Stigmatisierung nach Eizellspende: Was erzählen wir unseren Kindern über ihre Herkunft?

Eizellspende

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Ihr Lieben, es gibt die unterschiedlichsten Kinderwunschreisen, aber ein Kind durch eine Eizellspende zu bekommen, ist in Deutschland nicht legal. Erst diese Woche sorgt Ex-Minister Jens Spahn für medialen Wirbel, weil sein Mann und er Eltern eines kleinen Jungen wurden, der von einer Leihmutter im Ausland ausgetragen worden war (obwohl seine Partei gegen die Legalisierung von Leihmutterschaft in Deutschland ist).

Nicole Klein bemängelt das nicht nur, sie setzt sich auch ganz bewusst gegen die Stigmatisierung nach Eizellspende ein und hilft Familien, die ihren Kindern die wahre Geschichte über ihre Entstehung erzählen möchten. Sie hat sogar einen Verlag gegründet, um betroffenen Familien Wiedererkennung in Büchern zu verschaffen.

Liebe Nicole, in Deutschland sind Eizellspenden nicht erlaubt. Viele Familien weichen also ins Ausland aus und haben dann das Problem: Wie erzähle ich meinem Kind ehrlich von seiner Entstehungsgeschichte?

Für viele Familien endet mit der Geburt ihres Babys eine lange Kinderwunschreise. Bei einer Eizellspende ist das sogar eine Reise im ganz wörtlichen Sinn, denn die rechtliche Situation in Deutschland führt die Betroffenen ins Ausland. Aber die Frage, wie sie ihrem Kind später von seinem Anfang erzählen, beginnt oft erst danach – und kann sie über Jahre hinweg begleiten.

Viele Eltern möchten ehrlich sein, haben aber Sorge, den richtigen Einstieg zu finden. Dabei geht es aus meiner Sicht gar nicht um ein großes, einmaliges Aufklärungsgespräch. Für Kinder ist es oft natürlicher, wenn die Entstehungsgeschichte von Anfang an in kleinen, altersgerechten Sätzen mitwachsen darf. Dann wird sie nicht zu einem Geheimnis oder einer schweren Enthüllung, sondern ist Teil der Familiengeschichte.

Eine Betroffenenbefragung der Deutschen Vereinigung für Familien nach Eizellspende ergab, dass sich 88 Prozent der Befragten Unterstützung wünschen, später mit ihrem Kind über seinen Anfang zu sprechen. Der Bedarf ist also da…

Ja, und das überrascht mich nicht. Viele Familien erhalten vor und während der Behandlung medizinische Informationen. Was danach oft fehlt, ist eine Sprache für den Familienalltag. Eltern fragen sich: Wann fangen wir an? Was versteht ein kleines Kind schon? Wie machen wir die Geschichte nicht größer oder schwerer, als sie für das Kind sein muss? Deshalb ist Unterstützung so wichtig. Nicht, weil Eltern es nicht schaffen würden, sondern weil sie oft nach einfachen Worten und Orientierung suchen.

In Deutschland sind Eizellspenden nicht erlaubt. Kannst du die Argumente für das Verbot bis zu einem gewissen Grad auch nachvollziehen?

Baby
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Ja. Es geht u.a. um medizinische Eingriffe am Körper einer Frau, um den Schutz von Spenderinnen, um das Recht eines Kindes, die genetische Herkunft zu kennen. Das sind echte ethische Fragen.

Was ich aber kritisch sehe, ist die Annahme, dass ein Verbot diese Punkte löst. Es verhindert nicht, dass Kinder nach Eizellspende in deutschen Familien aufwachsen. Es verlagert die Behandlung ins Ausland – teilweise in Länder, in denen Spenderinnen anonym bleiben und genau die Transparenz fehlt, die für Kinder später wichtig sein kann.

Mir geht es deshalb nicht darum, Eizellspende zu bewerben. Mir geht es darum, ehrlich auf die Realität zu schauen: Diese Kinder gibt es. Diese Familien gibt es. Das Verbot löst die Fragen, die damit verbunden sind, jedoch nicht. Es verschiebt sie nur dorthin, wo Familien später oft allein damit sind: in den Alltag mit ihrem Kind.

