Mama geht tanzen: Nadine geht auf Day-Raves

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Foto: rawpixel.com auf magnific

Ihr Lieben, wann wart ihr das letzte mal tanzen? So richtig wild, ohne daran zur denken, wie es aussieht und was die Kids zu Hause machen? Bei den meisten liegt das wahrscheinlich Jahre zurück – und das, obwohl sie früher mindestens einmal am Wochenende die Tanzfläche gerockt haben.

Auch Nadine ist schon immer gerne tanzen gegangen, doch dann wurde sie Mama und war einfach viele Jahre zu müde. Nun hat sie das Tanzen wieder für sich entdeckt und geht am liebsten auf Day-Raves. Hier erzähl sie davon:

Liebe Nadine, lass mal zurück in deine Jugend. Bist du da ordentlich ausgegangen und hast gefeiert?

Kommt ganz drauf an, was man unter ordentlich Feiern versteht. 😉 Ich hab zumindest einiges mitgenommen. Von klassischen Discos, damals noch mit gefälschtem Schülerausweis, zu Festivals oder Nächten, die erst am nächsten Morgen endeten, wenn „die Wolken wieder lila waren“. 

Durchfeiern konnten wir damals auch zwei Nächte hintereinander. Wenn der Nahverkehr unter der Woche mitgemacht hätte, sicherlich auch noch öfter. 

Was hat dir das damals gegeben? 

Damals war es ein Dazugehören. Cool sein, neue Leute kennenlernen, Jungs kennenlernen. Hatte aber auch viel mit Freundschaft zu tun. Mit der Freundin abenteuerlich durchmachen ohne, zu wissen, wie man heimkommt. Zur Not mehrere Kilometer heimlaufen, Lachkrämpfe.

Wann hast du aufgehört, richtig tanzen zu gehen?

Als ich das arbeiten angefangen habe, bin ich trotzdem noch jedes Wochenende ausgegangen. Als dann das Kind auf der Welt war, hat das schlagartig aufgehört. Jahre der Schlaflosigkeit und Müdigkeit folgten – in dieser Zeit hab ich mir nicht erträumt, jemals wieder so viel Energie zu haben und so lange wach zu sein, um tanzen zu gehen.

Dazu muss ich auch sagen, dass ich in einer Beziehung war, in der ich den Großteil der Care-Arbeit übernommen habe und ich hatte auch keinen Partner, der mein Weggehen unterstützt hätte. Dadurch kam mir das auch gar nicht mehr als Möglichkeit in den Sinn. Tanzen gehen war irgendwie ausgeblendet. 

Doch jetzt findet man dich wieder auf der Tanzfläche – wann gehst du aus?

Jetzt bin ich seit 4 Jahren Single Mom. Die ersten Jahre nach der Trennung war ich noch in meinem Schneckenhaus, wie ich es liebevoll nenne. Und da fing das Tanzen wieder an – zwar vorerst nur mit Kopfhörer in der Küche, aber ich hab‘s wieder gefühlt. 

Nach und nach bin ich langsam wieder aufgewacht und auch mein Gefühl für mich selbst. Wenn das Kind jetzt bei seinem Vater ist über Nacht oder in den Ferien, geh ich wieder tanzen. Damit hab ich vorsichtig angefangen und jetzt immer öfter, weil es mir so viel gibt. 

Gehst du alleine oder hast du Freunde, die mitgehen?

Ich geh allein tanzen. Ja, das war eine Überwindung am Anfang. Was denken die andern? Wird das komisch aussehen? Aber absolut NEIN! Ich habe Orte, wo die Menschen so offen sind. Am Anfang hab ich mich noch an die Seite gestellt und mich an einer Bierflasche „festgehalten“. Jetzt bin ich mittendrin, nur ich, Hände frei zum Tanzen und Fühlen. Ich lerne so viele liebe Menschen kennen. Auch viele Mädels die fragen, ob ich alleine da bin und bei ihnen tanzen will. Und je nach Stimmung entscheide ich. Alles kann, nichts muss. 

Wie steckst du den Tag danach weg?

Der Tag danach hat sich deutlich zu früher geändert. Früher war ich heiser, heute hab ich „unterer Rücken“ vom stundenlangen Tanzen.  Am liebsten hab ich Day-Raves. Die beginnen um 14 Uhr und dann tanzen bis 22 Uhr. Perfekte Mama Zeiten, denn dann fühlt man es kaum am nächsten Tag. Und man ist am nächsten Tag nicht komplett kaputt, sondern kann auch noch Sachen erledigen. Wobei ich auch da bin ich liebevoller zu mir geworden. Sachen dürfen auch mal liegen bleiben. Es lohnt sich. 

Was ist der Unterschied zu früher?

