Kinderzimmer aufräumen ohne Zoff: Eine Expertin verrät ihre Tipps

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„Dein Zimmer sieht wieder aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen!“ Erst neulich habe ich mich wieder dabei ertappt, wie ich genervt zu meinem Kind gesagt habe: „Dein Ernst? Seit 2 Stunden räumst du auf und es sieht hier immer noch chaotisch aus!“ Meine Tochter schaute mich ganz traurig an – denn in ihrer Welt machte sie seit 2 Stunden einen Bomben-Job! Sie hatte alle Tierchen persönlich angesprochen, ihnen das Fell gebürstet und überlegt, welche Kleidung sie im Schrank tragen sollen. Und so war das Kinderzimmer zum Streitpunkt geworden, mal wieder….

Aufräumen und Ordnung halten ist einer der häufigsten Stressfaktoren für Eltern

Wusstet ihr, dass bei Müttern das Stresshormon Kortisol extrem in die Höhe schießt, wenn sie sehen, dass ihr Kind ein Spielzeug fallen lässt? Dazu gab es eine eigene Studie der UCLA in Kalifornien. Generell haben Mütter, die denken, ihr Zuhause sei unordentlich einen viel höheren Stresspegel als Mütter, die ihr Zuhause ordentlich finden.

Wenn du also weniger Stress in deinem Leben haben willst und auch keine Lust auf ständigen Zoff mit dem Kind hast, dann darfst du diese Fehler NICHT machen:

  • Deine eigene oder Marie Kondo’s Ordnungslogik dem Kind einprägen wollen. Erwachsene sind so unterschiedlich, wenn es um Ordnung und Aufbewahrungssysteme geht – Kinder sind da nicht anders. Versuchen wir ihnen unsere Art zu organisieren,  aufzudrängen, werden sie es nicht machen – weil sie es nicht verstehen. Wenn wir eine bestimmte Methode durchsetzen wollen und es nicht klappt, laufen wir Gefahr, dass das Kind das Gefühl bekommt, nicht gut genug zu sein. Außerdem verändert sich das Gehirn des Kindes regelmäßig – und deshalb muss es die Freiheit haben, die eigenen Sachen so organisieren und sortieren zu können, wie es möchte.
  • Ohne die Genehmigung des Kindes etwas ausmisten. Ab ungefähr 4 Jahren merken die Kinder sich fast alles, was sie haben und hängen emotional an den kleinsten Papierschnipseln.  Heimliches Wegwerfen ist ein großer Vertrauensbruch – was dir lange vorgeworfen werden kann. Ich hatte neulich eine Kundin, die ein schweres Verhältnis zu ihrer Mutter hat. Als wir im Coaching versuchten zu entdecken, woran es liegt, erzählte sie, wie ihre Mutter vor 25 Jahren ihre Lieblingskleider weggegeben hatte. Dieses Verhalten der Mutter hat sich wie ein roter Faden durch ihre Beziehung gezogen. Dieses Gefühl musste sie dann erst einmal verarbeiten, um unbeschwerter mit ihrer Mutter umgehen zu können. 
  • In das Kinderzimmer reinbrüllen. Wenn Eltern etwas nicht passt, stellen sie sich oft in den Türrahmen und brüllen ihren Frust in das Zimmer hinein. Aus der Perspektive des Kindes sehen Erwachsene sowieso schon groß aus. Stellt man sich noch in den Türrahmen, wirken wir noch dominanter. Es ist sehr wichtig, dass das Kinderzimmer eine sichere und gewaltfreie Zone für das Kind bleibt. So kann es sich emotional besser entwickeln. Genau wie wir Erwachsenen brauchen Kinder auch einen sicheren Rückzugsort, um die Welt zu verarbeiten und sich Neues zu trauen.
  • Deine Kleider oder andere Haushaltsgegenstände im Kinderzimmerschrank aufbewahren. Das entdecke ich sehr oft bei Kindern, die der Mutter gegenüber häufig frech und respektlos sind. Die Botschaft, die du als Mutter oder Vater unbewusst deinem Kind schickst, wenn du dich auch bei ihnen im Zimmer ausbreitest: Ich respektiere dein „Revier“ nicht – und daher respektiere ich dich auch nicht. Wenn Kinder älter werden, kommt dieses Gefühl an die Oberfläche und kann das Teenagerverhalten oft noch verschlimmern. 

