Weniger ist mehr – Über´s Ausmisten und Aufräumen mit Kindern

Ihr Lieben, vielleicht wollt ihr ja die anstehenden Feiertage fürs Ausmisten nutzen und euch von dem trennen, was sich in 2021 angesammelt hat. Dann haben wir hier einen tollen, nützlichen Text für euch. Er stammt von Gunda, sie hat das „Großen Aufräumbuch für die ganze Familie“ geschrieben. Dieser Text ist ein bisschen länger als unsere üblichen Texte, enthält aber wirklich sehr sinnvolle Gedanken und Anregungen. Also macht es euch gemütlich und bleibt dran!

Die meisten von Ihnen lesen vermutlich diesen Text, weil Ihnen mit Ihrem Kind (erst recht mit mehreren Kindern) die Dinge über den Kopf zu wachsen drohen. Mit den Sachen aus dem Kinderzimmer verhält es sich häufig so wie mit dem süßen Brei aus dem Märchen: Irgendwie werden es immer mehr und mehr, und sie scheinen aus allen Ritzen, Spalten, Kisten und Schränken zu quellen, sobald man auch nur die Tür öffnet. Nicht ohne Grund nennt die griechische Mythologie das Ausmisten (des Augias-Stalls) als eine der zwölf herkuleischen Heldentaten, für die es der Sage nach zumindest eines Halbgotts bedurfte, um der Aufgabe Herr zu werden. 

Aber keine Sorge, das Ausmisten ist gar nicht so schwer, wenn man es richtig angeht. Denn schnell steckt man sich zu hohe Ziele und gibt dann irgendwann erschöpft auf, bevor man sie erreichen konnte. Unterschätzen Sie deshalb den Arbeitsaufwand nicht – das Ausmisten eines Kinderzimmers kann locker mal 20 Stunden benötigen, die Sie am besten auf mehrere Tage verteilen. Planen Sie dafür idealerweise »Slots« ein, die Sie mit Ihren Kindern abstimmen und in Ihren Kalender eintragen. So können Sie – neben Ihren anderen Aufgaben und Verpflichtungen – das Ausmisten und Wegbringen der Dinge zusammen mit Ihren Kindern ohne zusätzlichen Stress bewältigen. 

Etappenziele sind wichtig

Etappenziele haben den Vorteil, dass sie überschaubar sind und Erfolgserlebnisse so gut wie garantieren. Übersichtlicher und effektiver, als sich einzelne Orte (wie z. B. ein Regal), vorzunehmen, ist es, Gleiches zu Gleichem, also nach Kategorien zu sortieren, etwa erst alle Brettspiele, dann die Bücher, schließlich die Kuscheltiere, die Schulsachen und so weiter. Das bedeutet, auch die Spiele im Wohnzimmer, die Kinderkleidung im Keller oder die Malsachen in der Küche beim Aussortieren mit zu berücksichtigen. Nur so stellt sich dann tatsächlich das Gefühl der »Tiefenreinigung« ein. 

Legen Sie die so kategorisierten Dinge auf einen großen Tisch oder eine größere Fläche. Sie werden sich wundern, wie viele Bälle Ihr Kind besitzt, mit Erstaunen feststellen, dass Ihr Haushalt über drei Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiele verfügt und über zwölf Kinderrucksäcke oder dass sieben von den 20 Socken keine Partnerin mehr haben.

Bei jedem Ding, das Sie in die Hand nehmen, sollten Sie ihrem Kind und sich die folgenden fünf Ausmist-Fragen stellen: 

1. Braucht mein Kind das noch?

Egal, ob es um Kleidung, Spielzeug oder zum Beispiel um Sportgeräte wie ein Skateboard geht: Heben Sie nichts auf, von dem Sie glauben, man könne es „irgendwann“ nochmal gebrauchen. Das ist meistens nur eine Ausrede. Fragen Sie, ob Kleidung wirklich noch passt, ob sie von Ihrem Kind noch gerne angezogen wird, und wann bestimmt Spielzeuge oder Sportartikel das letzte Mal ernsthaft benutzt wurden. Gibt es jemanden, der oder die diese Dinge mit Sicherheit noch haben möchte, zum Beispiel ein Geschwisterkind?