Ich trinke viel weniger und ich habe definitiv weniger Durchhaltevermögen. Aber dafür treffe ich bessere Entscheidungen und weiß, was mir gut tut und was nicht und ich kann die Konsequenzen besser abschätzen. 

Ich hatte immer Angst, dass die anderen Menschen dort alle viel jünger sein würden und ich die „Alte“ bin. Ich gehe meistens auf Techno/Elektro Raves und da sind wirklich so viele Menschen allen Alters dabei. Sogar einige ältere als ich. Und das Beste: viele Frauen, auch allein und völlig frei am Tanzen. Ich liebe es das zu sehen. 

Sag uns mal was solche Raves in dir auslösen?

Viel. Am meisten lassen sie bzw. die Musik mich wieder mich selbst fühlen. Da gibt es nur mich, die Bewegung und die Musik ohne Erwartung an irgendwas anderes. Das ist ein Stück Freiheit. Ich geh da immer raus und denke: ich brauch nix anderes mehr, keine blöden Online Dating Apps oder sonst was. Das reicht. Ich tanke da Kraft und fühl mich wieder jung und bei mir. 

Warum sollten alle Mamas viel mehr tanzen gehen? 

Um sich genau wieder das Gefühl für eine Weile zurückzuholen: Bei sich sein. Da ruft kein Kind, kein:e Partner:in, da ruft nur die Musik und der Körper schüttet Glückshormone aus. 

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6 comments

  1. Hallo, ich bin auch ein Kind der 90er bzw. frühen 2000er Parties… das war wild, man hat die Musik gefühlt… ich war mit 15 auf der Love Parade und hatte so einen Spaß, irgendwie war es eine fröhliche bunte Gemeinde! Ich war immer in der Gruppe unterwegs, habe zum Genießen den Alkohol nicht gebraucht, bin immer freiwillig gefahren… Heute brauche ich nur ein paar Beats zu hören und bin sofort wieder in meiner Jugend! Ja, ich sehe an meinen eigenen Teenies, wie sie das verpassen dieses Gefühl einfach auf der Welle der Musik zu reiten… doch ich kann sie ja schlecht mitnehmen! Wahrscheinlich hat eben jede Zeit so ihre Muster…Unsere Eltern konnten ja damals auch nicht nachvollziehen, was uns diese hämmernden Beats gaben!

  2. woe ja toller Artikel und auch guter Kommentar von Janine! wo gibt es solche Day- Raves?? ich befürchte bei mir am bayrischen Land eher nicht…

  3. @Janine: ich sehe es ähnlich und möchte meine eher wilden Phasen nicht missen. Und schön, wenn man an dieses Lebensgefühl wieder anknüpfen kann.

  4. Mir ist bewusst dass ich jetzt einen extrem kontroversen Kommentar sende. Aber dieser Artikel verdeutlicht sehr gut, warum mir die jetztige Jugend fast leid tut.
    Skyr /Muskelaufbau und Selbstoptimierung werden dich voraussichtlich in 20 Jahren nicht nostalgisch und wehmütig an deine Jugend denken lassen. „Was haben wir gefeiert bis die Nächte wieder lila sind“ – das wünsche ich der heutigen Jugend. Abenteuer, Dazuzugehören, Grenzen testen und Lachflashs sind doch das Privileg der Jugend.
    Es tut mir leid, dass diese heute so kontrolliert erscheint.
    Alkohol ist so verpönt, aber vllt war es auch ein soziales Schmiermittel …ein Mittel um sich ein bisschen offener, ein bisschen hemmungsloser und sich sozial verbundener zu fühlen.
    Vllt wäre die jetzige Generation dann nicht so belastet und nicht so einsam.
    Vllt denke ich aber zu sehr in Klischees und der jetzigen Generation geht es einfach gut.
    Ich freue mich, dass Nadine wieder etwas gefunden hat, sie selbst zu sein, sich selbst zu spüren.

    1. Danke für den Kommentar.
      Habe selbst Alkoholiker in der Familie und würde nie Werbung für Alkohol machen. Aber dem Grundgedanken deines Textes, dass Leben zu genießen statt sich zu sehr der Selbstoptimierung hinzugeben , stimme ich voll und ganz zu.
      Die „Jugend“ tut mir auch ob der ganzen verfügbaren Medien leid. Diese haben auch massives Potenzial Einsamkeit zu befördern.

      1. Meine Teenager möchten schon gerne feiern, aber in ihrem Umfeld macht niemand „Hausis“.
        Wir haben schon allerhand versucht, im professionelle Teenagerpartys, wie es sie anderenorts gibt, in unsere Stadt zu holen, aber es ist sehr schwierig. Von den Verantwortlichen scheint sich niemand mehr daran zu erinnern, wie gut es tut, einfach ausgelassen zu feiern.

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