Warum wir nicht den Einrichtungstrends auf Instagram und Pinterest folgen sollten

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Die top gestylten und nach Farbe organisierten Kinderzimmer sind traumhaft anzuschauen, aber ein Albtraum für das echte Leben und unsere Psyche. Eine Kundin hatte immer das Gefühl sehr angespannt zu sein und sich keine Pausen zu gönnen. Ich fragte, wie ihr Zuhause aussieht und wie sie Ordnung hält. Das, was sie mir erzählte, war der Durchbruch. Ihre Wohnung sei sehr minimalistisch eingerichtet und sie räume immer alles sofort an den richtigen Platz. Als ich sie fragte, wie es bei ihr Zuhause als Kind war, antwortete sie: „Meine Mutter war Architektin und ich durfte nie etwas herumliegen lassen – nicht einmal in meinem eigenen Zimmer.“ 

Lieber authentisch als schön! Das Kinderzimmer und das Elternhaus prägen unser gesamtes Leben. Deshalb sollten wir sehr achtsam mit diesen Räumen und dem, was wir in ihnen tun, umgehen.

Diese Fragen solltest du dir stellen, bevor du das Kinderzimmer neu einrichtest:

  1. Ist das Zimmer altersgerecht? An was muss das Kind alleine heranreichen? Und was muss es jetzt und in den nächsten 2 Jahren können? 
  2. Was braucht mein Kind, um sich zu entspannen und zu konzentrieren? Dabei spielt die Ich-Perspektive keine Rolle: „Was glaube ich, braucht mein Kind zum Entspannen?“ Sondern: „Was kann ich beobachten? Was/Wovon erzählt mir mein Kind, was es zur Entspannung und Konzentration braucht?“
  3. Hat mein Kind eine seelische Behinderung oder Erkrankung? Wie oft sehe ich Eltern, die nicht zugeben wollen, dass ihr Kind „anders tickt“. Unter seelischer Behinderung verstehe ich zum Beispiel Depression, ADHS, Autismus oder Asperger. Es ist sehr traurig, wenn Eltern es in ihrem eigenen Zuhause auch nicht wahrhaben und /oder zugeben wollen – denn Räume für diese Kinder brauchen andere Tipps. Ist der Raum nicht für das Kind geeignet, könnte die Behinderung stagnieren oder sogar noch schlimmer werden. 
  4. Kann ich damit leben, dass das Kinderzimmer anders aussieht? Wenn du die Persönlichkeit und das Alter deines Kindes ernst nimmst, kann es vorkommen, dass dieser Bereich etwas anders aussieht als die anderen Wohnbereiche – und dir persönlich nicht gefällt. Kannst du wirklich damit leben? Wenn nicht, müsst ihr unbedingt eine Lösung finden, damit alle happy sind. 

Involviere dein Kind so gut wie möglich in der Raumplanung und Gestaltung – denn es ist nun mal sein/ ihr Revier.

3 Beispiele, worauf du Zuhause achten kannst, wenn es mit der Erziehung nicht so gut klappt:

  • Hat dein Kind das größte Zimmer bekommen? Dies könnte es unterbewusst so interpretieren,  dass es die wichtigste Person im Haus ist und somit auch überall das Sagen hat.
  • Sitzt dein Kind am Kopfende des Esstisches? Dann könnte es das Gefühl bekommen, der König/ die Königin zu sein. Automatisch setzen sich nämlich die Familienoberhaupte oder Chefs an diesen Platz. Ein Platz, aus dem man die ganze Familie im Blick und automatisch, unter Kontrolle hat.
  • Gibt es nur alte Babybilder im Haus zu sehen? Dann schickst du unbewusst die Botschaft, dass du es immer noch als kleines Kind war nimmst. Oft zeigt sich das durch die Art wie Eltern mit ihnen reden und was sie ihnen zutrauen. Diesen Satz kriegen sie dann oft zu hören: „Ich bin doch kein Baby mehr!“. Eltern wundern sich dann, warum die „Kleinen“ rebellieren.

