervollen Kindern, einen tollen Job und super Freunden. Nach einem extremen Tief kann ich das Leben nun voll genießen ♥️

  12. Servus, ich bin dankbar für die Unterstützung meines Mannes. Mit setzt die ganze Situation momentan sehr zu. Das war im Frühjahr anders…quasi getauschte Rollen.

    1. Ich bin sooo dankbar, dass ich eine gesunde Familie habe.
      In der Woche der Geburt meines 3.kindes ist meine geliebte Mutter an Krebs gestorben.das hat meinen Blickwinkel verändert

  13. Bei mir wurde letzte Woche festgestellt, dass ich am Herzen kurzfristig operiert werden muss. Als Mutter von 2 Kindern (11 und 13) fällt es mir gerade wirklich schwer, so eine bemerkenswerte gute Einstellung zu haben. Evtl könnten die Karten mir helfen 😪

  14. Dankbar für meinen wunderbaren Mann, wir halten zusammen, sind ein gutes Team und meistern die Hürden des Alltags mit unseren drei Kindern… .
    Schöne Idee mit den Karten… inspirierend!

  15. Dankbar dafür, daß unsere Familie zusammenhält und sich gegenseitig wieder aufrichtetwenn wir mal down sind, was dank Corona wohl jeden irgenwann mal passieren dürfte

  16. Eine fantastische Idee in dieser Zeit!
    Mich macht es gerade sehr dankbar, dass mein Mann durch die Möglichkeit im Home Office zu arbeiten ganz viel Zeit für unseren kleinen Sohn hat, da der lange Arbeitsweg entfällt. Da hat Corona wenigstens noch etwas Positives

    1. Eine wunderschöne Idee und ein tolles Gewinnspiel. Besonders dankbar bin ich tatsächlich darüber gesund zu sein, das meine Familie und meine 3 Kinder gesund sind. Im März ging es mir ziemlich schlecht und ich versuche tatsächlich das positive in negativen Dingen herauszufiltern. Dazu wären die Karten prima, insbesondere meine Kinder mit einzubeziehen.

    1. Ich bin dankbar dafür, dass meine Familie & Freunde gesund sind und dass mir die letzten Monate (auch durch Corona) klar gemacht haben, dass es im jetzigen Job so nicht mehr weitergehen kann. Endlich habe ich den Mut, etwas zu ändern.

  17. Ich bin gerade so dankbar dafür, dass ich noch in Elternzeit bin und so jeden Tag mit meiner Tochter verbringen kann, ohne über Krippenschließung oder Home Office nachdenken zu müssen … und natürlich, dass es uns allen gut geht!

    1. Ich bin dankbar dafür, dass mein Mann gerade eben spontan beschlossen hat beide Kinder mit ins Familienbett zu nehmen und ich somit nicht nur einen frühen freien Abend habe, sondern auch die ganze Nacht alleine auf der Matratze im Kinderzimmer schlafen kann. Mit Glück ohne Unterbrechung aber wer kann das schon vorhersehen. 😉 Die Karten wären perfekt, da wir uns tatsächlich jeden Abend die gleiche Frage stellen und schon langsam die Luft raus ist.

    1. Ich bin dankbar dafür, dass wir in dieser Zeit gesund sind und beide einen Job haben, der von dieser Krise profitiert.
      Weiterhin bin ich dankbar ein wundervolles Kind zu haben, welches unbeschwert groß werden darf.
      Irgendwo ist auch eine solche Krise gut. Man erkennt nämlich in dieser Situation erstmal was man wirklich hat und weiß es zu schätzen.

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