2. Wie viel davon braucht mein Kind?

Eine gründliche „Inspektion“ ergibt meistens, dass man von allem viel hat. Auch zu viel. Was macht ein Kind mit drei Federmäppchen, doppelten CDs oder Büchern oder einem Dutzend warmer Schals? Eine kleine Reserve oder das Nebeneinander von zwei, drei Lieblingsstücken ergibt Sinn, nicht aber überzählige Doppelgänger oder Reststücke (z.B. einzelne Schachfiguren). Sprechen Sie mit ihrem Kind, was ihm wirklich wichtig ist. 

3. Liebt es mein Kind?

Liebt mein Kind dieses Stofftier mit den großen Glubschaugen wirklich, das es von seiner Großtante geschenkt bekommen hat? Warum lag es dann wochenlang unter dem Bett und wurde nicht vermisst? Und was ist mit dem rosafarbenen Spielzeuggeschirr – das ist in letzter Zeit auffallend selten aus seiner Schachtel geholt worden. Fragen Sie also ihr Kind: Magst Du dieses Tier / Spielzeug wirklich?

4. Ist es noch in Ordnung? 

Von dem Puzzle fehlen schon drei ganz wichtige Teile, vermutlich ist es deshalb schon länger nicht mehr ausgelegt worden. Beim einem Schlittschuh müsste die Kufe ausgetauscht werden und dem Rennauto fehlt ein Rad. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, was unbedingt noch repariert werden soll und erledigen Sie das zeitnah. Defekte Dinge, die nur sehr aufwändig hergerichtet werden können, dürfen in den Müll.

5. Ist es hier richtig? 

Vielleicht entdecken Sie in einem Schrankfach Ihre weggeräumten Winterstiefel, für die Sie damals gerade keinen anderen Platz fanden. Oder den Ordner mit wichtigen Dokumenten, der besser an einem sichereren Ort untergebracht wäre. Prüfen Sie, welche Sachen nicht ins Kinderzimmer gehören und wo sie gegebenenfalls einen besseren Platz finden können. 

Keine Ausreden!

„Aufräumen muss man erst, wen das Wlan-Signal nicht mehr durchkommt!“ Kinder sind äußerst fantasievoll, wenn es um Ausreden geht – häufig haben sie sich das von den Erwachsenen abgeguckt. Umgekehrt tendieren manche Eltern dazu, ihren Kindern etwas in den Mund zu legen oder »anzudichten«, das eigentlich mehr mit ihnen selbst zu tun hat. Zum Beispiel sind sie frustriert, wenn sie selbst irgendwann mal ein teures Spielzeug gekauft haben, das jetzt herumliegt und kaum beachtet wird. Wie froh wären Sie damals gewesen, wenn Sie diesen Holzbaukasten besessen hätten oder jene Puppenbetten. Wenn Ihr Kind aber trotzdem nicht (oder nicht mehr) damit spielt, dann geben Sie sich einen Ruck und trennen Sie sich, anstatt sich einzureden, dass das Desinteresse nur eine »Phase« sei, die sich sicher bald wiedergeben würde.

Keine Rücksicht !

Eine andere beliebte Ausrede, die vom Ausmisten abhält, ist Rücksicht. Das stimmt schon – Dinge, die von nahen Verwandten oder wichtigen Freunden geschenkt wurden, aber nicht wirklich auf Gegenliebe stießen, sind schwer loszuwerden. Ein scheußlicher Pullover der Oma, eine hässliche Witztasse von der besten Freundin – das auszusortieren verursacht schnell Schuldgefühle. Was tun, wenn man mal danach gefragt würde? Ehrlichkeit ist in einem solchen Fall am besten. Denn wenn man diese Art Geschenk mit falscher Freude akzeptiert, ist das Risiko groß, dass man bald mehr davon bekommt. Diskutieren Sie also mit Ihrem Kind darüber, ob es nicht besser wäre, das Thema Schenken mit den betroffenen Personen einfach mal anzusprechen und zum Beispiel zu sagen: »Ich habe einen Wunschzettel geschrieben. Willst Du den mal sehen?« Und überlegen Sie sich, ob nicht der Akt des Schenkens wichtiger ist als das Geschenk. Jemand wollte ihrem Kind eine Freude machen. Das geht nicht verloren, selbst wenn Sie das Geschenk aussortieren. 

