Ein neues Baby in der Polyfamilie – Elena erzählt uns von ihrer Mutterschaft

Polyfamilie

Ihr Lieben, Elena lebt in einer Polyfamilie – das heißt, sie uns Julia sind ein Paar, Julia und Viviane sind verheiratet, Viviane und Elena sind freundschaftlich verbunden. Die meisten von euch müssten diese drei sympathischen Frauen und ihre vier Kinder kennen, denn wir haben hier schon mehrere Male über sie berichtet.

Zuletzt, als Elena mit „Nano“ schwanger war und erzählt hat, dass auch ihre Partnerin Julia das Baby stillen will (wie das funktioniert, erklärt sie HIER im Interview). Nun ist „Nano“ schon eine ganze Weile auf der Welt und wir haben Elena gefragt, ob sie nicht mal Lust auf ein Mama-Interview hat. Glücklicherweise hatte sie Lust, danke für die schönen Antworten!

Liebe Elena, dein Sohn ist nun ein paar Monate alt. Wenn du auf die Geburt zurück blickst – wie würdest du sie beschreiben?

Ziemlich genau so, wie ich sie mir auch vorgestellt habe. Wir hatten eine wunderbare Hausgeburt. So witzig: der Blasensprung war auf einem Stadtfest. Aus dem ersten Impuls heraus habe ich erstmal gelacht, dann aber geweint, weil ich als Selbständige bis zuletzt noch Termine vereinbart hatte und diese jetzt also absagen/verschieben musste. Also hieß es erstmal: Tief durchatmen und telefonieren.

Zuhause angekommen stellten wir den Geburtspool auf und bestellten Essen. Da ich noch keine Wehen hatte, schauten wir mit den drei Kindern noch einen Film. Erst als alle im Bett waren, ging es wirklich spürbar los und der kleine Mann machte sich auf den Weg. Um kurz vor 2 Uhr morgens kam er dann im Wasser zur Welt.

Wenn ich daran zurück erinnere, bekomme ich auch wieder Gänsehaut. Geburten sind einfach eine Naturgewalt. Es war kraftvoll, sehr schmerzhaft – sowas habe ich noch nie gespürt – aber auch irgendwie magisch … Was der Körper und das Baby da leisten. Jederzeit würde ich diese Entscheidung noch einmal genau so treffen, mit der Hebamme und der völligen Ruhe, die wir hatten.

Die Kinder wurden nachts noch geweckt, weil sie so gerne den kleinen Bruder direkt willkommen heissen wollten, das mussten wir ihnen vor der Geburt versprechen. Es war ein tolles Gefühl, dann einfach erschöpft mit dem Baby ins eigene Bett zu fallen und zu schlafen.

Was ist für dich das Schönste an der Mutterschaft?

Das finde ich schwer zu beschreiben. Mutterschaft macht mich persönlich wirklich glücklich. Mutterschaft ist für mich alles, was ich mir je gewünscht habe. Ich habe meine Zeit gebraucht, denn ein leibliches Kinder ist einfach eine andere Hausnummer (die eigene Autonomie erstmal vollständig aufgeben zu müssen, war anfangs sehr schwer für mich). Inzwischen bin ich so voller Liebe für diesen kleinen Menschen, habe aber auch das Gefühl, dass ich oft mehr Geduld für unsere anderen Kinder aufbringen kann.

Das Schönste ist wohl wirklich zu sehen, wie ich ihm die völlige Sicherheit geben kann und darf, dass er bisher super aufgeschlossen und selbstsicher auf die Welt da draussen zugeht. Es ist einfach so schön zu beobachten, wie er sich entwickelt.Anfangs sagte ich auch immer wieder (okay, manchmal auch heute noch) „Ich hab dich gebacken … wie kann das sein?“ … Einfach ist und bleibt ein Wunder.

Und gab es auch etwas, was dich sehr gefordert hat – von dem du vorher geglaubt hast, es sei gar kein Problem?

Ja, das Wochenbett. Das Wochenbett war wirklich sehr, sehr schwer für mich. Da habe ich auch immer noch etwas dran zu knabbern, wenn ich so darüber nachdenke. Man sagte mir vorher schon, dass der Hormoncocktails fies wird, aber dass es so fies wird, dachte ich nicht.

Körperlich war ich einfach sehr erschöpft und musste mich mehr zu Pausen zwingen. Die bereits erwähnte Autonomieaufgabe war super schwer für mich. Es war eine krasse Umstellung. Und dann hörte ich immer den Satz „Geniess es, die Zeit geht so schnell vorbei“. Ja, die Zeit geht wirklich schnell vorbei, aber die ersten Wochen waren vor allem anstrengend für mich, was mich an mir und meinen Muttergefühlen zweifeln lies…

Ich dachte: „Wenn ich nicht geniessen kann, bin ich dann keine gute Mutter? Ich sollte das doch jetzt so geniessen.“ Inzwischen kann ich geniessen, aber anfangs habe ich sehnsüchtig darauf gewartet, nicht nur die „Milchbar“ zu sein…

Durch die Polyfamilie kümmert euch zu dritt um die Kinder – wo war das gerade am Anfang Gold wert? 

