Falsche Freunde? Unsere Teen-Time Jugendkolumne zum „guten“ Umgang

Falsche Freunde

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Ihr Lieben, was können wir tun, wenn sich unsere Kinder phasenweise (oder länger) mit zwielichtigen Gestalten treffen, wenn sie mit in unseren Augen falschen Freunden rumhängen, einfach keinen guten Umgang haben?

Ich vermute, das beschäftigt wohl alle Eltern von heranwachsenden Kindern. Die Peergroup hat einfach ab einem gewissen Alter einen riesigen Einfluss auf unsere Schützlinge. Helfen da Warnungen? Offene Gespräche? Oder einfach Geduld und die Hoffnung, dass sich das schon auswächst?

Falsche Freunde? Was kann ich da als Mutter oder Vater tun?

Ich weiß noch genau, dass sich unsere Große in Coronazeiten genau in der Phase befand, in der sie sich von uns, von ihrer Familie abgrenzen wollte. Wir richteten ihr ein Gartenhäuschen ein, damit sie dort wenigstens mit der Nachbarin mal übernachten und ohne uns Zeit verbringen konnte.

Als dann die ersten Umgänge wieder erlaubt waren, fuhr sie öfter in eine Kleinstadt ein paar Dörfer weiter. Anderer Landkreis, andere Regeln. Während man sich bei uns schon wieder zu viert treffen durfte, galt da noch die Regel: Nur zwei Personen dürfen gemeinsam auf die Straße. Da sie trotzdem, zu viert unterwegs gewesen waren, sammelte das Ordnungsamt sie ein – und fand eine Flasche Alkohol bei einer der Personen.

Natürlich hatte niemand die trinken wollen, natürlich hatten sie sie nur „für jemand anders“ mitgenommen, nun. Wie auch immer. Wir Eltern kannten die drei anderen Personen nicht, machten aber mal ne Ansage. Harter Alk ist einfach tabu. Jaja, schon klar. Weiß ich doch alles. Der Alk verschwand, die Freunde blieben noch eine Weile.

Die Kinder abends aus dunklen Parks abholen

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Abends trafen sie sich im dunklen Park und wenn ich sie dort abholte und mal ein paar von den anderen Personen sah, dachte ich schon das ein oder andere Mal: „Puh.“ Und fragte mich: Muss das so? Aber ich versuchte, Verständnis zu zeigen. Mensch, das sind ja ganz andere Leute, die du da triffst. Ganz anders als wir.

Wenn es Streit gab und sie Redebedarf hatte, gab ich schon mal Hinweise: Sie sind vermutlich ganz anders aufgewachsen als du, da kannst du vermutlich nicht immer erwarten, dass sie Probleme lösen wie wir. Ich ließ das ab und zu nebenbei fallen. Ich fragte nicht, was das solle, was ihr das bringe, sondern blieb dran, versuchte, Verständnis aufzubringen.

Vorsichtig und behutsam, um sie auch nicht zu vergraulen und ihr zu zeigen: Wir akzeptieren, mit wem du deine Freizeit verbringst, aber wenn was ist oder es ne doofe Situation gibt, kannst du zu uns kommen. Und bitte mach deinen Standort an, wenn du da unterwegs bist, denn wir kennen die Leute einfach nicht.

Geduld und offenes Ohr: Manches erledigt sich von selbst

Ich baute trotzdem insgeheim drauf, dass sich das irgendwann von selbst erledigen würde. Und das tat es auch. Andere Menschen wurden spannender. So hatte sich das ganz natürlich und von selbst erledigt. Dann kam ihre Geburtstagsfeier und mit ihr nachts um 2 Uhr eine Horde Jugendlicher, die nicht eingeladen war. Partycrasher. Sie waren gekommen, um Stunk zu machen.

Ich hatte die Truppe – zum größten Teil mit Kapuzen auf dem Kopf und Bier in der Hand – bei uns die Straße hochkommen sehen, als ich drei Partygäste in der Nacht zur Bahn bringen wollte. Und hatte sofort kehrtgemacht, um der Partygesellschaft zu sagen, dass da Leute unterwegs zu uns waren, die hier nicht hingehörten.

112, Polizei: Partycrasher im eigenen Garten

Ein Partygast hatte eine Vermutung, welche Truppe das sein könnte, rief einen von ihnen an und fragte nach: „Seid ihr das?“ Und er sagte „JA und wir stürmen das Ding jetzt.“ Wir verrammelten das Gartentörchen und riefen die Polizei. Die kam und sagte mir, sie könnten nichts ausrichten, solang noch nichts passiert sei. Ich solle die Party auflösen und FALLS die Truppe doch noch versuche, reinzukommen, unsere Jungs (also unsere männlichen Partygäste) zurückhalten, da die Angreifer im Zweifel die besseren Waffen hätten. Bitte was?!?

Und während wir das vorn am Eingang mit der Polizei besprachen, hatten die „Angreifer“ doch tatsächlich unser Gartenhäuschen ausgeräumt und uns sowohl das Ipad als auch die Musikanlage gestohlen.

Am Ende schalteten sich am nächsten Tag Leute ein, die die Partycrasher kannten und die dafür sorgen konnten, dass wir alles wiederbekamen. Schwein gehabt. Ipad wieder da. Musikanlage zurück. Und trotzdem: Diese Zurückbringer gehörten dann plötzlich zum neuen Freundeskreis und man fragte sich schon, was das für Leute sind, wenn selbst die Crasher Respekt vor ihnen hatten. Auch das hatte sich aber nach einigen Monaten erledigt.

Was mir in dieser Zeit half, waren gleichalte Freundinnen, denen ich davon erzählte. Und die meinten, sie hätten mit 16 nur mit kiffenden Schwerverbrechern abgehangen. Die mir Stories auftischten, gegen die all das, was wir da erlebten, gar nichts war. Und die dann aber trotzdem später normale Jobs und normale Freundeskreise hatten.

Zwielichtige Gestalten: Die Jugend als wilde Ausprobierphase

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Die Jugend ist eben ne intensive Ausprobierphase, die prägt und uns zeigt, was die Welt da draußen halt zu bieten hat. So eine Phase erleben wir vermutlich nie wieder und da muss es dann eben auch erlaubt sein, mal Zeiten mit zwielichtigen Gestalten zu verbringen, um nachher zu merken, was man wirklich braucht im Leben.

Für die Jugend total nachvollziehbar, für die Eltern durchaus anspruchsvoll im Aushalten 😉 Zum Glück ist hier zurzeit aber mittlerweile alles in herrlich ruhigen Fahrwassern und ich mag die Leute, mit denen sich unsere Kids umgeben, so gern, dass sie immer herzlich willkommen sind hier bei uns. Wie schön, das sagen zu können!

Ich kann euch also Hoffnung machen: Das wird! Und wenn nicht, dann bleibt ihr einfach dran und habt ein offenes Ohr. Gegenargumente helfen wohl wenig, aber da sein. Das sollte doch möglichst nachhaltig wirken. Oder was meint ihr?

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1 comment

  1. Das ist gut nachvollziehbar, das „mulmige“ Gefühl und die Sorge um die Kids. Was mich etwas stört am Artikel sind die in meinen Augen doch recht abwertenden Formulierungen: „zwielichtig“, „die sind ganz anders als wir“, etc.
    Das klingt doch irgendwie recht überheblich. Meine Eltern fanden meine Freunde auch befremdlich….tennisspielende „Bonzenkinder“ aus Akademikerfamilien. Die waren auch „so anders als wir“. Man kann halt auf viele unterschiedliche Arten borniert sein.

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