Kinder beim Ausmisten miteinbeziehen

Ihr Kind sollte bei diesen Entscheidungen nicht übergangen werden. Denn Zuneigung kommt ganz klar vor Funktionsfähigkeit. Ein geliebter Teddy muss noch lange nicht in den Müll, nur weil er ein Auge verloren hat, und dasselbe gilt für ein völlig zerlesenes Lieblingsbuch. Suggerieren Sie Ihrem Kind nicht bereits, dass es sich von etwas trennen soll – nach dem Motto: »Brauchst Du das wirklich noch?« Fragen Sie lieber, was Ihr Kind besonders liebt und viel benützt und diskutieren Sie dann, was mit dem Rest passiert. Auf beiden Ausmist-Wegen kommen Sie zum Ziel, aber das jeweilige Prinzip dahinter ist ein ganz anderes: Im einen Fall geht es um das Überflüssige, im anderen um das Wichtige. 

Für das erste große „Spreu-vom-Weizen-Trennen“ lohnt es sich, sechs Umzugskartons zu besorgen und zu beschriften: Verschenken / Verkaufen / Spenden / Umräumen / Vielleicht / Reparieren.

Die „Umräum-Kiste“ könnte zum Beispiel Kleidung enthalten, die nun an ein jüngeres Geschwisterkind geht, oder sie sammelt Irrläufer, die eigentlich ganz woanders ihren Platz haben. Sie ist also eine Transferkiste. Dort landet alles, was Sie behalten und zeitnah an einem passenden Ort verstauen wollen. 

„Vielleicht“ heißt die Kiste für Gegenstände, bei denen Sie sich gerade nicht entscheiden können. Es sollten nicht zu viele Dinge sein, und Sie sollten sich die Kiste nach zwei, drei Tagen nochmals vornehmen, um dann eine definitive Entscheidung zu treffen, ob Sie sie behalten oder ausmisten möchten. 

„Verkaufen“ – diese Sachen könnten auf dem Flohmarkt verkauft oder im Internet annonciert werden. Noch ein Hinweis: Flohmärkte sind zwar spannend und machen Spaß, aber sie sind ziemlich arbeitsintensiv! Der Aufwand lohnt sich finanziell meistens nur, wenn Sie noch ein paar Dinge von Wert loswerden möchten. Gut verkaufen lassen sich zum Beispiel Kinderfahrzeuge und hochwertiges Spielzeug. 

„Reparieren“: Zwar wollte man die zerrissene Jeansjacke schon lange zur Schneiderin bringen, aber irgendwie fand man nie Zeit dazu. Und was den defekten MP3-Player angeht, sollte jetzt entschieden werden, ob man ihn noch reparieren lässt oder in den Sondermüll gibt. In vielen Städten und Gemeinden gibt es Repaircafés, wo man unter der Anleitung von Profis Dinge selbst wieder funktionsfähig machen kann und nur die Materialkosten dafür trägt 

Und schließlich ist da noch die “Spenden“-Kiste. Gespendet werden sollten nur intakte Dinge, die noch gebrauchsfähig sind. Kleider und Schuhe sollten sauber sein. Recherchieren Sie, ob es in Ihrer Nähe eine karitative Organisation oder ein Kaufhaus für Gebrauchtwaren gibt (zum Beispiel auf der Webseite https://www.wohindamit.org). Manche nehmen nicht (immer) alle Arten von Sachen, also lohnt es sich, vorher anzurufen und aktuell nachzufragen. Es gibt spezielle Kinderkleiderkammern, zum Beispiel von der Caritas oder anderen Wohlfahrtsverbänden – die Adressen finden Sie ebenfalls im Internet. 

Eine andere Möglichkeit sind Sozialkaufhäuser, die von Kirchen, Sozialämtern oder ebenfalls Wohlfahrtsverbänden initiiert wurden und wo man besonders günstig einkaufen kann. Kinderkleidung nehmen auch viele Frauenhäuser gerne an. Vorsicht ist bei Kleidungscontainern geboten, weil ihr Inhalt längst nicht immer Bedürftigen zugutekommt, sondern Händlern, welche die Spenden in Südamerika, Asien oder Afrika verkaufen. Diese Kleidung zerstört dann den Markt für einheimische Weber, Schneider und Händler. Seriöse Sammlungen stehen auf der Website https://www.fairwertung.de. Nur der allerletzte Rest sollte in eine Mülltüte oder in die Wertstoffsammlung. 