Betroffene haben das Gefühl der Stigmatisierung nach Eizellspende, diese führe zu Geheimnissen und dazu, dass Eltern ihren Kindern gegenüber eher schweigen. Dabei zeigt die Erfahrung: In Familien, in denen früh offen darüber gesprochen wird, ist das Thema normal und steht nicht im Vordergrund.

Wenn eine Familiengeschichte gesellschaftlich als „verboten“ oder „kompliziert“ wahrgenommen wird, kann das dazu führen, dass Eltern den richtigen Moment für offene Gespräche immer weiter nach hinten schieben. Wenn Eltern altersgerecht, ruhig und liebevoll darüber sprechen, kann ein Kind ganz selbstverständlich damit aufwachsen. Dann ist die Entstehungsgeschichte ein Teil seiner Biografie, aber nicht der Mittelpunkt seiner Identität.

Du führst auch ganz praktische Gründe an, die für eine Legalisierung der Eizellspende sprechen würden…

Ja. Praktisch bedeutet das Verbot für viele Familien: Sie müssen ins Ausland reisen, hohe Kosten tragen, vieles selbst organisieren und sich in andere rechtliche Regelungen und oft auch in eine andere Sprache einfinden. Eine Legalisierung in Deutschland könnte Familien spürbar entlasten und kürzere Wege sowie eine Begleitung im vertrauten Gesundheitssystem ermöglichen. Die Familienrealität ist längst da. Mir wäre wichtig, dass diese Realität auch rechtlich und gesellschaftlich ihren Platz findet.

Familien berichten, dass sie sich während der medizinischen Behandlung im Ausland gut begleitet fühlten, nach der Rückkehr nach Deutschland jedoch oft allein gelassen. Wie sieht diese Begleitung aus?

Die Begleitung im Ausland ist meist sehr medizinisch und organisatorisch geprägt: Behandlungsplan, Medikamente, Termine, Abläufe, Schwangerschaftstest. Kliniken sind darin sehr professionell und routiniert. Nach der Geburt in Deutschland geht es um Familienkommunikation, kindgerechte Aufklärung und die Frage, wie die eigene Geschichte im Alltag einen selbstverständlichen Platz finden kann.

Hier leisten Netzwerke wie das FE-Netz e.V. sehr wichtige Arbeit. Sie schaffen Sichtbarkeit und zeigen Familien, dass sie mit diesen Fragen nicht allein sind. Auch psychosoziale Beratung kann eine wichtige Orientierung geben. Für mich darf gesellschaftliche Normalität aber nicht nur vom ehrenamtlichen Engagement oder einzelnen Beratungsangeboten abhängen. Sie sollte sich auch darin zeigen, dass die Familien im Alltag ganz selbstverständlich mitgedacht werden.

Ihr habt im letzten Jahr den unabhängigen Glanzfunke Kinderbuchverlag gegründet und richtet euch an Familien nach Kinderwunschbehandlungen, Eizellspende, Embryonenspende oder Samenspende. Wie kamt ihr auf die Idee und wie sind die Rückmeldungen der Leserinnen und Leser?

Stigmatisierung nach Eizellspende

Glanzfunke entstand aus einer einfachen Frage: Was passiert eigentlich nach der Kinderwunschbehandlung? Denn irgendwann geht es nicht mehr um medizinische Abläufe, sondern um Familienalltag: Wie erzähle ich meinem Kind seine Entstehungsgeschichte so, dass es selbstverständlich damit aufwachsen kann? Dort haben wir eine spürbare Lücke wahrgenommen: Es gibt wenig kindgerechte Unterstützung für die Zeit danach.

Wir wollten Bücher entwickeln, die nicht erklären wie ein medizinischer Ratgeber, sondern erzählen wie ein Kinderbuch: liebevoll, ruhig, ehrlich und ohne Schwere. In dem Buch „Unser kleiner Anfang mit einer Eizellspende“ geht es um einen Wunsch, der stärker war als jede Hürde, um liebevolle Hände, die geholfen haben und um den Moment, in dem aus einem Traum endlich Wirklichkeit wurde. Kinder sollen ihre Geschichte in einer Sprache hören können, die sie verstehen. Und Eltern sollen spüren: Ich darf einfach anfangen. Ich muss nicht jedes Detail perfekt erklären.