Auf jeden Fall. Ich bekam jeden Morgen Frühstück ans Bett – das war schon sehr cool. Ausserdem wusste ich, als ich dann endlich mal kapiert hatte, dass ich mich wirklich schonen MUSS, dass meine Partnerin nun nicht komplett alleine für Haushalt und Kinder zuständig ist – sondern, dass da noch jemand ist. Außerdem waren die Erfahrung der anderen Beiden für mich so wichtig, wenn ich anfangs irgendwo unsicher war mit Themen.

Gibt es Dinge, die jede von euch ganz besonders gerne mit den Kindern macht – und was die andere vielleicht nicht so gerne macht?

Definitiv. Jede von uns hat so ihre Vorlieben. Das Schöne ist aber auch, dass z.B. irgendwer immer Zeit hat, um ein Buch zu lesen oder zu malen/basteln/spielen. Mir fällt da aber auch ein, dass Julia zum Beispiel super viel Freude daran hat, die Brotdosen für die Kinder zu machen, daher übernimmt sie diese Aufgabe.

Ich binde die Kinder oft einfach im Haushalt mit ein. Zitat von unserem „Mini“: „Ich helfe dir immer! Weil du kannst dich nicht gut bücken.“ Ich hatte das mal gesagt, weil „Nano“ eigentlich dauerhaft in der Trage an mir lebt und ich, wenn er schläft, mich wirklich schlecht bücken kann..

Wie haben die anderen Kinder Nano aufgenommen und wie kommunizieren die Kinder die verschiedenen Mamas gegenüber von Fremden?

Die Kinder machen daraus kein grosses Ding. Sie sagen: „Ich habe drei Mamas.“ Damit ist die Sache für sie erledig. Manchmal werde ich zum Beispiel dann mit großen, fragenden Augen vom Gegenüber angeschaut, ob dass denn stimmt. Ich nickte meist einfach bestärkend und beantworte Fragen, wenn denn welche aufkommen. 

„Mini“ und „Nano“ sind ein Herz und eine Seele, dass ist wirklich so arg schön anzusehen. Wirklich jeden Morgen kommt „Mini“ ins Schlafzimmer und fragt, ob er schon wach ist und wenn er lacht oder ein Geräusch macht, sagt er immer „Er hat mich gesucht!“ Und dann spielt er mit ihm. „Nano“ macht es einem allerdings auch sehr schwer, ihn nicht sofort ins Herz zu schliessen, weil er immer alle anlacht und sich über neue Gesichter freut.

Unsere Größte ist ja bereits 10, aber auch eine äußerst stolze große Schwester. „Midi“ tat sich anfangs etwas schwerer. Sie war total interessiert, allerdings fallen ihr Veränderungen immer schwer. So sagte sie anfangs auch mal „Auch wenn ich nicht noch einen Bruder wollte, er ist schon wirklich sehr süß.“ – Da musste ich lachen.  

Welche körperlichen und emotionalen Veränderungen stellst du an dir selbst fest, seitdem du Mama bist und wie geht es dir damit?

An die Milch in meinem Busen musste ich mich erstmal gewöhnen. Und an alles, was damit einhergeht – nasse Shirts und sowas – auch. Allerdings hat sich das inzwischen schon sehr eingependelt und passiert nur noch selten. Tatsächlich löst ein Weinen des leiblichen Kindes bei weitem mehr Stress aus als bei einem nicht leiblichen Kind … das zu beobachten war spannend, ist manchmal aber auch anstrengend. Da kann ich fast nicht mehr gerade aus denken, wenn er weint …

Außerdem hatte ich bemerkt, dass ich jetzt erst recht auf Sport achten muss, da ich durch das viele Tragen und vor allem eben vorne Tragen sonst Probleme mit meinem Rücken bekomme und andere Muskelgruppen tendenziell eher untergehen. Das habe ich kürzlich besonders bemerkt, als wir alle zusammen boldern waren. Ich glaube, ich habe insgesamt maximal 30 Minuten in der Wand gehangen und trotzdem hatte ich zwei Tage Muskelkater..

Ich finde es total faszinierend, wie schnell sich der Körper einfach in der letzten Zeit immer wieder komplett verändert…

Was machst du am Liebsten, wenn du mal kinderfrei hast? 

Wenn ich den Kleinen mal einer anderen Mutter übergebe und eine Pause brauche, dann gehe ich am liebsten baden. Das holt mich total runter und tut mir sehr gut.

Wer mehr über Elena, Julia und Viviane erfahren möchte, kann dies auf ihrem Instagram Account: https://www.instagram.com/happypolyfamily/

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