Fazit: Eltern vergessen die Räume, wenn es mit der Erziehung nicht so gut klappt. Wer ein harmonisches Familienleben führen möchte, sollte auch auf die Raumgestaltung achten.

***

Über die Autorin

Katia Steilemann wohnt in Köln und hat zwei Kinder. Beruflich ist sie Präventologin, Mental Coach & Raumexpertin. Sie zeigt wie Räume wieder zu Kraftquellen werden und welche Gewohnheiten Menschen darin lernen können, damit es ihnen endlich wieder gut geht. Mehr Infos unter www.steilemann.com 

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Katia Steilemann Foto Presse small

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8 comments

  1. Ok dann gebe ich mal ein paar praktische Tipps:
    — weniger ist mehr. Spielsachen die nicht benötigt werden, konsequent gemeinsam ausmisten und aus dem Zimmer räumen. Wenige Dinge lassen sich leichter in Ordnung halten.
    — ein kindgerechtes Ordnungssystem haben: keine Vitrinen in denen es chic aussehen soll sondern Kisten. Z.B. Lego kommt in die Blaue Kiste, Puppensachen in die Grüne.
    — jeden Abend gemeinsam aufräumen. Mit dem Kind besprechen, womit am nächsten Tag noch gespielt wird, alles andere wird gemeinsam weg geräumt. Kinder schaffen es nicht, viele Dinge allein weg zu räumen. Dabei brauchen sie Anleitung und Motivation.
    — gelassen bleiben: was ist das schlimmste, was passieren kann? Dass man durch einen Legostein auf den man tritt Balett lernt?

  2. Hallo Ihr lieben,
    ich finde die Kommentare hier super spannend.
    Sorry wenn ich nicht die richtige Wortwahl getroffen habe, deutsch ist nicht meine Muttersprache und es ist für mich eine ganz grosse neue Herausforderung einen Gastbeitrag in dieser Sprache zu schreiben. Den deutschen Satz „besondere / individuelle Anforderungen“ nehme ich gerne auf für zukünftige Artikel.

    Ich wollte hier keinen beleidigen oder in einen Sammelbegriff stecken. Mein Punkt ist einfach, dass ich jeden dazu sensibilisieren möchte, achtsamer mit den Räumen und der Umgebung umzugehen. Es gibt ganz vieles was man selbst in Räumen „lesen“ kann um die Familiendynamiken zu erkennen und sogar Hinweise zu Änderungen die wir in der Erziehung vornehmen können – denn Erziehung wandelt ständig. Wenn man glaubt „so, jetzt sind alle zufrieden“, kommt die neue Phase und das Kind braucht wieder etwas anderes.

    Lass uns generell toleranter, offener und achtsamer mit anderen umgehen und beobachten, wie sich das in unseren 4 Wänden materialisiert (zeigt)

    Liebe Grüsse und ich hoffe ihr habt hier auch etwas neues oder curioses über mein Hernzensthema lernen können.

    Beijos, eure Katia

  3. ok. und wenn das alles nicht der fall ist und die kinder bis sie ca 5 sind trotzdem nicht aufräumen ohne drama?
    also so richtig zum thema aufräumen hilft das nicht. sagt doch eher wie man das heim gestalten soll.

  4. Sorry, aber der Punkt zu seelischer Behinderung geht gar nicht.
    Es heißt auch nicht Autismus oder Asperger. Das heißt Autismus Spektrum Störung. Dieser ganze Punkt ist unverschämt und eine Diskriminierung Eltern gegenüber, die ALLES für ihre beeinträchtigten Kinder tun.
    Kein normaler Erwachsene ignoriert eine Form vom Autismus beim Kind – Autismus beeinträchtigt eine Familie so stark, dass alles darauf ausgelegt wird – auch das Kinderzimmer.