Die Rückmeldungen sind oft sehr emotional: Eltern schreiben uns, dass sie beim ersten Lesen Tränen verdrücken mussten, weil sie sich und ihre Geschichte wiedergefunden haben. Hebammen spiegeln uns zurück, dass sie in den Büchern genau den Zugang sehen, der vielen Familien bisher gefehlt hat. Und auch aus Kinderwunschzentren hören wir, dass die Bücher eine wertvolle Brücke zwischen Behandlung und Familienalltag schlagen. Das bestätigt uns sehr, weil es zeigt: es geht nicht nur um ein Kinderbuch, sondern um einen liebevollen Gesprächsanfang.

Was möchtest du betroffenen Familien zu guter Letzt noch mit auf den Weg geben?

Ich möchte Familien sagen: Ihr müsst nicht alles auf einmal erklären. Und ihr müsst es auch nicht perfekt machen. Eine Entstehungsgeschichte mit Hilfe einer Spenderin, eines Spenders oder einer Kinderwunschbehandlung macht eine Familie nicht weniger echt. Kinder brauchen vor allem das Gefühl, dass ihre Geschichte einen liebevollen und sicheren Platz in der Familie hat. Mein Wunsch wäre, dass alle Kinder eines Tages sagen können: „Ich kenne meinen kleinen Anfang – und er gehört zu mir.“

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22 comments

  1. Wichtiger Artikel zu einem verdrängten Thema. Meine Frage: Wie erklären Sie Kindern konkret, dass Eizellspende im Ausland möglich ist, in Deutschland aber nicht? Das muss psychisch besonders belastend sein, wenn Kinder später merken, dass ihre Familie im eigenen Land unverstanden bleibt.

    1. @Anna: vielleicht ist die unschöne Antwort, dass man im Ausland für Geld alles kaufen kann und im eigenen Land ethische Bedenken anders gewichtet werden?

  2. Ehrlicherweise wollte ich gar keinen Kommentar zu diesem Artikel schreiben, aber irgendwie fehlen mir in dieser Diskussion ein paar Gedanken, die ich gerne anmerken möchte.

    In erster Linie ist es erstmal schön, wenn ein Kind geboren wird.
    Ich finde es vermessen von uns, zu beurteilen, ob das Leben nicht lebenswert ist ( Stichwort Kindeswohl), nur weil die Herkunft ggf.schwierig ist. Wie viele Menschen auf dieser Welt haben ein schwierige Herkunft und sind trotzdem sehr glücklich.
    Dass dies ein Thema im Auswachsen etc. wird, ist sicherlich zu erwarten, aber der Mensch kann meiner Meinung nach auch in solch einer Konstellation Frieden finden.
    Die größte Resilienz liegt immer noch in belastbaren Beziehungen und die werden die zukünftigen Eltern wahrscheinlich bieten.

    Wenn es legalisiert werden würde, wäre sogar die Möglichkeit wahrscheinlich da, die Herkunft irgendwann kennenzulernen.

    Eines meiner Elternteile hat einen Adoptionshintergrund und wenn diese Kinder nur halb so gütig, empathisch, herzlich und gutmütig werde, mache ich mir über die nachfolgende Generation überhaupt keine Sorgen.

    Darüber hinaus bin ich irritiert, dass wir unsere Wertmaßstäbe auf andere übertragen. Ich habe damals Freiwilligen Dienste in Indien und Brasilien gemacht und ich bin mir sicher, ein kleiner Teil der Frauen hätten liebend gerne ihren Körper dafür zur Verfügung gestellt, weil Schwangerschaft was Schönes Tolles und Herausragendes ist und weil sie vllt dann ihre eigene Familie hätten ernähren können, eigene Träume verwirklichen können etc.
    Ist es so vermessen?

    Plakativ formuliert,
    Diese Menschen dürfen Reinigungskräfte sein, im Urlaub für uns sauber machen ( böse : hinter uns herputzen)aber nicht ihren Körper für was Wunderbares hergeben. Wie viele Jobs dieser Welt sind gefährlich und nicht so gut bezahlt und nicht so eng medizinisch überwacht?
    ( und d.h.nicht dass ich dieses Geld regiert die Welt gut finde, aber das ist leider Realität).

