Vater in Trennung: „In der Corona-Zeit durfte ich mein Kind 2,5 Monate nicht sehen“

Scheidung

Ihr Lieben, gerade für Patchworkfamilien und getrennte Eltern war die Corona-Zeit eine große Herausforderung. Umgangszeiten konnten nicht so stattfinden wie gewohnt, die eh schon recht schwierige Lage der Familien wurde nochmal verschärft. Bei Thorsten war es so, dass er sein Kind zweieinhalb Monate lang nicht sehen konnte.

Lieber Thorsten, für dich war die Corona-Zeit im Lockdown – also im Slowdown mit Kontaktbeschränkungen – ganz besonders hart. Erzähl mal, wieso.

Ich habe einen Tag vor einem nächsten Treffen mit unserem Kind eine Nachricht von der Mutter bekommen, dass die Umgänge auf unbegrenzte Zeit aufgrund der aktuellen Lage nicht mehr stattfinden. Diese Treffen, das muss man vielleicht dazu sagen, fanden immer bei der Mutter statt und zwar einmal pro Woche für ca. drei Stunden.

Ich hatte versucht, sie sofort anzurufen, sie nahm aber nicht ab. Erst abends bekam ich einen Rückruf. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Anzeichen von Corona und hatte vorgeschlagen, dass wir eine Woche warten und der Umgang fortgesetzte werden könnte, wenn keine Anzeichen von Corona da wären. Es war aber nichts zu machen. Die Mutter unseres Kindes (6 Jahre) wollte keine Einigung. Sie sagte, ich könne aber jeden Tag anrufen.

2,5 Monate konntest du dein Kind dann nicht sehen. Was hat das mit dir gemacht?

Wenn man sein Kind schon in normalen Zeiten so wenig sieht, obwohl man nur eine halbe Stunde auseinander wohnt, zerren 2,5 Monate ohne richtigen Kontakt sehr an den Nerven.

Man macht sich Gedanken wie es dem Kind geht, ob es nach einem fragt, ob es an einen denkt. Leider gibt es bei uns keinen Stammtisch von betroffenen Eltern und Freunden kann man damit auch nicht immer auf „die Nerven gehen“. Somit ist man mit diesem Thema sehr alleine und auf sich gestellt. Oft saß ich einfach auf der Couch, habe an unser Kind gedacht, mit Fotos oder Videos angeschaut und geweint.

Ich befasse mich seit gut drei Jahren mit dem Thema Trennungskinder und habe viele betroffene Eltern (Väter und Mütter) in den sozialen Netzen kennengelernt und bezeichne viele mittlerweile auch als Freunde. Es hat geholfen, mit ihnen zu schreiben oder auch mal zu telefonieren.

Wie hast du in der Zeit Kontakt gehalten zu deinem Kind und wie war euer Wiedersehen nach der langen Zeit?

Mir wurde von der Mutter unseres Kindes angeboten, jeden Tag anrufen zu können. Leider gestaltete sich das schon vor Corona als schwierig, denn die Mutter war immer mit am Telefon, sei es bei Video- oder normalen Anrufen. In 2,5 Monaten konnte ich unser Kind ca. 30 min sprechen. Oft hörte ich den Satz: „Ich habe keine Lust, ich bin müde, ich möchte nicht.“

Leider kam von der Mutter auch nie ein Satz wie: Telefoniere doch mit Papa, er freut sich bestimmt oder Ähnliches. Zu Ostern durfte ich dann kurz mein Kind besuchen. Ich habe schnell die Geschenke vor Ort versteckt.

Anfangs kam es mir so vor, als ob unser Kind Angst hätte, dass ich ansteckend sein könnte – wegen Corona. Das hat sich zum Glück schnell gelegt. Ich musste aber immer Abstand halten, weil die Mutter es so wollte. Das ist natürlich sehr schwierig, wenn man sein Kind endlich wieder in den Arm nehmen möchte.

