Leihmutter aus Kanada: Wie war es, das Baby abzugeben?

Kinderwunsch

Symbolfoto: pixabay

Ihr Lieben, vor einigen Wochen haben wir euch die Geschichte von Fabian und Alessandro erzählt, deren Tochter Sofia in Kanada von einer Leihmutter – wir nennen sie hier Laura – zur Welt gebracht wurde. Das Thema hat für viel Diskussionsstoff gesorgt, die meisten Fragen drehten sich um „Laura“. Wie es ihr wohl damit geht, das Kind neun Monate lang im Bauch gehabt zu haben… und es dann abgeben zu müssen. Und deswegen dachten wir uns: Fragen wir sie doch einfach selbst! Und sie hat in das Interview eingewilligt.

Wichtig für den Hintergrund: Im Gegensatz zu Deutschland ist Leihmuttermutterschaft in Kanada erlaubt – aber nur die altruistische. Die Leihmütter werden für das Austragen des Babys also nicht bezahlt, sie machen keinen Profit. Damit will man sicherstellen, dass die Frauen es wirklich aus dem Antrieb heraus machen, Menschen zu helfen… und nicht aus einer finanziellen Not heraus.

(Verzeiht uns ein paar möglicherweise nicht ganz deutsch klingende Sätze, wir haben das Interview auf Englisch geführt und selbst übersetzt.)

Liebe „Laura“, du wohnst in Kanada, hast einen Sohn – und hast einem deutschen Paar durch Leihmutterschaft geholfen, zur Familie zu werden. Wie kam es dazu, dass du dich bei einer Leihmutter-Agentur gemeldet hast?

Ich habe die Agentur für die Leihmutterschaft über Facebook gefunden. Immer wieder tauchte eine Anzeige auf, die nach Leihmüttern suchte.

Wie hat deine eigene Familie reagiert, als du erzähltest, dass du Leihmutter werden willst?

Meine Familie und Freunde waren alle aufgeregt und haben mich sehr unterstützt, als ich es ihnen erzählte.

Nun bekommt man in Kanada kein Geld für das Austragen eines Babys für eine andere Familie. Welche Motivation steckte also bei dir dahinter?

Mein Sohn war meine Motivation. Kinder sind unglaublich toll. Es gibt nichts Besseres als die tiefe und innige Bindung zum eigenen Kind, nichts Schöneres, als das eigene Kind aufwachsen zu sehen. Mein Sohn ist meine Welt und ich konnte mir kaum vorstellen, wie es wohl Menschen geht, die sich das wünscehn, das – aus welchen Gründen auch immer – aber nicht erleben dürfen. Es gibt so viele Menschen, die diese wundervolle Erfahrung verdienen. Und ich finde es auch besonders schön und wichtig, meinem Sohn zu zeigen, wie großartig es sein kann, anderen Menschen auf jede erdenkliche Weise zu helfen.

Eine Schwangerschaft und eine Geburt sind immer auch mit Risiken verbunden, war dir das egal?

Meine Schwangerschafts- und Geburtserfahrungen waren bei meinem Sohn sehr gut verlaufen und ich wusste, dass die Ärzte meinen Gesundheitszustand während des gesamten Prozesses gründlich betreuen und begleiten würden, so dass ich mir keine Sorgen machte.

In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten und wird auch sehr kritisch gesehen. Welchen Status haben Leihmütter in Kanada? Erfahren sie Anerkennung von der Gesellschaft?

Leihmutterschaft wird in Kanada immer beliebter. Als ich vor ein paar Jahren begann, mich mit dem ganzen Prozedere zu beschäftigen, hatte ich bis dahin niemanden getroffen oder gekannt, der eine Leihmutter war. Mittlerweile kenne ich viele andere Leihmütter hier in der Gegend. Es gab ein paar Zeitungsartikel über einige der Frauen, um das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Leihmutterschaften zu schärfen, aber das ist im Grunde auch die einzige Anerkennung, die mir bekannt ist.

In Kanada ist es so, dass sich die Leihmütter die Familie aussuchen, für die sie ein Kind austragen und zur Welt bringen möchten. Wie kam es dazu, dass du Alessandro und seinen Mann ausgewählt hast?