    Zudem soll angemerkt werden, dass Leihmütter nicht unbedingt ihre eigenen Kinder gebären, sondern auch eine Eizellspende erhalten haben können.
    Natürlich ist es hart, ein (eigenes) Kind direkt nach der Geburt abzugeben, aber wir dürfen davon ausgehen, dass diese Frauen im Vollbesitz ihrer geistigen Fähigkeiten sind und sich dazu reiflich Gedanken gemacht haben. In welcher Situation sie sich auch immer befinden.

    Ich finde es abwertend über andere so zu urteilen. Meine Sicht kann komplett falsch sein, aber vllt. darf man drüber nachdenken, dass es auch anders sein könnte als hier in einigen Kommentaren zu lesen ist.

    Kinderwunsch ist ein Lebensthema und ich finde, da macht es doch einen enormen Unterschied , ob ich diesen Wunsch erfüllt bekomme oder nicht.

    Und in unserer heutigen Gesellschaft muss man tatsächlich froh sein, wenn sich Leute für Kinder entscheiden, denn das ist sicherlich ein anstrengendes Leben.
    Auch wenn Eizellenspende sicherlich nur einen ganz kleinen Teil der Gesellschaft betrifft.

    1. @Janine: es geht doch gar nicht darum, dass irgendjemand diesen Kindern ein Leben, das lebenswert ist, abspricht.
      Menschen werden in Deutschland vor vielem gesetzmäßig geschützt, was nicht zwingend in Kontrast zu lebenswertem Leben in der Zukunft steht.
      Schadstoffbelastung, Gewalt, Missbrauch, Gefahren aller Art werden minimiert, unwissentlich, wie der individuelle Impact wäre. Das ist ein gesellschaftlicher Auftrag, den ich sehr schätze. In erster Linie geht es bei der Frage doch darum, den Kinderwunsch „auf Biegen und Brechen“ zu ermöglichen. Komischerweise wird da nicht die Resilienz angemahnt, mit schwierigen Lebenssituationen, unerfüllbaren Wünschen, zurechtzukommen.
      Ich weiß natürlich auch, was du mit der Doppelmoral meinst, dass wir in vielen Lebensbereichen vom wirtschaftlichen Gefälle in der Welt profitieren und das im Alltag oft viel zu wenig realisieren oder in Frage stellen.
      Aber dein Beispiel mit der indischen Frau, die es supidupi findet das Kind anderer Leute für andere Leute gegen Geld auszutragen ist mir dann doch zu niedlich. Wie jemand anderes brachte schon das Beispiel mit Organspenden. Lebt sich doch super mit nur einer Niere, und wenn man sich dann etwas leisten kann? Was ist mit Prostitution? Auch da werden Körper erwachsener Menschen für die Bedürfniserfüllung anderer „freiwillig“ feil geboten. Es sind komplexe Themen.
      Und Du hast natürlich Recht, dass wir jeden Tag davon profitieren, dass andere aus schlechteren Verhältnissen (ganz freiwillig) einen Job für uns machen, den kein anderer ausführen will. Angefangen bei der polnischen 24h Pflegekraft (unglaublich gut, dass es diese Modelle gibt und Menschen, die es tun möchten), über deine Beispiele.
      Ganz oft kratzen wir da an Ausbeutung, Menschenhandel und werfen für unsere individuellen Wunscherfüllungen moralische Bedenken über Bord. Das ist menschlich, aber ich bin trotzdem froh, dass der Gesetzgeber uns (und andere) da zumindest zum Teil vor unserem eigenen Egoismus schützt.