Als die Umgänge wieder stattgefunden haben, war das Vertrauen zum Glück schnell wieder da, auch wenn die Mutter wünschte, dass ich eine Maske tragen soll, wenn ich unserem Kind „zu nahe komme“. Wir haben viel gelacht, gespielt, getobt, gebastelt und gekuschelt.

Seit sechs Jahren seid ihr als Eltern getrennt, hat es denn zuvor ganz gut geklappt? Wie habt ihr das ausgeteilt?

Es hat leider noch nie gut geklappt. Wir haben uns kurz nach der Geburt getrennt, weil es als Paar nicht mehr geklappt hat, wozu auch ich meinen Teil beigetragen habe (kein Betrügen, keine Gewalt). Anfangs wurde mir gesagt, ich kann unser Kind jederzeit sehen, woraus schnell 1 Mal in der Woche für eine Stunde wurde – und das auch immer nur bei der Mutter.

Ich habe immer wieder versucht, den Umgang auszuweiten, freundlich, bettelnd, mit Druck. Nach drei Jahren habe ich nach einem Streit dann das gemeinsame Sorgerecht und Umgang eingeklagt. In dieser Zeit wurde durch die Mutter der Umgang ausgesetzt. Fünf Monate lang konnte unser Kind mich nicht sehen.

Das Sorgerecht habe ich bekommen, ein Umgang wurde auch beschlossen. Kurz nach dem Beschluss rief mich die Mutter an und bat um ein Treffen. Dort sagte sie, dass wir uns für unser Kind zusammenreißen müssen und wir das schon hinbekommen. Wir beschlossen, dass ein gemeinsamer Weg als Eltern (nicht als Paar) das Beste für unser Kind ist.

Das sah ich ähnlich. 1,5 Jahre später fielen wir aber in alte Muster, die Lage verschlechterte sich. Aus diesem Grund habe ich Gespräche beim Jugendamt gefordert. Wir wurden von einer sehr fähigen Mitarbeiterin begleitet. Diese Gespräche wurden jetzt aber leider wieder beendet, da keine gemeinsame Einigung bezüglich des Umganges möglich ist.

Nun wird unser Fall wohl wieder vor Gericht landen und seit dem Eingang des Gerichtstermins darf ich mein Kind wieder nicht sehen, der Umgang wurde ausgesetzt.

Du setzt dich im Netz gegen die „Parental Alienation“ ein und dafür. Inwiefern ist das bei dir ganz persönlich noch nötig?

Ich habe das Gefühl, dass unser Kind das Nicht-Wollen der Mutter in Sachen Umgang mit mir, bemerkt. Es ist von Bauchschmerzen vor unseren Treffen die Rede, bei denen ich nicht weiß, ob sie unserem Kind eingeredet werden. Zudem versucht die Mutter, Streitgespräche vor unserem Kind anzuzetteln. Bei einem Gespräch beim Jugendamt wurde von ihr geäußert, dass sie alles dafür tun wird, dass unser Kind nicht auch mal zu mir nach Hause kommt für ein Treffen. Geschweige denn bei mir übernachtet.

Das ist aber nur die Spitze der Parental Alienation von Seiten der Mutter. Ich hoffe nun, dass eine Entscheidung des Gerichtes dieser versuchten Entfremdung entgegenwirken kann und unser Kind auch mit mir im Alltag mehr Zeit verbringen kann.

Ich befasse mich seit ca. vier Jahren mit dem Thema Trennungskinder und oft macht es mich fassungslos, was alles passiert.

Nach einer Trennung heißt es dann plötzlich, die Kinder hassten auf einmal den anderen, wollten, dass er stirbt. Geburtstagsgeschenke werden wieder zurückgeschickt, dem Kind gesagt: „Es kamen keine an, du wurdest vergessen. Papa/Mama hat dich nicht mehr lieb, er/sie hat jetzt eine neue Familie uvm.“

Empfehlen kann ich hier den Film „Weil du mir gehörst“ in der ARD Mediathek. Dieser zeigt auf, wie dieses „Spiel“ gespielt wird und inwiefern auch Anwälte und Gutachter ihre Finger im Spiel haben.