Wer könnte sich über diese Dinge freuen?

Sich von Dingen zu trennen ist viel leichter, wenn man sieht, dass sie noch von jemandem gebraucht werden, noch anderen Freude bereiten können. Dass nicht alle Menschen gleich viel Geld haben und sich immer das leisten können, was sie gerne hätten, ist eine wichtige Botschaft, die Kinder auch dazu erzieht, wertschätzend und achtsam mit Dingen umzugehen. Nehmen Sie Ihre Kinder mit, wenn Sie die Spenden abgeben, und erklären Sie ihnen, was es mit den karitativen Organisationen auf sich hat, warum Spenden wichtig sind und dass sich andere Menschen über die Dinge freuen. 

Und denken Sie immer daran, dass alle Sachen, die Sie aussortieren, zügig Ihre Wohnung verlassen müssen. Erst-mal-in-den-Keller-stellen gilt nicht! Planen Sie den Zeitaufwand für das Wegbringen immer mit ein. Denn nur auf diese Weise kann sich tatsächlich ein Befreiungsgefühl einstellen, das Sie dann guten Mutes zur nächsten Etappe trägt … 

Sich zu fragen, was man eigentlich braucht, das tun Kinder, wenn sie etwas älter werden, häufig radikaler und konsequenter als die Erwachsenen. Welche Ressourcen in einem Spielzeug oder in einem Kleidungsstück stecken, wie viel Abfall damit verbunden ist und wie viel Energie – so etwas interessiert Kinder, und es bedarf gar nicht viel, darüber mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Eher fragen sie einem ein Loch in den Bauch. Und auch hier gilt natürlich: Das Bewusstsein, dass wir alle Teil eines lebendigen, verwundbaren Planeten sind, der geschützt werden muss, sollte als Haltung von der gesamten Familie gelebt werden. Dann besteht auch die Chance, dass sich diese Haltung über die »Shopping-Phase« der Pubertät hinwegrettet … 

„Bewusst einkaufen“ ist deshalb eine der Regeln, die sich in Familien wie selbstverständlich etablieren sollten – keine Billigkleidung, für die im fernen Asien Näherinnen zu unmenschlichen Bedingungen ausgebeutet werden. So wenig Plastik wie möglich, denn es landet am Ende nicht nur in den Weltmeeren, sondern auch fein zerrieben in der Umwelt, wo es zu Krankheiten und Unfruchtbarkeit führt. Nicht ständig ein neues Handy, für das weltvollste und rare Metalle verwendet werden, auch wiederum in umweltschädlicher Billigproduktion. Und keinen unnötigen Müll produzieren. Es geht nicht darum, zu verbieten, was Kinder sich vielleicht wünschen, weil es gerade angesagt ist – es geht darum, ihnen zu zeigen, dass es Geschichten hinter den Dingen gibt, Schicksale von Menschen. Darüber sollen sie nachdenken. Nur so lernen sie, sich ein eigenes Bild von der Welt zu machen. Und den Wert der Dinge zu schätzen. 

Wenn die Kinder mit Geschenken überschüttet werden….

Wenn wir erst gar nicht so viel anhäufen, dann müssen wir uns hinterher auch keinen Kopf darum machen, was wir damit anfangen sollen. Ein ganz wichtiges und auch heikles Thema in Familien sind deshalb Geschenke. Kinder werden häufig überschüttet mit Spielsachen – von Freunden, aber vor allem auch von Verwandten, die damit das Herz der Kinder erobern möchten. 

Jedes Kind freut sich natürlich über Spielsachen, aber eine Fülle davon bringt es auch in einen gewissen Entscheidungsstress. Sie verhindert oft, dass Kinder ihre eigene Fantasie ausleben, und sie lenkt von dem ab, was Maria Montessori gefordert hatte: dass Kinder nach dem Rhythmus ihrer eigenen Entwicklung die Welt kreativ erobern.

