Selbstfürsorge: Warum gelingt es Müttern innerhalb von Beziehungen so selten, sich mal richtig kinderfrei zu nehmen?

Frau am Meer

Foto: pixabay

„Ich hätte ja nie gedacht, WIE gut mir die Trennung tut“, sagt Sonja, die zwei Kinder im Grundschulalter hat und seit einigen Monaten alleinerziehend ist. Als habe man ihr eine schwere nasse Decke vom Körper genommen, so befreit fühlte sie sich nach dem Auszug, erzählt sie in unserem aktuellen Buch „Wow Mom – der Mama-Mutmacher für mehr Ich in all dem Wir“.

Die Frage ist: Wieso muss es für mehr Freiheiten für Mütter erst zur Trennung kommen? Warum kriegen getrennte Paare das hin mit der Teilung der Verantwortung, mit der klaren Aufgabenverteilung und Abgrenzung? Mit Wochenenden ohne Kinder?

Wechselmodell innerhalb der Partnerschaft? Geht das?

Das mag in getrennten Beziehungen nicht immer reibungslos funktionieren, aber das theoretische Konstrukt außerhalb der emotionalen Belastung – wieso kann das nicht auch mal für eine intakte Beziehung angewandt werden, um Entlastung – vor allem Mütterentlastung zu schaffen? Wie wäre es denn zum Beispiel mal mit einer Art Wechselmodell innerhalb einer Partnerschaft?

Nicht, dass die Kinder wochenweise die Wohnung wechseln, aber dass sich Mutter und Vater wechselweise die Verantwortung für Haushalt, Kinder und Familie abnehmen. Du übernimmst eine Woche – oder man fängt mal mit nem Wochenende an – die Verantwortung. Ich die andere. Und zwar mit allem, was dazugehört: Kindergeburtstagsgeschenke für fremde Kitakinder besorgen, Babysitterorga wenns abends raus geht, Kinderkranktage nehmen, Schlittschuhe für den Ausflug leihen… einfach ganze Orga-Pakete abgeben, wie es auch Laura Fröhlich in ihrem Buch Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles empfiehlt.

„Ich hab frei“: Ganze Tage ohne mütterliche Verantwortung

Denn sehen wir den Wahrheit doch mal ins Auge: Wenn an einem Computer zu viele Tabs geöffnet sind und er nie runterfährt, stürzt er irgendwann ab. Das ist mit Müttergehirnen dasselbe. Die Akkuleistung wird dauerhaft geschwächt. Sie brauchen auch mal Leerzeiten. Das bestätigt auch das Müttergenesungswerk: „Vor allem Mütter und Kinder waren auf Grund des Corona bedingten Lockdowns hohen familiären Belastungen ausgesetzt.“ Der Bedarf an stationären Kurmaßnahmen sei sehr hoch.

Die Frage ist, warum es vielen Frauen so schwerfällt, sich diese Zeiten nur für sich zu nehmen. Vermutlich liegt es – auch – an einem unerreichbaren Mütterideal der immer präsenten Supermom, dem viele – auch wir viel zu oft – hinterherhecheln, während sie gleich auch noch im Job performen wollen, als hätten sie keine Kinder. Und ach, der Haushalt und der Body – die sollen ja bitteschön auch noch mega aussehen alle! Zum Glück gibt es Frauen, die diesen Hype nicht mehr mitmachen wollen – gerade und besonders in diesem überlastungsreichen Coronajahr.

Selbstfürsorge und kinderfreie Zeiten für Mütter

Frauen wie Svenja etwa, die sich als Lehrerin und Hobby-DJane trotz Ehe und Kindern ein WG-Zimmer leistet, um am Wochenende auch mal in Ruhe und fern der Familie Party zu machen und am nächsten Tag im Bett zu katern.Ein Pfund für sie – und auch für ihre Beziehung, weil sie sich Zeiten für sich nimmt. Oder Frauen, die sich heimliche Flirts gönnen, um mal für ein paar Stunden auf andere Gedanken zu kommen. Oder sich Zeit für Sport oder Mädelswochenende oder Stricken nehmen – für sich halt, was auch immer ihnen gefällt.