Was würdest du dir in Bezug auf getrennte Mütter und Väter in Deutschland wünschen?

In aller erster Linie, dass an das Kind gedacht wird. Dieses hat nun mal Mutter und Vater und liebt diese doch auch. Egal was zwischen den Eltern vorgefallen ist (Gewalt und Missbrauch schließe ich explizit aus), das Kind darf nicht unter Entzug eines Elternteiles leiden. Auch wenn man kein Paar mehr ist, man bleibt ein Leben lang Eltern und so sollten sich Betroffene auch verhalten.

Nun stehen im konfliktreichen Trennungsfall ja oft Aussage gegen Aussage. Wie kann es da eine faire Lösung geben – die vor allem im Sinne der Kinder getroffen wird?

Das ist tatsächlich ein sehr trauriges und komplexes Thema. So wie ich es kenne, wird vor einem Verfahren erst einmal eine Elternberatung empfohlen. Wenn dort gut ausgebildete und fähige MitarbeiterInnen sitzen, kann man schon eine Menge Anschuldigungen aus dem Weg räumen.

Gegebenenfalls kann man auch dort schon sehen, wem es um das Kind geht und wer aufgrund seines „Verletztseins“ keine Einigung möchte oder den anderen aus dem eigenen, und somit dem Leben des Kindes verbannen möchte.

Leider scheint es auch viele Anwälte und Verbände zu gebe, die Tipps geben, wie man den anderen Elternteil „entfernen“ kann. Bei Anwälten spielt dann auch noch das damit zu verdienende Geld eine Rolle, oder auch eine entsprechende Ideologie. Denn oft hört man noch, das Kind gehört zur Mutter.

Oft wird versucht, das Konstrukt „hochstrittig“ zu erzeugen, damit der Umgang notfalls ausgesetzt werden kann. Was viele hier nicht sehen: Zum Streit braucht es keine zwei Parteien, es reicht, wenn einer diesen führt.

Ein weiteres Problem sehe ich auch an den Familiengerichten. Ich finde die Frage an Kinder, bei wem sie lieber wohnen wollen, unsäglich. Ein Kind sollte sich niemals zwischen seinen Eltern entscheiden müssen.

Was ich zum Schluss noch sagen möchte: Das Thema Eltern-Kind-Entfremdung ist kein Genderthema. Es betrifft Väter und Mütter! Man darf nicht zulassen, dass bestimmte Gruppen Mütter gegen Väter, oder Väter gegen Mütter ausspielen. Denn genau darunter leiden die Kinder und der Streit zwischen Eltern wird angeheizt – und zwar leider auf dem Rücken der Kinder.

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4 Kommentare

  1. Es macht mich so traurig wenn ein Elternteil sich bei einer Trennung so quer stellt und scheinbar gar nicht daran denkt, was es damit seinem eigenen Kind antut.
    Ich wünsche dir, und vor allem deinem Kind, dass deine Expartnerin dir mehr entgegen kommt und du dein Kind regelmäßig sehen kannst!

  2. Ein/e gute/r Verfahrenspfleger/in bei Sorgerechtsangelegenheiten wird ein jüngeres Kind niemals fragen, bei wem es wohnen will. Das Kind soll / muss selbstverständlich gehört werden, aber nicht auf diese Art und Weise. Es gibt auch Anwälte, die als Mediatoren ausgebildet sind und in solchen Familienkonflikten hilfreich sein können.

    1. 2 1/2 Monate ist schlimm, aber das geht ja noch.
      Meine Kinder wurden von mir im Zuge der Trennung über 10 Monate fern gehalten mit völligem Kontaktabbruch. Da wurden die 2 Monate mit Ausrede Corona nur hinten angehängt. Sowas ist im deutschen Recht scheinbar problemlos möglich.

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