Natürlich können Erwachsene sich absprechen und Geld zusammenlegen, um zum Beispiel eine wertvolle Holzkugelbahn oder Ähnliches für das Kind zu kaufen. Solche Spielzeuge erlauben kreatives Gestalten, und sie können Stück für Stück durch Geschenke erweitert werden. 

Besprechen Sie diese Fragen mit Großeltern, Onkeln und Tanten oder auch den Eltern von Freundeskindern. Meist ist das viel bessere »Geschenk« ein gemeinsames Erlebnis – im Tierpark, im Kindertheater, Kino oder bei einem Ausflug. Diskutieren Sie in der eigenen Familie darüber, wie Sie mit dem Schenken umgehen wollen, und stellen Sie Regeln auf wie »Lieber Selbstgemachtes als Gekauftes« oder »Zeit statt Zeug«. 

Legen Sie nach dem Aussortieren eine Grundordnung fest: Wo ist die »Heimat« der Dinge? Gut ist es, einen bestimmten Platz für bestimmte Gegenstände zu bestimmen, nämlich möglichst dort, wo sie gebraucht werden. Denn Zweideutigkeit führt mittelfristig nur wieder zu Unübersichtlichkeit und Chaos. 

Wie es nach dem Ausmisten in der Wohnung ordentlich bleibt:

1. Verstetigen Sie das Prinzip des Ausmistens, indem Sie die Kinderzimmer bzw. Ihre Wohnung ca. zweimal im Jahr von überflüssigen, defekten oder ungenutzten Dingen befreien. 

2. Grundsätzlich gilt: Wenn Sie täglich 10 – 15 Minuten investieren, am besten zu einer regelmäßigen Zeit, dann vermeiden Sie, dass Dinge sich ansammeln, die sich dann zu Haufen auswachsen können – bis der Aufwand, diese dann aufzulösen, immer größer wird. Ob das die Post ist, die verschwitzte Kleidung oder die jüngsten Einkäufe – sofort Öffnen, Wegräumen oder Entsorgen erleichtert den Alltag enorm – auch wenn man glaubt, im Moment eigentlich überhaupt keine Lust darauf zu haben. 

3. Routinen (oder auch Rituale) kosten viel weniger Energie als Hauruck-Aktionen. So wird die Wohnung nie wirklich unordentlich. Und wenn sich das eingespielt hat, macht es auch viel mehr Spaß, die Ordnung zu halten. 

4. Grundregeln erleichtern den Umgang mit der Unterschiedlichkeit – vor allem in Bereichen der Wohnung oder des Hauses, die von mehreren Mitgliedern der Familie gemeinsam genutzt werden, also etwa rund um den Esstisch, der viele Funktionen erfüllt. 

5. Beteiligen Sie alle Mitglieder der Familie an Entscheidungen, aber auch an Verantwortung und Aufgaben. Bei Kindern ist dabei das Alter berücksichtigen. Mit größeren Kindern können Sie zum Beispiel vereinbaren, an welchen Wochentagen diese für die Ordnung im Wohnzimmer verantwortlich sind. Solche kleinen Pflichten lassen sich auch wochenweise organisieren – oder an einen bestimmten Zeitpunkt knüpfen, zum Beispiel vor das Abendessen legen. 

6. Schließen Sie einen Ordnungsvertrag. Hier steht zum Beispiel, was alles im gemeinsam genutzten Wohnzimmer (herum)liegen darf. Rufen Sie eine kleine Familienkonferenz ein und einigen Sie sich gemeinsam auf Regeln, die alle mittragen können. Am besten ist es, wenn dieser Vertrag aufgeschrieben wird. Damit es aber auch in der Praxis klappt, ist es wichtig, dass auch die Wünsche der Kinder dabei nicht untergehen, sondern berücksichtigt werden. 

