Wütend auf den Mann: „Ich musste raus aus dem Mental Load“

Mental Load

Ihr Lieben, ihr kennt doch bestimmt auch dieses unterschwellige Gefühl der Ungerechtigkeit, wenn alle entspannt zur Familienfeier aufbrechen, du aber noch nicht fertig angezogen bist, weil ja noch die Karte geschrieben, das Geschenk verpackt, die Notfall-Snacks und Wechselkleidung für die Kids eingepackt werden müssen…

Wut über zu viel Ungleichberechtigung

Laura (drei Kinder, berufstätig) wurde irgendwann wütend darüber, dass oft sie all das Drumherum auf dem Schirm haben sollte. Als sie schließlich zum ersten Mal den Begriff „Mental Load“ hörte war das ein Aha-Moment. DARUM also war sie ständig so erschöpft. Weil die meisten Gedanken und Planungen in Sachen Familienalltag einfach bei ihr lagen. Sie wollte dringend etwas daran ändern – und alles besser verteilen. Die Zuständigkeiten zwischen ihr und ihrem Mann besser aufteilen.

Mittlerweile ist Laura Fröhlich Expertin, Speakerin und Referentin für Mental Load. Sie hat uns auch schon mal einen Corona-Notfallplan gegen zu viel Mental Load im Lockdown geschrieben, uns erklärt, warum Mama nicht das Mädchen für alles ist und für mehr Pausen für Mütter plädiert.

Nun haben wir sie noch einmal zum Interview gebeten, weil sie Mut machen kann. Weil sie aufzeigt, wie Paare etwas verändern können, wenn sie das Problem erkennen. Wie sie aktiv an einer besseren Verteilung der unsichtbaren Arbeiten in der Familie arbeiten können. Dazu gibt es mittlerweile auch ein Workbook von ihr: Dein Workbook: Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles: Mental Load loswerden. Es lohnt sich zusätzlich aber auch, Laura bei Instagram zu folgen. Hier erfahrt ihr nicht nur praktische Alltagstipps, sondern bekommt auch den Aufbau ihrer Akademie hautnah mit.

Laura Fröhlich

Laura, kennst du das Problem mit dem Mental Load selbst?

Na klar! Ich bin nämlich auch deshalb Expertin, weil ich selbst betroffen war. Wie die meisten Frauen in Deutschland habe ich viel länger Elternzeit genommen als mein Mann. Dadurch war ich super kompetent in Sachen Alltagsorganisation. Ich hatte alle Termine der drei Kinder auf dem Schirm, wusste, was eingekauft oder besorgt werden muss und habe auch Großprojekte wie Verwandtschaftsbesuch, Kindergeburtstage und unsere Reisen geplant. Auch als ich wieder berufstätig war, war ich die, die an alles gedacht hat, und die Menschen um uns herum haben sich an mich gewandt. Großeltern wollten wissen, was sich die Kinder wünschten, die Erzieher:innen aus dem Kindergarten baten mich, an Kuchen fürs Kita-Buffet und neue Matschhosen zu denken.

Mein Kopf war also ständig voll, und ich war unglaublich gereizt. Ich konnte mich nie auf eine Sache konzentrieren, habe bei der Arbeit mental einen Einkaufszettel geschrieben oder hing am Handy, um WhatsApp-Nachrichten zu beantworten. Und das hat mich auch wütend auf meinen Mann gemacht, der sich gedanklich nicht um mehrere private Baustellen gleichzeitig kümmern musste. Also saß ich öfter heulend in der Küche, weil ich einfach nicht mehr konnte, oder war so gestresst, dass ich laufend meinen Mann und die Kinder anmeckerte.

Wie hast du etwas verändert?

