Berlin, was ist bloß los mit Dir? Warum ist hier so wenig Solidarität?

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Ihr Lieben, eben sah ich die Nachricht auf meinem Handy: Zahl der Corona-Infizierten sprunghaft in Berlin angestiegen.

Autsch. Mein Herz setzt dann immer einen Moment lang aus. Weil ich mir so wünsche, dass die Zahl der Infizierten weiter zurück geht. Dazu müssten sich aber auch alle an die Regeln halten. Doch das ist in der Hauptstadt einfach ein Problem. Dazu möchte ich Euch eine Geschichte erzählen, die mir am Sonntag Nachmittag passiert ist.

Wir wohnen ganz in der Nähe eines großen Sportvereins. Am Sonntag sind wir auf das Gelände des Vereins, denn da gibt es am Rand eine Wiese, auf der mein Mann und die Kinder gerne Fußball spielen, drum herum führt eine Aschenbahn.

Auf dieser Aschenbahn bin ich eine Runde mit meiner kleinsten Tochter auf dem Rad gedreht. Sie hat ja in den letzten Wochen das Radeln gelernt. An einem Kopf der Aschenbahn befindet sich ein Bouleplatz und als wir an diesem vorbei fuhren, stellte sich ein älterer Herr in meinen Weg und sagte: „Das ist eine Laufbahn, keine Fahrradbahn. Sie dürfen hier nicht Radfahren.“ Ups, darüber hatte ich null nachgedacht Das sagte ich auch, stimmte ihm also zu uns sagte, wir würden nur noch zurück zum Rest der Familie fahren, aber dann natürlich nicht mehr weiter.

Dem älteren Herr war das nicht genug. Er baute sich vor mir auf, fing an mich zu duzen und sagte: „Was bist du für ein schlechtes Vorbild für deine Kinder, dass du hier auf der Aschenbahn fährt.“ Und sorry, dann ging mir die Hutschnur hoch.

Ich sagte ihm, dass er mich erstens nicht zu duzen habe und dass ich mir sicher bin, dass es ein wesentlich schlechteres Vorbild für meine Kinder sei, hier inmitten der Pandemie mit 25 Freunden ohne Abstand und ohne Mundschutz Boule zu spielen. Worauf er sagte: „Du bist eine ganz schöne Zicke.“

Ich war so sauer, dass ich kurz davor war, meine gute Erziehung zu vergessen. Ich wünschte, ich wäre bei sowas gelassener, cooler und auch schlagfertiger. Aber das Verhalten diesen „alten, weißen Mannes“ triggert mich enorm. Wenn ich das Gefühl habe, dass mich jemand bevormunden will – er aber gerade selbst nicht gerade fehlerfrei ist – da könnte ich in die Luft gehen. Ich hasse eigentlich dieses „Meine Fehler, deine Fehler“ – Spiel. Aber ich habe schon das Gefühl, dass viele ältere Herren immer noch denken, sie könnten sich jüngeren Frauen nonstop belehrend gegenüber verhalten.

Und es triggert mich auch so, weil genau dieses „25 Rentner treffen sich ohne Abstand“ dazu führt, dass die Fallzahlen hochgehen. Während mein Kitakind keine Abschiedsfeier erleben darf, währen meine Tochter in den Pausen nicht wirklich mit ihren Freunden spielen darf, während meine Kinder ihren Hobbys noch nicht nachgehen dürfen, während meine Jüngste neulich einen richtigen Heulkrampf auf dem Klettergerüst bekam, weil ihr andere Kinder zu nahe kamen und sie sich deshalb schlecht fühlte – währenddessen scheinen einige Menschen auf Solidarität zu pfeifen und einfach ihr Ding zu machen.

Genauso sprachlos machten mich vor einigen Wochen die Bilder von Schlauchboot-Partys im Landwehrkanal. Immer wieder muss die Polizei ausrücken, um in öffentlichen Parks große Feiern aufzulösen. Oder Menschen, die demonstrativ ihre Masken NICHT aufsetzen…

Was verdammt nochmal ist los mit diesen Leuten? Es schert sie einfach nicht. Klar, weil sie von einem möglichen nächsten Lockdown nicht so betroffen wären. Sie haben dann nicht drei Kinder zu Hause und müssen nebenbei arbeiten.

Jetzt interessiert mich: Wie erlebt Ihr das bei Euch? Erlebt ihr als Familien Solidarität oder habt Ihr manchmal auch das Gefühl, Ihr würdet die ganzen Regeln befolgen, die der Rest nicht so richtig ernst nimmt….