Viele Erwachsene haben keine guten Erinnerungen an die Kindheit, wenn es um das Aufräumen geht. Wir verbinden damit häufig ein unbestimmtes Unbehagen – und wenn wir dem auf den Grund gehen, erinnern wir uns plötzlich wieder daran, dass wir das immer als Grenzüberschreitung empfunden haben, als erzwungene Anpassung an die Welt der Eltern und ihre Rituale, die nicht unsere eigenen waren. Gerade hatte man das Raumschiff so weit, dass es auf dem Mond landen konnte, da musste das ganze Universum dem Staubsauger weichen…Ordnung war irgendwie eine steife Angelegenheit und Aufräumen wurde oft sogar zur Strafe. Kein Wunder, dass sich da ein gewisser Widerwille bis ins Erwachsenenleben gerettet hat, auch wenn man nun, wo man selbst Kinder hat, einsieht, dass Ordnung das Leben leichter machen kann….

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Mit meinem „Großen Aufräumbuch für die ganze Familie“ möchte ich Eltern und Kinder ermutigen: Aufräumen macht Spaß und Ordnung bringt Leichtigkeit, Lebensfreude und Klarheit ins Familien-Leben! Es geht darum, im gegenseitigen Respekt eine Ordnung zu finden, in der sich Kinder wohlfühlen, weil sie alles finden, was sie brauchen, und nicht von Spielen, Playmobil-Figuren, Lego-Bausteinen und Schmusetieren erstickt werden. »Weniger ist mehr« – gerade im Kinderzimmer!

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3 comments

  1. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man Sachen die man aufgehoben hatte weil man sie „irgendwann noch einmal brauchen könnte“ oftmals tatsächlich noch einmal braucht. Manchmal denkt man sich nach 10 Jahren „hatte ich nicht mal XYZ?“. Groß ist die Freude dann, wenn man es tatsächlich noch aufgehoben hat.

    Persönlich finde ich Zimmer mit viel Krimskrams auch gemütlicher als Zimmer, die nach diesem ganzen modernen Minimalismus-Hype eingerichtet sind. Ich mache den Kindern was Ordnung betrifft deshalb auch wenig Vorgaben. Ich halte Ordnung nicht für einen Wert an sich.

    Klar: Hygiene ist wichtig. Schimmelige Essensreste mag niemand. Es sollte nichts kleben, gammeln oder stinken. Lauf- und Fluchtwege müssen frei sein. Hausstaub sollte nicht Überhand nehmen. Den Überblick über eigene Arbeitsmaterialien (bei Kindern Schulsachen) sollte man haben. Der Rest ist optional.

    Allerdings gilt bei mir auch: Ich bin zwar auf der einen Seite (z.B. was Ordnung oder Mediennutzung betrifft) mehr laissez-faire als die meisten anderen Eltern, aber wenn es notwendig ist setze ich lieber auf klare Kante und elterliche Führung als auf Verhandlung.

    Garantiert werde ich mit meinen Kindern keine schriftlichen Ordnungsverträge schließen, genauso wie ich mit meinen Kindern auch keine schriftlichen Mediennutzungsverträge oder dergleichen schließe. Damit untergräbt man doch letztlich die eigene Autorität als Elternteil, weil man durch ein „Vertragsverhältnis“ eine Gleichheit suggeriert, die faktisch zwischen Eltern und Kindern gar nicht gegeben ist.

    1. Klar hätte man manche Dinge 10 Jahre später noch mal gebrauchen können. Aber ich schätze, dass das (bei mir) nur 1% aller aussortierten Dinge ausmacht. Und wenn ich mir jetzt vorstelle, die anderen 99% immernoch zu besitzen … Unsere Wohnung würde aus allen Nähten platzen. Außerdem hätte ich die Sachen mehrfach bei Umzügen einpacken und schleppen müssen. Mich nerven zu viele Dinge extrem. Wenn man immer erstmal Dinge zur Seite schieben muss, um irgendwo dran zu kommen. Das wiegt die Freude, wenn man in 10 Jahren etwas doch noch einmal braucht, nicht auf. Außerdem werden Dinge mit der Zeit nicht besser. Da freue ich mich mehr, wenn ich jemanden finde, der die Dinge in der Zwischenzeit nutzen kann. Meine Mutter hat zum Beispiel einige Babysachen von mir aufgehoben. Als mein erstes Kind auf die Welt kam, haben wir festgestellt, dass die Gummizüge porös geworden sind und die Wollsachen löchrig. Da hätte man sie damals auch verschenken oder wegschmeißen können.
      Aber das kann ja jeder handhaben wie er will.

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