Zuerst dachte ich, ich muss nur mehr Yoga machen. Mein Arzt schlug mir eine Kur vor. Aber ich habe erst verstanden, wo das Problem liegt, als ich das Konzept Mental Load kennenlernte. Die Last des An-alles-denken-müssens, die vor allem Frauen betrifft. Mir ist klar geworden, dass ich diese Last nicht mehr allein tragen kann oder will, und habe mit meinem Mann darüber gesprochen.

Mit Hilfe des Comics von Emma haben wir die Dynamik nachvollzogen, die sich auch bei uns ergab: Frauen fühlen sich für Fürsorge verantwortlich, werden immer kompetenter in der Familienorganisation und haben dann auch „alles an der Backe“, was Haushalt, Termine und Einkaufslisten betrifft. Männer fühlen sich stärker für den Bereich Beruf und Geld verantwortlich, setzen den Fokus anders. Wer das erkennt, kann bewusster gegensteuert, wenn einer von beiden nicht zufrieden ist.

Wie habt ihr das als Paar konkret umgesetzt?

Wir sind strategisch vorgegangen, haben viel gesprochen, aufgeschrieben und sichtbar gemacht, an was es zu denken gilt. Wir nutzen ein Organisations-System und bringen uns einmal die Woche beim Küchenmeeting gegenseitig auf den aktuellen Stand. Wir verteilen Aufgaben und Familienprojekte und haben auch gelernt, Zeit für uns selbst und für uns als Paar einzuplanen, weil das sonst immer hinten rüber fällt. Heute haben wir natürlich auch ab und zu Stress und einen hohen Workload, aber wir wissen, was wir tun können, um den Mental Load zu verteilen und auch zu reduzieren.

Mental Load

Wieso ist das so schwer?

Weil wir als heterosexuelles Paar gefühlt in diesen Schubladen stecken: Sie sollte fürsorglich sein, er sich um die Familie kümmern. Und es kostet immer Kraft, aus diesen Schubladen auszusteigen. Menschen reagieren leider noch immer mit Erstaunen, wenn sich Väter besonders viel kümmern, oder Mütter ihre Erwerbsarbeit wichtig nehmen. Hier gilt es zu schauen, was für das Paar wichtig ist, und sich dann nach außen abzugrenzen. Außerdem gibt es weitere Hürden: Männer verdienen oft mehr als die Frauen und es erscheint auf den ersten Blick wirtschaftlich sinnvoll, wenn er weiter Geld verdient und sie zuhause bleibt.

Es fehlen Kitas und Ganztagsschulen und wir hängen in der Arbeitswelt immer noch stark an der 40-Stunden-Woche. Die ist grundsätzlich eine Herausforderung für Eltern, weil zu wenig Zeit bleibt, sich zuhause zu kümmern. Im Übrigen ist die Situation für Alleinerziehende besonders schwierig, da sie meist alles allein wuppen müssen. Hier brauchen wir dringend mehr Unterstützung von Seiten des Staates.

Wie begleitest du jetzt Paare dabei, den Mental Load zu reduzieren?

Ich möchte meine Erfahrungen unbedingt weitergeben, weil ich selbst gemerkt habe, dass dieses Problem mit dem Mental Load für ein Paar lösbar ist. Zuvor gibt es dauern Zoff um die Frage: Wieso muss ich an alles allein denken? Viele Frauen sind erschöpft, viele Männer wissen nicht, was sie konkret tun können. Aber wer einmal erkannt hat, an welchen Stellschrauben gedreht werden kann, ist völlig erleichtert. Es geht um Kommunikation, um die Wertschätzung der Arbeit, die der andere oder die andere macht, und um das Sichtbarmachen von Familienorganisation.

Mit der Mental-Order-Methode habe ich einen Vier-Schritte-Plan entwickelt, den ich meinen Paaren in einem achtwöchigen Mentoring-Programm weitergebe. Es braucht manchmal eine dritte Person, die die Herausforderungen kennt, keine Schuldzuweisungen macht, sondern einen Weg aufzeigt, wie Paare aus der Mental-Load-Falle kommen. Dann kommt oft wieder zum Vorschein, um was es eigentlich geht: Um ein zufriedenes Leben mit der Familie, Zeit für sich selbst, aber auch füreinander. Und eine Beziehung auf Augenhöhe.