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16 Kommentare

  1. Langsam fällt es mir schwer mich an die Regeln zu halten wenn wir ständig angeschnauzt werden dass wir auf den Hof gehen als Spielplatz noch zu waren. Wie können wir laut sein? Können sie nicht woanders gehen? Dass die Kinder am meisten darunter leiden ist es denen egal. Sie haben vergessen wie sie als Kinder waren.

    Manchmal denke ich, warum sollte ich uns antun, nur damit ich die anderen schützen kann? Sie geben uns ja nicht zurück.

    Schwierig.

  2. Dass die Fallzahlen in Berlin steigen, liegt nicht unbedingt an den älteren Mitbürgern, die Ihre Maske nicht (korrekt) tragen, auch wenn das von inakzeptabler Arrgoganz, Egoismus und Dummheit zeugt. Interessant ist, dass die Fallzahlen innerhalb der zwei Wochen nach der grossen „Black Lives Matter“ -Demonstration zum Gedenken an George Flyd steigen. Ich war durch Zufall in der Nähe und sah nur junge Menschen von ca. 18 bis 45. Ich teile die Empörung über Rassismus und diesen brutalen Tod, aber man muss mitten in einer Pandemie nicht demonstrieren gehen, egal aus welchem Grund. Wie wäre es mit Online Petitionen im digitalen Zeitalter?

    Auch finde ich es nicht korrekt nach einem Fehlverhalten seine Runde noch zu Ende zu bringen. Darauf hingewiesen, könnte man sein Rad die letzten Meter auch schieben. Man fährt nach einer Radarfalle ja nicht noch die letzten Kilometer im überhöhten Tempo nach Hause.

  3. Mich erstaunt vor allem, wie viele von uns sich in dieser Krise damit aufhalten, sich über das Verhalten anderer zu empören. Das kostet zum einen viel Energie, die man in sein eigenes Leben investieren könnte, zum anderen bringt es auch einfach nichts. Wir können nicht kontrollieren, was andere glauben oder wie sie sich verhalten, genauso wenig, wie wir wollen, dass andere dies mit uns versuchen. Der alte weiße Mann fühlt sich ja genauso im Recht mit seinen verärgerten Kommentaren, wie ich, wenn ich mich über jemanden erhitze, der seine Maske falsch trägt. Er glaubt, die Bahn sei kein Radweg und die Mutter ein schlechtes Vorbild und findet, er sei in seiner Rolle als Ornungshüter berechtigt, dies kundzutun. Wer also was gegen den „alten weißen Mann“ unternehmen will, könnte vielleicht erstmal selbst aufhören, andere zu belehren, zu bevormunden und deren Verhalten (das mit Sicherheit auf eine für diese Person plausible Überlegung basiert, genau wie das eigene Verhalten uns als einzig angemessenes erscheint) zu verurteilen. (Ich sage bewusst „könnte“, und nicht „sollte“, den der einzige Mensch, den ich dazu bringen kann, etwas zu tun, bin am Ende immer nur ich!) Und stellt man sich einmal kurz vor, die Menschheit könne sich nur einen einzigen Tag lang nicht mehr über andere empören, andere beschuldigen, verurteilen oder maßregeln… was wäre das wohl für eine Welt 😉

  4. Mich regt es auch auf, wenn die ältere Generation sich so wenig an die Regeln hält, da wir dies alles ja hauptsächlich machen, um die Leben dieser Risikogruppe zu schützen. Allerdings hat sie ja auch niemand gefragt, was sie sich wünschen. Viele, mit denen ich gesprochen habe, sagen, dass sie lieber ihr Leben riskieren würden als ihre Freunde und Familie nicht sehen zu dürfen. Auch haben viele von ihnen vielleicht das Gefühl, Schlimmeres im Leben gesehen zu haben, tatsächlich gehören sie ja auch nicht nur für Covid 19 zur Risikogruppe sondern viele andere Krankheiten, z.B. die Grippe.
    Hier in Australien waren die Kitas die letzten Monate über durchgehend geöffnet, die Regierung hat sogar die Gebühren aufgehoben. Zwar wurden die Eltern gebeten, ihre Kinder zu Hause zu lassen, wenn sie die Möglichkeiten hatten, sie zu betreuen. Aber von niemandem wurde erwartet, gleichzeitig im Homeoffice zu arbeiten und „nebenbei“ ein oder mehrere Kita-Kinder zu betreuen… Ich habe das Gefühl, dass jede Regierung seine eigene Vorgehensweise als die Beste darzustellen versucht und das auch von den Medien mit getragen wird. Hier meinte der Premier Minister, dass er auf keinen Fall ein Szenario wien in Deutschland möchte, während meine Freundin in Deutschland darauf antwortete, dass sie davon ausgegangen war, dass Deutschland und Süd Korea die beste Vorgehensweise hätten. Und selbst Donald Trump findet ja noch Länder, auf die er mit dem Finger zeigen kann! Natürlich kann man nicht ein System für alle Länder anwenden, aber ein bisschen über den Tellerrand zu schauen kann auch nicht schaden.