Frauen, die sich selbst noch ernst nehmen und nicht gänzlich auf ihre eigenen Bedürfnisse verzichten. Im Sinne der Gesellschaft. Im Sinne ihrer auferlegten Rollen.

Es braucht nicht erst eine Trennung, Mütter dürfen sich auch innerhalb von Beziehungen mal rausbeamen

Sonja hat erst nach der Trennung gemerkt, wie sehr sie auch innerhalb der Ehe mehr Zeiten für sich gebraucht hätte. Nie hatte sie mal einen Tag lang das Gefühl, ihre Ruhe zu haben, mal nicht verantwortlich zu sein. Erst der Schlussstrich brachte Frei- und Leichtigkeit. Weil sie zwar auf Dinge hinwies, diese aber immer wieder ansprechen musste und dann doch nichts draus wurde.

Mütter sollten aber keine unfreiwilligen Alleinmanagerinnen des Familienalltags sein. Sie sollten gar nicht erst Aufgaben verteilen müssen, sollten die mentale Last, das – Vorsicht Modewort: „Mental Load“, auch mal abgeben können. Denn sich all die zu verteilenden Aufgaben überhaupt zu überlegen, setzt bereits ein Gesamtkonzept im Kopf voraus. Dieses überlastet irgendwann einfach das Hirn, wenn sie nur eine trägt. Das bestätigen alle Statistiken.

Mütter können sich in Coronazeiten schlechter auf die Erwerbsarbeit konzentrieren als Väter

Laut einer aktuellen Stepstone-Studie steckten in Zeiten von Corona vor allem Mütter im Job zurück, um sich um Haushalt und Kinder zu kümmern. Rund 7000 ArbeitnehmerInnen wurden dazu Ende April 2020 in Deutschland befragt. Aufgrund der Doppelbelastung durch Kinderbetreuung und Job gaben sehr viel mehr Mütter, nämlich 42,5 Prozent an, dass sie sich kaum auf ihre Erwerbsarbeit konzentrieren können. Bei den Vätern sagten das nur 27,3 Prozent.

Hier zeigt sich deutlich, dass in der Krise vor allem die Frauen den Männern den Rücken freihielten. 72,4 Prozent der Frauen gaben darum auch an, am Rande des Burnouts zu stehen und nie Zeit für Pausen oder regelmäßige Ruhezeiten zu haben. Bei den Männern waren es 20 Prozentpunkte weniger. (Quelle: statista)

Mehr Freiraum, weniger Bereitschaftsdienst für Mütter

Frauen müssen familiäre Verantwortung aber auch mal komplett abgeben können. Ohne vorher Listen zu schreiben oder permanent per Handy gefragt zu werden, wo was liegt und was wann ansteht. Raus da. Rein in etwas anderes, das nichts mit eigenen Kindern oder Haushalt oder Familie zu tun hat. Im Jetzt und Hier leben, nicht immer mit einer Arschbacke zu Hause. 

Dieses permanente Grundflimmern der Verantwortung und die damit einhergehenden Aufgaben aussetzen. RettungssanitäterInnen oder Feuerwehrleute werden für Bereitschaftsdienst bezahlt. Mütter nicht. Aber auch Mütter brauchen mal Lücken. Auch Mütter brauchen mal Freizeit fürs Gehirn. Abschalten. Ausschalten. Mehr Ich in all dem Wir

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13 comments

  1. Auszeiten braucht jede Mama mal. Der Beitrag regt zum Nachdenken an und das ist gut! Es muss nicht erst zur Trennung kommen, aber Frau darf klar zu ihren Bedürfnissen stehen. Sie erstmal erkennen und sich erlauben auch andere Rollen leben zu wollen. Möglichkeiten gibt es viele.