Mental Load

Wieso möchtest du ein Vorbild sein?

Weil mein Problem auch das so vieler anderer Mütter ist, und weil es so wichtig ist, aufzuklären über Mental Load. Ich möchte vor allem auch meiner Tochter ein Vorbild sein und ihr zeigen, dass Frauen eben nicht für alles zuständig sein müssen, was Fürsorge und Care-Arbeit angeht. Wir dürfen uns um uns selbst kümmern, müssen es sogar, damit wir gesund bleiben. Das fällt vielen Müttern schwer. Sie haben gelernt, immer die anderen im Blick zu haben, und gar nicht mehr zu wissen, wer sie selbst sind, was sie brauchen und was ihnen Zufriedenheit verschafft.

Das herauszufinden ist so wichtig, und ich wünsche mir, dass meine Tochter den Blick auf sich selbst niemals verliert. Aber ich wünsche mir das auch für so viele Eltern um mich herum, die sich unglaublich viel Mühe mit ihrer Familie geben, und dann doch immer wieder unter Schuldgefühlen leiden. Sie befürchten, nicht genug zu tun. Diese Schuldgefühle kurbeln den Mental Load zusätzlich an.

Ich habe mittlerweile keine Schuldgefühle mehr, wenn ich bei einem Fußballturnier meines Sohnes nicht dabei sein kann, wenn ich beruflich weg bin oder mittags eine Ruhepause mache. Das musste ich aber erst lernen. Mittlerweile begleite ich Frauen auf ihrem Weg, zum Beispiel in meinem Mentoring. So ist es auch wieder möglich, im Beruf Stunden aufzustocken, eine Weiter- oder Fortbildung zu machen und sich einmal auf die eigene berufliche Laufbahn zu kümmern, wenn sie sich das wünschen. Es macht mir unheimlich viel Spaß, wenn ich sehe, dass sie sich immer öfter Zeit für sich nehmen und Verantwortung für Familienorganisation abgeben können. Dann bin ich mehr als zufrieden.

Wenn du Lust hast, mehr über Mental Load und deinen Weg da raus zu erfahren, schau mal bei Instagram vorbei: Instagram.com/mentalload_Expertin

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22 comments

  1. Tja, wo ist denn der „Mental Load“ für Reparaturen an Haus/Wohnung/Garten, Wartungsarbeiten für Heizung/Fenster usw., Klärung zu Internet/Strom-Gas-Wasserversorgung, Reifenwechsel-,Auto-Reparaturen,TÜV-Termine, die Kid’s draußen
    beschäftigen, zum Spielplatz gehen, Radtouren unternehmen, Fußball spielen, Arzttermine wahrnehmen, die Steuererklärung machen, Zensus, Einkaufen, Kochen, Übernachtungen planen, Gute-Nacht-Geschichten erzählen, sich um Spielekonsolen kümmern, die Fahrt zum Urlaubsort o. woanders fremdes hin übernehmen, Auto packen, die Finanzierung strukturieren, Rasen mähen, „handwerkeln“, Feuer machen, Gartenpflege und -Bewässerung, Mülltonnen, Container besorgen und füllen, Lego bauen, zu Vereinen bringen, Schwimmen lernen, Pool aufbauen und pflegen, usw.?

    1. Ach weißt du , so viel ist zum Thema schon geschrieben worden, da müssen wir das Rad jetzt nicht nochmal neu erfinden.
      Lies gern mal nach bei o.g. Autorin oder auch bei Patricia cammarata.
      Und wenn ich Auto und Steuer schon lese, was man 1-2 mal im Jahr machen muss , da kann ich eigentlich nur noch gähnen.