    1. Es ist aber korrekt geschrieben? Der Fachbegriff für diese spezielle Form von Autismus lautet Asperger Syndrom. Autismus ist der Sammel-, Überbegriff für alle Formen davon. Autismus gibt es in zahlreichen verschiedensten Formen und Ausprägungen. Das Sie sich derart persönlich angegriffen fühlen von Fremden(!) zeigt eher dass es schon zu lange her ist, daß Sie bei sich selbst waren. Ich wünsche Ihnen Entspannung und tun Sie sich bitte etwas Gutes! Sie sind komplett aus dem Gleichgewicht.

    2. Inwiefern werden hier Eltern benachteiligt, die alles für ihre Kinder tun?Um die geht es doch gar nicht.

      Es geht um Eltern, die verdrängen/nicht wahrhaben wollen, dass ihre Kinder (z.B.) eine Autismusspektrumstörung oder das ADHS haben (könnten) und deshalb Verhaltensweisen von ihnen verlangen, die sie aufgrund ihres Krankheitsbildes nicht leisten können.

      Wer wird denn da benachteiligt? Und warum fühlst du dich davon angegriffen?

    3. Was die Bezeichnungen zu ‚Asperger‘ etc. angeht stimme ich zu, diese ist tatsächlich etwas ungünstig gewählt. Auch ist es keine „Seelische“ Behinderung…Seelen und das ganze drumherum lässt man lieber mal in der Religion verortet.l, sonst kippen wir sehr schnell in die Esoterik.

      Ansonsten kann ich dir nicht zustimmen. Ich kann aus eigener Erfahrung (Mensch mit Behinderungen) sagen: es gibt sie MASSENWEISE. Eltern die nicht einsehen wollen, dass ihr Kind „anders“ ist, die es partout nicht zugeben wollen etc. und immer hoffen, dass man „da doch bestimmt was machen kann“ etc. Ich habe das schon oft von der eigenen Verwandtschaft erlebt, oder von Eltern kleiner Kinder die frisch diagnostiziert wurden. Da gibt es eine Menge Leute die den Kopf mit großem Eifer sehr tief in den Sand stecken.
      An dieser Stelle muss ich die Autorin in Schutz nehmen. Evtl. haben Sie das große Glück und sind von „normalen“ Erwachsenen umzingelt. Viele Menschen mit Behinderung sind es leider nicht…

    4. Puh, bei dem Punkt musste ich auch schlucken. Ich habe selber ADHS und als “seelisch behindert“ eingestuft zu werden ist richtig unverschämt und sehr verletzend. Selbst in meiner Kindheit vor 25Jahren wurde schon therapeutisch neben Verhaltenstherapie u.a. auch mein Kinderzimmer und das Aufräumen als ganz zentraler Punkt begleitet. Das war damals schon Standard. Abgesehen davon sollte ein*e Mental Coach mittlerweile auch von der Debatte rund um das Wort “Behinderung“ gehört haben und sensibilisiert sein. Es ist nun wirklich ziemlich einfach umzuformulieren à la “besondere/individuelle Anforderungen“.

      Der Artikel lässt sich kurz zusammen fassen: Schaut auf eure individuellen Bedürfnisse und Ressourcen und gestaltet entsprechend die Wohnung. Und da finde ich, sollte eses auch ok sein, wenn im Spielzimmer das Bügelbrett hinter der Tür steht und unter dem Bett das Zelt für den Campingurlaub, weil genau da ein sinnvoller (vllt. der einzige?) Platz ist, und im Gegenzug im Wohnzimmer das Puppenhaus. Und ich finde, es ist auch ok, wenn das Kind an der Stirnseite des Tisches sitzt. Oder soll der “Hausherr“ dort sitzen und Mutti in Herd-Reichweite? So ein Quatsch.

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