    1. Die Auszeiten der Mamas variieren aber von – Umbedingt nötig zu Hobbys das sind meilenweite Unterschiede meine werten Damen. Natürlich sei es allen Mamas gegönnt aber wie naiv eine Trennung hier als Freiezitmodell verkauft wird zeigt, dass die Autorin selbst keinerlei Erfahrungen hat wie der Alltag einer Alleinerziehenden funktioniert. Vielleicht hilft da mal ein Blick hinter die Interviews und an den nächsten freien Zeiten mal eine zu begleiten… Für einen ganz geringen Bruchteil löst eine Trennung irgndwas.
      Dann schauen wir noch mal ob nicht euer Alltag doch ein Pausen beinhaltet bzw. Kindr auch älter werden und die Wahrscheinlichkeit das einer beider Elternteile noch Großeltern hat und diese nicht zerstritten sind ist doch weit größer als bei getrennten und die kann man bestimmt auch mal fragen…… Für mich sind das Prinzessinnen Probleme die ihr da habt oder Kommunikationsprobleme

  2. Hmm. Alleinerziehend oder nicht, mit mehr oder weniger Kindern, mit mehr oder weniger Berufstätigkeit, mit mehr oder weniger lebenden und einsatzbereiten Großeltern- Zeit u d Raum Selbsfürsorge ist für sehr Eltern (leibliche, nicht leibliche, Pflege-) in der Pandemie ein sehr rares geworden. Ein Wettkampf scheint mir nicht nötig. Mehr gesellschaftliches Verständnis schon!

  3. Ich kann Lena nur zustimmen.
    Alleinerziehend ist kein Freiheitsschlag du würdest dich anschauen wie viel Friezeitlaune. Du siehst du dein Freizeitleid. Eine Trennung bedeutet so viel mehr Leid und Einbußen den meisten Alleinerziehenden geht es noch nicht mal mehr um Zeit für sie selbst sondern um abends mal jemanden zum Reden zu haben und mal eine helfende Hand und Familie zu leben.
    Damit man auch mal weg gehen kann oder abends ein Hobby ausüben kann man gewiss miteinander reden oder auch die Großeltern fragen. Sich mich alleinerziehenden zu messen macht mich wirklich wütend

    1. Du schreibst das finde ich sehr leichtfergig. In dem Artikel sieht die Mutter sich vor allem selbst, das große Zauberwort bedeutet da auch Reden mit dem Partner.
      Als alleinerziehende geht es mir noch ums Überleben finanziell, beruflich, nervlich und der Vater ist meist kein Ansprechpartner mehr.
      Man kann sich auch in seiner Rolle als Mutter eine Auszeit nehmen und wenn ein zweiterbefähigter Mensch den man an meiner Seite ist kann man sich da auch was ausmachen. Alleinerziehend kannst du das nicht da ist niemand, nie.

  4. Das Wechselmodell ist eines der seltensten Betreuungs Modelle. Die Realität sieht ganz anders aus. Was denkst du, wie sich Alleinerziehende fühlen in der Zeit in der keine Betreuungs Zeit ist? Man nach der Arbeit noch das Kind betreut und das Tag ein Tag aus bis auf 4 Tage(Umgang im Monat) manchmal sogar weit weniger ? Die wenigsten Mütter in Beziehungen arbeiten Vollzeit!Ihr lebt vom Familienbudget zu zweit, lebt ein Leben in viel besseren Umgebungen. Wenn eure Männer 0 mithelfen ( was ich mir nicht vorstellen kann, jede Stunde wäre ja schon wertvoll) dann gibt es doch auch die Großeltern, aber und jetzt sind wir mal ehrlich ist das einganz großes Problem von nicht getrennten ihre Kinder abzugeben,
    Eine Frage die sich alleinerziehende gar nicht stellen können weil sie müssen.

    Die wenigen Tage im Monat als Gemütlichkeit abzutun ist derart naiv, kann ich nur den Kopf schütteln. Die einzigen die nach Trennungen frei haben sind die Elternteile bei denen das Kind nicht lebt und das sind auch meist die Männer… Dein Freizeit Neid ist hier total fehl am Platz.

