Sexuell verfügbar als Serie! Rosales: Oh, Gott, das bin doch nur ich

Sexuell Verfügbar

Laura Tonke und Caroline Rosales. Foto: Lina Grün/Majestic

Ihr Lieben, erinnern sich einige von euch noch an die Anfangszeit von Stadt Land Mama? Damals war Caroline Rosales noch mit am Start, sie war Teil des Gründungsteams und verließ uns dann nach zwei Jahren, um sich den Lebenstraum der Roman-Autorin zu erfüllen. Was ihr erfolgreichst gelang! (Neben vier Kindern, die sie mittlerweile hat!)

Mittlerweile hat sie etliche Bücher geschrieben, unter anderem auch Sexuell Verfügbar*. Und das – tadaaaa: Caro goes Hollywood – wurde jetzt in einer fünfteiligen Serie verfilmt. Die erscheint genau heute, zum Weltfrauentag, in der ARD Mediathek. Drehbuchautorin? Caro Rosales. Die Serie dreht sich komplett um eine alleinerziehende Zweifachmutter, sogar Caros große Kinder spielen mit. Wie viel von ihr selbst in der Serie steckt, erzählt sie uns hier im Interview. (*Affiliate Link)

Pünktlich zum Weltfrauentag erblickt deine erste Serie das Licht der Welt, sie heißt wie dein basisgebender Roman „Sexuell verfügbar“ und du hast zusammen mit Co-Autor Timon sogar das Drehbuch geschrieben. Wie fühlen sich die Wehen auf dem Weg zur Geburt an?

Sexuell Verfügbar
Laura Tonke in „Sexuell Verfügbar“. Foto: ©ARD Degeto/Lina Grün

Mäßig im Tagesverlauf und am Abend manchmal stärker. Dadurch, dass Benjamin, der Produzent, Paula, die seit Jahren für mich Presse macht, Kowalski, unser Komponist eigentlich noch non-stop bis zum 8. März an der Promo zur Serie arbeiten, habe ich noch keine Zeit, um alles, was passiert ist, mal zu reflektieren.

Ich meine, wie ihr, Lisa und Katharina, habe ich einfach nur ein Buch geschrieben und auf einmal kam die ARD dazu und eine großartige Redakteurin – und die Dinge nahmen Fahrt auf. Plötzlich heißt es: Okay, jetzt müsst ihr casten. Wir brauchen eine Regie, eine Kamera-Person, eine Kostümbildnerin, jemanden für das Maskenbild.

Es ist so irre, dass dann irgendwann der erste Drehtag ist. Und dann sind da über 80 Leute an einem Set und die drehen dann „Sexuell verfügbar“ (an dieser Stelle auch einfach nochmal DANKE an unseren Kameramann Robert Oberrainer und unsere Regisseurin Ulrike Kofler!). Und du denkst dir als Schriftstellerin: Oh, Gott, das bin doch nur ich. Ich weiß nicht, ob man diese Dialoge ernsthaft verfilmen sollte, haha. 

Die 5-teilige Serie wird demnächst für ganz Deutschland in der ARD Mediathek verfügbar sein, auf einer Skala von 1-10 wie aufgeregt bist du (10 am schlimmsten)? Welche sind deine größten Vorfreuden, welche deine Sorgen?

Ich glaube, die größte Sorge ist, nicht verstanden zu werden. Aber das ist sie ja irgendwie immer. Auch bei Büchern oder allgemein bei künstlerischen Werken. Ich hatte zu allem in der Serie eine Vision – von der Wohnung der Familie, von Miki, der Hauptdarstellerin, sogar oder gerade vom Kostüm, das die wunderbare Monika Buttinger kreiert hat.

Jetzt denke ich, dass das alles zusammenhalten muss. Und dass es spätestens jetzt auffallen könnte, wenn man sich verzettelt hat. Die Serie war für mich wie eine Matheaufgabe. Wenn du dich bereits oben verrechnet hast, dann kommt unten das Falsche raus. Und ich war immer sehr schlecht in Mathe. 

Ich durfte die Serie vorab sehen und mein Fazit war: Überraschend, mutig, anders. War das von Anfang an euer Ziel? Anders zu sein? Zu überraschen?

Danke für Deine Worte. Ich glaube, dass ich nicht geplant habe, anders sein zu wollen mit der Serie, eher wollte ich natürlich möglichst viele künstlerische Freiheiten – und die habe ich wie gesagt auch bekommen, was toll war. Ich würde schon sagen, dass mein Humor sehr albern und sehr schwarz ist. Timons auch.

Ich glaube, dass das eher eine Farbe oder ein Genre ist, das wir aus dem dänischen oder dem französischen Film kennen. Ich liebe die Filme von Ruben Östlund und dänische Filme wie Adam’s Äpfel. Und ich mag, dass in unserer Serie ein Teil auch wie Fantasie-Sequenzen daherkommt. Vielleicht wird es dadurch überraschend. 

Die Hauptfigur – absolut exzellent gespielt von Laura Tonke – wird von einem Mann namens August von Modersohn der Vergewaltigung bezichtigt. Musste es dieses extreme Beispiel sein, um zu zeigen, wie anders ihr es angeht?