    2. Aus meiner Sicht steht nicht zur Debatte, ob ein Leben lebenswert ist oder nicht. Im Gegenteil, ich würde mir viel mehr Schutz für das ungeborene Leben im allgemeinen wünschen.
      Hier geht es doch um die Frage, ob man Menschenhandel legalisieren will oder nicht. Nichts anderes ist doch leihmutterschaft. Für viel Geld kaufe ich mir ein kind, das eine andere Frau für mich austrägt. Dabei muss man beachten, dass diese Frauen oft nicht wirklich aufgeklärt werde, welche starken hormonellen Mittel sie nehmen und was das evtl mit ihrem Körper anstellt. Noch dazu werden oft ein Teil der Embryos wieder abgetrieben im Bauch der leihmutter, wenn zu viele Befruchtungen geklappt haben. Nach der Geburt werden diese Babys dann der Mutter entrissen, den nichts anderes ist diese Frau für das Baby. Und Mitspracherecht haben diese Kinder gar keines!
      Die Frauen, die sich für leihmutterschaft hergeben, machen das meist aus finanziellen Gründen, weil sie unbedingt das Geld brauchen. Das ist dann auch semi freiwillig, sondern letztlich Ausbeuting der Frauen. Und ich bin schon der Meinung, dass es ein unterschied ist, ob man als reinigungskraft arbeitet oder unter medizinischen Risiken seinen Körper für das gebären von fremden Kindern hergibt. Ich finde nicht, dase man das vergleichen kann, obwohl Ausbeutung natürlich immer egal in welcher Weise schlecht ist.
      Ich fühle mit jeder Frau mit, die keine Kinder bekommen kann. Das sit wirklich schrecklich. Aber es gibt kein Recht auf ein Kind und ich finde nicht, dass ein starker Wunsch nach einem Kind rechtfertigt, sich über all diese ethischen Probleme hinwegzusetzen.

  3. Ich finde, das Interview macht etwas sehr Wertvolles: Es lenkt den Blick vom Kinderwunsch auf das Kind. Nicht die Eizellspende steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie Kinder ihre eigene Entstehungsgeschichte kennenlernen können. Gerade weil diese Kinder bereits da sind, finde ich diesen Perspektivwechsel so wichtig – unabhängig davon, wie man persönlich zur Spende steht. Diese Perspektive hat mir sehr gefallen.

  4. Ich verstehe, dass manche hier grundsätzlich gegen Eizellenspenden argumentieren. Das ist eine legitime Position, die ich nicht entkräften will. Mir geht es um einen anderen Aspekt, der in der Debatte oft untergeht: Das deutsche Verbot verhindert Eizellenspenden nicht, es verlagert sie ins Ausland. Und dort landen viele Familien in Ländern mit anonymer Spende, während Deutschland gleichzeitig betont, dass Kinder ein Recht auf Kenntnis ihrer genetischen Herkunft haben. Das ist kein Argument für oder gegen Eizellenspende, sondern eine Feststellung: Die aktuelle Rechtslage erreicht das Ziel, das viele hier als wichtig benennen (Schutz und Wohl des Kindes) nicht zuverlässig.
    Mir ist klar, dass eine gesetzliche Regelung in Deutschland aus Sicht mancher hier die Praxis stärker normalisieren würde und dass „es passiert ohnehin“ kein Freibrief ist. Aber die Alternative ist nicht, dass es dann nicht passiert, sondern dass es unter schlechteren Bedingungen passiert, oft ohne Herkunftsrecht, ohne einheitliche Schutzstandards für Spenderinnen.

    Vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber diskutieren, wie die Welt idealerweise wäre, sondern ob die heutige Rechtslage das Kindeswohl tatsächlich besser schützt oder ob sie am Ende genau das gefährdet, was sie eigentlich erreichen möchte.

    1. Schwierige Position. Denn nur weil sich aktuell über die Not der Spenderinnen in anderen Ländern sowie das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft/Entstehung hinweggesetzt wird, öffnet man für diese Menschen, die offensichtlich dazu bereit sein, eine gesetzlich legitimierte „bessere“, jedoch weiterhin identitätsverwirrende Möglichkeit in Deutschland. Gleichzeitig werden sich dann auch die Menschen, die bislang von obiger Realität bewusst Abstand genommen haben, vermutlich vermehrt für diese Variante in Deutschland entscheiden, was somit einerseits zu noch weniger Adoptionen etc. sowie potentiell mehr Kindern/Jugendlichen/Erwachsenen mit Problemen/ Aufarbeitungsbedarf der eigenen Identität führt…

    2. @Kerstin: niemand zwingt die Menschen diese mehr oder weniger fragwürdigen Angebote im Ausland zu nutzen. Der Weg, das Kindeswohl dadurch zu schützen, es nicht zu tun, steht offen.