  5. Hallo,
    Ich habe drei Kinder (6,5 und 5 Jahre alt) und erlebe die Situation seit März vor allem in manchen Situationen für meine Kinder als schwer nachvollziehbar. Sie sehen im Nachbargarten viele Leute beim gemeinsamen Grillabend und fragen mich, warum sie das nicht dürfen. Sie hören Geschichten von Besuchen bei Omas und Opas und fragen mich, ob die Kinder ihre Oma nicht lieb haben,weil es die Oma doch krank machen kann. Sie sehen Familien auf Spielplätzen hinter dem Absperrband und fragen, ob die Eltern die Schilder vielleicht nicht lesen können. Sie weinen, weil wir unseren Urlaub nicht wie gewohnt in Frankreich verbringen, und fragen uns, warum andere Eltern nicht so „gemein“ sind. Sie fragen und fragen und mir gehen langsam die freundlichen Antworten aus. Abends überlege ich mit meinem Mann, was wir unseren Kindern Gutes tun können, weil sie so unglaublich viel Verständnis haben, so unglaublich solidarisch handeln und dabei nicht die Zuversicht verlieren. Mama, klar helfen wir, damit alle gesund bleiben…
    Warum helfen die kleinen Menschen so viel und viele, viele Erwachsene sind so unsolidarisch, verantwortungslos und egoistisch?
    Wir suchen weiterhin nach freundlichen Antworten auf die Fragen der Kinder und bemühen uns. FÜR unsere Kinder, Eltern, Nachbarn und Freunde. Wir machen bestimmt nicht alles richtig, aber wir versuchen es. Und wir denken auch, dass es ab sofort zum Leben dazu gehört, dass wir Krankheiten nicht kontrollieren oder sofort behandeln können, aber für unsere Kinder, sollten wir versuchen, alles dafür zu tun, damit wir als Gemeinschaft damit umzugehen lernen.
    Liebe Grüße, N.

  6. Ja, ich frage mich das schon länger, wen wir Familien mit unseren Virenschleudern (ich meine natürlich unseren Kindern und könnte kotzen, wenn ausschließlich über Ansteckungsgefahren von Kindern gesprochen wird, wo es kaum Kinder gibt, die größere Gruppen angesteckt haben) eigentlich schützen? Im tiefsten Lockdown, alles war zu und auch in unserem Kreditinstitut waren nur die Kassen geöffnet um die Menschen mit Bargeld zu versorgen, die keine Karte oder so ähnlich haben… da kamen wirklich die ältesten Kunden mit ihren Rollatoren rein um sich ihre Sparraten der letzten Monate ins Sparbuch eintragen zu lassen, wenn wir ihnen erklärt haben, dass dieses nicht möglich ist derzeit, da nur Notbetrieb wurden sie sogar noch patzig! Und jetzt ist es auch die Kundengruppe, die sich im Beratungsgespräch als erstes die Maske vom Gesicht reißt… ich sage ihnen dann streng, dass sie diese bitte wieder aufsetzen, da ich Asthmatikerin bin! Und außerdem die Verantwortung für ein Asthmakind trage! Wahrscheinlich hatten die noch nie Atemnot, ich wünsche das auch keinem, aber wer es einmal erlebt hat, dass die Luft nicht ankommt, der möchte das nie wieder erleben! Wie der schöne Spruch: Wem die Maske unangenehm ist, der wird das Beatmungsgerät hassen!

  7. Mein Aufreger letzte Woche:
    An der Aldikasse unterhalten sich ein älterer und ein jüngerer Herr. Natürlich ohne Abstand (auch nicht zu anderen umstehenden). Der jüngere frägt, den älteren wie es ihm geht. Der ältere antwortet: Uns gehts gut. Ich muss noch nicht wieder arbeiten, bin ja Risikogruppe. Hahahaha!
    Gehts noch? Ich habe eine 4-jährige, die seit Monaten nicht in den Kindergarten gehen und ihre Großeltern kaum sehen darf, um die Pandemie zu stoppen und dieser Mann macht sich einen faulen Lenz und riskiert bereitwillig, sich anzustecken. Traurige Welt!!