  5. Erkenntnis soll ja der erste Schritt zur Veränderung sein.

    Aber… Ich bin quasi in der Luft eingefroren…
    Ideen gibt es viele, doch dann kam die Pandemie und nun warte ich darauf den Fuß zum ersten Schritt senken zu können.
    Im Moment wird es tatsächlich eher schlimmer als besser, weil jede Lockerung zu neuen ToDos führt.
    Da hilft es auch nichts, dass wir zu zweit das Familienunternehmen durch den Alltag schiffen, denn es ist einfach zu viel als das man nicht permanent mit 3 Kindern, 2 Jobs und allem was dazu gehört beschäftigt wären.
    Wenn einer sich entlastet, dann belastet es eben den anderen.

  6. im letzten teil wird das größte problem genannt: wir müssen die komplette verantwortung abgeben können! und uns drauf verlassen können das die väter nicht nur kinderbespassung und aufpassen machen sondern sich auch um alles drum herum kümmern was in der zeit anfällt. was bringt es mir wenn ich zwar ein paar stunden frei habe, danach aber wieder allein das ganze chaos beseitigen muss ?! oder nur ich darauf achte das es pünktlich ins bett geht, nicht zuviel süß gegessen wird, usw. was bei manchen vielleicht auch dazu kommt ( so war es halt auch bei mir): ich wusste erst mal gar nicht wo meine grenzen sind, erst wenn es zu spät war und ich wirklich viel zu fertig habe ich es geschafft mal abzugeben oder das auch einzufordern. unter corona bedingungen nacvtülxoj noch schwerer. für meinen mann war der alltag normal, ich war ja immer da und hab mir nur zeit genommen wenn die anderen konnten. und wenn nicht hatte ich halt pech, ich war immer bereit, immer zur verfügung. hausfrau, putzfrau, kinderfrau, managerin. bis ich im frühjahr zusammen gebrochen bin und zu meiner schwester ( mangels möglichkeit ins hotel zu gehen, danke lockdown) gefahren bin um einfach mal weg zu kommen. folge: meine kinder hatten verlust ängste und mussten sich ganz viel versichern das ich sie nicht langfristig verlasse. soweit soll es nicht mehr kommen. eigentlich stand im frühjahr ein langes wochenende im hotel für mich an, bisher ha nicht möglich. und es wäre so nötig! ich habe wieder angefangen zu arbeiten, und mein mann denkt ich mache alles wie bisher und halt dazu einfach noch 15 stunden in der woche arbeiten gehe. und in der ersten zeit musste er jetzt noch das haus streichen, ohne absprache mit mir. und vielen anderen paaren geht es so ähnlich. es ist meist ein langer weg mit sehr viel streit, enttäuschung und verletztheit bis man als paar dann endlich einen gesunden familien – weg findet. ich kann dem text uneingeschränkt zustimmen.

    1. was mir noch einfällt: ich soll immer sagen was gemacht werden muss. aber da fängt es doch schon an-ich möchte nicht an alles denken müssen, kontrollieren müssen ob es gemacht ist, erinnern müssen und dabei immer noch nur nett sein. wenn ich arbeiten abgeben möchte dann möchte ich auch nicht mehr daran denken müssen. und ja, der lockdown hat das alles nochmal sehr erschwert, da ich mir letztes jahr und dieses erste halbjahr viel mehr freiheiten nehmen wollte ( yogakurs, mit freundin im cafe frühstücken, ein paar nächte im hotel) einfach nicht gingen. und da dazu die ganzen auswirkungen vom lockdown….

  7. Hallo Anni,
    weiß nicht, ob es spitzfindig ist oder hilfreich: nicht du bekommst es nicht hin sondern ihr. Dir allein die Verantwortung zu geben eine annähernde Gleichverteilung der Familienarbeit zu schaffen, ist keine Gleichverteilung der Verantwortung.
    LG Anne

  8. Ja, leider bin ich auch die unfreiwillige Alleinmanagerin von allem hier. Und das macht mich fertig, vor allem, dass ich es nicht hinbekommen, in einer gleichberechtigten Partnerschaft zu leben.
    Seit ein paar Tagen weiß ich auch, dass ich hier mal raus muss. Einfach mal weg und die Familie muss den Alltag ohne mich stemmen. Ich weiß tatsächlich nur nicht genau, wohin, wie lang, mit wem.
    Aber es wird eine Auszeit geben!
    VG

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