  5. Ich sehe einen großen Unterschied zwischen altruistischer und kommerzieller Leihmutterschaft bzw. Eizellenspende. Ich begleite gerade meine Cousine in ihrer großen Trauer über ihre Kinderlosigkeit. Nach 5 künstlichen Befruchtungen hat sie ihren Kinderwunsch aufgegeben und bei ihr liegt es ziemlich sicher an der nicht möglichen Einnistung. Daher hat sie tatsächlich mal über eine Leihmutter nachgedacht, sich mit ihrem Mann aber aus ethischen Gründen dagegen entschieden. Sie und ich waren uns aber einig, dass – wenn es in Deutschland legal wäre(!) – ich ohne zu zögern bereit gewesen wäre, für sie als Leihmutter zu fungieren.
    Ich kann absolut verstehen, dass man als kinderloser Mensch am Verzweifeln ist, aber über die Konsequenzen seines Tuns für andere Menschen muss man sich schon im Klaren sein!
    Wie groß ist denn der Schritt vom Eizelleverkaufen und eine Leihmutter kaufen bis zum Kaufen einer Niere? Da sind die Menschen auch sehr verzweifelt und würden sicher Vieles tun, um an ein Spenderorgan zu kommen.

    1. Bei allem Verständnis für Menschen mit unerfülltem kinderwunsch- ich kann nur erahnen, wie schrecklich das ist- finde ich, dass die Kinder zu wenig gesehen werden. Kinder haben ein recht auf ihre Eltern, sie haben ein recht darauf, zu erfahren, wer die Eltern sind und in dieser Liebe und Geborgenheit aufwachsen zu dürfen. Und ich finde es schrecklich, wenn ein Kind nach der Geburt von seiner bezugspersonen getrennt wird. Das kann für das Kind alles andere als gut sein.

  6. Zum Artikel: Ich finde die Idee mit dem Kinderbuch sehr schön und denke, dass es für betroffene Familien eine gute Handreichung ist um kindgerecht aufzuklären. Nicht ganz nachvollziehen kann ich die Erwartung, dass diese Familienkonstellation von staatlicher Seite mitgedacht werden soll. Die EZS ist nun mal zu Zeit in D verboten (ob das gut/schlecht ist, soll hier nicht das Thema sein), dann wäre es absurd, würde der Staat hierzu Beratungsangebote vorhalten. Nichtsdestotrotz kann ich Paare verstehen, die diesen Weg gehen. Wir haben selbst Freunde, die dies nach vielen Jahren sehr kräftezehrender KiWuzeit gemacht haben. Sie sind von Anfang an offen damit umgegangen. „Einfach nicht machen“ sagt sich so leicht, wenn man selbst nicht in dieser Situation ist. Die Inanspruchnahme der EZS macht sicher keiner einfach so. Und ich persönlich denke auch, dass es für die Kinder okay sein wird wenn man von Anfang an offen damit umgeht. Die genetische Herkunft zu kennen ist ja auch ein Thema bei der schon lange erlaubten Samenspende. Deswegen fände ich es gut, wenn die Kinder irgendwann die Spender/ innen erfragen könnten, sprich offene EZS.

  7. Ich bin grundsätzlich auch gegen die Eizellspende, weil sie zur körperlichen Ausbeutung von Freuen führen kann. Aber ich kann schon auch Paare verstehen, die dazu greifen, weil es vielleicht oder scheinbar die einzige Möglichkeit ist, zu einem Kind zu kommen.Aber das im Interview genannte Argument, Deutschland müsse sich damit auseinandersetzen, weil die Leute sonst ins Ausland gehen, ist ja absolut fadenscheinig. Also brauchen wir auch wieder Atomkraftwerke, die Todesstrafe, Kinderarbeit usw? Nein, innovativer, ökologischer oder auch ethisch-moralischer Fortschritt ist doch nicht weniger wert, nur weil andere Länder es anders machen?!

  8. Ich finde die Argumentation im Text, dass es legalisiert werden sollte, weil es in anderen Ländern ja auch gemacht wird, nicht plausibel. Es gibt vieles, dass in anderen Ländern gemacht wird, von dem ich nicht will, dass es in Deutschland legalisiert wird.
    Bei der Diskussion um die Legalität von Eizellenspende muss halt abgewogen werden zwischen dem medizinisch machbaren, den Selbstbestimmtungsrecht der Frau und dem Gedanken, dass Kinder bekommen kein Aneignungsrecht ist. Es sind viele verschiedene Argumente zu betrachten. Der deutsche Ethikrat hat dazu eine sehr gute Argumentationsübersicht herausgegeben. Die Darstellung im Text ist mir zu plakativ.