  8. Ich kann Dich total gut verstehen! Ich hätte mich über solch ein unverschämtes Verhalten auch extrem geärgert! Und dann wiederum über mich, weil ich mich so ärgere und es nicht an mir abperlt! Aber mal unabhängig von Corona: Ich habe erst vor Kurzem gelesen, dass es für solch ein Verhalten (also älterer – vermeintlich erfahrener – Mann erklärt jüngerer – vermeintlich unerfahrener Frau – die Welt), den Begriff „Mansplaining“ gibt. Kommt natürlich auch sehr gerne im beruflichen Kontext vor! Aahh, so ätzend, fand es aber spannend, da ich den Begriff noch nicht gehört hatte.

  9. Mir geht es genau anders herum:

    Ich werde langsam ungeduldig und wütend wegen der Einschränkungen, die meines Erachtens nur die Personen einhalten sollten, die wirklich begründet oder auch unbegründet Angst haben, sich anzustecken. Das muss jeder Einzelne mit sich (und dann ggfs. dem Arbeitgeber, dem Arzt, der Schule) selbst ausmachen. Eine Reduzierung der Ansteckungsfälle wird meines Erachtens nicht durch eine Impfung (und wenn, wer spielt dann Versuchskaninchen hinsichtlich der Nebenwirkungen?) oder Medikamente erreicht, sondern wird noch Jahre dauern und irgendwann wird eine Ansteckung als weiteres „Lebensrisiko“ dazugehören. Wir können keine zweiten Lockdown in Deutschland machen, dann ist bei vielen Firmen und Selbständigen der Ofen aus, weil dann nicht nochmal so viel Geld da ist, um zu „retten“. Leben ist lebensgefährlich und Corona gehört von nun an dazu.

  10. Also wenn man sich aktuell nicht mit seiner Familie trifft ist das die eigene Entscheidung. Nach 7 Wochen ohne Kontakt und auch keine Playdates machen wir das mittlerweile wieder. Ist ja auch erlaubt. Wenn wir Vorerkrankungen hätte wäre das ggf was anderes aber ich bin nicht mehr bereit mich komplett einzuschränken wenn es in anderen Bereichen niemanden juckt.

  11. Ich habe genau dasselbe Gefühl wie Du. Wir geben uns größte Mühe, verzichten auf alles mögliche und dann passiert es beim Einkaufen: Alter Mann ohne Mundschutz vor mir, hustet, schieft, Rotz hochziehen – diese fiesen Geräusche, die alte Männer eh gern machen. Verkäuferin an der Wursttheke schweigt. Ich konnte nicht anders als sagen „könnten Sie bitte einen Mundschutz anziehen?“ – Mann: „Lass mich bloss in Ruhe Du dumme Kuh“. Was ist los mit den Leuten? Und das Schlimme: ich ärgere mich drei Wochen, er hat es vermutlich nach drei Sekunden vergessen.

  12. Hallo Katharina!

    Also eigentlich tragen hier „auf dem Land“ ausnahmslos alle ihre Masken, wo es verlangt wird. Aber letztens hier bei Aldi … eine sagen wir mal, Frau aus einem anderen Kulturkreis, hatte mitten im Laden ihre Maske nur auf der unteren Lippe sitzen; obere Lippe und Nase waren frei und schrie durch den ganzen Laden (direkt neben dem Obst) zu ihrer Freundin rüber und gestikulierte wild fuchtelt rum. Ich blieb erstmal stehen, um zu gucken, wann ich „gefahrlos“ weiter einkaufen konnte.
    Oder meine Schwägerin: sie und Kind hochallergisch, anderes Kind Herzfehler fährt am Wochenende zu den Schwiegereltern, einfache Strecke knapp 2 Stunden, wo der Schwiegervater auch Vorerkrankungen hat. Super! Ich habe meine Eltern seit 4 Monaten nicht gesehen! Da aber sowohl mein Sohn, wie auch mein Vater (tlw schwer) herzkrank sind, warten wir noch. Haben deswegen auch die Konfirmation unseres Ältesten dieses Jahr abgesagt – dann lieber mit dem Bruder „vernünftig“ in zwei Jahren.

    Unsere Tochter hatte zum Glück Abschied im Kindergarten. Es gab eine Schnitzeljagd mit viel Abstand an den Stationen, verschiedene Startzeiten und Mundschutz wenn nötig. Nicht so schön wie bei den Söhnen damals – aber besser, wie nichts.