      1. Genau Finanzen macht ja nur der Mann… sehr gefährlich! Genau solche Themen sollten beide zusammen und möglichst gleichberechtigt machen!

    2. Antwort auf Sven: All die Dinge, die du aufzählst gehören natürlich zum mental load. Die Frage ist doch, ob du das Gefühl hast, mit deinem Teil der mental load Last,dir tatsächlich den Familien mental load mit deiner Partnerin gerecht aufzuteilen oder nur ihr etwas hilfst. Das kannst nur du nach einem Gespräch mit deiner Partnerin einschätzen. In unserer Familie bin übrigens ich zuständig für Reifenwechsel, Tüvtermine und Autoreperatur 😉

  2. Erinnert mich an manche Diskussionen mit meiner Frau, genau wenn es um solche Dinge wie Wechselkleidung und „Notfallsnacks“ geht.

    Meine Frau tendiert dazu, dass man solche Dinge braucht. Ich tendiere da eher zu der Auffassung, dass es auch für die Kids kein „Notfall“ ist, mal zwei Stunden ohne Snacks auskommen zu müssen und die Kids außerdem alt genug sind nicht in die Hose zu machen und daher keine Wechselkleidung zu brauchen. Ich nehme für mich ja auch nicht überall Wechselkleidung mit.

    Logischerweise hat sie einen höheren „Mental Load“, wenn sie auf solche Dinge Wert legt. Oft sehe ich dies aber auch als Folge eines ausgeprägten Perfektionismus, den sie eigentlich gar nicht bräuchte.

    Bei mir wird die Geburtstagskarte halt auch nicht mühevoll gebastelt, sondern schlicht gekauft und mit einem kleinen netten Text versehen.
    Und ich bin ja auch oft alleine mit den Kids unterwegs und komme da auch ohne „Notfallsnacks“ und Wechselklamotten aus.

    Natürlich sollten Männer tatsächlich notwendige Aufgaben gerecht mit ihren Frauen teilen. Aber wenn ich das Gefühl habe, dass meine Frau sich einen unnötigen Mental Load selbst aufbaut, dann kommuniziere ich auch klar, dass ich mich da rausnehme.

    Ich versuche zwar nicht, ihr den Perfektionismus auszureden, aber ich lasse mir auch nicht vorwerfen, wenn ich ihren Perfektionismus nicht teile.

    1. Danke für deinen Beitrag Flo. So oder so ähnlich habe ich es auch schon öfter gedacht.
      Überhaupt würde ich gerne mal mehr Beiträge von Männern zu dem Thema lesen…. so oft lese ich nur die ‚Beschwerden‘ der Frauen über die Männer und das diese an sich arbeiten sollen.

    2. Klingt ja schön markig. Kurzer Prozess und fertig. Die Frage bleibt: wer bestimmt, welcher Maßstab gilt und was machst Du, wenn Du etwas als perfektionistisch von Dir weist und Deine Partnerin sich dann im Stich gelassen fühlt, weil sie es als notwendig empfindet. Nur weil eine Seite etwas klar kommuniziert, löst das nicht den Konflikt. Wir sind ja nicht bei der Bundeswehr, wo eine Ansage reicht.

      1. @ RM :
        Über den Maßstab wird gemeinsam diskutiert. Da kommen wir meist auch gemeinsam zu einer Kompromisslösung.

        Die Regel, „wenn Du das unbedingt für Dich willst, musst Du Dich auch selbst drum kümmern“ gilt für die Fälle wo man sich zwar nicht einig wird, aber dem Anderen eben auch nicht vorschreiben will was er/ sie zu tun hat.

        Und wenn sich jemand im Stich gelassen fühlt, bei einer Sache die die andere Person unnötig findet wird eben diskutiert, ob das wirklich notwendig ist.

