Hungern, maßlos essen, erbrechen: Julia kämpft gegen ihre Essstörungen

TRIGGERWARUNG ESSSTÖRUNGEN

Ihr Lieben, von 1.000 Mädchen und Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens durchschnittlich etwa 28 an einer Binge-Eating-Störung, 19 an Bulimie und 14 an Magersucht. Die meisten Betroffenen leiden jahrelang – wenn nicht ihr ganzes Leben – unter dieser Krankheit. Auch Julia ist betroffenen, hat ihre Krankheit lange verschwiegen. Jetzt will sie auf ihrem Instagram-Kanal aufklären und aufmerksam machen. Vielen Dank für Deine Offenheit und alles Liebe für dich, liebe Julia.

Liebe Julia, Du hast eine Essstörung. Wie äußert diese sich und seit wann hast du sie?

Ja, ich habe seit neun Jahren eine Essstörung, zumindest hab ich so lange schon Bulimie. Zufrieden mit meinem Körper war ich allerdings ich noch nie, schon mit 13 habe ich die erste Diät gemacht.

Seit etwa 6 Monaten leide ich zusätzlich noch an Magersucht. Ich hungere also jeden Tag, bis ich es nicht mehr aushalte, dann kommt es zur Fressattacke, ich übergebe mich, dann hungere ich wieder bis zum nächsten Anfall…

Aktuell bist du in einer Klinik. Gab es auch mal Zeiten, in denen du die Krankheit im Griff hattest?

Ja, die gab es. Ich hatte nicht durchgängig Bulimie. Es gab Phasen, in denen es mir besser ging. Als ich meinen Partner kennen gelernt habe, zum Beispiel. Und auch während meiner Schwangerschaften konnte ich sofort damit aufhören, nach der Stillzeit ging es allerdings gleich wieder los.

Du bist schon lange in einer Beziehung und hast zwei Kinder. Dein Partner hat viele Jahre nichts bemerkt. Wie konntest du das so lange verstecken?

Wenn man an einer Sucht erkrankt ist, wird man clever. Sehr sehr clever und man fängt an zu schwindeln, damit man diese Sucht ausleben kann. So war es auch bei mir. Ich habe meine Sucht immer nur ausgelebt, wenn ich alleine war, niemand hat je was mitbekommen. Als nun die Magersucht dazu kam und ich immer dünner wurde, konnte ich es aber nicht mehr verstecken…

Seit wann gehst du mit deiner Essstörung offen um?

Erst seit etwa zwei Monaten, weil ich die Magersucht nicht mehr verstecken konnte. Ich bin krank geschrieben, weil ich zu schwach zum arbeiten war. Ich bin extrem müde, kraftlos und erschöpft und auf der anderen Seite kann ich an nichts anderes mehr denken als Essen.

Ich habe es zuerst meiner Mama und meinem Partner gesagt, danach meiner besten Freundin. Ich hatte große Angst, aber ich habe dann gemerkt, dass keiner „böse“ auf mich ist. Keiner fand mich eklig oder peinlich, sondern alle haben mir gesagt, dass ich krank bin und dass sie mich unterstützen.

Hast du auch externe Hilfe?

Ja, ich bin seit drei Jahren in psychologischer Behandlung. Aber selbst meine Psychologin wusste bis vor 5 Wochen nichts von meinen Essstörungen. Ich dachte, wenn ich irgendjemand davon erzähle, dann muss ich die Essstörung ja auch aufgeben, kann nicht weiter machen mit dem Fressen. Der Gedanke, mich von meiner Essstörung zu trennen, fiel mir unglaublich schwer. Deswegen wurden bis vor kurzem nur meine Angst-und Zwangsstörung bei ihr behandelt…

Nun hast du zwei Kinder. Wie sieht deren Essverhalten aus?

Leider sind meine Kinder nicht unbelastet. Ich weiß zwar wirklich alles über gesunde Ernährung, kann es aber nicht umsetzen – und dementsprechend auch nicht bei den Kindern durchsetzen. Mein 10-jähriges Kind ist bereits übergewichtig und meine kleine Tochter mag zwar eine große Bandbreite an Lebensmittel – isst aber oft nicht das Richtige. Ich mache mir große Vorwürfe und und werde das nach meinem Klinikaufenthalt angehen. Wir fahren, wenn ich hier entlassen werde, mit den Kindern in eine spezielle Reha für Essverhaltensstörung. Damit ist der Anfang in die richtige Richtung dann hoffentlich gemacht.

Hast du eine Vermutung, woher deine Essstörung und dein negatives Körpergefühl herkommen könnten?

Eine Essstörung hat meist nicht nur die eine Ursache. Auch in meinem Leben hab es schon einiges Unschönes. Meine Mutter hatte einen extrem gewalttätigen Partner an ihrer Seite, diese Bilder habe ich bis heute im Kopf. Mit 13 bin ich dann schwer erkrankt, wäre fast gestorben. Und die Trennung von Vater des Großes hat mich auch total aus der Bahn geworfen. Wahrscheinlich versuche ich, mit der Kontrolle über das Essen die Kontrolle über mein Leben wieder zu bekommen…

Was wünscht du dir für die Zukunft? 

Ich wünsche mir einfach wieder ein unbeschwertes Leben – ohne diesen ganzen Scheiß. Ich will einfach wieder Freunde treffen, ein Eis essen, auf Geburtstage gehen. Das sind alles Dinge, die ich nicht mehr mache, weil ich mich fürchte, dass ich dort essen muss. Ich habe keine großen Wünsche. Ich will einfach wieder am normalen Leben teilnehmen.

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