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Laura Tonke. Foto: Lina Grün/Majestic

Puh, wieder eine gute Frage. Also: Ja. Ich hatte zumindest von Anfang an dieses Szenario im Kopf. Ich wollte damit nicht unbedingt extrem sein, ich wollte mehr etwas haben, eine Idee, die so spannend ist, dass sie mich über die fünf Folgen trägt. Die mir Lust macht, es zu schreiben und es immer wilder werden zu lassen. 

Mit der Hauptfigur habt ihr endlich mal auch ein streitbares, ein komplexes Frauenbild geschaffen, das nicht nur die eine Facette mitbringt. Manchmal hab ich sogar dich, Caro Rosales, darin wiedererkannt, könnte das sein ;-)?

Naaa, meinst Du? Einer unserer Schauspieler sagte auch beim Dreh zu mir: ,Hey, das ist doch hier schon dein Leben. Das ist doch nicht alles ein Witz.‘ Ich war geschockt. Es hat mich wie aus dem Nichts getroffen. Also, aber um das wenigstens klarzustellen: Ich habe keinen Mann vergewaltigt. Aber ich war lange alleinerziehende Mutter und ich habe mich gedatet. Das sind schon alles eigene Erfahrungen, haha.

Als wunderbar wohltuend empfand ich auch, dass nicht jede Szene vorhersehbar ist, das macht die Wendungen manchmal ein bisschen abgespaced, aber eben auch unterhaltsam. Wolltet ihr das bewusst ab und zu ein bisschen experimenteller? Und war das für die ARD-Verantwortlichen ok oder musstet ihr dafür auch kämpfen?

Ich wünschte, ich könnte jetzt hier den Heldinnen-Epos erzählen, dass ich mir natürlich alles bitterlich erkämpfen musste. Aber tatsächlich kam eigentlich nie ein: „Nein“. In einer frühen Version war Miki auch schwanger und hatte eine Abtreibung in der Jetzt-Zeit.

Ich hätte gerne ein paar Konservative damit geärgert, aber es ging sich dramaturgisch leider überhaupt nicht aus. Ich denke aber auch, dass gerade ein gutes Momentum ist, um experimentelle Stoffe zu realisieren. Ich glaube, durch die vielen Streaming-Anbieter wird der Markt für ungewöhnliche Filme und Serien gerade interessanter. 

Großartig ist wirklich auch das Szenenbild, die Hauptfigur hat zwei Kinder UND IN DER WOHNUNG SIEHT ES TATSÄCHLICH AUCH SO AUS, das man in der ARD so noch nicht gesehen, überall steht Geschirr, überall hängen bunte Bilder…

Das war mir tatsächlich sehr wichtig. Eva-Maria Wendt, unsere Szenenbildnerin, hatte da aber von Anfang eine klare Vision. Sie hat wirklich eine bestechende Mischung hinbekommen aus Gegenständen und Wandfarben, bei denen du sagst: Ich will das alles in meiner Wohnung haben, minus das Chaos. Das habe ich schon selber. Und auch Laura war das beim Spielen sehr wichtig. Dass die Wohnung zu ihrer Rolle passt. Dass es eine Wohnung ist, die man Micki zutraut. 

Die Kinder der Hauptperson werden von zwei deiner eigenen vier Kinder gespielt, waren sie sofort Feuer und Flamme? Wessen Idee war das? Und was hat der Vater, von dem du ja schon lange getrennt bist, dazu gesagt?

Cleo, meine neunjährige Tochter, war immer Feuer und Flamme. Sie war von Anfang an dabei und sogar bei den Castings für Heini, der jetzt von Merlin Sandmeyer gespielt wird, als Anspielpartnerin dabei.

Maxime, ihr Bruder hat viel mehr gehadert und überlegt. Warum sagt meine Rolle das jetzt? Wieso geht die Geschichte so? Ich glaube, dass er Film liebt, aber sich mehr für Kamera und Regie interessiert, als für Schauspiel. Der Papa ist einfach nur stolz auf die Beiden. 

Was wünschst du dir und der Serie jetzt zum Start?

Erfolg. Ich wünsche uns sehr viel Erfolg, weil wenn wir erfolgreich sind, dann werden Streamer und Sender sehen, dass es mehr solche Formate, Serien und Filme braucht. Dass es ein großes Publikum gibt, die sich solche Stoffe aus Deutschland wünschen. Weitermachen zu dürfen, mit dem was man liebt und Themen setzen zu können, die wichtig sind, ist ja immer der große Traum. 

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2 comments

  1. Habe mir gestern die 1. Folge angeguckt. Bin selber alleinerziehend und habe mich gut amüsiert. Ich bin gespannt auf die nächsten Folgen. Danke für den Tipp! Von alleine wäre mir die Serie sicherlich (alleinerziehend, ständiger Zeitmangel etc.) gar nicht oder nicht so schnell aufgefallen. Wünsche den Macherinnen viel Erfolg!

  2. Ach krass , ich kann mich noch erinnern , wie ihr hier verkündet habt , dass Cleo geboren wurde … inclusive Namen raten vorher .
    Und jetzt spielt sie in einer Fernsehserie mit !
    Werd ich mir angucken, mit Laura Tonke, cool!

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