    3. Ja Floh und deshalb durfte dann auch mein Mann die Kinder ins Bett bringen, wenn er das Lieblingskuscheltier vergessen hatte oder er durfte zurück fahren, wenn einer der Kinder dann doch ins nächstbeste Kneippbecken fiel u d wir keine Wechselsachen dabei hatten usw… klar es ging auch ohne vorausschauendes Denken, aber schön und entspannt war dann doch etwas anderes. Oder er machte dann Abendessen, wenn die Lieblingszutaten alle waren, er aber einkaufen für Quatsch hielt. Ebenso bin ich nicht mehr ans Telefon gegangen, wenn er Kinderabholdienst hatte und klar war, dass der Anruf bedeutet er verspätet sich. Ich war auf Arbeit, so wie auch er an den anderen Tagen. Einmal rief dann sogar der Kindergarten an, die habe ich an meinen Mann verwiesen… danach gab es solche Anrufe nicht mehr. Bzw. hat er sich immer lustig gemacht, dass ich Brotdosen gepackt habe, wenn wir 17:30 Uhr die zwei Stunden zu den Großeltern los fuhren bis er selber alleine mit den Kindern um diese Zeit los fuhr, sie quengelig worden, er 19:00 Uhr an einer Tankstelle hielt und die Kindern dann eingeschlafen waren als sie ankamen, aufwachten und Energie bis Mitternacht hatten. Seitdem packt er selber Brotdosen! Das habe ich alles nicht bösartig gemacht, sondern um mich zu schützen, denn was nützt es mir, wenn ich zu jedem Plan noch einen Plan B haben muss. Wir sind ja schließlich beide erwachsen und sollten uns bei Absprachen aufeinander verlassen können. Also genau genommen habe ich alles nur ernst genommen! Das hat uns so manchen Streit erspart und zum Glück sind die Kinder nun so alt, dass sie selber an ihre Kuscheltiere denken und sich 2 mal überlegen in Kneippbecken zu stürzen. Aber dieses selbstverständliche davon Ausgehen, dass die Frau es nur zu perfektionistisch meint und dann aber bei Geschrei zur Stelle ist, das mag ich nicht.

      1. Ja, das möchte ich genau so unterschreiben.
        Wir hatten hier auch schon ähnliche Situationen, als mein Mann sich lustig gemacht hat , dass ich am Wochenende um 10:30 anfange , Mittagessen vorzubereiten , bis ich mal samstags auf einer Fortbildung war und er mit hungrigen Kindern versucht hat , aus noch nicht fertig gekochten Kartoffeln stampf zu machen…hat halt nicht geklappt.
        Es gibt zu dem Thema ein schönes Kapitel in dem Buch „wir sind doch alle längst gleichberechtigt“, in dem die Autorin auch schreibt , dass die Männer gern alles locker nehmen können, wenn sie dann auch entsprechend die Konsequenzen tragen.
        Meist verlassen sie sich aber drauf, dass die Frau einspringt und am Schluss alles grade biegt und das ist am Ende noch anstrengender , als es gleich selbst zu machen .
        Und ja, böse Zungen könnten meinen, dass wäre das eigentliche Ziel des Spiels.
        Da hilft nur , hartnäckig bleiben.

        1. Klar muss im Zweifel die Person, die den „Schaden“ verursacht hat ihn auch wieder ausbügeln. Kam auch schon vor, dass ich in irgendeiner Situation dann doch improvisieren musste, weil ich nicht vorbereitet war. Trotzdem kommt für mich in der Nettobetrachtung weniger Stress dabei raus, als wenn ich immer alles minutiös vorbereite.

          Bei mir ist es allerdings auch so, dass ich von den Kindern schon mal Bedürfnisaufschub einfordere. Es muss nicht immer der Lieblingssnack, das Lieblingskuscheltier etc. da sein. Die Kinder müssen auch mal damit klar kommen auf etwas zu warten.

          Und eben: Das Resultat ist, dass die Kinder beim nächsten Mal selbst an ihre Kuscheltiere denken und nicht ins Kneippbecken stürzen.