  9. Das Selbstverständnis, sich „stigmatisiert“ zu fühlen, wenn man im Ausland etwas tut, was hierzulande verboten ist…..und dann noch Unterstützung, am besten durch die Solidargemeinschaft zu erwarten, ganz ehrlich, das kann ich nicht nachvollziehen. Und wenn ich das für ein Kind nicht zumutbar finde (da sind wir einer Meinung), dann halt nicht machen.
    Mann stelle sich vor jemand läuft hier mit Schusswaffe rum und tut sich ob mangelnder Akzeptanz leid, nur weil es im Ausland erlaubt ist. Andere Beispiele noch und nöcher.
    Ich finde auch nicht, dass ein Kinderwunsch auf Biegen und Brechen in erfüllt werden muss. Und schon gar nicht auf Kosten des Kindes.

    1. Kleine Ergänzung dazu: Verboten ist in Deutschland die medizinische Durchführung der Eizellspende, also dass Ärzte eine fremde Eizelle übertragen oder dafür befruchten. Nicht verboten ist, dass sich eine Frau im Ausland einer dort legalen Eizellspende unterzieht. 

      Gerade deshalb finde ich es problematisch, diese Familien so darzustellen, als hätten sie gegen geltendes deutsches Recht verstoßen. Über die ethischen Fragen der Eizellspende kann man unterschiedlicher Meinung sein. Den Vergleich mit illegalem Waffenbesitz o.ä. halte ich jedoch für unangemessen.

  10. Das sehe ich genauso, wie „Die andere S“. Ich versuche mich immer in die Rolle des Kindes zu versetzen und stelle es mir als absolut identitätsverwirrend vor. Aus Erfahrung weiß ich wie schwierig das häufig schon im Adoptionsbereich und somit ein lebenslanges Thema ist. Dabei handelt es sich jedoch in den seltensten Fällen, um eine selbstgewählte, freiwillige Situation… (Ganz abgesehen von der emotionalen und häufig auch finanziellen Not der Spenderinnen)

  11. Hm, es mag eine unpopuläre Meinung sein, aber vielleicht wäre es eine Möglichkeit den moralischen, ethischen, finanziellen und „wie sag ichs meinem Kinde“ Herausforderungen (von Legalität noch gar nicht gesprochen) aus dem Weg zu gehen, in dem man es einfach nicht macht? Weder da, noch hier?

    1. Das „einfach“ ist eine interessante Wortwahl, die der Komplexität des Themas und der Beweggründe dazu meiner Meinung nach nicht immer gerecht wird.

      1. @A.: so bitter das ist, aber es gibt im Leben „einfach“ weder eine Garantie, noch ein Recht auf jedwede Wunscherfüllung.

        1. Da bin ich ganz bei dir. Aber es gibt die Möglichkeit. Die man nicht nutzen muss, keine Frage.
          Wer die Nutzung entscheiden darf, halte ich für eine ebenso komplexe Frage ohne einfache Antwort, wie das Aushalten eines unerwünschten Kinderwunsches nicht einfach ist.

    2. Das sehe ich genauso. Auch wenn ich auf persönlicher Ebene den starken Wunsch nach einem Kind absolut nachvollziehen kann, finde ich nicht, dass deshalb etwas legalisiert werden sollte, das moralisch und ethisch sehr problematisch ist. Etwas wird ja nicht richtiger, weil es mehrere Menschen machen (aus einer persönlichen Not heraus).
      Gerade beim Thema leihmutterschaft, das zu Beginn ja kurz angeschnitten wurde, werde ich emotional, wenn ich an die babies denke, die nach der Geburt der Frau weggenommen werden, die für sie ja die Mama ist, ihre bezugsperson. Und aus zahlreichen Studien mit adoptionskindern weiß man ja um die Folgen, die diese traumatische Trennung für die Kinder hat. Das andere ist ja dann bei diesen Geschichten noch die Situation der Frau, das Geschäft, das dahinter steckt usw. Wollen wir als Gesellschaft da ernsthaft einen Haken dahinter setzen?

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