    LG

  13. Mhm. Ich sehe es, als Alleinerziehende mit zwei kleinen Kindern 3 und 4 im Homeoffice zweigeteilt. Die Jungen (im Supermarkt etc. halten sich dran). Es sind bei mir die Alten, auf die ich echt sauer werde, weil sie 0 auf die Regeln achten. Kein Abstand, keine Maske, größere Gruppen.

    Es nervt und ärgert mich tierisch, weil wir momentan die Leittragenden sind und bei einem 2. Lockdown wieder die ersten, die es trifft, während Oma Erna noch zur Maniküre geht…..

  14. Mir geht es ähnlich und ich erlebe viel bräsige Ignoranz im Alltag, was das Thema Corona angeht. In Geschäften ärgere ich mich über die vielen Menschen, die ihre Maske unter der Nase oder unterm Kinn hängen haben oder gleich gar keine tragen. Oder über die, die im Supermarkt an der Kasse hinter mir stehen und mir so dicht auf die Pelle rücken, dass ihre Kleidung praktisch meine streift. Hallo? Markierungen? Abstand? Fast noch mehr ärgern mich die Verkäufer bzw. Ladeninhaber, die diese Kunden nicht direkt ansprechen und sie auf ihr Verhalten hinweisen.
    Ich war auch teilweise negativ überrascht, welche grundsätzlich sehr gewissenhaften Eltern in meinem Freundeskreis mit ihren Kleinkindern weiterhin die Großeltern besucht haben, als es offiziell gemäß der Verordnungen nicht erlaubt war. Oder welche befreundeten Eltern Sätze sagten wie „Na ja, unsere Kinder treffen zwar andere Kinder, aber es sind ja nur die Nachbarskinder aus der Straße“ etc.

    Alles in allem stimmt es mich traurig und resigniert, dass selbst bei einfachsten Maßnahmen, die nichts kosten (Abstand halten) und nicht weh tun, sich offenbar weite Teile meiner Mitmenschen einen feuchten Dreck darum scheren.

    1. Ich erlebe sowas eigentlich durch die ganze Bevölkerung hinweg. Ich kenne auch Ältere/Alte, die alleine zu Hause sind und wirklich leiden, die sich einmal die Woche Einkäufe bringen lassen. Und lese im Netz auf den einschlägigen Mamablogs, dass die Familien mit Kindern nach der harten Zeit nichts mehr brauchen, als den Europatourismus im Sommer und während man sich wochenlang über geschlossene Schulen beschwert hat, fahren die einen nun nach Iralien, die anderen in die Niederlande und die Dritten fliegen nach Mallorca. Und nach den Sommerferien wundern und beschweren sie sich vermutlich wieder über geschlossene Schulen. Wohlgemerkt sind das Familien, denen es offensichtlich besser geht als der deutschen Durchschnitssfamilie. Oftmals mit Eigenheim und Garten. Das nervt mich auch. Ebenso wie Hundebesitzer in der Stadt, die ihre Tiere überall hinmachen lassen und nichts wegräumen oder der Mann von gegenüber der im 10Minuten Takt noch glimmende Kippen vom Balkon auf Gehweg und Straße wirft.
      Durch Corona wird wohl einfach noch etwas deutlicher, wer sich wie um den Rest der Gesellschaft schert.

  15. Ich kann da nur total zustimmen. Neben uns wohnt ein älteres Pärchen (60+). Bei denen ist jede Woche anderer Besuch. Ich denke mir dann auch nur, wir treffen unsere Freunde und Eltern nicht, feiern die Geburtstage nicht zusammen um Leute wie euch zu schützen und dann seit ihr so „undankbar“ und trefft euch ständig mit anderen.
    Auf der Straße oder beim einkaufen ähnliches. Am Anfang wurde der Mund-nase Schutz noch vor dem Laden auf/ abgezogen, mittlerweile geht er gleich an der Kasse nach dem bezahlen runter und im Laden bleibt schön die Nase frei.
    Ansonsten überall Menschansammlungen, Leute die sich zur Begrüßung umarmen etc. Ich verstehe es nicht.
    Am WE telefonierte ich mit den Eltern, da kamen auch so Sätze „Naja, unsere Maßnahmen waren ja auch viel zu streng und unnötig. Das hätten wir auch alles hinbekommen mit weniger solcher Regelungen – das zeigt sich ja gerade bei der Feier am Landwehrkjanal. Danach hätten die Zahlen ja Sprunghaft ansteigen müssen, aber ist ja nicht. Um 1 Tag vor dem Lockdown waren wir auf einem Konzert,und da kam ja auch danach keine Info das da irgendwer in der Halle krank geworden ist „. Da blieb mir erstmal das Wort im Halse stecken.

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