  3. Ich weiß nicht… Manchmal denke ich, wir wären vielleicht besser dran, wenn Care Arbeit in seiner ganzen Vielfalt, also nicht nur auf Kinder reduziert, sondern auch auf die Pflege von Verwandten bezogen, einfach nur anständig entlohnt werden würde. Vielleicht sind wir Frauen wirklich einfach besser darin, und statt sich an den Mann abzumühen, in der Hoffnung, dass er es drauf hat, bevor die Kinder aus dem Haus sind, sollten wir uns bewusst machen, wie wichtig diese Arbeit gesamtgesellschaftlich ist und um gerechte Entlohnung kämpfen. Aktuell sehe ich für uns nur 2 Möglichkeiten, entweder sich zw. Job und Familie bis zum Burn Out aufreiben, oder das Geld verdienen dem Partner überlassen und sich in finanzielle Abhängigkeit begeben. Beides kacke. Fühlt euch umarmt liebe Frauen und seid stolz auf alles, was ihr heute, gestern und morgen geleistet habt/leisten werdet.

    1. danke laura, ich sehe da ( auch aus persönlicher erfahrung und in meinem umfeld) auch noch keine zufrieden stellende lösung solang gesamt gesellschaftlich sich am bewusstsein über die care arbeit nichts ändert.

  4. das es heute „ das internet“ gibt in dem man zu gefühlt allem hundert meinungen und dazugehörige themen findet hat auch gute seiten wie ich finde.
    für mich selbst aber auch einige mütter in meinem umfeld ( alle kinder zwischen 0-vorschüler) klagen nämlich über genau DAS! und damit haben wir einen Begriff und den tollen aha moment das wir nicht alleine sind damit und nicht übertreiben.
    nachdem ich das erkannt habe ist es aber viel arbeit für alle in der familie die strukturen umzustellen. zum glück ist mein mann auch bereit an sich zu arbeiten und zuverlässiger zu werden ( das ist oft hier das problem, und auch das er ja macht, ich muss es ihm nur sagen was 😂).
    nachdem wir das geklärt haben läuft es nicht perfekt aber durchaus besser. es ist halt ein stetiger prozess.
    ich glaube es hat auch geholfen das die männer bzw väter in meinem umfeld das aber jetzt auch von vielen seiten, also inne unterschiedlichen müttern hören. so kann der einzelnen es nicht auf die unbelastbarkeit der eigenen partnerin schieben sondern sie verstehen das das generell ein problem ist. sehr gut!
    es bedeutet aber auch nicht, das die mutter nur abgibt, sondern ich finde wir frauen müssen dann auch unsere ansprüche und abläufe überdenken und vielleicht prioritäten überdenken. spreche da aus erfahrung als penible perfektionistin ….
    deswegen finde ich es toll wenn das thema immer wieder zur sprache kommt!

  5. Da bin ich mal ein bisschen bösartig. Diese Probleme hatte und habe ich alleinerziehend garnicht, weil ich dadurch „automatisch“ auf mich selbst/ Selbstfürsorge achten muss. Das kommt von selbst, wenn du allein Verantwortung trägst und dir bewusst ist: ich kann nur gut für meine Kinder da sein wenn es mir gut geht. Da braucht es kein Buch? Nur ehrlich machen, meine Kinder kennen, verstehen ( und überleben) die Ansage das ich jetzt mal 15 Minuten nicht “ da“ bin bzw ALLE mit zu denken haben in unserer Familie und zwar am besten jede/r an seine/ ihre eigenen Dinge und Termine. Das ist die Selbständigkeit, die Kinder sowieso von Kita an lernen ( müssen) und wenn Eltern das nicht verpasst haben, können die „großen Kinder“ das dann erst recht. Und ganz ehrlich, das ist ein meist weibliches Problem und liegt bei uns selbst. Das kommt nicht von außen die Frauen selbst haben diese überkommenen Vorstellungen und verfallen der falschen Socialmedia- “ Realität“. (Auch die Frauen nämlich, die die Partner/ Ehemänner so erzogen/ groß gezogen haben. )