Ich habe sie ausgewählt, weil ich das Gefühl hatte, dass es einfach direkt Klick gemacht hat zwischen uns. Sie waren so nett und lustig und fühlten sich sofort wie Familie an. Nachdem wir uns kennengelernt hatten, musste ich nicht einmal über die Entscheidung nachdenken.

Wie erinnerst du dich an die ersten Gespräche? Du wurdest dann schwanger mit ihrer kleinen Tochter, wie war das für dich, zwei fast noch fremde Väter z.B. per Zoom mit zu den Untersuchungen zu nehmen?

Ich erinnere mich, dass ich vor unserem ersten Skype-Gespräch nervös war, aber die Aufregung schmolz ziemlich schnell dahin. Es war so einfach, mit ihnen zu reden.

Wie hat dein Umfeld auf den wachsenden Bauch reagiert?

Als mein Bauch größer wurde, war die Neugier der Leute groß. In Kanada ist die Schwangerschaft ein totaler Gesprächs-Opener, man wird einfach darauf angesprochen und die meisten Leute wussten nicht wirklich etwas über Leihmutterschaft. Ich ging offen damit um und so wurden mir viele Fragen zum gesamten Prozess gestellt.

Wie war die Geburt für dich?

Die Geburt ist in meiner Erinnerung irgendwie verschwommen, es ging so schnell! Wir haben es kaum bis ins Krankenhaus geschafft. Wir hatten noch gescherzt, dass wir um meinen Entbindungstermin herum wohl auf dem Krankenhausparkplatz würden campen müssen, um sicherzustellen, dass wir rechtzeitig dort ankommen. Aber ich werde nie vergessen, wie Fabian und Alessandro ihre Sofia zum ersten Mal zu Gesicht bekamen. Es war eine Ehre, diesen Moment der puren Freude miterleben zu dürfen.

Hast du Abstilltabletten bekommen, damit keine Milch entsteht?

Nein, ich hatte einen ganz normalen Milcheinschuss und habe in den ersten Wochen so viel Muttermilch wie möglich für Sofia bereitgestellt, während sie noch in Kanada war.

Vier Wochen nach der Geburt ist Sofia dann mit ihren Vätern nach Deutschland abgereist. Welches Gefühl entstand beim Abschied in dir?

Meine ganze Familie und ich waren traurig, als wir uns von ihnen verabschiedeten. Sie waren zu einem so großen Teil unseres täglichen Lebens geworden. Es war schwer, sich am Flughafen zu verabschieden, aber es war auch tröstlich und aufregend, sich vorzustellen, dass sie nach Hause gehen und Sofia ihrer ganzen Familie vorstellen würden. Das nächste Kapitel in ihrem Leben konnte beginnen.

Gab es zu irgendeinem Zeitpunkt das Gefühl, deinen Körper hergegeben zu haben oder ausgebeutet worden zu sein? Denn das ist hier in Deutschland der häufigste Vorwurf. Einige halten das gar für Menschenhandel…

Nicht für eine Sekunde. Es war meine Entscheidung, eine Leihmutter zu werden, und da ich bereits ein Kind hatte, war ich mir zu jeder Zeit im Klaren darüber, was diese Entscheidung mit sich bringen würde.

Ihr habt noch heute ein enges Verhältnis zueinander, du skypst alle zwei Wochen mit Sofia und ihren zwei Vätern, was bedeuten dir diese Gespräche, welches Verhältnis hast du zu Sofia?

Mit Fabian, Alessandro und Sofia in Kontakt zu bleiben ist für mich etwas ganz Besonderes. Wir hatten das große Glück, durch sie einfach neue Familienmitglieder hinzugewonnen zu haben. Es scheint, als verliefen die meisten Leihmutterschaftsgeschichten nicht ganz so harmonisch wie bei uns. Da hatten wir wirklich großes Glück.

Du hast dich aus der Leihmutterkartei rausnehmen lassen. Wieso? Und: Würdest du es nie wieder tun?

Ja, ich habe meinen Namen aus dem Leihmütter-Register entfernen lassen. Ich sagte Fabian und Alessandro, dass ich diesen Weg nochmal mit ihnen gehen würde, wenn sie sich ein Geschwisterchen für Sofia wünschen sollten, aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen – nach der Verbindung, die wir hergestellt hatten – auch noch für andere Leimutter zu werden.

Wie geht es dir und deiner Familie heute?

Meiner Familie und mir geht es gut.

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