    1. silvia ich finde es sind zwei unterschiedliche themen ob man alleinerziehend ist oder in einer partnerschaft derjenige ist, der sich um das meiste kümmern muss.
      wer alleinerziehend ist muss sich tatsächlich um alles alleine kümmern, es ist ja kein anderer da auf dessen schultern die aufgaben verteilt werden können.
      wenn man aber in einer partnerschaft oder ehe zusammen lebt gehören die aufgaben auf beide verteilt. wenn es für einen der beiden beteiligten ok und machbar ist sich um alles bzw. den ganzen mental load zu kümmern ist das doch völlig ok.
      aber wenn man das nicht alleine machen will oder kann müssen die aufgaben auf beide aufgeteilt werden, es sind dann ja 2 erwachsen personen da!

    2. Also Klappen halten und so weitermachen oder wie?Allein erziehende haben diese Last genauso, wenn nicht noch mehr. Ich hasse es an immer alles zu denken, alles zu organisieren für alles verantwortlich zu sein. Die Kinder sind noch Klein und dies wird noch eine ganzen Weile so weitergehen,und ich kann nicht mal meinen Partner um Hilfe zu bitten.Ich kann meine Gedanken, Gefühle nicht mit einem Partner teilen. Am Ende bin ich selbst schuld weil ich keinen Partner habe?

      1. Nein, wieviel jeman als alleinerziehende Person, „selbst schuld“ ist, interessiert hier nicht. Es geht hier in diesem Blogbeitrag um die Verteilung von mental load in Familien mit mindestens zwei Erwachsenen.
        Um die Überlast und Sorgen von alleinerziehenden Eltern geht es dann in anderen Beiträgen. Ging es ja auch schon in der Vergangenheit hier in diesem Blog. Also bitte tief atmen und auch mal anderen einen Forum zu ihrem speziellen Thema gönnen.

        1. Mein Kommentar bezog sich auf den von Silvia.Mental Load betrifft nicht nur 2 Erwachsne in einer traditionellen Familienkonstelation. Wird auch im Beitrag so beschrieben.
          Schön, dass Du weisst wo welches Thema hingehört!

          1. Ich bin da ganz fair, ich meinte Silvia und Dich. 🙂 Ich habe den Beitrag oben gelesen und kann nachvollziehen, dass so manche alleinerziehende Personen, da einen Stich verspüren können. Aber dieses Interview soll nunmal auf ein Coaching für Paare aufmerksam machen. Und das ist gut, denn das kann vielleicht verhindern, dass noch mehr Menschen alleinerziehend werden, die es nicht sein möchten. Whataboutism ist einfach destruktiv.

  6. Das klingt interessant. Da schaue ich gerne mal rein!
    Mein Mann und ich hatten auch Jahre, in denen wir auf dem Zahnfleisch gekrochen sind, weil die Kinder klein waren, die Firma frisch gegründet usw.
    Ich hätte mir von ihm oft mehr Hilfe zu Hause gewünscht, gleichzeitig wollte ich ihn im Büro nicht hängen lassen. Da mussten wir aufpassen, es nicht dem anderen anzukreiden. Die Kleinkinderjahre sind einfach heftig.
    Mittlerweile haben wir uns gut sortiert.
    Wir arbeiten zusammen, im Haushalt macht jeder was. Und Vereinsmeierei und anderes Optionales überlassen wir Leuten, die unterstützende Familie am Ort haben.
    Den Omas habe ich neulich verklickert, dass die Kommunikation mit den Enkeln bitte nicht mehr über mich sondern direkt mit den Kindern zu erfolgen hat. Sie haben nämlich Telefon!

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